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45. Jahrg.

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Zweites Blatt

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Missionen und Nnaedorenenfraae.

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Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gcspaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

DieOberhessifche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 X (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.

mal der Farbige an sich sehr bedürfnislos ist? Ein Zwang zur Arbeit hat aber seine Schatten­seiten und ist auch nur in beschränktem Mähe möglich. Da bleibt denn nichts übrig, als in den Eingeborenen das Verständnis für die Notwen­digkeit der Arbeit zu erwecken, und hierfür ist die Mission am geeignetsten. Aber auch die sitt­liche und kulturelle Hebung der Bevölkerung ist mit der Heranziehung zu regelmäßiger geord­neter Arbeit aufs engste verknüpft. Es er­scheint hier angebracht, eine Stelle aus dem schon erwähnten Berichte der ..Berliner Mis­sionsgesellschaft" im Wortlaut anzuführen:Die hohen Güter des Pflichtgefühls, der Treue, der Selbstverleugnung, des Opfers sind nicht schnell erworben. Es gehört Mühe und Arbeit dazu, sie zu erwerben. Der Eingeborene ist kein Brun­nengräber, sondern er läuft zur besten Quelle) daß man durch Brunnengraben sein Land ver­bessert muh ihm gesagt werden. Er. lebt von der Hand in den Mund, schafft aber keine Werte." Die Tätigkeit der christlichen Mission in unseren Schutzgebieten ist also auch in rein wirtschaftlicher Hinsicht nur freudig zu begrüßen. Die Entwicklung dieser Gebiete ist mit ihrem Gedeihen eng verbunden, sie treten überall da ein, wo die Verwaltung und die privaten Unternehmungen eine Lücke lasten. Das genaue Kennenlernen der verborgenen Arbeit der Mission würde sicher auch manches Vorurteil gegen sie zum Verschwinden bringen.

Marburg

Dienstag, 1. Februar 1910.

Die der Denkschrift über die Entwicklung I der Schutzgebiete beigegebenen Berichte über die I in den Kolonien tätigen Mistionen ergänzen die amtliche Darstellung in vieler Hinsicht in I dankenswerter Weise und geben für die Beur- I teilung einer ganzen Reihe von Fragen wert- I volles' Material ab. Der Staatssekretär Dem- I bürg hat s. Z. die Eingeborenen als den wichtig- I sten Besitz bezeichnet, den wir in unseren I Kolonien haben, eine Entwicklung sei daher nur I mit ihnen, nicht geaen sie möglich) die wichtigste I Aufgabe sei mithin, die Eingeborenenfrage zweckmähig zu lösen. In denselben Wegen I wandelt auch die amtliche Denkschrift, wenn sie auf eine praktische Erziehung der Eingeborenen I zur Arbeit das Hauptgewicht legt und die Er- I zielung einer nicht auf praktische Kenntniste ge­richteten Halbbildung als nicht erstrebenswert, I ja als bedenklich bezeichnet. I

Die Mistionen in unseren Kolonien unter­liegen in der Heimat sehr verschiedener Wert- I ung. Neben begeisterten Freunden haben sie I auch nicht weniger scharfe Gegner. Es erscheint I daher wohl angebracht, an der Hand des vor- ] lieaenden Materials nachzuprüfen. wie sich die Mistionen in der Eingeborenenfrage verhalten, I vor allem, ob sie der wesentlichsten Aufgabe ge­recht werden, die Eingeborenen zur produkttven Arbeit heranzubilden. Da ist es denn für jeden Missionsfreund erfreulich, festzustellen, dah der den Missionen des öfteren gemachte Vorwurf, I sie erzögen die Farbigen zu anmahenden Nichts- | tuet«, die sich den Weihen gleichberechtigt fühl­ten ohne sich aber deren ernste Auftastung von Pflicht anzueignen, in keiner Weise durch Tat- fachen gestützt wird. Ganz im Gegenteil! . In geradezu erstaunlicher Uebereinstimmunq zeigen | alle diese Mistionen, evangelische wie katholische, in allen Teilen Afrikas, wie auch in der Sud­fee dasselbe Bild. Die Mistionare begnügen sich' nicht damit, dem Evangelium neue An­hänger zu gewinnen, den Gewonnenen in den Schulen ein mehr oder minder grohes Mah von Misten zu vermitteln, sie durch hygienische Mah­regeln und ärztliche Tätigkeit gesundheitlich bester zu stellen, sie ferner sittlich auf eine höhere Kulturstufe zu heben, nein, sie gewöhnen die

Eingeborenen auch durch Beispiel und Belehr­ung daran, in körperlicher Arbeit nichts Ent­ehrendes zu sehen. Neben den Missionar tritt der Handwerker und Landwirt. Die Arbeit selbst ist natürlich je nach den Umständen ver­schieden. doch kann man von vornherein zwei grohe Gruppen unterscheiden, die landwirtschaft­liche Tätigkeit und die Ausbildung zu einem Handwerk. Auch die Beeinflussung der Einge­borenen vollzieht sich in verschiedener Weise. Einerseits bilden die Mistionen in eigenen land­wirtschaftlichen Musterbetrieben und Werk­stätten tüchtige Landwirte und Handwerker heran, andererseits aber wirken sie auch auf die Umwohnenden, die mit der Station selbst nichts zu tun haben, insofern erzieherisch, als auch diese Gelegenheit haben, hier manches zu sehen, was ihnen bisher fremd war. Das Beispiel der christlichen Landsleute und der angeborene Nachahmungstrieb machen sich dann von selbst geltend und veranlasten so manchen zu einer Tätigkeit, worauf er von selbst nicht gekommen wäre. Wir wollen hier nur zwei Stellen aus den Berichten anführen. So beiht es in dem Berichte der in Deutsch - Ostafrika tätigen. evangelischenBerliner Missionsgesellschaft": Die besteren Butten, die Baumanlaaen, die man auf der Station sieht, reizen zur Nachahm­ung, besonders wenn durch Belehrung und Unterstützung dieser Trieb gestärkt wird." Und das apostolische Bikariat Süd-Nvansa der ..Ge­sellschaft der Missionare von Afrika (Weihe Väter)" schreibt:Auch die eingeborene Be­völkerung dieses Bezirkes hat immer mehr Jn- tereste für aewinnverlprechende Unternehm­ungen, speziell für den Anbau der verschiedenen absatzfindenden Artikel. In Ukerewe haben, von der Mistion angespornt, viele selbst Baum­wollkulturen anaefangen." Den klimatischen Berhältnisten entsprechend ist die landwirtschaft­liche Tätigkeit naturgemäh sehr verschieden, doch ist auch an vielen Orten mit gutem Erfolge der Versuch gemacht worden, europäische Früchte in den Kolonien einzuführen. Das Handwerk ist, wie es ja nicht anders fein kann, da jede Station ihren gesamten Bedarf und vielfach noch den der Umgebung selbst Herstellen muh, in den verschiedensten Zweigen vertreten. So finden wir Tischler, Schuhmacher, Maurer, Zimmerleute, Schneider, Schloster. Sattler, Schmiede u. a. m. Auch die weibliche Be­völkerung wird in anerkennenswerter Weise zur Beschäftigung mit herangezogen, neben den üblichen Handfertigkeitsarbeiten werden beson­ders erwähnt Waschen, Nähen und matten­flechten Es würde hier zu weit führen, wollten

I wir auf alle Einzelheiten, die die Berichte in dieser Hinsicht anführen, eingehen.

Von zwei Gesichspunkten aus ist es von her­vorragender Wichtigkeit, die Eingeborenen an ernste selbständige Arbeit zu gewöhnen. Zu­nächst rein wirtschaftlich: Wir sind in unseren Kolonien auf die Einqeborenenarbeit angewie­sen, schon jetzt macht sich hier und da die Schwie­rigkeit bemerkbar, hinreichend Arbeiter für landwirtschaftliche und industrielle Zwecke zu erhalten. Wenn das schon jetzt bei der doch nur I geringen Erschließung des Landes so ist, rote soll I es denn bei intensiverer Wirtschaft werden, zu-

15 «Rachdruck verboten.)

Die Toller des Abaeordneten.

Von Georges Ohnet.

iForttktzung.»

Die Frage, ob er Erkundigungen über den neuen Mieter habe einziehen lasten, schwebte dem jungen Mädchen auf der Zunge, aber sie wagte Heinrichs Namen nicht auszusprechen. Es war ihr, als ob sie damit ihre Seele aufschließen würde und als ob man alles entdecken könnte, was sie darin verbergen wollte. So verflosien acht Tage. Courcier war ganz und gar von der Politik erfüllt und schien das Vorhanden­sein des neuen Nachbars vollständig vergessen zu haben. Zufällig war er ihm seither nicht wieder begegnet und so war et ihm gänzlich aus dem Sinn gekommen. Trotzdem erschien Heinrich Gervais regelmähiq und eifrig im Hause; gegen vier Uhr kam et und sobald es dunkelte das heißt, sobald Gilberte aus dem Garten verschwunden war, verließ er seine Wohnung wieder. Es traten Regentage ein, wo das junge Mädchen die aufgeweichten Garten­wege nicht betreten konnte, dann hörte sie den Mieter zwei Stunden lang in seinem Zimmer auf und ab gehen und konnte aus dem lang­samen, matten Schritt schließen, ba{$ diese Art, die Zeit totzuschlagen, wenig nach seinem Ge­schmack war. Sie war einmal nahe daran, ihren Schirm zu nehmen und in dem jetzt gerade strömenden Regen wenigstens bis zu denr run­den Beet zu gehe«, nut damit der arme Zunge die Freude hätte, sie zu sehen, unterließ es aber, weil ihr ein solcher Schritt doch zu bedeutsam «nd bindend vorkam. Sie ergab sich also darein, die Schuhsohlen des Liebhabers «inen weh­mütige« Trauermarsch «usführen z» hören,

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besgeschichte. ein Herzensgeheimnis. War es nötig, ein stilles verschwieoenes Glück zu störet und mit den plumpen Stiefeln der Polizei heimliche Wege zu betreten, wo Liebende ihre Seligkeit spazieren führten? Er -ließ allo Heinrich nicht einmal vorladen, sondern ging nach dem Frühstück an der Börse vorüber, ließ sich den alten Schulfreund in den Garten kommen und warf ganz unversehens die Frage hin:Sag einmal, Gervais, was für Ränke spinnst du denn in der Spontinistraße?"

Da der junge Tresorier sichtlich erschrocken Miene machte, den ungestümen Frager mit vor­nehmer Kälte abzuweisen, setzte er hinzu:Ja, ja, mein Lieber, die Polizei ist dir seit zwei Tagen auf den Fersen, und wäre ich nicht ge­wesen, so hättest du schon eine unliebsame Ueberraschung erlebt. Vielleicht gilt es Rück­sichten zu wahren gegen dich oder andere . . . jedenfalls glaub' ich kaum, daß du die staatliche Ordnung umstürzen willst? Ich bab's also für ratsam gehalten, dir einen Wink zu geben . . ."

Der ein großer Freundschaftsdienst ist, mein Alter'." rief der junge Mann.Wie soll ich dir nur dafür danken? . . . Deine Vermutung ist ganz richtig ... ich bin zur Vorsicht ge­zwungen . . . aber ich kann dir mein Wort darauf geben daß es sich nicht um Politik handelt. Sag mit aber, bitte, wer den Auftrag gegeben hat, mich zu überwachen?"

Ein Abgeordneter von der äußersten Linken, der sich gern wichtig macht, ein ruhmrediger Demokrat hinter dem blutwenig steckt, Cour- cier

Zum Teufel! Aber weshalb ist er mir eU%t9roia nur wissen, wer und was du bist, woher du stammst und was du treibst. Er ist

Bestellungen

(6t die Monate Februar ««d März euf dieOberhessifche Zeitung" nebst Ihren Beilagen werden von unserer Expedi- tton (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs- dors, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei» denhofen tuib Dreihausen sowie von allen Postanfialikn und Landbrieftrögern entgegenge­nommen.

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Im Abtteosdneten!m'Ne

wurde am Sonnabend die zweite Beratung des Landwirtschaftsetats fortgesetzt. Abq. Dr. Becker (Stegkreis (Ztr) wünschte eine Erhöhung des Prämienfonds für Pferdemcht um gutes Zucht­material im Inlonde erhalten iu können. Abg. v Klöden (b. k. P) forderte Schutzmittel gegen Verunreinigung des Rheins und seiner Neben­flüsse durch industrielle Abwässer. Die Fischerei leide erheblich. Abq. v. Boehlendorft tKölvin) (kons) erklärte, daß wir wobl Korn und Fleisch im Verhältnis zur stark angewachsenen Bevölke­rung hätten aber nicht genug Fische. Es mühte mehr zur Erweiterrtng unserer Kenntnisse über Fischzucht getan werden und ihre berechtigten Interessen aufs sorgfälttgste geschützt werden. Abg. Klocke (Ztr.) begründete einen Antrag, der in verstärktem Make eine NmN'gndlunq von Moor- und Oedläudereien in Ländereien von höheren wirssck^llllchen Mert fierbehufübren wünscht Der Antrag fand auf allen Seiten des Hauses svmvatbische Aufnahme. Abg. W--rm-l (kons.) wies auf die guten Eriolgc der Meliora- ttonen in Westvrenßen Ostpreußen und Pommern hin. die vorbildlich wirken könnten. Minister von Arnim versprach, den Meliorationen, nach wie vor. volles Interesse entaegenzutreten. Der Antrag Klocke tottrbe einstimmig angenommen. Den vie- (en Msinscheu na* -sch"tzvorichvtu"-n neuen Hoch­wasser saate der Minister wohlwollende Prüknuq zu. Die Matzreaeln der Regierung zur B-'kämv- fitna der Reblaus wurden vom Abo v. Rfneben (h k. P ) einer imnünWni'u Kritik unterzogen. Ein asmeiuschastlicher Antrag der Konservativen, des Zentrums und der Nattonalliberalen d«e Be- soldunaszuschüsse der Prolessoren penssonssövm ,u mnch-n wurde angenommen. Der Antrag Wallenborn (Ztr) denMer^onhs« um 3nnno M tu erhöben, fand ollseitioe Zu' "nmung und be­sonders warme Besürmartuna durch den Heck-nroth (kons) der betonte, daß sonst alle Auf-

(F«tsetzung folgt.)

gaben liegen bleiben müßten, an deren Lösung man herangegangen sei, und durch denAbg. v. Ge- schcr (kons.), der auf die großen Erfolge hinwies, die durch die bescheidenen Mittel des Westsonds erzielt worden sind. Der Antrag wurde mit großer Majorität angenommen.

dr. Schafskopf, der sich einbildet, die ganz« Welt drehe sich um seine armselige Persönlich­keit, und der für sich selbst die Polizei fürchtet und haßt, es aber nicht verschmäht, sie auf andre zu Hetzen. Nun sag mir, was für einen Bescheid ich dem Herrn geben soll."

Daß ich Gervais heiße und in der Spontin:- straße eine ruhige Wohnung gemietet habe, um ungestört Nationalökonomie studieren zu können, wenn du so gut sein willst."

Abgemacht! Begeh' aber keine Unbesonnen­heiten, damit wir nicht in die Klemme geraten!"

Daraus kannst du dich verlassen . . . hab' tausend Dank."

Courcier war vollständig beruhigt, als man ihm mitteilte, der neue Bewohner heiße in der Tat Heinrich Gervais und beschäftigte sich mit harmlosen Studien. Er bekümmerte sich gar nicht mehr um ihn bis et an einem Donnerstag gegen vier Uhr abermals im Hof mit ihm zu- femmentraf, wobei der junge Mann sich nicht mit einem Gruß begnügte, sondern ihn mit aus. gesuchter Höflichkeit ansprach.

Herr Abgeordneter," begann et mit ein« Verbeugung, die einem gekrönten Haupt ©enuge getan hätte,ich weiß nicht, ob ich die Eh« habe, von Ihnen wieder erkannt zu werden? Ich habe schon einmal das Glück, mit 3p,nee zusammenzutreffen . . . wenn ich mich erkühn^ Sie anzusprechen, so wage ich es nur, weil ich weiß daß ein Mann von Ihrer Bedeutung sich niemals verächtlich von einem Anfänger abwen­den wird und den ehrlichen Fleiß zu schätze» weiß, mag fei» Ergebnis auch noch fo bescheiden

das unterbrochene, eintönige Geräusch gewann für ihr Ohr symphonische Bedeutung. Einen Klaggefang, heißes Flehen, stammelnde Geständ­nisse hörte sie heraus, wie wenn ein Klopfgeist ihre Gefühle und Gedanken eines verbannten Liebenden übermittelt hätte. '

Courcier war indessen doch nicht so vergeß­lich als es den Anschein hatte. Mit der Hart­näckigkeit des echten Parteimannes feinen Gedanken festhaltend, hatte er sofort den Polizeidirektor von dem geheimnisvollen und verdächtigen Auftauchen eines jungen Mannes, der angeblich Gervais heiße, in feinem Haus benachrichtigt. Der Direttor hatte einen ferner Hilfsarbeiter, einen jungen Mann, der wie io viele hier feine Lehrzeit im Verwaltungsfach durchmachte, um die Freuden der Hauptstadt zu genießen, mit dieser Nachforschung beauftragt. Cie kostete weder viel Zeit, noch Kopfzerbrechen, denn Heinrich tot nichts, um feine Spuren zu verwischen. Der Beamte hatte den Weg von der Cpontini- nach der Preßburgstraße leicht ge­funden, und nach Verlauf eines halben Tags war die Nachricht da, der Mieter des Zwischen­geschosses in Nr. 48, der sich Heinrich Gervais nannte, fei der Sohn des Bankiers Baron Tresorier, des Vizepräsidenten der Handelsge­sellschaft, eines der reichsten Männer Frankreichs.

Der Zufall hatte es gewollt, daß jener junge Hilfsarbeiter ein Schulkamerad von Heinrich war, ein netter Junge, den Mangel an Ver­mögen unb Anlage zum Streber in das Ver­waltungsfach gelockt hatten. Er überlegte sich die Sache, ehe er handelte. Wenn Tresorier sich in einer abgelegenen kleinbürgerlichen Stodt- gegend eine Wohnung zu tausend Franken ge­mietet hatte, so steckte da gewiß nichts Stoats- gefährliches dahinter, sonder» irgend eine Lie-

Deutsches Reich.

Gouverneur von Schuckmann. In der Sitzung der Budget komm ission des Reichstages führte der Staatssekrtär des Reichskolonialamts Dernburg aus, daß er die Zeitungsnachrichten über den dem Gouverneur von Südwestafrika von Schuckmann gebrachten Fackelzug für so un­wahrscheinlich gehalten habe, daß er es über­haupt nicht für notwendig erachtet habe, deswegen hinauszutelegraphieren. Er habe nunmehr folgendes vom Gouverneur von Squck- mann ohne Anftage abgesandtes Telegramm er­halten:Selbstverständlich habe Fackelzug weder geahnt noch angenommen. 10 Uhr schlafend, höre Singen) kaum erwacht. Leute abzogen mitDeutschland, Deutschland". _ Bin gar nicht aufgestanden. Außer durch Adsiugen patriotischer Lieder Ruhe nicht gestört. Schuck- manu." Dieses Telegramm bestätigte seine Än- sicht, die er bei Gelegenheit der Zeitungsn eld- ungen ausgesprochen habe. Im übrigen betreue er, daß der Gouverneur bereits im November v. I.' ein ärztliches Attest eingereicht habe, marach feine Beurlaubung in die Heimat notwendig tei. Er hoffe, daß die Gesundheit des Herrn von Schuckmann wieder hergestellt, und der verd.ente Gouverneur dem Schutzgebiet erhalten bleibe« werde. .

Die Landgerichte. Durch die Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte aus Grund des Gesetzes vom 1. Juni 1909 wird nach ein­gehender Prüfung durch das preußische Justiz­ministerium eine Entlastung der Gesamtgeschü-te ! der Landgerichte um ein Zwölftel herbeigcführt I werden.

Für Einführung des Nähmaschinenui-ter. richts in den Mädchenschulen tritt der Kultus- minister Trott zu Solz ein. Die Regierung regt, nach Meldung derRhein.-Westf. Zig.", diejenigen Städte und Gemeinden, in denen sich hochentwickelte Schulsysteme befinden, seit Kurzer »Zeit zur Anschaffung von Nähmaschinen für die I erste Mädchenklasse der Volksschulen in geeig­neter Weise an. Das Maschinennähen darf I jedoch nur mit denjenigen Mädchen geübt wer- I den, die im Handnähen genügend gefördert sind. I Die Staatsregierung ist bereit, in gewißen I Fällen für die Beschaffung von Nähmaschinen

Beihilfen zu leisten.

I Die Schiffahrtsabgaben. Stuttgart, 29. | Jan. Wie derSchwäbische Merkur" berichtet hat die Stuttgarter Handelskammer im Auf,

I trage sämtlicher wiirttembergischer Handels- I Jammern eine Eingabe an den Bundesrat ge- I richtet, die im Hinblicke auf die demnächst bevor- I stehende Entscheidung im Bundesrate für dir I Annahme der Schi'fahrtsabgaben eintritt. Die I Kammern erklären dabei ausdrücklich, daß sie mit der Einführung von Schiffahrtsabgaben als reinen Zweckabgaben grundsätzlich einverstanden

I sind und daß die gegen die Erhebung solcher

mit dem Krcisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbellage) undLandwirtschaftliche Beilage.«