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mert darum, daß uns Schaden zugefügt wird. Großherzogs Friedrich wenn wir Wilhelm II. in unserem Empfinden
dadurch viel bleibender Es ist ein Verdienst des des Deutschen, daß wir, im Geiste vor uns sehen, der Preußenkönig dabei
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Er nahm dabei Gelegenheit, ziemlich scharf« Angriffe gegen Preußen wegen des Verhaltens ie* der Sckiffahrtsabgaben-Frage zu richten. Der anwesende preußische Gesandte v. Eisendecher erklärte darauf dem neben ihm sitzenden Oberbürgermeister von Karlsruhe, daß er sich gezwungen sehe, eine Feier, bei der derartige Angriffe auf den von ihm vertretenen Bundesstaat Preußen erhoben werden, zu verlaflen und verließ sofort de« Saal. Die betreffende Stelle der Rede lautete: „Als der Erzieher, desien Beispiel und Wort in allen Schichten der Bevölkerung viel gilt, hatte Friedrich der Deutsche, mitgeholfen, uns den Reichsgedanken einzuprägen, unauslöschlich einzuimpfen, so daß wir nicht wanken und nicht irre werden, auch nicht in trüben Zeiten, wie den gegenwärtigen, wo wir mit banger Sorge in die Zukunft unseres badischen Volkes blicken muffen, weil größere mächtigere deutsche Bundesstaaten auf eigenen Vorteil bedacht sind, unbeküm-
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verblaßt vor dem Deutschen Kaiser, so daß wir • auch in einer solch trüben, sorgenvollen Zeit voll herzlicher germanischer Treue, voll Anhänglichkeit dem Jubilar Heilruf entgegenschallen lasten.* DaS ist mindestens grob taktlos, in einer Festrede, derartige politische Angriffe vorzubringen, auf die zu antworten doch nicht einmal möglich ist.
— Der „Vorwärts* hat sich auch in diesem Jahre mit den Kaisergeburtstagsfeiernden beschäftigt. Er nennt sie „Lindenbummler, die sich' ihre patriotischen Beine in den Bauch stehen*, „Spießer*, „Schaugierige*, „Gaffer*, spricht von „bureaukratisch reaktionärem Hohnlachen", „Schreihälsen*, „Niickenverkrümmung* usw. Am Schluste des Ergusses heißt es: „Man macht für sein koscheres Geld den Festrummel mit, weil es nun mal so Brauch ist, stopft sich den feisten Wanst noch voller, begießt sich mit Champagner und brüllt schablonenmäßig hurra, hurra, hurra!*
Die JnserrionSgebühr beträgt für die Tgefpaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
für sie. Sicher, nicht beobachtet zu werden, heftete sie, anscheiiiend zufällig, forschende Blicke auf die Fenster des Zwischengeschosses. Nichts Harmloseres, Unschuldigeres als dieser Anblick! Blendend weiße, einfache Mullvorhänge hingen hinter den Scheiben: nichts rührte sich im Innern. Um diese Stunde öffnete Heinrich ja weit von hier die Morgenpost für den Vater, und Fräulein Courcier konnte seine Kreuzstücke studieren, ohne die geringste Gefahr, als Spion ertappt und verdächtigt zu werden.
Daß sie nichts entdeckte, war eine Enttäuschung und bereitete ihr sogar' einigen Verdruß. Sie hatte nicht gerade erwartet, daß die Fensterflügel wie im Märchen aufspringen würden und der Prinz auf einer seidenen Strickleiter zierlich herabsteigen und ihr zu Fußen sinken werde, aber diese Stille und Regungslosigkeit, diese undurchdringlichen drei Fenster mit den weißen Vorhängen, die wie blinde Augen Ins Weite starrten, das war doch ärgerlich. Es fröstelte sie ordentlich bei dem Anblick, und von unklarer Traurigkeit bedrückt, trat sie gedankenvoll ins Haus zurück.
Nachdem sich ihr Vater verabschiedet hatte, um nach dem Bourbonpalast zu gehen, stand es ihr frei, über ihren neuen Hausgenosien nachzugrübeln, ohne daß jemand sie der Zerstreutheit zeihen würde. Das Mißtrauen, das durch das seltsame Zusammentreffen der Begegnung in Toulon und dieses Einzugs in ihr Haus erweckt worden war, setzte sich immer hartnäckiger fest. Weshalb Heinrich diese Wohnung gewählt hatte, war ihr überhaupt nicht mehr fraglich, sie war j aber weit entfernt, sich dieser Unternehmungslust zu freuen, sie erschien ihr im Gegenteil vev- letzend und verdächtig. Wag maßte sich denn dieser junge Mann an und war für Plä» konnte er im Schild führen? -t { i -.i. ■ (Fortsetzung folgt.)
Der heutigen Nummer liegt Uet Kreistrlatt Nr. 8.
ner Walther vom Rath-Frankfurt a. M., Bergrat Richard Remy-Lipiue und General der Kavallerie Freiherr von Vissing.
Von Ordensverleihungen in der Generalität werden genannt: Die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den General v. Deines, des Eroß-Komthurkreuzes des Hausordens von Hohenzollern an den Generalobersten von Ples- sen und des Großkreuzes des Roten Adlerordens an die kommandierenden Generale von Loewen- feld und von Mackensen. — Der Chef des Zivilkabinetts von Valentini erhielt den Roten Adlerorden zweiter Klaffe mit Stern und Eichenlaub.
Befördert wurde zum Admiral der bisherige Vizeadmiral von Holtzendorff unter Ernennung zum Ehef der Hochseeflotte.
In den Hauptstädten Deutschlands wurde der Geburtstag des Kaffers in der üblichen Weise begangen. In München veranstaltete der Prinzregent ein Festmahl, an dem die Mitglieder des Königlichen Hauses und der preußische Gesandte teilnahmen. Weiter liegen eine große Reibe von Berichten über Feiern der Deutschen in Wien, Rom, Petersburg, Paris usw. vor.
Berlin, 27. Ian. Der Kaiser und die Kaiserin machten beute nachmittag eine gemeinsame Ausfahrt. Abends 8 Uhr war im reich- gefchmückten Königlichen Opernhause auf allerhöchsten Befehl Galaoper. Gegeben wurde der zweite Akt von Wagners „Rienzi unter Leitung des Generalmusikdirektors Dr. Muck. Nach der Oper hielten die Majestäten Cercle.
Berlin, 27. Ian. Mit dem Einbruch der Dunkelheit begann die Illumination, die besonders bei den großen Warenhäusern, Banken, Hotels und Cafös eindrucksvoll waren. In den Straßen wogte eine unoeheure Menschenmenge. Das Wetter ist trocken und milde.
Marburg
onnabend, 29. Januar 1910.
Ausland.
** Die Wahlen in England. London, 27. Januar. Bis 4 Uhr nachmittags waren folgende Wahlergebnisse bekannt: 258 Unionisten, 249 Liberale, 40 Vertreter der Arbeiterpartei und 74 Nationalisten, darunter acht Anhänger O'Vriens. Die Unionisten gewannen 120, die Liberalen 18 und die Arbeiterpartei einen Sitz.
** Zum Streik der Minenarbeiter in Australien. Sydney, 27. Jan. Wegen ihrer Tätigkeit beim Ausstand der Minenarbeiter gegen Ende des vorigen Jahres sind der Vorsitzende des Bergar- beiierverbandes Nordens zu drei Jahren Zwangsarbeit und einige Führer der Ausständigen zu acht Monaten Gefängnis sowie acht Bergleute zu zwei
u. s. f. Es waren 60 Fürstlichkeiten, die so ihren Einzug hielten. '
Oberhofprediger Dryander prÄigte über das vom Kaiser selber gewählte Wort des Psalmi- sten „Aber das ist meine Freude, daß ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf den Herrn, daß ich verkündige alle Deine Tugend." Er führte aus: Wir wünschen dem Kaiser zu seinem Geburtstage, was deutsche Treue auf dem Herzen trägt, ein Jahr des Friedens und der Sicherheit nach außen, des Gedeihens und der Wohlfahrt nach innen, Freude im eigenen Haufe unter den Kindern und Enkeln, und wer sich „zu'Gott halte", wie der Kaiser, dem werde auch das neu« Lebensjahr zum Segen werden. Der sei der Glücklichste, der es verstehe, andere reich und glücklich zu machen, in Liebe. Ein Volk, das stark und einig ist durch seinen Glauben und seine Treue, das möge unser Geburtstagsgeschenk sein. Den Gottesdienst schloß, vom Domchor mit Posaunenbegleitung vorqetragen, der Gesang „Gott ist gewaltig, vielgestaltig", dem das Niederländische Dankgebet folgte.
Berlin, 27. Jan. An den Gottesdienst schloß sich die Eratulationscour im Weißen Saale, wobei der Kaiser dem Reichskanzler und den Präsidien der Parlamente die Hand reichte. Rach der Cour nahm der Kaiser die Glückwünsche des Staatsministeriums entgegen und begab sich sodann mit seinen Söhnen zu Fuß nach dem Zeughaus hinüber, wo ihn die Offiziere der Garnison zur Paroleausgabe und zu militärischen Meldungen erwarteten. Hier besichtigte der Kaiser auch die im Lichthofe aufgestellten Modelle der Senkballons und Fluamafchinen. Sodann begab sich der Hof in die Schlost*avelle, wo die Botschafter und die übrigen Missionschefs. die BundesratsmitgliÄier, die Generalität, die Admiralität, die Minister, die Parlaments- Präsidenten usw. sich eingefunden hatten. Oberhofprediger Dryander hielt die Predigt.
Außer dem Schwarzen Adlerorden an den Reichskanzler fanden noch folgende Verleihungen statt. Er erhielten u. a.: den Wilhelms- orden Frau Prinzessin Heinrich von Preußen und Frau Anna vom Rath-Berlin: den Roten Adlerorden erster Klaffe mit Eichenlaub Staats- minister Trott zu Solz: den Kronenorden erster Klaffe Staatssekretär Frhr. Zorn von Bulach; Kreuz und Stern der Komthure des Hausordens von Hohenzollern der Chef des Militärkabinetts Frhr. v. Lyncker: das Kreuz der Ritter des Hausordens der HohenzollernMarinemaler Prof. Saltzmann und Marinemaler Hans Bohrdt, sowie der Eeschicktsmaler Vrof. Röchling, den Charatter als Wiklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz der Direktor der akademischen Hochschule für die bildenden Künste, Prof. Anton v. Werner und der Generaldirektor der Königlichen Museen Bode.
Ferner wurden aus allerhöchstem Vertrauen zu Mitgliedern des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen: Die Landräte a. D. v. Buelow auf Bothkamp, Otto von Pestel-Melle, Prof. Adolf Wagner-Berlin, Bankdirettor von Gwinner- Berlin, Krupp von Bohlen-Halbach-Effen, Rent-
Eewiffe Anfangsgründe religiösen Wiffens rerdantte sie der alten Dienerin, die ihres Balers Haushalt besorgt hatte, und die. wenn auch keine Betschwester, doch, wie die Frauen aus dem Volk meist, ftrchlich war. Das einfache Geschöpf hatte ihr in den kurzen Stunden, wo ihr die Arbeit Zeit ließ, das kleine Mädchen auf den Knieen zu halten, mancherlei von de. heiligen Jungfrau und dem Jefuskindlein erzählt. Courcier war aber eines Tages d i- hinter gekommen, daß sie feiner Auffassung nach dem Kind das „Paffengift einimpfe", und selbst diese geistig arme Erzieherin hatte ihren ilsiterricht aufgeven muffen, wollte sie nicht um ihren Dienst kommen. Auf allen übrigen Gebieten des Wiffens war das junge Mädchen wohl bewandert, und ihre Erziehung war in einem Mädchengymnasium vollendet worden. Nachdem die Prüfung bestanden war, hätte das Mutige Kirch gern Geld verdient und zur Bestreitung des Haushalts beigetragen. dem bitte sich aber der Vater teils aus Zärtlichkeit, teils aus Eitelkeit widerfetzt. Courciers Tochter ihr Brot verdienen das ging doch nicht an! Was würden seine Kollegen in der Kammer davon denken, die ihn ohnedies ein wenig über die Achsel ansahen, weil man wußte, daß cs knapp bei ihm herging? Nein, nein, sie mußte leben wie die Haustöchter der befferen Stände, ihre Zeit mit Klavierspielen, Lesen und Sticken aus- süllen; dazu war er nicht Kollektivist, daß seine Tochter Eech verdienen sollte. Der gesellschaftliche Ausgleich, worauf er mit allen Kräften hinarbeitete, würde ihm schon zu einem Einkommen verhelfen, worauf dann eine gute Partie das Schicksal seines einzigen Kindes sicher stellen würde. Er wiegte sie in Sicherheit, indem er ihr die glänzendste Zukunft ausmalte, und versagte ihr einstweilen wenigstens die bescheidenen Freuden nicht, wonach ihr Sinn stand. Damit sie sich gut kleiden konnte, legte ex sich
Deutsches Reich.
— Deutschland und Amerika. Washington, 27. Jan. Es verlautet, daß die Regierung der Vereinigten Staaten das deutsche Einfuhrverbot gegen amerikanisches Schlachtvieh bei der Entscheidung der Frage, ob Deutschland der Minimaltarif zu bewilligen sei, außer Betracht lasten wird. Ist die Meldung richtig, so wäre Deutschland damit eine Stellung gesichert, die von der 25prozentigen Zollerhöhung, die nach dem 31. März eintritt, ausgenommen ist.
— Oldenburg. Oldenburg, 27. Ian. Die Staatsreaierung schloß mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschast in Berlin einen Vertrag über die Versorgung des Herzogtums mit elektrischer Energie ab. Die vorläufigen Anlagekosten belaufen sich auf 10 Millionen Mark.
— Eine Taktlosigkeit, die einen Mitzklang hervorrief, hat sich zur Kaisersgeburtstagsfeier in Karlsruhe ereignet. Bei der von der Bürgerschaft veranstalteten Vorfeier zu Kaisers Geburtstag brachte der zweite Redner, Kammefftenograph Frey, Voffitzender des jungliberalen Vereins von Karlsruhe den Toast auf den Großherzog aus.
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Der Geburtstag des Kaisers.
Die Feier des Geburtstages des Kaisers im Königlichen Schloß wurde auch in diesem Jahre durch das große Wecken eingeleitet, das die Spielleute der 2. Earde-Jnfanterie-Brigade und die Hoboisten des 2. Garde-Regiments ausführten. Um 8 Uhr morgens setzten die Trommler auf dem inneren Schloßhofe mit dem großen Wirbel ein, an den sich ein Vers des Niederländischen Dankgebets schloß.
Der Kaiser erschien schon während des Aufmarsches der Spielleute an dem großen Fenster Über Portal 1 nach dem Hofe hinaus. Gleichzeitig blies das Trompeterkorps des 2. Garde- Ulanen-Regiments von der beschneiten Galerie der Schloßkuppel herab den Choral „Nun danket alle Gott in die vier Windrichtungen. Die Re- veille setzt« sich im Schlenderschritt in Marsch, Trommler und Pfeifer rührten das Spiel, und die Kapelle ließ das alte „Freut Euch des Lebens ertönen. So ging es nach dem Schloßplatz hinaus. Der Kaiser erschien hier am Fenster seines Arbeitszimmers und wurde vom Publi- ntm mit Hochrufen, Hut- und Tücherfchwenken herzlich begrüßt.
Der Kaiser nahm zuerst die Glückwünsche der Kaiserlichen Familie entgegen. Um 8»4 Uhr empfing der Kaiser den Reichskanzler Dr. von Bethmann-Hollweg, dem der Kaiser den Schwarzen Adlerorden verlieh.
In der Schloßkapelle versammelten sich die Botschafter und die anderen Chefs der hier ab- kredierten Missionen, die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzler, die Mitglieder des Bundesrates, die Generalität und Admiralität, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Etaatsprinister, die Präsidien der drei Parlamente, die Wirklichen Geheimen Räte, die Räte 1. Klaffe, die Kommandeure der Leibregimenter, die Hofgeistlichkeit.
Es führten: Der Kaiser die Großherzogin von Baden, der König von Sachsen die Kaiserin, der König von Württemberg die Kronprinzessin, der Kronprinz die Großherzogin von Hessen
Entbehrungen auf, führte sie in Kreise ein, die seine politische Stellung ihm zugänglich machte, auch das Theater besuchten sie, so oft sich ihm Gelegenheit dazu bot, einen Platz in den offiziellen Logen zu erhalten.
Da sie von Natur heiter, lenksam und gar nicht launisch war, fühlte sich das junge Mädchen nicht gerade unglücklich. Sie verbrachte ihre Tage mit allerlei Nadelarbeit und machte für ihren Vater statistische Auszüge aus Verwaltungsakten oder suchte aus Zeitungen den Stoff zusammen, den er gerade nötig hatte. In Begleitung der alten Rosalie machte sie Tewrg- ungen und Spaziergänge, die ihrer Gesundheit zu gute kamen, stand früh auf, ging zeitig zu Bette und kannte schlaflose Nächte nur vom Hörensagen. Das Ergebnis der religionslosen Erziehung wäre wirklich dazu angetan gewesen, dieses System zu Ehren zu bringen. Bis auf den Mangel religiöser Vorstellungen ließ ihr geistiger und sittlicher Zustaitt» nichts zu wünschen übrig. Sie hatte ein feines Pflichtgefühl und richtete ihr Leben danach ein; ihr Rechts- und Anstandsgefühl wies keine Lücken auf. Freilich waren ihr die Kämpfe und Schwierigkeiten des Lebens bisher noch erspart geblieben; noch hatte sie nicht des Trostes und der Stärkung im Schmerz bedurft; kein Sturm hatte ihre Seele verwüstet und noch nie hatte sie mit Sehnsucht und Bangen die Augen zum Himmel emporgerichtet, um den Stern zu suchen, der uns durch Finsternis und Gefahr geleitet.
5. Kapitel.
Nachdem Fräulein Courcier vom Einzug des neuen Mieters gehört hatte, fühlte sie tags darauf gleich nach dem Ankleiden das Bedürfnis, Luft zu ftupfen und einem frisch angesetzten Asternbeet besondere Pflege angedeihen zu lasten. Ihr Vater, der in feinem Arbeitszimmer frühstückte, war um diese Zett ganz in seine Zeitungen versunken und hatte keinen Gedanken
Bestellungen
für bi« Monate Februar und Mir, , auf die „Oberhessische Zeitung" nebst
ihr::, Beilagen werden von unserer Expedi- i- - Markt 21), unseren Ausgabestellen in !U . • -yhain, Neustadt, Wetter, EbS- durf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei- dc n h »fen und Drei hausen sowie von allen Posta,iftalten und Landbriefträgern entgegengenommen.
Tic „Otorwu.dic Zeitung" crfqemr täglich mit Anc-nohme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <*.
11 iRachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
i Fortsetzung. 1
Sein Kind hatte er nach den weitgehendsten Grundsätzen der Eeistesfreiheit erzogen. Die Mutter, eine verständige, gläubige Frau, hatte gerade noch Zeit gehabt, die arme Kleine taufen zu lasten, ehe sie, viel zu früh, ihr Kind ver- lasten mußte. Vis auf diese unbewußt erlebte kirchliche Handlung war das junge Mädchen vollständig religionslos aufgewachsen. Sie hatte nie eine Kirche besucht, nie einen Katechismus in Händen gehabt, natürlich auch keine erste Kommunion gefeiert. Mit zwanzig Jahren war diese junge Heidin noch ganz auf dem Standpunkt der Wilden, die von den Miffionären ihrer Blindheit entriffen werden und die Heilige Schrift mit unbefangenem Erstaunen lesen unb freuten hören wie Kinder, denen man eine recht schöne Geschichte erzählt. Was sie vor den Wilden voraus hatte, war nur ein Nachteil, denn sie hatte allerdings von Religion gehört, aber nichts als Läjttrungen, vom Schöpfer nur, wenn fein Vorhandensein bestritten wurde, von Priestern nur, wenn sie beschimpft wurden. Ein angeborenes, ursprüngliches Anstandsgefühl hatte sie vor dem Einfluß dieser gotteslästerlichen Phrasen bewahrt, die der Vater und seine Genossen ohne jede Achtung für das kindliche Gemüt in ihrer Gegenwart preisgaben. Wie ein empfindliches Muscheltier hatte sie bei solchen Aeußerungen die Schalen zugeklappt, sich in ihr Gehäu'e verkrochen und das Gift von sich ge- rviesen, vielleicht hatte auch ein Schutzengel dir Flügel ausgebreitet, um diese Seele unbefleckt zu erhalten. Sie kannte die Religion nicht, sie »ar ihr fremd und gleichgültig, aber sie hatte •te in ihrem Innern Partei ergriffe« gegen bte Menschen, die glauben und beten.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."