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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage." *

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Tie ,.s" bcr::chnrtie Zeitung" erjqentt täglich mir Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 * (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Marburg

Freitag, 28. Januar 1910.

Di« JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespatrene Zeile oder bereu Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerri Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

45. Jahrg.^

9fUten ordentlich Achtung haben, eifrig Landwirtschaft octrieben ba- ibnen ausreichende Verkebrswea« standen. Diesem letzteren liebel«

die bi*ber dort ben, obne daß zur Vetttiannq

Aus dem Reichstaqe.

24. Sitzung vom 26. Januar.

DaS Haus ist mäßig, die Tribünen dagegen gut besetzt. 3n der Hofloge hat der Kronprinz Platz genommen. Auf der Tagesordnung steht die Lüeiterberatung des Rachtragsetats für Süd- ivestasrika.

Abg. Dr. Arendt (Rpt.) begrüßt die Vorlage m'.! großer Freude, da auf eine trübe Kolonialber­gangenbeit jetzt bessere Tage gefolgt sind. Beson­ders erfreulich sei es. daß die Kosten für die Bah­nen durch die Diamantfunde gedeckt stnd. Man dürfe aber wohlerworbene Rechte nicht antasten, auch, wenn es sich herausaestellt hat. daß die be­treffenden Gebiete besonders wertvoll stnd. Abg. Storz (freif. Vp.) gebt auf die Rechtsverbältkiisfe in den Kolonien ein und nimmt den Staatssekre­

tär gegen die Angriffe aus Südwestafrika in Schutz Staatssekretär Dernburg meint, man

müsse vor den

Bestellungen ; für die Monate Februar #«b Mir, euf dieOberhessische Zeitung« nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedt- kion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain. Neustadt, Wetter, Eb»- darf, Hachborn, HeSkem-Mölln, 2ej. denhofen und Drelhausen sowie von allen Postanstalten und LandbrieftrSgern e,ltgegenge- nommen.

stände soll die Vorlage abhelfen. Weiteraehende Wünsche mästen jedoch zurzeit zurückaestellt wer­den. Der Staatssekretär erklärt u. a. noch, er werde infolge der Bemängelungen des Abkom­mens mit der Mnlonigsgetelltchast in der heutigen Sitzung der Budaetkommisston und infolge der ihm hier gegebenen Anremmgen daö Abkommen mit dieser Gesellschaft noch nicht abschließen. Der Gesellschaft sei in diesem Protest das Betawerks« ementum genommen worden. (Ruse im Zentrum: Sehr richtig kl Abg. Lattmann (wirstch. Vag.) begrüßt mit besonderer Genugtuung die Verstaut» kichuna der Otavibobn. auch billigt er die Dia- montreaie und die Sperre. Abg. örtberner (Ztr.) bestätigt dann, daß die Kolonigsgesellfchaft kein Bergregal mehr besttzt. Dies ist der bedeutsamste Erfolg, den man in der Landkommisston erreicht Babe Auch der Abg. Arning (natlib.) ist dieser Ansicht.

Darauf wird der Nachtragsetat in der Rastung der Kommission aenebmiat ebenfo ein «tocbRriner zweiter Rachtraasetat. Es folgen RecbnunaS- überfiebten über koloniale Ausaaben, wobei der Berichterstatter Aba. GSrcke (natlib 1 eine Reibe von Em-Ltik>^sckttettuimen rfiat und u. a. eine ^:steisekastenord'>'>ng" kür Beamte sardert. wormrf Staatssekretär Wermuth erklärt, daß schon Erwä­gungen bontber im Gange seien. Abg. Er,b-»aer (Z.>r.) wendet sich dann aeaen eine große Ber­scht oenduna im Schreibwerk und belegt seine AuS- fübruna mit Zahlen. Staatstckretär Wermuth sagt dem gegenüber tunlichste Abhilfe zu.

jsSo hetofWitvf

und das Haus tritt in die zweite Beratung des Heerisetats ein. Zum Kapitel: Gestalt des Kriec sministers erariff zuerst das Wort Aba. Häusler (Zttl. der alle die Ausgaben aus dem Etat ausaemer»t wisten will die mit der Erbas« tung der Wehrfähigkeit und Diensttüchtiakeit nichts zu tun haben. Er bedauert dann, daß die Erbäb« una der Maiinschaftssöbne noch aus sich warten läßt, mich könne die Zahl der Leutnants vermin«

11 (Nachdruck verboten.)

Die Tockter des Abaeordneten.

Von Georges Ohnet.

(ftortfefcung.)

Begreifst du denn das? Ein Mensch, der feine Füße so häufig unter unfern Tisch gestreckt hat, damals, als er gänzlich abgebrannt war, noch keine Zeitung besah, kaum ein Obdach hatte und von seinen Gläubigern gehetzt wurde; die­ser Mensch behandelt mich fetzt, als ob ich nicht für ihn da wäre! Was, ich sollte mich nid)t langer als eine Viertelstunde auf der Redner­bühne halten können! Warte nur, warte! Ich werde dir eine Rede ausarbeiten über die Trennung von Staat und Kirche, eine jener Reden, die einschlagen wie ein Blitz, zur Auf­hebung der Sitzung führen, BeifallHürme ent­fesseln, eine Rede, durch die man Minister wird? Oho? Dieser Jacguinot! Wenn ich ihn stürzte?"

Ach, Papa!"

Er brachte den Abend damit hin, Zukunfts­pläne zu schmieden und seinen einstigen Kumpan herunterzureihen. In seinen Träumen erblickte er sich schon als Präsidenten der Republik warum auch nicht? Mein Gott! Wie leicht konnte man jetzt dazu gelangen! Ein glücklicher Zufall, nicht wahr? Der Ruf der Unbestech- fichkett, bewährter Rechtlichkeit, in einer Zeit, o so viele Gewissen belastet waren und in raeet Scheu vor beet Untersuchungsrichter

dort werden, ebenso müsse die Dienstzeit herabge­setzt werden. Redner bringt dann eine Reihe von Wünschen vor und bittet u. a. alle die Bestrebun­gen zu fördern, die darauf hinzielen, den militäri­schen Geist unserer Jugend zu ftärfen. Auch der Abg. Osann (natlib.) wünscht größte Sparsamkeit, die dieser Etat vermissen lasse. Diese dürfe natür­lich nicht am unrichtigen Platz geübt werden. Red­ner spricht dann über angebliche Bevorzugung des Adels im Heere und Soldatenmißhandlungen, die leider besonders in Äavern zugenommen hätten. Er schließt mit einem Hinblick auf die Deutschen­furcht in England, daß wir unsere Rüstung ohne jede Nervosität und in vollstem Verttauen zu den Führern des HeereS fortsehen müßten. General« mafor Frbr. v. Gebsattel verwahrt daS bavriscke Heer gegen obigen Borwurs. Dort seien gerade die Soldatenmißhandlungen am geringsten. Abg. Stücklen (Soz.) bat natürlich nur Beschwerden! Er hält das Heer für überflüssig, da ia niemand da­ran denkt, uns anzugreifen. ES sei nur des inne­ren Feindes wegen da. um die Arbeiter, denen Deutschland einzig seinen wirsschaftlichen Auf­schwung verdanke, im Zaume zu halten. DaS Recht auf Straßendemonstrattonen ließen sich die Arbeiter aber auch durch das Militär nicht nehmen. Preußischer KrieaSminister v. Heeriugen: Ich freue mich über das Vertrauen, das man meinem Vorgänger entgegengebracht bat und bofse. daß es nach und nach auf mich übertragen wird. Selbst­verständlich würde die Militärverwaltung jede Erhöhung der SoldatenlShne begrüßen Aber die Soldaten haben frei Wohnung. Verpflegung und Belleidung. Deshalb mußten zuerst die Beamten und Ossi ziere bersicksichsiat werden. Gelbar aue Uniformen werden wahrscheinlich bei dem Kaiser­manöver bei einer Partei erscheinen. Brigade« manöver scheinen un? nach wie vor nöttg. weil die Führer im einzelnen geschult werden müssen. Eine Bevorn»m»ng deS Adels besteht nickst (Riefe: Nun börts ent ft) ES widerspräche dem Eharakter deS NasionalbeereS, wenn es scheinen könnte, als ob eS Regimenter erster und ,Wetter Klasie gäbe. (Sehr mtt! reckst?) Streikdienste sind von der Armee nicht zu leisten. Wo e? vorgekommen ist. ist M-niew,r eingetreten. Die Rüfttrnoskosten Deutschlands stnd schwer, fie erhalten unS aber den Trieben. Ein einziger unglücklicher Krieg würde biefmebr kosten. Die setzt gen Ausgaben sind nur eine Versicherungssumme (Sehr auf!! die Millionen bleiben im Lande und Hunderttausende von Arbeitern haben Lohn und Brot dadurch Die Herabsetzung der Dienstzeit bei der Kgpgst<>rie ist ietzt i»mn öalich Abg. v. {Hebert (Rv l t Der all- de,ttsche Verband bat niemals zum Kriege gereizt. Die Deuttch-n sind im Auslände nicht febr beliebt. Darum msisien wir unter Pulver ttocken basten (Bravo recht? und bei den Mgstonglliberglen). Darmtk wird Mertaaitna beschsoüen.

PoNttsche Umschau.

Keine latente KanzlerfristS.

Zu den Meldungen von einer latenten Kanz- lerkristS erklärt dieKöln. Ztgck in einem Berliner Telegramm:Wie der Kaiser über Herrn v Beth- mann-Hollweg den», ist ein« sebr persönliche Sache. Man kann" annehmen, daß er darüber niemandem aenaue Auskunsi gegeben haben wird, man muß also, wenn man nicht in das Gebiet deS reinen Ratens geraten will, seine Schlüsse auS äußern Erscheinunaen ziehen. Diese widerspre­chen aber der Anaabe einer Minderung deS kaiser­lichen Wohlwollens aus? beftimmtefte. Noch in letzter Zett bat Herr von Bethmann Beweise deS katsersichen Vertrauens erhalten; und wenn es wirklich volttische Kreise gibt, die Herrn b. Reth- mann stürzen wollen, so werden sie sich mtt ihren Wünschen noch etwas aedulden müssen. Abaeseben

zitterten, wa« brauchte es denn mehr? Als er sich bann frühzeitig tut Ruhe heaab. Hatte er den neuen Hausaenoüen ganz vergessen.

Um lo mehr beschäftigte sich d>e Tochter mit ihm. Wer war dieser junge Manu? Woher stammte er? Was wollte er? Hieß er auch wirklich Gervais? Seine Anwesenheit bei ben Festen in Toulon auf einem Schiff der Kriegs­marine deutete auf eine bevorzugte Stellung in der Gesellschaft: seine Erscheinung, seine Halt­ung. seine Kleidung bezeugten, daß er einer vermöglichen Familie angeboren mußte, sein feines, verbindliches und bescheidenes Benehmen' sprach dafür, dass er eine vortreffliche Erziehung genossen hatte. Und ein paar Tage nach ihrer Begegnung bezog er eine höchst anspruchslose Wohnung in bei Spontinistraße so ver­ständig. so unbefangen und so wenig romantisch ein Mädchen auch sein mochte, es wäre ein Wun­der gewesen, wenn ste sich darüber nicht ihre eigenen Gedanken gemacht hätte! Zum ersten­mal im Leben war ste zu aufgeregt, um Schlaf finden zu können, und lag, diesen Gedanken nackbängend. noch lange wach im Bett.'

Bis hierher hatte sie vom Glück äusser der Liebe und Güte ihres Vaters wenig kennen gelernt. Schon als kleines Kind hatte fie die Mutter verloren und also nie die garte Sorge, die süssen Liebkosungen kennen gelernt, die unsre Kindheit vergolden und deren Mangel dem Herz der Waisen die Sonne raubt. Den etwas genialen Haushatt des Vaters besorgte eine alte Dienerin, bet fie airf Schritt und Tritt

von dieser persönlichen Sette kommt, noch eine sachliche Erwägung hinzu: 68 widerspricht aller preußisch-deutschen Uebettiefernng, daß ein hoher Beamter kurz nach seiner Berufung gut Aufgabe seiner Stellung veranlaßt wird; man darf im all­gemeinen gettost annehmen, daß diese Gesahr in den ersten zwei Jahren über einen Minister bet unS nicht schwebt. Melleicht wird man sagen, dieser Brauch sei unberechtigt, und man müsse einen Minister sobald als möglich entfernen, wenn man einmal erkannt habe, daß er für seine Stel­lung nicht geeignet sei. Mag sein; aber der Brauch ist da, und er bildet, abgesehen von allem andern, einen Grund, der daS Geschäft eiligen Ministerstürzens zurzeit sehr aussichtslos macht.

Deutsches Reich.

Interpellation. Im Abgeordnetenhause ist gestern folgende Interpellation der Abgeord­neten Dr. Arning snatl.) und Genossen einqe- bracht worden:Ist bet Königlichen Staate* regietunq bekannt, dass in der Provinz Posen gegen Beamte wegen ihres Eintretens für die nationalliberale Partei amtlich« Massnahmen getroffen worden find? Billigt fie dies« Dienst- matznahmen?" Rach «in«r Parlamentskorre­spondenz soll es fich um einen Fall handeln, in dem ein Beamter, der in nationallibetalem Sinn« agitatorisch tätig war, vom Regierungs­präsidenten in Posen gemaßregelt sein soll. Man bars gespannt sein, wieschwerwiegend" dieser Fall liegt, dass man den Weg bet Interpellation gewählt bat!

Wahlproteft. Berlin, 28. Ian. Gegen bie Wahl des freisinnigen Abgeordneten Runge, bei bekanntlich bei bet Landtaaserfatzwahl im Kreise Berlin 12 gegen ben Zebn-Gebote-Hoff- mann gewählt worden ist, ist von den Sozial­demokraten Protest erhoben worden. Der Pro­test stützt fich auf angebliche formale Verstösse.

Die SebiffuHrtSabgabe. Meiningen, 28. Jan. Auf eine Anfrage über die Stellung, die die meiningische Staalsreaierung gegenüber der von Preußen geplanten Einführung von SchiffabrtS- abgaben auf den natürlichen Wasserstraßen ein« nimmt, erklärte bet Staatsminister v. Zttlet in bet Heutigen Sitzung des Landtages, die Siaaisregie- rung werde dem Antrag Preußens im BundeS- rate zustimmen, da er für Sachsen-Meininaen einen großen Vorteil bedeute. Denn einmal sollen die Abgaben auf dem ganzen Strom in gleicher Weise verteilt erhoben werden, während bisher nur die Abgaben an den Schleusen erhoben worden seien, was besonders die Anwohner des Oberlaufes der Ströme und hier besonders die deutschen Mittel« länber betroffen hätte, sodann aber vlane Bavern eine Kanalisierung des Mains bis Bamberg. Der Awraq Preußens sei äußerst wettsichsig und von größter kultureller Bedeutung sür das deutsche Gemeinwohl: er bedeute einen starken Schutz ge­gen den Parttkularismus.

Bom Herzog-Regente« ht Braunschweig. Bangkok, 26. Jan. Der Herzog-Regent von Braun- schweig nebst Gemahlin sind hier eingetroffen. Der König gedensi zu Ehren der Gäste große Festlich­keiten zu veranstalten.

Zur Ermordung der beiden Forschung», reisenden. Rom, 26. Jan. Rach einer Meldung

nachtrippelte. Ihrer Sehnsucht nach weiblicher Liebe ward nichts geboten als die Zärtlichkeit der alten Magd, womit ihr Herzchen fich wohl oder übel begnügte. Man wechselte damals häufig die Wohnung es war nicht immer leicht, die Miete oufzubringen. Eourciei war Redatteur einer Zeitung, deren Herausgeber die darin aeprediat« Brüderlichkeit und Gleichheit vorzüglich illustrierte, indem er den Gewinn einsteckte, im eleganten Magen fuhr und es seinen Mitarbeitern überliess, zur Essenszeit ben Gürtel fester zu schnallen und dem Omnibus nachzujagen, bis ihnen die Zunge heraushing. Zum Glück war Courcier nicht nur Freiheiis- apostel, sondern auch Geschäftsmann; er war Agent einer grossen Fabrik in Caudebec und handelte für dieses Haus mit Apfelwein und Liqueuren. Dem Näbrwert des edlen Apfel­saftes hatte er es also zu danken, dass er im Dienst seines angebeteten Bkanqui nicht Hungers sterben mutzte. Denn Blanqui war sein Gott, oder richtiger gesagt, sein Held. In überwallender Begeisterung hatte er einst dem alten Revolutionär selbst gesagt:Meister, Ihr seid mein Gott?" Der hatte ihm mit seinem Diktatorauge von der Seite angeblinzelt und herb erwidert:Bürger, Ihr sagt in einem Atemzuge zwei große Dummheiten. Ich kann weder Euer Meister, noch Euer Gott sein, denn es gibt keinen Gott und keinen Meister!" Courcier hatte sich diesen Ausspruch hinter die Ohren geschrieben und den verehrten Blanqui von da an nur nochden Beter" genannt.

der italienischen Konsillarageittnr in Metta an das Ministerium des Aeutzern ist der italienische Kon­sul von Hodeida, der in Begleitung von einem Arzt und drei Mattosen des Kreuzers®retbufae am 10. Januar gut Bergung der Leichen der For-, scher Benzoni und Dr. Burckardt von Hodeida aus-, gebrochen war, heute in Djibba eingettoffen und' wird morgen seine Reffe fottsetzen.

Der Einzige. DerDemokrat" hatte kürz-/ lich gemeldet, daß eine ganze Reibe vonReu- Demokraten" bereits in Wahlkreisen unterge» bracht seien. Jetzt berichtigt der Zentralvor- stand der Demokratischen Vereinigung: Die Angaben desDemokraten" über bestimmte Reichstagskandidaturen der Demokratischen Der» einigung find bis auf die Meldung von der Kandidatur des Herrn v. Eerlach in Marburß reine Phantasteprodutt«.

Bom Kieler Werftprozcß. Berlin, 26. Ja«. In der heutigen Sitzung bet Budgeikommissio» be8 Abgeordnetenhauses äußerle sich bei der Be­ratung deS Juftizetats der Juftizminister gum Kieler Werftprozeß. Die Anklaae sei erhoben worden auf Grund einet teilweise verschwomme­nen Beweisausnahme. Vieles sei verwickelt und unflat gewesen. DaS treffe besonders zu für die Sachen, welche die Kompetenz des Schwurgerichts begründet hätten. Die Staaisanwalffchasi wäre in der Lage gewesen, die hieraus gerichteten Ankla­gen fallen gn lassen, weil sie hätte einfefien müssen, daß es sehr schwer gewesen träte, einen Beweis zn führen, der den Geschworenen geniiaen könnte. Die Staatsanwaltschaft hätte sich beschränken kön- nen aus Anklagen, die gut Kompetenz bet Straf­kammer gehören. Im Hinblick auf diese Erwäg« unaen seien der Staatsanwaltichast vom Minister ernste Vorwürfe gemacht worden.

Koloniales. Windhuk. 25. Jan. Im Dia- mantendistrikt der Empfängnis Vai sind bis Ende Dezember 14 000 Diamanten im Gewicht von V, bis V4 Karat abaettefert worden. Der größte Stein wiegt 1 Karat.

Ausland.

** Italien. Rom, 26. Jan. Det König fiat ben Bürgermeister von Neapel, drei Generäle, 15 frühere Deputierte, drei hohe Beamte und 11 Gelehrt« zu Senatoren ernannt.

* Llemencea«. Potis. 26. Ian. Da Cle« menceau seinen Austritt au« der radikalen Par-i tei aufrecht erhält, trotzdem ihm die Leitung derselben Über das Zusammenaehen mit ben Sozialdemokraten bei d-n Toulonet Gemeinde- Wahlen ausführliche Aufklärungen gegeben fiat, beschloss der Patteiausschuß, die Austritts«« klätnna anznnefimen.

* Die Unruhen f« Buchara. Neu-Buchata, 26. Ian Im Laufe des gestrigen Tages kamen hier wieder einige Morde vor. Eine Ettegunq gegen den Emir macht fich nicht bemerkbar und gegen die in Buchara lebenden Russen 'vetfial* ten fick die Sunniten und Schiiten wohlwollend, doch verlassen die unter russischer Herrschaft be­findlichen Einaeborenen die Stobt. Auch einige Kontors und Banken schaffen Geld und Wert- papiere fort. Wenn die Ordnung nicht bald wiederbetgestellt wird, werden ru'RTd)e Truppe« die Stabt besetzen. Buchara, 26. Ian. Die Nacht ist ruhig verlaufen, bloss in bet Ilmgeaend her Stabt fielen einig« Schüsse. Am Vormittag s»! == _ - =a

Als dieser Erneuerer der Eesellschaffs- ordnunq seinen sterblichen Leib btr Erde über­geben batte, war es Courcier gewesen, der sich seiner Lehre bemächtiat. fie im Klub, in ben Zeitungen, in Volksversammlungen in blindem Glauben als die alleinseligmachende Wahrheit gepredigt hatte. In blindem Glauben den« was wäre ein Glaube, der erst prüft? Courcier war allen Ernstes überzeugt, datz die Religion den Menschen ins verrohende Joch derFinstetnis zwängt, datz Frankreich erst dann frei genannt werden könnte, wenn dag Konkordat über Bord geworfen würde. Er glaubte wirklich an di« Möglichkeit der Auslieferung des Kapitals an btn Staat, der dann die alleinige Verteilung des Reichtums übernehmen würde, und zwar nach den Bedürfnissen, nicht nach den Verdien­sten des einzelnen. Er forderte die Aufhebung des stehenden Heeres, denn er war gewitz, big es zur Abwehr eines feindlichen Angriffs voll­ständig genügen würde, wenn die ganze Be­völkerung der fremden Armee entgegenzöge, grüne Zweige schwingend und Hymnen bet Ver­brüderung anstimmend. Dieser Eindruck würde so überwältigend rein, daß alle die Waffe« niedetlegen würden datz bet Kampf in allge­meiner Rührung enden und die Morgenröte der gtotzen Weltrepublik anbrechen würde. Da» sprach er aus, das schrieb er, und dafür war er auch bereit, Ströme von Blut, wenn's notiert, selbst sein eigenes, vergießen zu lassen; galt t» ; doch, der Menschheit da» höchste Glück zu ficher«. 1

(Fortsetzung folgt.) j *