und den Beilagen: .Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und..Landwirtschaftliche Beilage
Marburg
45. Jahr,
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Kohle.
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begonnen, den Hasen der deutschen Kolonie auf direkten Fahrten nach Europa anzulaufen. Das Betriebsjahr brachte erhebliche Fortschritte im Ausbau Ves Bahnnetzes nach dem Hinterlande. Auf der Tientsin-Pokuo-Eisenbahn, der wrch- tigen Anschlußlinie der Cchantung-Eisenbahn ist der Bau auf der nördlichen Strecke so wert fortgeschritten, daß voraussichtlich im Fruh;ahr 1910 die Strecke Tientsin-Tetschen eröffnet wer. den kann. Die deutsche Schantung-Ersenbahn selbst weist eine erhebliche Steigerung desEuter- Verkehrs auf, der von 418 269 Tonnen im Vorjahr auf 649685 Tonnen im Berichtsjahre gestiegen und damit eine Zunahme des Ueber- fchusies von 1532 993 DoN. auf 1800 287 Doll., sodaß für das Kalenderjahr 1908 wiederum die Verteilung einer Dividend« von 4% Sßtoj. tnog« lich war Besonders bemerkenswert erscheint hierbei die Zunahme des Steinkohlenverkehrs auf der Eisenbahn, die ihren Grund in der Steigerung der Fördermengen auf den Kohlenfeldern bei Weihsien und Preßhantel hat. Mit dieser gesteigerten Förderung ist aber auch eine Verbesierung der Qualität der Kohle. Hand tn Hand gegangen, insbesondere der Hungschan-
Kaiserliche Berqverordnungen erlassen worden. Darnach kann der Fiskus Sonderbereckttgungen erteilen, somit auch sich selbst. Der Fiskus lehnt es aber, nachdem die Vertrage auf Treu und Glau- den abgeschlossen sind ab, auf Grund dieses Rechte? die Gesellschaft zu schädiaen oder aar zu expropriieren. Die Kolomalpolitik ist aber mcht uut den Diamanten idensisch. Das schone Geschlecht ist nicht aan, unschuldig an dieser sensationellen und Krediten Entwickelung (kelterte t). Der Kolonialgesellschaft ist das dauernde Abbaurecht verliehen worden, auch für andere Mineralien. Dafür steht dem Fiskus auf anderem Terram das Abbaubrecht zu. Nickt weniger als4 00Schurf- scheine sind in wenigen Wochen gelost worden. Der dadurch entstandene Rechtszustand ist nicht oau.3 würdig der dortigen Zivilisation. (Settexkett) Die Diamantengesellschast hatvon jedem Remgewlnn der 20 pCt. Dividende übersteigt, 25 PEt. an den Fiskus zu entrichten. Das wird eine« Betrag von 8 Millionen ausmachen Dafür erklärt der ,rwkil» einfürallemal. daß an diesem Recktstitel niemals tierüttelt werden solle. Ick bin über diesen Vermag weniger wegen des" finanziellen Erfolges zufrieden sondern vielmehr darüber, daß nun end- lick Klarheit geschaffen worden ist. Wertere Kon- zelsionen wollen wir Nicht geben. Daß Drervrertel des Gewinnes im Lande bleiben, erscheint nicht ungünstig. Der Diamgnt hat keinen Nutzungs-, sondern höchstens einen Assektions-, einen Luxr's- wert, deshalb müßten die Preise gehalten werden. Südwestasrika hat als Bergwerksgebiet keme Zukunft. Das ungeheure Agrarland muß auf me Dauer seine wirtschaftliche Sicherheit in der Pro- dilMon von Schafen. Wolle. Häute und dergleichen suchen. Die Diamantenfunde werden in absehbarer Zeit aufhören. Deshalb muffen wir das durch sie gewonnene Geld wieder in das Land stecken, um es auf die solide Kulturbahn zu drangen, auf der allein dauernde Werte geschaffen werden können. Große Viehbestände, großer Export von Fleisch. Wolle und .Häuten werden sich immer rentieren. Südwestasrika braucht tatsächlich noch einen jährlichen Zuschuß von 5 Millionen selbst wenn man die außerordentlichen Aufwendungen nicht rechnet. Dabei ist die Handelsbilanz noch ungünstiger, weil der Nutzen vielfach ins Ausland geht Wir müssen deshalb dafür soraen, daß die Produkte billiger an die Küste gebracht werden können. ‘ Abg. Frhr. v. Richthofen-Domsdors (kons.): Wir haben nur die Form der Lüderitz- bi'chter Eingaben getadelt. Wird von den Beschwerdeführern tatsächliches Material voraebracht werden, dann werden wir diese natürlich prüfen. Aba. Ledebour (So;): Die Sonaldemokratie schließt sich der Anerkenmina der Dernbnrglcken Kolonialvolitik, die kapitalistisch ist. nicht an. wenn wir auch mit einzelnen Maßnahmen der Regre- nina einverstanden sein können.
Darauf wird die Weiterberatung mrf Mittwoch 1 Uhr vertagt. _______________
(Nachdruck verboten.) Die Tochter des Abgeordneten, Von Georges Ohnet.
< Fortsetzung.)
Tie „Oberhesslschc Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der unseren Zeitungsstellen und der Erpeditign (Markt 21), 2 «M.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die , gespaltene Zeile
Donnerstag, 27. Januar 1910. | Inhaber ®r. «. Marburg, Markt 21. - Telephon 55.
Kiautschou.
Berlin. 24. Jan. Di« alljährliche Denkschrift über die Entwicklung des Ktautschou-Eebietes tft soeben dem Reichstage zugegangen. Das Jahr 1909 brachte auch dem Ktautschou-Gebrete ßine entschiedene Befferung de" Lage, indem di« Krisis langsam überwunden wurde, die währ«id der vorangehenden Jahre den Weltmarkt beherrschte. Die Tatsache darf man, ohne sich allzu großem Optimismus hinzugeben, gewiß als Zeichen für eine gesunde Grundlage ansehen, auf der die Entwicklung der Kolonie aufgebaut ist Der Gesamtwert des Handels ist von 49 704 985 Doll, im Jahre 1907/08 auf 65 019 877 Doll, im Berichtszeitraum, also um 36,8 Proz. gestiegen. Gegenüber der bislang günstigsten Entwicklungsperiode (1906/07) mit 5*592 440 Doll, beträgt die Steigerung 1.3 427 437 Doll, oder rund 25 Proz. Hieran ist besonders die Ausfuhr beteiligt. Die Eesamt- ausfuhr stellte sich auf 26 449 426 Doll, gegen 18 416 548 Doll, im Vorjahr, ingeführt wurden Waren nichtchinestschen Ursprungs im Werte von 25 463 680 Doll. (21449 510 Doll.), Waren chinesischen Ursprungs im Werte von 13 106 771 Doll. (9 838 927 Doll.). Die Seezolleinnahmen tn Tsingtau für die Zett vom 1. Okt. 1908 bis 80 Sept. 1909 betrugen insgesamt 1099 278 Haikuan-Tael gegen 877 727 Haikuan-Tael im Vorjahre; das bedeutet mehr 25,2 Proz. Der Schiffsverkehr des Tsingtauer Hafens ist von 432 Schiffen mit 519 292 Reg.-Tons tn 1907/08 auf 511 Schiffe mit 670085 Reg.-Tons in 1908/09 angewachsen; das ist eine Steigerung von rund 18 bezw. 29 Prozent. Der Gesamtbetrag der eigenen Einnahmen der Kolonie belief sich auf 2 399 000 X Die eigenen Einnahmen übersteigen bereits den für die Deckung der fortdauernden Ausgaben der Zivilverwaltung erforderlichen Betrag.
Aus dem Berichtsjahre ist hervorzuheben: Die Gründung einet chinesischen Handelskammer, die Einrichtung einer Zweigniederlassung der chinesischen Staatsbank in Tsingtau. Als charakteristisches Anzeichen dafür, daß das Vertrauen auf die Entwicklung Tsingtaus auch von anderen Rationen geteilt wird, ist zu verzeichnen, daß hervoragende fremde Firmen in zunehmendem Maße damit vorgehen, im deutschen Schutzgebiete Zweigniederlassungen zu begründen. Große fremde Schiffahrtslinien haben
Schiffswerft der Herren Blohm u. Voß liegen z> ehen. Als er einige Bemrkungn hierüber einen Deutschen gegenüber mit der er in Geschäfts Verbindung stand, machte, gestand dieser ihm offen zu, daß das fragliche Schiff in der Tat ein Dreadnought" sei, fügte aber die sonderbare Erläuterung hinzu, „in Wirklichkeit existiert ei aber nicht". Als er ihn fragte was et mit diesen Worten meinte, erhielt mein Freund dir folgende erstaunliche Antwort: „Well! Er wird auf den privaten Befehl des Kaisers gevaut utw ist in keiner offiziellen oder unoffiziellen Liste aufgeführt!" Es wäre intereffant zu erfahren, Sir wieviel mehr unoffizielle und nicht ange- tefinete „Dreadnoughts"gegenwärtiglnDeutschland gebaut werden. Ihr usw. I. W. Suthrt- land Leask. Stadtrat, Mitglied des Imperialen Flottenvereins. Broad Street Avenue S. E.
Berirrt.
Ein Genoffe wat kürzlich aus Versehen kn eine Kantine der Arbeitet her Staatlichen Eiienbahnwerke in Tempelhof geraten und hat seine Eindrücke dem „Vorwärts" mitgetetlt.
Et sah Arbeiter, die aßen und nicht gleichzeitig redeten (das können jedenfalls die Herren Genoffen gut). Arbeiter, die auf den Banken schliefen, und — man höre und staune — Arbeiter, die Karten spielten. Das schlimmste kommt aber noch. An der Kantinenwand ha» folgender Spruch gestanden: „Ein jeher habe acht daraus, daß hier kein Störenfried kommt auf." Dieser Spruch hat den braven. Genossen ganz aus der Faffung gebracht. In einem 9In= falle von Selbsterkenntnis ruft er aus: „Es ist klar, was mit dem Spruche gemeint sein tonn. Dann schreibt er weiter: „Welchen Kontrast bildet dieses Stück Leben im Vergleich zu den Pausen in den Baubuden und Werkstätten In letzteren entwickelt sich vielfach eine lebhafte politische Diskussion, wo (!) in der Debatte die jüngeren Kollegen von den älteren geschult werden und alles an Selbstbewußtsem gemahnt. Hier jedoch gesenkte Köpfe mit mißtrauischen Blicken, blödes Kartenspiel und Traktätchen, leserei."
Die „T R." bemerkt dazu: Der Brave hat offenbar nicht gemerkt, daß das Mißtrauen ihm selbst galt. Schade, daß er nicht verrat ob er es nicht auch mit der „Schulung versucht ur*i> welche Erfahrungen er dabei gemacht hat.
Als er abends nach Hause gekommen war. ging er in den Garten hinaus, und da es schon dunkel war, konnte et die Fenster des Zwifchen- geschoffes mit Muße beobachten. Es brannte kein Licht dahinter; Heinrich war schon seit einer Stunde fortgegnngen.
Da et gern gewußt hätte, ob seiner Tochter nicht irgend etwas Unheimliches aufgefallen fei, fragte er: „Wußtest du eigentlich, daß die Wohnung über uns vermietet wurde?"
„Rein," erwiderte sie unbefangen, „gewußt habe ich's nicht, aber ich hätte mit's eigentlich denken können, denn vor drei Tagen war ein großes Gepolter — es wurden Möbel hinaufge- fchafft. Außer diesem Geräusch scheint der neue Mieter sehr lautlos zu sein, man hört rein gar ! nichts von ihm."
„Und weißt du denn, wer es ist? Der junge Mensch, mit dem wir bei ben russischen Festen in Toulon zusammen waten."
Die Tochter legte eine so ausgesprochene Verblüffung an den Tag, daß bet Sätet unwillkürlich hinzusehte: „Richt wahr, biefes aber« /malige Zusammentreffen ist seltsam?" ? Sie nahm sich Zeit, bie Frage zu überlegen, Und versetzte bann mit einer gewissen Besorgnis: »Allerdings, sehr seltsam. . . . Kennst du denn Wese« Herrn?" ü .Richt die Spur! Wie die Pförtnerin be-
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sü, die Monate Februar «ad Rier auf die „Oberheffische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebsdorf, Hachborn, HeSkem-Mblln, Leidenhofen und Dreihause« sowie von alle« Postanstalten u«d LandbriestrSgern entgegenge- «ommen.
Aus dem Reichstage.
Sitzung vom 25. Januar 1910.
Am Vundesratstische: Staatssekretär Dernburg.
Zunächst steht auf der Tagesordnung die Fortsetzung der Beratung der Merten Lesung be» Nachtragsetats für Südwest-Afrika Abg. Semm ter (nat.-lib.) berichtet über die Verhandlungen der Kommission. Abg. Erzberger (Ztr.): Der^Staatssekretär bat in seiner Diamantenpolttik zweifellos eine glückliche Hand gezeigt. Als Kolonialdire.tor hat er begonnen, jetzt ist er Staatssekretär Dernburg und bald wird er wohl Staatssekretär von Dernburg fein. (Der Staatssekretär winkt lebhaft ab). (Große Heiterkeit.) Insbesonder ist zu begrüßen, daß es ihm gelungen ist, nunmehr volle Frecheit für alle Bergwerkssicagen zu beschaffen. Staatssekretär Dernburg: Auf die Beschwerden aus Sübwest-Afrika geh ich mit keinem Worte ein um nickt das einstimmige Votum dieses hohen Hauses abzuschwächen. Dem Vorredner bemerke ich: die Diamantenfunde des vorigen Jahres haben die Verwaltung vor eine «roße Aufgabe gestellt Ich selbst bin vollständig überrascht worden durch ihre schnelle Entwicklung. Ich bin dabei von zwei Prinzipien ausgegangen: erstens koloniale Verbrauchsgegenstände, die jedermann in der Heimat verwenden kann und muß. soll man so billig als möglich fördern und gestalten; Gegenstände aber, die nut ein begrenztes Publikum haben und die keine Konkurrenz haben, muß man im Preise steigern, das heißt, monopolisieren. Zweitens: Dinge, die wenig Mühe beim Finden macken und großen Verdienst bringen, bei bereit Produktion aber keine besondere Geisteskraft oder körperliche Arbeit nötig ist, sind die gegebenen Steuerobjefte für den Fiskus. Will man sie aber besteuern, so muß man auck aleichzeitt« dafür soraen, daß sie verkauft werden können; denn wenn sie nicht verkauft iverden. keine Steuern; ohne Nutzen keine hoben Auflagen. Die Kolonialgesellfchast für DeutschsüdweNafrika ist keine Konzessionsgesellschaft. Sie hat niemals vom Reiche eine Konzession erhalten. Sie hat stck durch Verträge mit den Häuvtlingen Privateigentum gekauft und diese Rechte sind bei der Besitzergreifung der Kolonie und bei der Flagenhiffung geachtet ivorden. Ihre Erwerbungen standen somit unter deutschem Schutz. Wenn nun dies weitgehende Reckt bedauert wird, so muß man bedenken, daß man an Diamantenfunde nickt denken konnte. Inzwischen sind hauptet, ist er Rechtsanwalt und heißt Gervais. Ich werde aber tn bald wissen, wie ich mit ihm dran bin . . . ein Wort an den Polizeipräsidenten . .
„Du wirst doch dem armen jungen Mann keine Ungelegenheiten bereiten ... Du weißt, wie ungeschickt, wie tölpelhaft die Polizei sein kann . . ."
„Allerdings, das kenne ich aus Erfahrung; die edle Behörde und ich, wir sind uns ja Öfter in den Haaren gelegen! Aber jetzt ist meine Stellung eine andre, jetzt müssen sie nach meinet Pfeife tanzen. Ich werde ganz einfach bitten, daß man diesen Gervais unmerklich beobachte . . ."
Fräulein Goutier schien noch nicht ganz beruhigt zu fein, aber sie legte keine weitere Fürsprache für den jungen Mann ein. Ihr Gefühl sagte ihr, daß es rätlich fei, dem Gespräch eine andre Wendung zu geben und die Aufmerksamkeit ihres Vaters von diesem Gegenstände abzu lenken, und so brachte sie die Politik aufs Tapet, indem sie sich nach dem neuesten Stande der Ministerkrifis erkundigte. Da Courcier sich seit zwei Jahren um einen Ministerposten bemühte, ward er sofort beredt und verbreitete sich in Bitteren Betrachtungen über die Undankbarkeit der Menschen. Dieser Jacquinot, der jetzt mit Bildung des Kabinetts betraut war, den hatte er geschaffen, ihm den Bügel gehalten, ihn in den Sattel gehoben — was wäre Jacquinot ohne ihn? Ein Wirtshausorakel, eine Zahl bet der Abstimmung, ein Mes Kommtssions- mitgheb, ein reines Nichts! Und er, Eourcter, der au» den Trümmern der Fortschrittler und
Zweites Blatt r: ~
Politische Umschau.
Ein unoffizieller deutscher „Dreadnought".
Wie seltsam deutsche Verhältnisse tn englischen Köpfen sich zuweilen spiegeln, geht aus der Zuschrift eines. Mitgliedes des englischen Flottenvereins an den „©lobe“ hervor. Eines Kommentars bedarf die Notiz, die natürlich aus „bestinformierter" Quelle stammt, nicht. Als eine Illustration, welcher Unsinn selbst von gebildeten Leuten geglaubt und verbreitet wird, fei sie hier angeführt. Sie lautet rote folgt: Sir einer meiner Freunde, auf dessen Wahrheit ich mich stets durchaus verlassen konnte, hat mit soeben mitgeteilt, daß er kürzlich bei einem B" such in Hamburg erstaunt wat, einen deutsche „Dreadnought", zu dteiviettel vollendet, in der
Freisinnigen eine Uttlistische Gruppe — mit dem großen U — gegründet und diesem Jacquinot die Führung übergeben hätte, et hatte diesem S!redet die Leiter gehalten, ohne die et noch lange, vielleicht fein ganzes Leben hindurch, unbemerkt dahin gekrochen wäre. Und dieser undankbare Jacquinot, der, dank einiger glücklich ausgeführten Vorzimmermanöver, tn wenigen Monaten der Unentbehrliche geworden war, vergaß seinen Getreuen, den klugen, hilfsbereiten Genossen der bösen Tage. Denn das waren sie — hatten sie doch gemeinsame Haft erduldet. Am 16. Mat waten sie tm nämlichen Zug abgereist, um sich in einet Panik, die nachher rasch genug verflogen wat, den Schikanen der „sittlichen Ordnung" zu entziehen. Und nun hatte dieser Mann nicht einmal ein armseliges Stück Maroquinleder für seinen Eourcter übrig; in der Kombination, woran er mit großartigem Aufwand von auf Zett gemieteten Droschken arbeitete, fehlte Eourcter Name, nicht einmal ein Unterstaatssekretärsposten fiel für ihn ab! Donner und Doria! Das freilich war ja richtig, Courcier war kein Redner ...
„Du behauptest dich auf der Rtimetbühne nicht länger als eine Viertelstunde!"
Das war das Wort, das ihm Jacquinot hrn- roatf, so oft er ihn drängte, nun auch ihm tn den Sattel zu helfen.
„Wir würdest du's angtetfen um eine störrische Majorität mürbe zu machen? Man muß sie durch ein endloses Phrasenrollen hypnotisieren, rote die Amme mit sinnlosen Reimen da» Kind in Schlaf lullt, wenn W lahnti" ' ' * •'
Hessen-Nassau und Nachbaroebiete.
Borken, 25. Jan. Das hiesige Hotel zur Post ging durch Kauf in die Hände des Herr« Oberkellners Dietz zu Bad Wildungen über.
Cassel, 25. Jan. Während der Ausübung be« Fußballsports auf dem Sportplatz am Forst zwischen den Vereinen Germania und Sport- verein ereignete sich am Sonntag Nachmittag ein Unglücksfall. Zwei der am Spiel mit beteiligten Herren versuchten einen Ball gleichzeitig zu schlagen. Dabei erhielt der eine einen so wuchtigen Schlag an das Vein, daß er hinstürzte und das Bein brach. Der Verletzte mußte nach dem Landkrankenhause gebracht werden.
Unpolitische Tagesnachnchten.
Unwetter in Italien. Rom, 25. Jan. Ein großer Teil Italiens ist von Unwettern heim- gesucht worden. In der vergangenen Nacht
Ja wie würde et das angreifen? Das war der wunde Punkt. Nicht um Fähigkeiten handelte es sich, um Zungenfertigkeit! Dabei wußte man doch ganz gut, daß Courcier (aubere Hände hatte; er war arm und rühmte sich dessen — wie viele konnten ihm das nachtun? O wenn er daran dachte, lief ihm die Galle über. Freimaurer einer hervorragenden Loge, ein in der Wolle gefärbter Freigeist, ein Sozialist, der das Leben all seiner Wähler hingeben wurde, wenn die Republik bedroht wäre, er blieb, was er war — einfach Schriftführer der Utilistischen Gruppe! All seine alten Kameraden aus bem Caf6 Ptocope sah er versorgt, auf wichtige Posten gestellt — als Gouverneure in den Kolonien, Statthalter, die wie Vizekomge geehrt wurden Kammer- oder Senatspräsidenten, alle hatten 'sie ihr Schäfchen ins Trockene gebracht, ihre Ziele erreicht, schwammen tn Gluck und Wohlleben, und er — er hatte iiichts!
Es kamen Stunden, wo ihm Robespierte be- areiflich wat, wo et dem Traum nachhing, au) bem Konkordienplatz, der Drücke gegenüber, eine zuverlässige Guillotine aufzustellen und das Gerichtsverfahren der Revolution wieder zu Ehren zu bringen. Er wat verbittert, von Haß zerfressen. Der Tochter gegenüber verhehlte et feine bösen Geganken, seine Rachegelüste, denn fein Herz hing zärtlich an ihr und et wat als Familienvater rechtschaffen und achtbar genug, um dieses keusche, milde Ftauenhetz nicht durch bie Saat be» Hasses vergiften zu wollen; über diese« Jacquinot beklagte er sich aber auch bet ;^*<7 (Fortsetzung folgt.)