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im vorigen Jahre. Die fortschreitend« Vermehrung der ländlichen Fortbildungsschulen erfordert höhere Mittel zur Gewährung von Zuschüssen zur Unterhaltung dieser Schulen. Ein Teil des neueingestellten Betrages soll, wie angedeutet, zur Einrichtung einer geregelten Deaufsichtigung der ländlichen Fortbildungsschulen dienen. Zunächst wird mit dieser Einrichtung da vorgegangen werden, wo das ländliche Fortbildungsschulwesen bereits stärker entwickelt ist, in erster Linie also in denjenigen Provinzen, in denen die gesetzliche Grundlage zur Einführung des, Besuchszwangs durch Gemeindestatut gegeben ist. Auch der Dispositionsfonds zu wisienschaftlichen Lebrzwecken ist erhöht, und zwar um 20 000 <M auf 930 000 «Al. Die Mittel sind vorwiegend zur weiteren Ausgestaltung des niederen landwirtschaftlichen Ünterrichtswesens (Winterschulen) und des damit in Verbindung stehenden Wanderlehrwesens bestimmt. __
nicht den guten Ruf des blonden Kindes ge- fähtcke? Und was wird die Springe denken, wenn sie meine Nachbarschaft entdeckt . . . denn entdecken musi sie mich ja! Wie verwundert sie sein wird! Ohne Zweifel wird sie meine Anwesenheit falsch beurteilen, wird darüber erschrecken oder gar beleidigt sein, und dann wäre jede Hoffnung vernichtet. Wenn sie nun aber zufällig dielen Annäherungsversuch nicht traai-ch nähme? Wenn sie im Gegenteil geneigt wär«, entgegenkommend zu sein? Das wäre von allen Enttäuschungen die bitterste! Nein, der Einfall ist unsinnig ... er darf nickt ausnettihrt werden! Das einzige Vernüfttae ist. nicht mehr an das Mädchen zu denken, mich gar nicht um sie zu bekümmern und unsre Begegnung zu ben flüchtigen aber angenehmen Reiseerinnerungen zu werfen!"
Es freute ihn selbst, daß «t ein so vernünftiger Mensch war. und er bettachtete die Sache als abqemckcht. Dabei fühlte er sich ruhiger und glücklicher als sonst, setzt« sich heiter zu Tisck)e und zeigte den Eltern ein fröhliches Gesicht. Aber am folgenden Tag war er punkt vier Uhr in der Spontinistrasje und mietet« unter dem Namen Heinrich Gervais die Wohnung im Zwischengeschoß zu tausend Franken. Fünfhundert Franken wurden als Halbjahrsmiete vorausbezahlt.
4. Kapitel.
Drei Tag« darauf, an einem Mittwoch, wo keine Kammersitzung stattfindet, verließ der Abgeordnete Eourcier gegen vier Uhr sein« Wohnung und begegnete im Hof einem junge«
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Di« „Freikons. Korr." schreibt heut«: „Rach den bei der Generaldebatte zum preußischen Etat abgegebenen Erklärungen erblickt die freikonservative Partei eine ernstlich« Gefahr für unser Vaterland darin, wenn aus dem Hader über die Finanzreform «ine dauernde Spaltung der bürgerlichen Parteien, ein ernster Geaensatz zwischen Stadt und Land und eine Gegensätzlichkeit der Jnteresien von Landwirttchaft einerseits, Handel und Industrie auf der anderen Seite sich entwickeln sollt«. Sie hält es nach ihrer historischen Entwickelung, nach ihrer Stellung zwischen den Parteien von rechts und links und im Hinblick auf ihren Wahlspruch: „Das Vaterland über die Partei", für ihre Aufgabe, nach Kräften einer solchen Wendung der Dinge vorzubeugen und für die Sammlung der auf nationalem Boden stehenden bürgerlichen Parteien zu posittver schaffender Arbeit und für die Auf- reckterbaltung der Jntereffenaemeinschast zwi- scken Industrie und Landwirtschaft zu wirken. Sie wird die Erfüllung dieser Aufgabe als Richtschnur für ihr positives Verhalten nach allen Richtungen hin ansehen:
„Die erst« Konsequenz aus dieser polittschen Gesamtauffaffung ist von ihr dahin gezogen worden. daß jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, wo neben wirksamer Fürsorge für die heimische Landwirtschaft auch den Jnteresien unserer Industrie eine sorgsam« Pflege gewidmet werden muß. Dies gilt, abgesehen von einer kräftigen Fortentwicklung unserer Verkebrseinricktungen, vor allem für das Gebiet der Sozialpolitik. Hier muß dafür Sorge getragen werden, daß nicht aus ideologischen oder Wahlrücksichten die Beweg- ungsfr«iheit unserer gewerblichen llnternehm- ungen in einer ihre Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden Weife beschränkt wild. Wir müsien bei der Fortführung unserer Sozial- polittk fortan den berechtigten Forderungen unserer Industrie ebenso Rechnung tragen, wi« den Jnteresien der Arbeiter, damit diese auch ferner imstande ist, den heimischen Marft gegen die ausländische Konkurrenz zu behaupten und den Wettkampf mit letzterer auf dem Weltmärkte zu bestehen.
Unter dem leitenden Gesichtspunkte der Sammlung der staatserhaltenden Elemente hält die freikonservative Partei auch den Versuch des Zentrums, durch Erweckung des Anscheines eines neuen Kulturkampfes bedenklich, weil derselbe notwendig zu einem scharfen Widerstreit der Konfesiionen führen muß. Auch vom Standpunkte des konsesiionsllen Friedens aus tritt sie daber mit vollster Entschiedenheit den Zentrumsbestrebungen entgegen, welche unter dem Vorwand« der Freiheit der katboliscken Kircke auf die Herrschaft dieser Kircke über wichtige Zweiae unseres Staates, namentlich über die Schule abzielen. Cie hält in dieser Hinsicht fest an dem in Preußen seit den Zeiten Friedrichs des Großen geltenden Grundsätze, daß die Schule eine Veranstaltung des Staates und demzufolge die Kirche keine Herrschaft über sie zu beanspruchen hat."
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 7.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile ober beten Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UmversitatS-Buchdruckere. Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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Politische Umschau.
Das ländlich« Fortbildunqsschulwesen.
An Zuscküsien für ländliche Fortbildungsschulen, zur Einrichtung und Unterhaltung von ländlichen Fortbildungskursen und zur Beaufsichtigung der Fortbildungsschulen sind 635 000 «Al in den Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung eingestellt. Das sind 60 000 «Al mehr als
Marburg
Mittwoch, 26. Januar 1910
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landw.rtschastl.che Beilage
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Bevölkerung und Verwaltung von ^Südweftfrika.
In der gestrigen Sitzung bet Budgetkommission des Reichstages, in der der Etat für das südwestafrikanische Schutzgebiet für 1910 zur Verhandlung stand, äußert« fick der Kolonial- staatssekretär Dernburg in wiederholten Ausführungen über die Gemeindeverwaltung Si8>- westafrikas und machte im Zusammenhang damit Mitteilungen übet die Zusammensetzung der Bevölkerung. Wir fasten seine Ausführungen in ihren Grundzügen nachstehend zusammen:
Im südwestafrikanischen Schutzgebiet hat di« weiße Zivilbevölkeru'nig im letzten Jahr« um 1197 Personen zugenommen. Sie beträgt nunmehr nach der letzten Zählung im Jahre 1909 insgesamt 9410 Köpfe. Nahezu ein Drittel der Gesamtzivilbevölkerung gehört fremden Nationen an; besonders zahlreich sind die Kolonial- Engländer (Buren). Die Zahlen des Bevölkerungszuwachses im letzten Jahre zeigen, daß das deutsche Volkstum keine Fortschritte gemacht hat. Aus der Statistik der im Schutzgebiet anhängigen Prozesse geht hervor, daß in Südwest- . afrika ungleich mehr prozessiert wird. Die Zahl der Zivilprozeste ist pro Kopf der Bevölkerung etwa 21 mal so groß als in der Heimat, auch die der Strafverfahren ist im Schutzgebiet ungleich größer. Die Zahl der Urwähler für die Ge- meindewahlen ist noch gering, in Lüderitzbucht x. B. beläuft st« sich auf 254. Die Wahlbeteiligung in den Städten war lebhaft, auf dem flachen Lande dagegen sehr schwach. Der Landesrat ist in der Hauptsache eine städtische Vertretung. Die Farmer sind aber gerade der Be- völkerüngsteil, auf deren Jnteresien es wesentlich ankommt. Nach Lage bet Derhältnisie et» scheint es nicht angängig, dem Landesrat bas Reckt der Befcklußfastung zu geben, dagegen sollen ihm die Befugniste, die ihm nach bei Ver» Verordnung über die Selbstverwaltung zukommen, insbesondere die Beratung übet ben Etats» ientwurf und Verordnungen des Gouverneurs, nicht entzogen werden.
Die Schaffung von Kreditinstituten begegnet lnfofern Sckwicriakeiten. als in ben ländlichen Gemeinden die Wert« fckwer beleihbar sind. Das Land kostet etwa 1 Mark pro Hektar, wo- ?t>on nur ein Teil beim Erwerb angezahlt wird. -Das auf den Farmen befindliche Vieh läßt sich nickt mitbeleihen, weil eine Kot rolle über die Viehbestände nicht ausführbar ist. Es kommt deshalb im Wesentlichen auf einen Personalkredit hinaus. Das sind Schwierigkeiten, die in jedem neuen Lande hervortreten. Daß Reichs» mittel dafür aufgewandt werden, um Kredit zu gewähren, ist nicht angängig.
Die Schuftige ist von äußerster Wichiiegkeit. Seit 1906 besteht Schulzwang für die Städte, in denen Schulen vorhanden sind und für einen gewißen Umkreis um diese Städte. Es sind Pen- sionate eingerichtet, in denen Schüler von außerhalb untergebrackt werden. Das Schulwesen macht gute Fortschritte. Es sind nur verheiratete Lehrer im Schutzgebiet, auch ist genügender Ersatz vorhanden.
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weismacken, mein Sohn . . . was suchst du eigentlich hier und was für Ränke schmiedest du? Aber immerhin hast du mir zehn Franken gegeben, und..."
Heinrich warf einen Abschiedsblick auf die Gestalt des blonden Mädchens, bas braußen arglos und unbefangen seiner Rosen wartete, dann ging er.
„Auf morgen also, mein Herr."
„Höckst wahrscheinlich!"
Der Plan begann feste Gestalt anzunehmen und seine Einbildungskraft lebhait zu beschäftigen.
„Weshalb sollte ich nicht eine Wohnung in ihrem Hause mieten?“ fragte er sich jetzt. „Jedenfalls verschafft sie mir Gelegenheit, sie zu sehen und mich ihr zu nähern — an sie denken muß ich ja ohnehin unaufhörlich!"
Als er wieder in einer Droschke saß und die Sache hin und her überlegte, tauchten zahlreiche Einwände auf.
„Wa« wird man darüber denken, daß ich in diesem Zwischengeschoß wohne? Wenn die Leute merken, daß ich nie einen Besuch erhalte, wenn der Pförtner nie einen Brief für mich in Empfang nimmt, wenn ich nicht im Hause schlafe, so wird man mich für einen Anarchisten halten, der Dynamitbomben fabriziert, für einen Falschmünzer ober Geheimpolizisten. Aber Uh werde einfach der Pförtnerin meine Bedienung übertragen, dann kann st« sich ja überzeugen, daß ich nichts Unheimliches treibe? Dafür wird sie aber einen andern Verdacht schöpfen ... sie wird eine Liebesgeschichte wittern? Ob ich damit
Preußischer Landtag.
, Sitzung vom 24. Januar 1910.
Am Ministertisch v. «rnim
Das Haus erteilt feine Zustimmung zur Verordnung vom 8. Oktober 1909 betreffenb bie Be- kämpfung bet akrtten Kinderlähmung in den Regierungsbezirken Arnsberg. Köln und- Duffeldorf.
Aus Antrag des Abg. Fuuck (freikonf.) wird bei der ersten Beratung der Gesetzentwürfe betref- send die Erweitemng der Stadtkreise Esten, Rat,- bor, Köslin, Kiel, Flensburg, Harburg und Frank- furt a. M. in gemeinsamer allgemeiner Debatte verhandelt wird. Fuuck (rfeif. Vp.f: Die Entwicklung der Städte zu unaunsten des platten Landes ist nicht zu hindern. Auch schneiden die Städte in der Steuerleistung zwischen den Stadt- und den Landkreisen anstelle der Eingemeindung die Bil- düng von Zweckverbänden. Sckröder-Easiel (not.« lib.f: Die in Castel einge.neindeten Orte sind den städtischen Verhältniffen garnicht gewachsen. Auch wir ziehen Zweckverbände vor. Die Vorlagen werden an die verstärkte Gemeindekommission verwiesen.
Es folgt die Beratung des Etats der landwirtschaftlichen Verwaltung Bei dem Titel „Miui- steraehalt" erklätte auf Anregung von Wallenborn (Ztr.s Minister von Arnim: Bei künftioen Handelsvetträaen können Kon Zessionen bezüglich des Veterinärschutzes nicht gemacht werden: solche Konzessionen können überhaupt nicht Gegenstand der Handelsverträge fein. Abg. Dr. Cttiger-Ha- gen (frs. Vp> trat für ein lebhafteres Tempo in der inneren Kolonisation ein und begrüßte es, daß die Regierung sich jetzt die Förderung des Fortbildungsschulwesens auf dem Lande mehr angelegen fein lasten wolle, als bisher. Aba Ecker- Winsen (nat.-lib.) betonte, daß feine politischen Freunde im Intereste des wirtschaftlichen Gesamt- organismus unseres Volkes die möalickste Stärkung der landwirtschaftlichen Bevölkerung für eine nationale Pflicht hielten. Aba. v. Kesiel (kons.j beattißte es. daß endlich eine Revision der ländlichen Bauordnung vorgenommen werden solle. Der Großarundbesitz fei bei allen Fortschritten und neuen landwirtschaftlichen Einrichtungen vorange- gguaen und habe dadurch dem Kleinbesitz großen Nutzen gebracht. Es wäre ztt wtinfcken daß von liberaler Seite das Interesie für di« Landwirtschaft nickt allein tbeorettfch sondern auch prakttsch betättat wurde Die Abwebrmaßreaeln gegen die Einfchlepvuna der Klauenseuche müßten aufrecht erhalten bleiben. Ebenso bedürfe der Obstbau größeren Schutzes, der unter der Konkurrenz des Auslandes zu leiden habe. In der Landwirtschaft wären die Löhne flam erheblich gestieaen und die kommunalen Lasten hätten eine ungeheure Höhe ereickt Wenn es ihr auch bester als früher ginge, so ergebe sie doch immer nur eine mäßige Verzinsung des Kapitals. Es wäre zu wünschen daß die Staatsreaienmg die Erricktuna von elektri- fcken Ileberland-Zetralen fördere und ans Staatsmitteln unterstütze. (Lebhafter Beifalls Abg. Fenster (Ztt.i meinte, daß es der Landwirtschaft noch lanae nicht mtt ainge. Die höheren Preis« würden durch die höheren Betriebskosten ausae- gfichen. Aba. Dr. SckröP-r-Eassel (nat-lib f erklärte die Regelung der Arbeiter- und Kolonifa- ttonssraae fei für die Landwirtschaft das wichtigste. Aba Hnmann (Ztr.) wünscht mehr Mittel für die Fleischbeschau.
9 (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
tFortfetzuna.t
Heinrich mußte beinahe lachen, daß man ihn mit feinen zweitaufend Franken Taschengeld im Monat im Verdacht hatte, den Mietzins schuldig zu bleiben!
„Das würde keine Schwierigkeiten haben," bemertte er. „Ich werde mir's überlegen und Eic dann meinen Entschluß misten lasten . . ." Die plötzlich frostig und zugeknöpft werdend« Miene der Pförtnerin sagte ihm deutlich, daß sie darin eine Ausflucht sah und ben Handel für mißglückt hielt.
„Ich werde morgen wiederkommen," setzte «r beruhigend hinzu, „und möchte bitten, daß Sie die Wohnung auf keinen Fall vergeben, ehe Sie Nachricht von mir haben. Nehmen Sie einstweilen dies für Ihre Mühe!"
Er batte ihr ein Zehnfrankenstück in di« Hand gedrückt, aber diese ungewöhnlich« Großmut hätte um ein Haar alles verdorben, denn di« tzrau wurde mißtrauisch.
, „Aber, mein Herr, das soll dock ein Angeld fein? . . Der Herr wird doch ganz gewiß «rorgen wiederkommen?"
„Käme ich je nicht, so hätten Sie wieder fr«fe Hand, aber bis fünf Uhr nachmittags bitt« ** Sx * Wohnung aufzuheben."
,__D'« Frau betrachtete ihn forschend. Offenbar
st« sich im still«,: „Du willst mit etwas
-leitiß. -dich. I % ljtz erroX l75Pr. K-ich t. bck bur«.
Deutsches Reich.
— Oberpräsident v. Löbeü. Berlin, 24. Jan. Der zum Oberprästdenten der Provinz Brandenburg ernannte Wir«, Geh.. Rat v. Löbell wird wegen seines Gesundheitszustandes dieses Amt nicht übernehmen. Zwar hat sich fein Gesundheitszustand erheblich gebessert; jedoch mutz er sich auf ärztlichen Rat noch längere Zeit Schonung auferlegeu. Mit Rücksicht auf die Bedeutung des Amtes hat v. Löbell auf weiteren Urlaub verzichtet und gebeten, seine Verabschiedung und die Ernennung eines neuen Oberpräsidenten herbeizuführen.
— AuS Elsaß Lothringen. Straßburg, 24. Jan. In Gegenwatt des Statthalters, des gesamten Ministeriums, mehrere Landesavssihußabgeord- neter und der Mitglieder der Handelskammer sand heut« hier die feierlich« Einweihllng des neuen Dienstgebäudes der Handwerkskammer für Elsatz- Lothttngen statt. In seiner Antwort auf die Begrüßungsworte des zweiten Vorsitzenden der Handwerkskammer Billardsabrikanten Schleiffer, betonte der Statthalter Graf v. Wedel, der Staat hab« ein hervorragendes Interesse an einem gesunden und kräftigen Handwerkerstände. Es fei besonders zu wünschen, daß die Handwerker ihre Söhne, wenn die Berufstvahl an sie heranttete, dem Handwerkerstande erhalten möchten. Das Handwerk, dieser Halbbruder der Kunst, erfordere zu seiner Blüte nicht nur Handfertigkeit, sondern auch guten Geschmack und Bildung. Der Statt-, Halter schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, der allezeit dem Handwerke ein warmes Interesse ent- gegenbttnge. Hieran schloß sich ein Rundgang durch sämtliche Räume des neuen Hauses und später ein Festmahl Im Sängerhaus.
— Hebet das Befinden des Königs Otto von Bayern schreibt her „Fränk. Kur.": Das seinerzeit ausgetretene Nierenleiden ist durch sorgsame Pflege längst beseitigt, und in ärztlichen Kreisen ist man der Ansicht, daß der jetzt im 62. Lebensjahr« stehende König möglicherweise noch ein hohes Alter ereichen kann. Das traurige Dasein deS Monarchen, der seine Zelt seit Jahren meistens am Boden sitzend verbringt, wickelt sich in größter Einförmigkeit ab. Nicht gemtg können die Be-
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Mann, der höchst verbindlich grüßte. Der Volksvertreter erwiderte den Gruß mit jener erhabenen Gebärde, die er sich für Wählerver» sammlungen beigelegt hatte, und ging feine» Weges.
„Das war doch der junge Mensch, der in Toulon mit uns auf das Panzerschiff fuhr!" fiel ihm nachträglich ein. „Was Hai denn der hier, zu schaffen?" .
Ein gewohnheitsmäßiges Mißtrauen, da» ihm aus seiner Verschwörerzeit anhaftete, trieb Eourcier bei der Pförtnerin einzutreten und im Tone »ines Untersuchungsrichters zu fragen: „Wer ist denn der junge Mann, der da eben über den Hof ging?"
„Ach. das ist der Gervais! Er ist kürzlich hier eingezogen.«
„Was ist dieser Gervais?"
„Ein junger Advokat. Er hat eben erst das Examen gemacht und muß, wie er sagt, der An-, waltsordnung gemäß, eine eigene Wohnung haben, obwohl er bei feinen Eltern ißt und schläft. Allem nach ein sehr anständiger junger Herr ... ich bediene ihn . .
„Und welche Wohnung hat er denn inne?« „Das Zwischengeschoß, gerad« über Ihnen." „So so . . . danke . . .«
Eourcier schnitt heimlich ein Gesicht und brummte, während «t aus die Straße hinaustrat,' in sich hinein: „Wer weift, ob da die Polizei nicht «inen Spürhund auf mich gehetzt hat? Sehen wir uns vor'« |
(Fortsetzung folgt.) j
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