45. Jahrg.
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ausüben 3» achten daß stimmungen Verwaltung
stanertc, da« das deutsche Volkstum im Schutzgebiet im letzten Jahre keine Fortschritte gemacht habe. Auch werde sehr viel prozessiert. Dem Land errat das Recht zur Beschlußfassung zu ge ben, erscheine >wch nicht angängig. Der Antrag Erzberger, nach welchem den Gemeinden auch für ihre zukünftige Entwickelung genügend Land Vorbehalten bleiben und ihnen ausreichende Steuer- quellen zur Verfügung gestellt werden sollen, Ivirb angenommen.
- ehe er mit den Lords fertig sei, und daß er. sei« Amt erst dann wieder übernehmen werd«, wen«, das Vetorecht des Oberhauses abgeschafft sei. Sobald dieses Hindernis aus dem Weg« geräumt sei, meinte Redmond, habe er wegen der Zukunft der irischen Frage kein« Sorge mehr. Keine liberale Partei, wie stark fi« auch sei« möge, werde es wagen, den Irländern das Recht auf Home Rule abzusprechen. :
** Die Wahlen in England. London, 22. Januar. Nach den bis 8 Uhr nachmittags bekannten Wahlergebnissen waren gewählt: 217 Unionisten, 179 Liberale, 33 Arbeitervertreter und 65 Nationalisten. Der Gewinn der Unionisten belief sich auf 101, der der Regierungsparteien auf 12 Sitze. Danach beträgt die Mehrheit der Eegenkoalition gegen di« Unionisten^ nur noch 60. Gewählt sind bisher 494, zu wählen sind noch 176 Volksvertreter.
** Zum Attentat auf Oberst Karpow. Petersburg, 22. Jan. Das Kriegsgericht verurteilte Woskressenski, alias Petroff, der für schuldig befunden wurde, den Chef der politischen Polizei, Obersten Karpow ermordet zu haben, zum Tode durch den Strang.
** Der Fleischboykott in Amerika. Rewyork, Der Fleischboykott ist im Wachsen begriffen, mindestens eine Million Personen aller Kreis« de» Landes übernahmen die Verpflichtung, kein Fleisch zu essen. In Boston veranstalteten abend« die Anhänger der Bewegung ein« grosse Versammlung, um Anhänger für den Voykott $u gewinnen. Man wird insbesonder« versuchen, auch Newvork für den Boykott zu gewinnen.
*• Serbien und Bulgarien. Belgrad, 23. Januar. Kronprinz Alerander verreist heute Abend, einem Wunsche König Ferdinands folgend. nach Sofia und wird bis Mittwoch Abend dort verweilen. Der Besuch in Sofia trägt privaten Charakter.
** Der Parlamentsbrand . 1 Konstantinopel. Konstantinopel, 23. Jan. Der Kammerpräsident sprach der „Jeni Gazetta" gegenüber offen den Verdacht aus, dass dem Parlamentsbrande ein verbrecherischer Anschlag zu Grunde liege.
Der Arbeitsnachweis solle lediglich das „3cd>en= laufen" und andere Mi schände beseitigen und keine sonstigen bedenklichen Zwecke verfolgen, wie aus den getroffenen Bestimmungen und Anweisungen klar und deutlich hervorgehe. Er beschränke in keiner Weife das Koalitionsrecht der Arbeiter und das Recht ihrer Freizügigkeit und werde auch nur aus politischen Gründen von der Sozialdemokratie bekämpft und so lange bekämpft werden. bis ein Arbeitsnachweis unter Mitwirkung der Organisation errichtet werden sollte. Der Redner verlas einen Artikel aus der „Bergarbeiterzeitung", welcher seine &>r4e vollinhaltlich bestätigte. Treffender könne man gar nicht den Kernpunkt der Ovpo fition neuen den Arbeitsnachweis der Arbeiter cha- raftcrifieren. Ohne Beugung des Rccktts könne die Regierung den Zcchenbentzern gar nicht in den Arm fallen (Beifall) Aba. Hirsch Esten (natlib.l erklärte, daß feine Parteifreunde die Stellung der Regierung nur billigen könnten. Aba Gytzling •nrcit. Bp l erkannte an. daß der Minister dem Arbeitsnachweis im Ruhraebiet gewiste Schärfen genommen habe. Abg. Dr. Krause-Waldenburg ffrcifortf) begrüßte die Stellungnahme namens keiner Parteifreunde. Abg. Seiner! (So.z.s machte dem Minister den Vorwurf der Scharftnacherei. Man wolle die Arbeiter zu Heloten herabdrücken. Minister Svdow wies diefen Vorwurf sehr entschieden zurück und bemerfte. daß der Aba. Leinert kSoz'> unter dem Mantel der Arbei1erfr< undlichkeit ben Zweck verberge die politischen Ziele der So- zialdemo'ratfe zu fördern. Aba. Irnbnfch < 9tr.) erklärte, daß durch die Ausführungen des Ministers manches Mißtrauen zerstreut worden wäre. Abg. Dr Beumer (natlib i meinte die paritätischen Arbeitsnachweise paßten nicht für das Rubr- kohlenaebiet Das Haus vertagte fich hieraus auf Montag. 24. Januar. vormittags 11 Uhr. Gesetzentwürfe betr. Erweiteruirg verschiedener Stadtkreise. Landwirtschaftsetat. Schluß 5V» Uhr.
wollen, und sie könne lediglich darauf der Arbeitsnachweis nach seinen Be- gehandhabt werde. Die preußische sei dem Arbeitsnachweis nicht bei- sich bei ihr stets genügende Arbeiter
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Fürsten, Herrn Jaroljmek, Gräfin Viktoria den Bremenser Maler Otto Haas-Heye.
Eine Adelsverleihung. Wie «in Berliner Mittagsblatt erfahren haben will, ist die Verleihung des Adels an den Staatssekretär des Ko lonialämts Dernburg in kürzester Zeit zu erwarten.
— Von der Weltausstellung in Brüssel 1910. Berlin, 22. Jan. D«: Präsident des deutschen Komitees für die Weltausstellung in Brüssel 1910. Geh. Kommerzienrat Raven6 siedelte heute Abend mit seinem Bureau nach Brüssel über, um den Aufbau der industriellen Abteilung der deutschen Gruppe zu leiten.
—'Aus Baden. Karlsruhe, 22. Jan. Die Zweite Kammer beschäftigte sich heute mit dem Biersteuergesetzentwurf. Derselbe wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Abgeordneten Schmidt (kons.) angenommen. Ferner wurde ein Gesetzentwurf angenommen, wonach die Landtagsabgeordneten künftig eine Aufwandsentschädigung für die Dauer der ganzen Session anstelle der Diäten erhalten.
— Die gefälschte Depesche. Paris. 22. Jan. Einem Berichterstatter zufolge sei durch die por'= zeilichen. Nachforschungen festgestellt worden, dass das Original der an Baron Bunten gerichteten falschen Depesche in Paris mittelst einer französischen Schreibmaschine hergestellt und von einer Frau nach Berlin gebracht worden sei. Diese habe die Depesche im Telegraphenamt des Bahnhofs Friedrichstrasse und gleichzeitig eine andere, mit der Hand geschriebene Depesche an eine dritte Person aufgeaeben. Die Entdeckung des Urhebers der falschen Depesche stehe unmittelbar bevor.
Aus bett 9otttmiffionen.
Die Watzlvrüfungskommifston des Reichstags rklötte am Freitag die Wabl des Aba. Kleve ttMrt. Iib.), gewählt In Wolfenbüttel-Helmstedt, für ungül-w und die Wahl des Abg. Glowgtzki (Ztr.) - für gültig.
Die BudgettommiMon des Reichstages beschäftigte sich mit der Zusammensetzung der Bevölkerung und den Berhältniffen der Gemeinden in Südwesi Afrika. Staatssekretär Dernburg kon-
Marburg
Dienstag, 25. Januar 1910
F'ledrich Kolilrausch.
Mit dem am vorigen Montag, den 17. Jan., am Herzschlag plötzlich verschiÄenen Physiker Friedrich Kohlrausch ist ein Mann dahingegangen von einer Bedeutung, wie Marburg nur wenige die Seinen genannt hat.
Friedrich Kohlrausch wurde geboren zu Rinteln a. d. Weser am 14. Oktober 1840, wo sein Vater Gymnasiallehrer war. 1849 wurde sein Vater als Lehrer an die polytechnische Schule zu Cassel berufen, eine Schule, die seit dem Jahr« 1866 nach dem llebergang Cassels an Preussen aufgelöst wurde. In den Jahren 1851—57 weilt« Friedrich Kohlrausch als Gymnasiast in unserer Stadt, wo sein Vater Lehrer am Gymnasium und ausserordentlicher Professor der Physik an der Universität war; er wohnte Ritterstratze 11. Im Jahre 1857 siedelte er mit seinem Vater nach Erlangen über, der dort als ordentlicher Professor bereits im nächsten Jahre starb.
Inhaber zum Schwatzen bringen? Das war ein sehr verbrauchtes und ein ziemlich niedriges Mittel, ganz abgesehen davon, datz der Mann ihn möglicherweise dem Abgeordneten verraten und dadurch die Tochter in Ungelegenheiten bringen konnte. Sich im Cafä ans Fenster setzen und abwarten? Das konnte lange dauern, bis «r irgend etwas erfahren würde, und was konnte sich dann überhaupt ereignen? Daß er den Vater ausgehen und das funge Mädchen nach Hause kommen sähe? Unb dann? Ein glänzendes Ergebnis und ein ungeheurer Fortschritt für- wahr! Während er diesen Erwägungen nachhing, fiel ihm plötzlich ein Zettel an der Haustür« auf. „Wohnung zu vermieten" las er, und da kam ihm der Einfall, sich diese Wohnung doch einmal anzusehen. Er trat also in die Pförtnersstube, wo eine kleine, blasse Frau von leidendem Aussehen an der Nähmaschine arbeitete. Auf sein« Erklärung, datz «t eine Wohnung suchst, stand sie sofort auf, logt« ihr« Arbeit zusammen und griff nach verschiedenen Schlüsseln, die über dem Kamin hingen.
„Es sind drei Wohnungen frei, zwei nach dem Hof, eine nach der Strafe. Der Preis beträgt dreitausend, zweitausend und elfhundert Franken Ist,es dem Herrn gefällig, sie anzusehen?"
„Gewiß."
Sie stiegen die Treppe hinauf. Die Wohnung nach der Strahe war im zweiten Stock gelegen und rasch besichttgt. „Der Hauswirt würde fi« vielleicht auch um achtzehnhundert Franken ab- lassen," meinte di« Frau.
»Für mich allein etwas viel Raum," warf Heinrich hin.
„Ach! Der Herr suchen di« Wohnung für fich allein?" fragte die Pförtnerin. „Da mutz ich «» bemerken, datz in fciefem Hau» streng auf
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Weimar. Weimar, 23. Jan. Der Kaiser traf heute nachmittag gegen 5 Uhr mittels Sonderzuges hier ein. Er wurde am Bahnhofe vom Großherzog enipfangen und fuhr mit diesem nach dem Residenzschlosse. Hier fand um 6 Uhr Galatafel statt, an der außer den Fürstlichkeiten Prinz Heinrich der Niederlande, der niederländische Gesandte Baron Eevers, der italienische Botschafter Pausa, der spanische Botschafter Polo de Bernabe, der österreichische Gesandte in Dresden Prinz zu Fürstenberg und der englische Botschafter v. Goschen teilnahmen.
— Am Geburtstage des Kaisers werden in Berlin an Fürstlichkeiten als Gäste anwesend sein: die Könige von Sachsen und von Württemberg, Großherzog und Großherzogin von Baden, Großherzog und Großherzogin von Hessen und bei Rhein, Grossherzog und Großherzogin von Sachsen, die Erossherzoze von Mecklenburg- Schwerin und von Oldenburg, Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und die Prinzessin von Rumänien, Prinz Johann Georg von Sachsen, Herzog und Herzogin von Sachsen-Koburg und Gotha, Herzog von Sachsen-Altenburg, Herzog und Herzogin von Anhalt. Landgraf Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, Fürst von Hohenzollern und Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Fürst zu Waldeck und Pyrmont, Erbprinz zu Schaumburg-Lippe in Vertretung des Fürsten zu Schaumburg-Lippe, Prinz und Prinzessin Adolf zu Schaumburg- Lippe.
— Frhr. v. d. Goltz. Konstantinopel, 22. Jan. Frhr. v. d. Goltz ist heute vormittag abgereist. Der erst« Eeneraladjutant überbrachte die Ab- schicdsgrüsse des Sultans. Zur Verabschiedung waren erschienen: der deutsche SBotMxifter, Cchef- ket Pascha, eine grosse Anzahl türkischer Offiziere aller Grade, sowie die Spitzen der deutschen und fremden Kolonien. Die Verabschiedung war überaus herzlich.
— Gräfin Alexandrine zu Eulenburg, die älteste Tochter des Fürsten Philipp zu Eulenburg, hat sich, wie die „Berl. Morgenp." berichtet, mit dem Grafen Eberhard von Schwerin, aus dem Hause Schweinsberg verlobt. Die Gräfin steht im 30. Lebensjahre. Der. Bräutigam ist um zwei Jahr« jünger. Er ist Besitzer des Fideikommisses Friedelhausen und der Burg Nordeck im Eroßherzogtum Hessen, Leutnant der Reserve des Gardekürassier-Regiments und war bis vor kurzem Attache bei unserer Gesandtschaft in Peking. Die beiden jüngeren Schwester der Braut haben, rote bekannt, Bürgerliche geheiratet, Gräfin Auguste den Privatsekretär des
Im Abgeownetenhauje
wurden am Sonnabend. 22. Ian., zunächst einige Keiner« Etats in zweiter Lesung erledigt. Beim Münzetat wurde von allen Rednern die Form der neuen Fünfundzwanzig Pfennigstücke bemängelt und die Prägung neuer gefordert. Das Gesetz bctr. Abänderung der Landgerichtsbezirke Krefeld, Kleve und M.-Gladbach wurde der um 7 Mitglieder verstärkten Ftistizkommission überwiesen. Bei der Fortietzung der Zentrums-Interpellation über den Arbeitsnachweis int Rubrkohlengebiet betonte Minister Sydow, daß nach den getroffenen Bestimmungen und Erklärungen der Zechenbesitzer der Arbeitsnachweis nicht mit Bedingungen verquickt werden solle, die nicht dem Rechte und der Billigkeit eutwrächen und lediglich den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gute Dienste bei der Arbeitsvermittlung leisten solle. Es wäre deshalb von der Regierung salfch irgend welchen ?lwang
getreten, da .....
gemeldet hätten. Abg v. Geschcr lkons.i erklärte
Ausland.
** Rückkehr der Spanier ans Marokko. Madrid, 22. Jan. Unter lebhafter Teilnahme der Bevölkerung, di« auch in grossen Scharen aus der Provinz gekommen war, erfolgte der feierliche Einzug der aus Marokko Heimgekehrten Truppen in die festlich geschmückte Hauptstadt. Die Truppen wurden am Eingang der Stadt von dem Ministerpräsidenten, dem Kriegsminister, dem Gouverneur und dem Bürgermeister begrüsst, wobei der Ministervräsident dem Führer der heimkehrenden Truppen. General Tovar, feine Glückwünsche zu der vorzüglichen Haltung der Truppen aussprach. Um \y» Uhr erreichte der Festzug, der sich unter dem Jubel der Menge nur langsam durch die dicht besetzten Strassen vorwärtsbewegte, das königliche Schloss, wo der König und die Königin, mit dem Kronprinzen auf dem Balkon stehend, die Truppen defilieren liessen.
** Home Rule und die Wahlen. Aus London wird gemeldet: Der Führer der irischen Partei Redmond sagte gestern in einer Rede in Dublin, das irische Home Rule sei das einzige Ergebnis der gegenwärtigen Wahl. Die Behauptung, datz Asquith seine Zusage geändert habe, sei nicht ernst zu nehmen. Das wichtigst« Moment der Lage seien seine Erklärungen, datz er die Home Rule-Bill nicht einbringen werd«,
8 lNachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten»
Von Georges Ohnet.
«Fortsetzung.)
.,1L ^^/r^ines Morgens vor der Börsenstunde «m Geschäft gedankenlos im Adreßbuch blätterte, stet sein Blick von ungefähr auf den Namen: „Eourcier. Julius. Abgeordneter des Seine- und Marnebezirks. Spontinistrasse 48 (auch Wohnung in Bizy)." Heftig, mit einem gewissen Widerwillen klappte et das Buch zu. steckte fich eine Zigarette an und trat ins Arbeitszimmer des Prokuristen, um sich dem ärgerlichen Eindruck zu entziehen. Aber nachdem er gegen vier Uhr über seine Operationen Bericht erstattet hatte, nahm «r eine Droschke und fuhr Mr Sponttn'isttatze. An ihrem Anfang, wo sie von der Viktor Hugo- Avenue abzweigt,. stieg er aus und schlendert« langsam den Fußsteig auf der Seite der ungeraden Hausnummer entlang. Bald hatte er sich gegenüber Numero 48 erspäht, ein« grofje fünfstöckige Mietkaserne in Hausteinen, mit sieben Fenstern Front. Ein Lass, eine Vogelhandlung und ein Schreibmaterialiengeschäft befanden sich tm Erdgeschoß.
-Ai ne Blicke schweiften von unten bis zum Dachftock über di« Fenster hin. als müßte er an ePltIn Anzeichen entdecken können, hinter welchen der Abgeordnete wohne.
wohnen ste nach dem Hof hinaus," die Rückseite mutz einen Aus- WW auf Sorten haben."
teuXaÄ3:faarti^eit «E ihn angesichts * ^7«i.chkert. auch nur t*n geringsten Auf-
Abgeordneter? Sie wissen ja, mit den Anarchisten, da muß man sich vorsehen!"
„Ach!" versetzte di« Frau lächelnd. „Dieser wäre eher ein Schutz fürs Haus! Es ist ein braver Herr . . . allerdings ein Freisinniger... Besuche empfängt er überhaupt nur in der Kammer aus Rücksicht'auf seine Tochter, die er bei fich hat. Sie haben das ganze Erdgeschoß gemietet, eigentlich zwei Wohnungen, weil die Benützung des Gartens dazu gehört. Da können Sie gerade das Fräulein sehen, wie fie ihre Blumen besorgt."
Statt ans Fenster zu eilen, trat Heinrich mit der gleichgültigsten Miene von der Welt in den Hintergrund des Zimmers. Vor dort auD konnte er das junge Mädchen in dem schmald» Laubgang, der sich um ein Blumenbeet zog, welk Rosenblätter abstreifen und in «in Körbchen sammeln sehen. Ein kleiner Kragen von perlgrauem Tuch bedeckte ihre Schultern, die schlanken Hände steckten in Gartenhandschuhen, ihr Köpfchen war unverhüllt, die blonden Haare im Nacken in einem schlichten Knoten geschlungen; die anmutigen Umrisse ihrer Gestalt hoben sich licht von dem dunklen Gebüsch ab. Heinrich mutzte fich Gewalt antun, um den Blick von diesem bezaubernden Bild abzuwenden, und seine Stimme klang etwas verändert, al» er zu dec Pförtnerin sagte: „Elfhundert Franken, sagen Sie, für diese vier Stübchen nach dem Hof? Da, find' ich viel!"
„Möglich, daß die Wohnung zu tausend abgegeben wird, dann hat aber der Mieter tit Ausbesserungen zu bestreitend
„Macht nichts I Eie ist gut tm Stand!"
»Rur mutz ich bemerken, daß die Miete für Ä Albe» Jahr vorausbezahlt werden n»6 — M A unsere Hausordnung." ,.f\
ISoyetzung y
-Vie „CbcrHefiifriie Scann«" eifdEjcint täglich mit Ausnahme d-r Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 25 Jt (ohne Bestellgeld). 6« unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), .2
Ordnung gehalten wird ... der Hauswirt will nut ruhige, anständige Mieter . . ."
„Der Herr Hauswirt hat Grundsätze!" b«- mertte Heinrich lachend. „Wohnt er selbst denn auch hier?"
„O nein. Das Haus gehört einem ehemaligen Notar, der eine Villa bei den Elysäischen Feldern bewohnt."
„So! Ja auf wessen Schicklichkeitsgefühle wird denn dann so zarte Rücksicht genommen?" „Unsere sämtlichen Mieter sind feine Leute, mein Herr," versetzt« die Frau zurückhaltend.
Heinrich sagt« fich, datz er fie nicht leicht zu vertraulichen Mitteilungen bewegen werde, unbemerkte kurz: „Sehen wir uns die Wohnungen nach dem Hof an."
Diese gingen wirklich auf sehr hübsche Gärten hinaus, und eine kleine Wohnung im Zwi- schengeschotz schien den Beschauer besonders zu fesseln. Er untersuchte die Kamine, Tapeten, Zimmerdecken, alles, um die Besichtigung in di« Länge zu ziehen und womöglich etwas über die Hausbewohner zu erfahren.
„Ich würde nämlich nur nach Haufe kommen um zu arbeiten," erklärte er. „und da muh ich wissen, ob ich Ruhe finde? Sind keine lärmenden Kinder, feine Klavier- oder Eesanglehrerin- nen im Hause? Wer wohnt denn oben?"
„Ein Junggeselle, ein städtischer Beamter. Gr geht um neun Uhr morgen» fort und kommt um sechs Uhr nach Hause, seine Schwester führt ihm den Haushalt."
„Und da unten?" forschte er, auf den Fußboden deutend, weiter.
„Ein Abgeordneter."
Heinrich wurde ein wenig rot und rolebet» holt«, um sich zu sammeln: „Ein Abgeordneter? O weh! Da wird ein ewige» Kommen und Gehen wn Besuchern fetal Und wa» iff» den» ftr ein
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftlich« Beilage."