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Zweites Blatt
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Die „Oberheffnche Zeitung" erscheint täglich mir Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitullgsstelleu und der Expedition (Markt 21), 2 <X.
völlige« Wedetherstellung nicht nach den Niederlanden zurückbchre. Bon Görlitz aus habe Fräulein Lairitz dem Auswärtigen Amt und der Gesandtschaft im Haag für ihre Bemühungen wärmstens gedankt, gleichzeitig aber die Absicht geäußert, zur Uebernahm« ihrer zu Utrecht bei nahen Verwandten verbliebenen Sachen nach den Niederlanden zurückMkehren. Vor Ausführung dieser Absicht sei sie eindringlichst gewarnt worden. Wegen der Feststellung wegen des Verbleibs ihrer Sachen sei ihr die Gesandtschaft im Haag an die Hand gegangen: sie sei darauf hingewiesen worden, daß sie sich wegen der Herausgabe ihrer Sachen, an ihre Verwandten in Utrecht halten müsie und habe darauf erklärt, daß sie gegen ihre Verwandten gerichtliche Schritte nicht unternehmen wolle. Hieraus ergebe sich, daß die deutschen Behörden nichts unterlassen hätten, was im Interesse des Fräulein Lairitz geschehen konnte.
Flecken bildete, daß der Zauber jäh gebrochen ward und Heinrich nur noch das eine Verlangen empfand, den Tag und die Erinnerung daran ganz aus feinem Gedächtnis zu verwischen. Aber dennoch ließ sich das verführerische Bild des jungen Mädchens nicht verdrängen, und trotz inneren Widerstandes kannte er sich nicht enthalten, die an ihrer Seite verlebten Stunden mit all ihren Einzelheiten immer wieder aufs neue zu überdenken.
In diesem Zwiespalt von Freude und Bangigkeit gelangte Heinrich nach Paris, und als er sich wieder von der Wirklichkeit des gewohnten Daseins umgeben fühlte, nahm er sich fest vor, die Gefährtin des festlichen Tages ganz zu vergessen. Er verwendete mehr Eifer aufs Geschäft als bisher, gab sich den Zerstreuungen mehr hi« als sonst und tat alles, um das einzige weibliche Mesen, das einen tiefen Eindruck auf sein Herz gemacht hatte, aus seinen Gedanken zu verbannen. Dabei ärgerte er sich jedoch über die Maßen, daß et ihren Vornamen nicht wußte? Fräulein Courcier! Das Eebild und den Gegenstand feiner Träume Fräulein Eourcier zu nennen, hieß ja, sie aller Poesie, alles Duftes berauben — Fräulein Courcier, was sagt das der Phantasie? Fräulein Courcier, das kann ja eine Wäscherin, eine Schneiderin, eine Haushälterin, irgend etwas ganz Alltägliches, Geschäftliches, Nichtssagendes bedeuten. Dieser dumme Vater hatte sie immer nur „mein Kind" oder kleine“ angeredet, gerade als ob ei’» absichtlich getan hätte!
Heinrich begann darüber zu grübeln, wie sie wohl heiß« möge. Er -ersuchte de« Namen zu
freulichen Ereignisse können dadurch nicht beseitigt werden, daß an vielen Schulen, namentlich an Realschulen, günstige Erfahrungen gemacht worden sistd. Im badischen Philologenverein gehört die ganz überwiegende Mehrheit der Lehrer zu den Gegnern der Koedukation. Von 75 Anstalten nehmen nur 9 eine freundlichere Stellung dazu ein.
Diese Ergebnisse beruhen auf den Erfahrungen von acht Jahren. Man befürchtet, daß die Ergebnisse in Zukunft eher schlechter als besser ausfallen werden. Bisher war die Koedukation noch etwas Neuartiges, Ungewohntes, was auf manchen Knabencharakter zügelnd wirkte. Ist die Sache aber erst etwas Alltägliches geworden, dann wird auch eine gewisse Scheu schwinden und manche Schranke fallen. Das sind Befürchtungen, die sich nicht von der Hand weifen lassen. Für die endgültige Beantwortung der Frage der gemeinsamen Erziehung bilden diese Beobachtungen der badischen Lehrer ein sehr schätzenswertes Material.
Marburg und Umgegend.
(ÄadjB'.uct aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Qberheff. Ztg.' gestattet.)
Marburg, 22. Jan.
K. Heute vor 60 Jahren trat in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 1850 die größte Kälte ein, welche, soweit die Aufzeichnungen reichen, jemals in Oberhessen beobachtet wurde: das Thermometer sank bis auf —25,6 Grad K — —32,0 Grad C. Infolge des Frostes platzten in jener Nacht in den Wäldern des Lahntales die Buchbäume mit lautem Knallen. Es ist zwar
„ Politische Umschau.
Zum Arbeitsnachweis im Nuhrrevier.
Man schreibt uns: Es war vtauszusehen, daß die Arbeiterpresse auch nach Aufnahme der Tätigkeit des Arbeitsnachweises in ihren Bemühungen fortfahren würde, die Bestrebungen des Zechenverbandes zu verdächtigen. So glaubt der „Bergknappe" in seiner neuesten Nummer über einen Fall berichten zu können, der die illoyale Handhabung des Arbeitsnachweises beweisen soll. Es handelt sich höchst wahrscheinlich, wie vom Zechenverband mitgeteilt wird, um den Arbeiter Rnmolf Ehrhardt, der sich am 4. Januar bei der Arbeitsnachweisstelle in Essen meldete. Er wurde der Zeche „Emfcher I/IT" zugewiesen, von dieser jedoch nicht angenommen. Nachdem ihm die Arbeitsnachweisstelle erklärt hatte, daß von anderen benachbarten Zechen keine Arbeiter gesucht würden, wurde er auf seinen Wunsch der Zeche „Deutscher Kaiser" überwiesen. Die Arbeitsnachweisstelle hat also durchaus korrekt gehandelt. Auch das sozialdemokratische „Bochumer Dolksblatt" berichtet über zwei Fälle, in denen die Arbeiter von den Betriebsführern der Zechen nicht angenommen feien, und nennt das eine „nette Leistung" des Arbeitsnachweises. Wenn die Arbeiterpresse glaubt, daß der Arbeitsnachweis verpflichtet sei, die Arbeitsuchenden unter allen Umständen auf den Zechen unterzubringen , wo sie beschäftigt sein wollen, so ersteht man hieraus, daß sie über die Satzungen des Arbeitsnachweises des Zechenverbandes, wie über den Zweck eines Arbeitsnachweises überhaupt, gar nicht orientiert ist. Der Arbeitsnachweis weist Arbeit nach, und der Betriebsbeamte nimmt die Leute an. Den Letzteren dies selbstverständliche Recht zu nehmen, hat noch tein Arbeitsnachweis gewagt.
Staatstreue Pole«.
Breslau, 19. Jan. Aus Groß-Stein im Kreise Greß-Sttehlitz wird der „Schles. Zig." geschrieben : Am Sonntag hiell der hiesige Är- leiterverein. der fast nur aus polnischen Arbeitern besteht, sein Wintervergnügen ab, verbunden mit der Kaisergeburtstagsfeier. Nachdem der Vorsitzende Pfarrer Bilzer die Gstste — deutsche Beamte und den Amtsvorsteher — begrüßt hatte.
Wettere Rechtfertigungen des auswärtigen Amtes.
aber so gut wie ein anderer im Lauf des Tages feine hundert Fasanen auf die Strecke und kehrte dann mit Kopfweh und Schnupfen, aber klaglos nach Paris zurück. Irgend eine Untugend an ihm zu entdecken, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, höchstens der Mangel daran konnte ihm als Laster angerechnet werden. Denn man darf sich ja nicht verhehlen, daß die Voll- komenhett etwas Aergerliches ist und daß man in dieser schnöden Welt leichter durch Laster als durch Tugenden gefällt.
Als Heinrich Tresorier mit dem Vlitzzug von Toulon nach Paris zurückfuhr, war et in menschenfeindlicher Laune. Ganz gegen seine sonstige Art drückte er sich mürrisch in seine $ßagen= ecke und versuchte zu schlafen, was ihm aber nicht gelang. In seinem Kopf wirbelten die Erinnerungen und Szenen des stürmischen Tages. In unglaublichem Durcheinander tauchten die Bil- ver der von Flaggen starrenden, von Stimmengewirr wiederhallenden, von Neugierigen wim- mi luden Hafendämme vor ihm auf, dann sah er das Meer mit Schiffen jeder (Seftatt und Art, beir Rauch, der aus den Geschützen aufstieg, er hörte das Sturmesbrausen der Hurra- und B'ratrufe, sah Rußland und Frankreich einander jubelnd in den Armen liegen, aber aus all diesen Bildern hob sich wie eine himmlische Erscheinung, vom Freudenschimmer des Jubeltazes v»rklärt, eine schlanke, blonde Mädchengestalt ad. und es war ihm, als ob er sein Lebtag werde an sie denken müssen. Dann erschien daneben in schreiendem Gegensatz das feierlich verdrichliche Gesicht des Abgeordneten, das in diesem sonnetrunkenen Bild eine« so störenden, schwarzen
Falle Sunkel, bei dem es sich umEntschädigrmgs- ansprüche gegen die englische Regierung aus dem Transvaalkrieg handelt, erklärt die ..Nordd. Allg. Ztg.": Die englische Regierung habe sich gegenüber der Reklamation aus dem britisch-südafrikanischen Kriege bisher auf den Standpunkt gestellt, daß sie zu keinerlei Entschädigung völkerrechtlich verpflichtet sei. Sie habe nur aus Billigkeitsrückfichten gewisse, von der Kommission festgesetzte Zahlungen geleistet. Sunkel seien 1516 Pfund und Einiges bezahlt worden, die er unter Vorbehalt angenommen habe. Die englische Regierung habe bisher die Entscheidungen der Kommissionen als endgültige angesehen und demgemäß die weitere Prüfung der Sunkelschen Ansprüche abgelehnt. Das Auswärtige Amt vertrete dagegen den Standpunkt, daß die britische Regierung für die Befriedigung weiiergehender Ansprüche aufzukommen habe, soweit sie im Völkerrecht ihre Begründung finden: sie betrachtet den Hauptteil der Sunkelschen Forderungen, nämlich 8463 Pfund und Einiges, unter Anrechnung der schon geleisteten Zahlung, als völkerrechtlich vertretbar In diesem Umfang sei dem gemäß die Reklamation nochmals an die großbritische Regierung gebracht worden, die ihrerseits die Prüfung noch nicht abgeschlossen habe. Die bedauerliche Verzögerung sei auf Umstände zurückzuführen, in die das Auswärtige Amt nicht entscheidend eingreifen könnte. — In einem anderen, von der „Welt am Montag" veröffentlichten Falle stellt die „Rordd. Stttg. Ztg." den Tatbestand folgendermaßen fest: Ein Fräulein Lairitz sei im Jahre 1897 in Utrecht nach ihrer Abgabe von einem Arzt zu unsittlichen Zwecken in bewußtlosen Zustand versetzt und gesundheitlich schwer geschädigt worden. Die kaiserlichen Vertretungen in den Niederlanden, ten die sie sich zuerst im Jahre 1901 gewandt habe, hätten sich bei der mangelnden Beweis- borkeit ihrer Angaben vergeblich bemüht, eine strafrechtliche Verfolgung des Arztes herbeizuführen. Im Jahre 1905 sei gegen sie selbst wegen der groben Schmähung des Arztes und feiner Angehörigen ein' Strafverfahren eingeleitet worden. In diesem Verfahren seien wegen der Maßlosigkeit ihrer Angriffe Zweifel an ihrer Zurechnungsfähigkeit aufgetreten. Im Juni 1906 sei sie nach längerer ärztlicher Beobachtung in der Irrenanstalt zu Utrecht untergebracht worden. Gegenüber den von der Kaiserlichen Eesandtsschaft unverzüglich in ihrem Interesse unternommenen Schritten habe sich die Niederländische Regierung unter Berufung auf das ärztliche Gutachten Zunächst völlig, ablehnend verhalten, sich im März 1907 aber baut verstanden, Fräulein Lairitz unter der Bedingung zu entlassen, daß sie unverzüglich nach Deutschland gebracht werde und bis zur
entdecken, der mit der stttigen, sanften Anmut ihres Wesens am besten in Einklang stünde. Marie? Nein, der Klang dieser beiden Silben umfaßte ihr Wesen nicht. Mathilde? Johanna? Luise? Nein, das stimmte alles nicht. Bei abgeschmackten und veralteten Namen wie Euphro- sine, Noömi, Ursula, hielt er sich gar nicht auf; er brauchte etwas Schlichtes, Ansprechendes, Zartes, einen Namen, der das Ohr berührte wi« eine Blume das Auge, dem ein zarter kaum merklicher Dust entströmte. So oft er diese Forschungen betrieb^ kam ihm ein weißer Fliederzweig in den Sinn. Diese jungfräuliche, vornehme Blüte schien ihm ganz wunderbar anschaulich jenes Mädchen zu verkörpern, das ihn zum erstenmal zum Träumer und Dichter gemacht hatte. Er gewöhnte sich also an, sie in seinen Gedanken Springe zu nennen, und es war merkwürdig, wie oft er an weiße Syringen denken mußte.
Nach Verlauf von acht Tagen war seine veränderte Stimmung seiner ganzen Umgebung so deutlich zum Bewußtsein gekommen, daß man ihm da und dort eine Bemerkung darüber.Machte, und daß Heinrich mit einemmale die Trotzweite der seelischen Umgestaltung begriff, die et anfangs bedeutend unterschätzt hatte. Möglich, daß wenn der Vater und die Freunde ihn sich selbst überlassen hätten, ein Vergessen denkbar gewesen wäre. Ihre besorgten Fragen: „Was ist dir nur?" — „Bist du stank?" — „Was ficht dich an?", verliehen dagegen feiner Gemütsverfassung erhöhte Wichtigkeit, bestättgte« ihre Bedeutung, und so gab et den Widerstand auf und gestand sich, daß es um ihn geschehe« sei. (Forts, folgt.)
Berlin, 19. Jan. Gegenüber griffen des „Hannoverschen Kuriers" Auswärtige Amt und Staatssekretär „ n Schoen wegen ihrer Stellungnahme zmn
Marburg
Sonntag, 23. Januar 1910.
Zur Frage der Koedukation.
An die Lehrerkollegien von 75 höheren Schulen Badens mit gemeinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen hat der badisck)e Philologenverein, wie wir der ,/D. Ztg." entnehmen. eine Umfrage über die bisher mit der Eemeinsamerziehung gemachten Erfahrungen gerichtet und darüber ausführliche und wertvolle Antworten erhalten, die im Heft 9 der Zeitschrift „Die höhere Mädchenschule" zusammengestellt worden sind. Im großen und ganzen sind die erhaltenen Auskünfte geeignet, die Bedenken gegen die Koedukation nur noch zu verstärken und überzeugender zu begründen.
In Bezug auf den Verkehr der Knaben und Mädchen besonders in den neunklasfigen Schulen werden zwar von den meisten Anstalten keine ungünstigen Bemerkungen gemacht, aber doch Beobachtungen mitgeteilt, die zu denken geben. Man berichtet von „Liebeleien" und „regelrechtem Poussieren" in allen Klassen von Sexta bis Oberprima. Andererseits hat man bei sehr vielen Knaben eine Abneigung gegen den Eintritt der Mädchen in ihre Klassen beobachtet, die sich häufig in Rüpeleien äußerte oder eine gegenseitige Abstumpfung zur Folge hatte. Oft nahmen die Mädchen unvorteilhafte Knabenmanfe- ren an. Nicht selten wird von burschikosem Auftreten und stankhaftem Ehrgeiz der Schülerinnen gesprochen, überwiegend aber verneint, daß bei den Knaben infolge der Anwesenheit von Mädchen Eifer und Ernst wachsen. Zuweilen wird sogar eine Abnahme der Leistungen fest- gestellt. Hinweise auf bessere Leistungen der Mädchen machten die Knaben noch gleichgiltiger. Von einem veredelnden Einfluß der Koedukation hat man nichts bemerkt. Wiederholt tarnen unliebsame Dinge vor. An einer Anstalt mußten zwei Schüler wegen einer Mitschülerin die Schule verlassen. Bei Quintanern fand man anzügliche Zettel mit Bezug auf die Mädchen derselben Klasse. Vielfach wird das Benehmen gegen die Mädchen in der Klasse bei Primanern als „zynisch" bezeichnet. Oft geht die Verttau- lichkeit im Verkehr der beiden Geschlechter zu weit. , Die Grenzen der Sittlichkeit sind keineswegs innegehalten, vielmehr in einzelnen Fällen überschritten worden, zum Teil ohne daß sich die Mädchen darüber beklagt hätten. Diese uner-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage
wies et auf die Bedeutung des Tages hin; et verglich die frühere mit der heutigen Zeit, bfr tonte, wie jetzt für den Arbeiter in jeder Hi« sicht gesorgt ist, und machte den Arbeitern klar, warum unser Kaiser den Namen Arbetterkaise, ' oetinene. Er forderte sie zu treuer Hingabe av Kaiser und Reich in gemeinsamer Arbeit auf Die Ansprache wurde in deutscher und polnischer Sprache gehalten und alle, aber auch wirklich alle, stimmten begeistert in das Kaiserhoch ein. Dieses schöne Bild zeigt wieder klar, wie gut der Pole mit den Deutschen auskommen kann, wenn er .nut will und darf.
Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie im Jahre 1909.
Der Geschäftsbericht des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie für das vergangene Jahr ist veröffentlicht worden. Der Reichsverband hat auch in den letzten Jahren effreuliche Fortschrttte gemacht. Der Zuwachs au neuen Mitgliedern betrug im letzten Jahre genau doppelt so viel, wie im Jahre 1908, nämlich 33 492 gegneüber 16 600 int Vorjahre. 66 neue Ortsgruppen wurden gegründet. Die Gesamt« zahl der Mitglieder des Reichsverbandes beträgt 211000, die Gesamtzahl der Ortsgruppen 702. 786 Versammlungen wurden im letzten Jahre abgehalten. Der Reichsverband besitzt jetzt sechs RÄmerfchulen. An den national-ökonomisch« politischen Ausbildungskursen, die der Reichsverband im letzten Jahre veranstaltete, nahmen 1100 Leute teil, an demselben Kurse für Lehrer 61 Teilnehmer. Die veranstalteten 73 Lichtbildervorträge besuchten mehr als 16 000 Leute. Die „Korrespondenz des Reichsverbandes" wurde in 167 200 Exemplaren verbreitet. Im letzte« Jahre gab der Reichsvciband das hundertste Flugblatt heraus. Von dem bekannnten Flug- blatte „Die neuen Reichssteuern und der Volks- betrug der Sozialdemokratie" wurden 1352 250 Exemplare verlangt. Ferner wurden 150 000 Exemplare des Polkskalenders verbreitet. Die Neuauflage des Handbuches für nichtsozialdemo. kratische Wähler ist bereits vergriffen. Die Bibliothek des Verbandes besitzt mehr als 4000 Bände. 24 Rechtsauskunftsstellen, zum Teil in Verbindung mit Arbcitersekrctariaten, wurden errichtet. Am Schlüsse des Geschäftsberichts werden die Namen der erschienenen Broschüren mitgeteilt und es wird über die Tätigkeit des Reichsverbandes bei den Wahlen, die im vet- gongenen Jahre statffanden, Bericht erstattet. — Aus dem Geschäftsberichte kann man ersehen, daß der Reichsverband auch im vergangenen Jahre, wie schon in den Vorjahren, manche tüchtige Arbeit geleistet hat.
7 (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
lgortietzung.)
Der Vater, der durch Freunde von dem angezettelten Abenteuer unterrichtet worden wat, hatte sich über diesen Ausgang schwer geärgert. _ „Muß die Person dumm sein! Da unten im Scnenschein und Blumenduft, wo alles sich fröhlicher, leichter ansteht, da hätte sie den Schnee- wann zum Schmelzen bringen können: statt dessen läßt sie ihn hierher zurückkommen, wo wir drei Grad unter Null haben! Natürlich ist er wieder eingefroren!“
Dieser verständige Junge, der seinen Vater durch seinen Mangel an Phantasie und Hang zu dummen Streiken außer sich brachte, war ein Mustersohn. Niemals versäumte et es, bei sei- ner Mutter vorzusprechen, ehe et das Haus ver- tteß, und kam er heim, so herzte und küßte er sie wie ein kleines Kind. Es war ihm niemals un- beaucm, wenn er sie begleiten sollte, und er verkrachte willig an ihrer Seite sterbenslangweilige Nachmittage in den Svmphonielonzerten des ^onservator-ums, die ihm ein Greuel waren, ihr zuliebe durchwachte, mitten unter «m SBonneglurffen jener Leute, die sich nicht ^".lanaweilten -tt doch aus Schicklich-
Begeistc. „g heuchelten. Ebenso ssandslos begleitete er auch beim schlechte- «uf |eV?en Vater zu den Treibjagden ^hevroliere. Er konnte dieser Form des 'et|t ®«nig Geschmack abgewinnen, legte
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die Tgespaltene gelle
oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige, — ;
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucks rci 4k), vyUl)r(L Inhaber Dr. C. Hitze roth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.