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45. Jahrg.
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können.
(Forsetzung folgt.)
Boot stärker würde.
„Kommen wir nicht bald a» Bord de» Panzerschiffes?" erkundigte er sich. ‘
Toulon an Schiffen besitzt, die sich zur Not aufs Wasser wagen können, ist heute unterwegs."
„Hört!" rief das junge Mächden. „Da wird gesungen . . ."
Von den Fluten weiter getragen, drangen die Klänge der Marsaillaise ans Ohr der Lauschenden. An Bord eines Avisos befand sich ein Gesangverein, der sich die Wartezeit durch musikalische Leistungen verkürzte. Sofort ertönte von einem anderen Boot her ein Tusch und ein Orchester stimmte den Walzer „vom kleinen blauen Korporal" an. Es war im Grunde ein abscheulicher Mißklang, der feurige vaterländische Ee- sairg mit dieser Tingel-Tangelmelodie verbrämt, aber in der überhitzten Lust der Feststimmung, in dieser Farbenorgie und bei diesem Ueber- schwang derBegeisterung verschmolzen die menschlichen Stimmen wie die Blechmusik mit dem allgemeinen Festlärm.
Rasch die Hafenausfahrt entlang gleitend, hatte die Dampfbarkaffe bald die Vergnügungsboote hinter sich gelaffen, die sich im gesicherten Bereich der Dämme umhertrieben. Die Fahrgäste erblickten um sich her nur noch seetüchtige Fahrzeug«, die sich aufs offene Meer hinauswagen konnten, und schon ward eine schlin-
UnivelsM Frankfurt a. M.
In ihrer heutigen Rümmer läßt sich die »Ftkf. Ztg." zu dem am vorigen Freitag in der „Kreuz;' erschienenen Artikel in dieser Frage vernehmen und es steht deshalb $u hoffe», daß nun auch ander« linksliberale Zeitungen von der Diskuffion dieser Frage in der Presse Rotiz nehmen. Die „Franks. Ztgckirijt natürlich mit großem Nachdruck für eine Universität Frankfurt ein. Sie soll aus Schenkungen von Privaten in der Hauptsache errichtet werden. Boraussetzung ist, daß die neue Uni« dersität mit allen Privilegien vom Staate beschenkt Wird. Sie wird eine juristische, medizinische und philosophische Fakultät erhalten. Die „F. Z.' meint dann, es sei noch manche Detail frage zu lösen — NB. die Hauptfrage dürfte von Seiten des Staates doch auch noch nicht entschieden sein! — und beschwert sich, daß die Kritik schon jetzt einsetzi. Wie wir bereits vorgestern aussührten, verstehen wir den Schn,er; der Frankfurter darüber, daß das Projekt bereits jetzt öffentlich behandelt wird. In ihren Anssübrungen gegen die „Kreuzzeitung* und die „Post* fordert die „F. Z.' ausdrücklich ein gewisses Maß von - Selbständigkeit und freier Verwaltung der neuen Universität. „Beide Telle geben: der Staat soll der Universität Frankfurt die Berechtigung -«gestehen, akademische Grade zu verleiben, die Stadt will mit Beihilfe von Stis- tungen die für Gründung und Betrieb nötigen Kapitalien flüssig machen, sie übernimmt damit große Pflichten und kann billigerweife auch Rechte beanspruchen.* Dann tritt sie natürlich für eine Universität in einer Großstadt ein: In der Großstadt gibt es mancherlei unedle Anregungen, di« einem jungen, empfänglichen Gemüt leicht verhängnisvoll werden könne», aber nicht minder gefährlich ist das Milieu der Kleinstadt mit seiner evidenten Gefahr der „Versumpfung*. — Mr danken!
Die Gründe der „Kreuzzeitung' und der „Post', daß die freie Univechtät Frankfurt bestimmte politische Richtungen, z. B. die Brentanos, »der die der „Franks. Ztg.', begünstigen werd«, widerlegt das Blatt nicht; es stellt nur fest, daß zwischen Brentano und dem ersten Rationalökonomen der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaft ein Zwiespafl einmal in einer Frage bestanden habe und will seinerseits nicht, daß die Jugend im Sinne der „Kreuzzeitung' erzogen werde. Man sieht, der Kernpunkt ist umgangen. Im Interesse der Universität Frankfurt ist die „F. Z.' sogar für eine Universität tm ttt Ostelbien zu haben. Dann aber beschäftigt sie sich mit einem besonderen Einwand der „Kreuzztg.'. „Rehmen Wir an', so schrieb die „Kreuzztg.', „nach Frankfurt zögen von Berlin 500 Studenten, von Bonn 300, von Marburg 300 usw., dem Staate würde dadurch keine Ausgabe abgenommen, er könnte deshalb nicht eine Professur als überflüssig einziehen, die jetzt bestehenden, gut frequentierten Institute würden höchstens im Werte sinken.'
Dazu meint die „Franks. Ztg.': „Soviel Worte, soviel Unrichtigkeiten. Der Staat kann sich der Verpflicbtting, neue Hochschulen zu schassen, nicht
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: .Flach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirt,chastt.che Bella
Tagesztg.* haben uns aber dadurch, daß sie die politische Welt in unserem Sinne aus die bevorstehende Gründung ausmerkfam machten, «men großen Dienst erwiesen - die Oefsentlichkeit ist auch hier der beste Mahner —, und dafür sind wir diesen Blättern dankbar.
Marburg
Donnerstag, 20. Jannar 1910.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Das Haus ist leidlich, und die Tribünen sind gut besucht. Rach Erledigung emes schleuiugen Antrags aus Einstellung eines gegen den Abg. Geck schwebenden Privatttageversahrens wird in ine Beratung über die sozialistische Interpellation, de» Mnnsfelder Bergarbeitcrstreik bett., eingetreten.
Abg. Sachse (So;.) betont, daß es sich hrer um eine reichstteue Arbeiterschaft gehandelt habe. Sei,ter Ansicht nach habe es sich bei dem Vorgehen der Behörde und les Militärs nur darum gehandelt, den Arbeitern das Koalitionsrecht zu nehmen. Im übrigen sei die Heranziehung des Militärs nicht nötig gewesen. Erst durch dessen Erscheinen sei die Bevölkerung beunruhigt worden. Redner bringt bann, vielfach von Widerspruch des Hauses unterbrochen. Beschwerden gegen das Militär und die Behörde vor, die häufig ihre Besuauisse über- schritten hätten — Staatssekretär Delbrück führt aus, daß das Militär von der Behörde herbeigerufen sei, da sie selbst nicht mehr Ordnung schaffen konnte. So haben in Hettstadt bei Ansammlung von Tausenden schwere AusschreiMngen stattgefunden! Damit fällt die Angabe, daß die Truppen herbeiaerusen worden seien, um den Streikenden das Koalitionsrecht zu verkümmern, lieber Verstöße von Offizieren und Beamten «egen bi« Gesetze sind keinerlei Beschwerden zugegangen. Die weitere Verhandlung darüber würde in das preußische Abgeordnetenhaus gehören. (Stürmischer Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Ich habe keinen Anlaß, hier noch aus Einzelhetten einzugehen. — Preußischer Kriegsminister v. Hee- ringen sieht es als eine» Glücksfall an. daß er in dem Moment, wo er zum ersten Male hier spreche, dies tue behufs Abwehr schwerer Angriffe auf d:e Armee. Di« Militärbehörden haben, wenn sie gerufen werden, nicht das Recht, die Ursache des an sie eraangenen Rufes nachzuprüfen. sie haben vielmehr die Pflicht, dem Rus zu folgen, mag es sich handeln um Feuer- ober Wassergefahr (Stürmischer Lärm links) oder um ausgehetzte Mitbürger. (Erneuter Lärm links.) Das Militär muß einfach an Ort und Stelle gehen und seine Pflicht tun. Ein Exttabefehl, die Maschinengewehre mitzunehmen, ist überhaupt nicht ergangen. Ein Soldat nimmt ensach die Waffen mit, die er hat. Sonst könnten Sie am Ende auch der Kavallerie befehlen, die Lanzen zu Hause zu lassen. (Heiterkeit.) Die Lage, die das Militär in Hettstadt vorfand, war allerdinas nichts weniger als so harmlos wie der Interpellant sie schilderte. Am Tage vorher war von der Menschenmenge versucht worden, die Genbannen nicht nur an die Wand zu drücken, sondern auch ihnen die Waffen zu entreißen Ob die Beraarbeiter dort reichstreu waren oder nicht, darauf kommt es nicht an (Gelächter links), sondern nur darauf, daß sie Rübe und Ordnung halten. Wenn tatsächlich Ruhe und Ordnung aufrcckt erhalten wurden, so lag das gerade an der Anwesenheit des Militärs. Der Abg. Sachse bat gesprochen von Verstößen der Offiziere gegen Gesetze. Aber das Material, das er darüber vorbrachte, war ein hohles und mageres. (Große Heiterkeit) Unter lebhaften Widerspruchs rufen von links (derenthalben Vizepräsident Hobenlohe die Aba. Sachse und Huä wiederholt auffordert, die fortwährenden Unterbrechunaen zu unterlassen) geht bann bcr Kriegsminister noch auf bie von Sachse vorgebrachten Einzelheiten näher ein. Di«
entziehen. Di« Frankfurter Universität würde aber ven Staatssäckel nicht belaste«, sonder« ein Mil- lionengeschenk sein.'
Die Universität Frankfurt würde doch zweifellos nicht dem Staate die Verpflichtung abnehmen, etwa im Osten eine neu« Universität zu gründen. Die ,F. Z.' w i l l eben nicht einsehen, daß Frankfurts Lage bei der bestehenden Meng« von Uni« berfitäten in btt Nähe eine Universität dort völlig überflüssig macht. Außerdem ist die Frage, ob es nicht besser ist, abgesehen von notwendigen Gründungen in universttäts atmen Gegenden, die bestehenden Universitäten auszubauen, doch sehr einfach zu entscheiden.
Die „Franks. Ztg.' hat aber nun auch gehört, daß diese Universitäten, speziell Marburg, durch den Plan einer Universität Frankfurt beunruhigt werden, unb nun kommt das Klassische. Wörtlich schreibt bie „F. Z.': „Von Marburg aus, das sich am meisten bedroht glaubte, ist man bereits in Berlin vorstellig geworden. Wir glauben überhaupt nicht, daß die Universität Frankfurt, wenn sie wirflich erstehen sollte, den andern Universitäten Schaden bringen wird. Es handelt sich um keine ungesunde Konkurrenz, sondern die neue Universität soll den Schwesteranstalten Entlastung bringen.'
Wir danken der „F. Z.', daß sie für das häßliche Wort „Schaden für Marburg' das Wort „Entlastung' eingeführt hat. Daß e i n Marburger über biefe „Entlastung' sich freuen werde, kann man wohl nur in der „Franks. Ztg * glauben, bie sicherlich mit einet Entlastung ihrerseits, etwa um bie Hälfte ihrer Inserate oder Abonnenten, mit Freuden einverstanden wäre. Vielleicht versuchen es die Marburger einmal mit dieser EntlasMng gegenüber der „Franks. Ztg.' und Anhang. Wenn unsere Universität starken Zuzug erhält, so können freilich zu Zeiten die Einrichtungen einmal dem Andrang nicht genügen. Rur auf diese Weise aber kommt man vorwärts, nicht dadurch, daß sofort andere Universitäten in der Nähe entstehen, bie „entlasten'. Besonders Marburg aber wird leiden, wenn in Frankfurt so etwas wie eine zweite Landesuniversität für Hessen-Nassau entsteht, bie vermöge ihrer Mittel wohl imstande ist, uns an die Wand zu drücken.
Und noch eins: Als im Jahr« 1866 Preußen den Kurstaat Hessen anek- tierte, hat es auch die Verpflichtung übernommen, die Privilegien, bie bestanden, zu schützen unb weiter auszubauen. Di« Landesunivrrfi- tät des alte Königreichs Hannover, Göttingen, z. B. wird bis auf den heutig^: Tag bekanntlich als 2. Universität des Königreichs betrachtet und behandelt. Wir hoffen, daß bie Regierung auch Marburgs Privilegien gegenüber den Ansprüchen Frankfurts in bet nötigen Weise schützen wirb.
Run, die eigentliche Entscheidung in der Frage ist ja noch in weiten Feldern. Die konservattve Presse „Krenzzeitting' und „Post' und „Deutsche
Die Znsettionsaebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. - Druck unb «erlag: Joh. «lug. Koch, Univerfitäts-Buchdruckerel Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Verhaftunae» seien in jedem ,-rull mohbiert gewesen. Beschwerden über Verstöße von Offizieren feie» überhaupt nicht an ihn gelangt, er fol«et« daraus, daß der Tatbestand nicht so sei, wie Sachtz ihn geschildert, denn bie Herren seien doch sonst nicht so bescheiden. Keine einzige Frau sei der- hastet worden. Gegen die Verhaftung des ^Verteilers der Flugblätter sei auf Grund des § 10 M Preßgesetzes mit Recht enigeschritten, da die Ver-. teilung unentgeltlich geschah unb bte ®ene6migunfl nicht eingeholt war. „Ich weiß wohl, so schließt der Minister, „daß der Armee auf der Straße kein Lorbeer blüht. Ebenso aber wissen wir auch, daß wir zu erscheinen haben, wenn wir gerufen werden, um Ruhe unb Ordnung aufrecht zu erhalten. (Stürmische Bravorufe einer unb Zischen andrerseits.) - Abg. Arendt (Rp.) führt aus, daß die Lage batum gespannt geworden fei, weil die Streikenden bie Arbeitswilligen bedrohten. Der Staat, mußte deshalb dagegen einschreiten. Wetter stellt Redner in ausführlichen Darlegungen m Abrede, daß die Mißstände im Marisfelder Bergbau derartige seien, wie Sachse geschildert habe. Die Agitatoren werden sich bie Gewerkiwaft natürlich vom Leibe halten. — Abg. Fleischer (Ztr ) schildert dann bie brutale Art des Vorgehens der Streikenden > gegen die katholischen arbeitswilligen Bergleute. Der Streik fei zudem von allen nicht sozialistischen Verbänden aufs schärfste toerurteitt worden. Die Streikleitung habe sich sogar nicht gescheut, die Kinder gegen die Väter aufzuhetzen, indem sie sie mlsforderten, ihre von der Arbeit zuriickkehrenden Väter zu beschimpfen. — Abg. Pauli - Potsdam (kons.) wies darauf hin, daß dieser ganze Streik aus agitatorischen Gründen frivol vom Zaune gebrochen worden fei. Das Militär fei notwendig gewesen und habe sich sehr taktvoll benommen. - Rach dem Abg Gothei,r (frf. Vg.) sei ein solches Militärausgebot nicht nötig gewesen, zumal sich später erst herauszustellcn pflegt, daß die erften Gerüchte stark ansgebauscht seien. Auch sand et es nicht in der Ordnung, daß man Offtnere unb Soldaten bei Bergleuten einnuartiert habe, die doch Partei mären. — Zum Schluß spricht Abg Vogel (natl.) und meint, daß die Unzuniebenhett im Mansseldischen künstlich genährt worden sei. Der Zielpunkt der Agitation Ivar der neue Generaldirektor. Die Marisfelder Gewerkschaft sei ohnehin in einer schlimmen Lage, da die beiden letzten Jahre fast ohne Ausbeute geivesen sind.
Die Bubgetkommission des Reichstags beriet am Dienstag bie südwestafrikanischen Bahnen. Zum Umbau der Strecke Karibik Wmdkmk unb' zum Bau einer Rordsiidbahn iverben als erste Baurate 31Z> Millionen Mark gefordert. Weiterhin ist der Ankauf der Oiavibahn mit Zweiost, ecken gevlant. Die Forderungen wurden vom Staatssekretär Dernburg eingehend begründet. — Von einem Vertreter der Reichspartei wurde lebhafter Protest geaen den Ankauf der Otavibahn erhoben, während bie Vertreter der Rationallibc- ralen unb der Wirtschaftlichen Vereinigung sich dem Staatssekretär antotoffen. Ein Zentrums- rebner hob hervor, daß bei diesen Bahnproiekteii zweifellos die Kolonie selbst nicht < chört worden fei. Der »anWrat msi'" toi wer
de«. 1912 habe man sowieso nach Ablauf dcS Pachtvertrages die Gesellschaft in der Hand. — Nach einer Entgeammg des Staatssekretärs, daß ohne nette Einnahmen in den nächsten Jahren keine neue Forderungen für Siidwestafrika. außer für den Hafenbau in Swakopmund. an den Reichstag gestellt werden würden, wttrde die Reiterberatung auf Mittwoch vertagt.
Im Abgeordnetenhaus«
wurde am Dienstag, 18. Jan, die erste Beratung des Etats fortgesetzt. Abg. Dr. Pachnicke (frf. Vg.) meinte, jede Wahlrechtsreform, die nicht die geheime Wahl brächte, würde werflos fein. Unter der Vorherrschaft des Zenttums sei die Schulden-
Die ^berhessifche Zeit«»," erscheint täglich mit Ausnahme bet Lun- nnd Seietta^-Det u0» jährlich durch bie Post bezogen 2,25 (ohm Bertellgelb). bei unseren Zeitungsstelle« unb der Expedition (Markt 21), 2 J
gern de Bewegung fühlbar. Der Abgeordnete wurde etwas blaß und schien ein Vorgefühl zu haben, daß es schnell um bie parlamentarische Feierlichkeit seiner Haltung geschehen sein könnte, falls dies Rollen und Schlingen in dem flachen
„Zu Befehl, ja, mein Herr."
„Gut, dann bi» ich der, den Sie hier erwarten . . ."
„Ich stehe zu Ihrer Verfügung."
„Komm, mein Kind," sagte der Abgeordnete sich an ein hochgewachsenes junges Mädchen wendend, das auf das Ergebnis feiner Erkundigungen zu warten schien. „Das ist das Boot, das uns hinüberbringen soll."
Das junge Mädchen trat heran, setzt« den hübschen, sehr gut bekleideten Fuß auf die Spitze des Bootes unb stieg mit Hilfe des Seekadetten an Bord. Ein Lächeln dankte dem jungen Offizier für feinen Beistand, dann betrat sie das Achterschiff, wo der andere Fahrgast sie mit dem Hut in der Hand erwartete. Die Matrosen stieheu vom Land ab, der Seekadett nahm seinen Posten ein und das Schiff glitt mit merkwürdig der Gewandtheit und Schnelligkeit zwischen den zahllosen Fahrzeugen jeder Gestalt hindurch, die alle dem offenen Meer zustrebten, als die gewaltige Vertretung eines ganzen Volkes, das die erwartete» Verbündeten festlich begrüßen und zu ehren gesonnen war.
Ergriffen von diesem unvergleichliche» Schauspiel, begannen die Fahrgäste der Dampfbarkaffe ihre Eindrücke auszutauschen.
„Was für ein wunderbares Bild!" sagte der Abgeordnete. „Welch herrliche Verkörperung der Bolkskrast!"
„Wie viel Fahrzeuge mögen in diesem Augenblick um uns her in Bewegung sein?" fragte der Manu den 6eefabetten.
„Das ist schwer r» schätzen, aber alles, was
* (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
F " Von Georges Ohnei.
(gortfefcung.)
„Wie lang brauchen wir, um an Bord der „Latouche-Treville" zu gelangen, Herr Kapitän?" fragte der junge Manu den Seekadetten.
„Ja . . . immerhin eine halbe Stunde."
„Unb der Admiral Beauvoisin hat Ihnen ganz bestimmten Befehl gegeben, den Abgeordneten zu erwarten?"
„Gewiß, ebenso wie Sie."
„Ja, ich bin sogar zu früh gekommen . . , . Wissen Sie denn, wer dieser Abgeordneter ist?" „Keine Ahnung, es muß aber eine wichtige Persönlichkeit sein."
„Wahrscheinlich einer von den Schreiern, die <m Parlament gegen die angebliche Berschwen- düng für die Marine wettern und bte man verhätschelt, weil man das Kreuz vor ihnen macht?"
Der Seekadert ging auf diese Bemerkung nicht ein, aber er stimmte ein herzhaftes Gelächter an. Jetzt erschien eine Gesellschaft von hellgekleideten Damen, begleitet von Herren mit irret« farbiger Schärpe, und wurde nicht ohne Mühe »on Schutzmännern durch bie Menschenmenge hindurch gelotst. Ein schwarz gÄleideter Mann «ir ernster Miene, hohem Hut unb einem weiten Sonnenschirm löste sich aus bet Gruppe unb trat auf die Dampfbarkaffe zu.
„3ft bieg das /Boot zur Einschiffung nach bet ^otouche-Trevilhe", mein Herr?" fragt« «t de«
„In einet kleinen Viertelstunde, mein Herr," versetzte bei Seekadett artig und fügte, mit der Hand nach einer schwarzen Masse deutend, deren bewimpelte Masten turmhoch aufragten, hinzu:
„Dort liegt die „Latouche-Treville".,,
Der andere jugendliche Fahrgast hatte sich bisher wenig um das ihn umgebende Schauspiel gekümmert^ et hatte nur Augen für bie Tochter bes Abgeordneten. Vom ersten Augenblick an hatte die sichere Anmut der jungen Blondine, wie die gänzliche Unbefangenheit ihres Benetz- mens fein Herz erobert. Er hatte ihr feine« Profil, die schönen Augen und den gelassenen Muitt» nach Herzenslust studiert unb bewundert, während sie ihm gar keine Beachtung schenkte und völlig im Anschauen bes vor ihr aufgetollten Bildes aufging. Nicht eine absichtliche Gebärde, nicht ein Wort, das darauf berechnet geroefee wäre, Eindruck zu machen. Mit völliger Unbefangenheit überließ sie sich bet Freude an diese« Anblick und zeigte unverhohlen ihre Lust data«. Mehr und mehr «ab sich ihr eleganter Reisegefährte dem Entzücken über diese Harmlosigkeit hin, die ihm bei den jungen Damen seiner Kreistz selten genug begegnet sein mochte. Seiner so» fügen ironischen Gleichgültigkeit vergessend, gat er sich mit Genuß dem Gefühl bet Bewundern,« hin, und in einem Augenblick, wo er viellei« 1gut getan hätte, fein Herz zu panzern, warf er ^^arffche gje Waffen beiseite. Dieses harmlose Persön "" ’> chen als gefährlich anzusehen, hätte aber auch 1 höchstens einem Narren in den Sinn komm«»