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45. Jahrg<

So beruhige dich doch!" sagte die Baronin! Du regst dich doch viel zu sehr auf! Ueberlegen wir uns die Sache mit Gemütsruhe."

Woher di« nehmen, wenn es sich um so Furchtbares handelt?"

Wie uni> wo hat er denn das junge Mädchen kennen gelernt? Wo hat er fi« getroffen? Doch sicher nicht in unseren Kreisen?"

So viel er mir sagt, auf der Reise nach Toulon... ein recht netter Gewinn, den ich au» dem französisch-russischen Bündnis ziehe? Bisher hat es mir weiter nichts eingetragen..."

Und er hat dir erklärt, er liebe sie?"

Jawohl, und er wolle sie heiraten."

Nun, nun, mein Freund ... es ist beinah acht Uhr, gehen wir zu Tisch! Im Verlauf des Abends werd' ich dem Jungen dann unter vier Augen die Beichte abnehmen. . ."

.Milde dir nur nicht ein, daß er zu Tisch kommen wird! Sich unseren Vorwürfen auszu­setzen, paßt ihm gar nicht. Er hat mir soeben ausrichten laffen, daß er bei Freunden speise . .. vielleicht beim Pap« seiner Schönen, was weiß ich!"

Nein, nein! Solche Freiheiten nimmt er sich nicht! Dazu ist er zu vorsichtig, und ehe er unsere Eefinnnung kennt, hat er sich diesen Leu­ten gegenüber keinesfalls gebunden. Also weüx ich ihn morgen früh ins Gebet nehmen ... bis dahin mische dich lieber nicht darein. Man darf nichts überstürzen, ihn nicht störifch machen, das hieße das Spiel im voraus verdorben."

Wie du meinst," seufzte Tresorier.Und da gibt's Leute, die sich abhärmen, weil sie kinder­los sind ... sie haben keine Ahnung, wie gut fi« es haben!" ... .

Marburg

Mittwoch, 19. Januar 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Stach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLondwlktlchastiiche Beilage

Gegen den Plan eineramerikanischen" Uni­versität wendet sich das Blatt weiter:

Wenn dies« n«ue Universität aber Prüfun­gen abhalten und Zeugnisse ausstellen will, die von den staatlichen Behörden anerkannt werden sollen, so wird sie sich auch der staatlichen Aussicht beugen müssen wie alle anderen Universitäten. Zudem könnte sie als vollgültig« Lehranstalt von vornherein kaum angesehen werden, da sie, wie ja bekannt ist, auf die theologisch« Fakultät ganz zu verzichten gedenkt.

Di« Verneinung des allgemeinen wie des speziellen Bedürfnisses in Verbindung mit einem der Arbeitsfreudigkeil de» Studierenden Ab­bruch tuenden Milieus kann aber um so weniger zu einer Neugründung reizen, als man wohl nicht mit Unrecht annehmen darf, daß mit dieser Gründung nur ein neuer Herd de» sattsam be­kannten Kathedersozialismus eingerichtet wer­den würde, den zu vermehren wahrhaftig nicht Aufgabe des Staates sein kann. Fügt man noch hinzu, daß die Einwohnerschaft der klei-

Die InfertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pf-nwge. Druck und »erlag: Joh. «u«. «och, UmversriatS-Buchdruckerei Inhaber Dr. L. Hiheroch, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

8 (Nachdruck verboten.) I

Die Tochter des Abgeordneten.

Von Georges Ohnet. j

l Fortsetzung.)

Ein« schlaue Kröt«? Da» jung« Mädchen ist möglicherweise sehr nett..."

Reizend sei fi«, jagte er!"

Siehst du?"

Das soll nun wieder ein Grund ffit mich sein! Dieser Vater, dieser scheußliche Vater!"

Das ist allerdings mißlich ... der Vater bleibt ein Stein des Anstoßes . . . indes ..."

Jawohl! Jetzt kommst du mir natürlich mit der abgedroschenen Behauptung ich hör's schon förmlich ,man heiratet ja nicht den Vater?' Als ob man verhindern könnte, daß er zur Familie gehört, als ob es möglich wäre, ihn sich vom Halse zu halten, ohn« Gefahr zu laufen, die Tochter zu verletzen! Bietet man aber den Finger, so nimmt er die Hand, und schließlich hat man ihn an seinem Tisch, hörst du, zu deiner Rechten . . . diesen Roten zu deiner Rechten, nicht einmal zu deiner Linken."

Tresorier hatte sich warm geredet: sein Ge­sicht war dunkelrot. Im Vorübergehen nahm er im Spiegel diese ungewöhnliche Färbung mit Schrecken wahr. Er war nämlich ängstlich auf seine Gesundheit bedacht, und vor allem andern | fürchtete er Neigung zum Schlagfluß. Jetzt »lieb er stehen, ließ sich dann seiner Frau gegen- "ber auf einen Stuhl nieder und stöhnte kläglich: Du siehst, welche Farbe mein Gesicht hat . . . »an wird mich noch ums Leben bringen, wenn man mich f» quält!"

ist dem Reichstag zugegangen. Es besteht ans einer 17 Seiten langen Denkschrift und einet Sammlung vvn 173 Aktenstücken. Die Denkschrift beginnt mit der Erinnerung an die Grundsätze der deutschen Marokkopolitik: Schutz unserer wirtschaft- licken Interessen, offene Tür, und an der unter deutscher Mitwirkung zustandegekommenen Artikel 112 der Algecirasakte: ein scherifischer Ferman soll die Bedingungen der Konzession zur Ausbeutung von Minen, Gruben und Steinbrüchen festsetzen. Bei Ausarbeitung diese? Fermans wird die scke- risische Regierung stch nach den den Gegenstand regelnden ftemden Gesetzgebungen richten. Der Gedanke der deutschen Regierung war, den Sultan an der unkontrollierten, dem Prinzip der wirt­schaftlichen Gleichheit widersprechenden Verleihung von Konzessionen zu hindern und damit die von dem ftanzösischen Uebergewicht am Sultanshose drohende Geiahr für deutsche Bewerber zu pa- i deren. Infolgedessen könnt« die deutsche Regier- | ung nicht die Rechte deutscher Unternehmer, die

zwischen der Zelchmingsakte und dem Erlab des Minengesetzes erworben sein sollten, als wohler­worben anerkennen, wobt aber mußte sie vorbe­reitende Schritte für die künftige deutsche Beteilig- tzung am marokkanischen Bergbau nach Kräften unterstützen. , ,,

Ms die Gebr. Mannesmann die Verleidung ausschließlicher Minenrechte beauftragt, wurden sie amllich unterstützt, um ihnen später einen Prioritätsanspruch sichern zu können.

Das weitere wird dann ausgeführt, daß daS nickt veröffentlichte Muleh Haftd'sche Berggesetz entstanden sei ohne Mitwirkung und Kenntnis des diplomatischen Korps in Tanger, allo entgegen dem einstimmigen Beschluß der Mächte vom 20. August 1903, der alle Vertragsschließenden verpflichtet nur ein unter gemeinsamer Kontrolle zustande gekommenes Gesetz als der Mgeetrasatte entsprechend anzuerkennen. Von der deutschen I Regierung war daher nicht zu verlangen, daß sie I diesen Beschluß den sie selbst durchgesetzt hatte, I plötzlich nickt nur selbst ignorieren oder als un- I gültig ansehen, sondern auch das Gleiche von I allen andern Rationen fordern sollte. Die Regier- I ung habe, indem sie den Herren Mannesmann I auf andere Weise zu praktischen Resuftaten zu ver- I halfen versuchte, ihre Stellungnahme zur Rechts- I frage, die nur eine ablehnende sein könne, nach I außen zu umgehen versucht. Dies sei auch noch in I den Erklärungen des Staatssekretärs int Reichs- I tage der Fall gewesen. Die Angriffe, die gegen I die Regierung in den letzten Wochen gerichtet wor- 1 den sind, nötigten sie jedoch, zur Erklärung ihrer I Haltung und zur Wahrung ihres Ansehens, nun« I mehr auch ihre eigenen Bedenken gegenüber der I Rechtsauffassung der Herren Mannesmann tzsfent- I lick zur Geltung zu bringen. Die Denffchrift stellt

mut die langwierigen Bemühungen dar zwischen . Set Union des Mines Marocaines. bei der be­kanntlich ebenfalls deutsche Interessen betätigt I sind und dem Mamiesmann-Svndikat einen Ms- I gleich herbeizuführen. Die Verhandlungen schei- j terten an der Frage der AbgreuMng der Jitter- j essenspbären. Darauf beschlossen die bmipttacklich I interessierten Regierungen, darunter auch Deittsö^ I land, über die älteren Msprücke bet der Berattmg 1 des Berggesetzes zu verhandeln. Bekanntlich san- I den Vorverhandlungen über dieses^ Gesetz zwischen I den Vertretern von Deutschland. Frankreich Eng- 1 land und Spanien vor kurzem in Pans statt. Da- I bei ist die deutsche Regierung besonders für ote I Berücksichtigung der aus der Vergangenheit stam­menden Anspriiche, 'U erster Linie der Herren I Mannesmann, eingetreten, bie nt Marokko auf bergbaulichem Gebiete bereits tätig gewesen sind, entsprechend ihrer Betätigung em Privilegium zur Erwerbung von Berggerechtsamen gewahrt wer­den soll, wobei zwischen den verschiedenen Bewer­bern um dasselbe Gebiet die Priorität entscheidet. Die Regierung erreichte ferner unter großen Schwierigkeiten im Interesie der Herren Mannes mann, daß die anderen Regierungen schsietzlich doch zugestimntt haben, das für die Billigkeits­ansprüche einzusetzende Schiedsgericht auch mit der Entscheidung der Frage zu befassen, ob und in welchem Umfange etwa schon Reckte erworben worden seien: das bedeutet ein Kompromiß zwi- scken der Auffasiung der Herren Mannesmann, die unanfecktbare Reckte zu haben vermemen, und der Auffassung der Regierungen und übrigen Inter- efiertten, die die Rechtsbeständigkeit der Mannes- mannscken Ansprüche nicht anerkennen. Die Aus­wahl der Schiedsrichter, fünf rechts- und berg- ftindige Leute, soll durch das Schweizer Bnndes- gericht oder durch befielt Präsidenten erfolgen Die Denffchrift schließt:Die deuffcke Regierung ist sich der Bedeutung Wohl bewiißt, die die Beteiligung deuffcker Unternehmer an der Ausbeutung der Mineralschätze Marokkos für Deutschland, seine Industrie und Schiffahrt haben würde: demgemäß bemühte sie sich nach Kräften, eine solche Beteilig­ung in einem so erheblichen Umfange zu ermog- ffchen. Daß sie sich dabei innerhalb der Grenzen gehalten, die ihr die Achtting der Verträge und eine ehrliche, lovale und konsegnente Polittk vor- schreibcn. wird man ihr nicht zum Vorwurf machen dürfen.' ______

folgenbeii Ausführungen:

Man wird jugeben müßen, daß, wenn em B sürfnis zur Neugründiing einer Universität sich fühlbar gemacht hatte, dies wenigstens in einem Teil« der Fachpresse ober der Tageszei­tungen erörtert worden wär«. Speziell Frank- 'ÄS I Em Weißbuch «der di- m°-«Ik°m,ch-,,

I Min-niMM

Institut in Cöln einen so engen Kranz leicht erreichbarer Stätten der akademischen Wissen­schaft, daß eine Neugriindung in Frankfurt a. M. nur als überflüssiger Luxus aufgefaßt roerben Knute. Einen solchen kann sich der Staat bei bet jetzigen Finanzlage am allerwenigsten lei­sten. Aber abgesehen davon, paßt eine Univer­sität kaum in das Milieu Frankfurts. Dann schließlich soll an einer Universität doch gear­beitet werden. Die vielerlei Zerstreuungen aber, welche Frankfurt bietet, geben wenig Ge­währ dafür, daß hier mehr gearbeitet wer­den mürbe als in den eben aufgezählten klei­neren Universitätsstädten der Umgegend Frankfurts. Es ist als sicher anzunehmen, daß das Großstabtleben viele Abiturienten von dem Besuch der übrigen Universitäten zugunsten Frankfurts ablenken würde, was einerseits, wie schon gesagt, zum Schaden der jungen Leute selbst sein, andererseits aber eine Konkurrenz bedeuten würde, die sich der Staat, der in beit Universitäten der kleineren Städte groß« Kapi­talien investiert hat, selbst machen würde. Man kann doch billigerweife nicht verlangen, daß sich der Staat ohne Not selbst schädigt zugunsten einer der reichsten Städte Deutschlands, di« wahrscheinlich das Bestreben zeigen würde, sich der Staatsaufsicht fo viel wie möglich zu ent-

Die Zeit»««'' erscheint täglich mit Aufnahme der

Soan- und Feiertage. Der»e,ug»prei» beträgt iMdtd« jährlich durch die Poft bezogen 2 25 * (ojne aHfe^elo), bei unseren Zeitungsstellen und der Expeditton (Markt 21), 2 <K.

einer endgültigen Lösung aus politischen unb wirtschaftlichen Gründen dränge. Die technische« Schwierigkeiten, die sich der Ausarbertting des Ma­terials entgegenstellten, sind größer, als meint beiden Amtsvorgänger zunächst annahmen, jeden­falls waren sie so groß, daß trotz des Effets, mit der meine beiden Vorgänger an die Angelegenheu herangetreten sind, die Arbeiten nicht derart vor­geschritten sind, daß ein Gesetz vorgelegt werden kann, das in seinen Grundzügen der vieffach er­wähnten Denffchrift enffpricht. Dann erwog ich. ob im Ralmien der Reichsversicherungsordnung als in weniger vollendeter Form die Wunsche der Privatbeamten erstillt werden könnten, aber eine solche Lösung würde niemand befriedigen. Es wäre unzweckmäßig, den Privatbeamten weniger, gewiffennaßen eine Abschlagszahlung, zu bieten, Auch konnte die Reicksversickerungsorbminasord- nung nicht mehr mit dieser unbequemen Frage be- lastet werden. Aus diesen rein äußeren Gründen ergab sich die unabweisbare Notwendigkeit, dies« Ausgabe zurückzustellen. Ich bebaute das nmsa mehr, als ich weiß, baß alle Parteien ben btto genden Wunsch haben, die Forderungen der Prt- vatbeamten zu befriedigen (Sehr rtckttgN For­derungen, bereit wirtschaftliche und sittliche Berech­tigung auch ick anerkenne. Ick werde Mick be­mühen. die Arbeiten weiter zu fordern und sobald als möglich eine Vorlage vorzulegen. (Bravo!)

Ans Antrag von Freiherrn v^Hertling (Ztr) und Bafsermann (natl.) findet Besprechung der ^^Abg.^ Hermann-Bremen (frs. Vp.): Auck wir stehen auf unserem alten Standpunkte, tue schleu­nige Einbringung einer solchen Vorlage zu ver­langen. Abg. Heine (Soz i: D,e Sache f^eM und wird jedenfalls in Nichts zergehen. Mein- Partei hält nichts anderes für mogffck a's das diese Privatangestellten an die Alters- und Inva- lidenversicherung angegliederi werden. Abg Sinn /Reichst».): Die baldige Einbringung der Vorlage ist notwendig. Es ist nickt zu bewrckuen. daß die Tüchtigkeit der Privatbeamten unter enter solchen Versicherung leiden würde.

Nachdem sich die Abg. Breiski lPole) Vnrck- Hardt (wirffch. Vag.) und Nacken (Ztr.l kur die baldige Einbringung der Vorlage anSge^-"«?«» hatten, schließt die Vespreckung der Infervellatton.

Es folgt die Interpellation der Soziakbem» kraten bett, die Unterstützung arbeitsloser Tab* arbeitet. , <_. _ . . _

Abg Gehet (So,.) begründet die Intervella- tion. Staatssekretär Wermuth: Der Reick»-

I kanzler ist nachdrücklich bemüht gewesen dem @e- I fetze eine warme und weitherzige Ans eaung z». I sickern. Er ist überzeugt, daß die Aw jübrunae- I bestimmungen, die der Bundesrat im September endgültig erlassen hat. geeignet,sind, l ffem Wunsch

I nachzukommen, und die Behörden sind eifrta be- I müht, auf dieses Ziel hinzttwirken. Anck nach dem I 14 Dezember bin ich noch mit Vertretern bet Ar- I beitetkreise in Verbindung gewesen und ick bin da I in der Lage gewesen, zu versickern, daß über die I Bestimmungen vom 26. November hinaus dem I Standpunkte der Arbeiterklasse Rechnung getragen I werden tolle. Es wird alles geschehen, um dem I Gesetze diejenige Auslegung zu sickern, die ihm I nach un trer festen Ueberzeugung gebührt. Von I Mitte August bis Ende November wurden ausae- I zahlt 15-28 000 Mk, bis Ende Dezember 1615 000 I Mark An Gesuchen sind eingeaauaeit bis Ende I 1909 53 586. Hiervon wurden genehmigt 46 000

Unterstützungen. Abaelebnt wurden 4392. Nn- j erledigt sind 2474, also 5.3 Prozent (Hort? Hört ff I Dieser Rest ist in den letzten Tagen einaeaanaen. I Wie steht es nun m- dem Tabakgewerbe nack der

Erhöhung der Steuer? Die Bewegung angesichts der netten Steuern ging zweifellos tief, wie kckon bei früheren ähnlichen Gelegenheiten. (Hort? Hörtff Die Einfuhr im Jahre 1909 sank nach dem Inkrafttreten der Steuer von 1 Million auf

alles nach der Pfeife der Herren Abgeordnete« tanzen muß! Es sind ihrer etliche zwanzig zum Frühstück in die Präfektur geladen, und bis bet Sekt dort ausgetrunken ist, können wir zusehen, wie wir uns hier die Zeit vertreiben."

Gut; vertreiben wir uns die Zeit?

Er steckte sich eine Zigarette an und vertiefte stch in das sehenswert« Bild seiner Umgebung. Auf den gepflasterten Hafendämmen wie in allen Straßen flatterten di« Fahnen, Standarten unb Oriflammen, das russische Blau und Weiß, di« Trikolore der französischen Republik und die Wimpel der Kriegsschiffe aller Nationen, von allen Seiten ertönten Fanfaren, sowie Gesänge in betäubendem Durcheinander undeine wo­gende schwatzende Menschenmenge wälzte sich dem Hafen zu, um der Ankunft des russischen Ge- schwaders beizuwohnen, das vor einer Stunde zwischen Stete und Saint Mandrier singnalisiert worden war. Auf der ganzen Reede nichts al, Boote Schaluppen, Segel und Dampffachteu,' Remorqueur«, Ruderboote, Kähne, Schlepper, alles segelfertig und dicht besetzt mit schau­lustigen Fahrgästen. Helle Sommerkleider, blumenbesetzt« Hüte, Sonnenschirme in grelle»« Farben bildeten unter dem leuchtenden Sonnen., schein der Provence «ine wahr« Fabenorg«.i Alles drangt« vorwätts, überall war Bewegung, «rtönte Gesang, die Hafendämme wimmelte» von Menschen, die Wasserfläche war bis zur Un­sicherheit mit Fahrzeugen übersäet. Von be» wolkenlos blauen Horizont hoben sich bi« zum! Empfang der fremden Gäste ausgefahrenen ritt- figen Panzerschiffe mit ihren flatternden Wimm pelketten und dampfenden Schornsteinen «. *

... Vorsehung folgt) 2

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 17. Januar 1910.

Am Bundesratsttsche: Staatssekretär Dr. Del­brück. Eingeganaen ist eine Denffchrift (Weiß­buch) über die Bergwerks-Konzessionen in Ma­rokko. Auf der Tagesorbnung steht zunächst bie I Beratung der Interpellationen bes Zentrums unb bet Nationalliberalen, bett, bie Pensions- unb Hinterbliebenen-Bersichernng bet Privatbeamten.

Abg. Sittatb (Ztr.) begründet bie Interpella­tion seiner Partei unb führt aus: Wir wollen sNathett unb Wahrheit haben, um eine Beun­ruhigung bet Beteiligten zu vermeiden. Besckleu- nignng tut not. (Beifall im Zentrum.) Abg. «feefematnt (natl ): Die Frage der Privatbeamten- Versicherung ist soweit gediehen, daß sie gesetz­geberisch in Angriff genommen werden kann. Die Verzögerung kann unmöglich dahin begründet werden, daß die Privatbeamten diese Fürsorge nicht wollten: ftn Gegenteil, ihre Organisattonen, die die überwiegend« Mehrheit der Privatbeamten repräsentieren, haben sich dafür erftärt. Die Re­gierung würde eine unerträgliche Verantwortung übernehmen, wenn sie solch wickttge Frage un­erledigt Neße. Beifall bei den Nationalliberalen ) Staatssekretär Delbrück: Meine beiden Amts­vorgänger haben anerkannt, daß diese Frage zu

So schweig doch... so denkst du ja gar nicht? Wie unglücklich wärst du mit deinen Anschau­ungen, wenn du keinen Erben hättest, dem du deinen Namen, deine gesellschaftliche Stellung, dein Vermögen, kurz alle» hinterlassen kannst!"

Freilich; wenn er nun aber ein« unsinnige Heirat macht? Das (5erehe! Das Aufsehen! Was werden die Prinzen dazu sagen?"

Wir werden Mittel und Wege suchen, «s zu hintertreiben."

Die Baronin erhob sich und drückte auf bi« Hinget

Lassen Sie auftragen, befahl sie dem ein­tretenden Kammerdiener, dann wandte sie sich zu ihrem Mann, der finster vor sich hinbrütend in seinm Stuhl lehnte.

Komm, und mach dir nicht unnötigen Kum­mer. Alles im Leben wickelt sich ab."

Das weiß ich, aber die Hauptsache ist, daß fich's nach unserem Wunsch abwickell."

2. Kapitel.

In unmittelbarer Nähe des Binnenhafens, an dem im Sonnenschein weiß schimmernden ge­mauerten Damm lag die Dampfbarkasse de» KriegsschiffesLatouche-Treville" unter Füh­rung eines Seekadetten und wartete auf Fahr­gäste Auf dem Teppich aus blauem Tuch, bet bas Achterschiff schmückte, saß ein eleganter jun­ger Mann mit braunem Haar, blauen Augen unb einem noch jugendlichen Schnurrbärichmr.

Herr Kapitän," redete et den Scetabetten an,wirb Ihre offizielle Persönlichkeit wohl noch lange auf sich warten lassen?"

So lang es dem Herrn beliebt!" war di« Antwort. Wir find ihm zur Verfügung gestellt, unb Sie werden ja auch wisse«, daß heutzutage

I neten unb mittleren Universitätsstädte in ihren . Der heuüueu Nummer liegt oet I Existenzbedingungen zugunsten einer überaus Nr 5 I reichen Kommune erheblich gffchäbigtwürbe,

snaduiau JU. o. I wemt stch was doch sehr wahrscheinlich, ein

| großer Teil der Studierenden der neuen Groß- I stadt-Univerfitiit zuwenden würde, so kann man Geacn das Projekt der Universität nur hoffen, daß d«, Wunsch der Wi1 uu~ . . Borsenmänner von der Regierung als gänzlich

tyrannun I unangebrachter angesehen wird."

»endet sich die freikonservativePost" mit I Nach diesen Auslassungen ist anzunehmen, »envei i I tmb auch di« Reichspartei bei einer eventuellen

parlamentarischen Verhandlung sich gegen da» Projekt aussprechen wird. Wir Marburger kön­nen derPost" für ihre entschiedene Stellung­nahme nur dankbar fein.