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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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Sie „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausncchine der Sonn- und Feiertage. — Der B»zugSpr«i» beträgt viertel- sährlich durch di« Post bezogen 2 25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2
Marburg
Dienstag, 18. Januar 1910.
Die Insertion Sg ebäh r beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, IlniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Zweites Blatt
Die Diamaiilsörderung in Deutsch- Südwestasttka
Gat. rote der dem Reichstage ^gegangenen Denkschrift über die Verhältnisse im Diamanten- gebieie -zu entnehmen ist, bisher rund 469 000 Karat betragen, wofür einschließlich der bisher tetzken, Ende November 1909 eingegangenen Sendung 13,9 Millionen Mark erlöst wurden. Von der Gesamtausbeute fallen aus die Gesellschaften mit überwiegender Schutzgebietsbe- teiligung 401400 Karat und 11,24 Millionen Mark Erlös, auf die Gesellschaften mit überwiegender Heimatsbeteiligung 67 500 Karat unb 2,7 Millionen Mark Erlös. Die für die einzelnen Sendungen erzielten Preise — der erste Verkauf durch die Regie wurde am 27. April 1909 vollzogen — schwankten zwischen 22,42 <K und 23,69 -st pro Karat. Die Regie hat sonach eine Steigerung der Durchschnittspreise ermöglicht. Was die Einnahmen des Diskus aus der Diamantenausbeute betrifft, so beläuft sich gegenwärtig, einschließlich des 33% ». H. betragenden Ausfuhrzolles, die Beteilig- *ng des Fiskus an den Diamantförderungen auf 40 v. H. vom Verkaufserlös und unter Zulassung von 20 v. H. dieses Erlöses für die Gewinnungskosten auf 50 v. H. des Nettogewinnes. Dazu würde noch die ungefähr 90 v. f>. des Reingewinnes betragende Beteiligung des Fiskus an den Erlösen der Diamant-Pacht- Gefellschaft treten. Die Denkschrift betont, daß He Transvaal-Kolonie ‘an den Dividendenerträgnissen der Diamantgescllschaften mit 60 v. f>. beteiligt ist, aber dadurch mit demselben Prozentsatz für die Kapitalsbefchaffung, wie auch an den Gewinnungskosten belastet wird. In der Oranje River-Kolonie beträgt unter den gleichen Voraussetzungen der Anteil des Fiskus 140 v. H., in bet Kapkolonie nur 10 v. H. vom Nettogewinne neben einet Dividendensteuet erhoben wird. In Deutfch-Südwestaftika ist dem Fiskus bis Ende November 1909 aus der Diainantenfördetung insaesamt eine Einnahme von 4 592 265 -st zugeflosfen. Gegenwärtig beträgt die Monatsförderv rg etwa 70 000 Karat mit einem Gesamtwerte von etwa 2 Millionen Mark. Diese Ausbeute hat bet Diamanten» markt bisher zu befriedigenden Preisen aufnehmen können. Von bet an die Regie zur Ablieferung gelangenden Eesamtförderung find übet 90 v. H. nach Belgien und den Nieder- landen gegangen, davon allein nach Antwerpen und Brüssel 72,75 v. H. Auf Deutschland entfiel eine Quote von nut 4,79 v. H. bet .Eesarnt- förberung; bi es hat seinen Grund darin, daß die deutschen Schleifereien bet Hauptsache nach nut Lohnschleifereien für Antwerpen und Amsterdam find und nicht auf eigene Rechnung Steine verarbeiten. Die Ausdehnung bet Diamant» funbe ist an brei von den bisher bekannten Lagerstätten noch nicht festgestellt. Die Denkschrift nimmt an, daß noch große Diamant» : mengen ungefördert geblieben find, und stellt fest. -Bäß die Diamantfötberung in rationeller Weife nur im Eroßbetieb, im Wege bet
2 (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
l Fortsetzung.)
Tresorier fuhr fort: „Nun sagt mir heute früh vor Eröffnung bet Börse mein Kollege Heurtebise, bet mit bet Regierung liebäugelt, weil er nach Orden schnappt, mit ganz verschmitztem Gesicht: ,Ach, Tresorier! Deinen Sohn hab' ich ja gestern abend auf dem Pall getroffen!' — ,Wo denn, auf welchem Ball?' — »Im Finanzministerium.' Ich natürlich, wie aus den Wolken gefallen . . . Heinrich mit seinem Namen seinen Neigungen, seinen Beziehungen, er, bet ein Aristokrat ist bis in die Fingerspitzen, der nicht einmal zu einem Wohltätigkeitsfest beim Präsidenten zu bringen gewesen wäre, er auf einem offiziellen Ball . . . rein unglaublich! ,Ach ja, ich weiß, ich weiß,' sag' ich zu dem dickköpfigen Heuttebise, es handelte sich um Geschäftliches! Zu seinem Vergnügen ist er wahrlich nicht hingegangen!' — ,Was du sagst!' versetzte der Biedere, ,6t hat aber doch wacker drauf los getanzt mit Coutciers Tochter.' — .Eourcier? Der sozialistische Abgeordnete von Vizy?' — »Gewiß, mein Bester, dein Gegner bei der letzten Wahl . . . Dein Besieget! Nun, vielleicht will dein Sohn dich an ihm rächen, „sie" ist nämlich verflucht niedlich . . . bas Mädchen meine ich.' Wehr wollte ich nicht hören, ich tat also, als ob ich mich in meine Listen vertieft hätte, überdies Ringelte es jetzt auch gerade seht apropos. Kannst dir denken, wie ich mit einem Gedanken
maschinellen Förderung und mit Hilft von Verkehrsmitteln zum Transport der Maschinen, des Sandes, zur Beförderung von Trinkwasser und Nahrungsmitteln für die Arbeiter erfolgen kann.
RrGsche Finanzen.
Man schreibt uns: In den letzten Wochen des Jahres 1909 setzte eine bedeutende Aufwärtsbewegung der russischen Werte ein, die Bewegung ging von Paris aus. Heute hat die 5proz. Anleihe den Paristand bereits weit über» schritten, die 4^ptoz. (die übrigens zum größten Teil in deutschen Händen ist und 1911 al pari zurückgezahlt werden mutz) ihn erreicht, und die 4proz. steht über 90, also weit höher, als jemals nach dem Kriege. Wer die jüngste Aufwärtsbewegung und die Art, wie dergleichen in Paris in Szene gesetzt zu werden pflegt, kennt, kann nicht im mindesten daran zweifeln, daß diese nicht nur etwa der Ausdruck der zunehmenden Gesundung bet russischen Finanzen ist, sondern hinter ihr sich auch andere Dinge verstecken. Rußland hat in den letzten Jahren keine neue Ausländsanleihe herausbringen können und, um feinen doch vorhandenen Geldbedarf zu decken, zu einigen Inlandsanleihen gegriffen, die die Sparkassen haben kaufen müssen. Nun denkt man natürlich schon feit langer Zeit daran, eine neue Anleihe im Auslande aufzunehmen. Aber es schien nie etwas Rechtes damit werden zu wollen. Bei der politischen Konstellation ist ohne weiteres klar, daß man in Wien und Berlin, selbst wenn hier das Geld flüssig wäre, wohl schwer die nötigen Millionen finden konnte. Paris und London müßten diesmal wohl die gesamte Summe übernehmen. In ßortbon scheint man dazu nach wie vor nicht geneigt zu fein. Der König Eduard hat sich zwar sehr energisch bemüht, die englischen Finanzkreift günstig für russische Anleihen zu stimmen, hat aber damit wenig Erfolg gehabt. Eine solche Anleihe würde eben in den englischen Banken liegen bleiben und deren Portefeuille belasten. Das Publikum kauft sie eben einfach nicht. In englischen Finanzkreisen soll vielfach die Meinung verbreitet sein, daß man den Russen erst bann Geld geben könnte, wenn ein Bankrott die finanziellen Verhältnisse wieder einigermaßen in Ordnung gebracht hätte. Das ist ein gewiß von gutem geschäftlichen Sinn, wenn auch nicht von dem Geist der entente cordiale eingegebener Standpunkt. Da es nun also wohl nichts mit England ist, muß sich die russische Attion auf Paris beschränken. Dort ist man auch eifrig am Werk. Wahrscheinlich plant man eine große Konversion. Die französischen Banken sollen die Hand dazu leihen, die 5proz. Anleihe zu konvertieren, vielleicht vorderhand auf 4y2 und dann nach einigen Jahren implicite auf 4 Proz., ähnlich wie bei der großen Konversion der italienischen Rente. Gleichzeitig müßte die 1911 auf Verlangen rückzahlbare 4y,proz. Rente im Gesamtbeträge von 500 Mill. Mark durch eine neue Anleihe ersetzt werden. Dabei wären indes die neuen russischen GeldbÄmrfnisse noch gar nicht in Rechnung gebracht — und wenn die russische Regierung an der Hoffnung festhalten will, für ihre eigenen
beim Geschäft war! Bis drei Uhr hab' ich gekauft und verkauft, ohne recht zu wissen, was ich tat, endlich, endlich — Schluß! Mir brannte der Kopf! Rasch gab ich alle Papiere meinem Bevollmächtigten und stürze nach der Bank. Mein Heinrich fitzt in meinem Arbeitszimmer und raucht eine Cigarette, ich schließe die Türe hinter mir und schleudre ihm Hals über Kopf die Frage ins Gesicht: ,Was ist das für ein Ball- abenteuet im Finanzministerium, wovon man mir vorfabelt?' Er wird leichenblaß, bekommt eine ganz spitzige Raft — weißt du, gerade wie als Kind, wenn man ihn bei einer Unart ertappte..."
„Der arme Junge!" schaltete die Mutter genUjrt ein.
„O bitte, spare dein Mitleid noch ein Weilchen, du wirst es für schlecht angebracht halten, wenn du bas weitere hörst? Da et keine Antwort gibt und sich offenbar den Kops zerbricht, um Ausflüchte zu ersinnen, wiederhole ich mit größerer Strenge: .Darf ich um Aufklärung bitten über Ihr Ballabenteuer im Finanzministerium, mein junger Herr?' Da steht er mich liebenswürdig an und erwidert mit feinem einschmeichelndsten Ton: Mein Gott, Papa, ich war ein wenig neugierig! Du weißt ja, daß Brigoizier — ein Angestellter meiner Abteilung — einen Bruder hat, der Kanzleivorstand im Finanzministerium ist, der hat mir eine Ein- ladungsratte gegeben, und aus heller Neugierde ... ich kann wahrhaftig kein großes Verbrechen darin entdecken . . . übrigens war der Ball viel hübscher, als ich gedacht hätte ... die Beamten nehmen nachgerade Schliff an . ..
Geldbedürfnisse eine neue Anleihe im Ausland aufzunehmen, wird der nötige Bettag noch um eine halbe Milliarde höher berechnet werden müssen. Daß der Pärifer Markt eine derartige Riesenaktion leisten kann, steht wohl außer Frage. Alles hängt davon ab, ob et sie wird leisten wollen. Von einigen Seiten wird in letzter Zeit ein heftiger Kampf gegen die russischen Anleihen geführt. Die großen Banken werden freilich nicht in den Tageszeitungen, die von ihnen abhängen, wohl aber in unabhängige» Revuen beschuldigt, über ihren großen und einträglichen und dabei seht einfachen Russenanleihen die Geldbedürfnisse der französischen Industrie u.des französischen Handels außer acht zu lassen — ein Vorwurf, der nicht ganz ungerechtfertigt ist. Gleichzeitig macht sich bei den nachdenklichen Franzosen immer mehr die Ueberjeugung geltend, daß die durch die wachsende russische Schuld bedingte Abhängigkeit Frankreichs von Rußland doch eine politisch seht wenig vorteilhaftt Sache ist. Man wird diese ganze Bewegung auch bei uns mit großem Interesse verfolgen müssen, zumal in der russischen Finanzfrage der Keim zu sehr eigentümlichen und verwickelten internationale» Fragen verborgen liegt. Wenn auch Rußland zweifellos in den letzten Iahten eine große finanzielle Widerstandsfähigkeit bewiesen hat und in den enormen Räumen, die es besitzt, über seht große noch unbenutzte Quellen des Reichtums verfügt, also gewiß nicht bankrott machen muß so können sich doch schon viele Franzosen nicht ganz des Zweifels erwehren, ob Rußland nicht einmal bankrott wird machen wollen, um den enormen Zinstribut loszuwerden, den es an das Ausland zahlt, und der zweifellos die Entwicklung des Landes ungemein erschwert. Mag diese Argumentation begründet sein oder nicht: es ist zweifellos, daß sie eine gewisse Suggestion auch trttf die Gemüter der französischen Kapitalisten ausübt.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Haiger, 16. Jan. In vorletzter Nacht gegen 2 Uhr entgleisten beim Rangieren am oberen Stellwerk einige Waggons, wodurch eine Gleissperrung und Störung im Bahnhofe entstand. Stationsvorsteher Wirbelauer, welchen man auch betbeigerufen hatte, wurde hierbei plötzlich unwohl und er stürzte zu Boden. Nachdem man ihn in feine Wohnung geschafft hatte^ verstarb er. Ein Schlaganfall soll seinem Leben ein jähes Ende bereitet haben.
Pfungstadt, 14. Jan. Seit drei Wochen hat die größte Zigarrenfabrik (Firma M. Freund) ihren Betrieb völlig eingestellt. Der Filialbetrieb der Fabrik zu ©rie^eim wurde ebenfalls geschlossen. Im ganzen beschäftigte die Fabrik 220 Arbeiter.
Aus Westfalen. 16. Jan. Ein großes Eisenbahnunglück hat sich auf der Strecke Hohenlimburg-Letmathe ereignet. Im Bahnhof Letmathe sollte vom Güterzug Nr. 7801 ein Wagen ausrangiert werden. Die Kuppelung löste sich aus bis jetzt noch unaufgeklärter Urfache an einer Stelle des Zuges, wodurch 22 Güterwagen auf der etwas abschüssigen Strecke in Bewegung kamen und in der Richtung nach Hohenlimburg
Er wollte Witze machen! Jetzt aber führte ich den entscheidenden Streich! .Und um an diesem Schliff der republikanischen Gesellschaft mitzu- wirken, hast du mit der Tochter meines politischen Gegnezch, mit einem Fräulein Courier getanzt?' Jetzt fuhr er auf; dasVlut stieg ihm ins Gesicht und wutschnaubend fragte er: .Wer hat dir das zugetragen?' — ,Ein Augenzeuge.' — ,Der soll mich kennen lernen! Gewiß war's der dickköpfige Heurtebise?' — ,Wer es erzählt hat. darauf kommt's ja nicht an .. . aber verhält sich die Sache so?' Einen Augenblick zögette et, dann erklärte er mit Entschiedenheit: ,Ja, es ist wahr!' — .Nun. mein Freund, bann wirst du wohl die Güte haben, mir zu erklären, was eine derartige Umwälzung in deinen Lebensgewohnheiten zu bedeuten hat?' Ach, er gab seht klein bei in diesem Augenblick, der .junge Baron', wie seine einstigen Freundinnen vom Ballett zu sagen lieben, und hätte um ein Billiges seinen Platz jedem andern abgetreten! Aus seiner Stirne sah ich den Angstschweiß perlen, und doch bin ich wahrhaftig kein Tyrann von einem Vater! Der Himmel weiß, daß ich mein einziges Kind mit Sanftmut, vielleicht mit zu großer Milde erzogen ljabe und daß ich zärtlich an ihm hänge. Ich kann ja nicht anders, als ihm alles zu gewähren, was ich ihm an Glück bieten und was ihm das Dasein lieb machen kann, und er weiß, wie schwach ich ihm gegenüber bin — trotzdem stand er vor mir wie der Schuldige vor dem Richter ..."
„Kein Wunder! Wenn du ihn eine Viertelstunde auf die Folter gespannt hast? Nun, und hat er dir ein Geständnis abgelegt?“
„Ein rückhaltloses! Hebet Mangel an
abrollten. Um dieselbe Zeit, in der bet führ«» lose Eüterzug bie Strecke befuhr, dampfte bet Eiiterzug Nr. 7803, bet in Hohenlimburg abgelassen worden war, nach Letmathe. Der Poste* des Vorsignals 26a, bet die hetansausenbe*. Güterwagen sah, hatte die Geistesgegenwart,' dem Lokomotivführer des Güterzuges bas Warnungssignal zu geben. Es gelang auch biefen zum Stehen zu bringen; ater bet Zusammenstoß konnte nicht vetmieben werben. Heftig fuhren die 22 Wagen auf den haltenden Güterzug auf, wobei 11 Wagen vollständig zertrümmert und die schwere Lokomotive des Güterzuges vollständig aus dem Gleis gehoben wurde. Ein wüstes Durcheinander bezeichnet die Unfallstelle. Der Materialschaden ist bedeutend. Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklage», obschon der Lokomotivführer mutig auf seinem Posten ausgehalten hatte. Alle Züge verkehren mit bedeutender Verspätung.
Altenkirchen, 16. Jan. Das „Altenkirchener Kreisbl." erzählt folgendes Stücklein: Kommt da ein biederes Bäuerlein .aus einem nahen Dorfe in unsere Sabt, zu einem Manne, welcher wohl als „Hexenaustreiber" einen guten Ruf besitzt. Diesem erzählt er mit Klagen und Jammern, daß seine Kuh verhext sein müsse, denn aus ihrer Milch ließe sich keine Butter machen. Der „Hexenmeister" aber wußte schnell Rat. Flugs raffte er ein Hufeisen und Sichel zusammen und machte sich mit seinem Klienten auf den Weg, um die Hexe aus der Kuh und aus dem Stall äuszutteiben. Nachdem er die Milch der Kuh mit prüfenden Blicken genügend betrachtet hatte, ließ er sie kochen, das inzwischen glühend gemachte Hufeisen hineinlegen und dann roidbet abkühlen. Dann nahm er mit wichtiger Mftne bie Sichel zur Hand unb ließ sie kräftig in bie verhexte Flüssigkeit niedersausen und durchschneMtsi dübel ausrufend: „Du A . ., ech fall dich fchon hegen". Nachdem et dies eine Zeitlang getrieben batte, „fragte er im Brusttöne eines Hellsehers bie Bäuerin, ob sie an eine Nachbarin irgenb einen spitzen Gegenstand verliehen habe. Diese bejahte unb fügte hinzu, es wäre eine Nähnadel gewesen, btt sie ausgeliehen habe. Da sprach bet „Hexenmeister": „Laßt Euch bie Nobel widbetgehn, bann wird de Hex' nett mi widberkomme." Darauf nagelte er bas Hufeisen an bie Statttüt, damit der Hexe die Wiederkehr zum Stall abge- schnitten würde. Für die Hexenaustretbung nahm er 2 -4t und vergaß dabei nicht, sich für bas nächste Mat wieder zu empfehlen.
Grevenbrück, 14. Jan. Zwei schwere Bluttaten, davon eine mit tödlichem Ausgang, find aus der Nachbarschaft zu berichten. Im nahen Wenholthausen kam es in der Wirtschaft K. zwischen Bahn- arbeitent zu einer wahren Schlacht, bei der daS Messer die Haupttolle spielte. Ein Bahnarbeiter erhielt dabei lebensgefährliche Verletzungen, et* Schachtmeister schwere und zwei weitere Arbeiter leichtere Verletzungen. Die Messerhelden konnte* verhaftet werden. — Im benachbarten Kobbenrode kam es ebenfalls zu einet Raufetei, doch sollte diese nicht so glimpflich abtaufen. Der Schuhmacher Biskoping wurde meuchlings überfatten und derartig mit Messern bearbeitet, daß der Mann ge»
Offenheit kann ich nicht klagen! Dann war ich> dem bas Lachen verging . .
„Ja was hat et dir denn schließlich geoffen* iar*Dafe er diese kleine Couciet liebe, gan| - „Der gute Junge! Und wenn er sie nun einmal liebt?" . i
„O diese Logik! Die Tochter dieses Sozialdemokraten, dieses Kommunisten, eines Banditen, der mich verdächtigt, beschimpft, ti der Gosse herumgezogen hat . .
Wahlmanöver! Wer nimmt die ernsthaft!
, Nicht ernsthaft! Ein Gauner, der im ganz r» Wahlbezirk herumgeschrieen hat, daß mein ®tu auf unsrem Landgut Chevtoliäre des Land-, manns Ernte verschlinge, während ich alljährlich dreißigtausend Franken Wildschaden an bte Bauern bezahle, der mich den Hasenkandidaten genannt, bet e5 in der elften Stunde gewagt hat an bie Mauer meines eigenen Hauses den schmutzigen Anschlag kleben zu lassen, bet tn Riefenbuchstaben nut bte zwei Worte enthielt. ,Ttesotier bet Jächtler!' Und du meinst, ich könnte derlei Beleidigungen vergessen . ... ganz abgesehen davon, baß er auch noch gewählt worben ist, der Tropf! Dank welchen Gaunereien. . . . Das mögen Gott unb bet Eemeinderat von Bizy wissen! Unb meine sechzigtausend Franken Wahlkosten waten zu» Fenster hinausgewotfen! Du kannst bir benfen, wie ich deinen Herrn Sohn heimgeschickt habe, als er mit zu sagen wagte, er liebe die schlaue Kröte, die Xodjter dieses Demagogen!"
(Forschung folgt.)