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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastliche Beilage.«

45. Jahr«.

Zweites Blatt.

Ein Bild aus dem englischen

Der liberale englische Schatzkanzler Lloyd Ge­orge hat in einer össentlichen Versammlung jüngst, um den Vorzug des Freihandels vor dem Schutz­zoll zu demonstrieren, folgendes ausgeführt:

Warum ißt der Deutsch« Schwarzbrot und Pferdefleisch? Weil er die Schutzzölle zu bezahlen hat. DieDaily Mail" sagt uns und sie sagt doch immer die Wahrheit (Lachen unter dem Pu­blikum) dieses Brot sei vortrefflich und die Deutschen lieben es. Nun gut, laßt die Lords es probieren? (Stürm. Gelächter.) Setzt sie auf ein« dreimonatliche Diät von Roggenbrot und saf- tigstenl Roßfleisch, und ihr könnt sicher sein: nach

DieOberlxffische Zeitung" erschein! täglich nut Ausnahme der Sann« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viert el- jährlich durch die Haft bezogen 2,25 A (ahne Bestellgeld! , bet unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21). 2 A-

Die JusertionSgebühr beträgt für di« Igespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und «erlag: Joh. Äug. Koch, UniversttätS-Buchdrucker-i Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 16. Januar 1910

verlauf von drei Tagen werden die Lords sagen: nehmen wir lieber das Budget an. «ab es gibt noch eine andere Prob«. Habt ihr in eurer Gegend viele Vagabunden und Landstreicher? (AuS dem Publikum: Ja!) Run gut, verschafft euch einige Laibe des deutschen Schwarzbrotes, und wenn ein Landstreicher einmal kommt, schneidet ihm ein Stück ab. Ihr werdet ihn daS zweite Mal nicht mehr sehen.« (Allgemeine Heiterkeit.)

Gegen derartigeUngezogenheiten* Deutsch­land in Schutz zu nehmen sieht sich ein seltener Fall sogar dirLeipz. Volksztg.* veranlaßt. Das Blatt wirst deut englischen Minister mit Recht vor, daß er demagogisch übertreibe, und es betont, daß selbst das englisch« Handelsministerium in seinem Gelbbuche hervorgehoben habe, wie gering verhältnismäßig in Deutschland der Verbrauch von Pferdefleisch sei.Anderseits hätte«, so schreibt dieVolkszeitung« weiter,Herr Lloyd George gut getan, auch das Fleisch vorzusühren, das von den ärmeren Schichten der Bevölkerung Englands verzehrt wird, jenes fürchterliche Rind- und Ham melfleisch, fast schwarz und abstoßend, das am Sonnabend abend aus den Straßen zu 16 Pfg. das Pfund verkauft wird, und mit dem verglichen das frische Roßfleisch wie göttliche Ambrosia ist.«

Schadenfroh bemerkt sie allerdings, daß daS liebe, deutsche Vaterland« in der englischen Wahl­bewegung zur Vogelscheuche geworden ist. Den Konservativen sei es wegen seinessoldatischen Kadavergehorsams* ein Symbol der Brutalität, gegenüber der alle Kräfte der Zivilisation machtlos seien; den Liberalen ein Schreckbild für eine Wirt­schaftspolitik, durch die das Land aus der nie- drigsten KulMrstufe gehalten werde.

Es verlohnt sich natürlich nicht, sich mit dieser Art Wahlkamps und solchen Behauptungen über­haupt zu befassen. Sehr richtig bemerkt dieKreuz- zeinmg zu diesen Albernheiten:

Wir erblicken in dem Umstande, daß in Eng­land sogar ein hervorragender Minister mit solchen kindlichen Demagogentricks glauben darf, Wahl­geschäfte machen zu können, nur einen Beweis da­für, daß England zu Unrecht in dem Rufe steht, das politisch fortgeschrittenste Land zu sein.

Deutsches Reich.

Zum elsaß lothringischen Konflikt. Straß­burg, 14. Jan. Die amtlicheStraßburger Korre- spondenz« veröffentlicht soeben den Briefwchsel zwischen dem Kaiserlichen Statthalter und de« Straßburger Bischof Dr. Fritzen im Wortlaut. I» der am 12. Januar ergangenen Replik des Kaiser­lichen Statthalters aus das Schreiben vom 10. Ja­nuar äußerl sich der Staatssekretär: Mit Eurer Gnaden bin ich durchaus der Ansicht, daß etwaige gegensätzliche Aussaffungen auf staatlicher wib kirchlicher Sette durch beiderseitigen guten Willen und freundliches Entgegenkommen in den ein­zelnen Fällen auf eine beide Teile zuftiedenftel- lende Weise gelöst werden können und wird die Regierung dazu stets gerne die Hand bieten. A» ihrem in meinem oben erwähnten Schreiben ent­wickelten, auf die Gesetze und das Staatskirch«- recht gestützten Standpuntt aber muß die Regier­ung nicht nur unbedingt festhalten, sondern wird densenlben gegebenenfalls auch mit aller Entschie­denheit vertreten. Ich vermag daher mtch nach lvie vor nicht anzuerkennen, daß Eurer Gnade« Kundgebung an die katholischen Lehrer in einer Angelegenheit, welche die Bentfstätigkeit und dir Standesinteressen betrifft, die zwischen staatlicher und kirchlicher Gewalt gesetzlich gezogenen Grenzen gewahrt hat. Bei Lage der Verhandlungen er­achte ich es für geboten, daß auch der zwischen Eurer Gnaden und mir gepflogene Briefwechsel der Oeffentlichkeft übergeben wird und glaube ich mich der stillschweigenden Zustimmung Eurer Gnaden versichert halten zu dürfen, daß die Publi- kation auch des dortseitigen Schreibens vom 10. Januar erfolgt, gez. Graf v. Wedel.

PoMsche Umschau.

Der wirtschaftlich« Aufschwung der Pole«.

Fast alle polnischen Blätter klagen von Zeit zu Zeit über die grausame Bedrückung der Polen in Preußen, die durch die Ausnahmege­setze zu Heloten gemacht werden sollen, aber keines der Blätter ist imstande, für seine Be­hauptungen den Beweis der Wahrheit zu er­bringen. Im Gegenteil, wenn sie objettiv einen Ausblick halte« über ihre wirtschaftlichen Er­rungenschaften, dann müssen sie zugeben, daß die wirtschaftliche Entwicklung der Polen im preußischen Teilgebiet in ganz normaler Weise

vor sich geht, und sie in manchen Dingen tat Deutschen scharfe Konkurrenz zu machen begin­nen. Utto so gibt derDziennik Poznanski" (5..1, 1910) in seinem Jahresüberblick auch ganz unumwunden zu, daß di« wirtschaftlich« Entwickelung der Polen auch im verflossen« Jahr« als sehr günstig zu bezeichnen sei. Bo? allen Dingen wird von Jcchr zu Jahr ein« Hebung der Landwirffchaft, der Hauptgrundlag« der polnischen Volksgesamtheit, konstatiert, und zwar sowohl im Groß- wie im Kleinbetrieb. Interessant ist die Behauptung de»Dziennik Poznanski", daß die Einnahmen aus der Land- wirtschafk di« gegenwärtig hohen Bodenpreis« vollständig rechtfertigen! Aber auch mit der Entwickelung des Handels und der Industrie ist derDziennik Poznanski" zufrieden, indem er meint, daß sie mit der Entwickelung der Land­wirtschaft Schritt hielten und, wenn auch all­mählich, aber immer mehr an Lebenskraft ge­wönnen. Das Blatt resümiert sich dahin, daß die wirtschaftliche Arbeit immer größere Gebiet« umfasie, sowie ihre Produktionswerkstätten und ihre Arbeitsmethode verbesiere.

Ländliche Fortbildungsschulen.

!Die Fürsorge für die schulentlassene Jugend «heischt eine weiter« Ausbildung und Entwick­lung de» Fortbildungsjchulwefens auch auf dem Ilatt«» Lande." heißt es in der Thronrede. Und

i der Tat, die Fortbilrungsfchule ist bet der ounehmenden Zuchtlosigkeit und Verrohung uls Erziehungsmittel der schulentlasienen 3»= ]|«ni> geradezu unentbehrlich geworden.

ällt die wichtige Ausgabe eine- sittlichen F«- tigung und Hebung des Heranwachsenden Ee- chlechts aus der Volksschule zu; sie soll aus die ungen Leute auch darüber hinaus noch ein- «irken und dazu beitragen, die in dtescmLebens- alter jeglicher Deeinflusiung leicht zugänglichen ungen Menschen vor Verleitungen manntg- ächer Art zu schützen. Nicht minder ludeutsam ft die Aufgabe, die ihr als Mittel zur beruf- ichen Fortbildung der schulentlasienen Jugend auf dem Lande zugedacht ist. Der verschärfte Konkurrenzkampf des wirtschaftlichen Lebens Verlangt insbesondere vom Landwirt eine rationelle Anwendung aller technischen Hilfs­mittel des Landbaues, wenn wirtschaftliche Er­folge erzielt und der Bestand des Betriebes ge­sichert werden sollen. Diesen erhöhten Anfor­derungen wird nur derjenige genügen können, der eine gediegene fachmännische Schulausbil­dung genossen hat. die ihn befähigt, den Zusam­menhang und die Bedeutung der den land- wirtfchaflichen Betrieb beeinflussenden Faktoren zu erkennen. Dies trifft heutzutage sowohl für den Groß- wie für den Kleinbetrieb zu. Dem Kleinbauern ist es aber häufig aus verschie­denen Gründen nicht möglich, seinen Söhnen die Vorteile des Besuches einer landwirtschaftlichen Fachschule angedeihcn zu lasien. Um so wichtiger ist es daher, in der ländlichen Fortbildungs­schule eine Einrichtung zu haben, die wenig­stens bis zu einem gewisien Grade hierfür einen Effah zu bieten vermag. Bei sachgemäßer Aus­wahl des Lehrstoffes wird sie ein« neue Fülle von Anregungen und Belehrungen zu bieten vermögen, die später im praktischen Berufs­leben mit Vorteil verwendet werden können. Weiter aber soll sie auch über Fragen aus dem Gebiete des landwirtschaftlichen Eenosien- schaftswesens. des Versicherungswesens wie der Verkcbrseinrichtungen zweckmäßigen Unterricht erteilen und ebenso Gelegenheit nehmen, die Heranwachsende Jugend über Verfassung und Verwaltung des Staates, über Rechte und Zflichten des Bürgers zu belehren.

Um so mehr ist daher das Versprechen der Thronrede zu begrüßen, gesetzgeberisch in dieses wichtig« Gebiet der modernen Sozialpolitik einzugreifen. Vor allem ist das nötig in ein­zelnen Provinzen, wie Pommern, Westfalen und Schlesien. Für die letztere ist auch dem Herrenhaus« bereits ein Entwurf zugeg^ngen,

der sich im großen und ganzen an das für Hesse n-Nasiau bereite geltende Gesetz ««schlicht. Besonder, hervorzuheben ist die Einführung des Schulzwanges. Das Fehlen derselben hat oft dazu geführt, daß der Unterricht an den Fort­bildungsschulen teilweise ausgesetzt oder ganz eingestellt werden mußte, weil sich die Schüler nicht in ausreichender Zahl eingefunden hatten. Auch fehlte es leider nicht an Fällen, wo es den Eltern gegenüber den Kinder an der nöti­gen Autorität mangelte, oder sie sich aus wirt­schaftlichen Motiven verleiten ließen, ihre Kinder der Fortbildungsschule fernzuhalten. An dem wichtigen Grundsatz, daß die Entschei­dung über die Anwendung der gesetzlichen Be- fugnisse in die Hände lokaler Instanzen, die die Verhältnisie und Bedürfnisie übersehen können, gelegt wird, hat man festgehalten. Dadurch wird es möglich, die Verpflichtung zum Besuch der Fortbildungsschule aus solche Landesteile zu beschränken, in denen tatsächlich ein Bedürf­nis hierzu vorlzanden ist, und die wirtschaft­lichen Verhältnisie eine derartige Maßnahme gestatten. Neben den Ortsgemeinden soll auch den Kreisausschüsien die Befugnis erteilt wer­den, für den Landkreis oder einzelne Teile des­selben die Verpflichtung zum Besuche der länd­lichen Fortbildungsschule zu begründen. Da eine derartige Maßnahme immerhin einen Ein­griff in die Selbstverwaltung der Gemeinden darstellt, so sollen besondere Kautelen in der Zustimmung des Regierungspräsidenten über den Kreisauschuß geschaffen werden. Die Fest­setzung und Bekanntgabe desStundenplans durch den Eemeindevorstand bezw. Kreisausschuß wird ausdrücklich vorgeschrieben. Die Entscheidung über die Lehrpläne für die einzelnen Unter­richtsstunden bleibt natürlich nach wie vor der Schulleitung und Schulaufsicht Vorbehalten. Zweifellos wird damit eine Einrichtung ge­schaffen, die lang gehegte Wünsche unserer länd­lichen Bevölkerung erfüllt, andererseits aber auch dazu angetan ist, die Heranwachsende Ju­gend zu nützlichen Gliedern der Gemeinde und des Staates zu erziehen.

1 (Nachdruck verboten.)

Tie Tocbter des Abgeordneten,

Von Georges Ohnet.

. 1. Kapitel.

Es war gegen sieben Uhr abends, als der Baron Träforier pünftlich wie immer nach Hause kam. Sonst pflegte er sich bei der Heim­kehr in sein wunderbares Palais in der Preßburgstraße sofort in das kleine Wohn­zimmer seiner Frau zu begeben, um ein Weilchen mit ihr zu plaudern, ehe es Zeit war, sich zu Tisch umzukleiden. Heute stieg er gleich di« feierliche Haupttreppe mit der Onyxrampe hin­auf, klingelte im ersten Geschoß seinem Kammer­diener und fragte kurz und knapp, ohne den wohlwollenden Ton, den er sonst für seine Leute hatte:Ist noch Gesellschaft bei der gnädigen Frau?"

So viel ich weiß, ja, Herr Baron... wenig­stens stehen noch zwei Wagen im Hof, ich werde aber sofort im Vorzimmer nachfragen."

Rein, nein. Gehen Sic ins Empfangs- |tmmer und sagen Sie der Frau Baronin, sie möge mich aufsuchen, sobald es ihr möglich fei."

Der Diener ging und Träsorier trat in sein elektrisch beleuchtetes Arbeitszimmer, schleuderte Hut und Handschuhe auf den Tisch, entledigte sich seines Ueberrocks und warf sich mit ver­drießlicher Miene in einen Lehnstuhl vor dem Kamin.

Es war ein Sonnabend, der Tag halbmonat- kicher Abrechnung an der Börse, und für ge­wöhnlich that sich der Bankier etwas darauf zu Sitte, nach einem so anstrengenden Tagewerk, «ös ihn wie sein Personal in Atem erhalten 2®tte feine Spur von Erschöpfung oder auch nut Ermüdung zu verraten. In der Regel sah er noch in seinem Geschäft nach, folgte Mter seiner Frau in Gesellschaft oder ins Theater und zeigt« sich so bei tot frisch und be­

weglich, als ob er einzig und allein seinem Vergnügen lebte. Es war dies eine kleine Eitelkeit von ihm, und er war überglücklich, wenn er die Bemerkungen einheimsen konnte, wie:Sie sind doch ein merkwürdiger Mensch, Träsorier! Niemand würde einen Geschäfts­mann hinter Ihnen suchen . . . man könnte glauben, Sie seien nur zu Ihrem Vergnügen auf her Welt?"

Und in der Tat hatte kein Sybarit es je besser verstanden, sich Behagen zu schaffen und den Lebensgenuß weise zu vetteilen. Von der Einteilung und Einrichtung seines Wohnhauses an bis zur Ausarbeitung der Speisenfolge bei seinen Mahlzeiten war alles bedächtig abge­wogen, gefällig, ausgeklügelt. Tr6sorier war ein Mann, desien Stärke es war, sich das Dasein weich auszupolstern, dem Reichtum seine fein­sten Düfte zu entziehen, dem Rahmen, worin sich seine Persönlichkeit bewegte, das höchste Maß von Pracht und Vornehmheit zu verleihen. Auf feine Weise war er ein Künstler, und was die Anordnung von Festen betraf, so führte man ihn allgemein als unerreichbaren Meister an. Das schmeichelt« ihm und er legte Wert darauf, nicht von seiner Höhe herabzugleiten. Mit lächelnden Lippen ging dieser glänzende, vom Glück bevorzugte Mensch durchs Leben, Immer aus her Lauer nach Gelegenheiten, seinen Ruhm zu befestigen, zur Verschwendung fähig, wenn es galt einen berühmten Kochkünstler an fein Haus zu fesseln, zu Torheiten bereit, wenn es darauf ankam, ein Gemälde zu erwerben, das in einer berühmten Sammlung von sich reden machte. Politisch trug er die Flagge der Legitimisten verkehrte mit den vornehmsten alten Familien, hatte ein« treffliche Frau und konnte mit Stolz auf seinen Stammhalter blicken, seinen einzigen Sohn, der ein hübscher Junge von gebildetem Geschmack war, und der, minder protzig als der Vater, eine wirklich« Zierde der Gesellschaft zu werde» versprach.

Dieser Mann hatte alles, was zum Glück gehört, und er fühlte sich auch tatsächlich glücklich.

In diesem Augenblick jedoch schien er von einer peinlichen Aufregung befallen zu fein. Aus seinem Lehnstuhl aufspringend, durchmaß ec das Zimmer mit langen Schritten, trat ans Fenster, blickte auf den Hof hinab, der vom weißen Licht der Bogenlampen überflutet war, und setzte sich dann wieder vors Kamin. Di« Gedanken, denen er mit schwermütiger Miene nachhing, mußten höchst häkeliger Art sein, denn die Augenbrauen zogen sich zusammen, bis sie die Augen verdeckten, und die Lippen waren voll Bitternis aufeinander gepreßt.

Der Schafskopf!" brummte et leise vor sich hin.

Als seine Frau, ein wenig schwer atmend vom raschen Treppensteigen, hereintrat, stand er auf.

Was ist denn vorgefallen, mein Lieber?" fragt« sie hastig und beunruhigt.

Was vorgefallen ist? Saubere Geschichten, saubere Geschichten!" rief der Bankier in bär­beißigem Ton.Dein Herr Sohn bereitet mir die angenehme Ueberraschung . . ."

Je nachdem Heinrich Tr6sorier sich auffühtte, war er der Sohn seiner Mutter, und sobald die Baronin ihn als ihren Sohn bezeichnen hörte, wußte sie, daß ihr gemeinsamer Erbe irgend einen Streich gemacht hatte, der die väterliche Strenge verdient«. Drei Vietteile davon auf sich zu nehmen, war sie dann sofort bereit; da­mit war ja dem Kind immerhin etwas erspart.

Ich bin so erschrocken, als du mich so feierlich zu dir bescheiden ließest! Ich dacht« schon an irgend einen Krach an der Börse . . .*

Nein, nein!" versetzte Träsorier mit wichtiger Amtsmiene.Die Geschäfte haben sich glatt abgewickelt, aber dein Sohn . . .

Nun, was hat et denn angestellt, der atme Junge? Schulden etwa?"

Schulden? Was läge mit daran!"

Doch kein Zweikampf?"

Der wäre höchstens für seinen Gegner miß­lich?" rief der Baron mit einer Aufwallung feines Vaterstolzes.

Hat er eine Frau entführt?"

Wollte Gott, es wäre so!"

Oho!"

Träsorier stellte sich dicht vor feine Frau hi« und erklärte mit sittlicher Entrüstung:Hei. raten will der Schafskopf?"

Die Mutter atmete erleichtert auf und setzt« sich lächelnd.

Woher hast du's erfahren?" fragte sie.

Wie ich's erfahren habe! Als ob ich mit meinet feinen Witterung nicht längst gefühlt hätte, daß etwas in der Luft liegt! Seit et von den Russenfesten in Toulon zurückkam, ist er wie ausgetauscht. Seither geht er nicht mehr in die Oper, und die kleinen Käfer vom Ballett habe» mich schon öfters gefragt: ,Was ist denn aus dem jungen Baron geworden? Man bekommt ihn ja gar nicht mehr zu Gesicht!' Ich konnte den Dämchen doch nicht etwa in meiner Person Ersatz anbieten! Aber meinen Schlingel von Sohn behielt ich nun fest im Auge, und so merkt« ich bald, daß et geistesabwesend, zerstreut wat. Eines schönen Tags hat er mir in dem Buch, worin die Ordres auf Rente notiert werdeic, eine heillose Verwirrung angerichtet, so daß die dreiprozentigen für nichts und wieder nichts um sieben Centimes fielen . . . wir haben sogar un­freiwillig ein schönes Stück Geld daran verdient! Sobald die Eeschästsstunden vorüber waren, verduftete mein Herr Sohn, aber er ging weder ins ,Bois', noch in den Klub, noch zu Be­kannten . . . kurz und gut in all sein« Lebensgewohnheiten ein vollständiger Um» schwung, das ist, wie du gleich sehen wich, das richttge Wort." 1

(Forschung folgt.) -----H----- .

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