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Gegründet 1866

Gegründet 1868

Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.

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Lonfionttnopel, ii. Jan Der Sultan hat Hakft i Bey den Rang eine- Wester« verliehen, womit der ' TitelPascha* verbunden ist. j

Cetinje, 11. Jan. Zwischen England und; Montenegro wurde die Handels- und Schiffahrts- | konv- mion auf Grund der Meistbegünstigung un- terzeichnet.

Depeschen.

W. Pari«, 12. Jan. Aus St. Malo wird ge- meldet, daß die dortigen Neufoundlandfischer in den AuSstand getreten find. Ma« befürchtet, datz, falls der Ausstand an Ausdehnung gewinnt, die 4000 Köpfe zählende Mannschaft von 140 Reufund­landschiffen sich dem Streik anschließen werden.

W. ¥ e 118, 12. Jan. Aus Toulon wird be- richtet: Die Polizei entdeckte abermals eine Opium- Rauchfiube, zahlreiche Land- und Seeoffiziere, welche dort in Gesellschaft von -Frauen rauchten, wurden den Militärbehörden angezeigt.

W. London, 12. Jan. Der Deutsche Kaiser ließ dem Kapitän des englischen DampfersGasi­gste", Brown, in Anerkennung der am 8. Juli der Mannschaft deS in Seenot befindlichen Hamburger DampfersEva" geleisteten Dienste eine goldene Uhr als Geschenk überreichen.

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Naturgemäße Lebensweise"! heißt der Weckruf, der in der neuen Zeit immer wieder erschallt. Während ihn ab« bisher die Gesundheitslehrer mit mehr oder weniger Erfolg erhoben, drängt nun die Verteuerung aller Lebensbedürfnisse ganz von selbst dazu, dieser Mahnung etwas mehr Gehör zu schenken. Es ist auch kein Schaden, wenn wir es tun, denn je einfacher man lebt, je weniger man seine Nerven durch Reizmittel abstumpft, desto frischer und aufnahme­fähiger bleiben Körper und Geist. Diese einfache Wahrheit hat in den weitesten Kreisen des Publikums bewußt und unbewußt Aufnahme gefunden. Daher ist es auch zu erklären datz z. B. der bekannte Kathreiners Malzkaffee bei hoch und nieder sich so viele Freunde erwarb. Dieses gesund« Getränk hat die seltene Doppeleigenschaft, datz es anregend und aromatisch, dabei aber nicht im mindesten nachteilig auf den Organismus wirkt. In den gegenwärtigen teuren Zeiten kommt aber, wie gesagt, nicht nur die gesundheitlich« Seite, sondern auch der Geldbeutel- standpunkt in Frage und was den betrifft, so wird jede rechnende Hausfrau bald erkennen, datz sie mit Kathreiners Malzkaffe« sehr gut fährt.

Vermischtes.

Echo« wieder ein« Berliner Liedestragödie. Das Verzeichnis bei Bluttaten wirb im neuen Jahre erschrecklich lang. In bet Königsheibe, 200 Mir. von bei Rirdorfer Lungenheilstätte entfernt, fand man gestern nachmittag die Leiche eines jungen Mädchens, bas als bie 19 Jahr« alte aus Rust (Ostpreußen) gebürtige Mari« Uschpelkat festgestellt wurde.ie hatte ein Liebesverhältnis mit einem Mechaniker Walter Zimmermann aus bei Kaifer-Friedrichstr. 83 zu Rixdorf gehabt, bet verheiratet und Vater von zwei Kindern ist. Zimmermann wollte sich mit Einverständnis seiner Frau von dieser scheiden lassen, um seine Geliebte zu heiraten, wurde

Letzte Nachrichten.

Berlin, 11. Jan. Am nächsten Sonntag beab­sichtigt die Sozialdemokratie in ganz Preutzen Wahlrechtsversammlungen zu veranstalten, für Groß Berlin find 70 Versammlungen in Aussicht genommen. Nach Anweisung der Parteileitung foll von jeder Stratzendemonstration Abstand ge­nommen werden.

Berlin, 11. Jan. Der chinesische Prinz Jfai Hsin traf mit den Mitgliedern der Marine-Studien- kommission gestern Abend wieder von Esten hier ein.

Berlin, 11. Jan. In diesem Frühjahr wird sich eine Kommission bet Deutschen Luftschiff. fahrts-Gesellschaft zur Erforschung bet arktischen Regionen nach der Erotz-Day auf Spitzbergen begeben, um diesen gewählten Stützpunkt für bie Lustkreuzer-Expebition einem weiteren Stu. bium zu unterziehen.

Petersburg, 11. Jan. Amtlich wird das gänz­lich« Erlöschen der Cholera in Petersburg bekannt gegeben.

Amtlicher Wetterbericht.

6/lfdje Wetterdienststelle Gießen.

Aussichten in Hessen für Donnerstag, den 13. Januar 1910: Roch etwas kälter, auch in der Ebene Schnee.

11- Januar 1910. Konto Nr. 556 beim Postscheckamt Frankfurt a. XL

schloß das Paar, gemeinsam in ben Tob zu gehen Zirner mann kam in den letzten Tagen nicht mehr nach Hause. Sestern morgen erhielt eine Schwester der Marie U. von dieser einen Brief, in dem sie mitteilte- daß sie au- dem Leben scheiden wolle.. Die Schwester begab sich sofort nach der Königsheide und fand nach längerem Suchen die Leiche, Zimmermann war verschwinden. Man vermutete, datz et sich in bet Nähe ertränkt habe, sand aber keine Spur von ihm. Nachdem bas Amtsgericht Köpenick den Tatbestand ausgenommen hatte, wurde Me Leiche des Mädchens, das durch einen Schutz in die Brust getötet worden war, nach der Halle in Treptow gebracht. Zimmermann kam dann spät abends aus freien Stücken nach dem Polizeipräsidium. Nach feiner Darstellung hatte er sich verpflichtet, zuerst feine Geliebte zu er­schießen und bann ihr in den Tod zu folgen. Dag Mädchen selbst hatte ihm zu Weihnachten dazu den Revolver geschenkt. Seinen eigenen alten Revolver ließ Zimmermann zu ^mse. Marie U begab sich mit dem Geliebten nach der Königsheide. Dort suchte sie sich einen Platz aus verband sich die Augen und legte sich hin. Zimmermann setzte ihr den Revolver auf bte Brust und drückte ab. Der Tod trat auf der Stelle ein. Anstatt aber seinem Versprechen gemäß jetzt die Waffe gegen sich selbst zu richttn, blieb Zimmermann eine Weile ratlos stehen und fand nicht den Mut, sich zu erschießen. Dann verließ er die tote Geliebte, die in der rechten Hand noch ein Blumensträutzchen hielt, irrte eine Zeitlang planlcs umher und begab sich endlich nach seiner Wohnung, wohin die Sehnsucht nach seinen Kindern ihn trieb. Frau Zimmermann hatte schon früher gefürchtet, daß ihi Mann einmal Unheil anrichten könne. Aus Furcht, samt ihren Kindern von ihm erschossen zu weiden, hatte sie seinen Revolver versteckt. Zimmermann ging später wieder weg und, wie erwähnt, zur Kriminalpolizei. Er wurde natürlich in Haft behalten. . ,

Ein geheimnisvolle, Aeroplan ist vor einiger Zeit in den Vereinigten Staaten aufgetaucht. Dem ,jstok.-Anz." wird darüber folgendes mitge­teilt: Wallace E. Tillinghast, ein Fabrikant in Worcester (Massachusetts), behauptete am 12 Dezember, er habe am 8. September mit seinem Eindecker die Entfernung von Worcester bis zur Freiheitsstatue im Newyorker Hafen und zurück über Boston bis zu seinem Ausgangs­punkte (beinahe 1000 Kilometer) zurückgelegt, ohne seine Fahrt ein einziges Mal zu unter­brechen. Er behauptet« weiter, daß infolge eines Schadens an einem der Zylinder bei Aeroplan in der Nähe von Fire Island in einer HSh« von 1300 Meter über dem Erdboden zum Halten gebracht wurde, und daß die beiden Mechaniker, bie Tillinghast auf dieser Fahrt begleiteten, den Motor wieder in Ordnung brachten, wozu sie volle Dreiviertelstunden brauchten. Und während dieser ganzen Zeit verharrte der Aeroplan in seiner Höh« von

I 4000 Fuß! Herr Tillinghast beschreibt seine

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MARBURG, Telephon 29 - GIESSEN, Telephon 62 - FRANKFURT a. Main, Telephon 5861.

weite von 24 Metern, her 1550 Pfund wiegt. Der Benzinmotor von 120 Pferdekräften ist «ach den eigenen Angaben des Erfinders konstruiert. Herr Tillinghast erklärt, daß die Maschine mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 eng­lischen Meilen fliegt, drei Mann trägt und all« bisher erzielten Ergebnisse bezüglich bet Ge­schwindigkeit und der erreichten Höhe übertrifft. Die Bewohner von Boston hatten kürzlich Gelegenheit, Herrn Tillinghasts Maschine zu beobachten. Auch diesmal hatte sich der Erfinder den Abend für seine Flugversuche ausgewählt. Die Zuschauer, die dem Schauspiel ganz unvor­bereitet beiwohnten, erklärten, die Maschine sei schneller geflogen, als ein Eisenbahnzug fahren könne: einzelne wollten sogar wissen, di« erreichte Geschwindigkeit habe 60 englisch« Meilen in der Stunde betragen. Das Geheim­nisvolle an der ganzen Geschichte ist aber, datz kein Mensch weiß, wann und wo die Maschine erbaut wurde, wo sie tagsüber ausbewahrt ist und wo Herr Tillinghast mit ihr aufsteigt und nach beendetem Flug landet. Auch ist es merk­würdig, datz kein Mensch den Aeroplan während seiner angeblichen Fahrt von Worcester nach Newyork und zurück beobachtet haben sollte. Die ganze Sache sieht bedenklich nach Humbug

Der Handel mit Seefischen. In welch' un­gerechtfertigter Weise die Zwischenhändler oft­mals die Preise der Lebensmittel verteuern, qeht daraus hervor, datz man beispielsweise in Kuihaven den Zentner schönsten Kabeljau für 45 -K kauft, in Berlin lasten sich die Händler dafür 50 und mehr bezahlen! Unter solchen Umständen erscheint es begreiflich, daß die See­fische im bürgerlichen Küchenzettel noch immer nicht jenen Rang einnehmen, der bem äußerst nahrhaften Lebensmittel eigentlich gebührt.

Hochschulnachrichten.

x Prof. Psleiderers Nachfolger. Wie der 'Hochschulkorr." aus Kopenhagen gemeldet wird, M die Ernennung des Dozenten an der dortigen Universität Dr. Eduard Lehmann zum ordent- liehen Professor in der Berliner theologischen Mltät als Nachfolger von Prof. Pfleiderer ^X^Salle e. S., 11. Jan. Dem ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der Unv berRtät Halle Geheimen Medizinalrat Dr. Schmidt-Rimpler wurde der Königliche Kronen- vrden 2. Klasse mit Schmettern am Ringe ver­liehen.

Dbconl-, Coota^omnt «nd Cbeck-Verkebr lür tatolrtelle, I -d Pol»« k,

ComJiTBnS« "wo=b=n «o, Vertu Vermto« I°-«. »°d diete^dera Prtvtlroon (Srte.) «nto

KSÄ I bJSSÄ « mm.

Telephonischer tu telegraphischer Conrs-Bericht der Börsen von Frankfurt a. M. Berlin London Paris. Ohne Gcwah^

Unpolitische Tagesnachrichten.

Ein falscher Dozent. Berlin, 11. Jan. Die Kriminalpolizei verhaftete gestern einen unter der BezeichnungBachelor of Arts' an her Sumboldt-Akademie als Dozent wirkenden Nithur Lindenstead, der in Wirklichkeit Haus­diener gewesen ist und wegen Entziehung von der Militärpflicht von den Militärbehörden ge­sucht wurde. Vor drei Wochen ließ sich bet Schwindler, der in Wirklichkeit Wielinsky heißt, in London mit einer jungen Berlinerin trauen. Als das Paar hierher zurückkehrte erfuhr die jvnae Frau, datz ihr Mann gar nichtBachelor iri Arts" sei und gar nicht Lindenstead heiße.' Sie teilte ihre Entdeckung bem Generalsekretär der Humboldt-Akademie mit, bet die Derhaf- tnna des Schwindlers veranlaßte.

Ein Konzerthaus «ingeftürzt Ekeiwitz, 11. Ian. Beim Jahrmarktfeste stürzte gestern im Konzerthause ein Teil der Halle in den Saal hinunter. Ein Eisenbahnbeamter wurde von einem berabstürzenden Balken so schwer getros- fen, daß et an einem doppelten Schädelbruch bald starb.

ei« ganzes Dorf verbrannt. Mailand, 11 Jan. Das Gebirgsdorf Piatta im Veltlin brannte vollständig nieder: nur bte Kirche und bas Pfarrhaus wurden gerettet.

Das Trottoir eingesunken. Ehicago, 11 Jan . Vor bem Warenhaus«Boston Stere" sank das Trottoir ein; übet 30 Personen stürz­ten in die Tiefe.

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