Einzelbild herunterladen
 

WkchM MW

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: «Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

«m

das aus neu

Montag Abend fand im Physikalischen Institut die 3. Vereinssitzung statt. Professor Richarz er­öffnete den geschäftlichen Teil der Sitzung mit der Mitteilung, daß definitiv der eigene Ballon des Vereins erworben sei, wie wir schon früher in »m- serer Zeitung bekannt machten. Der Ballon ist bereits hier eingetroffen und vorläufig im Phar­makologischen Institut untergebracht worden. Es wurde beschlossen, den Ballon im Falle einer Mo­bilmachung dem Generalkommando in Casiel zur Verfügung zu stellen. Der Vorsitzende dankte Herrn Rechtsanwalt Dr. Külz für die großen Opfer an Zeit und Mühe bei den Verhandlungen über den Erwerb des Ballons. Sodann wurden die Anmeldungen neuer Mitglieder verlesen. Be­sonders anerkennenswert hervorzuheben ist, daß sich auch bereits eine studentische Korporation, nämlich der Raturw.-medizinische Verein, als Mitglied gemeldet hat. Die Herren Kommerzien­räte Louis Peter in Frankfurt und Wilhelm Gail in Gießen wurden zu stiftenden Mitgliedern er­nannt. Wie der Vorsitzende hervorhob, ist dafür daß der Verein erst 3 Monate existierte, die Er­werbung eines eigenen Ballons ohne Schulden ein sehr schöner Erfolg. Dagegen seien noch weitere Ausgaben zu lösen: z. B. die Anlage eines Gas­rohres zum Füllen. Wenn auch dies ohne Schul­den ausgeführt werden soll, muß der Beitritt noch weiterer Mitglieder finanziell Hilfe bringen. Es sei daran zu erinnern, was kürzlich mit Recht in den Zeitungen hervorgehoben wurde, 6aß jeder Marburger nach Kräften dazu beizutragen moralisch verpflichtet sei, solche Vereine wie den Verfchöncmngsverein, den Verein zum Schutz der ^^«u-.denkmäler und auch den Verein für Luft­schiffahrt ftinen Mitteln enffprechend durch Bei­tritt, sei es als lebenslängliches, sei es als jährlich zahlendes Mitglied zu unterstützen. Rach Er­ledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt Professor Eürber einen Vortrag über den Ballon Marburg*. Der sehr lehrreiche und Inter es! ante Vortrag war natürlich seinem Thema »nt= sprechend etwas strenger wissenschaftlich als die früher >' Vorträge und hatte einen hervorragend

schätzungskommission wiedergewählt und für seitherige Müglied Herrn Fr. Klingelhöfer Wetter Herr Bürgermeister Zissel aus Wetter gewählt wurde.

Kurhesfischer Verein für Lustschiffahrt.

reise durch das Land gebe ihm di« Gewißheit, daß di« Liberalen einem Sieg« entgegengingen.

London, 9. Jan. Der konservativeDb* lerver" gibt eine Anzahl Berechnungen wieder, di« von Experten der beiden Parteien über die Wahlaussichten angestellt worden sind und weist dabei auf den -Ä>euteichen Unterschied in den Resultaten hin, wozu di« Verfasser gelangt sind. Ein Konservativer sage eine Majorität von neunzig, ein anderer von vierzig Stimmen für die Konservativen voraus, ein dritter berechne für die jetzig« Regierung eine Majorität von sechzehn Stimmen. Ein Radikaler glaub«, di« Regierung werde zweihundert, ein zweiter, sie werd« hundertzohn Stimmen Majorität bekom­men, während ein dritter fürchte, daß di« Kon­servativen mit achtt Stimmen siegen werden. Der Observer" schließt mit der Vemerkunig. daß die öffentliche Meinung Englands sich am Vorabend der Wahlen niemals so im Unklaren über den Ausfall befunden hätte, wie gerade jetzt.

Die JnfertionSgebühr beträgt für di« 7gefpaltone Zeile obtt deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. t. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

das Gelöbnis der Unterwerfung etneeem Der Minister erklärte es sei der Wunsch 6ye» niens, zum Wohlergehen der Rifleute beizu- tragen doch werde Spanien auch jebe geh* seligkett zu strafen wissen.

Ter heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 3.

Marburg

Mittwoch, 12. Januar 1910

Ausland.

** Spanien und Marokko. Melilla, 10. Jan. Der spanische Minister d«r öffentlichen Arbeiten traf gestern bei Beni Sikar ein; er empfing meh­rere Eingeborene, unter anderen den Führer der Rebellen Abd«l Kader, und ließ sich von ihnen

Deutsches Reich.

Die Wahlrechtsrefrmu in Preußen wird, wt« die Tägl. Rundschau erfährt, darin bestehen, daß die Einführung der direkten Wahl und eine bedingte Verbindung von Dreiklassen- und Plural- »vahlshstem von der Regierung beantragt werden wird.

D«r preußische Etat wird einen Fehl­betrag über 90 Millionen aufweisen. Wie «ine Berliner Korrespondenz ausführt, hat die Staatsregierung bisher keinerlei Absicht, dem Landtage irgendwelche Vorschläge für neu« Steuern zu machen.

Die Antwort d«r Regierung an di« Bi­schöfe von Straßburg und Metz ist diesen zuge- gangen, wird aber streng geheim gehalten. Wie di«Frkf. Ztg." wissen will, ist st« biesmol nicht vom Staatssekretär Zorn von Bulach, sondern vom Statthalter selbst unterzeichnet, lieber den Inhalt wird bekannt, daß im ersten Teil« de s Briefes der Statthalter die zu frühzeittge Ver­öffentlichung des ersten Schreibens der Regie­rung bedauert.

Annahm« d«s freisinnig«« Einigungs­programms durch die freisinnig« Vereinigung. Der Gesarntvorstand des Wahlvereins der Li­beralen (Freisinnig« Vereinigung) hat zu dem vom Viererausschuß der drei liberalen Fraktio­nen ausgearbeiteten Einigungsprogramm in folgender Resolution Stellung genommen:Der Vorstand des Wahlvereins der Liberalen stimmt der Einigung der drei linksliberalen Parteien zu und beschließt, dem möglichst im Monat F«. bruar einzuberufenden Delegiertentag zu emp­fehlen, den durch den Viererausschuß vorgelegten Entwurf eines Einigungsprogrammes und eines Organisationsstatuts nebst Uebergangsbestim- mungen anzunehmen mit der Maßgabe, daß in das Organisationsstatut noch ein Absatz über die Rechte und Pflichten der Mitglieder aufge- nommen, und daß die Zahl der Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses von 16 auf 17 erhöht wird. Die Wünsche des Vorstandes be­züglich des Namens der neuen Partei, bezüglich des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche und bezüglich der Frauenfrage, sollen dem Vierer­

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberhess. Ztg." gestattet.)

Marburg, 11. I«.

* Kreistagssitzung. Zu unserem Bericht sei noch mitgeteilt, daß die Herren Kaufmann Spruck-Mar- bnrg, Bäckermeister P. Runckel-Marburg und Bür germeiiter Scherer-Dagobertshausen in di« Ein­

ausschutz unterbreitet werden." In der sehr lebhaften Eeneraldebatt« sprach Dr. Eahn- Frankfurt a. M. gegen di« Fusion und g«gen das Programm. Die Abgg. Druve und Gochetn ttaten demgegenüber für di« Einigung «in. In der Spezialdebatt« wurde nach Ablehnung an­derer Vorschläge der Wunsch geäußert, als Name für di« neu« Partei einfachVolkspartei" zu sagen.

vom »Parseval 3". Wie man uns aus Bitterfeld unterm 9. Januar berichtet, hat nun­mehr endgültig di« Abnahme d«sParseval 3 seitens des Kriegsministeriums stattgefunden, nachdem alle Versuche, die auf Veranlassung der in Bitterfeld weilenden Kommission mit dem Luftschiff vorgenommen wurden, zur größten Zufriedenheit ausgefallen sind. In einigen Tagen wird das Luftschiff zur Ausbildung von Mannschaften für kurz« Zeit nach Berlin gehen. Dann soll es dem Vernehmen nach in Köln, nicht aber in Ettaßburg untergebracht werden.

Ter Prozeß Biermer Ruhland wurde gestern in zweiter Instanz vor der 9. Strafkammer des Berliner Landgerichts verhandelt. Es handelt sich um Beleidigungen die in einer Schttft. die Pro­fessor Biermer-Gießen im Jahre 1903Ruhlanä, Köhler, Langsdorf u. Co." gegen den Prof. Ruh­land veröffentlicht hat. R. sei ein wissenschaftliches Chamäleon: denn er habe sich vom Freihändler, Goldwährungsmann und Güierzertrümmerer zum Experten des Bundes der Landwirte entwickelt. Das Schöffengericht Berlin-Mitte hatte Prof. Bier­mer freigesprochen, da es ihm den Schutz des § 193 zugesprochen hatte und den Wahrheitsbeweis im ganzen für erbracht hielt. Gegen dies Urteil hatte Prof. R. Berufung eingelegt. Zur Verhandlung waren als Sachverständige der Wirlliche Geheim­rat Professor Dr. Sombart, Prof. Dr. Adolf Wag­ner, Prof Dr. Lexts-Göttinge« und Prof. Dr. Gustav v. Schmöker geladen. Als Zeugen sind zur Stelle Bundcsdirettor Plaskuda, Rittergutsbesitzer Frhr v. Wangenheim, Rittergutsbesitzer Dr. Roe- stcke, Abg. Köhler-Langsdorf und die Geheimen Reqterungsräte Prof. Dr. v. Savigny und Dr. Elster. Eine Einigung kam nicht zustande, und so wurde in die Verhandlung eingetreten, die vor­aussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen wird

Welter« Maßnahme« in Kattowitz. Wie derOberschl. Kur." meldet, wurde seitens der Hohenlohe-Merke dem Markscheider-Assistenten Wenzel wegen seiner polnischen Abstimmung bei den Kattowitzer Ctadtverordnetenwahlen ge­kündigt. Herrn Wenzel wurde ferner mitae- teilt, daß dasselbe Los noch drei Betriebsbe­amte der Hohenlohe-Werke treffen werd«. Dies« Beamten haben sechswöchentliche Kündigung. Es werd« ihnen am 15. Februar zum 1. April gekündigt werden.

Die Neuwabl in England.

London, 10. Jan. Der König unterzeich­nete heute Nachmittag im Ministerrat, der im Buckingham-Palast stattfand, die Proklamation, durch die das Parlament formell aufgelöst wird. Das neue Parlament wird am 15. Februar zu- fammentreien.

London, 10. Jan. Die Proklamation, wo­durch das Parlament formell aufgelöst wurde, wurde gleich nach der Unterzeichnung des Königs der Kronkanzlei übergeben, welche sofort mit der Ausgabe der Parlamentswahlbefehle be­gann. Ein neuer charakteristischer Zug bei die­se: Ausgabe war der Gebrauch von Motor­wagen, welche die Wahlbefehle den um London gelegenen Bezirken übermittelten. Auf diese Weife wurden 88 Wahlbefehle befördert, der Rest wurde durch die Post versandt. Chamber­lain wird als einer der ersten, da kein Gegen­kandidat aufgestellt ist, als Vertreter des Wahl­kreises West-Birmingham in das Parlament zurückkehren. Die ersten Wahlkämpfe sollen am Sonnabend in 63 Wahlkreisen, von denen 12 zu London gehören, ausgefochten werden.

London, 10. Jan. In der vergangenen Woche fanden in England rund 20 000 Wahlver­sammlungen statt. Mit dem gestrigen Tage er­reichte die Beteiligung der Peers am Wahl­kampfe ihr Ende, da sie sich nach dem Erlaß eines Parlamentswahlbefehls nicht mehr am Kampf« beteiligen dürfen. Gestern sprachen noch zahl­reiche Peers öffentlich. Viele von ihnen fanden dabei einen feindlichen Empfang, so der Herzog von Norfolk, der erste Peer England«, der in Brixton durch fortwährende Unterbrechungen am Sprechen verhindert wurde, und Lord Ronalshay in Hornsay (London), der unter polizeililber Bedeckung sich zurückziehe« mußte, da die Meng« di« Rrtmertrtbüne stürmte. Der Parlamentssekretär in der Admiralität, Mac Ramara, sagte in Camberwell, er bedauere, daß die Lords nicht länger in der Oeffentlichkeit er­schienen da ihre Reden die Behauptungen der Radikalen bewiesen, daß das Haug der Lords eine untaugliche Einrichtung sei. Handels­minister Churchill hielt eine Rede in Leven, in der er ausführte, das Oberhaus habe ausge- fpielt, es fei veraltet und bilde einen Ana­chronismus, der nur noch den vernichtenden Schlag erwarte, um für immer beseitigt zu fein. Schatzkanzler Llorch George sprach in Plymouth vor 11 000 Personen und bewies, daß die Re­gierung 1909 fast 3 Millionen Mehrausgaben für die Flotte aufgewandt und tm nächsten Jahre noch viele Millionen mehr aufwenden werde. Nagern er dann noch das englischen und das deutsche Steuersystem gegenübergestellt und die brttischen und deutschen Exporte und die britische und di« deuffche Schiffahrt verglichen hatte, ließ er seine Red« in den Gedanken aus­klingen, daß die Heimat von Sir Francis Drake nicht das Land sei, in dem man sich vor den deutschen Schiffsbauten fürchte. I« einem anderen Orte sagte Lloyd George, seine Rund-

Di«Oberhrssischr 8«ihi«l erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt diertel- iährlich durch bte Post bezogen 2 25 <X (ohne Bestellgelb), bei unseren Zeitungsfkllen unb der Expedition (Markt 21), 2 <X.

bl (Nachdruck verboten.)

Was Gott zttfamme«gefugt.

Roman von H. Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Als der Frühling sich herrlicher enffaltet« und im Rodenfelfer Schloßgarten die Säume wieder blühten, kam Mary mit Bernhard oft an den Sonntagen heraus. Auch Paula schloß sich ihnen zuweilen an. Und aus der Nachbar­schaft kamen häufiger Besuche, am meisten zu prenates Leidwesen die Datlerts. Einsam wär es also gar nicht mehr in-Rodenfels. Aber zwi­schen Coulmann und Renate wurde das Ver­hältnis nicht besser, im Gegenteil, st« entfrem» beten sich mehr und mehr. Und doch sehnte fick der alte Herr heimlich nach der alten, zärtlich vertrauensvollen Liebe seines Kindes. War sie denn nicht wieder aufzuwecken, gab es kein Mit­tel, sie zurückzurufen? Er fühlte sich müde und alt, die rasche, tatkräftige Freudigkeit war ihm verloren gegangen.

Paula Hardenberg sah ihn oft forschend an, wenn sie in Rodenfels war oder er mtt Renat« nachWaldfrieden" kam. Mertte er denn nicht dag Renate immer stiller und freudloser wurde? Warum quälte er sich und sie und sagte ihr n'cht die Wahrheit? Zu ihrer Bewunderung schrieb thr auch Georg kein« Antwort auf jenen Brief, " dem sie ihn gebeten, Renate aufzuklären. Sir

'licht, daß Georg ihn noch nicht erhalten sV; llnd fragte deshalb bei ihm an, ob er auf

Brief keine Antwort geben wolle. Georg «rtuyr also erst im Mai. daß ein Brief von c - r>er.lehlt hatte, und veranlaßte bei jenem Hasenpostamt, daß ihm dieser Brief nach­

geschickt wurde. Er benachrichtigte Paula davon und bat sie. falls der Bries Sachen von Wichttg- keit enthalten habe, ihm zu depeschieren.

Paula hatte jedoch inzwischen eingesehen, daß Coulmann Renate die Wahrheit um jeden Preis verschweigen wolle. Deshaw «itte es nicht mehr, daß Georg den Brief bekam. Sie schrieb ihm das alles, verschwieg ihm aber nicht, daß fie sich schwere Sorge« um Renate mach«.

Der Sommer war mit Blütenduft und pran­gender Pracht ins Land gezogen, hafte versprächen, Mit ihrem Gatten dessen Ferien in Rodenfels zu verleben. Zuvor sollten jedoch Re­nate und der Vater einige Tage ihre Gäste in Dresden fein. Coulmann wollte ohnedies die große Etage in Dresden aufgeben, da sie für ihn und Renate zwecklos geworden war. Frau Werner fuhr mit, um die Möbel unter ihrer Aufsicht verladen zu lassen. Sie sollten in Roden- sels einige leer stehende Zimmer ausfüllen. Für die wenigen Tage, die man in Bresben zu­brachte. fanden Vater und Tochter bei Mary oder in Villa Waldfrieden Unterkunft.

Mary war entzückeich in ihrer jungen Haus­frauenwürde und Coulmann ließ sich mtt Wonne ein bißchen von ihr verwöhnen. Am nächsten Vormittag nach ihrer Ankunft fuhren Coulmann und Renate nachWaldfrieden" hinaus, um Paula zu begrüßen, die noch nichts von ihrer Ankunft wußte. Sic fanden die Hausfrau nicht daheim, hörten aber, daß sie in kürzester Zeit von einer Ausfahrt mit Eva heimkehren würde.

So beschlossen sie, zu warten. Coulmann setzte sich in dem wundervoll gemütlichen Erkerausbau in einen bequemen Fauteuil. Das war fein Lieblingsplatz, wen« et Paula besuchte. Er

nahm ein Buch, um zu lesen. Renat« hatte vor dem Kamin Platz genommen.. Sie stützt« müde den Kopf in bi« Hand und sah traurig vor sich hin. Coulmann könnt« ft« betrachten, ohne von ihr gesehen zu werden, weil et durch einen schweren Brokatvorhang, der den Erker abschlotz, halb verborgen war.

Mit kummervollen Blicken betrachtete er ihr schmal gewordenes, müdes Gesicht. Was war aus feinem lebensfrischen Madel geworden! Noch wat ihr Gesicht anmutig , und ^lieblich, schöner Lstzenrftch, 6x5 es je gewesen. Ader röte lange noch, dann grub das Leid harte Linien hinein! Der feine, herbe Zug um den Mund würde sich vertiefen und dem Antlitz einen ver­bitterten. verblühten Ausdruck geben. Und das alles um einen Mann wie Georg von Roden­fels?

Befaß dieser doch «inen größeren, tieferen Wert als Mensch, als et sich eingestehen wollte? Paula «rjatbenbetg wat doch eine kluge, abge­klärte Frau. Würde sie mit so unbedingter Hoch­achtung von ihm sprechen, wenn er es nicht ver­diente? Er seufzte leise in sich hinein. Was würde er darum geben, wennn «t Renate wirk­lich glücklich machen könnt«! Kein Opfer sollte ihm zu schwer werden, jedes würde er bringe«, wenn «t sie nur wieder froh und heiter fdjen könnte.

Renat« war mit ihren Gedanken im Traum­land. Sie vergaß, wo fie sich befand, und wutzte nicht, daß fie nicht allein war.

So saßen die beiden Menschen in trüben Ge­danken versunken eine ganze Weile.

Dann wurde plötzlich die Tür geöffnet und es trat jemand eia. Renat« sah auf bann

sprang fie empor und starrt« wi« geblendet iah der Tür.

Dort stand Georg Rodenfels.

Sein schmalgewordenes Gesicht hatte sich bei Renates unerwartetem Anblick verfärbt, auck er stand einen Augenblick wie erstarrt. Seine Augen brannten auf ihrem leidvollen Gesicht. Sie sahen sich an alles über dieses plötzliche Wiedersehen vergessend, nur nicht, daß sie sich liebten, unaussprechlich, unveränderlich.

Unfähig, sich jetzt zu beherrschen, trat er Äklige Schritte- aup sie zu und Ittoxtl lyr vrv Arme voll Sehnsucht entgegen. Da rang sich ein schwacher Laut von ihren Lippen fie flog auf ihn zu und beide umschlangen sich fest und eidenschastlich als wenn sie sich nie mehr ässen wollten. Di« Lippen fänden sich, wie ver- chmachtet in brennendem Durst, einen kurzen, elige« Augenblick. Die Gewalt ihrer Liebe, bte elige Gewißheit, daß ihre Herzen in der alten Sehnsucht und Treue sich entgegenschlugen es riß alle Schranken zwischen ihnen nieder. Aber dann kam Georg plötzlich die Besinnung wieder. Mit einem qualvollen Stöhnen glitt er an ihr herab und ihre« Körper kniend umfassend, kützte' er ihre Hand. !l

Renate Renat« »ergib! ,

Er ritz sich empor und taumelte zurück, Me

Hände vor oas Antlitz schlagend.

Herrgott im Himmel barmherziger' Gott?" '

In diesem feinem Ausruf lag eine qualvolle ( wilde Verzweiflung. J

fForsetzuno folgt.)