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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:,Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."

Ausland.

Frankreich und die Türkei. Konstantinopel, 8. Jan. Nach von der Pforte stammenden Infor»- mationen verlangte der französische Botschafter aus Anlatz des Zwischenfalles an der Tunistsch-Tripo-, Manischen Grenze die endgültige Festlegung der Grenze. Die Pforte, welche dieses bisher zurück­wies, well die Anerkennung eine Besetzung Tunis bedeuten würde, erNSrte nunmehr ihre Bereit» willigkett zu einer Grenzregulierung, wenn einige Formfragen erledigt würden.

Nikaragua. Newyork, 8. Jan. General Fornos Dtaz, der unterwegs nach Managua war, mn als Vertreter Eftradas mit dem Präsidenten Madriz den Frieden zu vereinbaren, ist gestem in­folge Kenterns des BooteS bei der Barre von Greywwn ertrunken.

** Finnland. Helsingfors, 8. Jan. Nachdem die hiesigen Rechtsanwälte beschlosien haben, daS RetchSstempelsteuergesetz nicht zu beobachten oder notgedrungen entrichtete Stempelsteuer auf gericht­lichem Wege zurückzufordern, beginnen nunmehr da« Hofgericht und andere fintsche Behörden die Dokumem« ohne Stempelmarken entgegenzuneh» men.Nyapreflen* schreibt zu diesem Anlaß: Der Konflikt gibt dem finischen Volke und seinen gesetz» mäßigen Obrigkeiten Anlaß, auf gesetzlichem Bo­den den energischsten Widerstand zu leisten. ES ist Pflicht der finischen Obrigkeiten und Privatperso« nen die dem Bolle gewährten gesetzmäßigen Rechte unbeugsam zu beobachten.

** Japan und Amerika. Lotto, 8. Jan. Die führenden japanischen Blätter sprechen sich dagegen aus, daß Japan den Vorschlag Amerikas, die man­dschurische Eisenbahn durch Verkauf an China zu

ncrte sich allein gegenübersaßen, so sprachen sie miteinander wie zwei Menschen, die sich schone» wollen und das, was sie am meisten bewegt, vor einander ängstlich verschweigen.

Mary war blühend und voll Glückseligkeit von der Hochzeitsreise zurückgekommen und hatte ihr entzückend eingerichtetes Heim in Dresden bezogen. Auf einen Tag kam sie ab und zu nach Rodenfels hinausgefahren. Jbi« csitick- durchleuchtete Stimmung brachte So Genschers mit. So lang« sie da war, herrschte Frohnnn und Heiterkeit. Renate wurde lebhafter, map mer und Coulmann fthtte erst rn Mary, warmer, töchrerlicher Zärtlichkeit, w'e sehr ihm Renate entfremdet war.

Wenn Mary mit dem Abenozvg wieder heimfuhr länger hätte sie Bernhard natür­lich nicht entbehren können dann wurde es wieder still und kalt in Rodenfels.

Als der Frühling kam war Coulmann mit dem Verwalter viel drangen auf den Feldern. Das lenkte ihn ob von seinem häuslichen Kum­mer. Renat« fuhr einige Male nach Dresden auf mehrere Tage, um Mary und Paula Har­denberg zu besuchen. Zuweilen begleitete sie auch Coulmann auf diesen Fahrten. Es war wie ein« heimliche Unruhe in ihm wenn sie länger als einen Tag fort blieb. Es lag dann! wie Unheil in der Luft. Deshalb ließ er st« schließlich gar nicht mehr allein nach Dresden.

(Forfetzung folgt.)

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DieObcrheksischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 96 <X (Hne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 9 VI.

Marburg

Dienstag, 11. Jammr 1910.

Die Jusertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Berlaa: Joh. Sug. Koch, Universitäts-Buchdruckrrci Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 66.

45. Jahr,.!

Die «nlflnbcii de« nächste» Reichstage«.

In den nächsten Reichstagsverhandlung«» werden die Debatten sich der Hauptsache nach auf drei größeren politischen Erbieten bewegen. Das «in« ist di« Umgestaltung der Strafprozetzord- nung und die Abänderung de» Strafgesetzbuches. Rach ihrer Erörterung wird di« Finanzpolitik wiebtr an di« erste Stell« rücken. Der Reichstag wird sich diesmal in den Etatserörterungen Zu­rückhaltung ouferlegen müssen, wenn das Bud­get für 1910 rechtzeitig fertiggestellt werden soll. Unmöglich ist es aber nicht und zwar um so we­niger, als es sich bei den hauptsächlichsten in Be­tracht kommenden Etatsänderungen um Konse­quenzen aus früheren Beschlüsien handelt, denen die Reichstagsmehrhett selbst ihre Zustimmung gegeben hat. Das dritte Gebiet, das vor Ostern hauptsächlich zu Debatten Beranlasiung geben wird, ist das handelspolitische. Zw«t Handels­verträge liegen dem Reichstag« vor. Davon wird der mit der Republik Bolivien wenig Schwierigkeiten machen; er ist anderen mit süd- unv mittelamerikanischen Staaten abgeschlosse­nen Verträgen nachgebildet. Der deutsch-por­tugiesische Vertrag hat bei seiner ersten Lesung Im Plenun starken Widerspruch erfahren. Man wird damit rechnen müßen, daß auch in der Kommission, der er zur Vorberatung überwiesen ist, scharfe Kritik an ihm geübt werden wird. Nachdem aber inzwischen der Zentralverband deutscher Industrieller sowohl wie der Deutsche Handclstag, also die größte Vertretungskörper- schast der Industrie und der Repräsentant des Handels, dem Vertrage ihre Zustimmung erteilt bähen, ist anzunehmen, daß der Reichstag nicht päpstlicher als der Papst sein und auch den deutsch-portugiesischen Vertrag genehmigen wird. Mindestens bewahrt der Vertrag die deutsch« Ausfuhr vor sonst drohenden Nachteilen. Außer diesen beiden Handelsbeziehungen roetben di« deutsch-schwedischen den Reichstag beschäftigen. Da-, Abkommen, durch das der jetzig« Handels­vertrag bis 1. Dezember 1911 verlängert werden soll, wird schon in nächster Zeit dem Reichstag« fugeben. Wird eine Neuregelung der Handels- eziehungen zu den Ve:einigten Sta tat von Amerika getroffen, so wird auch der Reichstag damit befaßt werden. Wenn an di« Stelle de» jetzigen Abkommens ein neues treten würde, so würde selbstverständlich der neue Handelsvertrag einer Genehmigung des Reichstage» bedürfen. Aber auch wenn kein formaler Vertrag abge« schlossen würde, und die Neuregelung sich in der Weiie vollzöge, daß gegen die deutsch« Meistbe- tziinstigung die amerikanischen Minimalzölle ge» trhhrt würden, würde voraussichtlich der R-ichs- tag mit der Angelegenheit befaßt werden, denn die Meistbegünstigung mürd« r>ann wohl in der gl« scheu Weise zugestaaden werden, wie die» fetzt gegenüber Großbritannien erfolgt, mit dem da, Deutsche Reich bekanntlich keinen Handelsver- trag hat. Aber wie immer di« Dinge auf diesem Gebiet sich gestalten werden, die Entscheidung muß in naher Zeit fallen. Erfolgt ein« Neu­regelung, so würde auch der Reichstag damit zu bcsassen sein. So wird auch der Reichstag in dem nädjften Tagungsabschnitt vor bedeutsam« Aufgaben gestellt sein.

^"Vl ...... ! !

öl (Nachdruck verboten.)

Was Gott jufamrneugefügt.

Roman von H. Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Wie kannst Du es wagen, in dieser Weis« Mir Deinem Vater zu reden? Was fällt Dir ein? Welchen Phantasiegebilden hängst Du nach? Ich dachte, Du wärst endlich vernünftig geworden, und nun trittst Du in dieser Weis« gegen mich auf!"

Ich trete nicht gegen Dich auf, Papa. Ich faß Dir ja, ich habe mich gefügt und werd« mich weiter fügen. Rur wollte ich Dir einmal sagen, daß Du mich falsch beurteilst und mich nicht ver­stehst, sonst hättest Du nicht glauben kön- neu, daß ich Ernst Trautmanns Frau werden könnte."

Er nagte an seiner Lipp« und sah finster vor sich hin. Zum ersten Male regten sich leise Zwei, fcl in seiner Brust, was c: tun sollte. Endlich fcoh er den Kopf und sah sie mit einem langen, «schmerzlichen Blick an.

..Ich kann jetzt nicht mehr mit Dir über die- ken Punkt streiten, unsere Ansichten find zu ver­schieden. Wir müssen uns unseren Gästen wid­men. komm!"

Reben einander, wi« in friedlichstem Einver­ständnis, betraten sie den Saal.

* *

Coulmann vermied es. mit Renat« noch ein«

«er Thema zurückzukommen.

Llt Hochzeitsgäste hatten Rod-nsel» ver-

Politische Umschau.

von de« Deutschen in Böhmen. 5

Prag, 8. Jan. Der heutige deutsche Abgeord­neten- und VertrauensmSnnertag war außer­ordentlich zahlreich besucht. Abgeordneter Dr. Syl­vester überbrachte die Grüße der alpenländischen deutschen Abgeordneten und versicherte, bi« deut­schen alpenländischen Abgeordneten hielten treu an der Gemeinbürgschast mit den deutschen Sudeten- ländern fest. Im Namen des deutschen VolksrateS für Böhmen verlas Dr. Zitta eine Erklärung, in der betont wird, der frühere politisch« Fehler der Uneinigket der Deutschen trage an der gegenwärtt- gen Lage der Deutschen in Oesterreich schuld. Rur eine Einigkett ttttb der seste Zusammenschluß der deutsch gesinnten Abgeordneten vermöge Abhülfe zu schaffen, denn mit einem Großblock werde die Regierung immer rechnen müssen. Nur an einem solchen werde sich die Kraft des slavischen Volkes brechen. In Böhmen müsse an dem Grundsatz der nationalen Zweiteilung und der Selbstverwaltung entschieden festgehalten werden. Die vornehmste Aufgabe der deutschen Abgeordneten müsse es da­her sein, in einem geschlossenen, einmütigen Auf­treten die soforttge Beratung der Sprachenvorlage der Regierung zu erzwingen. Nach einigen wei­teren Reden entwickelte sich eine lebhafte Debatte, in der allseits der lebhafte Wunsch nach einem engen Zusammenschluß aller nationalen Kräfte zu einem einheitlich wirkenden Parteiverbande im Retchsrate ausgesprochen wurde. Bezüglich der Landtagsfrage wurde die Meinung zum Ausdruck gebracht, daß die deutsch-böhmische Bevölkerung kein« Opfer scheuen werde, um die nationale Exi­stenz d«S deuflchen Volkes in Böhmen zu sichern und daß zu diesem Zwecke die schärfsten Mittel, zur Anwendung gebracht werden müsse. Die Ver» sammlung drückte einmütig ihr vollstes Vertrauen zur Haltung der deutschen Landtagsabgeordneten in Böhmen auS. Nach siebenstündiger Dauer der Verhandlungen, denen auch der deutsch« LandS- mannminister Schreiner beiwohnt«, wurde die Versammlung geschlossen.

Deutsches Reich.

Für Sterbekassen. Nachdem am 1. Januar 1910 da» Gesetz über den Privatverstcherungs- vertrag in Kraft getreten ist, haben sich Aende- ningen der Mustersatzungen für Sterbekassen und Pension». (Witwen- und Waisen-) Kassen als notwendig herausgestellt. Di« betreffend« Ver. fügung ist vom Minister des Innern erlassen.

Vernehmung von Zeugen. Das Königliche Etoatsministerium hat in einer kürzlich ergan­genen Entscheidung di« eidliche Vernehmung von Zeugen durch andere, nicht richterliche Be­amte als den Untersuchungskommissar im förm­lichen Disziplinarverfahren als unzulässig er­klärt. Der Finanzminister und der Minister de» Innern haben deshalb die Ober- und Regie­rungspräsidenten davon in Kenntnis gesetzt, daß eidliche Vernehmungen von Zeugen und Sach­verständigen, die nicht durch den Unterfuchungs, kommissar selbst vorgenommen werden können, durch Ersuchen der zuständigen Amtsgerichte zu

lassen und nur Paula war mit 'txi noch zurück­geblieben. Coulmann ließ die beiden Damen viel allein. Paula hatte sich ihre Gedanken gemacht, als Ernst Trautmann so schnell abge. reist war. Sie sah auch sehr wohl, daß Eoul- mann verstimmt war, und daß sein Benehmen zu Renate eine gewisse Unsicherheit verriet. Oft fing st« einen heimlich vrüfenden Blick auf, mit dem er Renate beobachtete, wenn sie e» nicht merkte. Eine still« Sorg« lag in diesen Blicken und noch ein anderer Ausdruck, der Paula un­verständlich war.

In Renates Wesen ihrem Vater gegenüber machte sich keine Veränderung bemerkbar. Sie umgab ihn mit ttndlicher Fürsorge und erwies ihm all die kleinen LiebeÄienste, wie sie es von^jeher gewohnt war. Aber all ihrem Tun fehlte die innere Freud«, wenn das auch nur ein sehr scharfer Beobachter herausfand r. Und Fritz Coulmann war jetzt ein sehr schaler Beobachter geworden, seit ihm Renate an Marys Hochzeitstag so überraschend di« Augen geöffnet batte über ihr innerstes Sein und Wesen. Er sah, daß fi« oft blaß und müde aussah und de» Morgen» zuweilen gerötete Augenlider hatte. Er bemerkt« nun auch den feinen Leidenszug um ihren Mund.

Ein« leise Unruhe trieb ihn umher und wenn er still versonnen in seinem Arbeitszimmer saß, dann sah er im Geist« Renate wieder so blaß und «rntt vor stch stehen, wie am Hochzeitstag, und er börie wieder, wie fi« zu ihm sagt«:Du hast nicht gut an mir gehandelt" und dann ^Dein Haß ist stärker, al» di« Liede |» Deinem

bewirken find, wie die» auch bisher im allge­meinen bereit» geschehen ist. Die für den Bereich der Verwaltung der Zölle und indirekten Steuern erlassene Verfügung, wonach der Unter, suchungskommissar befugt war, die eidliche Ver­nehmung von Zeugen durch andere, nicht richter­liche Beamte vornehmen zu lassen, ist aufge­hoben worden.

Die chinesisch« Marinestudienkommissio». Kiel, 8. Jan. Di« chinesische Marinestudien- kommisston macht« heute Mittag nach der Bestch- tigung der Germaniawerft an Bord bes neuen LrnienischifsesWestfalen" eine Fahrt in die See. Prinz Tsai Hsuen, sowie sämtliche Mit­glieder der chinesischen Marinestudienkommisfion waren heute Abend zum Diner bei der Prinzes- fin Heinrich von Preußen geladen. Kiel, 9. Jan. Die chinesische Marinestudienkommisfion ist heute Vormittag um 10.45 llhr mittels Son­derzuges nach Essen abgereist. Zur Verabschie­dung auf dem Bahnhof waren anwesend: Ad­miral von Prittwih und Eaffron, mehrere höher« Marineoffiziere, Stadtkommandant Oberst von Bodungen und der Polizeipräsident v. Schroeter.

Di« Postkonferenz. Berlin, 8. Jan. Die heutige Schlußsitzung der Postkonferenz wurde seitens der Reichspostverwaltung mit der Dar­legung der Gründe eingeleitet, die für den Weg­fall des Ankunftsstempels für gewöhnliche Briefe bestimmend gewesen find. In der sich anschlie­ßenden Aussprach« wurden von den Vertretern der einzelnen Jnteressentengruppen di« bei Han­del, Industrie, Handwerk und Landwirtschast bestehenden Wünsche nach Wiedereinführung des Ankunftsstempels zur Geltung gebracht. Von einem Teile der MitgliÄer wurde di« Wieder­einführung allgemein gewünscht, von einem anderen nur für gewisse Bestellungen; einige Mitglieder sprachen sich dahin aus, sie hätten bei der vorhergegangenen Besichtigung der Betriebs­einrichtungen die Ueberzeugung gewonnen, daß durch den Fortfall de» Stempels 10 bis 15 Mi­nuten Zeit gewonnen würden, die für die Post- verwaltung und alle, denen es in erster Linie auf beschleunigte Zustellung ankomme, wertvoll seien. Der Staatssekretär nahm alle Anregungen mit Dank entgegen und sagte ihre gewissenhafte Prüfung zu.

Au» unseren Kolonien. Köln, 8. Januar. Wie dieKöl. Ztg." meldet, hat da» Reichs- kolonialamt für da» Jahr 1910 die längst ge­plante Erforschung des Kaiser Wilhelm-Lande» Neuguinea» in Aussicht genommen. Es ist eine Dauer von acht Monaten für di« Erforschung angesetzt; sie soll stch auf das westliche Grenz­gebiet erstrecken und dort mit der nickerländi­schen Expedition die deutsch-holländische Grenze untersuchen, um die Grundlage zu gewinnen für eine Verständigung zur Ersetzung der jetzigen linearen Grenze durch eine natürliche.

De» Ersatz unserer Schntztruppen. Berlin, 9. Jan. Di«Nordd. Allg. Ztg." behandelt in einem längeren Artikel die Ersatzfrage unserer Schutztrupp« in Deutsch^Afrika (Kamerun) und kommt unter Hinweis auf das von Frankreich eingefuhrte System der Prämienzahlung an di« Eingeborenensoldaten bei längerer Dienstzeit zu dem Schluß, daß es eine Unterlassung bedeuten würde, wenn wir aus Scheu vor momentanen Ausgaben uns nicht dazu entschließen könnten, den zweifellos stchersten und aussichtsreichsten

War ihr Vorwurf ganz ungerecht? Hatte nicht sein Haß doch seine Handlung mehr beein. flußt als die Liebe zu Renate dieser Haß, der sein ganze» Leben vergiftet hatte und jetzt noch brennender als je in ihm wühlte ? Denn wem hatte er auch all diese Rot und Pein zu danken, die nun sein Alter freudlos zu machen drohte doch nur Michael Rodenfels, dem Urheber all feiner Leiden!

Er konnte die Szene mit Renate nicht »er­flehen, so viel Mühe er sich auch gab. Es half auch nichts, daß er sich gegen ihr Leid verhärten wollte. Nun er sah, wie schwer sie litt, riß e» an seinem Herzen und er hätte gern jedes Opfer bringen mögen, um sie glücklich zu machen.

Es schmerzte ihn tiefer, al» er sich ring«, stehen wollte, daß fi« da» alte kindliche Ver­trauen zu ihm verloren hatte. In ihrer stillen Ergebenheit lag eine schwere Anklage gegen ihn, härter, al» wenn sie ihn mit Vorwürfen geplagt hätte.----------

Der Winter ging schnell zu Ende. Paula Hardenberg war anfang Februar wieder abge. reist und mit Coulmann und Renate saß nur Frau Werner bet den Mahlzeiten am Tisch. Außer den Mahlzeiten sah sich Vater und Toch­ter fetten.

Seit Mary fehlt«, war es Überhaupt fils sei der Sonnenschein au» Rodenfels gewichen. Frau Werner müht« stch zwar ehrlich, di« Unter­haltung nicht «inschlafen zu lassen, und brachte di« kühnsten Themen auf, aber « half ihr nicht viel.

Traf e» sich einmal, daß Coulmann und Ro-

Wog zu dauernder Gewinnung der farbige« Mannschaften einzuschlagen, also auch unseren Ersah durch ähnlich« Prämien- und Pensions­zahlungen länger al» bisher an die Truppe und deren Erziehung zu fesseln. Die Mehrausgaben, fügt das Blatt hinzu, werden sich bezahlt machen, nicht allein durch die Abwehr werttvernichtender Unruhen, sondern auch durch positive Leistungen eine» zu Ordnung und Verdienen erzogenen El«, mente», da» mit den entlassenen Mannschaften in di« farbige Bevölkerung der ganzen Kolonie hineingetragen wird.

Führungsatteste für frühere Reichsange­hörige. Der Minister de» Innern hat es al» zweckmäßig bezeichnet, di« Vorschrift, nach wel- cher Ausländer polizeiliche Führungsatteste nicht erteilt werden sollen, auch früheren Reichsange, hörigen gegenüber, unb zwar auch dann in An­wendung zu bringen, wenn diese ein« ander« Staatsangehörigkeit nicht erworben haben, und «s stch um eine Zeit handelt, zu der ste die Reichsangehörigkeit noch besaßen. Es hat di« Nachgeordneten Behörden ersucht, di« Polizei­behörden hiernach mit Weisung zu versehen.

Reu« Bereinbarung. Zwischen dem Deut­schen Reiche und der Schweiz ist eine neue Ver­einbarung über die gegenseitige Anerkennung von Leichenpässen getroffen. DasUebereinkommen ist am 1. Januar 1910 in Kraft getreten. Jedem Teile steht der Rücktritt nach dreimonatiger Kündigung frei.