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45. Jahrg

DieOberhesjische Zeit«»-" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 «Ä.

Marburg

Sonntag, 9. Januar 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd Landwirtschaftliche Beilage

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker-i Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Bestellungen

fürdaserste Quartal 1910

u{ dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen iverdeu von unserer Expedi­tion (Markt 21), unsere» Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei­denhofen und Dreihausen sowie von allen Pvstanstalten und Landbriefträgern entgegenge- Kommen.

Die Tätigkeit der Diplomaten.

In gewissen politischen und publizistischen Kreisen ist es Mode geworden in den Orga­nen der Sozialdemokratie ist es die Regel, die Arbeit der Diplomaten geringschätzig zu be- Arteilen. Man hört da oft das Wort, dah die Diplomatie eigentlich keine Daseinsberechtigung habe, datz sie praktisch nichts leiste und dass die Nationen, von einemnntrügerischen Instinkt" erfüllt, ihre Geschicke allein richtig leiten könn­ten. Mit diesem Gedanken hat sich in einer Neujahrsansprache als Doyen des diplomatischen Korps in Paris der spanisch« Botschafter Mar­quis del Muni beschäftigt. Der Botschafter rührte u. a. aus:In der ganzen Welt hat die Diplomatie die Aufgabe, Konflikte beizulegen And zu verhindern. Ich bin sicher, dah sie fort­fahren wird, ihre Pflichten zu erfüllen in treuer, gewissenhafter Arbeitsleistung und nach den Grundsätzen der internationalen Gerechtigkeit. Uber welcher Aufwand an Intelligenz und Willenskraft, an Beharrlichkeit, Geduld, Takt ,und Zurückhaltung ist dazu erforderlich! Und täglich wachsen für die diplomatische Arbeit di« Schwierigkeiten, weil unaufhörlich neue Ele- inente im öffentlichen Leben der Nation an die Oberfläche drängen, nicht nur in ihren inneren Angelegenheiten, sondern auch im Rahmen der internationalen Beziehungen. . . . Die Diplo­matie hat sich den Forderungen und den Formen der neuen Lebensverhältnisse apasien müsien, um den gesteigerten Interessen, deren Wahr­nehmung ihr anvertraut ist, Gerechtigkeit wider­fahren zu lasten. Dabei ist ihre vornehmste Aufgabe, den Frieden zu erhalten und in den Realitäten der Geschichte, in den Rechtsgaran- tien, nicht aber innerhalb der ungesunden Ee- dankengänge utopistischer Politiker die Formel des wahren Friedens:bei sittliche Friede" zu suck-cn und zu finden." Die Worte des Bot­schafters werden durch die Ereigniste der letzten Jahre vollinhaltlich bestätigt. Weder der spanisch-amerikanische Krieg, mebet der südafri­kanische Krieg, noch der Kampf zwischen Ruh­land und Japan find durch das verhindert wor- den, was Marquis del Muni die Forderungen des modernen Lebens nannte. Soweit in den letzten Jahre» der Ausbruch kriegerischer Kon-

63 (Nachdruck verboten.)

Was zufamrrrengefirgt.

Roman von H. Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Unten in der großen Halle stand Bernhard mit seinem Bruder Ernst. Renate verabschiedete sich von Bernhard mit einem herzlichen Hände­druck und ging dann weiter zur Gesellschaft zurück. Ernst blieb an ihrer Seite. Aus den Festräumen klang Musik und Eläserklinge». Renate hätte sich am liebsten zurückgezogen, doch sah sie ein, daß sie sich den Gästen widmen mutzte. Zn einem stillen Nebenzimmer blieb plötzlich Ernst Trautmann vor Renate stehen.

Wollen Sie mir einige Augenblicke Gehör schenken, liebe Renate?"

Renate seufzte leise. Was kommen mutzte, fam. Sie lietz sich in einen Sestel nieder und bat ihn böslich, Platz zu nehmen.

Er fühlte sich durch ihre Ruhe irritiert, nahm sich aber zusammen.

Teure Rennte, Sie mästen schon feit langem wissen, wie lieb ich sie habe! Der heutige Tag weckt all mein Hoffen und Wünschen von neuem. Ich sehne mich danach, ein liebes Weib heimzu- führcn, wie mein Bruder. Viele schöne Worte Hann ich nicht machen, liebe Renate. Deshalb will ich mich kurz fasten werden Sie mein Weid' Es wäre jetzt ein schöner Augenblick, Ansere Verlobung zu verkünden."

Renate hatte bewegungslos zugehört. Nun sah sie ihn mit ernsten Augen an.

R »Ich hab« Ihnen nie Veranlassung gegeben, sia; Hoffnungen auf meine Hand zu machen, "5*** ®rnft. Im Gegenteil, so viel ich konnte, dr» ich Ihn«» ausgewichen, weil ich empfand,

flikte verhindert werden konnte, wurde er ver­hindert vielmehr durch die Arbeit der Regie­rungen als durch die der Nationen. Dieser An­sicht pflichtet auch der PariserTemps" bei und er fügt hinzu:Dasselbe gilt von einem Kriege zwischen Rutzland und England, den die Ka­nonade von Hüll hätte entfesseln können, das gilt von einem deutsch-französischen Kriege, der gelegentlich der Casablanca-Angelegenheit zu befürchten war, und das gilt eben so sehr von einem Kriege zwischen Rutzland und Oesterreich- Ungarn, der im Beginn der letzten orientalischen Krise so wahrscheinlich war." Mit Recht gibt der Temps" auch den leise andeutenden Bemer­kungen des spanischen Botschafters über die neuen Elemente, die im öffentlichen Leben der Nationen auch im Rahmen ihrer internationa­len Beziehungen eine Rolle spielen, die gebüh­rende aktuelle Beziehung. Er erinnert an die Gefährdung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Spanien durch die revo­lutionären Ereignisse in Barcelona und die Wirkungen, die diese Vorgänge, vor allem die Erschiessung Ferrers, in den breiten Massen der französischen, namentlich der Pariser Bevölke­rung ausgelöst haben. Zweifellos greifen die Parteikämpfe mit ihren verbitternden und ver­hetzenden Erscheinungen neuerdings mehr und mehr auch auf das internationale Gebiet über, und die Aufgabe der Diplomatte ist in dem Matze eine ernstere und verantwortlichere ge­worden, wie die Patteileidenschaft innerhalb der einzelnen Nationen, das Machtbewusstsein und die Anmassung der einzelnen Parteiführer gewachsen und die nationale Abgeschlossenheit infolge der Ausgestaltung der intellektuellen und der materiellen Beziehungen von Land zu Land durchbrochen ist. Wenn es der Diplomatie ttotzdem gelingt, die Gefahren der so vermehrten Risiken abzuwenden, so verdient sie wahrhaft den Vorwurf nicht, daß sie keine Existenzberech­tigung habe.

Politische Umschau.

Recht so, Herr Dr. Breitscheid.

DasFreie Wott', die neue Zeitschrift des Dr. Breiischeid, teilt mit, daß dieserzunächst' gegen z: ei Demokraten anläßlich der im Bruder­zwist der Demokratischen Vereinigung gefallenen Beleidigungen Klage erheben werde. Das ist ja schrecklich, schrecklich! Ja, ja:. Sogar Herr Dr. Breitscheid, das Haupt der die Gerichte hastenden Demokraten, hat eben eingesehen, daß man, wenn die Schmutzwerserei zu groß wird, am besten vor die ttchtige Schmiede geht, um sich mit den Dingen nicht weiter persönlich zu befassen! Bei der Herum­zankerei hat doch immer der das letzte Wott, wer diekühnste' Phantasie und daskühnste" Mund­wett hat, und außerdem führ« das alles zu nichts, ist sinn- und zwecklos! Ein kräftiges Urteil be­weist mehr als spaltenlangc Herumrederei. Recht so, Herr Dr. Breitscheid! Man tut den Leuten, die mit so üblen Mitteln kämpfen, wie es Person, liche Anzapfungen und Beleidigungen sind, zu viel Ehre an, wenn man sich selbst mit ihnen beschäs-

dah unser« Wünsche auseinandergingen. Ich hätte Ihnen diese Szene gern erspart, glauben Sie mir, es ist mir schmerzlich. Sie abzuweisen. Aber ich kann nicht anders. Mei» Herz gehört einem anderen, ich meine, das hätte Ihnen schon Bernhard verraten. Sie werden doch nicht eine Frau heiraten wollen, die ihr Herz an einen anderen Mann verschenkt hat!"

Trotzdem, Renate. Ich weiß durch Ihren Bater um Ihre aussichtslose Liebe. Ich würde versuchen. Sie davon zu heile» und trotzdem Ihr Herz zu gewinnen. Ihr Vater billigt meine Werbung, ich bin ihm als Schwiegersohn will­kommen. Renate weisen Sie mich nicht ab, ich will alles tun, Sie glücklich zu machen."

Als er ihren Vater erwähnte, leuchtet« es düster in Renates Augen auf. Um ihre Lippen zuckte ein herber Zug. Sie erhob sich.

Rein nein. Bitte sparen Sie jedes wei­tere Wott! Quälen Sie sich und mich nicht län­ger! Ich werde nie einen anderen Mann hei­raten, als den ich liebe."

Er hatte sich ebenfalls erhoben.

Ist das Ihr letztes Wort, Renate?"

Mein letjtes."

Dann gestatten Sie, dass ich mich sogleich von Ihnen verabschiede, ich möchte den nächsten Zug noch benützen, um heimzukehren. Meine Patien­ten warten. Bitte, sagen Sie meinen Eltern, daß ich abgereift bin und empfehlen Sie mich Ihrem Herrn Vater."

Renate neigte stumm das Haupt und Ernft ging schnell hinaus. Sie atmete tief auf und setzte sich wieder in ihren Sessel, um einige Mi­nuten ungestört ihren Gedanken nachhängen zu können. Gleich darauf trat jedoch ihr Pater ein. , .

tiflt. Wir befinden uns völlig mit Ihnen in Ueber- eiustinimung!

Ausland.

** Eine Rede Asquiths. London, 7. Ian. In einer Red« in Bath sagte Premierminister Asquith gestern Abend, datz alle Anstrengungen, die gemacht worden seien, um Schrecken wegen Deutschland und dessen Marine heraufzube- schwören, recht matt ausgefallen sind. Balfour schilderte in Hanley mit gewohnter Naivetät die Zunahme dieser Furcht, ohne jedoch selbst die Verantwortung zu übernehmen. Was die Be­hauptungen Balfours betreffend di« Meinung der Diplomaten der kleineren Mächte über die Unvermeidlichkeit eines Krieges betreffe, fei es sehr vorsichtig von Balfour gewesen, hinzuzu­fügen, datz er diesen Ansichten nicht zustimme. Warum betonte er dies? Er Asquith versichere ohne Bedenken, datz, soweit er unterrichtet sei, keine solche übereinstimmende Meinung unter den europäischen Staatsmännern und Diplo­maten herrsche. Nicht eine einzige Macht, weder eine grosse noch kleine, rechne in ihrer Politik mit der Annahme, dass ein Krieg zwischen Erotz- bitannien und Deutschland unvermeidlich oder auch nur wahrscheinlich sei. Auch könne et nirgends am politischen Horizont etwas finden, das direft oder indirekt zu einem Streite zwi­schen England und einer grossen befreundeten Nation Anlass geben könnte. Asquith kam dann auf Balfours Behauptung zu sprechen, Deutsche nicht Männer der Regierung, aber Leute an der Spitze bedeutender Unternehmungen hät­ten gesagt: glaubt ihr, dah wir je zulassen wer­den. dass England die Tarifreform annimmt? Wenn wirklich, fuhr Asquith fort, solch« Unter« Haltungen mit Balfour selbst stattgefunden ha­ben, so ist es seltsam, dass sein Sinn für Humor so völlig eingeschlafen sein sollt«, datz er nicht be­merkt batte, dass seine deutschen Freunde ihm «inen Bären aufbanden. Warum sollte die öffentliche Meinung der beiden Länder, die eifrig und aufrichtig bestrebt seien, ein besseres gegen­seitiges Verstehen zustande zu bringen, dadurch erregt werden, datz ein hervorragender Staats­mann öffentlich aller Welt Kenntnis von alber­nen Drohungen gab, die sie im Scherz oder Ernst getan, nicht wert waren, auch nur einen Augen­blick betrachtet zu werden. Offenbar wird di« Furcht vor Deutschland erregt zu Wahlzwecken. Die Regierung tat aber wirksame Schritte, der neuen Lage zu begegnen, nicht an irgend einem Sinne der Feindseligkeit, sondern zur Aufrechter­haltung unserer eigenen, tatsächlichen Supe- riorität.

** Die Stärke der englischen Landarmee. Die Gesamtzahl der Offiziere und Mannschaften des englischen Heeres ist im letzten Jahre etwas gewachsen. Während sie im Jahre 1909 nur 583 205 Mann betrug, ist sie jetzt rund 590 000 Köpfe stark. Trotzdem aber hat sie noch lange nicht den frühren Stand erreicht, da sie vor fünf Jahren beinahe rund 650 000 Mann stark war. Sie hat also immer noch rund 60 000 Köpfe we­niger als im Jahre 1905. Die Reserven haben dagegen an Zahl verhälnismStzig statt zuge-

Du hier, Renate? Und so allein? Amüsierst Du Dich nicht, Kind?"

Ich habe mich eben nur von Mary und Bernhard verabschiedet. Sie sind fort, Papa, und lassen Dich nochmals herzlich grüßen."

Er setzte sich zu ihr. Ein« leichte Rührung flog über sein Gesicht. , t ,

Nun ist unser lieber Blondkopf fort und wir beiden sind allein. Renate. Wi' lange wird es dauern, dann verlässt auch Du mich für Immer!

Sie sah ihn mit ernsten Augen an.

Das hast Du nicht zu fürchten, Papa. Ich bleibe bei Dir. Uebrigens läßt sich Dir auch Ernst Trautmann empfehlen, er ist abgereist."

Coulmann sah sie betroffen an.Abgereist?"

Ja."

,Unb und hat er mit Dir gesprochen?

Ihr Gesicht tötete sich und die Stirn zog sich wie im Schmerz zusammen.

Du meinst, ob er mit gesagt hat, datz et mich zur Frau begehtt, auch wenn ich ihm nut die Hand ohne mein Herz reichen will? Ja, Papa, bas hat er mir gesagt."

Und Du hast ihn abgewiesen?

Ja, Papa. Wundert Dich das?

Er wich ihrem Blick aus.Kind, er ist doch ein so prächtiger Mensch."

Sie lächelt« bitter.Ihm redest Du das Wort, trotzdem Du wissen muht, datz ihm mein Vermögen mehr Hauptsache ist, als meine Per­son. Und den anderen dem mein ganzes Herz gehört, hast Du verttieben und in meinen Augen babutdj verächtlich zu machen gesucht, datz Du ihm nichtige Berechnung zum Vorwurf machtest, die seinem reinen stolzen Sinn so fern liegt, ferner jedenfalls, al, diesem Ernst Traut- mann,"

nommen. Sie sind jetzt mit rund 138 000 Knöpfen anzusetzen, während sie im Vorjahre 1909 nur 136 000 Mann betrugen und im Jahre 1906 nut rund 100 000. Di« Territorialarmee ist 21100( Mann stark . Gegen das Jahr 1909 ist also ein« Vermehrung nicht eingetreten, oder vielmehr di« Vermehrung ist nicht nennenswert zu nennen, da die Stärke bet Territorialarmee int Jahr« 1909 210 096 Mann betrug.

* Griechenland. Athen, 6. Jan. In der De­putiertenkammer brachte der Finanzminister eine Gesetzesvorlage ein, nach welcher die Regierung zur Aufnahme von zwei Anleihen ermächtigt »wird. Die eine Anleihe im Betrage von 150 Millionen Drachmen ist für Eisenbahnbauten bestimmt, die andere Anleihe soll zur Besei- ttgung des Zwangskurses dienen.

Marburg und Umgegend.

lRachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg.' gestattet.)

Marburg, 8. Jan.

)( Regiments-Jubiläum. Das Kaiserin Augusta-Regiment in Berlin begeht am 3. Mai sein Regiments-Jubiläum. Für die Tetlnehmet find Fahrpreisermäßigungen vorgesehen

* Appell der Feldzugskameraden von 1870 71, Der Vorstand des Kurhesflschen Kriegerbunde« schreibt uns: Die 40jährige Wiederkehr der gro- tzen Zeit von 1870/71 soll in diesem Iahte fest- lich begangen werden. An dieser Feier, welche vornehmlich in einem Kommers ober in einet Vorstellung im Königlichen Hoftheater am Vor. abend des Tages, am Festtage selbst in einem Zuge durch einzelne Strahev der Stgdt nach dem Friedrichsplatze, einem Feldgottesdienst auf dem­selben und in einem daran anschließenden Ap­pell in gemeinschaftlichen Festessen in verschie­denen Lokalitäten usw. bestehen soll, können all diejenigen Feldzugskameraden, gleichviel wel- chem Armeekorps sie angehört haben, teilnehmen, welche sich im Besitze der Kriegsdenkmünze von 1870/71 ob von Stahl oder aus Eeschützbronce befinden und im Regierungsbezirk Cassel wohnen, sowie solche, welche in hessischen Regi­mentern den Feldzug mitgemacht haben. Al« Zeitpunkt für die Feier ist der Monat August in Aussicht genommen. Da um diese Zeit unser Allerhöchster Kriegsherr, Se. Majestät der Kai- f«r auf Wilhelrnshöh« anwesend sein werden, wird beabsichtigt, Höchstdenselben um die Gnade zu bitten, den Appell der Kriegsveteranen ab­halten und damit den alten Soldaten eine hohe Ehre und Freude bereiten ?u wollen. Im Falle der gnädigen Gewährung dieser Bitte, um welche rechtzeitig Nachzucht werden wird, würde die Besttmr.Mig des Tages des Festes, «in Sonntag, 6r. Majestät anheim gegeben wer. den müssen. _ .

Kriegerbegräz.Zsse. Die Trauerparade, bei Beerdigung von Mitgliedern deutlet Mi- litärveteine, insbesondere aber von Feldzugs­teilnehmern sind von nun ab nach den bestehen­den Rönnen der Armee geregelt worden, in® zwar wird der Leichenkondukt (Geweqt- ober Fahnenzug) still nach dem Trauerhause gesicht^ Im selben Moment, wo bte Leich« aus dem

ng.

LFotsetzung folgt.) '

Coulmann war aufgesprungen uiü> starrt, sie an.Renate!" ref er fast drohend.

Sie sah ihn ruhig und furchtlos an.Ja, Papa - einmal muss ich Dir das sagen, Du hast nicht gut gehandelt an mir und hast Dich durch Deinen Hatz auf Michael Rodenfels zur Ungerechtigkeit gegen feinen Sohn verleiten lassen. Ich we'.tz, dah Du Georg Rodenfels durch irgendwelchen Zwang von nut getrieben hast Du schobst ihm verächtliche Motive unter, ummeine Lieb« zu ihm in Verachtung zu man= beln. Aber ich habe weder Dir noch ihm selbst geglaubt. Gott mag wissen, wie schwer es ihm geworden ist. sich in meinen Augen selbst zu er­niedrigen. Ach - nut höher ist er mit gestie­gen denn ich glaube an ihn aßem jum Trotz. - Dass ich mich Deinem Willen fugen muh, weih ich - Dein Hatz ist stärker, als die Liebe zu Deinem Kinde, und stark muh auch Deine Macht sein, da sich Georg ihr so kampflos gefugt hat. Du kannst mich ihm auch ferner verwei­gern, aber nie wirst Du erreichen, dah ich einem anderen Manne angehöre."

Sie hatte das alles in leidenschaftslosem, ruhigem Tone gesagt, ihn mit ihren ernsten Augen fest anblickend. Aber gerade diese Ruhe und Selbstbeherrschung wirtte überzeugend. Fritz Coulmann sah mit einem Male datz Paula Hardenberg schärfer gesehen hatte, als er selbst. Renates äuherliche Ruhe und Ergebenheit war nur Schein gewesen. Im Innern warf sie sich zu seiner Richterin auf. !

Auch et blieb beherrscht. Von drinnen klang eine lockende Walzermelodie, fröhliche Stimmen schallten herüber. Coulmanns Stirne Ijatte sich getötet, seine Augen blickten zornig n«W