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und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

M 6

Sie(Ykerhesstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonnabend, 8. Januar 1910.

Die JmsertionSgebübr beträgt Mr die 7gegoltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. Druck und Berlag: Joh. Aua. Koch, UnioersitätSbuchdruckerek, Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt21. Telephon 55.

45. Jahrg. '

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 2.

Bestellungen

für das erste Quartal ISIS auf dieOb er hessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi- tim» (Markt 21), unseren Ausgabestelle« in Kirchhain, Neustadt, Wetter, EbS- darf. Hachborn, HeSkem-MSll«, Lei» denhosen und Drelhausen sowie von allen Postanstalten und Landbriestrstgern entgegenge­nommen.

Die Weltpolitik des deutschen Reiches.

Es ist eine charakteristische Erscheinung unseres öffentlichen Lebens^ daß das Interesse, an der auswärtigen Politik in immer weiteren Kreisen um sich greift. Um eine auswärtige Politik großen Stils auf die Dauer mit Erfolg betreiben zu können, ist es nötig, daß das ganze Volk hinter ihr steht und sich für sie begeistert. Zu diesem Zwecke muß das Verständnis für Sachen der auswärtigen Politik in immer weitere Kreise getragen werden, und es ist eine genaue und weitverbreitete Kenntnis der Be­ziehungen Deutschlands zu den einzelnen aus­wärtigen Staaten von erheblicher Wichtigkeit. Es werden bei dieser Gelegenheit auch die Reibungsflächen der einzelnen Staaten unter­einander bekannt, und es wird zugleich in immer weitere Kreise des Volkes das Verständ­nis dafür getragen werden, welche große Tat es ist, daß der Kaiser mit seiner Regierung unent­wegt die Politik des Friedens, verfolgen und Site oder, wo das nicht angängig war, doch nette Beziehungen zu den Weltmächten auf­recht erhalten, auf die es uns in erster Linie ankommt. Zu diesen gehören vor allem die Ver­einigten Staaten von Amerika. Eie stehen augenblicklich im Brennpunkt unseres Interesses, weil unser Handelsabkommen mit ihnen in naher Zukunft ablaufen wird. Was die Ver­einigten Staaten selbst anlangt, so wäre es wünschenswert, wenn möglichst viele Politiker, die sich mit amerikanischen Fragen beschäftigen, auch einmal die Weltkonstellation von dem anderen Ufer des Atlantischen Ozeans aus be­trachten können. Sie werden dabei zu der Er­kenntnis kommen, daß die sogenannte ameri­kanische Gefahr, soweit es sich um die Vereinig­ten Staaten handelt, stark übertrieben wird. Dies trifft ebenso für die landwirtschaftliche, wie für die industrielle Produktion zu. Einmal ist schon jetzt die Ausdehnung des jungfräulichen Ackerbodens in der Union stark zusammenge­schrumpft und an vielen Stellen infolge des Raubbausystems die Verwendung künstlicher Düngemittel, insbesondere des deutschen Kalis, notwendig geworden, so daß Tausende von Kolonisten alljährlich von dort nach Kanada

(Nachdruck verboten.)

W«s Gott zitsammeugefngl.

Roman von H. Tourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Paula wollte mit Eva noch einige Wochen nach der Hochzeit bleiben, damit Renate nach Marys Abreise nicht so allein war. Die Familie Dallert kam öfters von Leukersdorf herüber, als allen angenehm war, man war nicht mehr in der Stimmung, sich über diese Menschen zu amü­sieren. Gleichwohl hatte man sie zur Hochzeit laden müssen und Bernhard versicherte Mary lachend, daß Hilly Dallert alles in Grund und Boden singen würde. Melanie war entschieden etwas pikiert gewesen über Marys Verlobung mit Bernhard Trautmanm Zur Strafe sprach sie nicht mehr mit ihm über ihreKunst".

Die Einladung zur Hochzeit hatte versöhn­lichere Stimmungen ausgelöst und die Schwe­stern Dallert taten nun sehr geheimnisvoll. Sie planten allerlei glänzende Veranstaltungen zur Freude des Brautpaares und der Gäste. Mary fäwor, es existiere noch heimlich ein drittes Genie in der Familie Dallert, das ihr am Hoch­zeitstage gewiß mit einem selbftverfaßten Fest- sprel unter die Augen gehen würde. Dieser Ge- danke entlockte selbst Renate ein Lachen. Sie war überhaupt in diesen Tagen etwas angereg­ter und beteiligte sich lebhaft an den Vorbe­reitungen.

Am Vorabend der Hochzeit kamen die beiden «u«n Trautmanns mit ihren Söhnen und noch !** Menge Hochzeitsgäste. Ernst Trautmann al»V.?)1 von Renates Seite. Sie begegnet y*. kühler Gelassenheit, macht gar keinen «rfsch mehr, ihm a»«zuweiche«. Er «ar ihr

auswandern, um besseres Ackerland aufzusuchen. Sodann beginnt die Emanzipation der Arbeiter, für die ja in den Vereinigten Staaten in bezug auf Versicherung und andere soziale Fürsorge noch gar nichts geschehen ist, eine immer bedroh­licher erscheinende Form anzunehmen, während der in jedem Jahre Hunderte von Millionen Dollars verschlingende Kolonialbesitz der Phi­lippinen und die unerwünscht kräftige Vermehr­ung der einheimischen Reger und Mulatten, ebenfalls zu schwerer Sorge Anlaß geben. Schon durch die ungeheure Zunahme der jetzt über 80 Millionen betragenden Gesamtbevölkerung und den dadurch sich steigernden Konsum ist da­für gesorgt, daß die amerikanischen Bäume nicht in den Himmel wachsen und uns nicht über­schatten werden. Akut ist die Frage der Regel­ung unserer wirtschaftlichen Beziehungen durch die Tatsache geworden, daß es uns bis jetzt noch nicht gelungen ist, einen neuen Handelsvertrag oder ein Handelsabkommen mit der Union abzu- fchließen oder doch wenigstens den Präsidenten zum Erlaß der oben erwähnten Proklamation zu veranlassen. Bekanntlich nehmen wir den Amerikanern jährlich mehr als doppelt so viel Waare ab, als sie uns liefern. Die Amerikaner scheinen also auf den ersten Blick ein viel größeres Interesse an dem Zustandekommen eines Handelsvertrages zu haben als wir. In­dessen haben im Senat zu Washington die Ver­treter der großen Trusts, welche das Prinzip der Absperrung des inneren anmerikanischen Mark­tes vertreten, die Oberhand, und die an Zahl eigentlich überlegenen Produzenten des Westens, die sich den deutschen Markt, der immer auf­nahmefähiger wird, erhalten möchten, scheinen noch nicht stark genug vertreten zu sein, um ihre Ansichten durchzusetzen. Glücklicherweise kann aber der Präsident die Proklamation ohne Befragung des Senats aus eigener Machtvoll­kommenheit erlassen.

Eine der Grundregeln der Diplomatie ist nun zwar die: mit gegebenen Größen zu rechnen und nur das Erreichbare zu erstreben. Gerade hierin unterscheidet sich eben die Diplomatie vom Privat- und vom Parteileben, wo man ost be­müht ist, die vorhandenen Faktoren in einem für sich günstigen Sinne zu ändern und nach dem Unerreichbaren zu trachten, um sich dann hinter­her etwa mit der Hälfte oder gar mit einem Viertel zu begnügen. Im vorliegenden Falle haben wir den starken Trumpf in der Hand, daß wir, abgesehen vielleicht von Baumwolle, Mais und Schmalz, fast alle Produkte von anderen Ländern als von den Vereinigten Staaten von Amerika beziehen könnten, und diese Beweis­führung wird auch auf die Amerikaner, die als geübte Pokerspieler uns gerne durch Bluffen imponieren möchten, nicht ohne Wirkung bleiben. Aber so oft wir auch bei unseren Verhandlungen sein müssen, so verhängnisvoll wäre es doch, wenn wir selbst alles versuchten, um eine Ver­ständigung möglich zu machen.

Die Römer pflegten bei febet schwierigen Rechtsfrage, zu sagen: cni bono, d. h. wer hat den Vorteil davon? Wendet man dieses Prinzip auf die Gegenwart an, so ist ohne weiteres klar, daß die Engländer als größtes

grenzenlos gleichgültig geworden und seine Wer­bung fürchtete sie nicht mehr, da Mary und Bern­hard nun vereint waren und nicht mehr dar­unter zu leiden hatten, wenn sie Ernst einen Korb geben mußte. Sie ahnt« nicht, daß er und auch ihr Vater ihre stille Gelassenheit falsch deu­teten und Hoffnung daraus schöpften.

Der große Gartensaal war für die kirchliche Feier würdig geschmückt worden. Der aufge­baute neue Altar, mit schönen Stickereien und Spitzen geschmückt und mit Myrtenzweigen de­koriert, war rings von Blattpflanzen umgeben. Die Rückwand des Altars war mit weißem Sammet bespannt, von dem sich ein gestickter Spruch wirkungsvoll abhob.

Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden."

Renate mußte während der Trauung immer­fort auf diesen Spruch sehen. Wie gebannt hing ihr Auge daran. Und dann sah sie zu ihrem Vater hinüber. Er lauschte mit ernstem, beweg­tem Gesicht der Predigt. Ob er diesen Spruch sah ob er ihn nicht wie ein stiller Vorwurf traf? Sie krampfte die Hände zusammen und ihre Gedanken flohen hinaus auf das weite Meer, rote heimatlose Vögel.

Mary war eine liebliche Braut. Zum ersten Male trugen die Schwestern nicht dasselbe Kleid. Das langschleppende Kostüm mit dem duftigen, wallenden Schleier hüllte die junge Braut wie in eine weiße Wolke. Das Glück leuchtete rein und klar von ihrer weißen Stirn.

Bernhard Trautmann war heute ernster stiller als sonst. In seinen Augen lag eine tiefe' innige Zärtlichkeit, wenn er auf Marys gold^ schimmerndes Köpfchen herabsah. Vor der Trau­ung hatte er mit Eoulmann eine lange Unter­redung gehabt. Die Herren kam« danach aber

Handelsvolk und daneben die Franzosen, die Belgier und die Holländer einen ihnen in den Schoß fallenden Gewinn aus unserem etwaigen wirtschaftlichen Kampfe mit den Vereinigten Staaten erlaßen müßten. Denn diese würden nicht nur genötigt fein, ihre früher direkt nach Deutschland gehenden Waren anderweitig unter­zubringen, sondern auch unseren Schiffen solche Schwierigkeiten bereiten können, daß ihr Ver­kehr mit amerikanischen Häfen so gut wie unmöglich werden würde. Freilich, viele Pro­dukte würden nach wie vor bei uns abgesetzt werden müssen, und ohne jede Möglichkeit, sich einen teilweisen Ersatz zu schaffen, wären unsere Reedereien auch nicht. So weit sich bis jetzt die Sachlage überblicken läßt, ist aber anzunehmen, daß der Präsident vor dem 31. März 1910 die erforderliche Proklamation erlassen und der Zollkrieg mit Deutschland vermieden wird.

Im rein politischen Eesichswinkel betrachtet, muß jedenfalls die Pflege guter Beziehungen zu den Vereinigten Staaten eine der vornehmsten Aufgaben unserer Diplomatie bilden, weil sie jetzt die einzige Macht sind, mit der vereint wir überall in der Welt unsere Interessen zur Geltung bringen können.

Politische Umschau.

Auch Balfour hetzt.

Balfour äußerte sich gestern in Hanley in einer Rede über Englands Seemachtstellung und erklärte: Ich bin ein großer Bewunderer Deutschlands, dem die Welt großen Dank schuldet für seine Arbeiten auf wissenschaftlichen Gebieten. Wir haben in manchen Beziehungen viel von Deutschland zu lernen, besonders die Art, wie es den Tatsachen die Stirn bietet. Wenn man die Staatsmänner und Diplomaten kleinerer Mächte beftagt, so wird man durchweg die Meinung hören, daß ein Zusammenstoß zwischen uns und Deutschland früher oder später unvermeidlich sei. Ich stimme ihrer Ansicht nicht zu, aber es ist ihre Meinung, und sie sind zu dem Schluß gekommen, daß nichts uns auf- rütteln könne, unsere Lage zu erkennen, und daß es deshalb unser Schicksal sei, in einem großen Kampfe zu unterliegen. Was die Veranlassung zu diesem Kampfe geben werde, könne niemand voraussehen bei einem Lande, welches den Tat­sachen ins Auge blickt, wenig spricht und viel handelt. So wett ist die geringschätzige An­schauung von der Kraft und Mannhaftigkeit Englands gegangen, daß ich Deutsche nicht Männer der Regierung, aber Leute an der Spitze bedeutender Unternehmungen kennen gelernt habe, die tatsächlich sagten: Glaubt ihr, daß wir je zulassen werden, daß England eine Tarifreform annimmt? Ich glaube, daß alle diese Propheten erkennen roeiben, daß sie sich, im Irrtum befinden. Aber während ich Ihnen ein Warnungszeichen in Form auswärtiger Krittken gebe, lassen Sie mich darauf Hinweisen, daß innerhalb von vier Jahren, wenn wir uns nicht eifrig rühren, England in eine so gefahr­volle Lage geraten wird, wie sie seit Eenera- tionen nicht dagewesen ist. Ich glaube nicht, daß es zum Kriege zwischen England und irgend

mit ernsten, bewegten Gesichtern wieder zum Vorschein und Bernhard zog Mary innig und fest in seine Arme, mit ernster Zärtlichkeit in ihr schönes Gesicht blickend.

Run waren sie fürs Leben verbunden. Der ernsten Feier folgte die fröhliche. Bei der Fest­tafel wurde manch volles Glas auf das Wohl des jungen Paares getrunken. Run kamen auch die Damen Dallert zu Worte, zwar nicht, wie Mary gefürchtet hatte, mit einem selbstverfaßten Festgedicht, aber doch in überraschender Weise.

Melanie kam in einem weißen, griechischen Kostüm mit blauem Mantel und lorbeerge­schmücktem Haupt auf das etwas fassungslose Brautpaar zu. Sie erklärte in etwas holprigen Versen, sie sei die hehre Kunst und vom Olymp gesandt, das Leben des Brautpaares zu ver­schönern. Im Arm hielt sie dabei einen ver­hüllten Gegenstand, den sie zum Schluß ihrer Rede mit dramattscher Geste enthüllte. Bern­hard stieß einen dumpfen Laut aus und Mary bekam einen roten Kopf. Der enthüllte Gegen­stand war eines von Melanies Spinatbildern in prunkvollem geschmacklosen Eoldrahmen. Und von diesem Bild behaupteten Melanies Verse, daß es der Kunst im neuen Heim des jungen Paares Tür und Tor öffnen sollte! Bernhard nahm das Gemälde gesenkten Hauptes in Emp­fang und küßte derKunst" die Hand. Sie rauschte huldvoll lächelnd hinaus, stolz, daß ihr Vortrag und ihre Gabe das Brautpaar so tief bewegt hatte.

Kaum hatte sich Bernhard leidlich von dem Schreck erholt, als Hilly Dallert als fefche Tirolerin hereingejodelt kam und in allerlei Schnadahüpferln die Tugenden des jungen Paares besang. Rach jedem Vers folgte ein schriller Juchzer. Ihre Darbietung flotte wenig­

einer grcgc ; rnnben Macht kommen wird, aber ich bitte Sie, sich dann zu erinnern, daß der ab­solut einzige Weg, auf dem man den Friede« zu sichern vermag, der ist, daß wir gesichert pich, wenn ein Ätieg ausbricht.

Dänische Frechheit.

Das Hauptorgan der gegenwärtigen radikale« Regierung Dänemarks, das Kopenhagener Blatt Politiken', schreibt zu den letzten Maßnahmen der Verwaltungsbehörden in Nordschleswig (Verwei­gerung von Niederlassungserlaubnis und Auswei- sung von Ausländern) gegenüber der dänische« Agitatwn:

Diesen Bestrebungen kann nicht, wie entspre­chenden Angriffen auf Optanten und Optanten­kinder odergemachte Optanten', eine formelle Be­rechtigung (!!) abgesprochen werden, aber sie stehen in scharfem Gegensatz (!!) zu der Politik, welch« die Optantenkonvenllon hervorrief. Das ist eint bewußte Beunruhigung (??) der Grenzbevölker- ung, unter Benutzung der Untertanenverhältnisse. Unter dem Druck der Agitation des Deutschen Ver­eins (??) handeln die Landräte und Oberpräst- benten b. Bülow in Reaktion gegen die Politik, für welche der Oberpräsident 1907 ein so warmer und wohlberedter Vettreter war.'

Dazu bemerkt dieSonderburger Zeitung':

Bevor das dnäische Regierungsblatt sich ent­rüstete, sollte es lieber dafür Sorge tragen, daß die Unterstützung aufhört, welche die illoyale Agitation in Nordschleswig von Seiten weiter Kreise des dänischen Volkes trotz des OptantenverttageS immer noch zuteil wird; gerade dadurch wird die Grenzbevölkerung seit Jahren am meisten beun­ruhigt und gehindert, sich mit den bestehenden Ver­hältnissen abzufinden. Gegen Anmaßungen ober, welche darauf hinmsgehen, daß die preu­ßische Regierung nicht mehr Herr im eigenen Lande sein, und vom Buslande bergekoinmene, das ihnen gewähtte Gastrecht schnöde mißbrauchend« Fttedensstörer nicht Über die Grenze zurückbeför- bem sollte, kann nicht energisch genug Front ge­macht werden. Wenn diese Angelegenheit etwa im preußischen Landtag zur Sprache gebracht wer- 1 den sollte und das wird hoffentlich geschehen, ' so wird das Kopenhagener Regierungsblatt sicher­lich vom Ministerttsch eine unzweideuttge Antwort erhalten.'

* Deutsches Reich.

vom Kaiser. Berlin, 6. Jan. Der Kaiser nahm heute Vormittag im hiesigen königlichen Schlosse die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinetts entgegen.

Der Parstoal-Ballon. Bitterfeld, 6. Jan. Heute Mittag um 12 llhr 40 Minuten unter­nahm der BallonP 3" seinen ersten dies­jährigen Ausstieg zwecks Abnahme durch die Militär-Verwaltung. Führer war Oberleut­nant Stelling. Außerdem befanden sich in der Gondel die Vertreter der Militär-Verwaltung Oberst Messing^ die Majore Groß, Sperling und de la Roi, Oberingenieur Bafenach. Major

stens dey, Erfolg, daß die Stimmung an der Fest­tafel munter wurde. Hie und da wurde ein Juchzer laut man wollte probieren, ob es auch so herrlich gelang, wie bei Hilly Dahlert. Mama und Papa Dallert strahlten vor elterlichem Stolz. Frau Sally bekam einen beängstigend roten Kopf vor Wonne und ihr violettes, reich­lich dekolletiertes Damastkleid krachte in allen Nähten, weil es zu eng war und das Aufblähen feiner Besitzerin nicht vertragen konnte.

Ernst Trautmann hatte sich den Platz an Renates Seite gesichert und Coulmamm blickte ost verstohlen zu den beiden hinüber. Er ver­mochte aber in Renates stillem. Gesicht nichts zu ; lesen. Leise fragte er Paula Hardenberg, Die entschieden die vornehmste Erscheinung an fo?r : Tafel war, ob sie nicht meine, daß Renate ur.d Ernst Trautmann ein hübsches Paar gebet würden.

Paula sah hinüber und ihr Blick traf mit. dem Renates zusammen. Dann blickte sie Ernst Trautmann nachdenklich an. Als Arzt war et unbedingt tüchtig und vettrauenerweckend, das wußte sie. Ob er als Mensch die Eigenschaften besaß, Renate glücklich zu machen, bezweifelte sie, trotzdem er ein hübscher, stattlicher Mann war. Sie antwortete ausweichend auf Coulmanns Frage.

Als nach bet Tafel das Brautpaar heimlich aufbrach, schlüpfte Renate hinaus, um von Mary Abschied zu nehmen. Lange hielten sich di« Schwestern wottlos umschlungen und küßten sich innig. Dann ritz sich Renate los. ;

Alles Glück der Welt mit Dir, meine liebe, golden« Mary," flüsterte sie mit unsicherer Stimme und eilte hinaus aus Marys Zimmer.

. . (Fortsetzung folgt.) ;

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