mit dem Kreis blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«
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Dw „Gderhesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sona- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellrn und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag, 7. Januar 1910.
Die Jnsertionsgebiihr beträgt für die 7gespalten« Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen »0 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei. Inhaber Dr. C. Hitzeroth. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
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für das erste Quartal ISIS auf die „Oberhefsische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi- tio« (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, EbS- d»rf. Hachborn, HeSkem Mölln, Lei- de n h ofen und Drei Hausen sowie von allen Postanstattrn und LandbrieftrSgern entgegenge- wfemnttn.
Ciois germanus sum?
Die „Tägl. .undsch.", die unter dieser Spitz- marke neulich das auswärtige Amt wegen feiner tadelnswerten Haltung im Fall Hatz scharf angegriffen faitte, bringt heute neues Material Men diese Behörde. Sie entnimmt der „Rh.- Westf. Ztg.« folgenden Fall:
„Eine westfälische EutzstaHlfabrik, die bedeutende Geschäftsverbindungen mit Frankreich •x'x r??' uns *n längeren Ausführungen uutte-.lt, brs vor einem halben Jahre hinsichtlich o^7,?Erzollung a» der französischen Grenze keine Anstande gehabt. Seit etwa sechs Monaten nehmen die Scherereien mit der französischen Zollbehörde kein Ende. In vielen Fällen wird, entgegen dervom französischen Konsulat in Düsseldorf bestätigten Rechnung, die Ware einfach hoher eingeschätzt. Außer den höheren Zoll- satzen waren noch Zollstrafen zu zahlen. Die betreffende Fabrik wandte sich nun an das Auswärtige Amt mit der Bitte, daß künftig derartigen Zollichikanen nach Möglichkeit vorgebeugt werde. Das Auswärtige Amt gab darauf folgenden salomonischen Rat'
. Der kaiserliche Botschafter in Pari» ist angewiesen, ^hre auf Sendungen vom 2. August «September h. I, bezügliche Beschwerde gleichfalls bei der französischen Regierung zur Sprache zu bringen. Zur Vermeidung weiterer llnzutraglichkeiten dürste es sich empfehlen, et- lvarge für Frankreich bestimmte neue Sendungen gleicher Art einzustellen (!), bis französischerseits eine endgültige Entscheidung darüber getroffen A, E Ihre Waren zu deklarieren find. Weitere Mitteilung bleibt ergebenst vorbehalten.
Unterzeichnet ist dieses Schriftstück von dem Direktor der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes Wirst. Geh. Leg.-Rat Dr.
Das Blatt entnii.rmt ferner dem Buche-
„Briefe aus Kleinasien" von P. Schönewolf »erlßjt von Edwin Runge in Erotz-Lichterfelde' interessante Bemerkungen über die Art der deutschen Interessenvertretung im Ausland In
Briefe aus Eski Schehir, Kleinasien, Bagdad-Bahn, heißt es da:
„Aber alles, was sie, (die Amerikaner) tun, K unbekümmerte, gesunde, siegreiche ?.rt- ?ei uns Deutschen ist die Reflexion und die Grübelei (so scheint mir) auch in die Politik hineingekrochen. Wir kommen vor lauter lleber- legung nicht zur Tat! Wir erwägen hin und her was wohl dieser, was wohl jener sagen könnte' wenn wir dreies oder jenes tun. Wir begrün- 58 "
(Nachdruck verboten.)
Was Gott Msammettkiefügl —.
Raman von H. Lourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Paula war erschüttert. So stark und «rost 5a.t ^tefe ^ebe, daß Renate von ihr über alle kleinlichen Gedanken weggetragen wurde. Sie glaste nicht an Georgs Niedrigkeit, trotz allem' — War es denn dann nicht viel besser man sirgte ihr die Wahrheit? Warum sie länger quälen, sie langer in Zweifel lassen? War es nicht strich von den beiden Männern sie in Ungewißheit zu lassen? ' ' un'
Paula nahm sich vor. offen über alles an ®efr9 3“ ichreiben und ihn zu bitten Renate auszuklaren. Auch mit Eaulmann wollte sie noch
Zudringlich sprechen, ihn biL/diestm haltlosen Zustand ein Ende zu machen
Noch denselben Abend schrieb sie an Georg, und i^m offen Renates Seelenzusta^
und bat ihn, ein Ende zu machen, sonst sei für sie die 3U fürchten. Je eher
doriib^ Wahrheit erführe, je eher käme sie ielbs? „?r!nT8-t besten sei es, er käme °m * rotoe r« --
3)1^ Brief sollte jedoch lange nicht in Ge- Langen Durch Zufall lief sein Vries rn dem Hafen an, wo ihn dieser reicht-Erriete, und nach langen Irrwegen er-
"ach vielen Monaten. Paula frmw iLtl6«9e Wochen auf Antwort und fragte fafa »J&Lan’ "b er ihren Brief erhalten
. «rüber gingen wieder Wochen hi« und
den das mtt hundert Dingen und schreiben schöne Berichte, halten diplomatische gute Reden — währenddessen hatten die Engländer und Amerikaner uns auf eine tatenfrische Weise an di« Wand gÄrückt. nut lächelnd über diese gedankenblassen guten Deutschen, und den Vorbeil in die Tasche gesteckt. Man könnte es hundertfach belegen. Der beschränkte Laienverstand wünscht unserer Diplomatie mehr Rückgrat und eine stolze Energie. Der geringste Bürger genießt im Ausland Englands königlichen Schutz, über die bureaukratische Aengstlichkeit unserer deutschen Konsulate hört man täglich klagen.... Recht wie kleine Männchen verschanzen wir uns brillenbewehrt hinter Aktenbündeln: Ihr solltet nut sehen, wie etwa dei englische Konsul in Konia waltet, ruhig, vornehm, sieghaft — unbefangen. stolz und zäh.".....Die englische
Kultur ist uns doch nur teilweise über: aber alle Tüchtigkeit und Anstrengung des einzelnen wird im Ausland wieder gehemmt und gebremst durch die Eiertanztaktik unserer Diplomatie. Man spürt gelegentlich einen ohnmächtigen Erimm."
Wir geben die Ausführungen wieder, weil wir auch der Ansicht sind, daß die Vertretung unserer Interessen und der Interessen Deutscher im Auslande nicht immer mit der nötigen Energie verfochten werden. Diese Dinge zur Sprache zu bringen, erscheint als Pflicht und hat hoffentlich für die Zukunft den gewünschten Erfolg. Wir sollten soweit fein, daß es niemand wagen sollte, einem Deutschen draußen Unrecht zu tun — aus Respekt vor dem Schutz« des Reiches, der verfassungsgemätz jedem zu- steht. Dafür bauen wir unsere Flotte und geben Millionen jährlich für eine starke Kriegsmacht aus. Das stolz« Wort des Römers „Civia Romanus sum" sich bin römischer Bürger), das ihm alle Tore draußen öffnete und ihn vor jedem Angriff schützte, sollte auch für uns Geltung haben. Das Wort „Ich bin ein deutscher Bürger" sollte genügen, um ausländische Chi- kanen unmöglich zu machen. Dazu ist aber nötig, daß unsere Vertretung im Ausland die Interessen des Einzelnen möglichst gut zu wahren versteht.
Politische Umschau.
Die chinesische Marinestudienkommission in Berlin.
Berlin, ss. Jan. Der Kaiser empftng heute Nachmittag um 1 Uhr im königlichen Schlosse in Anwesenheit des Kronprinzen, der Prinzen August Wilhelm und Oskar, des Reichskanzlers, der meisten Staatsminister und Staatssekretäre sowie anderer hohen Würdenträger die heute früh hier eingettoffene chinesische Marinestudienkommission. Prinz Tsai Hfin hielt an den Kaiser folgende Ansprache:
Im Auftrage meines erlauchten Souveräns bin ich nach Deutschland gekommen, um mich mit den Marineverhältnissen verttaut zu machen. Durch die Gnade Eurer kaiserlichen Majestät bin ich mit außergewöhnlichen Ehren empfangen und von den Offizieren und Beamten Eurer Majestät begrüßt worden. Eure Majestät wollen geruhen, meinen ehrerbietigsten Dank dafür entgegenzunehmen. Der Name der deutschen Marine hat in der ganzen Welt einen guten
bis alles bei den weiten Entfernungen aufgeklärt war, traf dann endlich der Brief bei ihm ein. Paula respektierte Renates Wunsch und sprach nicht mehr mit ihr über ihren Kummer.
Einige Tage später ttaf es sich, daß Paula mit Coulmann allein war. Da brachte sie die Angelegenheit zur Sprache, die ihr Renates wegen auf der Seele lastete. Sie bat ihn herzlich, Renate doch die Wahrheit zu enthüllen.
Er machte ein sehr unbehagliches Gesicht.
„Ich begreife nicht, meine gnädige Frau, wozu die Sache noch einmal aufgerührt werden soll. Es ist ja alles in schönster Ordnung Renate ist vernünfttg und wird bald die ganze Angelegenheit vergessen haben. Ich hoffe sehr, daß zu Marys Hochzeit die letzte Sput ihres Trübsinns verfliegt und sie einem alten, treuen Bewerber ihr Jawort gibt. Ich meine Dr. Ernst Trautmann. Er ist ein tüchtiger, kluger Mensch und wird Renate glücklich machen."
„Ich fürchte. Sie geben sich da trügerffchen Hoffnungen hin. Renate ist keine von den Frauen, die mtt der Liebe zu einem anderen hn Herzen vor den Altar treten."
Er wehrte ab. „Aber meine liebe gnädige Frau, ich mutz immer wieder sagen, Sie nehmen die Sache zu tragisch. So eine erste Mädchenliebe ist wie Märzenschnee. Renate ist viel verständiger, als Sie glauben. Sie hat sich damit abgefunden und ich sehe nicht ein, weshalb ich sie jetzt von neuem aufregen soll mtt dieser Eröffnung."
Paula schüttelte den Kopf. „Renat« ist nicht so ruhig, als sie scheint. Lassen Cie sich warnen. Wir Frauen verstehen einander besser. Fotze« Sie meinem Rat, Herr Coulmann. Cie wisse«.
Klang und die vorzüglichen Leistungen der deutschen Werften sind allgemein bekannt. Daher gereicht es mir zur ganz besonderen Freude, aus eigener Anschauung Deutschlands Fortschritt auf maritimem Gebiet kennen zu lernen. Es erfüllt mich dann der lebhafte Wunsch, daß die freundschaftlichen Beziehungen unserer beiden Länder immer enger werden und stets nur Liebe und Eintracht herrschen mögen. Hiermit verbinde ich die Hoffnung, datz Eurer Majestät noch viele Jahre einer glücklichen Regierung beschie- den sein mögen.
Der Kaiser antwortete:
Eurer kaiserlichen Hoheit danke ich für Ihre freundschaftlichen Worte und für die guten Wünsch«, die Sie für meine Person zum Ausdruck gebracht haben. Es hat mich mit lebhafter Genugtuung erfüllt, daß Sein« Majestät der Kaiser von China Eure kaiserliche Hoheit an der Spitz« einer Kommission hoher Würdenträger zum Studium der europäischen Marineverhältnisse auch nach Deutschland entsandt hat, und ich habe befohlen, die Erfüllung der Aufgaben der Kommission in jeder Weise zu erleichtern. Bei der hohen Einsicht Eurer kaiserlichen Hoheit zweifle ich nicht, daß Sie unsere Einrichtungen und Leistungen zu würdigen wissen, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß Sie unter dem, was Sie sehen werden, manches finden mögen, was Ihnen von Interesse und der Beachtung wett erscheint. Ueberzeugt. daß auch Eurer kaiserlichen Hoheit Besuch dazu beitragen wird, die zwischen China und dem Deutschen Reiche bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu fördern und zu festtzen. heiß« ich Eure kaiserliche Hoheit und Ihre Begleiter in unserer Mitte von Herzen willkommen.
Dem Empfange der chinesischen Studienkommission im königlichen Schlosse wohnte auch Dr. Krupp von Bohlen bei.
Berlin, 5. Jan. Prinz Tsai Hfin stattete heute abend dem Reichskanzler einen Besuch ab: er hatte dazu das ihm verliehene Eroßkreuz des Roten Adlerordens mit Kette angelegt. Sodann begab sich der Prinz zum Diner beim Staatssekretär Staatsminister v. Tirpitz.
Abg. Dr. Potthoff
hat sein Amt als Syndikus des Deuffchen Werk- meistververbandes nicht ganz freiwillig niedergelegt. Er hatte in der „Wettmeister-Ztg." den Vofftand des Verbandes selbst aufs heftigste angegriffen. Diese Angriffe wurden als völlig wahr- heitswidttg in der »Deuffchen Gruben- u. Fabrik- beamten-Zeitung" bezeichnet und der AufsichtS- rat des Verbandes hat dem Anttag auf Entlassung des Dr. Potthoff in seiner Mehrheit zuge- ftimrnt. Bei der Abstimmung über den Anttag im Zenttalvofftanke des Verbandes ergab sich Stimmengleichheit. Daraufhin hat Dr. Potthoff sein Amt als Syndikus des Deuffchen Werkmeisterverbandes „freiwillig" niedergelegt.
Die nationalliberale Kandidatur in Eisenach.
Der Führer des Nattoualliberalen im Eisenacher Kreise, Dr. Appelius, veröffentlicht eine Darlegung der Vorgänge bei der Aufstellung des national« liberalen Kandidaten. Er teilt mit, daß diese Aufstellung in einer gemeinsamen Sitzung der Pattei-
wi« lieb ich Renate habe. Ich möchte ihr zu innerem Fireden verhelfen."
Coulmann runzelte die Stirn. Die Sache war ihm sehr peinlich. Das Thema berührte er am liebsten gar nicht mehr. Er glaubte es damit au» der Welt zu schaffen. Diese Fran Professor war ja eine liebe, charmante Dame und seinen Töchtern stand sie wirklich sehr nahe. Aber warum quälte sie ihn immer wieder mit dieser Bitte? Sie verlangte von ihm, er sollte Renate sagen: „Du bist nicht meine Tochter und Georg Rodenfels ist Dein Bruder." Dieses Verlangen konnte und wollte et nicht erfüllen, um so weniger, als er sich einredete, daß Renate ohnedies von ihrer Schwärmerei für Rodenfels kuriert sei. Sie hätte eingesehen, daß er recht hatte, daß Rodenfels nur nach ihrem Vermögen getrachtet. Sie würde ihm dankbar fein, wenn sie erst Ernst Trautmanns Frau war, datz et sie vor diesem Bündnis bewahrte. Er richtete sich straff auf.
„Kurz und gut, Frau Professor, ich will es nicht. Nehmen Sie mir meine Weigerung nicht übel, ich habe wichtige Gründe dafür. Sie sind eine so kluge und taktvolle Frau und ich weiß, Sie haben meine Mädels lieb. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Renate gibt viel auf Ihre Ansicht. Bitte, wenden Sie Aren ganzen Gin» Sutz auf, um Renat« zu überzeugen, daß es für ► das beste ist, wenn sie Trautmanns Werbung annimmt. Ich habe mtt ihm gesprochen, er ist ein sehr vernünftiger Mensch und wird alles tun, Renate glücklich zu macken. Anläßlich der Hochzett Mary» wird er feine Werbung not» bringen. Tun Cie, was Äe können, sie feinen Wünschen geneigt 6« machen. Da» bchr Heil-
Vorstände der Ratisnallibcralcn und der Freisinnigen erfolgt fei. Der nationalliberale Kandidat Krug habe erklärt, daß er Mitglied des Bundes der Landwitte sei und nicht auszutreten gedeilke. Di« Mitglieder des freisinnigen Parteivorstaudes hätten trotzdem der Kandidaiur zugestimmt; sie hätten sich nur die Zustimmung der Vertrauensmänner Vorbehalten, aber diese für sicher gehalten. Deswegen hätten sie mit den Nationalliberalen Verein- bart, sofort in den Zeitungen bekanntzugeben, daß die Einigung der Liberalen auf den Landwirt Krug zustande gekoiumcn fei. In völliger Harmonie sei man auseinander gegangen. Da hat« plötzlich der Vofftand der freisinnigen Partei eine Vereinsversamnffung einberufen, und diese hab« einstimmig, also einschließlich der Vorstandsmitglieder die KandidaMr Krug verworfen. Das sei umso auffälliger, als di« Mitglieder des freisinnigen Vorstandes den Nationallieberalen nicht di« geringfte Mitteilung von ihrer Sinnesänderung gemacht hätten. Dr. Appelius erklärt es für eine unerfüllbare Zumutung, daß die National- liberalen jetzt noch auf dtt, Kandidatur verzichten u»id nochmals mit den Freisinnigen verhandeln sollten. — Inzwischen scheinen nun andere Erwägungen die Oberhand bekommen zu haben. Die Nationalliberalen scheinen sich in der Tat haben terrorisieren zu lassen. Wie eine Nachricht aus Eisenach meldet, ist der bisherige nationalliberale Kandidat, Gutsbesitzer Krug, von seiner Kandidatur zurückgetreten; an seiner Stelle wurde von einer statt besuchten Vertrauensmänner Versammlung Justizrat Appelius einstimmig aufgestellt. Nachdem man vorher erflärt hatte, daß nur die Ausstellung eines Landwirtes als Kandidaten Aussicht auf Erfolg im Wahlkreise habe, weshalb man Krug aufstellte, dürfte dieses Rachgeben gegenüber dem Radikalismus einen Erfolg wohl nicht haben. '
Deutsches Reich.
— Born Kaiser. Berlin, 5. Jan. Der Kaiser folgte heute abend einer Einladung des Ministers des Innern zum Diner, zu dem auch die hier anwesenden Oberpräsidenten geladen waren. Di« chinesische Sonderkommission, welche bis heute mittag 3 Uhr beim Kaiser verweilte, ist, wie bereits gemeldet, heute abend zum Diner beim Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz geladen.
— Eröffnung des Landtags. Berlin, 5. Jan. Amtlich wird bekannt gegeben, daß der Kaiser die Eröffnung des Landtages am 11. Januar, mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des Königl. Schlosses selbst vollziehen will.
— Zum Fall Haß. Berlin, 5. Jan. Die „Rordd. Allg. Zig." crtlärt zum Fall Rudolf Hatz, daß das Auswärtige Ami, das schon lange Zweifel an der geistigen Gesundheit von Haß infolge einer Zuschrift von ihm, die ungewöhnliche Vorwürfe und schwere Beleidigungen enthielt, eine gutachtliche ärztliche Aeußerung über dessen Geisteszustand etnforberte. Das Ergebnis ging dahin, daß Haß an typischem Querulanteuwahnsiun leide und als
mittel gegen eine unglückliche Liebe ist eine glückliche Ehe."
Paula seufzt« leise. „Ich fürchte, dieser Wunsch wird sich Ihnen höchstens dann erfüllen, wenn Renate die Wahrheit erfährt. D< ich alles tun werde, was ich kann, brauche ich Ihnen nicht erst zu versichern. Erfolg verspreche ich mir aber nicht. Ich fürchte, Sie verrechnen sich in dieser. Hinsicht!"
Coulmann küßte ihr artig die Hand. „Wenn ich Ihrer Beihilfe sicher bin, fürchte ich nichts mehr," sagte et warm.
Weihnachten verlief still und friedlich. Durch Evas Kinderjubel tzm sogar eine frohe Stimmung auf. Das lebhafte Kind hatte für alle eine Gabe. Paula bekam am Weihnachtstag eine" Brief von Georg, der ihr von Dresden nachgeschickt worden war. Er sandte ihr schon feine Glückwünsche fürs neue Jahr, dankte ihr für ihre Briefe und bat sie wettet um ausführliche Berichte, da diese das einzige seien, ihn auf dem Laufenden zu erhalten. Aus feinen Zeilen klang eine schmerzliche Resignation. Renates Namen erwähnte et gar nicht mehr.
Das »erriet Paula mehr, als tausend Klagen. Wie traurig wat das alles. Wie beneidenswert wat da ihr eigenes Schicksal gegen das dieser beiden jungen Menschen. Sie hatte doch wenigstens einige Iahte reinen, vollen Glück» genossen ehe ihr der Tod den Gatten raubte!
Die Vorbereitungen zu Marys Hochzeit, bte am zweiten Januar stattfinden sollte, waren in vollem Gange und brachten viel Unruhe und hkrbeU, > *u
IForsetzung folgt). •