Einzelbild herunterladen
 

WchM NN

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

Jti. 3

Die ..«derhesstschr S-ikmg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bez u a i preis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfein Zeitung-stellen und der Spedition (Markt 21F 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 5. Januar 1910.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UaioersitätSbuchdruckere« Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Bestellungen

für daS erste Quartal 1910 aus dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Exstedi» As« (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt, Wetter, CM« " d»rs, Hachborn, HeSkem Mölln, Sei« »«»chafe n und Drethaufen sowie von allen .... Postanstalten und Landbriestrigern entgegenge» uommen.

Alls der Nachweisung der Rechnungs- E Ergebnisse der Versichernngsanstalten.

Dem Reichstag ist zur Kenntnisnahme zuge­gangen eine vsm Reichsversicherungsamt auf­gestellte Nachweisung über dir Geschäfts- und Rechnungsergebnisse der auf Grund des In­validenversicherungsgesetzes errichteten Ver- stcherungsanstalten und zugelassenen Kassenein- - richtungen für das Jahr 1908. Danach ist der durchschnittliche Jahresbetrag der reichsgesetz­lichen Renten der Kasienetnrichtungen wieder nicht unbeträchtlich höher, als der der Renten der Versicherungsanstalten: es hat das haupt­sächlich darin seinen Grund, daß die bet Kasien- ein richtungen versicherten Personen meist Beträge der höchsten Lohnklaffen verwenden.

Bezüglich der Verteilung der sämtlichen zugegangenen Renten nach dem Alter der Ren­tenberechtigten zur Zeit der Rentenbewilligung zeigt sich, wie der Schwerpunkt der Rentenbe­willigungen bei den Invalidenrenten auf die Alter 55 bis 69 Jahre, bei den Krankenrenten auf die Alter 25 bis 59 Jahre und bei den Altersrenten naturgemäß auf das siebzigste Lebensjahr fällt.

Die Zahlungen für Krankenrenten sind im Jahre 1908 gegen das Vorjahr um rund 200 000 M zurückgegangen, die Zahlungen für Altersrenten um rund 1000 000 M Der Zu­wachs der Rentenzahlungen des Jahres 1908 gegen 1907 kommt also ganz auf die Invaliden­renten nach § 15 des Gesetzes.

Für das Heilverfahren sind von den Ver­sicherungsanstalten im abgelaufenen Jahre 16 667 076,35 -st, von den Kaffeneinrichtungen 1227 370,25 -st, zusammen 17 894 446,60 -st auf­gewendet worden. An Zuschüffen zu den Kosten des Heilverfahrens von Krankenkaffen, von Trägern der Unfallversicherung, oder von an­derer Seite sind zugefloffen den Versicherungs­anstalten insgesamt 4 132 328,50 -st und den Kaffeneinrichtungen 519 562,92 -st, zusammen 4 651 891,42 -st, und zwar sind hieran die Krankenkaffen am meisten, nämlich mit 4 265 005,71 -st, beteiligt, danach folgen die Zu- schüffevon anderer Seite" mit 369566,75 -st, so daß sich die Zuschüsse von Trägern der Unfall­versicherung auf nur 17 318,96 --st belaufen.

Die Unterstützungen an Angehörige der in Heilbehandlung genommenen Versicherten haben

56 (Nachdruck verboten.)

Was Gott zukammengefSgl>.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Am Tage vor der Abreise hatte sie noch eine Unterredung mit Toulmann.

Meinen Sie nicht, lieber Herr Toulmann, daß es Lesser wäre, wenn Renate die volle Wahrheit erführe?" fragte sie ernst.

Toulmann wehrte erschrocken ab.Nein, um keinen Preis, Frau Professor. Renate soll nie erfahren, was ich Herrn von Rodenfels sagte, um ihn von der Erfolglosigkeit seiner Werbung zu überzeugen."

Selbstverständlich ist Ihr Wille maßgebend, aber ich meine, Renate würde leichter darüber hinwegkommen, wüßte sie die Wahrheit."

Sie wird auch ohnedies zur Verminst kommen, und mit dieser Sache fertig werdens Tine neue, glückliche Neigung ist die beste Medizin gegen solche Liebesschmerzen."

Ich will hoffen und wünschen, daß Sie recht Lc halten. Wir Frauen empfinden anders als die Männer. Für Renate muß es meiner An­sicht nach viel bitterer sein, Rodenfels verachten zu müssen, als in ihm den Bruder zu sehen. Das habe ich auch Herrn von Rodenfels geschrieben."

Ich bitte Sie, gnädige Frau, sehen Sie die Sache nicht tragischer an, wie sie ist. An solch einer aussichtslosen Neigung geht so leicht nie­mand zu Grunde. Renate ist noch so jung was kann und wird ihr das Leben noch bietenl Glauben Sie mir, heut in einem Jahr ist sie ngft damit fertig."

Paul« teilte diese Hoffnung nicht. Hätte

bet den Versicherungsanstalten 1374121,81 -st und bei den Kaffeneinrichtungen 196 597,66 -st, zusammen 1570 719,47 -st, betragen: davon kommen 102 219,32 -st auf die Unterstützung von Angehörigen solcher Perficherten, die der reich»- oder landesgesetzlichen KrankenfLrsorge nicht unterlagen.

Die außerordentlichen Leistungen haben bet den VeGcherungsanstatten 950 439,94 -st be­tragen. Seit dem 1. April 1901 unterliegen gemäß Bundesratsbeschluß vom 21. Februar 1901 polnische Arbeiter russischer und öster­reichischer Staatsangehörigkeit, welchen der Aufenthalt im Jnlande nur für eine bestimmte Dauer behördlich qestattet ist, und welche nach Ablauf dieser Zeit in das Ausland zurückkehren müssen, der Versicherungspflicht nach dem Jn- validenversicherungsgesetze nicht, sofern sie in inländische« land- und forstwirtschaftlichen Be­trieben, oder in deren Nebenbetrieben be­schäftigt werd-n. Die von den Arbeitgebern solcher Arbeiter gezahlten Beträge haben sich im Jahre 1908 auf 644 375,83 M für 7 524 886 Wochen belaufen.

Politische Umschau.

Naumann alS Politiker

ist bei allen Patteien heute eine feststehende. Größe*; er wird überall so ziemlich gleich beur­teilt und zwar ungünstig. In der kürzlich erschie­nenen dritten Auflage seinerGeistigen und sozi­alen Sttömungen im 19. Jahrhundert* schließt sich der bekannte Pädagoge Professor Theobald Zieg­ler (nebenbei Ziegler ist gewiß nicht konser­vativ) dem an, indem er über die Persönlichkeit Naumanns und seine schädliche politische Arbeit schreibt:Naumann selbst ist es nach wiederholten Vergeblichen Versuchen bei den Reichstagswahlen von 1907 endlich gelungen, als Vertreter eines süd­deutschen Wahlkreises in den Reichstag zu kommen. Hier in der Werktagsarbeit der Poliüker hat er aber allgemein enttäuscht; wohl hört man seinen formvollendeten Reden gerne zu; aber weder im Plenum noch in Kommissionen hat er irgend et­was geleistet, seine Reden sind keine Taten und eS folgen ihnen keine Taten nach. Und auch darin läßt er alles echt Staatsmännische vermissen, daß er nicht wie Bisnrarck auf neuen und immer neuen Wegen unbeirrt dem einen klargedachten und fest- gewollten Ziele zusttebt; sondern wenn das eine scheitert, wofür er sich'eingesetzt hat, so gibt er auf, was er eben noch gewollt hat und wendet sich mit seinem phantasiereichen Kopf neuen Zielen und neuen Utopien zu. Gerade er durfte sich niemals auf den Block einlassen: er hat es dennoch getan, hat ihn aber sofort gefährdet und schließlich rui­niert, indem er als erster die Konservaüven durch das Aufwerfen der Wahlrechtsfrage in Preußen gegen den neuen Bundesgenossen mißtrauisch machte. So hat er etwas vom großenHeerver­derber" an sich, wie Gallas im Wallenstein. Dieses Unstaatsmännische aber zeigt, daß er, so seltsam

Renate geweint und gejammert, ihren Schmerz ausgetobt, dann wäre vielleicht Coulmanns Hoffnung berechttgt gewesen. Aber in ihrem stillen, klaglosen Leid lag etwas trostloses Er­gebenes, zugleich jedoch eine Beständigkeit, die erschütternd wirkte.

Auch zu Paula war Renate nicht mehr wie früher. Zwar danfte sie ihr für ihre Güte und Sorge, war auch liebevoll und herzlich, soweit es in ihrem still gewordenen Wesen lag. Aber Paula fühlte doch irgend ein Winkel ihrer Seele war auch ihr verschlossen. Hebet Georg sprach sie auch mit ihr jetzt nie.

Einmal hatte es Paula versucht, nach Renates Genesung, mit ihr über Georg zu sprechen. Da hatte Renate ihre Hand auf Paulas Arm gelegt und sie mit großen starren Augen angesehen.

Nicht von ihm reden ich kann nicht auch mit Ihnen nicht bitte, schweigen Sie und nennen Sie mir seinen Namen nicht."

Ihre Worte waren ausdruckslos gewesen, wie ihr Blick. Aber Paula fühlte, daß sich da­hinter etwas barg, was auch sie nicht verstehen konnte. Sie schrieb an Georg, daß Renate krank gewesen war eine Erkältung und nun mit Coulmann und Mary für einige Zeit nach dem Süden gehen wollte. Sie sprach gegen ihn die Hoffnung aus, daß Renate durch diese Reise ab- gelentt werden würde, obwohl sie selbst nicht daran glaubte. Jedenfalls wollte ste ihm das Herz nicht schwerer machen, als es ohnehin schon fein würde.

Sie erhielt auch von Georg noch ein Schrei­ben, in dem er ihr die Route seine» Schiffe» mitteilte und ihr innig dafür dankte daß sie sich Renaten» so gütig angenommen hatte. Von sich selbst unb seinem Seelenzustand erwähnte er J

das klingen mag, überhaupt kein Politiker ist; frei- lich auch kein Agitator gewöhnlichen Schlag-; sondern er ist Aesthet, der sich unglücklicherweise in die Polstik verirrt hat und sie durch dieses Aesthettkem des Machtgedankens anderen ebenso unpoliüschen Menschen scheinbar mundgerecht macht, in Wirklichkeit aber nicht nur nichts aus- richtet, sondern vielfach positiv schadet."

Deutsches Reich.

Senatspräfident a. D. v. Bülow t- Der Senatspräfldent beim Reichsgericht Frhr. v. Bü­low, der sich seit dem 1. Nov. 1909 im Ruhestand befindet, ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Abg. Potthoff. Berlin, 3. Jan. Der Reichs­tagsabgeordnete Dr. Potthoff hat sein Amt als Syndikus des Deutschen Werkmeisterverbandes niedergelegt.

Bom Postankunstsstempel. Stuttgart, 8. Jan. DerStaatsanzeiger* schreibt: Laut einer Ver­fügung der Generaldirektton der Posten und Tele- graphen vom 28. Dez. sind vom 1. Jan. 1910 ab die Einschreib- und EUbriefe wieder mit dem An­kunftsstempel zu bedrucken.

M 8". Berlin, 8. Jan. Das Mllttärlust- schiffM 8' wurde heute vormittag durch die hier anwesenden Generäle bestchttgt. Major Groß übernahm die Führung. Sodann unternahm M 3* mehrere Aufstiege, an welchen sich verschie- bene der anwesenden Generäle beteiligten.

Sozialdemokratische »Moral«. Berlin, 20. Dez. Kürzlich ist au» der Feder de» hol­ländischen Sozialisten Hermann Gorter ein Buch über denhistorischen Materialismu»" erschienen, zu dessen deutscher Uebersetzung Karl Kautzky das Vorwort geschrieben hat, der gleich­zeitig seine Hebereinftintmung mit den Grund- sätzen de» Verfassers ausspricht. Von diesen Grundsätzen seien einige Proben mitgeteilt: Der Klassenkampf tötet ein gut Teil der 6ttt* lichkeit. Nur innerhalb bet Klasse kann auf den Gebieten des Klassenkampfes noch von irgend­einem sittlichen Gebote die Rede sein; der anderen Klasse gegenüber gilt das höchste sitt­liche Gebot ebensowenig wie dem Feinde gegen­über."Der Arbeiter wird den Unternehmer nicht belügen und betrügen, wo er nur kann. In der Regel wird es feinem Klaffeninteresse entsprechen, ihn nicht zu betrügen. Wo aber das Interesse seiner Klasse die Verletzung der sittlichen Gebote erfordert, wird er sie ver­letzen."Denken wir an einen Bureauange- stellten in einem Ministerium, bet Sozial­demokrat ist. Er bekommt eine Vorlage in die Hände, die seine Klasse bedroht. Er stiehlt sie und läßt sie auf den Redattionstisch desVor­wärts" fliegen. Wir finden feine Tat lobens­wert. Unehrlichkeit gegen die feindliche Klasse fft hier In den Augen der eigenen Klaffe eine Tugend." Kommentar überflüssig l

kein Wort, aber Paula las zwischen den Zeilen, daß ihn die Schwere seine» Unglücks nleder- drückte.

Bis Anfang Dezember war Coulmann mtt feinen Töchtern an der Riviera gewesen. Körperlich hatte sich Renate vollkommen erholt, von ihrem Seelenzustand verriet sie nichts. Sie war ernster und stiller als früher, aber da sie gegen die lebhafte, lustige Mary immer ruhiger gewirft hatte, fiel das nicht so sehr auf.

Coulmann glaubte, daß ste auf dem besten Wege sei, zu vergessen, was hinter thr lag. Mit keinem Wort wurde mehr daran gerührt. Mary verstand die Schwester besser. Vor ihr be­herrschte sich auch Renate vielleicht nicht immer so ganz, als dem Vater gegenüber. Mary wußte, daß Renate» Seelenleid keineswegs ge- milbert war, daß sie es nut vor aller Augen versteckte. Das Verhältnis der Schwestern war in der letzten Zeit noch inniger geworden. Mary umgab Renate mit soviel zarter Liebe und Fürsorge, daß diese oft recht gerührt war. Auch zwischen ihnen wurde Georgs Namen nie erwähnt, aber Mary zürnte ihm mit der ganzen Leidenschaft ihres Naturells, obgleich sie ihn sehr gern gehabt hatte. Wie konnte ein Mann aus so niedrigen Gründen ein Mädchen wie ihre Renate aufgeben l

Auch dem Vater grollte sie heimlich ein wenig. War es nicht hart von ihm, Georg von Rodenfels zu diesem Verzicht zu zwingen, indem er Renate zu enterben drohte? Freilich, wenn dieser Renate wirklich von Herzen geliebt hätte, wäre er von dieser Drohung nicht zurückge­schreckt worden. Mary konnte natürlich kein andere» Urteil fällen weil sie die Verhältnisse nicht überblicken konn«.

Ausland.

** Die ungarische Bankfrage. Budapest, 3. Jan. In Erwiderung der von Mitglieder» der Koffuth-Partei zum Jahreswechsel bärget brachten Glückwünsche erklärte Handelsminister Koffuth, daß bet Gründung einer selbständigen Bank derzeit unüberwindliche Hindernisse ft» Wege stehen. Die Krone hege Mißtrauen gegen die Bestrebungen bet Unabhängigkeitspartei und habe sie daher nach dem Zerfalle der Koali- tton nicht mit der Führung der Regierungsge- schäfte betraut. Die zwei wichtigsten Vorbe­dingungen bet selbständigen Bank, nämlich et» von Oesterreich unabhängiger Geldmarkt und die Aufnahme von Barzahlungen seien beinahe ge­sichert gewesen, da mit französischen Eeldkräften bereits Vereinbarungen getroffen gewesen seien und Aussicht bestanden habe, die Zustimmung der Krone zur Aufnahme der Barzahlungen zu gewinnen. Die Spaltung der Unabhängigkeit», partei vereitelte die» jedoch. In der Opposttto» werde die llnabhängigkeitspariei nicht danach trachten, zu zerstören, sondern das Recht bet Nation zu verteidigen.

Zum Tode de» Großfürsten Michael Niko« lajewitsch. Petersburg, 3. Jan. Heute Marge» traf die Leiche des Großfürsten Michael Nikolajewitsch auf dem Bahnhof ein, vom Kaiserpaar, dem Prinzen Heinrich von Preußen, dem Prinzen Wilhelm von Schweben und bett Mitgliebern der kaiserlichen Familie empfangen. Der Kaiser und bie Großfürsten stellten bett Sarg auf eine mtt sechs Pferden bespannte La- fette, worauf sich bet Trauerzug nach der Peters- Paulkirche in Bewegung setzte. Der Kaiser und die anderen Fürstlichkeiten folgten dem Sarge zu Fuß, miüjrenb die Kaiserin in einer Equipage fuhr. In der Peters-Paulkirche, wo die Leiche aufgebahrt wird, fand eine Totenmesse statt, bet auch das diplomatische Korps beiwohnte. Die Beisetzung erfolgt am 5. Januar.

** Die türkische Flotte. Konstantinopel, 3. Jan. Wie hiesige Blätter melden, beschlossen Offiziere und Mannschaften der ganzen Armee, ihr Gehalt von zwei Monaten in Raten für Flottenzwecke zu stiften. Auch sonst wird in bet Provinz die Subskriptton für die Flotte eifrig betrieben. Der Flottenverein soll in bet näch­sten Zeit dem Schatze als erste Rate 150 000 Pfund zum Ankauf eines Kriegsschiffes überwiesen. Die Regierung cebentt, behufs Wiederaufbaues der Flotte eine innere Anleihe aufzunehmen. Der Eeneralstabschef der Marine trat gestern eine Reise an, um erst den in Genua im Bau befindlichen türkischen Kreuzet unb dann in England einen Dreadnought zu be­sichtigen. Die Notabeln von Drama werden für die Flotte einen Torpedobootszerstöret stiften.

** Das Schiedsgericht abgelehnt. Peking, 2. Jan. Wie Reuter erfährt, hat die chinesische Regierung dem portugiesischen Gesandten eine Note überreicht, in der in aller Form abgelehnt wirb, bie Frage der Abgrenzung Macaos einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Diese Frage könne nur von China und Portugal entschieden werden.

Wie Renate innerlich zu ihrem Vater stand, wußte außer ihr niemand. Scheinbar hatte sich nichts zwischen ihnen geändert und Coulmann konnte mit seinemfolgsamen, verständigen Kind", wie er sie jetzt immer nannte, zufrieden fein. Trotzdem bestand etwas wie eine Ent­fremdung zwischen ihnen, etwas Kühles, Zu­rückhaltendes, da» aber nur von Renate ausging.

Coulmann schien dies nicht zu empfinden. Er überhäufte Renate mit tausend kleinen Liebesbeweisen, um ihr seine Zärtlichkeit zu zeigen. Sie durfte alles nach ihren Wünschen anordnen. Auf ihren Wunsch ging man auch nach der Rückkehr sofort nach Rodenfels. Weih­nachten sollte dort gefeiert werden unb Marys Hochzeit sollte ebenfalls dort stattfinden.

Eines Tages bat Renate ihren Vater, daß sie Frau Professor Hardenberg und die kleine Eva nach Rodenfels einladen dürfe. Er willigte ein, obwohl er einige Bedenken hegte. Paula nahm bie Einladung an. Eva war inzwischen so ganz in bie neuen Verhältnisse hlneinge- wachsen, liebte Mami so zärtlich, daß nicht zu Äm war ihr Aufenthalt In Rodenfel» nachteilige Folgen haben.

Dagegen war es Paula sehr lieb, mit Renate einige Wochen zusammen zu sein. Bei dem kurzen Wiedersehen in Dresden, ehe Conl- manns nach Rodenfels weiter reisten, war ihr Renates Wesen traurig verändert erschienen. Sie sah tiefer als Coulmann ja selbst al» Mary. So traf sie mit Eva In Rodenfel» ein, herzlich begrüßt und willkommen geheißen von allen. Selbst Mamsell Wollmanns Herz schlug der feinen, sttllen Frau in inniger Dankbarkett entgegen und ihre Augen flössen Über, al» fr Eva vor sich fah. (Forsetzung folgt.)