Einzelbild herunterladen
 

w,

Erstes Blatt

.11

(Rachdruck verboten.)

f

alles zu berichten, sammenhang steht. Ihre lieben Hände

45. Jahrg.

Es küßt Ihnen dankbar

Ihr allzeit getreuer Georg Rodenfels.

*

Tage in fieberhafter Un<

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 101.

UNIVERSITÄT^

BIBLIOTHEK .

Politische Umschau.

Eine derbe Abschüttelnng erfährt jetzt dasSiegener Volksblatt" von der Nattonallib. Correfpondenz". Sie schreibt:

Keine persönliche Kampfesweise.

DasSiegener Volksblatt" hat vor einiger Zeit Mitteilungen gebracht, die bei den christlich-sozialen Abgeordneten Burck- hardt und Behrens den Eindruck erweckt haben als ob ihnen ehrenrührig« Borwürfe gemacht würden. Ob diese Auffassung richtig ist und ob jene Mitteilungen überhaupt irgend eine Grundlage haben, wissen wir nicht, wünschen wir auch gar nicht zu wissen. Wir haben von den Ausführungen des Siegener Volksblattes keine Notiz genom­men, weil es uns grundsätzlich widerstrebt, den politischen Kampf durch das Heretnziehen persönlicher Mo­mente vergiften zu lassen und wir nehmen zu dieser Angelegenheit auch setzt nur

Marburg

Sonnabend. 1. Januar 1910.

Deutsches Reich.

Verleihung. Berlin, 30. Dez. DerReichs- anzeiaer« gibt die Verleihung der Rettungs- Medaille am Bande an den Prinzen Heinrich der Niederlande und die Verleihung des Kronenordens erster Klalle an den Reichsbank- präfideten Ravenstein bekannt.

Errichtung einer Volkshochschule. Schles­wig 27 Dez Der Gedanke, in Norburg auf Ulfen eine Volkshochschule zu errichten. durch Eingreifen des Nordschleswioschen Volksboch- schulvereins seiner Verwirklichung entaeaen- gefübrt Im Frühjahr wird mit dem Bau be­gonnen so dost diese deutsche Bildunasstotte im

Bestellungen fttrdaberstrQuartallSlv M» dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Mink! 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebb- darf, Hachbo-n, Heskem-MSlln, Lei- denhofen und Drethausen sowie von allen Postanstaltcu und Landbrtesträgern entgegenge­nommen.

während Eva mit den anderen am etranbe blieb Während Paula wartete, kam der Post­bote und reichte ihr einen Brief. Sie sah .daß er noch ein zweites Schreiben in der Hand hielt, ganz aleich dem ihren also von Georg.

Sie haben da noch einen Brief an Fraulein Renate Eoulmann, nicht wahr?" fragte st« hastig.

Der Bote bejahte.

Dann lasten Sie mir diesen Brref gleich­falls hier die Dame Timmt gleich herunter.

Er legte den Brief auf den Tikch und ent­fernte sich. Paula legte di« Hand auf das Schreiben Da war also die heisteriebnte Antwort. Dann öffnete ste ihren Brief und las, wag ihr Georg geschrieben batte. Tief er­schüttert erfuhr Re nun den wahren Grund zu Georg? Flucht. Inniges Mitleid den beiden jungen Leuten erfüllte ihr Herz. Dann barg sie den Brief in ihrem Kleid In titles Sinnen verloren, starrte sie vor sich hm.. w ohnmächtig ist der Mensch gegen das Schicksal. Sie hatte die Liebe dieser beiden Menschen be­günstigt und gehofft, stch °n ihrem Gluck zu freuen, und nun lag dieses Gluck in Scherben.

Was konnte ste tun. um hier zu Helsen unv zu stützen? Endlich raffte ste stch auf und nahm Renates Brief a, sich. Sie mutzte ihn dem armen lieben Mädchen in ihrem Zimmer geben, vor Unberufenen durfte ste ihn nicht empfangen. \ Langsam stieg sie die Treppe empor, mit schwerem Herzen. Als sie an Renates Dur klopfte, trat ihr diese, zum Ausgehen fertig, entgegen. Mit einem unterdrückten Ausruf nahm ste zitternd den Brief aus Paulas Han» und eilt« ans Fenster, um ihn zu lesen.

(Fortsetzung folgt.- -

Sie mein Evchen. Ich hatte sic im Egoismus meines Schmerzes vergessen, aber ich weih sie bei Ihnen in treuer Hut. Meine Route melde ich Ihnen noch und bitte Sie, mir über was mit Renate im Zu-

<z vl

Die preußisch- WaWattltik.

Im Stat.jtischen Landesamt Preußens sind die Uebersichten über die Ergebnisse der Land­tagswahlen nunmehr fertiggestellt worden. Gleichzeitig ist ein Vergleich mit den Ergeb­nisten früherer Wahlen, namentlich denen von 1903 und 1897, vorgenommen worden. Diese Statistik soll die Unterlag« für die Reform des preußischen Wahlrechts nach der Absicht der Re­gierung bilden. Ergebniste der amtlichen Arbeit sind folgende.

Auf je tausend Einwohner kamen bei der letzten Wahl 206 Wahlberechtigte. Davon wählten 7.87 in der ersten und 28,56 in der zweiten Abteilung, also 17,69 Prozent in den beiden oberen Klasten. Vor 20 Jahren, 1888, wählten nur 14,44 Prozent in diesen beiden Klasten. Die Zahl der Staatsbürger, die in ihnen wählen dürfen, ist also in den zwanzig Jahren um einiges größer geworden. Es gibt 2214 Urwahlbezirke (also fast ein Zehntel der insgesamt 29 028, die es in ganz Preußen gibt), in denen in der ersten, und 95 Bezirke, in denen auch in der zweiten Abteilung nur ein Ur­wähler vorhanden war. Zwei Urwähler bildeten in 1703 Bezirken die erste und in 136 Bezirken die zweit« Abteilung. Auf dem Lande waren solche Ausnahmefälle viel zahlreicher als in den Städten. Man wird rechnen dürfen, daß in rund 3000 Landbezirken nur ein oder zwei Wähler die erst« Klaste bildeten. Im Durch­schnitt kam hingegen ein Wahlmann in der ersten Abteilung auf 6,43 Wähler, in der zweiten auf 22,8, in der dritten auf 138,6.

Die Zuweisung an die einzelnen Abteil­ungen in jedem Urwahlbezirk geschieht bekannt­lich durch Drittelung des Ertrages der dirrtten Steuern, die in ihm aufgebracht werden, unter Hinzurechnung derDreimarksteuer", die für die Nicht-Einkommensteuerpflichttaen angeletzl und nicht erhoben wird. 10,8 Millionen Mark in Anrechnung (3,3 Millionen in den Städten, 7,5 Millionen auf dem Lande). Bon, dielen Wählern wählten 8993 in der ersten, 128709 kn der zweiten Abteilung. Im Osten der

Was Gott zulammertaefiigl.

Roman von H. Eourths-Mahler.

l Fortsetzung.)

Ohne den Brief noch einmal durchzulesen, »ouvertierte er ihn und schickte ihn sofort zur Post, damit er nicht in Versuchung käme, ihn Arückzubehalten. Und dann schrieb er gleich koch an Paula Hardenberg:

Meine teure, verehrte Freundin!

Die Sünde der Väter wird heimgesucht an den Kindern--. Diesen Bibelspruch habe

ich immer sür unsinnig gehalten. Wie kann ein allgütiger Gott die Sünde der Väter an unschuldigen Kindern Heimsuchen? Wäre das nicht ein Zeichen, daß er weder allgütig noch gerecht ist? Und doch habe ich nun wieder an mir selbst erfahren, daß ich büßen muß für eine Sünde meines Vaters ich und Renate. Gegen einen Menschen muß ich mich aus- (prechen, wenn mich bi« Qual nicht ersticken oll. Aber alles, was ich Ihnen hier schreibe, teure Freundin, das müssen Sie als Eeheim- itis bewahren. Ich weiß, daß Sie mein Vertrauen nicht mißbrauchen werden. Warum ich so fluchtähnlich abgereist bin? Cie wisten um meine innige Liebe zu Renate Ich ging zu ihrem Vater und bat ihn um ihr« Hand. So glücklich war ich, so voll Kampfes- fteube und süßer Hoffnung und ein Wort tat alles zerstört, ein Wort, das ich nicht «asten konnte, jetzt noch nicht fasten tarnt. Renate ist meine Schwester! Da steht das Grauenvolle, Furchtbare. Renate ist nicht Herrn Coulrnanns Tochter, sondern das Kind

das Wort, um diesen, unseren Standpunkt wiederholt'zum Ausdruck zu bringen. Wobei' wir keinen Unterschied machen, ob wir das der gegnerischen ober bet eigenen Presse gegenüber betonen müssen.

Das sind treffende Worte, zu denen wir die Correspondenz nur beglückwünschen können. Auch wir haben den häßlick>en Angriffen aus dem Hinterhalt nur deshalb Raum gegeben, um zu zeigen wie gewißeKulturpioniere" in bet, deutschen Presse ihr Unwesen treiben. Unsere Gesetze sind leider in Bezug aus Preßbeleidig- ungen außerordentlich milde, sodaß schon irgend ein Journalist sich einiges leisten kann im persönlichen Beschimpfen und Berdächtigen politischer Gegner, ohne für diesenpolitischen Kampf" so zur Rechenschaft gezogen werden zu, können, wie es der Schwere einer derartigen Verbreitung von halben oder ganzen, versteckten, oder offenen Beleidigungen entspräche.. Seht, zum Schaden der Presse natürlich, es ist doch klar, daß das ruhig und anständig denkende Publikum wenn e5 solche öffentliche Beschimpf, ungen liest, bet Institution der Presse über­haupt derartige Bersehlungen zum Vorwurf, macht. Es sollt« von dem Beleidigten niemals unterlasten werden, derartigen Elementen jedesmal, wo es angeht, von Gerichts wegen meistens' das einzige, was Eindruck macht, ihr«Arbeit" attestieren zu losten. Im übrigen natürlich: nichtbeachten!-Die Angriff« des Sieg. Volksbl.", die dieTagl. Rundschau durchaus eindeutig nennt, sind von 50 Blättern übernommen worden, ein Ten dieser Blätter bat es nicht einmal für notig oehatten die ersten Andeutunaen zu berichten nachdem bereits das Blatt selbst zurückgezogen hatte.

Di« Rationalliberalen «nd die freisinnige Bevormundung.

In der Reichstagsersatzwahl zu Eisenach i'eynren ine .....

den Nationalliberalen ab, weil bet national- liberale Kandidat Krug eingeschriebenes Mit­glied des Bundes der Landwirte wäre. Man stellt« den Nationalliberolen anheim, einen mehr freisinniaen Kandidaten aufzustellen, bet denn auf ihre Wahlhilse rechnen könne. Das rst ja int Grunde recht bescheiden, warum verlangt man nicht einfach einen Freisinniaen als nationalliberalen Kandidaten. Es bleibt abzu­warten ob die Nationalliberalen durch dieses kandinische Joch hindurch gehen werdem

Renat« hatte die ruhe verbracht, obwohl sie sich äußerlich zu beherrschen suchte. Sie nahm freundlichen Anteil an Marys Glück, aber am liebsten saß Sie still bei Paula Hardenberg, dte ihr in diesen chweren Tagen wie eine Mutter war. Coul- mann ließ sie in allem gewähren, zumal er merkte, daß Paula Hardenberg «inen heilsamen Einfluß auf Renate ausübte.

Eines Tages saß Paula im Vorgarten bet Villa. Sie wartet« auf Renate, mit bet sie einen Spaziergang tu den Wald machen wollte.

Monarchie waten drei Urwahlbezirke vorhan­den, in denen selbst der oberste Urwähler der ersten Abteilung ohne jede wirkliche Steuer in die Lifte eingetragen war. Und in insgesamt 2055 Urwahlbezirken (darunter 83 städtisch«) kam die höchste Steuerleistung der ersten Ab­teilung nicht über 20 Mark hinaus. Anderer­seits sind in städtischen Bezirken Steuer leist- ungen von 10 000 bis 30 000 Jt nötig, um nur aus bet brüten Abteilung herauszukommen. In 18 Urwahlbezirken sind über 100 000 M dazu nötig. Und so kann es nicht verwundern, wenn man hört, daß in Berlin manche Millionäre in bet brüten Abteilung zu wählen haben, während, im Osten bet Monarchie in manchen Wahlbezirken nut Dreimarkwähler in bet ersten Abteilung fitzen.

Aus den vorliegenden Zahlen folgert bi« amtliche Statistik, baß für die Mehrheit bet städtischen Urwahlbezirke die zweite Abteilung nicht nur dem besseren Mittelstände, sondern vielfach auch schon dem bescheidenen Mittel­stände, teilweise sogar noch tieferen Schichten offen stehe. In über der Hälfte der städtischen Urwahlbezirke hatten die höchstbesteuerten Wähler der zweiten Klaffe nicht mehr als 6000 bis 6500 Mark Einkommen.

Die Beteiligung an den Wahlen muß als höchst mäßig bezeichnet werden. In der ersten Abteilung wählten nut 53,5, in der zweiten 42,9 Prozent und in der dritten nur 30.2 Pro­zent der Berechtigten. 1898 bis 1903 haben in bet dritten Abteilung sogar nur 15 Prozent und 1903 nur 21 Prozent gewählt. Bei dieser geringen Wahlbeteiligung ist es nicht weiter verwunderlich, daß/6 sämtlicher 443 Abgeord­neten, nämlich 271, mindestens % der Wahl- männerstimmen bet ersten und zweiten Abtei­lung erhielten, und daß nut 16 von diesen 271 Abgeordneten nicht auch die Majorität in bet dritten Abteilung hatten.

meine Zeilen erhält und was Sie tun können, ste von ihrer unseligen Liebe zu heilen, das werden Sie tun. ich weiß es und bitte Sie inständig darum. In einigen Tagen geht unser Schiff wieder in See sobald werde ich Sie nicht Wiedersehen. Viel­leicht wird mir wählet, wenn ich erst nichts als Waffer um mich sehe. Herr Eoulmann darf wissen, daß ich Sie in diese Sache einge- weiht habe, teure Freundin. Vielleicht be­raten Sie mit ihm, was für Renate getan werden kann. Meine Angst und Sorge um sie ist grenzenlos. Mußte das einzige Weib, bas ich lieben konnte, mein« Schwester fein! Leben Sie wohl liebe Freundin. Küffen

gelegeitheit der russischen Krone, indem sie be- haupteten, daß bloß bei freiwilliger Zustim­mung ein Staat den Gerichten eines anderen Staates sich unterordnen könne. Das Gericht in Kiautschou erkannte, gebunden durch eine Ent­scheidung einer höheren Instanz die Rechtmäßig­keit dieses Widerspruches an und entschied zu gunften Hellfelds. Dieser griff zu prozeffualen Maßregeln zur Vollstreckung der Entscheidung, infolgedessen das Berliner Bankhaus Mendels­sohn u. Co. ein Schreiben des Berliner Gerichts übet die Beschlagnahme der rusfischen Wert­papiere erhielt. Die russisch« Regierung ging unverzüglich das Auswärtige Amt in Berlin an und ersucht« dieses dringend, die ihm zu Ge­bote stehenden Mittel anzuwenden, um die Un­antastbarkeit der russischen Fonds zu sichern.

Die russische Botschaft in Berlin erhielt die Antwort des Staatssekretärs des Auswär­tigen Amtes, welcher mitteilte, seine Regierung habe beschlossen, bet abministrativen Justiz bie Frage über bie Eerichtskompetenz vorzulegen. Hierdurch wird die Vollstreckung des gericht­lichen Spruches betreffend die Beschlagnahme der russischen Wertobjekte eingestellt, bis diese Justiz di« Frage prinzipiell entschieden hat, ob den Gerichten das Recht zusteht, Maßregeln zur Beschlagnahm« des Eigentums fremder Staaten zu ergreifen. Berlin, 30. Dez DieNordd.. A. Ztg schreibt: Auf Antrag des Hauptmanns Hellsesb wurde vom Amtsgericht Berlin-Mitt« auf Grund eines Urteils des kaiserlichen Ge­richtes in Tsingtau die Pfändung eines Gut­habens der russischen Regierung bet dem knesi- gen Bankhause Mendelssohn u. Co. verfügt. Tie russische Regierung erhob gegen das von ihr als völkerrechtswidrig angesehene Verfah­ren Beschwerde Von dem Ministerium des Auswärtigen rourbe darauf, wie bereits rrüber in ähnlichen Fällen, gegen den Pfändungsbe- schluß Kompetenzklage bei dem hierfür zustäit- dioen Gerichtshof erhoben. Nebrigens er« klärte sich bie russische Regierung bereit, bie An- fpriiche Hellfelds durch ein Schiedsgericht fest­stellen zu kaffen. - Dies Nachspiel zum russisch- japanischen Kriege ist ja recht ergötzlich.

Di- Jnsertionsgebüdr beträgt für die 7gespalten- Zeile ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und «erlag: Joh. Aug. Koch, llnwersitLtSbachdruckeret Osnhaber Dr. C. H itzer o th, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

DieGbrrhrsstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Die Beschlagnahme rujsis her Slaatsflelder.

Petersburg, 29. Dez. Das offizielle Jn- formattonsbureau veröffentlicht folgendes Kom­munique übet bie Affäre bes DampfersAn- haltt': Am 18. März 1906 brachte bas russische rtegsministerium bei den deutschen Gerichten in Kiautschou bie Forderung auf Rückgabe bes von dem Hauptmann v. Hellfeld in Beschlag genom­menen DampfersAnhalt" und der darauf be­findlichen bet Krone gehörigen Fracht ein. v. Hellfeld antwortete mit einer Gegenklage, in der er ungefähr drei Millionen Mark for­derte gemäß einem zwischen ihm und dem rus­sischen Militäragenten in Tientsin, Obersten Ogoronidkow abgeschloffenen Vertrag auf An­kauf von Geschützen. Die Affäre wurde meh­rere Jahre vor den deutschen Gerichten in China verhandelt und ist bis heute noch nicht völlig beendet. Schließlich setzte die russische Regie­rung die Rückgabe der äußerst wertvollen Fracht durch, doch verblieb bet Dampfer bis jetzt in den Händen des Agenten von Hellfeld. Bei bet Gegenforderung bestritten die Anwälte des Kriegsministeriums vor dem Gericht« die Kom­petenz deutscher Eerichtsinstanzen in einer An­

seiner Schwester und meines Vaters. Was für Bitterkeiten habe ich meinem Vater zu danken! Nun auch diese unsägliche Pein! Fasten Sie die furchtbare Tragik dieser Er­öffnung? Ich Hebe meine Schwester, liebe sie noch jetzt, noch mehr, heißer und in qual­voller Hoffnungslosigkeit. Und von allem das Schlimmst« ist die Gewißheit, daß diese Liebe Sünde ist wider Gott und die Natur. Daß mir unter diesen Umständen nicht einmal bet Gebaute Trost bringen kann, baß ich von Renate wiedergeliebt werde, begreifen Sie wohl. Jedenfalls will ich ihr aber ersparen, baß sie biefe furchtbare Wahrheit erfährt. Sie soll nicht bieses entsetzliche Gefühl kennen lernen, das mich in bie Flucht getrieben hat. Nie soll sie wissen, baß ihre Liebe zu mir Sünde ist, lieber will ich versuchen, ste ihr aus dem Herzen zu reißen. Ich habe mich In ihren Augen verächtlich gemacht, hoffend, baß bie Verachtung ihr Kraft geben möge, mich zu vergessen. Und nun komme ich mit einer heißen Bitte zu Ihnen helfen Sie Renate, stehen Sie ihr mit Ihrer feinfühligen ver­ständnisvollen Güte bet. Tun Sie alles, was Sie können, um Renate zu überzeugen daß ihr Heil einzig darin beruht, daß sie mich ver­gißt. Ich habe einen lieben ach, so hetzlieben Brief von ihr wie mich ihre flehenden Worte gemartert haben! Diesen Brief hab« ich kühl unb ruhig beantwortet, habe mich in ihren Augen erniebrigt unb ver­ächtlich gemacht. Was mich dieser Brief gekostet hat, weiß nur ich allein. Er wirb fast zu gleicher Zeit mit biesem Schreiben an Sie, teure Frau, eintreffen. Sorgen Sie dafür, daß Renate bei Ihnen Trost findet, wenn sie

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

lind den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."