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Oberhesfischen Zeitung in Marburg.

1910>

Sonntag, den 5. Juni

Die Landwirtschaftlichen Arbeiter mit Landwirtschaftsbetrieb 1907.

Wie dieStatistische Korrespondenz" berichtet, Wurden bei der landwirtschaftlichen Betriebszäh­lung von 1907 auf Grund der Landwlrtschafts- ündcrt 443 055 Landwirtschaftsbetriebe von land­wirtschaftlichen Arbeitern ermittelt. Aus den An tzaben der Haushaltungsliste der Berufszählung find 417 680 hauptberufliche oder nebenberufliche landwirtschaftliche Arbeiter festgestellt, die eigenes oder nebenberufliche landwirtschaftliche Arbeiter festgestellt, die eigenes oder gepachtetes oder sonstiges (Deputat- usw.) Land bebauen, also 85 375 weniger als Betriebe. Dieser Unterschied mag daher rühren, daß manche im Haushalte eines Landwirts lebende Knechte ebenfalls ein Stück Land bewirtschaften, selbst aber nicht zu den erstgenannten Personen gezählt sind; außer­dem war in der Haushaltungsliste eine Anzahl von landwirtschaftlichen Arbeitern, wenn sie aus­wärts beschäftigt waren und ihre heimische Land­wirtschaft etwa von Angehörigen bewirtschaften keßen, als Inhaber von Landwirtschaftsbetrieben nicht erkennbar, während doch für ihren Betrieb eine Landwirtschaftskarte vorlag. So müssen der Betriebe landwirtschaftlicher Arbeiter mehr er­scheinen als der Inhaber solcher; der Unterschied beider Zahlen beträgt aber nur 5,73 v. H. der Be­triebe.

Die 443 055 Landwirtschaftsbetriebe landwirt­schaftlicher Arbeiter umfaßten eine Fläche von 295 166 Hektar, der einzelne durchschnittlich also 0,67 Hektar Hiervon waren 122 448 Hettar eige­nes. 89 876 Hektar gepachtetes und 82 842 sonstiges tDeputat- usw.) Land. Deputat- usw. Land hatten 236 555 Betriebe mit durchschnittlich 0,35 Hektar; annähernd so viel Deputatisten u. dgl. wir" es allo in Preußen auch geben.

Von den Betrieben bewirtschafteten 36 703 ausschließlich Gartenland, 115 463 ausschließlich Kartosfelland. Das benutzte Land aller Betriebe bestand ans 214 376 Hektar Ackerland, 16 536 Hek­tar Gartenland, 37 304 Hektar Wiese nnd reiche Weide sowie ails 513 Hektar Weingarten; das übrige Land entfiel ans Forstland (5714 Hektar 6ct kleinen Eigentümern), geringe Weide und Hutung, Oed- und Unland sowie Haus- und Hof- räume.

Die durchschnittliche Fläche der Arbeiter- bezw. Deputatisten- usw. Betriebe ist in den einzelnen Landcsteilen verschieden groß; sie schwankt bei Arbeiterbetrieben überhaupt zwischen 0,45 Hetkar (Ostpreußen) und 1,34 Hektar (Westfalen) und bei den Drputatistenbetrieben zwischen 0,17 Hektar '(Schlesien) und 0,51 Hektar (Pommern, wo deren Wiel, nnd Rheinprovinz, wo deren wenig vor­handen sind).

Die soziale und wirtschaftliche, auch die agrar- politische Bedeutung der Arbeiter- bezw. Deputa- tisten- usw. Betriebe für die Landesteile kenn­zeichnet sich einigermaßen nach dem Verbältnisse dieser Betriebe zur gesamten Wirtschaftsftäche aller Landwirtschaftsbetriebe oder, was ein noch deutlicheres Bild ergibt, zur Gesamtfläche der Be­triebe mit mehr als 5 Hektar Anbaufläche in denen die Inhaber und Familienmitglieder -von Arbei­ter- usw. Betrieben vorwiegend verwendet wer­den. Je größer die Verhältniszahl in einem Landesteile ist, desto geringer ist die verhältnis- mäßige Bedeutung, die den Arbeiter- bezw. De­putatisten. usw. Betrieben zukommt, d. h. in dem­selben Maße sind sie in der betrefsenden Provinz seltener, und umgekehrt. Die größte Bedeutung haben die Arbeiterbetriebe in Posen. Sachsen, Westpreußen. Pommern, Ostpreußen und Hessen- ' Rassan, wo schon ans 44 bis 57 Hektar der ge­samten Wirtschaftsftäche ein solcher Betrieb und gleichzeitig also mindestens ein Inh.der eines sol- ichen komm'. Sie treten an Wichtigkeit hinter dem Staatsdurchschnitte zurück in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Hannover, und der Rheinprovin; «nd Laben anr wenigsten Gewicht in Schlesien, Westfalen und in den Hoben,ollernschen Landen.

Die Deputatisten- nsw. Betriebe, die im Durch­schnitt etwa halb so zahlreich siird wie die Arbei- terbelried» überhaupt, sind vor allem von Bedeu­tung für Bosen, Ostpreußen, Pommern, West- preußcn und Sachsen, in diesen Gebietsteilen kommt schon auf 59 bis 88 Heftar ein Depuratisten- usw. Betrieb. Nennenswert ist auch Brandenburg mit 1 Deputatisten- usw. Betrieb auf 137 Hettar. Dagegen treten ' in den Provinzen Schlesien, Schleswig-Holstein, in den Hohenzollernschen Landen, in Hessen-Nassau, Hannover, der Rhein- provknz und Westfalen diese Beliebe in absteigen­der Linie von 1 Betrieb auf 225 Hettar bis auf 4877 Hettar zurück.

; In der Betriebsgruppe von 5 Hettar und mehr !Anbaufläche bleibt für die Deputatisten- usw. Be­triebe, von einer entsprechenden Verminderung aber Berhältniszahlen abgesehen, das Bild das­selbe. Anch für die Arbeiterbetriebe im ganzen ändert eS sich nicht wesentlich; Hessen-Nassau tritt hier am meisten hervor.

Die Arbeiterbetriebc treten in den Provinzen, Ne bte größte Wirtschaftsfläche der Landwirt- i*" * umium am ntdftjUL

hervor. Namentlich Schlesien, das bezüglich der gesamten Wirtschaftsfläche an erster Stelle steht, zeigt vergleichsweise sehr wenig Arbeiter- und Deputatisten- usw. Betriebe; auch Brandenburg und Hannover sind in diesem Sinne zu nennen. Umgekehrt tritt Hessen-Nassau mit verhältnis- mäßig viel Arbeiterbetrieben bei tteinerer Wirt- schatsfläche hervor, ein Zeichen von besonders viel angesessenen landwirtschaftlichen Arbeitern. Eine gewisse Wechselbeziehung zwischen der Häufigkeit der Arbeiterbetriebe und dem Vorherrschen der größeren und Großbetriebe ist, wie die Statistik bemertt, nicht zu verkennen. Das Vorkommen der Deputatisten- usw. Betriebe ist natürlich vor wiegend an die Großbetriebe gebunden; das der freien Arbeiter steht zwar auch in einem gewissen Zusammenhangs mit diesen, baut sich aber auf breiterer Grundlage auf, indem landwirtschaftliche Arbeiter auch von Mitteln- und Kleinbetrieben ge­braucht werden und dort Arbeit finden.

Die Blumenpflege in der Schule.

Vor kurzem hielt der Berliner Verein zur Förderung der Blumenpflege in den Volksschulen unter der Leitung des Berliner Stadtschulrats Dr. Fischer seine diesjährige Generalversamm­lung ab. Als Ort der Tagung war der Bürger­saal des Berliner Rathauses gewählt worden, und schon das veränderte Bild des Saales zeigte, daß etwas ganz Besonderes vorgehe. Auf lan­gen Tischen waren Massen von Hyazinthen auf­gestellt worden, die von Schulkindern getrieben worden waren und schon dieser farbenfreudige und duftende Flor legte Zeugnis ab von der Lust und Liebe, mit der die Kinder an die Sache Her­angehen. Den Jahresbericht stattete ein Berliner Rettor ab, und was er zu sagen hatt->, lautete durchaus erfreulich Darnach hat die Unterweis­ung unserer Volksschüler unter der Führung sachverständiger Kräfte in letzter Zeit bedeutende Fortschritte gemacht und die Bestrebungen des Vereins sind in weiten Kreisen unserer Bevölker­ung auf dankbaren Boden gefallen. Der Verein kann ein erhebliches Wachstum konstatieren; 156 Schulen gehören ihm an gegen 140 im Vorjahre. Mit welcher Freudigkeit und Hingabe die Blu­menpflege von den Schiilwm getrieben wurde, mag aus der Tatsache erhellen, daß allein im letzten Sommer für diesen Zweck 55 000 Pflanzen benötigt wurden.

Die Mittel zur Beschäftigung dieser Pflänz­linge stammen zum größten Teile aus freund­lichen Darbietungen hochherziger Freunde und Gönner der Blumenpflege. So hat die große internationale Gartenbauausstellung, die im April vorigen Jahres in Berlin stattfand, dem Vereine in Anerkennung seiner Bestrebungen die große silberne Medaille verliehen; auch der Magistrat der Stadt Berlin verfolgt die Tätigkeit des Ver­eins mit wohlwollendem Interesse, indem er ihm alljährlich eine Unterstützung von 200 .H zuteil werden läßt. Auch das große Publikum steht der Sache fteundlich gegenüber, der Betrag von 1800 M wurde für diesen Zweck von Schülerkonzerten aufgebracht, die im Zirkus Busch stattfanden, und die Erträgnisse dieses Fonds dienen dazu, für unbemittelte Kinder Pflanzenstecklinge zu be­schaffen. An der Spitze des Vereins stehen her­vorragende Fachleute, der städtische Gartendirek­tor Brodersen und der Obergärtncr Weiß. Auf ihre Anregung soll im August dieses Jahres eine allgemeine Ausstellung der von den Krudem ge­zogenen Blumen veranstaltet werden, die der Sache jedenfalls sehr förderlich sein wird.

Die Bestrebungen des Vereins sind nicht zu unterschätzen; sie haben auch für andere Kreise als die Berliner Stadtbevölkerung weitgehendes In­teresse. Ein altes Wort sagt, daß ein Mensch, der an der Natur seine Freude hat, der Tiere und Blunrcn lieb hat, nicht schlecht sein kann, und es liegt in diesem Worte viel Wahrheit. Es läßt sich nicht leugnen, daß die Beschäftigung eines .Menschen auf sein Herz- und Gefühlsleben einen ganz bedeutenden Einfluß ausübt. Wer zarte Pflänzchen pflegt und hilfsbedürftige Tiere hegt, sammelt, sich selbst unbewußt, einen Schatz von Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft, der auch seinen Nebenmenschen nur zugute kommen kann. Und welcheFülle reiner Freude bietet den Kindern die Blumenpflege, wenn sie den Erfolg ihrer Arbeit an dem Gedeihen ihrer Pfleglinge tagtäglich vor Augen sehen! Wie manche Stunde, die sonst nutzlos oder gar zu schlechten Dingen benutzt wird, findet hier anregende, erstellende Anwend­ung. Es wird in letzter Zett sehr viel von der sogenannten Arbettsschule geredet und geschrieben welche die Handtätigkett der Schüler üben soll, wo nur der Unterricht Gelegenheit dazu bietet; die Blumenpflege im Anschluß an den botanischen Unterricht ist auch ein Stückchen Arbeitsschule, in der die manuelle Tätigkett der Schüler in seltener Weise geübt wird; man denke nur an die feine Arbeit des Ottrlierens und des Propfens.

Was in der großen Stadt Berlin im größeren Maßktabe mSati* «t «*3 r» unseren

keinen Städten und auf dem Lande in kleinerem Maßstabe nicht auch möglich sein, wenn sich nur der gute Wille findet, der sich in den Dienst der Sache stellt? Opfer an Geld erfordert die Blu­menpflege nicht so sehr, und die Arbeit werden die Lehrer sicher gern leisten. Es muß doch auch ihnen eine Freude fein, an dem Gärtchen eines Arbeiters oder eines Landmannes vorüberzu­gehen, das im vollsten Blumenschmücke prangt, und sich sagen zu können, ein Teil des Verdienstes an dieser Errungenschaft kommt auf dich. Mau mache nur einmal ernstlich den Versuch, der gute Erfolg wird nicht ausbleiben.

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Landwirtschaftliches.

Der Erfinder der Mähmaschine.

Zur Feier des 100. Geburtstages des Ersin: ders der Mähmaschine. Zu dieser bedeutsamen Frage schreibt Dr. A. Carl der ZeitschriftDer praktische Landwirt" folgendes:

Wie fast bei jeder Entdeckung und Erfindung so streiten sich auch um die Ehre der Landmanns- schast bei der Erfindung der Mähmaschine viele Länder. Wir nehmen an. daß der Gebrauch die­ser nützlichen Maschine erst neueren Datums sei, jedoch berichten schon die römischen Schriftsteller Cajus Plinius der Aeltere (geb. 23 n. Ehr. Geb.) in seinem Werk über Naturgeschichte und Reute- lius Palladius (geb. um 320 n. Ehr. Geb.) in dem Buche für Landwirsschaft, daß die Gallier schon damals Messerwagen zum Schneiden des Getrei­des benutzt haben. Die Ausführungen müssen aber wieder in Vergessenheit geraten fein, denn eine derartige Maschine wurde ?m Jahre 1843 noch mals in Australien erfunden. Vorher hatte aber schon um 1799 der Engländer Boyse eine eigen­tümliche Maschine konstruiert, die mit einer Kreis­säge das Getreide abschnitt. Der Schotte Smith trat 12 Jahre später mit einer ähnlichen Maschine auf die immerhin brauchbar gewesen sein soll; auch der schottische Geistliche Patvick Bell baute eine mit einer Kreissäge versehene Mähmaschine, die jedoch nicht weiter benutzt wurde, und so ließen sich noch eine Reihe anderer Namen auf« führen.

Der Erfinder der Mähmaschine, die mit den jetzt noch gebräuchlichen Fingerbalken ausgerüstet ist, war aber der Amerikaner CYrus H. Mac Cor- mik aus Chicago, dessen lOOjähriger Geburtstag seine Landsleuten am 15. Dezember feierlich be­gangen haben. Seine erste Maschine mit diesem erfolgreichen Schneideapparat datiert aus dem Jahre 1845. Sechs Jahre später konnten die eu­ropäischen Landwirte diese Maschine auf der Londoner Industrie-Ausstellung sehen und noch in demselben Jahre arbeitete der erste Mäher nach dem Mac Cormick'schen Patent in England, bald darai:s auch in Deutschland.

Wie schon bei uns kaum ein größerer land­wirtschaftlicher Betrieb ohne Mähmaschine besteht, so ist das in den Vereinigten Staaten noch viel weniger der Fall und cs ist daher wohl zu ver­stehen, wenn die amerikanischen Farmer das An­denken ihres Landsmanns Mac Cormick durch eine besondere Feier am 15. Dezember geehrt haben, da ja auch zugleich die Industrie hervorragendes Interesse an dieser Erfindung hat.

Man hat von feiten der amerikanischen Farmer des Staates Illinois eine Ruhmeshalle für Leute, die sich besondere Verdienste um die Förderung der Landwirtschaft erworben haben, zu Urbano errichtet. Die Kommission hat Mac Cormick für würdig gehalten, als erster durch Ausstellung sei­ner Tafel so geehrt zu werden, und der Name des Erfinders der Mähmaschine ist am 15. Dezember, nachmittags feierlichst in das Archiv ausgenom­men worden. Von seilen der Universität und des Ackerbau-Kollegiums waren große Vorberei­tungen getroffen worden. Die Eröffnungsrede hielt der Handelskammer Präsident A. Grout, der Gouverneur von Illinois, Charles Deneen, be­grüßte die Gäste. Dann hat der Redakteur C. Baker aus Chicago eine Ansprache gehalten übet: Der Mäher und was er der Landwirsschast ge­leistet hat." Der Präsident der vereinigten Maschinenfabriken des Staates Illinois, La Berne Noyes, hat über:Der Fabrikant und der Farmer" gesprochen, der Exprästdeitt für Illinois für Handel und Ackerbau, Lafayette Funk fprach über:Der Mäher und der Farmer". Haupt­mann Charles Mills aus Springfield entwarf dann ein Lebensbild des Gefeierten und die Enke­lin desselben, Miß Maricl Mac Cormick, hat das Porträt cnchüllt; dasselbe wurde dann von Dr. James, dem Universitäts-Präsidenten, eingesegnet.

So ehrte man in Amerika den Erfinder der Mähmaschine. In Marburg hat die Firma Ost­heim die Vertretung dieser Maschinen.

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Obst- und Gartenbau.

Niesenobst.

Erst den letzte« Jahre« war es Vorbe­halten, wahre Niesenfrüchte tzervorzubringe«.

Eine Zufallserscheinung war eS, als vor einigen Jahren in Hub (Großherzogtum Ba­den) ein Apfel reifte, der den ungeheueren Durch­messer von 36 Zentimeter besaß und ganze 875 Gramm wog. Ein anderer Apfel wog reichlich ein Pfund; Aepfel von einem halben Pfund fint- gar keine Seltenheit. Besondere Erfolge bezüg­lich der Größe der Früchte erzielte man in den letzten Jahren beim Beerenobste. Die Erdbeere machte den Anfang. Aussehen erregte feinerzett die RiesenerdbeereKönig Albert", und toa8' für faustgroße Erdbeeren sind feitbem wieder auf den Markt gekommen! Gern kultiviert man jetzt auch die Johannis- und Himbeere, doch auch die: fo lange vernachlässigte Stachelbeere findet neuer­dings gute Pflege. Zu den befonders groß- früchtigen Stachelbeeren gehört unstreitig bet Maikönig', dessen Beeren einen Durchschnitt von 34 Zentimeter aufweisen und die bei ihrer Rundlichkeit an keine Aepfel erinnern. Zu den Johannisbeeren gehören dagegen dieWeiße Wcrdersche" undGöpperts rote Riesen-Kirsch- Iohannisbeere". Die Trauben erreichen eine Länge von 1015 Zentimeter, die einzelnen Beeren geben in ihrer Größe den Kirschen nichts nach. Aber auch Himbeeren und Bombeeren von außergewöhnlicher Größe hat eine neue Kultur - hervorgebracht. Beim Anblick solcherRiesen un- te dem Obste" fragt man sich unwillkürlich: Wo soll das hin? Wie wird das Obst erst sein, das in hundert, in tausend Jahren die Tafel schmückt? Wir glauben zwar, daß die Größe und Feinheit der Früchte nicht mehr um vieles zunehmen wird und daß wir in dieser Beziehung nahezu auf her Höhe" angelangt sind. Doch hat man früher an die Erfolge unserer Zeit geglaubt? _ _:v ------ . rl

Die Stachelbeere und ihre Verwertung.

Zu den Lieblmgsbeeren der Jugend gehört: die Stachelbeere. Aber auch für die Küche der Hausfrau ist diese Frucht von Bedeuwng. Eine sehr pikante Zuspeise ist das aus den unreifen Beeren hergestcllte Siachelbeerkompott; mich kocht man aus den reifen Früchten eine wohlschmeckende Marmelade, die auch zur Füllung verschieden­artigen Gebäcks verwindet wird. Sogar ei« schmackhafter, monsierender Wein läßt sich aus Stachelbeeren Herstellen, und zwar aus folgende Weise: Die reifen Beeren werden gequetscht, dann drei Tage stehen gelassen und ausgepreßt. Aus »le Schalenreste gießt man nochmals etn Zehntel frisches Wasser und gießt bte durch nochmalige Pressung erzielte Flüssigkeit zu der ersten. Aus diese Art erhält man aus zehn Teilen Stachel­beeren neun Telle Stachelbeermost, den man 56 Wochen im Keller der Gärung überlaßt nnd dann als fertigen Stachelbeerwein von angenehmem Aroma auf Flaschen füllt.

Die Stachelbeere wurde früher auch Kloster­beere genannt, wahrscheinlich deshalb, weil sie di­alten Klostcrgärten so häufig angetr offen wird, Sie gehört zu den Erstlingen der Beerenfrücht«. tommt schon Anfang Juni zur Reife und ist txmx acht bis zehn Wochen lang zu hohe».

Besondere Kultur wurde der Stachelbeere j früher nur in England zuteil, wo man sie wohl« noch mehr schätzt als bei uns. Und zwar waren es einfache Leute, nämlich Fabrikarbeiter der, Grafschaft Sancashire, Die sich mit der Veredelung des Stachelbeerstrankbes befaßten. Die erzielte» Erfolge führten dazu, daß man in England von Stachelbeeren die verschiedensten Speisen Ver­richtete: Cremes, Puddings, Saucen, Auflaufs > Kuchen usw. besonderer Beliebtheit erfreut sich jenseits des Kanals eine Pastete, dieStachelbeer- Pie", die tatsächlich etwas Vorzügliches sein soll.

In den letzten Jahren ist aber auch bei uns die Kultur der Stachelbeere sehr in Ausnahme ge kommen und die verschiedenen Sorten, die hier er­baut werden, finden zunehmenden Beifall.

Beliebt ist z. B. die ans England eingeführte Yellow lion". die sehr reichtragend und beson­ders dadurch bemerkenswert ist, daß ihre gold­gelben Früchte alsfrüheste Sorte" die Saison der Stachelbeerernte eröffnen. Sehr empfehlens­wert sind auch Whinhams Induftry (sehr groß und wohlschmeckend). Victoria (großfrüchtig, von Farbe rot und süß im Geschmack), Pilot (dunkelgelb, großfrüchtig, süß) und Green River (großfrüchtig, dunkelgrün und wohlschmeckend. Die zuerst genannten Sorten können sehr leicht zu hochstämmigen Bäumchen gezogen werden und reifen schon im Mai. Die letzten beiden Sorten dagegen sind niedrige Pslanzen und tragen erst Ende Juli reife Frucht. Erst vor kurzem ist eine neue Stachelbeer-Reuheit auf den Markt gelangt, die unter der MarkeMaikönig" in den Handel" kommt und ungemein große, frühreife, zahlreiche und angenehm fchmeckende Beeren liefert. I« reifen Zustande erreichen die Früchte die Größe eines Achfels, da sie im Umfange einem Taler: gleichkommen. Auch kennt man jetztstachellose' Stachelbeersträucher, die dem Namen dieser Deere Lügen strafen. Der Stachelbeerstrauch ist sehr an­spruchslos und gedeiht beinahe in jedem Bode«. In verschiedenen Gegenden Deutschlands ist W Stachelbeere auch wildwachsend anzutreffen.