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DieObrrheffischr Zeitung- erscheint täglich mit Ausnahme der Soma» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 <X lohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unver» langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdrucker«! I. A. Koch (Inh.: Dr. T. tziherolh), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 31. Dezember

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47. Jahrg.

1912.

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Die Friedensdelegierten bei der Herzogin von Sutherland.

Die Friedensverhandlungen in London gehen recht langsam von statten. Die Delegierten holen alle Augenblicke bei ihren Regierungen neueInformationen" ein, wodurch viel Zeit ver­loren geht und die ganzen Verhandlungen beinahe als Farce er­scheinen lasten. In der Zwischenzeit feiern dann die Delgierten Feste. So hatte u. a. die Herzogin von Sutherland zu Ehren der Delegierten auf ihrem Schloste ein Fest gegeben, wovon wir eine äußerst interestante Aufnahme veröffentlichen. Unser Bild zeigt die Friedensdelegierten im Kreise des englischen Ministeriums und anderer Mitglieder der englischen Gesellschaft auf dem Schloste

der Herzogin von Sutherland. Die Namen sind: 1. Etienne Scou« loudis, Exminister des Aeußern (Griechenland), 2. Eleuth rioe Benizelos, griech. Premierminister, 3. Andra Nikolitsch, Expräsi­dent der serbischen Skuptschina, 4. Stoyan Novalovitsch, früherer serbischer Ex-Premierminister, 5. Mifuskovitsch, montenegr. Ex- Premierminister, 6. Dr. Banoff, Präsident der bulgar. Sobranje, 7. Madjaroff, bulgar. Gesandter in London, 8. Mustapha Redscjid Pascha, ehem. türk. Gesandter in Rom und Wien, 9. General Paprikoff, ehem. bulgar. Gesandter in Petersburg, 10. Oberst­leutnant Popvitsch, ehem. bulg. Gesandter in Konstantinopel, 11. Milenko Msnitsch, serb. Gesandter in Paris, 12. Joannes

Gennadius, griech. Gesandter in London, 13. Dr. Streit, griech. Gesandter in Wien, 14. Asquith, engl. Premierminister, 15. Mr«. Asquith, 16. Sir Ernest Taste!, hervorragendes Mitglied der deut­schen Gesellschaft in London und bekannter Freund des deutsche« Kaisers, 17. Herzogin von Maleborough, 18. Viscountetz Castle» reigh, 19. Sir Edward Grey, engl. Minister des Auswärtigen, 20. Viscount Esher, 21. Lord Hugh Cecil, bekannter Parlamen­tarier (Home Rule), 22., Herzogin von Westminster, 23. Viscount Castlereigh, 24. Lord Haldane, Lordkanzler von England, früherer Kriegsminister, 25. die Gastgeberin Herzogin Sutherland.

Grves Blatt.

Herr v. Kiderlen-Wächter f.

W. Stuttgart, 30. Dez. Der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes, v. Kiderlen-Wächter, ist heute früh um %8 Uhr bei seiner Schwester, der Freifrau v. Gemmingen-Guttenberg, bei der er die Weihnachtsseiertage verbracht, gestorben.

Diese Meldung, die heute am frühen Morgen der Draht der Oeffentlichkeit übermittelte, ist völlig überraschend gekommen, da von einer Erkrankung des Staatssekretärs des Aeutzern bisher nichts bekannt geworden ist. Mit dem Verstorbenen ist wieder einer der Diplomaten alter Schule, auf den politische Krnse bei seiner Berufung zum Leiter der auswärtigen Politik die grötzten Hoffnungen setzten, dahingegangen, ein Diplomat, der wie Frei­herr v. Marschall zu den besten Kennern der Verhältniste auf dem Balkan gezählt wurde und der daher in der Jetztzeit, die unter dem Zeichen des Balkankonfliktes steht, sich in hervorragendem Matze auf seinem Platze bewähren konnte. Wenn man sich auch wundern mutzte, datz sich ein sonst mit den Balkanverhältnisten so vertrauter Diplomat wie Herr v. Kiderlen von den Vorgängen in Sofia, Belgrad, Athen und Cetinje ebenfalls hat überraschen lasten, sodaß ein Ausbruch des Kriegs zwischen dem Ballanoerband und der Türkei nicht von vornherein hat verhindert werden können, so muß doch zugestanden werden, daß er sein möglichstes getan hat, um einem weiteren Umsichgreifen des Balkanbrandes zu steuern. Die kraftbewußte, dabei ruhige und sichere Haltung, die die deutsche Regierung seit Ausbruch des Balkankrieges ein­genommen hat und die so manchem kriegslustigen Diplomaten das Gefährliche seines Spiels vor Augen zu führen geeignet war, ist wohl nicht zum geringsten Teil auf sein Konto zu setzen. Man Miird ihm in diesem Falle wohl auch nirgends sein Berdienst schmälern, wenn man auch mit seinerPolitik der kleinen Erfolge", mit seinerTaktik des Präriejägers", wie er es in dem bekannten Interview nannte, zur Zeit des Marokkokonflikts nicht ein­verstanden sein kann. Der mißglücktePanthersorung" nach Agadir hat zu schlecht geendet und das Tauschgeschäft mit den Kongosümpfen und dem Entenschnabel wird daher nicht zum besten fest mit dem Namen v. Kiderlens verbunden bleiben. Der Ver­blichene hat keine Zeit gefunden, diese Scharte wieder ganz aus­zuwetzen, der unerbittliche Tod hat alle Hoffnungen in dieser Be­ziehung zunicht gemacht, indem er denGesandten mit der gelben Weste", diese markante Persönlichkeit, in der weite Kreise den künftigen tatkräftigen Kanzler, den Vertreter starker Bis- marckischer Ideen zu sehen glaubten, seines Amtes entbob. Die Leitung der deutschen auswärtigen Politik geht in andere Hände über) hoffen wir, daß ein Mann dafür gefunden wird, der nicht von schlechterer Art ist als der Verstorbene, und der wie dieser das Gros seiner Berufskollegen in Kenntnisten und Fähigkeiten um Haupteslänge überragt.

v. Kiderlen-Wächter ist am 10. Juli 1852 zu Stuttgart als Sohn de- Hofkammerrats und Hofbankiers Robert Kiderlen- Wächter,^ der 1868 den erblichen Adel erhielt, geboren worden. Als 18jähriger nahm er freiwillig an dem deutsch-französischen Kriege teil, 187276 studierte er an den Universitäten Tübingen, Leipzig und Straßburg, trat 1879 in das Auswärtige Amt über vnd war 188184 als Sekretär bei der Deutschen Botschaft in Petersburg, 8486 bei der Pariser Botschaft tätig. Bald darauf »urde er Botschaftsrat in Konstantinopel und begleitete dann

1888 Kaiser Wilhelm II. auf seinen Reisen nach Petersburg, Stock­holm und Kopenhagen. Nach seiner Rückkehr war er bis 1894 Vor­tragender Rat beim Auswärtigen Amt, darauf Gesandter in Ham­burg und 1895 Gesandter in Kopenhagen. 1900 wurde erin die Verbannung" nach Bukarest geschickt. Es knüpft sich daran eine bekannte Anekdote, nach der v. Kiderlen seinem kaiserlichen fiettn gegenüber etwas zu selbständig gehandelt haben soll. Im Jahre 1910 wurde der fähige Diplomat von seinem Posten in Bukarest wieder abberufen und zum Staatssekretär des Aeutzeren ernannt.

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Die Lage.

Die Friedensverhandlung««

zwischen den Delegierten der Türkei und des Balkanbundes wurden am Sonnabend auf kurze Zeit wieder ausgenommen. Dabei legten die türkischen Unterhändler der Konferenz die Gegenvorschläge der Pforte vor. Diese lauten:

1. Das Wilajet Adrianopel bleibt unter der direkten Verwaltung der Türkei.

2. Macedonien wird in ein Fürstentum umgewandelt mit Saloniki als Hauptstadt und steht unter der Souveränität des Sultans, jedoch unter einem von den Ballanverbündeten gewählten Fürsten, den der Sultan ernennt. Der Fürst soll Protestant und aus einem neutralen Staat sein.

3. Albanien wird autonom unter der Souveränität des Sultans und unter einem Fürsten aus der kaiserlichen ottomanischen Familie, der für 5 Jahre gewählt wird mit der Möglichkeit der Wiederwahl.

4. Alle ägäischen Inseln bleiben türftsch.

5. Die kretische Frage wird von der Konferenz nicht behandelt, sondern zwischen der Türkei und den Großmächten gerc*:(t.

Nachdem diese Gegenvorschläge, in denen die Frage der Kriegs­entschädigung gar nicht berührt wurde, vorgebracht waren, ver­tagte sich die Konferenz, um den Delegierten vom Balkan Gelegen­heit zu geben, über die türkischen Vorschläge zu diskutieren. Da­nach wurde die Sitzung wieder ausgenommen. Die Führer der Delegationen der Balkanstaaten ergriffen nacheinander das Wort und wiesen darauf hin, datz die türkischen Gegenvorschläge von einer Basis ausgingen, die von der grundverschieden sei, welche die Balkanstaaten bei den Friedensbedingungen eingenommen haben. Die Grundlagen der türkischen Vorschläge anerkenn­ten die tatsächliche Lage der nach dem Kriege bestehenden Situation nicht und berücksichtigten nicht die Gebietsansprüche der Verbündeten. Verschiedene Redner er- klärten, die türkischen Vorschläge seien unan­nehmbar und könnten nicht die Grundlage für eine Diskussion abgeben. Die türkische Delegation wurde ersucht, neue Gegen­vorschläge vorzulegen, welche die Grundideen der Friedensbedin­gungen der Alliierten berücksichtigten. Die türkischen Delegierten suchten ihren Standpunkt zu begründen, versprachen indesten, die Erklärungen der Delegierten des Balkans nach Konstantinopel zu berichten und am Montag zu antworten. Sie bemerkten außerdem, datz sie mit ihren Vorschlägen den seiner Zett von den Erotz- mächten ausgesprochenen Wünschen nach Erhaltung des Statusguo und auch der Ideen der Balkanverbündeten entsprächen, welche erklärt hätten, datz sie den Krieg nicht führten, um Gebiet? zu er­werben, sondern um die Türkei zu Reformen zugunsten der Balkan- christen zu zwingen. Die Türken wurden gefragt, ob diese I Gegenvorschläge das letzte Wort darstellten. I Heber diesen Punkt konnte man von Ihnen keine definitive Ant-

wort erlangen. Es wurde den türkischen Delegierten mitgeteilt, datz die Diskutierung über die macedonischen Reformen in diesem Stadium der Verhandlungen völlig unannehmbar sei. Darauf wurde die Konferenz auf Montag nachmittag 4 Uhr r.rtagt.

Rußland und Deutschland.

Die Reise des russischen Kriegsministers nach Sachftn zur Grundsteinlegung der Gedächtniskirche für die 1813 bei Leipzig gefallenen russischen Soldaten, worüber wir an anderer Stelle be­richten, wird allgemein als eine neue Bestätigung der Entspan­nung der politischen Lage angesehen. In einem Interview, das Kriegsminister Zsuchemlinow einem Vertreter derLeipziger Abendzeitung" gewahrte, erklärte der Minister folgendes: Di« russische Regierung wünscht nichts dringender?? und llerzl'heres, als mit Deutschland in Frieden zu leben. In russischen Regie« rungskreisen besteht keineswegs eine feindselige Stimmung gegen Deutschland. Ich hoffe, datz ein Krieg, der aus der gegenwärtigen politischen Situation heraus entstellen könnte, durch die Friedens­liebe beider Regierungen, der deutschen sowohl wie der russischen, sich vermeiden läßt.

vom Kriegsschauplatz.

London, 29. Dez. Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß die türkischen Truppen bei Tschataldscha zur Zeit so gut wie ftek von Tholera find, während jenseits der Tschataldschalinie die Bul­garen außerordentlich unter der Seuche leiden.

Sofia, 29. Dez. Eine Anzahl von Flüchtlingen, die au» Adrianopel nach Dedeagatich gekommen sind und vor der Besetzung dieser Stadt durch das bulgarische Heer schutzlos geblieben waren, wurden jetzt von den bulgarischen Behörden einguartiert und mit Nahrung versehen. Die Lazarette find vor einigen Tagen vom offenen Lande in die Dörfer verlegt worden, wo die Verwundeten unter llesteren Bedingungen verpflegt werden können.

Köln. 28. Dez. DieKöln. Ztg." meldet aus Berlin: In der griechischen Preste wird behauptet, in den letzten Seegefechten seien türkischerseits 37 deutsche Marineoffiziers und Matrosen ge­fallen, die angeblich von dem PanzerkreuzerGoeben" gleich nach seiner Ankunft vor Konstantinopel auf türkische Schiffe über- geführt morden seien. Selbstverständlich ist an di-'ser Behauptung kein wahres Wort.

Eine politisch« Reise.

Bukarest, 29. Dez. Der rumänische Minister des Innern Jonescu unternimmt in diesen Tagen eine politische R-ise, die ihn nach Wien, Berlin, London und wahrscheinlich a^rch nach Pari» führen wird.

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Politische Umschau.

Gin« rusfische Sedächtniskirch« auf dem Leipziger Elchlachtfeld.

L e i p z i g , 28. Dez. Heute mittag fand auf der G 'allste"? :

in der Schlacht bei Leipzig 1813 geffallenen 22 000 russischen Kriegern die feierliche Grundsteinlegung der im Bau befindlichen russischen Eedächtniskirche statt. Es fanden sich ein: der russisch« Kriegsminister Souchelinow, der stellvertretende Vorsitzende der russischen Komitees Generalleutnant Worenoft, eine Deputation des Regimentes Generalmajor Dewidoff, höher« russische Offizier« und der russische Architekt Prokowsky, nach dessen Plänen die Kirch« erbaut wird. Eine Urkunde des Rats und der Stadtverordneten der Stadt Leipzig wurde in den Grundstein eingelegt. Am Sonn- tag mittag wurden der russische Kriegsminister Ssouchomlinow, bet Generalleutnant Woronoff und der Architekt Pokrowsky in Dres­den vom König von Sachsen in Privataudienz empfangen. Der König äußerte hierbei, daß er dem'Plan der Errichtung einer ruf-