Einzelbild herunterladen
 

c'üvi iiviiiiiijv -Muuiiii

Jr I I I s

mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und «LandwirtschaWche Beilage".

M 304

l'teOberl,kffischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt viertelsährlich durch die Post bezogen 2.26 Jl (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in8 Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroihs, Markt 21 Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 29. Dezember

Grttes Blatt.

Ter Anzeigenpret» beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bet amtlichen mb auswärtigen Anzeigen 20 -3, für Reklamen die Zette 60 4 Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt al» Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. v«r. bindlichkeit für Platz., Datenvorschrift und Beleglieferung au»ge- ichloffen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

Wockensäau.

Run liegt auch das Weihnachtsfest schon hinter uns, und mit Riesen­schritten eilt das Jahr seinem Abschlüsse zu. Viel zu schnell sind die Tage des Festes vergangen, das mit seiner Botschaft vomFrieden au: Erden" wie kein anderes sich die Herzen der Menschen erobert hat. Aber in unseren Tagen muh man schon zufrieden sein, dah das Weihnachtsfest wenigstens die Aussicht aus baldige Beendigung des Waffenlärms im Osten unseres Weltteils und damit eine Gewähr für die Erhaltung des europäischen Friedens brachte. Mögen die Hoffnungen nicht täuschen, zu denen das hehre Fest Veranlassung gab! Für das Kaiserpaar und das ganze preuhische Königshaus brachte das Weihnachtsfest noch eine besondere Freude, da am Donnerstag die Prinzessin August Wilhelm ihrem Gemahl den ersten Sohn schenkte.

In München wurde am Donnerstag der vorigen Woche die Beisetzung les Prinzregenten Luitpold von Bayern vollzogen. Es war ein König­liches Geleite, das dem um Bayern und das Reich so hochverdienten Fürsten auf seinem letzten Wege zu teil wurde. Mit dem Kaiser schritten fast alle deutschen Bnudessürsten hinter seinem Sarge, und die Abord­nungen des Bundesrats, des Reichstages und aller deutschen Einzel­parlamente zeigten, dah die Trauer um den Heimgegangenen sich über ganz Deutschland erstreckte. Am Sonnabend darauf leistete Prinzregent Ludwig im Thronsaal der Münchner Residenz in feierlicher Weise den Eid auf die Verfassung. Der Frage, ob sein Regententum in das König­tum umgewandelt werden solle, hat Prinzregent Ludwig ein Ende ge­macht, indem er durch ein Handschreiben an den Ministerpräsidenten Freiherrn von Hertling den bestimmten Wunsch aussprach, von allen Mahnahmen zur Beendigung der Regentenschaft abzusehen.

Ein erfreuliches Zeichen von einmütiger Opferwilligkeit hat das deutsche Volk durch die jetzt beendete Nationalflugspende gegeben. Nicht weniger als 74 Millionen Mark sind durch die Sammlungen, an denen sich alle Kreise der Bevölkerung beteiligten, aufgebracht worden. Das Ergebnis wird Deutschland auf dem Gebiete des Flugwesens einen weiteren Vorsprung vor den übrigen Nationen sichern. Weniger er­freulich aber waren die Dinge, die bei den letzten Ersatzwahlen zum - Reichstage zum Vorschein kamen. Die alt« Zersplitterung der bürger­lichen Parteien und ihre gegenseitige Lähmung brachte am vorigen Donnerstag bei der Reichstagsersatzwahl in Reuh 8. L. dem sozial­demokratischen Kandidaten gleich im ersten Wahlgange das Mandat. Die am Montag erfolgte Ersatzwahl im Wahlkreise Stolp-Lauenburg endete, wie vorauszusehen war, mit einem glänzenden Siege des kon­servativen Kandidaten

In den Parlamenten herrscht Weihnachtsruhe. Der preußische Landtag findet, wenn er am 8. Januar wieder zusammentritt, den Etat für 1913 vor, der soeben veröffentlicht wurde. Er schließt in Einnahme und Ausgabe mit der Riesensumme von über 4% Milliarde Mark ab. Der sächsische Landtag ist am Freitag der vorigen Woche geschloßen worden, nachdem am Tage vorher durch den ablehnenden Beschluß der zweiten Kammer das wichtige Volksschulreformgesetz endgültig gescheitert war. Am gleichen Tage wie der sächsische wurde auch der mecklenburgisch« Landtag geschloffen. Vorher hatten die beiden Erohherzoglichen Regie­rungen die Verfaffungsvorlage zurückgezogen, aber gleichzeitig ange­kündigt, dah zur endlichen Erledigung der Verfaffungsfrage im kommen­den Jahre ein außerordentlicher Landtag einberufen werden solle. Der oldenburgische Landtag hat vor der Weihnachtspause die Besoldungs­vorlage unter Wiederherstellung der von der Regierung vorgeschlagenen Abzüge für Unverheiratete endgültig angenommen. Im Landtage des Fürstentums Reuß j. L. gelangte am vorigen Sonnabend die Wahl­reformvorlage mit dem Mehrstimmrecht gegen die Stimmen der Sozial­demokraten zur endgültigen Annahme. Erwähnt sei schließlich noch, dah der Hamburgische Senat eine Vorlage angenommen hat, die die Errichtung einer Universität in der alten Hansestadt in die Wege leitet.

- Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ist endlich die langersehnte Entspannung der Lage eingetreten. Eingeleitet wurve sie schon vurch eil« des russischen Ministerpräsidenten Kokowzow in der Reichs-

mnimii ko

Ein Hallescber Stndentenftreik vor 200 Jahren.

Don Dr. FritzWtchmann, Kiel.

Der Medizinerstreik in Halle, der wegen Befreiung der ausländ­ischen Studenten vom Physikum entbrannt ist und jetzt seitens der Re- gierung eine Entscheidung zugunsten der reichsdeutschen Studenten er­fahren hat, ist in so ruhigen und geordneten Bahnen verlaufen, daß die Bürgerschaft kaum etwas von den Vorgängen an der Universität gemerkt hat. Heutzutage spielen Hch eben solche Konflikte in den modernen Formen des 20. Jahrhunderts ab. Ganz anders verliefen derartige Miß­helligkeiten zwischen Studentenschaft und Universität in früheren Zeiten, und es ist von besonderem Jntereffe, zu beobachten, wie das Kulturmilieu der deutschen Studentenschaft im Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Gebiete studentischer Arbeitseinstellungen ganz andere Methoden hervor­gebracht hat als wie die heut üblichen.

Der große Hallesche Studentenstreik vom Jahre 1723 gehörte zu den zahlreichen Studentenunruhen, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts jahraus jahrein einmal aus diesem ein andermal aus anderem Anlaß tobten,' er übertrifft sie aber alle an Umfang und Bedeutung. In Halle, deffen Universität nach ihrer Gründung im Jahre 1694 rasch einen riesigen Aufschwung nahm, führten bis zum Jahre 1717 die Musensöhne allein das Regiment. Damals aber verlegte der Nachfolger des pracht­liebenden Friedrich I., der mehr der strengen Soldaiendisziplin als dem akademischen Freiheitsdrang zugetane König Friedrich Wilhelm I., eines seiner glanzvollsten Regimenter nach Halle, das Regiment Alt- Anhalt, deffen Ehef der Fürst Leopold von Anhalt-Deffau, deralte Dessauer", war. Unter dem neuen Herrn machten zunächst die Werber den Studenten trotz deren offiziellen Befreiung vom Militärdienst viel zu schaffen, indes sollten sie noch mehr durch den Uebermut der Offiziere leiden, die in Halle, auf die Gunst des Königs pochend, alsbald eine be­vorzugte Rolle beanspruchten. Auf die Brüskierung der Halleschen Stu­dentenschaft durch das Militär war auch der Studentenaufstand vom Jahre 1723 zurückznführen, der sich zu einem regelrechten Universitäts- Rteif auswuchs. Ueber diesen Konflikt gibt es interessante handschrift- llche Aufzeichnungen in der königlichen Bibliothek zu Bamberg, die im <2ahr« 1897 von Dr. John Meier, damals Privatdozent an der Univer-

dumo am Mittwoch der vergangenen Woche. In dieser Rede war ziem­lich d.utlich ausgesprochen, daß Rußland bet all feiner Sympathie für die slawischen Brüder auf dem Balkan nicht gewillt sei, die Dalkanfrage zu einem Zerwürfnis zwischen Dreibund und Entente werden zu laßen. Am gleichen Tage gab der italienische Minister des Auswärtigen, Marquis di San Giuliano, dem treuen Festhalten Italiens am Dreibund unter gleichzeitiger Aufrechterhaltung seiner Freundschaft mit Rußland und seiner Mittelmeerabkommen mit England und Frankreich Ausdruck. Die Deutung dieser beiden Reden dahin, daß Rußland nicht gewonnen fei, die Ansprüche Serbiens auf albanesisches Gebiet zu unterstützen, wurde schon zwei Tage später durch die Meldung bestätigt, daß die Botschaster- reunion in London sich für die Autonomie Albaniens unter der Suze- ränität des Sultans und für einen lediglich wirtschaftlichen Zugang Serbiens zu einem Hasen im Adriatischen Meere erklärt habe. Damit waren zwei der heikelsten Fragen des Balkanproblems so gut rote er­ledigt. Auch der Umstand, daß Serbien sich erbot, Oesterreich-Ungarn für die gegen deffen Konsuln in Prizrend und Mitroroitza von den mili­tärischen Behörden begangenen Völkerrechtsroidrigkeiten entsprechende Genugtuung zu geben, trug zu der Entspannung der'Lage nicht wenig bei. Freilich bei der Friedenskonferenz sieht e» noch übel aus. Die Türken haben zwar ihren Widerspruch gegen die Teilnahme der Grie­chen an den Verhandlungen fallen lassen, aber jetzt haben die Balkan- delegierten so hoch geschraubte Forderungen gestellt, daß die Türkei" nur darauf eingehen kann, wenn sie auf eine Rolle in Europa überhaupt verzichten will. Inzwischen dauern in Epirus die Kämpfe zwischen Tür­ken und Griechen fort, und auch die beiderseitigen Flotten liefern ein­ander Scharmützel, ohne aber nach einer Entscheidung zu drängen.

Im österreichischen Reichsrat wurde nach einer durch die tschechische Obstruktion zu einer 55stündigen Dauer ausgedehnten Sitzung die Kriegsleistungsvorlage der Regierung genehmigt. Die englische Sorge um Indien wurde durch ein Bombenattentat auf den Vizekönig Lord Hardinge bei seinem Einzüge in Delhi wieder einmal kräftig angeregt, zumal der Täter entkommen konnte. Die spanische Kammer hat das ftanzösisch-spanische Marokko-Abkommen mit großer Mehrheit geneh­migt. Auch Japan hatte einen politischen Mordanschlag zu verzeichnen. Fürst Pamagata, der Präsident des japanischen Staatsrat», blieb aber unverletzt, während Lord Hardinge nicht unerheblich verwundet wurde.

----*----

Zur Lasse

ist wenig neues zu melden. Augenfällig ist nur, daß hier und da sensationelle Gerüchte auftauchen, die bald al» frei erfunden, bald als grob entstellt von denzuständigen Stellen" entlarvt werden. So war, wie wir bereits mitteilten, gemeldet worden, daß der bul­garische General Sawow nach Konstantinopel gekommen sei, um mit Kiamil Pascha über Fragen die den Gegenstand der Friedens­verhandlungen betreffen, zu konferieren. Diese Meldung wird von der Agence Vulgare als eine Intrigue bezeichnet. Die bulga­rische Regierung habe keinen Augenblick an besondere und geheime Besprechungen mit der Türkei gedacht. Eine weitere Sensations­nachricht bringt derTemps", der meldet, daß der ägyptische Prinz Achmed Fuad einen Handstreich in Albanien plane. Er beabsichtige angeblich an. der Spitze eines reichlich mit Waffen ausgerüsteten Expeditionskorps in Valona oder an einem diesem Hafen benach­barten Punkte zu landen, sich zum Führer von Albanien auerufen zu lassen und so eine vollendete Tatsache zu schassen. Man wird dieser Meldung einigermaßen skeptisch gegenüberstehen müffen, da fiewenig Wahrscheinlichkeit für sich hat. Eher glaubhaft ist die Nachricht der italienischen Preffe, daß Major Enver Bei, von dem man eine geraume Zeit nichts gehört hat, an der Ausgestaltung der Tschata ldschaforts in der Eigenschaft eines Gene­ral stabschefs tätig ist. Man bemerkte seinen Einfluß bet der Stellung der Artillerie. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so würde den türkischen Kämpfern in der Tschatawschalinie ein tüch­tiger und kriegserfahrener Führer gewonnen worden sein, und es

sität Halle, in der Zeitschrift für Kulturgeschichte herausgegeben worden sind. Meier hat in der genannten Zeitschrift auch eine Schilderung der Vorgänge gegeben.

Am Nachmittage des 8. Juni 1723 spielte sich In Halle eine uner­quickliche Straßenszene ab. Prinz Dietrich von Anhalt-Deffau. der Sohn des alten Dessauers, der als Oberst des väterlichen Regiments feinen Wohnsitz in Halle hatte, ging, von einem schweren Zechgelage heimkeh­rend, durch die Straßen der Stadt und hetzte seinen Leibmohr auf einzelne friedlich vorübergehende Studenten, die diese Angriffe zurückwiesen. Da­rauf soll der Prinz die Plünderung einiger Studentenbuden veranlaßt und noch weitere provolatorische Maßnahmen getroffen haben. Am anderen Tage berichtete bereits ein Anschlag am Schwarzen Brett über die Ausschreitungen des Militärs, und die Aufregung wuchs noch, als am 10. Juni der Adjutant des Prinzen, Fähnrich von Plötz, der Sohn eines pommerschen Landjunkers, einen Studenten namens Wilde Spieß­ruten laufen ließ, wobei er ihnmit dem Degen Übel tracktierte". Am Abend wurde die ganze Studentenschaft durch Konvolationszettel auf den Makt berufen, dort aber durch Militär auseinandergesprengt, nach­dem sie beschloffen hatte, den Prorektor Just Henning Böhmer zum Ein­schreiten zu veranlaffen, und falls dieser nicht darauf eingehe, selbst beim König durch eine Deputation vorstellig zu werden. - Der Prorektor suchte die Studentenschaft zu besänftigen; er scheute wohl ein energische» Auftreten gegen den Prinzen von Anhalt. Erst eine Bitte der Studenten­schaft, die am 12. Juni bei dem Eoncilium academicum vorgebracht wurde, veranlaßte dieses, am 13. Juni ein Stafette an den Regiments­chef, den Fürsten Leopold von Anhalt-Deffau zu senden, der als erste Instanz bei Vermittlungen zwischen militärischen und studentischen Reibungen eingesetzt war. Inzwischen namen die allabendlichen Stu­dentenversammlungen auf dem Markte ihren Fortgang. Die Stu- dentenschaft fühlte sich von ihrer Profefforenschaft im Stich gelaßen; ihre Haupterbitterung wandte sich gegen den Prorektor Böhmer, der die akademische Freiheit gegenüber dem Militär nicht wahrte. In allen Straßen und Gaffen wurde öffentlich der Studentenstreik proklamiert; Studenten die das Kolleg besuchen wollten, wurden daran von ihren Kommilitonen gehindert und wer e» wagen würde, den allgemeinen Streik zu brechen, für einen Hundsfott erklärt. Der uLchste Zusammen­

wäre im Falle des Abbruchs der Friedensverhandlungen dann gar nicht so unwahrscheinlich, daß sie das Krtegsglück noch einmal auf ihre Seite zwingen könnten. Auch die energische Verteidigung Adrianopels würde in diesem Falle weiter durchgeführt werden. Das erhellt schon aus einer Sofiaer Meldung, wonach in der Fest­ung Adrianopel vor einigen Tagen achtzig christliche Soldaten er« schaffen worden find, weil fie von Uebergabe gesprochen hatten. Der Verteidiger der Festung hat einen neuen Erlaß erlaffen, worin er droht, die ganze Stadt in die Luft zu sprengen, wenn noch weitere Spionageversuche zugunsten der Vulgaren gemacht werden sollten.

Eine der Hauptfragen, die vorliegen, ist die der angemr^nen Entschädigung Rumäniens. Sie soll, wie aus den neueren Mel­dungen hervorgeht, ebenfalls durch die Friedenskonferenz mit be­handelt werden. Der neue rumänische Gesandte in London, Mischu,, hat nämlich den Auftrag erhalten, sich mit der Friedensversamm­lung in Verbindung zu setzen, damit die Ansprüche Rumäniens von ihr behandelt werden. Der bulgarische Kammerpräsident Danew hatte die Absicht, ein paar Tage von London nach Paris zu fahren. Jedoch hat er diese Absicht nicht ausführen können, weil er mit dem Gesandten Mischu verhandelte. Die Haltung Rumäniens soll unter den Bulgaren starke Mißstimmung Hervorrufen. Anderer­seits wird die allerdings mit allem Vorbehalt aufzunehmende Meldung verbreitet, daß eine Einigung zwischen Bulgarien und Rumänien betreffs der rumänischen Kompensation, bereits zu­stande getonten sei und zwar derart, daß Bulgarien sich bereit er­klärt hat, die Befestigungen von Silistria an Rumänien abzutre- ten. Die Stadt Silistria soll in den Händen Bulgariens bleiben. Die Befestigungen bestehen aus 17 Forts.

* *

Konstantinopel, 27. Dez. Am Mittwoch wurden hier 34 Eholerafälle gemeldet, von denen fünf tätlich verliefen. Hinzu kamen 16 Sterbefälle nach früheren Erkrankungen. Im ganzen sind 2228 Erkrankungen und 1107 Todesfälle vorgekommen.

----------

Politische Umschau.

Zur Präsidentschastswahl in Frankreich.

Am 17. Januar 1913 wird in Versailles die Präsidentschafts­wahl für die französische Republik stattfinden. Zunächst hatten sich verschiedene republikanische Gruppen auf die Kandidatur Bour­geois' geeinigt. Nachdem dieser aber abgelehnt hatte, entschloß man sich, die Kandidatur dem Ministerpräsidenten Poincars anznbieten, obwohl auch dieser bereits im Herbst ein dahingehendes Ar suchen abgelehnt hatte. Jetzt nun besagt eine Note der Agence Havas: Nachdem zahlreiche republikanische Senatoren und Deputierte seit einigen Tagen bei dem Ministerpräsidenten Schr'tte untern -mmen haben, um ihn zu bestimmen, seine Kandidatur für die Präsident­schaft der Republik aufzustellen, ließ sie der Ministerpräsident v-m seiner Einwilligung in Kenntnis setzen. In repu­blikanischen Kreisen verlautet dazu, Poincar6 habe sich zur Kandi­datur erst entschloffen, als er die Versicherung erhielt, daß die Füh­rer mehrerer republikanischer Gruppen für ihn eintreten und er der Mehrheit in der Vollversammlung der republikanischen Partei der Kammer und des Senats sicher sein könne. Die Kandidatur Poin- car6s wird von mehreren Pariser Blättern mit Befriedigung be­grüßt. Der gemäßigteFigaro" schreibt: Der Nebel ist endlich zer­streut. Wir kennen den Mann, der am 17. Januar aus der Wahl­urne hervorgehen wird, noch nicht. Aber Frankreich besitzt endlich einen Mann, der öffentlich die große Ehre angenommen hat, sein Vertreter zu sein, wenn die Nationalversammlung ihn wählen sollte. Das eine ist sicher, daß Poincarö morgen Präsident der Re-

stoß mit dem Militär fand am Abend des 14. Juni statt. Die Studenten wieder in riesigen Massen auf dem Markt erschienen, fangen Lieder, pfiffen und ließen die Hallesche Freiheit hochleben. Als der Radau immer mehr zunahm, gingen Oberstleutnant von Brand von der einen Seite und die städtische Scharwach« von ihrem Wachtlokal aus gegen die Versammelten vor und säuberten den Platz. Dabei wurden einige Studenten gefangengenommen. Nachts durchstreiften Militärpatrouillen die Straßen die Stadttore wurden nach Mitternacht geschloffen und alle Studenten, die auf der Straße getroffen wurden, in Hast genommen, andere in ihren Wohnungen ergriffen und zum Teil unter Mißhand­lungen nach der Haupttvache geschleppt. 60 Studenten waren fo ihrer Freiheit beraubt.

Nun kannte die Erbitterung der Studenten keine Grenzen mehr. In Pamphleten, Spottgedichten, Epigrammen, poetischen Zornesaus- dtüchen wurden die akademischen Behörden der Universität angegriffen und verhöhnt. Daß die Hallesche Univerfitätsbehörde im Jahre vorher anläßlich eines Studententummlts an den König das Ersuchen gerichtet, den Kommandeur zu beauftragen, bei ähnlichen Fällen Soldaten gegen die Studenten aufzubieten, hatte schon das Verhältnis zwischen der Universitätsprofefforenschaft und der Studentenschaft getrübt. Die Bürgerschaft wurde nun durch die Drohung der Studenten erschreckt, von Halle roegzuziehen und an eine Universität Überzusiedeln, die bester di» akademische Freiheit zu wahren verstehe. Da aber die Tore geschloffen waren, war ein spontaner Exodus nicht möglich. Nun endlich im Drang» der höchsten Not griff der Prorektor Böhmer ein, er sandte am 15. Juni ein Referat an den Oberprorektor Geh. Etatminister von Printz, taut aber mit einem am 16. Juni an den König abgesandten Bericht zu spät, da inzwischen der Kommandeur dem Könige seine Auffaffung der Sach» Übermittelt hatte. Schließlich gab auch noch der Kanzler der Univerfität von Ludwig, am 18. Juni in einem längeren Bericht an den Oberpro» j kurator Freiherrn von Blaspiel eine Schilderung der verworrenen Zu­stände. Er bemerkte darin, daß bit Stadt durch den Wegzug von tat 200 Studenten eine jährliche Einbuße von 100 000 Talern erleiden werd«, und daß dadurch auch die Steife und der Fiskus in Mitleidenschaft ge­zogen werden muffen.Die Bürger gehen hterselbst al» wie vor bet j Kopf geschlagen herum; und weil di» Xett, Märkte und alle» geschloffen.