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«atfttmmung. Man kennt fich im Hessenland', denn es ist ja nicht allzugroß, und hält dort noch etwas auf Familientradition und auf Heimatsliebe. Die will der neugegründete .Sessenbund auch hier oben im Pommernland pflegen. Und vielleicht gelingt es dieser landsmannschaftlichen Vereinigung sogar, künftig einmal über ihren jetzt natürlich noch engen und internen Zirkel hinaus Interesse an hessischer Frohlebigkeit, hessischem Gemütsleben, hesfi- scher Sprache und Dichtung hier in Stettin zu wecken. Die ersten Ansätze find da und sie find vielversprechend.

* Im Stadttheater wurde uns gestern etwas neues geboten, dasAutoliebchen", die dreiaktige Eesangsposse von Jean Kren, Alfred Schönfeld und Jean Gilbert. Es soll hier nicht unsere Auf­gabe sein, in eine Kritik der modernen Operette oder Posie mit Gesang viel Unterschiede gibts darin nicht mehr einzutreten. Wir haben das auch schon öfter getan. Genug. Die gestrige unter­schied sich in nichts von dem, was man in dieser Beziehung gewöhnt ist. Gute Witze wechseln mit Zweideutigkeiten, besser gesagt Ein­deutigkeiten, und mehr oder weniger langweiligen Strecken ab. Den Hauptteil bestreiten Marsch- und Tanzübungen auf der Bühne. Kurz und gut: Es ist eben eine andere Kost, als es das Theater in seinem engeren Änne bieten soll. Aber für manche Mängel, die man nicht allzu tragisch zu nehmen braucht, entschä­digt doch die glänzende Situationskomik, zum Teil wirklich schla­gender Humor und, das sei nicht vergessen, ansprechende einschmei­chelnde Melodien. Das Publikum dankte denn auch gestern mit stürmischem Beifall, obwohl der Stoff selbst so bescheiden und gering erscheint, daß schon eine Portion Paprika dazu gehört, um ihn überhaupt annehmbar zu gestalten. Das Stück, das bereits seit einem Jahre mit großem Erfolge über die Bühnen geht und durch einige seiner Melodien auch in den kleinsten Städten be­kannt geworden ist, erfreute sich naturgemäß eines recht lebhaften Interesses, sodaß der gute Besuch der Vorstellung erwartet werden konnte. Die Aufführung selbst war gut. Reichten auch die stimm­lichen Mittel der einzelnen Herrschaften nicht hin um restlos zu befriedigen, so war doch der gute Wille nicht zu verkennen. Ganz charmant in ihrem gesamten Spiele war Frl. Rappo als fesche, rassige Priska. Ihr gebührt sicher das Hauptverdienst für den Er­folg des Abends. Herr Großer bewährte sich prächtig als Komiker. Er gefiel bei weitem besser als Herr Norden, von dem man früher besseres gewohnt war. Dadurch, daß er schon vorher über seine Pointen lacht, nimmt er ihnen die Wirkung und bringt sich selbst um den Erfolg. Auch das Schäkern und Unterhalten mit den Mit­spielenden an unpassender Stelle trägt nicht gerade dazu bei ihm seine Beliebtheit zu erhalten. Die übrigen Herrschaften, von denen hier noch besonders Frl. Dagny als Rely und Frl. Jüngling als Fist hernorgehoben feien, paßten sich ihren einzelnen Rollen nach besten Kräften an, sodaß eine hübsche, flotte Gesamtaufsüh- rung zustande kam die sicher jedem bei allem Vorbehalt einige vergnügliche Stunden bereitet hat. Der Direktion aber ge­bührt die Anerkennung, daß sie die Neuheit herausgebracht hat, sodaß nun auch bei uns die Frage:Fräulein, könn 'se linksrum tanzen?" aktuell geworden ist.

* Notierungen von Vieh- und Fleischpreisen. Auf dem Bieh- und Fleischmarkte hat sich die bisher geübte Praxis der Preis­notierungen als unzulänglich erwiesen. In Preußen find deshalb bereits mehrere Regierungspräsidenten dazu übergegangen, amt­liche wöchentliche Preisübersichten über den Einkauf von Rind- und Schweinefleisch nach dem Schlachtgewicht auf dem Schlachthofe und den Kleinverkauf im Laden festzustellen, um dadurch eine Dar­stellung der Spannung zwischen Ein- und Verkaufspreis zu.gewin- nen. Die Zusammenstellungen erstrecken sich zunächst auf Orte mit öffentlichen Schlachthäusern und werden als sehr wertvoll erachtet. Versammlungen, Konzerte, Theater, Dergnügungsnachrichtea ul«.

Stadttheater. Am nächsten Donnerstag wird als 9. Abonnements­vorstellung Ludwig Thomas neues DolksstückMagdalena" gegeben. Es war ursprünglich vorgesehen, das Werk als einen sog.Kammerspiel­abend" zugeben, doch wurde der Wunsch laut, es nicht auf einen ver­hältnismäßig kleinen Kreis zu beschränken und so wird bi« Vorstellung im Abonnement gegeben werden wie an den Hoftheatern zu Darmstadt und Stuttgart und wie in Frankfurt Und Eießen. Ein Auszug aus einer Frankfurter Besprechung dürfte interessieren.Die Gestalt der M a g d a l e n a", der gefallenen Sünderin, schreitet in mancherlei Ge­wändern durch die Literatur. . . . Aber außer der biblischen Magdalena trägt vielleicht keine von allen ein so einfaches und natürliches Kleid wie dieses unglückselige Kind aus den bayerischen Bergen." So recht ein All­tagsschicksal ist das ihrige, so recht ein Alltagsmädel ist die arme Leni, so rechte Alltagsleute sind sie alle im Dorf und daß aus dem geruhi­gen Werktagsleben ohne rechtes Merken die gewaltige Tragik des Men- schendaseins mit Unerbittlichkeit erwachsen kann, das ist es was uns beim Abrollen dieser Alitagsgeschichte so sehr ans Herz greift. . . . Das Volksstück Thomas hat hier, wie auch überall sonst, wo es über die Bretter ging, sein Publikum von Herzen ergriffen.

Die Wandervögel. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, feiert derMarburger Wandervogel" am Freitag, den 20. Dezember im Kreise seiner Eltern und Freunde sein Weihnachtsfest. Wie wir hören, wird ein Herodesspiel, wie es in schlesischen Walddörfer noch heute zur Weihnachtszeit vom Volke gespielt wird, und später ein Schattenspiel von Pocci über die Bretter gehen. Dazu werden die Wandervögel ihren Gästen mit Musik aufzuwarten wissen.

- i--Ockershausen, 16. Dez. In einer der letzten Nächte wurde hier eingebrochen und Hafer sowie Fleischwaren entwendet.

- i- Cölbe, 16. Dez. Auf dem hiesigen Bahnhof kam es gestern abend zu einer Schlägerei zwischen jungen Leuten.

tt Frankenberg, 16. Dez. Der gestrige Sonntag brachte der Ee- fchästswelt noch nicht die erhoffte Einnahme, obwohl aus den umliegen­den Ortschaften zahlreiche Personen die Kreisstadt besuchten. Hoffent­lich macht sich das Weihnachtsgeschäft noch besser. Das ungünstige Weih- nachtswerier beeinflußt die Geschäftswelt ebenfalls ungünstig. Herr Lokomotivführer Behrendt, welcher mit seinem bjährigen einzigen Söhn­chen Verwandte besuchen wollte, wurde von einem herben Mißgeschick heimgesucht. Auf der Station Treysa stürzte das Kind aus dem Wagen und blieb sofort tot. Wir erhalten hierzu folgende amtliche Darstellung: Am Sonnabend, den 14. d. Mts. gegen 9,30 Uhr abends, stürzte der 4lbjähttge Sohn des Reservelokomotivführers Behrend au» Frankenberg (H.-R.) in dessen Beisein zwischen Singlis und Borken aus dem Per­sonenzug 786. Er trug schwere Kopfverletzungen davon, an deren Folgen er nach 5 Stunden in der Anstalt Hephata verschied, wohin ihn der im Zuge anwesend« Bahnarzt überführte. Das Kind dürfte im unbewach­ten Augenblick sich an der Türklinke vergriffen haben, sodaß dies« auf- sprang und da» Kind mitritz.

Herzhausen, 16. Dez. Don den 40 Zuchthausgefangenen, die au» dem Casseler Zuchthause zur Ausführung von Erd- und Maurerarbeiten beim Bau der Edertalsperre beschäftigt werden, gelang es dem Zucht­häusler Rapper zu enffliehen. Er wurde jedoch am Sonnabend do* Mittag wieder verhaftet und in das Zuchthaus zurücktransportiert.

Dr«yfa, 16. Dez. Die hiesige Ortsgruppe des Evangelischen Ver­ein» veranllaltetr gestern abend im Gasthaus«Zur Burg" «inen Fami- litio6»nb, zu welchem (um eine llebersüllung des Saales zu verhindern) Eintrittskarten ausgegeben worden waren. Rach einer Begrützungs» «»spräche des Herrn Pfarrers Wagner, des Vereinsvorsitzenden, und einem sich anschlietzenden Liede des unter Leitung des Herrn Kantors Asteroth stehenden Kirchenchors, wurde das einaktige SchauspielTreu Herr, treu Knecht" ein Zeitbild ans der Hugenottenbewegung auf- peiühtt Durch einen gemischten Chorgesang wurde alsdann ein durch Lick-lbilder unterstützter Vortrag de» Herrn Pfarers Wagner über die evang-lisch« Bewegung in Oesterreich eingeleitel. Das später zur Dar­stellung gelangende, aus drei Akren bestehende Schauspiel Kaplan Rein­hard" versetzte die Zuschauer in dieLos von Rom"-Bewegung. Sämt- fich« Darsteller entledigten pch ihrer Aufgabe mit grobem Geschicke. In

einem Schlußworts dankte der Herr Vorsitzende allen, die zu« Gelingen des Abends beigetragen hatten. Um vielfach geäußerten Wünschen ent­gegenzukommen, findet voraussichtlich im Laufe dieser Woche eine Wie­derholung der Vorstellung statt.

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Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Cassel, 16. Dez. Als vorgestern abend der Zug 12 in Breitenbach einlief, versuchte ein etwa 18jähriges Mädchen auszusteigen, bevor der Wagen hielt. Das Mädchen kam zu Fall und geriet mit den Beinen unter die Räder. Es wurde so schwer verletzt, daß ihm da» eine Bein bi» zum Knie und vom andern der Futz abgenommen werde« muhte. Das verunglückte Mädchen litt an epileptischen Anfällen.

Wiesbaden, 16. Dez. Im Heizraum der hiesigen englischen Kirche wurde der Kirchendiener Henry Pybus erstickt aufgefunden. Er hatte nach Anzünden des Ofens in einem Buche gelesen und war dabei einge­schlafen und dann durch ausströmende Koksgase erstickt.

Fulda, 16. Dez. Ein Mordversuch wurde gestern früh am hiesigen Bahnhofe verübt. Die Polizeidirettion hatte telegraphisch Kennntnis erhalten, datz sich im Gießener Zuge ein blinder Passagier befände. Sie entsandte einen Schutzmann zur Feststellung des Konttavenienten nach dem Bahnhof. Auf diesen gab der Betteffende aus dem Zuge heraus zwei Schüsse ab, die jedoch an den Uniformknöpfen abprallten. Unter dem Schutze der Dunkelheit konnte der Täter, der als der gesuchte Kir­chenräuber gilt, unerkannt entkommen.

Altenkirchen (Westerwald), 16. Dez. Der Kriegsinvalide H. Say- nifch aus Welterfchen war beim Sturm der Garde auf St. Privat am 18. August 1817 durch einen Schutz ins linke Knie verwundet worden. Di« Wunde war geheilt, aber der Invalide hatte mehr oder weniger Schmerzen an der Wundstelle. In diesem Herbst wurde nun das Knie im Coblenzer Earnisonlazarett, wo der Mann in Behandlung war, mit Röntgenstrahlen durchleuchtet und dabei festgestellt, daß die Kugel von 1870 noch im Knie festfitzt.

Born Westerwald, 16. Dez. Die Nachricht des Marienberger Kreis­blatts" von der Festnahme dreier ausländischer Offiziere, die in Nonnen­gewändern spioniert haben sollen, ist falsch gewesen. Sie klang auch so unwahrscheinlich, daß sie nur in einer so nervösen Zeit Glauben finden konnte.

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Hochschulnachrichten.

X Karlsruhe, 16. Dez. Der Großherzog verlieh derKarls­ruher Zeitung" zufolge dem ordentlichen Professor des öffentlichen Rechts an der Universität Gießen Dr. Wilhelm van Calker das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen.

x Breslau, 16. Dez. Die hiesige Friedrich Wilhelms-Uni- verfität zählt im laufenden Wintersemester 2710 immatrikulierte Studierende gegen 2641 im Wintersemester 1911/12 und 2633 im Commersemester 1912.

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Kunst und Wissenschaft.

-ss- Gerhart Hauptmann wieder in Berlin. Berlin, 16. Dez. Gerhart Hauptmann ist aus Schweden zurückgekehrt und nahm im HotelAdlon" Wohnung. Heute nachmittag Uhr veranstalteten studentische Char- giette in etwa 50 Wagen eine Auffahrt vor dem Hotel zu Ehren des Dichters. Heute nachmittag wird Hauptmann einer Sondervorstellung Biberpelz" im Lessingtheater beiwohnen. Ein Teil der Studentenschaft wird darauf bei dem Dichter im Hotel zu East sein.

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Unpolitische Tagesnachrichten.

In Flammen. Mainz, 16. Dez. Das Kinderasyl der prottstan- ttschen Rettungsanstalt in Trautberg bei Castel steht seit heut« früh in Flammen. Di« in der Anstalt befindlichen 80 Kinder konnten ge­rettet werden. Die Ursache ist unermittett.

Unterschlagung. Rom, 16. Dez. Der Zollinspektor Sautaniello in Torre Annunziata ist nach Unterschlagung einer halben Million Lire flüchtig gegangen.

Ertrunken. Kopenhagen, 16. Dez. Rach Meldungen von den Dänisch-Westtndischen Inseln ist bei der Insel St. Thomas ein Boot untergegangen. Bei dem Unglück find 13 Personen, darunter der Führer des Bootes ertrunken.

Theateruufall. Stuttgart, 16. Dez. Während der Vorstellung von Schiller» Räubern fiel gestern im hingen Hoftheater dem Schau­spieler Trost eine Birne der grotzen «lekttischen Hängelampe auf den Kopf und zersplitterte vollständig. Rach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte zu einem Arzt gebracht.

Born Zug« erfaßt. Tilsit, 16. Dez. Bei Naujeningken wurde am Sonnabend ein Brauereiauto auf dem Bahnübergänge von einem Zuge erfaßt. Der Wagenführer wurde nicht verletzt. Der Arbeiter Skaru» wurde gegen einen Stein geschleudert; er ist gestern seinen Ver­letzungen erlegen. Der Unfall ereignet« fich, weU der Zug bei dem herrschenden Unwetter nicht bemerkt worden war. Newyork, 16. Dez. In Poriamboy wurde ein Autobus bei dem Passieren eines Eisenbahngleises vom Exprehzug erfaßt und vollständig zertrümmert. Drei Personen waren sosott tot, 8 find schwer verletzt-worden.

Selbstmord. Berlin, 16. Dez. Heute vormittag nahm ein junges Mädchen in einem Hotel in der Marirnsttaße Eist und stürzte sich aus dem Fenster aus die Stratze. Es war sofort tot. lleber die Persönlich­keit und das Motto der Tat konnte bisher nichts festgestellt werden.

Serarteitt Berlin, IC. Dez. Das Landgericht verurteilte die Geldschrankeinbrecher Tischler Werner, zu 10 Jahren Zuchthaus, den Heizer Grothe zu 4 Jahren und den Schlosser Soyka zu 214 Jahren Zucht­haus. Bei der Urteilsverkündung waren wegen der Gefährlichkeit der Angeklagten große Vorfichtsmatzregeln getroffen worden, doch kam es zu keinen Zwischenfällen.

Der Sturm. Berlin, 16. Dez. Der Sturm hat hier mehrfach Schaden angerichtet. Die Feuerwehr wurde in verschiedenen Stadtteilen wegen herabgerisseuer Firmenschilder usw. herbeigerufen. Bon der St. Pauls-Kirche wurde ein Kreuz herabgeworfen. Schweren Schaden erlitt der Baumbestand im Tiergarten. Ein Bavm am Großen Stern, der niedergebrochen wurde, riß im Sturz einen Mast der Straßenbahn­leitung mit, wodurch längere Zeit eine Unterbrechung des Stratzenbahn- verkehrs verursacht wurde. Personen sind, soweit bekannt, nicht verletzt worden.

Vermischtes-

Die Dam« des Hauses. In dem biographischen Nachruf, womit Adolf Matthias das NooellenbuchDer Schneider von Breslau" des im März verstorbenen großen Schulmanns Wilhelm Münch einleitet, findet sich eine launigezeitgemäße Variation" der Echillerschen Verse vom Walten der züchtigen Hausstau:

Und biinnen waltet

Nein, das ist veraltet, Drin repräsenttrtt Die Dame de» Hauses. Zwar Mutter der Kinder, Doch hält sie sich weise Meist fern ihrem Kreise; Eie lehtt nicht die Mädchen Und wehrt nicht den Knaben (Sie wird doch wohl Bonn« Und Hauslehrer haben!). Beansprucht ahn' Ende Der Menerschaft Hände. Für Verlust und Gewinn Hat sie gar keinen Sinn, Kaust zierliche Sachen im prunkenden Laden, Hantiert nur höchst selten mit Nadel und Faden Und bezieht en gros für den stilvollen Schrein Von Rudolf Hertzog den schneeigen Lein, Sie kulttviert nur den Glanz und den Schimmer *» Und ruht sonst immer,

Turn-, Spiel- und Sportwesen auf de« Internationalen Vaasas Ausstellung. Die Bestrebungen weiter Kreise, Leibesübungen aller Att zu pflegen und somit zu einer Kräftigung unseres Volkes beizutragen, finden überall lebhaften Widerhall. Es regt fich an allen Ecken und Enden, man wendet große Summen auf, um Sportplatzanlagen, Turn- hallen usw. zu schaffen und immer mehr Anhänger für die Sache zu werben. Deshalb glaubt auch die Jnternattonale Baufach-Ausstellung nicht an diesem wichtigen Gebiete vorübergehen zu dürfen. Allerdings wird es auf der Leipziger Bauausstellung keinen Eportbettieb geben, aber dafür werden einmal in geschlossener Form die Beziehungen des Sportes und Turnens zum Bauwesen dargelegt werden. Diese Beziehun­gen find gar vielfacher Natur. Es werden Modelle von Sportplatzan­lagen, Klubhäusern, Schießständen, Rennbahnen, Rodelbahnen, Radrenn­bahnen gezeigt werden und zwar in ihrer vollkommensten Ausführung. Den größten Raum dieser Ausstellung wird ein internattonaler Wett­bewerb in allenmöglichen Geräten und Sportarttkekn einnehmen; wir werden Gewehre, Fußbälle, Segel- und Ruderboote, Schlitt- und Roll­schuhe, Luftschiffe, Flugmaschinen, Fahrräder, Automobile, Billards, Kegelbahnen usw. sehen; Spottliteratur, Sportkleidung wird ausgestellt werden, ebenso wird man Einrichtungen von Klubhäusern sehen. Schließlich ist auch der Goldschmiedekunst ein Platz eingeräumt worden, um Ehrenpreise und Medaillen auszustellen, die Papierindustrie wird künstlerisch ausgesührte Diplome zeigen und auch Jagdtrophäen werden nicht fehlen. Die Halle für die Abteilung Spott wird an einem bevor­zugten Platze auf der Ausstellung erbaut werden, sie liegt in nächster Rähe des Pavillons des sächsischen Staates und wird eine bebaute Fläche von 1550 qm aufweisen. Die Halle wird auf 25 Meter in Holzkonstruk­tton frei gespannt. An die Haupthalle wird sich eine Turnhalle an­schließen. Sie wird in ihrer Gestaltung Zweckmäßigkeit mit raumkünst­lerischer Wirkung verbinden.

Feuerstchere War«. Eine hübsche Episode wird von einem Feuer- verfichernngsagenten in einer Fachzeitschrift erzählt. Zu einem Zigarren­macher kam der Agent einer Feuerversicherungsgesellfchaft, um denselben einzuladen, sich gegen Brandschaden zu verfichern. Der Mann weigerte fich.Aber bedenken Sie, wenn nun Feuer bei Ihnen ausdricht und ihre Vorräte in Brand geraten?"--Ich fabriziere meistens Dreipfennig-

Havanas", war die gelassene Antwortund die brennen nicht, selbst wenn man sie ins Feuer steckt!" Ein« angenehme Sorte vonHavanas" scheint das zu fein. Der Zigarrenhändler verfügte jedenfalls über eine hübsch« Portion von Humor.

Briefmarkensammlungen im Harem. Bor einiger Zeit besuchte der Berichterstatter einer französischen Zeitschrift für Briefmarkensammler den Harem eines algerischen Stammesoberhaupkes in Biskra. Seinen Besuch beschreibt er wie folgt:Am Tore zur Residenz des Kaid empfing uns ein kohlschwarzer afrikanischer Riese, der erste Eunuche des Haus­halts. Er begrüßte uns stumm, aber sehr ehrerbietig und forderte uns auf, ihm zu folgen. Gemächlich wanderten wir einen Korridor entlang, bis unser Führer einen Vorhang zurückschlug und uns den Eintritt frei­gab. Da saßen nun auf vielen grellbunten Kissen fünf junge und schöne Frauen. Eie trugen zahlreiche Armspangen, goldene Ringe um ihre dünnen Knöchel und zwei Reihen Zechinen im Haar und daneben noch Halsbänder von Gold und Korallen, damit sich davon ihre braune Haut­farbe recht abheben sollte. Mit einem Wort: wie sie so dasaßen, gaben sie ein höchst anziehendes Bild. Sie unterhielten sich mit uns französisch; doch wandten sie dabei Wörter an, dis man in Paris selten hött große Kinder, die den ganzen langen Tag an den Harem gefesselt find und die fich sehr freuten, fremde Gesichter zu sehen. Nachdem wir den unvermeidlichen, nebenbei gesagt köstlichen Kaffee eingenommen hatten, zeigten sie uns verschiedenes Geschmeide, darunter Gegenstände, von mustergültiger Arbeit. Zuletzt kam eine Truhe aus gekerbtem Holz an. di« Reihe, die umständlich vor uns hingestellt wurde. Behutsam öffnete sie eine der fünf Frauen, die die erste zu fein schien, und was er­blickten wir? ein Markenalbum f Es war ein Geschenk ihres Herrn und Eebiettrs zum Neujahrtag und sie schienen sehr stolz aus diese selt­same Gabe zu sein. Als Sammler konnte ich den Insassen des Harems vieles ans dem Gebiet des Markensammelns erzählen. Sie verloren kein Wott von allem, was ich zu ihnen sagte und hielten ihre Augen wissensdursttg auf meine gerichtet. Niemals, das steht bei mir fest, hab« ich eine Zuhörerschaft gehabt, die auch nur bald so aufmerffam gewesen wäre. Dor meinem Besuche machte ihnen die Beschäftigung mit Marken Spatz, doch als ich die Fünf verließ, da waren ste ebenso scharf- finnige Philatelisten wie ich einer bin,"

Mittellunaen ans dem ßderfr» iie.

Unter Mefer Rubrik veröffentlicht di« Redaktion Stimmen aus ihrem Leserkreis. Für die hierin ausgesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion (außer der preßgesetzlichen) keine Verant­wortung, diese bleibt vielmehr dem Einsender Überlassen.

Zur Mittelschul-Frage.

Aus dem mir inzwischen zugegangenen gedruckten Jahresberichten der 12 älteren Mittelschulen Frankfurts ergibt sich folgendes:

Am 15. Januar 1912 waren in diesen zum Teil noch unvollständigen Anstalten vorhanden: 3579 Knaben und 4045 Mädchen, zusammen als» 7624 Schüler. Ostern 1912 find an den noch nicht völlig ausgebauten Schulen mindestens 9 Klassen mit ca. 360 Schülern eingerichtet worden. Außerdem wurden 6 Oberklassen mit ca, 150 Schülern aufgesetzt. Hierzu kommen dann noch mindestens 3 Klassen für die 3 neugegründeten Mittel­schulen mit ca. 120 Schülern. Die Mittelschulen Frankfurts zählen also augenblicklich weit über 8000 Schüler. Mit jedem Iahe« wird auch di« Anzahl der Oberklassen zunehmen und ihre Besetzung wachsen. Dem­gegenüber behauptet das bekannteEingesandt", daß in Frankfurt a. M. von 1004 Schülern der Mittelschulen nur 28 in die Oberklassen gelang­ten. In die 6 Oberklassen wären Ostern 1912 noch bedeutend mehr Schüler eingctreten, wenn ihre Einrichtung frühzeitig befchlossen wäre. So hatten aber bereits viele Eltern Lehrverträge für ihre Kinder ab­geschlossen, und diese konnten nicht wieder rückgängig gemacht »erben.

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Letzte Nachrichten.

Berlin, 16. Dez. Hochwaffermetoungen liegen besonders vor aus Thüringen und Hessen. An der Saale find die Arbei'en am Neubau der Kamsdorfer Brücke, die bereits mehrfach durch Hoch­wasser gestört wurden, abermals eingestellt worden. Die Fulda- Schiffahrt mußte eingestellt werden; in Witzenhausen wurden meh­rere am Ufer der Werra gelegene Fabriken geschlossen. Im Eroß- Semlin-See bei Rhinow im Havelland ertranken bei dem herr­schenden Sturm vier Männer.

Berlin. 16. Dez. Mehrere tausend Vertrauensmänner sämt­licher Bezirke und Zweige der deutschen Holzarbeiterverbände er- klärten fich für die Durchführung der von der außerordentlichen Generalversammlung aufgestellten Forderungen. Die Hauptpunkte lauten: Verkürzung der Arbeitszeit, eine den Zeitverhältnissen entsprechende Lohnerhöhung und weiterer Ausbau des paritäti­schen Arbeitsnachweises. Wenn auch nicht alle Verhandlungen mit den Arbeitgebervertretern Erfolg haben werden, so kann doch von einem Scheitern nicht gesprochen werden.

Köln, 16. Dez. Ein Bäckergeselle hantiette mit einem Re­volver, wobei fich die Waffe entlud. Die Kugel drang dem Bäcker­meister in den Kopf. Als der Geselle sah, was er angerichtet hatte, brachte er fich selbst einen lebensgefährlichen Schuß bei.

Mülhausen (Elsaß), 16. Dez. Ein Mädchen blickte starr auf ein über sich hinziehendes Flugzeug. Beim Jmmerweitergehen fiel es in den Kanal und erttank.

Wien, 16. Dez. Die vom Ministettum des-Aeutzern in der Ange­legenheit des Konsuls Prohaska in Prizrend durch die von hier entsen­deten Delegierten gepflogene Untersuchung, die fich infolge der großen Entfernungen und der durch die Kriegslage geschaffenen Verhältnisse einigermaßen in die Länge zog, ist nunmehr abgeschlossen. Aus Grund des Ergebnisses kann erfreulicherweise konstatiert werden, daß die im Umlauf gewesenen Gerüchte, wonach der Konsul Prohaska von serbischer Seite auf seinem Posten förmlich gefangen gehalten und sogar miß­handelt worden fei, jeder Grundlage entbehren. Die feiner Zeit von der serbischen Regierung gegen den genannten Konsularfunktionär mit dem Ersuchen um dessen Versetzung erhobene amtliche Anschuldigung, daß bei