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1912

Erstes Blatt.

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sen hervor, in der der Reichstags- und Landtagsabgeordnetr Dr. von Heydebrand und der Lase eine zündende Rede Über die gegenwärtige Lage der konservativen Partei hielt. Die konservative Partei hat leider durch den Tod des Reichstags- und Landtagsabgeordneten Will, der Vertreters des Wahlkreise« Ctolp-Laucnburg (Pommer») wiederum einen empfindlichen Verlust zu beklagen. Am Sonnabenv tagte in Berlin der Vorstand der Reichs- und freikonservativen Partei. Der Führer der Partei, der Abgeordnete Frhr. v. Gamp, erklärte bei dieser Gelegenheit im Hinblick auf die bevorstehenden preußischen Landtagswahlen, seine Partei stehe auf dem Boden einer konservativen Weltanschauung und könne sich an einem Kampfe gegen die konservative Partei nicht be­teiligen.

Im Bereiche der auswärtigen Politik war das Hauptereignis dieser Woche^die Erneuerung des Dreibunds. Hat sich dieser Bund nun schon seit länger als 30 Jahren als beste Garantie für die Erhaltung des Frieden- unter den Großmächten gezeigt, so wird die Nachricht von seiner Erneue­rung gerade jetzt, wo die Mächte sich anschicken, die heikle Orientfrage endgültig zu regeln, besonders schwer ins Gewicht fallen. Auf dem Balkan schweigt tatsächlich der Kriegslärm. Ein Waffenstillstand ist ab­geschlossen, der demnächst in London in den wirklichen Frieden zwischen den Balkanstaaten und der Türkei verwandelt werden soll. Daneben soll in London eine Botschafter-Reunion abgehalten werden, um den euro­päischen Kongreß vorzubereiten, auf dem dann alle Balkan- und Orient« angelegenheiten geschlichtet werden sollen. Für diese Regelung hat stch übrigens auch Rumänien angekündigt, wie die Thronrede zur Eröffnung der rumänischen Kammer am Freitag deutlich erkennen laßt.

Inzwischen hat sich in Wien ein Wechsel in den höchsten leitenden , Stellen der österreichisch-ungarischen Armee vollzogen, indem sowohl der Kriegsminister v. Auffenberg, wie der Eeneralstabschef v. Schemua, zurückgetreten sind. Ueber die Ursachen dieses auffehnerregenden Vor­ganges herrschen in der politischen Welt noch Zweifel, doch darf es wohl als ausgemacht gelten, daß innere militärische Fragen dabei ausschlag­gebend gewesen find.

Auch in England hat ein Stellenwechsel Aufsehen erregt. Dort wurde der Erste Seelord Admiral Sir Francis Bridgeman durch den Prinzen Ludwig von Battenberg ersetzt. Die englische Marine soll jetzt auch von Kanada verstärkt werden, das den Briten drei Dread­noughts stellen will. Mehr fast als diese Sache interessiert die Engländer zur Zeit die Frage, ob wieder ein großer Eisenbahnerstreik im Anzuge ist. Zehntausend Angestellte der North Eastern Railway befinden sich schon im Ausstand, und man befürchtet, daß ihre Zahl rasch wächst.

einigung sehen. Nun hat der Kaufmann gestegt, und noch heute sind die Stimmen nicht verstummt, die diese Wahl für unheilvoll halten. Auch den Außenstehenden mag sie einigermaßen befremden, wenn er bedenkt, daß einst ein Mann wie Mar Liebermann, der den Ruf der Sezeffion begründete, die Geschäfte führte. Aber man darf nicht ver« geffen, daß sich unter den in Frage kommenden Persönlichkeiten kein« fand, die mit Hingabe und Selbstverleugnung die Lasten des Präsidium« auf sich nehmen konnte und wollte. Außerdem hat der neue Herr be­wiesen, daß er auf dem Gebiet der Organisation etwas zu leisten ver­mag und daß er den internationalen Kunstmarkt bester kennt als alle Maler und Bildhauer und Zeichner zusammengenommen. Und das ist ein Vorzug, der nicht hoch genug bewertet werden kann. Affo sollte man nicht vor der Zeit den Stab brechen über diesen Kaufmann als Präsi- dcnten einer Künstlervereinigung, sondern ruhig der Zukunft die Ent­scheidung überlasten. Auch hier heißt ts: Abwarten! Außerdem wird ein derartiges Amt in der Oeffentlichkeit leicht überschätzt. Gewiß 6c der Vorsitzende einer Künstlergenostenschaft, der Männer von Ansel und Ruf angehören, eine gewisse Macht in den Händen, aber sei. Stimme ist schließlich nicht ausschlaggebend und sein Wille nicht Gesetz. Wenn die Künstler nur zusammenhalten und sich selbst getreu bleiben, so ist nichts zu befürchten, denn sie find es schließlich doch, mit denen di« Sezesston steht und fällt.

Von diesen ernsten Fragen der Kunst wird die Muse des leichte« Scherzes, der in Berlin gar manche Tempel geweiht sind, wenig ange­kränkelt. Das zeigen u. o. die drei neuen Einakter, mit denen in den letzten Tagen die Folies Caprice aufwarten. Wer ziemlich papriziert. Kost liebt und sich mit Witz und Satire im Theater begnügt, wird dort seinen Gefallen finden. An gewandter Darstellung und launige« So« trag fehlt t» nicht. '

Marburg

Sonntag, 15. Dezember

unmöglich erscheint, so würden wir, falls die Großmächte an den Verhandlungen teilzunehmen wünschten, diesen Vorschlag anneh­men." Zum Schluß sprach Reschid sein Bedauern darüber au», daß man in Frankreich die entschlossene Haltung der Türkei auf die Ratschläge gewißer Mächte zurückgeführt habe. Die Türkei habe nur auf ihre eigene Interessen Rücksicht genommen.

Daß die Türken mit Griechenland nur verhandeln wolle«, wenn vorher der Waffenstillstand abgeschlossen ist, geht aus folgen­der Reutermeldnng hervor: Konstantinopel: Die türkischen Delegierten zur Friedenskonferenz erhielten die Weisung, di« lln- terhandlungen mit den griechischen Delegierten vor der Unterzeich­nung des Waffenstillstands durch Griechenland abzulehnen. Unter» besten scheint es aber auf dem Balkan zu neuen Kämpfen gekommen zu sein. Der griechische Minister des Aeußern veröffentlicht eine Depesche aus Philippiadha: Um 6 Uhr 30 Min. früh begann unser« Armee den allgemeinen Angriff gegen den rechten Flügel de» ( Feindes. Trotz unablässigen Feuerns der Türken besetzte sie Aeto- rachon. Unsere Artillerie, deren Feuer von großer Treffsicherheit war. gelang es nach vierstündigem Kampfe, die Batterien de» Feindes bei Lagatora zum Schweigen zu bringen. Offiziere und Soldaten gingen mit Mut und Begeisterung vor. General Sapun- jakis befehligte den Angriff persönlich. Wir haben ungefähr 200 Verwundete. Mit Einbruch der Nacht wurde der Kampf unter­brochen.

Rom, 12. Dez.Tribuna" undEiornale d'Jtalia" habe« Depeschen aus Valona erhalten, wonach die Griechen in zwei« tägigen heftigen Kämpfen zwischen Janina und Paramythia eine vollständige Niederlage erlitten haben.

Eine interestant« Information

bringt dieKöln. Ztg." Sie schreibt aus

L o n d o n, 12. Dez. Die Erklärungen Sir Edward Greys im Unterhause über die bevorstehende Botschafterzusammenkunft mä­ren zu vorsichtig und nüchtern gehalten, um überschwengliche Fra­gen aufkommen zu lasten. Die Pariser Berichte hiesiger Blätter über Aeutzerungen serbischer und montenegrinischer Vertreter bet den hiesigen Friedensverhandlungen aber sind nicht nüchtern ge­nug, um hier Anklang zu finden. Wenn Herr Nowakowitsch zur Unterstützung von Serbiens Wünschen und Ansprüchen in Alba­nien auf die Zeit von 1000 und 1500 n. Ehr. zurückgreift und den serbischen Zaren Duschan ins Feld führt, werden nicht nur die Po­litiker, sondern sogar harmlose Zeitungsleser ungeduldig, und di« Kritiker im Leitartikel geradezu ungehalten. Auch die Meldungen über die Kriegsvorbereitungen in Rußland und Oesterreich und die stellenweise immer noch drohende Sprache einzelner, der öster­reichischen Regierung nahestehender Blätter gegen Serbien sowie die Kunde von dem jüngsten Kronrate in Wien haben im ganzen eine herabstimmende Wirkung. Wenn man sich auch mit der Morning Post sagt, daß die Schwierigkeiten, die sich in der for­mellen Fassung auf dem Papier sebr bedenklich ausnehmen, im mündlichen Verkehr der von gutem Willen beseelten Unterhändler verhältnismäßig leicht auszugleichen sind, so herrscht im ganzen hinsichtlich der nahen Friedensverhandlungen wie der Botschafter­zusammenkunst eine keineswegs zuversichtliche Stimmung, und es ist kaum verwunderlich, dast die Daily News, das Organ d-« mi­nisteriellen linken Flügels, Sir Edward Grey zuredet, im Inter­este des Friedens in aller Form zu erklären, daß England sich unter keinen Umständen in einen etwa weaen der serbischen Hafenanlage entstehenden Krieg werde hineinzielen lasten. Eine solch« öffent­liche Erklärung, meint das Blatt, werde auch dem mit Rußland verbündeten Frankreich die Freiheit geben, denn Frankreich könne alsdann Rußland die Hoffnungslosigkeit und den verbrecherischen Charakter eines Versuches zu Eemüte führen, die Dinge auf di« Spitze zu treiben. Nachdem Sir Edward Grey einmal zu reden begonnen habe, möge et auch das einzige wirklich weise, erleuch­tende und erleichternde Wort aussprechen.

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Wien, 13. Dez. Konsul Edl ist heute hier eingetroffen.

Berliner Brief.

In einer Weltstadt wie Berlin, wo alle Veranstaltungen in. Große gehen, merkt man es so recht, wie jeder Tag das Weihnachisfest näher bringt. Die alljährlich wiederkehrenden Ehristbaummärkte haben ihren Anfang genommen, und überall in der Stadt wie in den Vororten sieht man die immergrünen Bäume des deutschen Waldes, die im Schmuck des Hellen Kerzenlichts die schönste Feier der germanischen Welt oersinnn- bildlichen. Auch mit der Aufftellunng der Verkaufsbuden für das be­vorstehende Fest ist bereits begonnen worden, und auf den Straßen bieten die Händler ihre Waren und Neuigkeiten feil. Wie früher werden die größten Märkte, die ein besonderes Kennzeichen Berlins sind und hoffentlich auch bleiben werden, in der großen Frankfurter Straße, auf dem Arkonnplatz und am Wedding abgehalten.

Auch das Theater- und Konzertleben ist schon auf Weihnachten ge­stimmt. Unter Leitung seines verdienten Direktors Professor Hugo Rudel veranstaltete der Königliche Hof- und Domchor im neuen Dom ein Festkonzert, bei dem mehrere bekannte und hervorragende Solfften mitwirkten. Das erlesene Programm bot Mmeist ältere Kompositionen, fo denWeihnachtsgesang" von Orlande bi Lasso, einen Ehoral von Melchior Frank, dasJesu Salvator" für Männerchot von Bant. Gorbans *nb eineWeihnachtskantate" für Sopransolo. Chor^ Cello und Orgel von Walter Engelmann, die zum erstenmal zu Gehör gebracht wurde. Unter den Solisten tat sich wieder Meister Irrgang hervor, bet Bachs »Pastorale" vollendet wiedergab.

Auch einige Bühnen haben schon ihre Vorbereitungen für das Fest ^trofffen. So gab das Lessing-Theater, in dem sonst Ibsen und Haupt­mann da« Wort haben, <ine zweiaktige Komödie für große und kleine Kinder:Die Badereise" oderdie Bekehrung der bösen Tklla", ein richtige« Weihnachtsmärchen, das bet Alt und Jung viel Beifall fand

mit oem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchham und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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Jeder Rabatt 'gilt al« Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Belegtteferung ausge- schloffen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

Wochenschau.

Im Gegensatz zu dem politisch bedeutungsvollen Besuche des rumä­nischen Thronerben in der deutschen Reichshauptstadt, dessen Wichttg- keit allgemein anerkannt wird, bestreitet man dem Aufenthalte des Prinzen Heinrich von Preußen in England, der sich über eine volle Woche hingezogen hat, nach wie vor lebe Tragwerte auf dem pirschen Gebiete. G« ist indessen zu hoffen, daß er mindestens indirekt iin Besse­rung unserer Beziehungen zu England beiträgt. (Etn ernftes Wort in ernster Zeit sprach der König Friedrich August von Sachsen aus, indem er bei der Vereidigung der Rekruten der Dresdener Garnison m der vorigen Woche die Notwendigkeit betonte, gerade in unseren logen einen »echt engen Anschluß an Kaffer und Reich zu suchen. In den höheren Kommandostellen unserer Armee brachten die letzten Tage einen wichtigen Wechsel. Der Erbprinz Bernhard zu Sachsen-Meiningen, der Schwager des Kaisers, ist als Eeneralinspekteur der zweiten Armeeinspektion zuruck- getreten und zum Chef des Schlesischen ©renabierregiments Nr. 10 er- nannt worden. , _ ,. . , ,

An wichtigen Ereignissen auf dem parlamentarischen Gebiete hat es auch in der vergangenen Woche nicht gefehlt. Im Reichstage setzte am vorigen Mittwoch die Erörterung über die innere Politik mit einer Dar­legung der Finanzlage des Reiches durch den Reichsschatzsekre^r Kuhn «in. Seine Ausführungen zeigten, baß selbige dank, der Reichsfinan^ reform von 1909 recht günstig ist. In der dreitägigen Debatte, die sich an das übliche Expose des Reichsschatzsekretärs anschloß, wurde das von den bürgerlichen Parteien im allgemeinen auch anerkannt, wenn auch die Liberalen noch immer mit dem Märchen von deranttsozialen Wirkung" dieser Reform krebsen zu gehen versuchen. Im übrigen war in dieser Debatte weit weniger von den Reichsfinanzen als dem Jesuitengesetz die Rede. Gleich am ersten Tage kündete das Zentrum dem Reichskanzler und dem Bundesrat wegen der jüngsten Auslegung des Iesuitengesetzes sein Vertrauen und sagte ihnen den Krieg an. Der Reichskanzler nahm den Fehdehandschuh indeffen recht gelaffen auf, in­dem er seststellte baß der betreffende Bundesratsbescklich.nur die Hinsicht-, lich des Iesuitengesetzes bestehende Praxis kodifiziere und keine Verschär­fung bedeute. Mit ernsten Worten mahnte er das Zentrum davor, bas Iesuitengesetz zum Eckstein seiner Politik zu machen und den konfessionellen Hader im Vaterlande neu zu entfachen. Nachdem man den Etat der Bugetkommission überwiesen hatte, nahm man den Gesetzentwurf übet bas Petroleumhandelsmonopol vor, um ihn nach zweitägiger Debatte wenigstens in feiner jetzigen Gestalt in einer besonderen Kom­mission zu begraben. Die beiden folgenden Tage verwandte der Reichs­tag im Anschluß an eine freisinnige Interpellation wieder einmal aus eine ausgiebige Erörterung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter, wobei der Staatssekretär nachdrücklichst die Begrenzung der Koalitionsfreiheit bei den Staatsarbeitern durch die staatlichen Jnteresien betonte und der preußische Kriegsminister den Gegnern seiner Stellungnahme gegen den Militärarbeiterverbanb, für den sich Freisinn unnb Sozialdemokratie ins Zeug legten, mannhaft Rede und Antwort stand.

Was die Einzellandtage anbefangt, so war im preußischen Abge- ordnetenhause der bemerkenswerte Vorgang die Anwendung des Art. 00 der Verfassung, indem der Ministerpräsident und der Kriegsminister wegen der Ueberlasiung einesmilitärfiskalischen Grundstückes, das vom Abgeordnetenhause für die Anlegung eines Gartens ausersehen war, vor das Haus zitiert wurden. Eingestandenermaßen wollte man dadurch der Regierung aber nur die allgemeine Mißstimmung über ihre Behand­lung des Abgeordnetenhauses zum Ausdruck bringen. In den letzten Tagen hat das Haus den Gesetzentwurf bett, das Schlepppmonopol in Angriff genommen. Die sächsische zweite Kammer hat jetzt das Volks- fchulgeseh in der Schlußabstimmung mit 61 gegen 28 Stimmen ange­nommen. Die Konservativen stimmten dagegen. In Mecklenburg hat die Ritterschast den nochmals vorgelegten Verfasiungsentwurf der Re­gierung abermals mit großer Mehrheit abgelehnt. Im reußischen Land­tag hat man am Freitag der vorigen Woche die Beratung der Wahl­rechtsreformvorlage begonnen, und zwar unter lärmenden Straßen- btmoftrationen der Sozialdemokratie, die dadurch aber nur einen Beweis für die Notwendigkeit einer das allgemeine gleiche Wahlrecht beschränk­enden Reform lieferte.

Auf dem Gebiete der Parielbewegung ragte die am Montag in Dresden abgehaltene glänzend besuchte und großartig verlaufene Gene­ralversammlung des Konservativen Landesvereins im Königreich Sach-

Vor dem F^iedensMuß.

Die Zeitungen aller Länder sind überfüllt mit allerlMJnter- views, echten und unechten, die die Vertreter der Valkanstaaten in den verschiedenen Hauptstädten sich von rührigen Journalisten ent­locken ließen. So soll der bulgarische Ministerpräsident dem Ber­liner Korrespondenten desTemps" mitgeteilt haben, die Balkan- verbündeten würden einmütig die Zulassung der Vertreter Griechenlands zueben Friedensverhandlungen velangen. Was Adrianopel anlange, so sei desien Besitz eine conditio sine qua non für die Unterschrift auf dem Friedensvertrag. Bulgarien würde es zum Bruch kommen kaffen und nötigen- fallsdenKriegvonneuemanfangen. Demgegenüber ist intereffant was der türkische Vertreter bei der Londoner Frie­denskonferenz Reschid Pascha einem Redakteur desselben Blattes erklärte. Er führte aus:Wir haben den aufrichtigen Wunsch, Frieden zu schließen, aber wir sind vollständig entschloffen, diesen Frieden nur unter ehrenhaften Bedingungen abzuschließen. Unsere nMitärische Kraft wächst täglich. Zur Stunde haben wir 170 000 gjRnn in Tschataldscha, die reichlich mit Munition versehen sind. Die Feindseligkeiten würden sofort wieder ausgenommen werden, wenn eine Partei der anderen allzudrückende Bedingungen aufer- legen sollte. Mit Griechenland könnten wir erst verhandeln, wenn es seinen Waffenstillstand unter denselben Bedingungen wie die Verbündeten abgeschloffen haben wird. Der zwischen der Türkei und Griechenland herrschende Kriegszustand bietet in der Tat für Verhandlungen eine allzuschwankende Grundlage. Wir wünschen mit den Balkanverbündeten direkt zu verhandeln. Sollten aber ihre Forderungen derartig fein, daß eine direkte Verständigung

und bas zugleich ein schönes Geschenk für die Jugend von Berlin W. be= beutet; denn der Ertrag der Vorstellung kommt demZentralverein für Schülerwanderungen" zu Gute und soll bedürftigen Volksschülern und -Schülerinnen während der großen Ferien einen sorglosen Sommer« aufenthalt ermöglichen. So hat es die Verfasserin mit dem seltsamen Namen E. R. Ratmal bestimmt, hinter dem sich eine Dame der Berliner Gesellschaft verbirgt. Das Charlottenburger Schiller-Theater bescheette seinen Stammgästen Anzengrubers WeibnachtskomödieHelmgefunden", die in ihrer rührenden und herzlichen Volkstümlichkeit wieder die beste Aufnahme fand. Das Lustsplelhaus brachte noch ein neues Stück Graf Pepi" von Robert Saudek und Alfred Hahn heraus, das «ine heitere Episode aus dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 behandelt und dem Publikum gefiel.

Ein doppeltes Jubiläum konnte in der vorigen Woche ein alter Bühnenveteran begehen, der bekannt« August Iunkermann, der in der Philharmonie von zahlreichen Berliner Freunden Abschied nahm: er feierte gleichzeitig seinen 80. Geburtstag und sein 60jahrtges Künstler­jubiläum. Dem alten rüstigen Herrn, der unter den Reuter-Darstellern und -Vorlesern noch heute an erster Stelle steht, wurden vann auch reich­liche Huldigungen und Ehrungen zuteil er verschwand fast unter der Fülle der Blumen und Kränze, die ihm aufsPodium gereicht wurden.

In den letzten Tagen ist auch eine Entscheidung gefallen, die für das Berliner Kunstleben von großer Bedeutung ist: in der Generalversamm­lung der Sezession ist Paul Cassirer, der bekannte Bilderhändler, an Stelle des scheidendenn Corinth zum Präsidenten und Max Slevogt zum Vorsitzenden der Iurykommisfion gewählt worden. Damit hat eine An­gelegenheit ihre Erledigung gefunden, die die beteiligten Kreise lange 3eit auf bas lebhafteste beschäftigte. Von vornherein standen sich in dieser Frage zwei Gruppen feindlich gegenüber: die einen wollten einen Künstler, die erbeten einen Geschäftsmann an bet Spitze bet 8er«

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