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mtt oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage*.
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Marburg
Mittwoch, 11. Dezember
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47. Jahrg.
1912.
«es Blatt.
Erleichterung der Weltlage.
Mit einer großen Geste ist am späten Abend des 7. Dezember in Berlin, Wien und Rom gleichzeitig die unveränderte Erneuerung des Dreibundes verkündet worden. Es bestehen Meinungsverschiedenheiten, ob die Erneuerung auf 6 oder 12 Jahre erfolgt ist, aber das ist im Grunde von gar keinem Belang, weder für den Augenblick, noch für die Zukunft. Der Dreibund hat im letzten Jahre eine Belastungsprobe bestanden, die ihn auch im Bewußtsein des italienischen Volkes zu einem politischen Besitztum von allerhöchstem Werte gemacht hat, und so ist auch dasjenige Vundes- glied, das vielleicht nicht immer mit ganzem Herzen bei der Sache war, innerlich ganz und gar für die Sache des Dreibundes gewonnen. Ist dem aber so, dann wird der mitteleuropäische Bund überhaupt bestehen, solange es nationale Unterschiede und Gegensätze, solangees stehende Heere und Flotten gibt. Der Schwerpunkt liegt für den Augenblick überhaupt nicht in der Tatsache der Erneuerung, sondern in ihrer Bekanntgabe. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Dreibundmächte dadurch ihre Solidarität in der Behandlung und der Beurteilung der schwierigen politischen Fragen bekunden wollten, an deren Lösung demnächst in London herangetreten werden soll. Run könnte an und für sich ein solcher Schritt ebensowohl eine verstärkte Spannung, wie eine Entspannung bedeuten, sobald nämlich eine andere gleich starke Mächtegruppe mit derselben Entschiedenheit ihre Solidarität in der Vertretung eines entgegengesetzten Standpunktes verkündigen würde) aber das ist bisher nicht geschehen, und man hat allen Grund zu der Annahme, daß es auch nicht geschehen wird.
Ueberblickt man die politischen Ereignisie der letzten Woche,- so fällt vor allem aus, daß der energischen Betonung des Dreibundstandpunktes in Berlin, Wien und Rom keinerlei ernsthafte Gegenkundgebung gegenübersteht. In Petersburg schweigt man überhaupt, und man darf wohl annehmen, daß auch die angeblichen Aeußerungen des Ministers Sasonow, die in diesen Tagen durch die Blätter gehen, apokryphen Ursprungs sind. Der französische Ministerpräsident hat sich in der Hauptsache auf eine vorsichtige historische Darlegung beschränkt und alles vermieden, was irgend nach Parteinahme aussehen könnte. In London aber schweigt zwar die Regierung auch, die Blätter jedoch überbieten sich in Kundgebungen der Befriedigung darüber, daß sich England in so völliger Uebereinstimmung mit der deutschen Friedenspolitik befinde. Daraus läßt sich mit ziemlicher Sicherheit schließen, daß England in der Tat darauf verzichtet hat, irgendeiner Politik seine Unterstützung zu leihen, die auf eine Ermutigung Serbiens hinaus« laufen könnte, und in den Kreisen der ausländischen Diplomatie wird es denn auch als offenes Geheimnis behandelt, daß die britische Regierung diesen Entschluß spezi in St. Petersburg mit voller Deutlichkeit kundgegeben habe, end daß diese Kundgebung für die strikte Zurückhaltung des Herrn Poincarö bestimmend gewesen sei. Es liegt in der Natur solcher Dinge, daß sie immer der Sphäre der Vermutung angehören; sie vertragen aus inneren Gründen eine formelle Bestätigung nicht, und eben deshalb schafft auch ein etwaiges Dementi sie nicht aus der Welt Es bleibt somit für die Beurteilung der größeren oder geringeren Wahrscheinlichkeit derartiger Gerüchte immer nur das Kriterium, ob sie sich leichter oder schwerer in den Zusammenhang der bekannten und sichtbaren Ereignisie einfügen und eine genügende Erklärung für diese abgeben. Und da läßt sich nur sagen, daß die Annahme eines solchen Schrittes von englischer Seite in der Tat den besten Schlüsiel für das Verständnis dessen ergibt, was d-» entscheidungsvolle letzte Woche gebracht und nicht gebracht hat. Hat aber England wirklich diesen Standpunkt eingenommen, so bedeutet diese Stellungnahme zusammen mit der Erneuerung des Dreibundes bezw. ihrer Veröffentlichung vielleicht die endgültige Ueberwindung der Kriegsgefahr, deren drohende Schatten in den letzten Tagen über Europa gelegen haben.
Eine Beruhigungsrede.
Lemberg, 8. Dez. Der Statthalter Bobrzynski beantwortete heute in der Vollversammlung der polnischen Landtags- und Reichstagsabgeordneten eine Anfrage folgendermaßen: Auf Grund der Ermächtigung seitens des Ministerpräsidenten bin ich in der Lage, folgende autoritative Aeußerung abzugeben: Die internationale Situation erfuhr in den letzten Tagen keine Verände- tung, die Gerüchte über eine Verschärfung der auswärtigen Lage find unbegründet. Unsere Beziehungen zu Rußland sind normal, den Gerüchten über eine bevorstehende Kriegsgefahr ist daher kein Glauben beizumesien. Es würde sich demnach empfehlen, wenn von Seiten der Mitglieder des Klubs mäßigend eingewirkt und der Verbreitung unzulässiger und unzutreffender Nachrichten entgegengetreten würde. Weiter ist zu konstatieren, daß ackffesichts der herrschenden Beunruhigung sich vor allem in den Kreisen der Jugend eine Bewegung geltend gemacht hat, deren nationalpatriotischer Charakter nicht verkannt werden soll, die aber im Hinblick auf die gleichzeitig auftretenden falschen Voraussetzungen über die Heranziehung dieser Kreise zu militärischen Aufgaben bedenklich ist, ja Gefahren in sich birgt. Aus diesem Grunde sind die Behörden im Einvernehmen mit den militärischen Organen nachdrücklich bemüht, daß derartigen falschen Voraussetzungen durch ; eine entsprechende Einwirkung und Beaufsichtigung der Jugend i tutgegengetieten werde. Es wird auch eine dankbare Aufgabe der < Wrtttttl der betten das Land bewohnenden Rationalitäten fein,
in ihren Kreisen möglichst dazu beizutragen, daß einer solchen mit Gefahren verbundenen Bewegung Einhalt geboten werde.
Die Thronrede des Königs von Rumänien.
Bei der Eröffnung der Parlamentssession hielt König Carol von Rumänien die Thronrede, in der er u. a. sagte: Die Politik Rumäniens, in ihrer traditionellen Selbständigkeit als Politik der Mäßigung und des Friedens in den mit den höchsten Jnteresien des Landes verträglichen Grenzen (Beifall), versetzt uns in die Lage, mit allen Staaten freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten und uns namentlich des besonderen Vertrauens der Großmächte zu erfreuen. (Beifall). Rumänien beobachtete bei dem Bestreben, zur Lokalisierung des Krieges beizutragen, gegenüber den kriegführenden Balkanstaaten Neutralität, wobei es jedoch die Entwicklung der Ereignisie, die zahlreiche Interessen des Staates berühren, aufmerksam verfolgte. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß diese Haltung günstige Ergebnisie für die guten Beziehungen zu den Balkanstaaten in der neuen Gestaltung zeitigen wird und daß unsere Interessen Berücksichtigung finden. (Lang- anhaltender Beifall, wiederholte Bravorufe.)
Ein griechisch-italienischer Zwischenfall?
Angesichts der beginnenden Spannung zwischen Italien und Griechenland wegen Valonas könnte vielleicht der nachfolgend gemeldete Zwischenfall von ernsthafter Bedeutung werden:
R o m, 8. Dez. Die „Tribuna" meldet aus Durazzo: Der der italienischen Schiffahrtsgesellschaft Puglia gehörende Postdampfer , „Adriatico" der auf der Fahrt von Bari nach Valona mit einer Ladung von fünfzig Tonnen Mehl für Rechnung eines französischen Handelshauses in Marseille begriffen war, wurde gestern früh durch griechische Schiffe, die vor der Insel Saseno kreuzten, beschlagnahmt und als Kriegsbeute nach Korfu geschleppt.
Konstantinopel, 8. Dez. Heute wurden 102 Erkrankungen an Cholera festgestellt, von denen 25 tödlich verliefen.
Berlin, 9. Dez. Da einige Zeitungen Meldungen aus Konstantinopel verbreiten, nach welchen belagerte türkische Festungen während des Waffenstillstandes verproviantiert würden, erklärt die hiesige bulgarische Gesandtschaft die Gerüchte für durchaus unrichtig und bemerkt, daß nach § 2 des Waffenstillstandspro- lokolls Festungen weder verproviantiert noch mit neuer Munition versehen werden dürfen. Ferner erklärt die Gesandtschaft, daß nach Unterzeichnung des Waffenstillstandes keine Angriffe der Vulgaren auf Adrianopel mehr stattgefunden haben.
Berlin, 8. Dez. Nach der „Schles. Ztg." hat der Reichskanzler auf einen ihm zu seinem Geburtstage (29. November) dar- gebrachten Glückwunsch folgende politisch bemerkenswerte Antwort gegeben: „Herzlichen Dank für Ihren freundlichen Glückwunsch, der in eine ernste Zeit fällt. Aber ich denke, wir sind über den Berg.“
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Deutsches Reich.
— Der Eroßblock. Offenburg, 8. Dez. Hier fand die Landesversammlung der Nationalliberalen Partei Badens statt. Parteiführer Rebmann betonte, daß die Partei auch ferner mit der Linksliberalen und Sozialdemokratischen Partei zusammengehen werde, da sie nur auf solche Weise eine konervativ-klerikale Mehrheit verhindern könne.
— verbot der Rindoieheinfuhr wegen Maul- und Klauenseuche. Karlsruhe, 7. Dez. Nachdem in letzter Zeit wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in einzelnen Schweizer Kantonen die Einfuhr von Rindern und Ziegen verboten wurde, hat das Ministerium des Innern wegen weiterer Ausbreitung dieser Seuche in der Schweiz die Ein- und Durchfuhr von Rindvieh und Ziegen aus der Schweiz nach und durch Baden mit sofortiger Wirkung verboten.
— Politik auf der Straße. Gera, 7. Dez. Bekanntlich hat die Sozialdemokratie während der Verhandlungen über den neuen Wahlrechtsentwurf vor dem Landtagsgebäude lärmende Straßen- demonstrationen veranstaltet. Als der Lärm während der Rede des Staatsministers von Hinüber in den Saal drang, sagte dieser: „Sie hören, was sich draußen vor dem Parlament abspielt! Der Grundsatz, daß der Abgeordnete unbeeinflußt bleiben soll, ist noch nie in der Weise durchbrochen worden wie in diesem Augenblick!"
■— Der hinausgeworfene Abgeordnete. Dem Eenosien Borchardt scheint es Spaß zu machen, sich hinauswerfen zu lasien. Seinerzeit blühte ibm das Schicksal im Abgeordnetenhause und jetzt in einer Versammlung des Verbands deutscher Eisenbahnhandwerker und -arbeiter, zu der er ungeladen erschien mit den Worten: „Hier ist noch ein Abgeordneter, Borchardt ist mein Name". Er kam jedoch an die Falschen, worüber ihn der einmütige Ruf: „Raus! Raus!" belehrte. Der Vorsitzende forderte ihn darauf zum Verlaßen des Saales-auf, indem -et sagte: „Die sozialdemokratischen Abgeordneten finb, das erkenne ich an, auch für die Eisenbahner eingetreten, aber hierher nicht «laben. Ich meine, es ist nicht Brauch, in Versammlungen einzubringen, zu denen man nicht eingeladen ist. „Verlaßen Sie den Saal." Es bedurfte jedoch erst einer neuerlichen Aufforderung die Versammlung zu verlaßen, ehe sich Borchardt zum Gehen bewogen fühlte.
— Saatenstand. Berlin, 9. Dez. Dem „Reichsanzeiger" zufolge ist der Saatenstand in Deutschland Anfang Dezember 1912, wenn zwei gut und drei mittel bedeutet, für Winterweizen 2,8, für Winterspelz, auch mit Beimischung von Roggen oder Weizen, 2,9 und für Winterroggen 2,8. In den Bemerkungen des Saaten
stands-Berichts heißt es: Die Witterung im November wer hl großen und ganzen für die Herbstsaaten nicht sonderlich günstig. Schon am Monatsanfang traten vielfach gelinde Froste auf, i« Flachlande war das Wetter in der Mitte des Monats einige Zett hindurch ziemlich mild und trocken. In den höheren Lagen Süddeutschlands wurden die schönen Tage bald von naßkaltem Wetter abgelöst. Infolge der Niederschläge, die in reichem Maß niedergingen, verzögerte sich die Beendigung der Hackfrüchte-Ernte und die Herbstbestellung recht unliebsam. Die Berichte über durch Mäusefraß verursachten Schaden find, abgesehen von Süddeutschland, nicht sehr zahlreich . Vereinzelt wird über Schädigung durch Hamster, Saatkrähen und Ackerschnecken geklagt. Infolge der ver- späteten Bestellung und der großen Näße ist die Aussaat, besonders von Weizen, vielfach noch nicht beendet, die späteren Saaten find fast durchweg noch weit im Rückstände und teils eben erst ausgelaufen, teils überhaupt noch nicht sichtbar und dürsten, wenn das Wetter nicht noch einige Zeit frost- und schneefrei bleibt, meist nur schwach in Winter gehen. Die Bestockung der Saaten läßt im allgemeinen noch viel zu wünschen übrig. Gut entwickelte Frühsaaten gibt es verhältnismäßig wenig.
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Ausland.
** Die Ernst der Herzogin Elisabeth von Genna erbrochen. Die Gruft des Hauses Savoyen auf dem Supergahügel bei Turin ist, wie die „Franks. Ztg." meldet, in der vergangenen Nacht von Dieben erbrochen worden. Die Diebe öffneten das Grab der Herzogin Elisabeth von Genua, das erst provisorisch vermauert war, da die Herzogin vor kaum vier Monaten gestorben ist. Die Decke! der drei Särge wurden gesprengt und der Leichnam seines Schmuckes, nämlich der Ohrringe und des Perlenhalsbandes, beraubt. Die Tat erregt ungeheures Aufsehen. Es wurde schon festgestellt, daß die Bewachung der Superga-Gruft ganz ungenügend war. Von den Tätern fehlt jede Spur.
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Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orglnalarlikel ist gemäß § 18 de« Urheberrechts nur mtt der deutlichen Quellenangabe „Eberbell -ttg " gestattet)
Marburg, 10. Dez.
* Bom Postscheckoerkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl bet Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende November 1912 auf 74 227 gestiegen. (Zugang im Monat November 1121). Auf diesen Postscheckkonten wurden im November gebucht 1402 Millionen Mark Gutschriften und 1406 Millionen Mark Lastschriften. Das Eesamt- guthaben der Kontoinhaber betrug im November durchschnittlich 157 Millionen Mark. Im Verkehr der Reichspostscheckämter mit dem Postsparkasienamt in Wien, der Postsparkasse in Budapest, der luxemburgischen und belgischen Postverwaltung sowie den schweizerischen Postscheckbureaus wurden fast 7 Millionen Mark umgesetzt und zwar auf 2890 llebertragungen in der Richtung nach und auf 13 52ü llebertragungen in der Richtung aus dem Auslande.
* Füttert die Vögel tm Winter. Die Zeit ist wieder gekommen, die unter der Vogelwelt manches Opfer fordert. Weniger wegen der Kälte, sondern wegen Mangel an Nahrung. Unsere Mahnung, auch in diesem Winter der hungernden Vögel zu gedenken, dürfte deshalb nicht ungehört verhallen. In der Nähe bei Futterplatzes stelle man ein flaches Gefäß mit Wasier auf uni sorge durch einen hineingelegten Stein für bequemen Zugang.
* Ein Findling. Gestern wurde in bet Nähe ber Nardsckmb ein in feine Wäsche usw. gekleibetes etwa 9 Worben altes Kind gefunben. Wer es niebegelegt hat, weiß man nicht. Das Kind würbe einstweilen ins Säuglingsheim ber Klinik gebracht.
* Bortrog. Daß man in Marburg in den weitesten Kreisen beu kolonialen Bestrebungen bas größte Interesse entgegenbringt, zeigt« der sehr zahlreiche Besuch des gestriegen Vortragsabends in den Stadtsälen. Herr Privatdozent Dr. Obst sprach hier auf Veranlassung bet deutschen Kolonialgesellschaft und des deutschen Flottenvereins über „die Steppenländer des nordöstlichen Deutsch-Ostafrika und ihre Bewohner". Im Namen beider Vereine wies Prof. Dr. Andre zunächst in seinen Begrüßungswotten daraus hin, daß den deutschen Volksgenossen. die in unseren Kolonien weit ab vom Verkehr lebten, durch Spendung von deutschen Büchern und Schriften eine Freude gemacht werden solle und zu diesem Zwecke habe man die deutsch-koloniale Schutztrupven-Biblio- thek ins Leben gerufen. Auch der Reinertrag des heutigen Abends soll dieser Bibliothek, deren Unterstützung er bei dieser Gelegenheit in empfehlende Erinnerung bringe, zugute kommen. In dem sich anschließenden Vortrag des Herren Privatdozenten Dr. Obst führte dieser nun Land und Leute eines Teiles dieser gewaltigen deutschen Kolonie, die er als Leiter der Ostafrika-Erpedition der Hamburger Geographischen Gesellschaft, während einem Zeitraum von 114 Jahren zu bereiten Gelegenheit hatte, vor Augen. Seine Ausführungen wurden durch Lichtbilder sowie durch Phonograph. Aufnahmen der eigenartigen Gesänge der bärtigen Eingeborenen besonders anschaulich gemacht. Diese Hochebene Ostafrtkas, teils fruchtbares Land, in dem die Viehzucht prächtig gedeiht, war in der Urzeit jedenfalls ein Alpengebiet, jetzt ist es nach den Bildern zu urteilen, eine sanft gewellte, von niedrigen Hügelgruppen durchsetzte Hochebene, die in terrassenförmigen Abbrnchstellen abfällt. Das interessanteste Ergebnis seiner Reise war die nach großen Mühseligkeiten von ihm erfolgte Entdeckung der Wakindika, dieses Volkes, das bisher noch niemals Gelegenheit hatte, einen Weißen zu sehen. Aus den Bildern konnte man sehen, wie primitiv diese ganz nackt gehenden Menschen noch leben. Sie wohnen in Reistg-Hütten, die mit Gras überdeckt sind und nähren sich von Früchten und Wildpret, das sie sich mit Pfeil und Bogen erlegen. Sie beten die Sonne an und wenn sie dadurch in Not geraten, daß sich wegen dem Waßermangel kein Wild zeigt, begrüßen ste mit seltsamen Liedern den Geier in den Lüsten, der ihnen den Weg zeigt, wo sich vielleicht gefallenes Wild findet. Auch diese Lieder dieser Natnr- kinder, sowie ihre Tanzmelodien» führte der Herr Vortragende den Hök $n