MU oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landrvirtschastüche Beilage".
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Die „Cbetlieflifdje Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei ins Hans. (Für unverlangt zugetandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. T. Hitzeroth), Maikt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag. 8. Dezember
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47. Jahrs.
1912.
Erstes Blatt.
Wachens 1-au.
Abseits von dem Brennpunkte der internationalen Politik, als den sich in den letzten Wochen trotz aller Zurückhaltung wieder, einmal des deutschen Reiches Hauptstadt erwiesen hat, weilte der Kaiser von Mitte der vorigen Woche bis zunr Beginn der laufenden in dem schönen Donaueschingen. Er war dort bekanntlich East des Fürsten zu Fürstenberg und nahm an der Hochzeitsfeier einer Tochter des angesehenen bayerischen österreichischen Standesherrn teil. Erst am Dienstag ist der Monarch, nachdem er noch der badischen grotzherzoglichen Familie in Baden-Baden einen Besuch abgestattet hat, nach Berlin bezw. Potsdam zurückgekehrt.
Inzwischen haben sich in der Reichshauptstadt wichtig« parlamentarische Vorgänge abgespielt. Der Reichstag erlebte zunächst wieder einmal eine Teuerungsdebatte, die stch durch drei Sitzungstage hinzog. Sie knüpfte an eine sozialdemokratische Interpellation an, die auf Crund der Fleischteuerung auf die Beseitigung der Fleisch- und Bieh- zölle, sowie der Futtermittelzölle und auf die Aufhebung des § 12 des Fleischbeschaugesetzes zu Gunsten des argentinischen Gefrierfleisches ab- jfielte. Freisinn und Sozialdemokratie liefen Sturm gegen unsere gesamte Wirtschaftspolitik. Mit lobenswerter Entschiedenheit erklärte aber die Regierung, daß sie unbedingt an der bewährten Politik des Schutzes der nationalen Arbeit und der nationalen Produktion festhalte und keinen Schritt über die Massnahmen hinaus tun werde, die sie zur Minderung der Fleischteuerung getroffen hat. Um auch den Schein zu vermeiden, als ob sie für eine Durchlöcherung unseres Zolltarifes zu Haden seien stimmten die Konservativen gegen den Gesetzentwurf über die vorübergehende Rückerstattung des Fleischzolles an die Gemeinden, der schliesslich der Budgetkommission überwiesen wurde. Der Versuch der „Genossen", bei dieser Gelegenheit zum ersten Male von der Neueinrichtung Gebrauch zu machen, die die Erteilung von Mißtrauensvoten durch den Reichstag an den Reichskanzler ermöglicht, schlug fehl, indem die „Genosten" mitsamt dem Freisinn nur 10 Stimmen aufbrachten gegen 174 Stimmen, die sich für die Regierung erklärten. Am Montag begann dann die Etatsberatung im Reichstage. Sie brachte gleich zu Beginn eine wichtige Erklärung des Reichskanzlers über Deutschlands Stellung zur Balkanftage, eine Erklärung, die die Mitwirkung Deutschlands an der Erhaltung des Friedens und seine wirtschaftlichen Interessen im nahen Orient betonte, aber auch keinen Zweifel daran ließ, datz wir getreu unserer Bündnispflickt unseren Verbündeten bei Geltendmachung ihrer berechtigten Interessen auf dem Balkan mit unserem Worte und — falls ein Angriff von dritter Seite auf unsere Bundesgenossen erfolgt — mit unserem Schwerte zur Seite stehen. Schon im Interesse unserer eigenen Stellung in Europa, im Interesse unserer eigenen Sicherheit und Zukunft. Diese feste Erklärung der Regierung, die wohl auch im Auslande verstanden wird, ist um so bedeutsamer, als einige Tage vorher der preussische Kriegsminister im Reichstage auf eine „kleine Anftage" über unsere Ausrüstung mit Maschinengewehren die „pflichtgemässe Versicherung" abgegeben hatte, dass „für den Kriegsfall da» Erforderliche in die Wege geleitet" sei. In der zweitägigem Debatte über die aus wattige Politik, die an die Erklärung des Reichskanzlers anknüpfte, zeigte sich, dass alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten die Leitung unserer auswärtiaen Angelegenheiten durch die Regierung billigen, also auch in der Orientfrage hinter ihr steben. Am Mittwoch begann dann die Erörterung der inneren Politik.
Diesen wichtigen Verhandlungen im Reichstage gegenüber ttaten die Debatten in den Einzelparlamenten in den Hintergrund, obschon auch sie mehrfach bedeutsam genug waren. Das preussiiche Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag feine Sitzungen mit einer weiteren Bebnndlunq der leidigen Frage des Wagenmanoels wieder auf, der sich am Mittwoch eine Erötterung der Rot unserer Winzer anschloss. Die zweite sächsische Kammer erledigte das wichtige neue Volksschulgesetz. Die Beschlüsse der Kammer, namentlich in der Frage des Religionsunterrichtes und des Schulgeldes, die im Gegensätze zu der von den Koniervativen unterstützten Regierung gefasst wurden, lassen aber das Zustandekommen des
(Nachdruck verboten.)
Mit der Luftpost bnit Frankfurt nach Wiesbaden-
von Willy Frerk fr.
Gin herrlicher Novembernachmittagl Lachender Sonnenschein erliesst sich über die herbstbraune Landschaft, und in den Fenstern der grauweissen Luftschiffhalle funkeln blendende Lichter. Am Fusse der mächtigen Tore der gewaltigen Halle aber steht eine Schar werktätiger Männer, die in rythmischcm Gleichtakt den Oeffnungsmechanismus der köre drehen, die sich nun langsam, langsam öffnen. Ein kühler Hauch weht aus der Riesenhalle, in der das stolze Luftschiff an starken Flaschen- gfigen hängt. Die Ingenieure prüfen zum letzten Male die Motore, ziehen hier eine Mutter an, giessen dort Oel, dott Benzin, dort Waster- hallast nach, lasten die Zeigertelegraoben spielen und untersuchen die sensiblen Messinstrumente. Die Telegravhisten legen die letzte Hand an die Antennen der drahtlosen Telegraphenapparate, und Hoffmann, der „Luftschiffkellner" sieht noch einmal in seiner „Kambüse" nach, ob auch genügend Vorrat für das leibliche Wohl der Passagiere vorhanden ist. Dann bringen Postbeamte zwei grosse fette Säcke mit „Luftpost" für Wiesbaden und die Monteure hängen das Schiff in die Laufkatzen, damit es leicht und sicher aus feiner Halle hinausbugsiert werden kann. In der Halle sammeln sich nach und nach die Pastagiere und einiges Publikum, das den silbergrauen Koloss, der uns hinauftragen soll in die teilte, klare Luft, hinweg über die lärmende Mainstadt, anschaut und anstaunt. In warme Lederjacken gehüllt, sitzen die Monteure und Ingenieure in den Maschinengondeln und lasten die Motoren an. Pfauschend und knatternd, gewaltige Kanonenschläge ausstossend, setzen sie sich in Bewegung und die wenigen Frauen springen entsetzt von dem knatternden Ungestüm zurück, während die Männer skevtisch die leichten Gondeln und ihre fauchende Last betrachten. Mit lauter klarer Stimme gibt Kapitän Blew seine präzisen Befehle, und kräftige Arbeiterfäuste rollen den Koloss an den Laufkatzen aus der Halle. Endlich ist die „Viktoria- Louise" ausgewogen. Wir machen es uns in den leichten Rohrmöbeln bequem und langsam heben wir uns in die Luft. Noch ist alles still und ,«hig. Majestätisch schwebt das Schiff über dem Rebstocker Flugplatz,
Gesetzes als seht zweifelhaft erscheinen. Auch der braunschweigische Landtag hat seine Arbeiten wieder ausgenommen.
Dem Siege der Konservativen bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Ercifenberg-Kammin habensich am Sonnabend weitere Erfolge der Konservativen und des Bundes der Landwirte bei den Landtagswahlen in Württemberg angereiht. Der Freisinn hat dort trotz seines Bündnisses mit den Sozialdemokraten abermals einige Mandate verloren, die von den Konservativen gewonnen wurden. Auch die national- liberalen haben eine Einbusse erlitten, während die Sozialdemokratie einen geringen Gewinn zu verzeichnen hatte. Wenn die Landesproporz- wahlen am 18. Dez. keine weiteren Veränderungen bringen, wird die liberal-sozialdemokratische Mehrheit im nächsten württembergischen Landtag auf höchstens zwei Stimmen znscwimenschtumpfen.
Auf dem Balkan gehörte die vergangeneDVolbe in der Hauptsache den Verhandlungen über einen Waffenstillstand. Diese Verhandlungen wurden in Tschataldscha geführt. Anfänglich stellten die Bulgaren derart übertriebene Forderungen, datz die Türkei schon entschlossen waren, den Krieg fortzusetzen. Dann aber verstand man sich auf beiden Seiten zu Zugeständnissen, und jetzt ist der Waffenstillstand, der als Vorläufer des Friedens gilt, zwischen der Türkei und Bulgarien, Serbien und Montenegro totsächlich unterzeichnet worden, während sich Griechenland bei diesem Schritt ausgeschlossen hat. Vor Skutati führen die Kanonen inzwischen ihre eherne Sprache weiter. Dott soll der Kronprinz von Montenegro schwer verwundet worden sein. Neuerdings scheint zwischen den Mitgliedern des Balkanbundes nicht mehr alles zu stimmen. Schwerer wiegen aber die Differenzen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien wegen der albanischen Frage, die durch die Unabhängigkeitserklärung bet Albaniet nicht einfacher geworden ist. Auch das Verhältnis zwischen Bulgarien und Rumänien ist noch seht unklar. Einem Besuche, den der östetteich-unaarische Armeeinspekiot General von Hötzen- dorf in Bukarest abstattete, schreibt man wohl ebenso mit Recht politische Bedeutung bei, wie dem Besuche, den der Kronprinz von Rumänien in den letzten Tagen dem Kaiser Wilhelm machte. Der Gedanke einer Botschaftcrkanferenz, den England anregte, ist noch nicht über das erste Stadn'in binaus aedieben.
In Frankreich haben letzhin militärische Fragen schwerwiegenstet Art das Varlament beschäftigt: der Rückgang der Militärdienst-Tauglichen infolge des Sinkens der Geburtenziffer und die antimilitattschen Umtriebe. Nach beiden Richtungen hin waten die Feststellungen, die in bet Deputiettenkammet gemacht wurden, recht bedenklicher Natur.
Eine erfreuliche Bell-runa scheint sich in unseren Beziehungen zu England anzubabnen. Eine Rede, die der neue deutsch« Botschafter in London, Fürst Lichnowskn, über das Zusammenarbeiten Deutschlands und Englands im Interelle des Fttedens gehalten hat, bat in der englischen Presse ein sympathisches Echo gefunden. Das hindett freilich nicht dass das Anerbieten der verbündeten Malayenstaaten. zu der englischen Flotte einen Dreadnought beizusteuern, dem englischen Ebauvinismus in Bezug auf die „Herrschaft zur See" wieder Gelegenheit gibt zu Ausbrüchen. die ihre Spitze deutlich gegen Deutschland kehren.
Urberhaupt lässt sich ttotz aller Friedensbeteuerungen der einzelnen Mächte keineswegs sagen, datz der politische Horizont Eurovas frei von dräuenden Wolken geworden sei. Noch ist alles in der Schwebe, und gar manche Frage birgt ernste Gefahren in sich.
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D»utlsck»es Reich.
— Beihilfen für Kriegsteilnehmer. Dem Reichstage soll dem- " nächst eine Vorlage über Erhöhung der Beihilfen für Kriegsteilnehmer zugehen. Die Vorlage wird in erster Linie dem Wunsche Rechnung tragen, die Beihilfen, deren Höhe gegenwärtig 120 A beträgt, auf 150 A zu erhöhen, zugleich aber auch die Bedingungen für ihren Bezug erleichtern. Von den in Deutschland vorhandenen rund vierbunderttauiend Kriegsteilnehmern beziehen gegenwärtig etwa zweihundertfünfziqtausend eine solche Beihilfe; eine Erhöhung auf 150 A würde also einen Mehraufwand von 7,5 Mill. A ergeben. Die kommende Vorlage wird Maßnahmen Vorschlägen, die etwa 8 Mill. A erfordern würden.
die Menschen auf der Erde werden immer kleiner und kleiner, rufen und winken mit Tüchern herauf, und der Blick wettet sich und schweift über das ungeheure Häusermeer der alten Stadt am Main. Da hört man durch die stille Luft ein leises Glockenzeichen, und plötzlich erhebt sich in den beiden Maschinengondeln ein Höllenlärm. Die mächtigen Proveller drehen sich immer schneller und schneller und der Wind stteicht pfeifend an den Fenstern unterer Kabine vorbei. In 250 Meter Höhe überfliegen wir das Rebstöcker Wäldchen, und bi« Bahnlinie, deren blanke Schienen in der Sonne funkeln, nehmen dann direkten Kurs auf die Stadt zu, nachdem wir eine Zeit lang über dem Ausstellungsplatz mit seiner Radrennbahn und seiner Kuppelhalle geschwebt haben. Wenige Minuten später qualmen die Schlote chemischer Fabriken seltsam stickige Dünste aus, die zu uns bernurbnften und die reine Lust verpesten. Wie die Häuser aus einer Sp<eheimtoo<5tel schauen die Gebäude der West- stadt aus, in den grauweissen Strassen winken die Menschen mit Hüten und Tüchern, sie mögen auch schreien und jubeln da unten, wir hören nichts als das ununterbrochene Knattern und Rattern der Motoren. Wie ein silbrig-funkelndes Band glänzt der glitzernde Main herüber, der sich einer Schlange gleich durch das Häusermeer windet. Jenseits der Stadtgrenze aber verschwindet die blaue Feme im Dunst des sonnigen Nachmittags. Wir überqueren die schnurgrade Mainzer Landstrasse, freuen uns des bizarren Baus des Schumann-Theaters und staunen' über die Kleinheit des grossen Hauptbahnbofs, dessen Riesenhallen wie die Rücken dreier Bibeln sich aus dem grossen Ebaos der roten Dächer bervorbeben. Schwarze Lokomotiven kriechen über die schimmernden Schienenstränge und hüllen sich hin und wieder in weissen Dampf und schwarzen Qualm. Aber weiter geht die Fahtt am llbrtürmtfien stauen sich die weissgelben Strassenbahnwagen zu einem seltsamen Farbenklex, dahinter erbebt sich der Prachtbau des Schauspielhauses, und auf der Kaiserstratze schauen zahllose Menschen, schwarzen Pünktchen gleich, mit ausgereckten Hälsen zu uns empor, die wir stolz zu ihren Häuptern schweben. Prächtig reckt fich bas patinagrüne Dach der Hauptpost aus dem Dächergewirr empor und von hier aus gewahren wir das winzige Hessendenkmal und dahinter v. Bethmanns blendend weitze Villa. Der zoologisch« Garten mit seinen schimmernden Teichen bleibt links liegen.
— Langsam aber sicher. Einer nach dem anderen von bet Führern der Demokraten findet seinen Weg zur Sozialdemokratie, Nachdem Breitscheid und seine Gattin bereits formell ihren Hebet« tritt vollzogen haben, ist ihnen jetzt auch Herr Dr. Nestripke ge« folgt. Dieser soll, nach der D. T. jetzt schon zum Chefredakteur deck Nürnberger sozialistischen Blattes gewählt worden sein, obgleich er nur einige Monate der Partei angehört.
Ausland.
* * Kanadas Eintreten für Englands Flottenpolitik. Ottawa, 5. Dez. Der kanadische Premierminister Borden legte heute ein Gesetz vor, das die verwendbaren Seestreitkräfte des britischen Reiches vergrößern soll. Er schlage deshalb vor, daß Kav^a de« König 7 Millionen Pfund Sterling für drei Dreadnoughts gebe, welche die größten und stärksten Schiffe werden sollten, die man für Geld haben und mit Hilfe der Technik bauen könne. Sie sollten in England gebaut und der Admiralität für allgemeine Verteidigung des Reiches zur Verfügung gestellt werden. *
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Drgtnalarttfel ist gemäss 18 des Urheberrechts nur mit der deullichen Quellenangabe „Oberhess Ztg “ gestattet)
Marburg, 7. Dez.
* St Nikolaus. In den Straßen der Stadt ging es gestern abend lebhaft her. Unter ohrenbetäubendem Geschrei rasten hier und da die Kinder hinter allerhand kleinen und großen Gestalten her, die fich als „Nikolowesfer" auf den Straßen zeigten.
* Der kupferne Sonntag. Am morgigen Sonntag tritt zum erstenmal vor Weihnachten die verlängerte Verkaufszeit in Kraft. Die Läden können (mit Ausnahme der Hauptgottesdienststunden) bis 7 Ubr geöffnet sein.
* Städtisches. Am nächsten Donnerstag findet eine Stadtveu ordnetensitzung statt.
* Unfete Ueberlanbjentrale. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, daß von gewisser Seite das Gerücht in Umlauf gebracht worden ist, daß man In anbetracht zu hoher Kosten vom Bau einer Ueberlandzentrale in Marburg abgekommen sei. Demgegenüber wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Vrojekt- berechnungen vor ca. 8 Tagen zu Ende geführt worden sind und ein günstiges Resultat geliefert haben, sodaß gar kein Grund vorliege von dem Plane zurückzutreten. Es wird daher auch unbedingt daran festgehalten werden.
* Parolemusik findet morgen Sonntag bei günstiger Witterung von 12—1 Uhr auf dem Friedricksplatze statt. Pro->r-,mm: 1. Hessischer Marsch aus dem Jahre 1760 ; 2. Ouvertüre z. Ovtte. „Leichte Kavallerie" von Fr. v. Supv6; 3. Fantasie a. d. Oper „Lobengrin" von R. Wagner; 4. Paraphrase über das Lied' „Grüße an die Heimat" von Rehl; 5. „Wer kann dafür", Walzet von Eilbett; 6. „Hoch deutsche Flagge", Marsch von Wigaert.
* Studentenult Gestern abend veranstalteten die Arminen durch die aus diesem Anlasse mit dichten Menscbenmassen besetzten Straßen wieder einmal einen Weihnachts-Porfrüb-Dämmer^op. pen-llmzug. In dem Zuge marschierten zahlreiche Fo^-^^'-sioer, eine Musikkapelle und dann wurden in allerband Grunnen auf zum Teil aktuelle, speziell Marburger Tagesfraaen zarte ftMnM-tngen gemacht. So z. B. der Zuwachs zum Marburger Studentenausschuß, eine Studentin, die neben einem männlichen Kommilitonen in einem Wagen saß. die Mittel zur Mittelschule in Gestalt von leeren und gefüllten Säcken, welche die Polizei befragte, das l-tzte Aufgebot der Türken, das Christkindchen, der Nikolaus, die zurnck-
bcnn jetzt nehmen wir direkten Kurs auf den Main Wundervoll ist bet Anblick de, breiten, graugrünen Stromes, auf dem schlanke Dampfer mtt tbren Schrauben weissen Gischt auhnetfen. der sich an den Ufern bricht. Soweit da« Auge reicht, dehnt fich das Häusermeer Frankfurts, nur nach Wetten zu öffnet sich das Land, durch das der Main seinen Lauf nimmt. Sieben breite Brücken überspannen den Sttom, von denen besonders di« „Alte Mainbrücke" einen imposanten Eindruck macht. Lange schwer« Eandkähn« gleiten unter ihren Bögen dahin, und aus einem Auto, dar in eiliger Fahrt über sie hinwegrollt winken die Frauen mit weisse« Tüchern. Da liegt ganz Frankfurt! Da bebt sich das Wahrzeichen der alten Krönungsstadt, der rotbraune, zartgegliederte Dom. da wintt be»- Rathauses kraftvoller Vierecksturm und der runde markige, patinagekrönte Turm der Paulskirche. In den Fenstern der Häuser längs des Mains glitzett die Sonne und spiegelt sich golden in den leicht gewellten Fluten. Noch ein schneller Blick auf die neuen Ostbafenanlagen, an deren Bahnzusahtten eine Arbeiterschar noch eifrig werkelt, und dann schweben wir über der Stadt des weltberühmten „Aepvelweis", Sachsenhausen. Nach einer grossen Schleife biegt die „Viktoria-Louise" scharf nach Westen ein, und nun geht'« über den Main dabin ins herbstliche Land hinein. Der alte Koblenhafen. die Easfabrik verschwinden, das breite Nabelwehr sendet schwachrauschenden Gruss herauf und im Süden hinter de« graubraunen Stadtwald schimmert Isenburg und weiter südlich Sprendlingen. Gespenstisch, einem treuen Hunde gleich, folgt uns der Schatten des langen Schiffes auf der Erde, und die Telegravhisten schätzen a* seiner Schnelligkeit die Schnelligkeit unserer Fahtt. Jenseits im Nordex taucht wieder die weissgraue Ballonhalle auf, deren weites Tor wie ei» dunkler Rachen gähnt; die starren Linien eines Friedhofes mit seine« weissen, kalten Steinen senden ein stilles memento mott zu uns Luft- reisenden herauf, eine Fähre schleicht langsam über den Main, dessen Ufer hier seltsam zackig und bizarr erscheinen und Scharen von weihe« Tauben schaukeln sich tief unter uns in demselben Luftmeer, da« auch wir durchschneiden. Blinkend schlängelt sich der Main Durch die gra» braun-gelblichgrüne Landschaft, und im Westen steigt gleich einem leichtgewellten, waldigen Hügellande der Taunus empor, Überragt von de« Massiv de» Feldberges, der schon eine leichte weitze Haube trägt. D«t