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1912.

Erstes Blatt

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sollen.

Eine offiziöse englische Stimme.

Marburg

Freitag. 6. Dezember

DieLberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 A (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen - - """ * »*. ( Für unver-

Nedaktion keinerlei

ß o tt b o n, 4. Dez. DieWestminster Gazette" schreibt: Die deutsche Regierung übte durchweg einen weisen, mäßigenden Einfluß aus; nichts kann England will­kommener sein, als die herzlichen.intimen Beziehun­gen, die zwischen London und Berlin entstanden sind. Wir hei­ßen die freundschaftlichen Reden, die Über diese Seite der Ver­handlungen im Reichstag gehalten wurden, willkommen und sehen den dauernden guten Ergebnisien von dem so gelieferten Beweise entgegen, daß beide Regierungen uneigennützig in der Friedens­sache zusammenwirken können. Das Blatt fährt fort: Wenn die Mächte gutberaten sind, tun sie alles, um den Balkanbund zusammenzuhalten und Serbien warnend aufmerksam zu machen, daß es durch Demonstrationen und Agitation in diesem Stadium nichts gewinnen wird, während sie ihr Bestes tun mür­ben, seine wirtschaftlichen Bedürfnisse nach der Beendigung des Krieges zu berücksichtigen. Oesterreich kommt hoffentlich definitiv zu hem Schluß, daß es sich leisten kann, zu warten. Denn es ist

Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch fIuh.: Dr. (£. Hitzerolhs. Markt 21. Telephon 55.

Zentrum und Regierung.

In der am Mittwoch im Reichstag abgehaltenen Sitzung »erlas der Abgeordnete Spahn eine Erklärung, welche besagt: Das Iesvitenoesetz enthält einen Angriff gegen bie katholische Kirche und die staatsbürgerlichen Rechte der Katholiken im Deutschen Reich. Der Bundesrat hat die in der.' Ausnahmegesetz liegenden Angriffe auf die bürgerliche und Irchlich" Freiheit verschärft, flnter diesen Umständen können wir zu« Reichskanzler und zum Bundesrat das Vertrauen nicht haben, daß die Bedürfnisie der Katholiken im Deutschen Reich von ihnen eine gerechte Behand­lung finden. Wir werden unser Verhalten entsprechend einrichten. Der Reichskanzler trat den Ausführungen Spahns sofort entgegen und erinnerte an die geschichtliche Entwicklung des Jesuitenordens in Deutschland und daran, daß der Orden auch in katholischen Län- dein derart vorgegangen sei, daß diese gesetzliche Einschränkungen für nötig erachteten. Sodann müßte neben den 24 Millionen Katholiken in Deutschland auch dem weitaus zahlreicheren prote­stantischen Teile des deutschen Volkes Rechnung getragen werden. . Wenn in katholischen Kreisen jetzt in dem Verhalten des Bundes­rates eine besondere Spitze oder eine Erneuerung der Iesuiten- bekämpfung gesehen werde, so sei das vollkommen falsch. Richt der Bundesrat habe die Intitiative ergriffen zu der jetzigen Entschei­dung, sondern die bayrische Regierung. Es handele sich auch nicht um eine Verschlimmerung, sondern um eine Kodifikation der bis­herigen Praxis. Wenn das Zentrum dem Bundesrat jetzt das Vertrauen kündige, so beweise es, daß es die Iesuitensrage zum Eckstein seines politischen Programms mache. Man habe sich ledig­lich auf das Gesetz vom Jahre 1872 gestützt, da man im Bundesrat mit den gegebenen gesetzlichen Verhältnisien rechnen muß. Es sei ein großer nationaler Schaden, wenn das Zentrum dieses Verhal­ts. jetzt als einen neuen Kulturkampf und als eine Störung des Religionsfriedens auszulegen suche. Wir verweisen des näheren auf unseren Parlamentsbericht.

Württemberg.

Die Nachwahlen haben fortgesetzt, was die Hauptwahlen begonnen hab^n und der Rest der Proporzwahl wird im Großen und Ganzen nicht viel ändern. Ein deutlicher Ruck nach rechts geht durch die Wähler- schäft. Die Konservativen und der B. d. L. haben 5 Sitze gewonnen, die Freisinnigen 4 verloren, die Rationalliberalen, die mit ihnen ver­bündet waren, 2 verloren, den Genoßen ist 1 Sitz mehr zug'.fallen, während das Zentrum sich in seiner Stärke erhalten hat. Roch be» deut'nder tritt der Umschwung in der Stimmenzahl hervor. So haben die Konservativen in den Wahlkreisen Kirheim, Backnang, und Bracken­heim ohne ftemde Hülfe je rund 700 Stimmen hinzugewonnen, in Leon­berg sogar 1200 und in Waiblingen 1250 Stimmen. Ja, filbst in den Wahlkreisen Gerabronn und Schorndorf in denen beiden ein realer Erfolg nach Lage der Dinge von vornherein so gut wie ausgeschlossen war, haben die Konservativen einen für die Zunkunft sehr bedeutungsvollen moralischen Erfolg erzielt, indem sie dort ihre Stimmenzahl gegenüber der Hauptwahlen je über 400 gesteigert haben. Gegenüber den offen- kundigen Verhältnisien versagen diesmal, wie wir bereits nach der Hauptwahl bemerften, alle Verdrehungskünste. Der schmählich« Herein- fall der Fortschrittler ist eben darauf zurückzuführen, daß die Wähler der ewigen Verbrüderung mit der Sozialdemokratie müde sind und in gewis­sem Sinne haben auch die Nationalliberalen durch ihr Bündnis mit dem Freisinn gelitten. Den Wählern in Württemberg sind die Augen ge- schärst für di« Verbrüderung mit der Sozialdemokratie, Darum wenden

ganz klar, baß, wenn die Frage durch die friedliche Diplomatie ge­löst wird, es nichts zu befürchten hat. Wenn die Vertreter bet Mächte um den Konferenztisch sitzen, machen sie damit, was in dem serbischen Anspruch exzessiv ist, kurzen Prozeß.

Eine halbamtliche Richtigstellung.

Berlin, 4. Dez. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Eine Stelle aus dem Artikel, in welchem dieKölnisch« Zeitung" Betrachtungen Über die Sitzung des Reichstages vom Montag anstellt, wird von einzelnen Blättern in Gegensatz zu un­seren Mitteilungen vom 25. November gebracht. Wir bemerk-'» dazu nur, daß die amtlichen Kreise mit jenen Betrachtungen d» Kölnischen Zeitung" nichts zu tun haben.

Weitere Kämpfe.

Rjeka, 4. Dez. Die Türken unternahmen gestern auf der langgestreckten Linie vom Flusie Kiri bis Vraka einen scharfen Ausfall gegen die montenegrinischen Stellungen mit der Absicht, bie feinblichen Linien zu durchbrechen. Nach mehrstündigem Kampfe gelang es den Montenegrinern, die Türken unter starken Verlusten zurückzuwerfen, eine den Tarabosch beherrschende Höhe unterhalb des SMevkagota zu besetzen und dort Batterien aufzu­stellen. 4 4

Ausland.

Glückwunsch Miverands « der Probemobilis-tion. Ran^, l L Dez. Der Präfekt des Departement» Meutthe-et-Moselle tat ei W

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Tie Lane.

Der Waffenstillstand.

Das gestrige Telegramm des Wiener Eorr.-Bureaus ist nun von verschiedenen Seiten bestätigt worden. Demnach haben also nut drei von den vier Balkanverbündeten den Waffenstillstand- mit der Türkei unterzeichnet. Zwischen diesen drei und der Pforte werden nun in London die Friedensverhandlungen einge­leitet und zwar sollen sie am 13. Dezember, nicht erst am 30. wie gestern gemeldet wurde, beginnen. Griechenland steht nun noch allein gegen die Türkei im Felde. Es hat sich eine Frist von 24 Stunden ausgebeten, um sich der Unterzeichnung des Waffenstill­standes anzusebließen. Im Falle des Nichtanschlusies wird es sich gleichwohl an den. Friedensverhandlungen beteiligen. Seine jetzige zögernde Haltung ist klar. Es möchte in weiteren Kämpfen die Türkei weiter bezwingen, um bann Anspruch auf bessere Kriegsentschädigung zu haben, als ihm seine Verbündeten selbst bisher zugestehen wollen. Ob es bas erreichen wird, bleibt min­destens zweifelhaft. Die türkische offiziöse Presie kündigt daher auch schon an, daß bie Türkei den Krieg gegen Griechenland fort­setzen werde, bis dieses ihren Standpunkt anerkenne. Vielleicht sind hier noch lleberraschungen zu erleben. Das eine steht jeden­falls fest, daß der Balkanbund, diese E. m. b. H. zur Vernichtung der Türkei recht wenig fest zusammengefügt ist und bei Gedanke ist durchaus nicht von der Hand zu weisen, daß die einzelnen Gesellschafter bei Verteilung der Beute sich gegenseitig in die Haare fahren. Die Aufgabe der Mächte wird es daher fein, hier­aus ein scharfes Auge zu haben, damit die Welt endlich wieder zur Ruhe kommt und nicht weiter zu befürchten braucht, daß der allenthalben bemerkbare Zündstoff am Balkanbrande Feuer fange und damit den prophezeiten Weltbrand entfache.

Griechenlands Gründe zur Absonderung.

London, 4. Dez. Der Korrespondent betDaily Mail" in Sofia telegraphierte gestern abend kurz vor dem Bekanntwerden des Abschlusies des Waffenstillstandsvertrages seinem Blatte, daß Griechenland deswegen den Vertrag nicht mit unterzeichne, weil es die llebergabe von Janina in Epirus verlange. Im Falle, daß zwischen der Türkei und den anderen drei Balkankönigreichen bei Wasfenstillstanbsveitiag abgeschlossen roetben sollte, rofiiben von Eiiechenlanb bie militätischen Operationen fortgesetzt werden.

Das Borgehen bet Mächte.

Wien, 4. Dez. Der österreichischen Regierung liegt der formelle Vorschlag der englischen Regierung vor für eine Zusammenkunft der in einer Hauptstadt beglaubigten Botschafter zur Besprechung der aus dem Balkankrieg ent­standenen Fragen. Die öfterreichische Regierung wird zu dem Vorschlag, der hier sympathisch aufgenommen wor­den ist und wohlwollend beurteilt wird, im Verein mit den Verbündeten der Monarchie Stellung nehmen. Wie verlautet, handelt es sich nicht um eine Konferenz, die bindende Beschlüße faßen soll, sondern um eine Zusammen­kunft der Botschafter, durch deren Besprechungen die späteren Ver­handlungen der Großmächte vorbereitet und beschleunigt werden

MuuNitau.

Weitere Preßstimmen zur Kanzlerrebe.

Jetzt äußert sich auch bie russische Preße zu bet Rede des Reichs- janzlets. DerRjetsch" schreibt:Die Rede ist ein neuer und sehr ernster Faktor der Charakterisieiung der internationalen Lage. Leber bie Momente, welche die Gefahr eines europäischen Konflik­tes in sich bergen, stimmen bie Auffaßungen der russischen und deutschen Diplomatie überein. Die Rede spricht deutlich aus, daß Deutschland nur Lebensinteießen Oesterreichs unterstützt. Die deutschfeindlicheRowoje Wremja", bas führenbe Blatt der Pan­slawisten fsthrt aus:(Eine nähere Betrachtung bei Woite des Deutschen Reichskanzleis zeigt, baß biese nicht absolut sondern nur bebingt zu verstehen sind, da bet Kanzler eine Unterstützung Öster­reichs »ur in dem Falle, baß die Existenz Oesterreich-Ungarns be­droht werde, für nötig hält." Trotzdem sei Vorsicht für Rußland geboten und es fordere daher die staatsmännische Umsicht, sofort die in Deutschland liegenden koloßalen Summen der russischen Staatskasse zurückzuziehen. Die Pariser Preße ist erregt und be­sorgt wegen der fortschreitenden Rüstungen Oesterreichs und er­wartet, daß die bevorstehende Rede Poincar^s ähnlich wie die Rede Vetbmann Hollwegs auf die Bündnispflichten Hinweisen und so ein Gegengewicht gegen bie Kanzlerworte bilden werde. Inter­essant ist nun, daß bie Londoner Times, bei bei Deutschlanb sonst nicht allzugut wegkommt, bet Pariser Preße gegenübertritt. Sie schreiben nämlich u. a.:Wit können nicht umhin, zu glauben, bafc die französischen Blätter, bie versuchen, bet Rede des Reichs­kanzlers eine schlimme, provokatorische Interpretation zu geben, ihrem eigenen Lande und der Sache des Friedens einen sehr schlech­ten Dienst erweisen. Wir haben keinen plausiblen Grund für eine solche Auslegung, bie nicht nur an sich gezwungen, sondern mit der folgenden Erklärung des Staatssekretärs unvereinbar erscheint. Die Rede muß als Ganzes gelesen werden, und so erscheint sie uns eminent friedliebend. Deutschland hat für den Frieden gearbeitet und arbeitet für den Frieden. Das ist die wichtigste Tatsache."

Dputl^es Reich.

Das Moorschutzgesetz. Berlin 4. Dez. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Beratung des Entwurfs des Moorschutz­gesetzes hat in erster Lesung den Entwurf mit unwesentlichen Äenderungen angenommen.

Ungültige Wahl. Berlin, 4. Dez. Die Wahlprüfungs- kommisston des Reichstages beschloß, die Wahl des Abgeordneten v. Hake, Mitglied der Reichspartei, 5. Marienwerder-Schwetz, für ungiltig zu erklären.

Kleine Anfragen." Berlin, 4. Dez. Im Reichstage sind folgende kleine Anfragen eingelaufen: Beabsichtigen die verbün- beten Regierungen, entsprechend den vom Reichstage wiederholt gefaßten Entschließungen, dem Bedürfnisie nach einheitlicher Rege- tung des Bergrechts in Deutschland durch Einbringung eines Reichsberggesetz-Entwurfs abzubelfen? (Abg. Dr. Hell). Ist ber Reichskanzler bereit, nachdem alle bisherigen Verfasiungsentwütst der mecklenburgischen ^Regierungen von dem mecklenburgisches Ständetag abgelehnt worden sind und der letzte von ihm abg«, lehnte aber von den Regierungen von neuem zur Beratung ge- stellte Verfaßungsentwutf, der die ständische Vetfasiung und bt< politische Rechtslosigkeit des mecklenburgischen Volkes int Wesen aufrechterhält, aber Bestimmungen enthält, welche das Intereß« des Reiches pn der finanziellen Leistungsfähigkeit dieses Bundes- ftaates erheblich verletzten, durch Reichsgesetzaebung die mecklen­burgischen Vetfaßungszustände zu ordnen? (Dr. Herzfeld).

Zu den Borgängen in Grafenstaden. Straßburg, 4. Dez. Vom Grafenstadener Schöffengericht wurde der Verleger desIII- kirch-GrafenstadetWr Anzeigers", Kempf, wegen Beleidigung von Lehrern der Fortbildungsschule der Elsässischen Maschinenfabril in Grafenstaden zu 50 M Geldstrafe ober 10 Tagen Gefängnis vor. urteilt. Es wurde gleichzeitig auf Veröffentlichung des Urteils im1llkirch-Grafenstad->ner Anzeiger", in denStraßburger Neue­sten Nachrichten" und imElsässer" erkannt. Die Beleidigungs­klagen des Verlegers Kempf gegen den verantwortlichen Redakte-.-i Sible vomRouveliste" und gegen den Journalisten mußten vertagt weiden, ebenso eine Anzahl Privatbeleidiauna?- flagen die gegen Kempf angestrengt worden waren und die ein, weitere Beleuchtung zu den Vorgängen in Grafenstaden bleien sollten.

Aus beut Wehrvereine. In ber Ortsgruppe Stuttgart, die gleichzeitig den Sitz des Landesverbandes Württemberg unter Lei» tung des Generalleutnants Freiherr v. Soden beherbergt, hielt am Freitag abend der Vorsitzende des Webrvereins. G-neral Keim, einen Vortrag über bas Thema- Weltlage und Mehrpolttik. Da­rüber wird der D. Z. berichtet: Der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt, aus allen Schichten der Bevölkerung waren die Teilnehmer herbeigeströmt, um dem glänzenden Vortrage b»s um das Vaterland so hochverdienten Generals zu lauschen. Der brausende, nicht endenwollende Beifall, der am Schlüße be? Vor­trags ausbrach, ist ein Beweis dafür, daß General Reim bie Er­wartungen feiner Hörerschaft nicht nur erfüllt, sondern üh:rt-affen hat. Er ist auch ein Beweis bafür, baß ber Wehrverein mit sei­nem Wirken auf dem rechten Wege ist. Der Tag wirb dem Wehi- verein in Württemberg bas Feld für bie Welterarbei: bereitet haben. ,, . ,

Hinansaewäblte Sozialdemokraten. G tha, 4. Dez. Bei den gestrigen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung unter­lagen die Sozialdemokraten sämtlich, sodaß von bisher sieben in Zukunft nur zwei Sozialdemokraten im Kollegium verbleiben.

Armenunterstützungen und Landtagswahlrecht. Berlin, 3. Dez. Die Fortschrittliche Volkspattei hat Im Preußischen Abgeordnetenhaus« folgenden Anttag eingebracht:Das Haus wove beschließen, die König­liche Staatsregierung auhuforbetn, noch vor Beginn bet Aufstellung bet Wählerlisten für die Neuwahlen zum Abgeordnetenhause »inen Ge­setzentwurf einzubringen, durch welchen die Bestimmungen des Reichs- gesetzes vom 15. März 1909 bett, die Einwirkung von Armenuntet- stützungen auf öffentliche Rechte auf die Wahlen zum Preußischen Ab- grordnetenhause ausgedehnt werden."

mti dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

sie sich nach rechts und darum hat auch die Fortschrittliche Volkspartei, die ja mit Siegesposaunen sonst nicht so sparsam ist, eine so vollkommene Niederlage erlitten. Wollte man in Württemberg jetzt eine Großdlock- politik von feiten der Linken eingehen, so würde das unter den gegebenen Verhätlnissen nichts anderes heißen, als daß man sich liberalerseits nicht mehr im Stande fühlt eine selbständige Politik zu treiben, sondern sich auch hier von der Sozialdemokratie ins Schlepptau nehmen läßt. Die Nationalliberale Württembergs haben freilich deutlich erklärt, daß sie daran nicht teilnehmen wollen und roh sich jetzt herausstellt, ist die Nachricht desVorwärts" von einemBittgang" der Nationalliberalen um sozialdemokratische Wahlhülfe eine Ente. Der nationalliberale Schwäbische Merkur" schreibt zu bet Wahl:

Das liberale Wahlabkommen hat an positivem Gewinn den libera­len Mittelpartelen wenig gebracht. Die teilweise Verbrüderung mit der Sozialdemokratie hat der Volkspartei zwar einen Sitz gerettet, da­für aber den gegnerischen Ansturm die Waffen geschärft und so am letzten Ende ihr selbst und dem Liberalismus Schaden gestiftet. Einem ge­schloßenen Aufmarsch gegen die Sozialdemokraten aber, bet doch einmal kommen muß, ist aufs neue der Weg verlegt. Ein gütlicher Ausgleich zwischen den bürgerlichen Parteien, rote ihn die Deutsche Partei vor dem zweiten Wahlgang erstrebte, hätte die Volkspattei so große Opfer wahrscheinlich nicht gekostet, wie sie diese jetzt in ihrer vielgerühmten Politik bringe« muß.

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