nut oem Kreisblatt
für die Kreise Marburg und Kirchhain
Marburg
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1912.
<Tx.MMot.p4,™ K. Kindlichkeit für Platz-, Datenvorschrist und Beleglieferung ausge-
5)0ltnCI»t(in, 3. VkgkMvkl schlossen. — Zahlungen tm Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
Erstes Blatt
ziehen kann.
Die Kämpfe um Skutari.
wird er bei dem Kaiser in Potsdam speisen. — An der Frühstücks- täfel beim Kaiser nahmen außer dem Prinzen Ferdinand von Rumänien der rumänische Gesandte Dr. Beldiman und Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter teil.
— Kanzler und Kurie. Zu der Meldung der „Frkf. Ztg.", der Reichskanzler habe einem Zentrumsabgeordneten gegenüber erklärt, daß die Enzyklika über die Gewerkschaften das Letzte sei, was sich die preußische Regierung vom Vatikan bieten lasse, erfährt die „Germania": „Demgegenüber kann durchaus zuverlässig festgestellt werden, daß allerdings eine Unterhaltung zwischen dem Reichskanzler und einem Zentrumsabgeordneten über die jüngst« päpstliche Enzyklika stattgefunden habe, daß in derselben aber ein« derartige gegen die Kurie gerichtete Aeußerung nicht gefallen ist."
— Ein« „Kleine Anfrage". Der Abgeordnete Liebknecht hat eine „Kleine Anfrage" gestellt, ob der Weg der Reichsgesetzgebung beschritten werden soll, um Uebelständen in bezug auf die Verunreinigung der Wasierläufe abzuhelfen, und ob auch internationale Abmachungen zu diesem Zwecke geplant find.
— Die Eeschaftsordnungskommisfion. Berlin, 3. Dez. In der gestrigen Abendsitzung der Eeschäftsordnungskommission des Preu- ßiscken Abgeordnetenhauses wurde beschlosien, die Bezeichnungen „Session" durch „Tagung", „Seniorenkonvent" durch „Aeltesten- rat", „Konstitutierung des Hauses" durch ..vollzogene Bildung", „Hospitanten" durch „ständige Gäste", „Kommissionen" durch „Ausschüsie", „besondere Kommissionen" durch „Sonderausschüsie", „motivierte" durch „begründete" Tagesordnung zu ersetzen. Abgelehnt wurde der Vorschlag, in den Befugnisien des Präsidenten das Recht der Polizei im Sitzungsgebäude durch das Wort „Hausrecht" zu ersetzen; die entsprechende Vorschrift wurde folgendermaßen gefaßt: Dem Präsidenten des Hauses steht die Handhabung der Polizei in den Sitzungsräumen zu.
— Freikonservative Landtagskandidatur. Rotenburg, 3. Dez. In einer aus allen Teilen des Landtagswahlkreises Rotenburg- Verden-Zeven zahlreich besuchten Versammlung rechtsstehender Wähler wurde der bisherige Landtagsabgeordnete Herr Amtsgerichtsrat Dr. Varenhorst-Tostedt wieder als Kandidat für die bevorstehende Landtagswobl einstimmig aufgestellt.
— Das sächsische Bolksschulgeletz. Dresden, 3. Dez. Die Zweite Kammer nahm nach fünftägiger Beratung den Entwurf des Volksschulgesetzes mit mehrfachen grundlegenden Abänderungen an. Darnach wurde die Einführung der allgemeinen Volksschule mit höheren Abteilungen vom dritten Schuljahre ab, sowie die Schulgeldfreiheit, die konfessionelle Volksschule, die Befreiung der Disfi- dentenkinder vom Reliaionsunterricht, die Einrichtung der obligatorischen Mädchenfottbildungsichule, der Wegfall des Gelöb- nisies der Bekenntnistreue durch die Lehrer, die Möglichkeit, daß Frauen Mitglieder des Schulvorstandes sein können und die E'n- fürhung des Landesschulbeirats beschlosien. Die Abstimmung war namentlich. Der Entwurf wurde mit 61 geaen S^—men angenommen Die Konservativen stimmten geschlosien dagegen. Die Nationalliberalen enthielten sich der Abstimmung. Das Gesetz geht nunmehr an die Erste Kammer.
— Ueberfall auf einen Posten. Breslau, 3. Dez. Auf den Militarposten bei den Schießständen wurden gestern Schüsse abgegeben und morgens Steine geschleudert. Der Posten feuerte beide Male ohne iemanden zu treffen. Das Absuchen des Geländes hatte keinen Erfolg.
— Eine überfahrene Abteilung Soldaten. BeMn, 3. Dez. Das Geräusch eines von der Statton Iungfernbeide abfahrenden Zuges machte heute früh die Pferde eines Krümperwaqens des Luftschifferbataillons scheu. Sie rasten davon: der Knacker rm-rbe vom Wagen geschleudert und da er die Zügel nicht losließ, eine Strecke mitgeichleift. Hm nicht überfahren zu werden, ließ er
Die Lage
Mißstimmung zwischen den Griechen und Bulgare«.
Die Griechen und Bulgaren streiten sich noch immer darum, «er zuerst im Besitz Salonikis gewesen sei. Die griechische Regierung veröffentlicht jetzt auf die Erklärung des bulgarischen Generals Theodoroff hin das Ergebnis einer Untersuchung der Angelegenheit. Danach sei der griechische Kronprinz am 10. November morgens 5 Uhr auf Grund vereinbarter Nebergal-e' :dingungen in die Stadt eingezogen, in deren Besitz sie bereits am 9. gewesen seien. Theodoroff habe um die Erlaubnis, zwei ermüdete Bataillone in die Stadt einziehen lasten zu dürfen, ersucht, was ihm bewilligt wurde. Statt deflen zogen am 11. November bulgarische Soldaten in der Stärke einer Division in die Stadt ein. — Aus Athen wird dazu dem „Temps" gemeldet, daß man dort allgemein darüber aufgebracht sei, daß Bulgarien Saloniki nicht den Griechen zugestehen will. Trotz der mehrfachen Dementis ist es T a t f a ch e, daß zwischen Bulgarien und Griechenland keine E i n i g k e i t h e r r s ch t, und daß man in Athen eine Fortsetzung des Krieges wünscht, damit vor allem die griechische Flotte noch eine entscheidende Rolle spielen kann. Dadurch hofft man, den Anspruch auf eine größere Gebietserweiterung erheben zu können, als die Verbündeten, wie es scheint, Griechenland zugestehen wollen. Aus all diesen Tatsachen war das Gerücht entstanden, daß sich der Abschluß des Waffenstillstandes verzögern werde. Dazu meldet das Reuter-Bureau aus Sofia: „Bezüglich des Gerüchts, durch die intransigente Haltung der Griechen könnte sich
der Abschluß des Waffenstillstandes verzögern, wird von zuständiger Stelle erklärt, der Waffenstillstand werde nötigenfalls ohne die Griechen unterzeichnet, die den Krieg allein fortsetzen könnten, wenn sie es wünschten. Dieser Fall scheint nach einem heute morgen einqetroffenen Telegramm auch eiugetreten zu sein. Das Wiener Korr.-Bureau meldet nämlich aus
Konstantinopel: Das Waffen still st andspro« tokoll ist zwischen der Türkei und Bulgarien, Serbienund Montenegrounterzeichnetworden.
Beruht diese Meldung auf Wahrheit, so dürfte sich tatsächlich Griechenland abgesondert haben mit der Absicht, die Feindseligkeiten allein fortzusetzen. Man wird die Bestätigung der Meldung abwarten müsten, ehe man daraus weitere Schlußfolgerungen
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und Landwirtschaftliche Beilage-
R j e k a, 3. Dez. Seit gestern donnern die schweren Geschütze ununterbrochen vor Skutari, das augenscheinlich gegenwärtig die schwersten Angriffe zu bestehen hat. Das Wetter ist äußerst schlecht Nach Meldungen von unterrichteter Seite leiteten die türkischen Truppen in Skutari, auf dem Tarabosch und den umliegenden noch in türkischen Händen befindlichen Stellungen gestern eine heftige Beschießung der Montenegriner ein, welche kräftig erwiderten, indem sie die schwersten Angriffsbatterien, welche bisher wenig gebraucht wurden, aufstellten. Der Ausgang des Kampfes ist bisher unbekannt.
Die serbischen Untertanen Ungarn».
B u d a p e st, 3. Dez. Die Meldungen über eine staatsfeindliche Bewegung unter den serbischen Landesbewo^nern sind durchaus unwahr und gehen darauf zurück, daß die in Ungarn wohnenden Serben namhafte Geldspenden für die Verwundeten nach Bel-
I grad gesandt haben. Verschiedene Agitatoren, die aus dem Königreich Serbien über die Grenze gekommen waren, fanden mit ihren aufrührerischen Reden keinen Anklang und wurden festgenommen.
Eine deutsche Mahnung an Rußland.
Die häufig zu offiziösen Erklärungen benutzte „Kölnische Ztg." veröffentlicht an leitender Stelle einen „Krieg oder Frieden" überschriebenen Artikel, in dem ausgesührt wird: „Wenn Oesterreich vor der serbischen Hartnäckigkett die Segel streicht, so wird das Prestige Oesterreich-Ungarns derart geschwächt, daß es auch für uns erheblich als Bundesmitglied an Wert verlieren würde. Es bedürfe nur eines Wortes Rußlands, um den serbischen Gernegroß in die Schranken zu verweisen. Auf dieses Wort warte die Welt vergebens. Auch habe man bisher nicht gehört, daß Rußlands Ententegenosien sich besonders beeiferten, ihm den Mund zu lösen. So lange als Rußland nicht gesprochen habe, werde das Kriegsgespenst nicht gebannt sein.
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Politische Umschau.
Preßstimmen zur Reichskanzlerrede.
Wie bereits gestern kurz gemeldet, besprechen die Wiener Blätter die Rede des Reichskanzlers in äußerst zustimmender Weise. Die „Neue Frei Presie" schreibt u. a.: Die Rede des Reichs^ kanzlers wird hier nie vergesien werden, ebenso wie auch die in schweren Krisen bewiesene Niblungentreue fortlebt, die das Bündnis so anschaulich, so faßlich, jedem Verständnis zugänglich und so volkstümlich machte." — Die „Reichspost" meint: „Die Rede des Kanzlers ist eine der stärksten Taten für den Frieden die in der harten gefahrvollen Zeit geleistet worden ist. Die deutsche Offenheit, miSder der Reichskanzler die Auffasiungen und Vorsätze Deutschlands dargelegt hat, ist eine gute Wegmarkierung für die freundschaftliche Auseinandersetzung der Mächte. Wenn irgendwo eine Illusion bestanden haben sollte, daß man den Dreibund durch die Eanschüchterung Oesterreich-Hngarns niederwerfen könnte — und diese Illusion scheint, wenn auch nicht in den Kreisen der verantwortlichen Staatsmänner der Großmächte tatsächlich bestanden zu haben — so ist sie jetzt zerstört. Der Dreibund ist solidarisch, in seiner Einigkeit liegt wohl, wenn Vernunft und Ee- wisien in diesen Zeiten noch eine Kraft haben, eine große Friedensbürgschaft." — Auch die italienischen Blätter besprechen die Rede in ähnlichem Sinne. So schreibt u. a. der „Popolo Romano": Die gewichtige klare Rede sei nicht nur eine vollkommene Interpretation der leitenden Gesichtspunkte des Dreibundes, sondern könne auch als Ausdruck der bei den Mächten der Triple-Entente vorherrschenden Ideen und Absichten angesehen werden. Der Reichskanzler betonte den großen Nutzen des Zusammengehens der Großmächte bei der Lösung der Orientfrage. In dieser Hinsicht könnten die Auslastungen nicht zufriedenstellender sein. — „Vita" hebt die wunderbare Klarheit in allen Punkten hervor, über die die öffentliche Meinung Aufklärung verlangte. Die Erklärungen des Reichskanzlers feien eine von maßgebendster Seite kommende Bestätigung der allgemeinen Hoffnung, daß der Friede Europas nicht weiter gestört werde.
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Deutsches Reick.
— Der Kronprinz von Rumänien in Berkin. Berlin, 3. Dez. Der Kronprinz von Rumänien traf heute vormittag 7.29 Uhr in Begleitung des Generaladjutanten General Robescu auf Bahnhof Friedrichstraße ein. Zum Empfang waren der rumänische Gesandte und die Mitglieder der Gesandtschaft erschienen. Der Kron» prinz stieg im Hotel „Esplanade" ab. Heute nachmittag 1 Uhr
Die „Oberheßische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. — Ter BezugSpretS beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpeditton (Markt 21) 2.00 * frei inS HauS. (Für unter, langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktton keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlaader Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.________
» (Nachdruck verboten.)
Judiths Elfe.
Roman von Otto Elster.
< Fortsetzung.)
Man ttank den Kaffee auf der Veranda vor dem behaglichen Wohnzimmer Judiths, und Heidrich erzählte, daß et sich entschloßen habe, sich von Iustizrat Holzer zu kennen, um die Praxis seines Vaters, der alt «nd kränklich werde, in der nahen Kreisstadt zu übernehmen. Lott« möchte auch lieber aus den Berliner Verhättnisten heraus.
Seine kleine Frau nickte eifrig dazu.
„Das ist prächtig!" sagte Judith. „Da werden wir uns oft sehen."
„Meine Frau würde allerdings an Ihnen, gnädige Frau, eine groß« Stütze finden. Sie wißen ja, die Welt verzeiht nicht so leicht." » ,/Dummes Zeug!" rief Axel. „Was ihr getan habt, das geht keinen etwas an. Ihr seid ein würdiges Ehepaar, und damit basta! Meinst du nicht auch Judith?"
„Allerdings! Und wenn ich Ihnen behilflich fein kann, soll es gern geschehen."
„Ich danke Ihnen von Herzen, gnädige Frau!"
„Halt!" rief Judith lachend. „Wir wollen Freundinnen fein! Sie prüften mir erlauben, Sie mit Ihrem Vornamen zu nennen, und Sie müssen mich Judith nennen!“
Die beiden jungen Frauen umarmten und küßten sich, und der Kreundschastsbund war geschlosien.
Dann kam Bubi, das Mhnchen Lottes, und wurde von allen Beiten sehr bewundert. Es wat ein hübsches, strammes, kleines Kerlchen, das aus feinen blauen Augen gar lustig in die Welt schaute. Er stand schon fest auf den Beinchen und plapperte bereits allerliebst.
Besonders Judith konnte sich von dem Kltzd kaum trennen. Sie trug es auf den Atmen umher, sie herzte und küßte es, sie spielte mit Um, pflückte ihm Blumen und suchte ihm bunte Steinchen. Und Bubi litt gar nicht fremd gegen die schöne Tante, sondern schlang di« Aermchen Mi ihr«« Stade* und stammelt«: JBuM lieb haben!"
Mit ernsten Augen sah Axel auf die liebliche Gruppe. Et wat schweigsam geworden, er konnte bas Kind nicht ansehen, ohne daß sich ein schmerzliches Gefühl in seinem Herzen regte. Dann machte et Heidrich den Vorschlag, ihn auf sein Zimmer zu begleiten, da er mit ihm eine geschäftliche Angelegenheit besprechen müsie.
Die beiden Herren gingen in Axels Arbeitszimmer, während Judith und Lotte im Park promenierten; Bubi, auf dem Arm seiner Wärterin, folgte ihnen.
„Ich bin von Herzen froh, Sie so glücklich zu wißen, Judith!" sagte Lotte. „Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht wegen meiner unbedachten, häßlichen Worte damals. Nicht war — Sie denken nicht mehr daran und haben die bösen Worten vergeßen?"
„Ja, ich habe sie vergeßen!"
„Und Sie find setzt ganz glücklich?"
„Ja, ich bin glücklich!"
„Herr von Ellern ist so ein lieber Mensch, und mein Mann hat mit ost erzählt, wie ihm Herr von Ellern gestanden, daß er SjD leidenschaftlich liebe. Und wißen Sie, liebe Judith, daß gerade die Furcht, man könnte ihm andere Beweggründe unterschieben, ihn lange Zeit davon abgehalten hat, sich Ihnen zu erklären?"
„Ich versteh: Sie nicht recht, liebe Lotte."
„Run, er fürchtete, daß Sie an feine uneigennützige Liebe nicht glauben würden. Er war ja allerdings nach Berlin gekommen, um eine reiche Heirat zu scbließen: et fürchtete, daß Ihnen zu Ohren gekommen sei, und daß Sie nun nicht an seine Liebe glauben würden. Aber glauben Sie mir, Judith, er liebte Sie nur um Ihrer selbst willen, wie mir mein Mann oft versichert hat. Verzeihen Sie mit, daß ich bas alles so gerade herausfage, aber ich möchte meine damaligen dummen und unüberlegten Worte wieder gutmachen, ich fürchtete immer, sie könnte einen Schatten auf Ihr Glück werfen."
„Ich danke Ihnen, meine liebe Lotte. Das ist jetzt vorüber, und ich bin ganz glücklich!"
„Ihr Glück wird vollkommen werden, wem» Sie erst solch einen kleine Bubi auf Ihren Atmen wiegen, in befiem süßem Gesichtchen Sie di« Züge des Sätet» wiederfindenl"
Judith errötete heiß.
.Löten Sie nur," sagte sie, „wie Ihr Bubi jauchzt und sich über die Stbwone im Teiche freut!“
Dornst eilte sie zu dem kleinen Bootshause, auf desien Vlattfonn die Wärterin mit Bubi stand. Die Sckwöne umkreisten sie, die Hälse ausftieckend, ob man ihnen nicht einen Brocken znwerfen würde.
In dem Häuschen lag immer Brot, um die Schwäne zu füttern. Judith nahm es und wari die Brocken den Tieren zu. Bubi fabelte laut vor Freude und kindlicher Last.
Dann hob sie den Knaben wieder auf den Arm und zeigte ihm ein Eichkätzchen, das neugierig auf sie herunterlugte and bann blitzicknell verschwand, als Bubi die Händcken nach ihm ausstreckte. Und Judith jagte sich mit dem Kleinen auf dem Rasrnvlatz und vflückte Blumen, um fein blondes Lockenköpfchen damit zu schmücken. Sie war ein Kind mit dem Kinde und wurde nickt müde, mit ibm zu spielen.
Gegen Abend fuhr der Besuch wieder fori.
„Kommen Sie reckt oft zu uns, liebe Lotte!“ sagte Judith zu bet neuen Freunbin. „Und bringen fie jedesmal Bubi mit! Sie machen mir dadurch eine seht große Freude.“
Lotte vetsprack es, unh llnbilh küßte Bubi noch einmal herzlich, ehe sie ibn bet Wärterin übergab
Dann kebrie Fe mit Arel in bas Schloß zurück. Beide schwiegen, wie unter dem Eindruck, als läae etwas Unausgesvrockenes zwischen ihnen, das aber keinem über die Lippen kommen wollte. Rn dem Eingang zu Judiths Zimmer verabschiedete fick Arel von seiner Frau.
„Entschuldige mich ein Stündchen," sagte er, „ich habe mit dem Inspeftor noch eine Angelegenheit zu besprechen."
Er kiißte Fe auf die Stirn; dann entfernte er sich rasch. Judith trat In ihr Zimmer ein. Sie kamen ihr so leer, so öde vor. Sie ging in den Park hinaus, den das Gold der Abendsonne burchflutete. Auch hier wat es so still, daß sie erschauerte. Sie horchte in den Abend hinaus, sie glaubte Kinderjauchzen und Kinderlachen za hören.
Traurig g'ng sie tn ihr Zimmer zurück.
(Fortsetzung folgt.)