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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kttchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 281

DieLbclhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpeditwu (Markt 21) 2.00 <X frei ins Haus. (Für rinder- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Veranlworlung.) Druck und Verlag der Univ.-Bnchdruckerei I. A. Koch (<Xnf) Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonnabend, 30. November

Ter Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 H, für Reklamen die Zeile 60 j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver- dindlichkeit für Platz-, Daten Vorschrift und Beleglieferung ausge­schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

17. Jahr-.

1912.

Erstes Blatt.

NmiMcm.

.' Auf dem Wege zum Parlamentarismus.

Der gemeldete Antrag der Sozialdemokraten, dem Reichskanzler «her einzelne Punkte seiner Behandlung der Fleischteuerungsfrage ein Mißtrauensvotum zu erteilen, stellt den ersten Versuch dar, die Eeschästs- »ndnung über die kleinen Anfragen, die der Reichstag annahm, zu einem Eingriff der parlamentarischen Körperschaften in die Regierung seihst zu erweitern. Von der Rechten und aus der Mitte wurde bereits im Reichstage darauf hingewiesen, daß der betreffende Paragraph der Geschäftsordnung den Sozialdemokraten keine Handbabe zu ihrem An­trag gebe. § 33a der Geschäftsordnung lasse lediglich eine Kundgebung über die Eesamtpolitik der Regierung, nicht aber über einzelne Hand­lungen zu. Es dürfte klar sein, das; die Sozialdemokratie in diesem Punkte einsetzt, um die Konsliktsgefahr zwischen Regierung und Reichs­tag zu erhöhen. In derPost" äußert stch Frhr. v. Zedlitz folgender­maßen' Die Absicht, welche die Sozialdemokratie mit der Spezialisierung der Punkte, in welcher ihr das Verhalten der Regierung in Sachen der Fleischteuerung mißfällt und die zugleich eine Begründung einer Auf- fasiung im einzelnen enthält, verfolgt, ist klar. Man will den Reichstag verleiten, durch Einzelbefchlüsie dieser Art in die Negierung direkt ein- zu greifen. Ließe der Reichstag sich auf diese Bahn verlocken, so würde voraussichtlich alsbald gelegentlich der Anfrage über die auswärtige Politik der Versuch unternommen werden, vom Reichstage aus ^die Richtlinien der auswärtigen Politik im einzelnen vormzeickmen. Für die bürgerlichen Parteien aber enthält dies Vorgehen der Sozialdemo­kraten die dringendste Warnung zur Voräckt gegenüber den demokra­tischen Versuchen, die ohnehin schon große Macht des Reichstages noch «eiter auf Kosten der verbündeten Regierungen zu erweitern.

Die Nationalliberalen in Württemberg.

DieRationalliberale Korrespondenz" schrieb vor einigen Tagen, die Nationalliberalen Württembergs hätten es abge­lehnt, bei den Landtagswahlen den Spuren des Großblocks zu folgen. Jetzt aber meldet derVorwärts" folgendes über ein angeblich von den Nationalliberalen nachgeiucktes Wahlbündnis mit den Sozialdemokra­ten:Die nationalliberale Partei in Württemberg hat in der höchsten Not den Weg zur Sozialdemokratie gefunden. In der Verzweiflung entschloß sich die nationalliberale Parteileitung, der Sozialdemokratie das Angebot einer Vereinbarung zu machen: aber in ihrer Bescheiden­heit verlangten die Herren die Unterstützung ihrer Kandidaten durch unsere Wähler in drei Bezirken, während ste lediglich in Waiblingen zur Unterstützung unserer Kandidaten ausfordern wollten. Unsere württembergische Parteileitung erklärte sich deshalb nur bereit, in Brackenheim, wo unsere Kandidatur als aussichtslos bereits zurückge­zogen worden ist, zur Unterstützung des Notionalliberalen anfzufordern, wofür die Nationalliberalen unsere Kandidaten in Waiblingen unter­stützen. Weitere Verpflichtungen wurden unfererseits abgelehnt. Welche Rückwirkung dieser Sündenfall der Nationalliberalen auf die Haltung des Bauernbundes ausüben wird, wird sich am Wahltage, dem 29. No­vember zeigen." Vorläufig darf man die Richtigkeit der Meldung wohl bezweifeln.

Die internationale Laqe.

Eine Einigung der Mächte in Aussicht.

In einem inspirierten Berliner Telegramm bemerkt die Kölnische Zeitung" zur gegenwärtigen politischen Situation, daß, nachdem die Türkei mit den Balkanvölkern Frieden gemacht, recht­mäßiger Weise die gesamten zu lösenden Fragen gemeinsam behan­delt würden. Die albanesische Frage ist, wenn man den sonst zu­verlässigen Meldungen glauben dürfe, bereits grundsätzlich im Eine der Autonomie dieses Landes gelöst. In der Frage des serbi­schen Adriahafens stehe den serbischen Wünschen die Ungeneigtheit der Mächte gegenüber, die gesamten serbischen Ansprüche zu erfül­len. Jedenfalls dürfte, nachdem bisher Einmütigkeit in dem Ge­dankenaustausch festgestellt ist, eine Garantie für eine friedliche Lösung bestehen.

DieKölnische Zeitung" schreibt ferner an leitender Stelle zu l>en Gerüchten von einem Zwiespalt zwischen den Dreibundmächten und den Dreimachteverband:Es herrscht, im Gegensatz zu den An­schauungen in Konstantinopel, bei allen Kabinetten der ernste Wille, durch gemeinsame Arbeit einen Weltbrand zu vermeiden, und man darf sagen, daß die Bemühungen für die Erhaltung des Friedens in den letzten Tagen Fortschritte gemacht haben. Wenn die Pforte sich durch die Alarmgerüchte täuschen lasten, und ihre Augen für den Ernst ihrer Lage verschließen sollte, so würde sie eine üble Enttäuschung erleben."

Die Konferenzidee.

Sofia, 28. Nov. Angesichts der in der letzten Zeit vielfach bemerkbaren Tendenzen, die definitive Entscheidung des Balkan­krieges einer europäischen Konferenz zu unterbreiten, steht die bul­garische Regierung entschieden auf dem Standpunkt, daß die Lö­sung der Balkanfrage keiner Konferenz bedürfe. Die bulgarische Regierung würde nur dann einer Konferenz-Idee zustimmen, wenn das Konferenzprogramm von vornherein festgesetzt würde und bloß die Sanktionierung der Anerkennung enthielte.

Paris, 28. Nov. Zu der Londoner Meldung, daß die eng­lische Regierung zur Lösung der Balkanschwierigkeiten die Einbe­rufung einer Botschasterkonferenz beantrage, wird offiziös be­richtet, daß die Nachricht in dieser Form jedenfalls verfrüht sei. sicher sei nur, daß Sir Edward Grey zu mehreren Botschaftern ge­sagt habe:Wen man telegraphisch von Hauptstadt zu Hauptstadt korrespondieren muß, dann wird man nicht fertig werden." Es sei iaöglich, daß Grey für eine solche Konferenz-Idee sei, aber jeden« Eall» habe diese Idee noch keine feste Gestalt angenommen.

Oesterreichs Stellung.

W i e n, 28. Nov. DasFremdenblatt" schreibt: In der öffent­lichen Meinung machen sich seit einiger Zeit die Zeichen einer im­mer steigenden Bewegung bemerkbar. Die intransiganten Erklä­rungen des serbischen Ministerpräsidenten, die an aufregenden Zwischenfällen so reiche Angelegenheit Prochaska, die aufreizende und gehässige Sprache der nationalistischen Preste Serbiens gegen Oesterreich-Ungarn verursachten, daß ein Gefühl lebhaftesten Un­willens in der Monarchie zutage tritt. So begreiflich und so ver­ständlich dieser Unmut weiter Kreise der Bevölkerung ist, so darf sich aber die Regierung eines Erotzstaates nicht allein von den Impulsen der öfentlichen Meinung leite nlasten, und darf sich nicht von den festvorgezeichneten Richtlinien ihrer Politik abdrängen lasten. Oesterreich-Ungarn, das nirgends störend in die kriegeri­schen Operationen eingegriffen hat, wünscht ein gedeihliches Ende der Friedensvsrhandlungen. Das Blatt bezeichnet die Behaup­tung eines Teiles der ausländischen Preste von einer Ermunterung der Türkei zur Fortsetzung des Krieges seitens Oesterreich-Ungarns als leichtfertige und böswillige Erfindung. Oesterreich-Ungarn bewies den Balkanstaaten stets wohlwollendes Entgegenkommen, welches gewiß auch vollauf anerkannt und gewürdigt wurde. Diese Haltung der Monarchie berechtigt zu der Annahme, datz die Be­mühungen Oesterreich-Ungarns mit den Balkanstaaten in die freundschaftlichsten und besten Beziehungen zu treten, nur dann von Erfolg begleitet sein können, wenn diese Bemühungen nicht einseitige bleiben, sondern auch seitens der Balkanstaaten in dem­selben Sinne Oesterreich-Ungarn gegenüber gehandelt wird.

Drei österreichische Kriegsgesetze.

Im österreichischen Abgcordnetenhause trat am Donnerstag der Seniorenkonvent zusammen. Bei dieser Gelegenheit teilte der Ministerpräsident Graf Stürgk mit, datz er in den nächsten Tagen dem Hause drei Gesetze vorlegcn werde, und zwar ein Gesetz über die Pferdegestellung, ein Gesetz betreffend die Unterstützung der Familienangehörigen im Mobilmachungsfalle und ein Gesetz über die Leistungen an Unterkunfts- und Transportmitteln seitens der privaten Gemeinden im Mobilmachungsfalle.

Kein Ultimatum.

Wien, 27. Nov. Gegenüber der vielfachen Annahme, daß das Wiener Kabinett seine Auffastung gegenüber den Ansprüchen Serbiens bezüglich der Neuregelung der territorialen Besitzstands auf dem Balkan der serbischen Regierung mit der Aufforderung zu einer Antwort hätte mitteilen lasten, stellt diePolitische Korre­spondenz" folgenden Sachverhalt fest: Die serbische Regierung er­griff die Initiative und versuchte durch ihren Wiener Gesandten die Rechtmäßigkeit der Ansprüche zu begründen. Das Wiener Ka­binett sah sich dadurch veranlaßt, durch den österreichisch-ungari­schen Gesandten in Belgrad ihren Standpunkt darlegen zu lasten, ohne jedoch daran die Aufforderung zu einer Eegenäutzerung zu knüpfen. Von einer kurzen Frist, die gegenüber dem Belgrader Kabinett für die Beantwortung gestellt worden sei, kann somit keine Rede sein. Daher ist auch die Ansicht unzutreffend, daß aus dem Ausbleiben der Antwort, welche bisher nicht verlangt wurde, Schlüste auf den Stand dieses Teiles der Balkanfragen gezogen werden können. ,

Oesterreich und Rumänien.

Wien, 28. Nov. Das Wiener Korr.-Bureau meldet aus Bukarest: Der österreichisch-ungarische Armeeinspektor Freiherr Tonrad v. Hötzendorf wird morgen mittag hier eintreffen und ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef an König Carol überbrin- . gen. Er steigt als East des Königs im Palais ab.

Rbgeänderte Forderungen Serbiens.

Paris, 28. Nov. Der Sonderberichterstatter desMatin" meldet aus Belgrad, die serbische Regierung bestehe nicht mehr darauf, den Hafen von Durazzo zu erhalten, sie würde sich mit einem nördlich gelegeneren Hafen begnügen und als Südgrenze eine von Kap Rodoni an der albanesischen Küste nach Dibra gehen­den Linie annehmen. Der Grund für diese nachgiebigere Haltung Serbiens sei vielleicht in dem Widerstande zu suchen, den die Türkei den Balkanverbündeten an der Tschataldscha-Linie entgegensetze, vielleicht auch darin, daß Serbien, das fast vollständig von Trup­pen entblößt sei, die Erregung Oesterreich-Ungarns beschwichtigen wolle, vielleicht aber auch in der Tatsache, daß die Großmächte kei­neswegs geneigt seien, alle Forderungen Serbiens zu befriedigen.

Die türkisch-bulgarischen Verhandlungen.

Sofia, 28. Nov. Die gestrige Konferenz der türkischen und bulgarischen Delegierten dauerte bis spät abends. Heute 10 Uhr vormittag traten die Delegierten von neuem zusammen.

Konstantinopel, 28. Nov. Eine gestern Nacht erschie­nene amtliche Mitteilung besagt, daß die Bevollmächtigten in der gestrigen Beratung in meritorische Verhandlungen eingetreten sind. Nach dem Empfang des Telegramms über das Ergebnis der Konferenz beriet der Ministerrat bis um Mitternacht und über­sandte den Bevollmächtigten neue Instruktionen. Die amtlichen Mitteilungen der türkischen Blätter sind voller Optimismus. Man glaubt, daß die Bulgaren ihre ursprünglichen als übertrieben an­gesehenen Ansprüche aufgegeben und geneigt sind, den Frieden so schnell als möglich abzuschließen.

Sensationelle Maßnahme« und Beruhigungstelegramm.

Liegnitz,28. Nov. Wie derDeutsche Telegraf" von zuver­lässiger Seite erfährt, find die Eisenbahnviadukte bei Görlitz, Lieg- nitz, Hirschberg und Bunzlau, sowie andere strategisch-wichtige Punkte der schlesischen Bahn einem Wachtkommando unterstellt

worden, der diese Punkte bei Tag und Nacht aufs Schärfste zu be* wachen hat. Wenn auch die Gerüchte über ein angeblich von russig schen Emistären geplanten Attentates sowie alle übrigen Gerücht« von Truppenbewegungen usw. in das Reich der Fabel zu verweise« sind, so würde es sich immerhin um eine der Maßregeln handeln, wie sie für den Fall der Mobilisation vorgesehen sind. Auch zur Sicherheit der Bahnpost und des Verkehrs auf den größeren Bahn­höfen in Schlesien ist ein besonderer Dienst eingerichtet worden.

Königsberg i. Pr., 28. Nov. Das hiesige Oberprästdium erhielt ein Telegramm des Reichskanzlers, in welchem der Ober­präsident gebeten wird, die anscheinend in der Provinz herrschen­den Kriegsaufregungen, die durch nichts gerechtfertigt feien, ent­gegenzutreten. Die alarmierenden Nachrichten über angeb'>che Kriegsvorbereitungen diesseits und jenseits der preußifch-rujnpTen Grenze entbehrten jeder Grundlage. Deutscherseits seien keinerlei besondere militärische Maßregeln ergriffen worden. Auch leien hier keine Nachrichten über russische militärische Maßnahmen ein­gegangen, die deutsche Eegenmatzregeln veranlaßten.

Dieirrtümliche" Mobilisierung in Frankreich.

Paris, 27. Nov. Die französischen Blätter konstatieren mit Genugtuung, daß die aus Versehen vorgenommene Mobilisierung von neun Bezirken bei Arracourt sich vollständig planmäßig voll­zogen habe. Alle Rekruten seien aus das erste Alarmsignal mit Wagen, Fahrrädern, oder auf irgend eine andere Weise in ihre Garnison nach Luneville und Nancy geeilt, wo sich in den frühen Morgenstunden bald größere Trupps zusammenfanden, die unter dem Absingen der Marseillaise zusammen zu den Kasernen zogen. In den Dörfern, die an der Grenze liegen, herrschte große Aufreg­ung. Trotzdem vollzog sich die Requirierung der Pferde und Le­bensmittel ohne Zwischenfall. Die Bäcker und Fleischer mutzten nachts ihre Läden öffnen, damit die Reservisten ihre vorschrifts­mäßige Nahrungsration mitnehmen konnten. Um 5 Uhr morgens war kein einziger Stellungspflichtiger Franzose mehr in den mobi­lisierten Dörfern. Ehegatten und Söhne hatten unter Tränen von ihren Angehörigen, Frauen und Eltern Abschied genommen, um in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen. Um so größer war die Ueberraschung der Dorfbewohner, als am nachmittag die mobi- liefierten Vaterlandsverteidiger wieder eintrafen. Vielfach in ge­hobener Stimmung, da sie sich nicht hatten nehmen lasten, den schnellen Friedensschlutz gehörig zu begießen. Weiter wird zu der versehentlichen Mobilmachung gemeldet: Die in der Angelegen­heit angeordnete Untersuchung hat ergeben, datz die Schuld an dem Irrtum den Postmeister von Arracourt, Defraut, trifft. Dieser er­hielt in der vergangenen Nacht ein amtliches Telegramm, in dem er beauftragt wurde, den Gendarmen und Zollbeamten gewiste Weisungen betreffend die Mobilisierung zu übermitteln. Infolge eines Mißverständnistes teilte jedoch der Postmeister den Gen­darmen und Zollbeamten jene Weisungen mit, denen zufolge eine tatsächliche Mobilisierung vorgenommen wurde. Defraut, gegen den eine Disziplinaruntersuchung eingeleitet worden ist, wurde vorläufig seines Amtes enthoben. DerAgence Havas" wird aus Luneville berichtet, daß der Eendarmeriewachtmeister in Arra­court, der die irrtümliche Mobilisierungsorder verbreitet hatte, nicht verhaftet, sondern von seinen vorgesetzten Behörden wegen der befriedigenden Ausführung dieses Befehls belobt worden sei«

Deutsches Reich.

Vom Kaiser. Donaueschingen, 28. Nov. Der Kaiser, der Fürst von Fürstenberg und die Jagdgesellschaft begaben sich heute vormittag zur Jagd nach der Bruggerhalde. Das Frühstück wurde im Freien eingenommen.

Der Kronprinz. Berlin, 28. Nov. Der Kronprinz fährt morgen nach Brüste!, umhals Vertreter des Kaisers an den Bei- setzungsfeierlichkeiten für die Gräfin von Flandern teilzunehmen.

Aus dem Bundesrat. Berlin, 28. Nov. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde den zuständigen Ausfchüsten über­wiesen: Die Reichshaushaltsrechnung für 1911, die Bestimmungen zur Ausführung des § 392 des Versichcrungsgefetzes für Angestellte, der Portotarif für Sendungen in Blindenschrift, die Vc'tii.imun- gen betreffend die Ausführung des § 372 des Verficherungsgcsetzes für Angestellte. Zugestimmt wurde der Vorlage betreffend das Verfahren vor dem kaiserlichen Aufsichtsamte für Privatversiche­rung im Falle des § 369, Absatz 1, Satz 2 des Versicherungsgesetzes für Angestellte, der Vorlage betreffend die am 2. Juni 1911 in Washington unterzeichnete revidierte Pariser Uebereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums, dem Entwürfe des Gesetzes zur Ausführung dieser Uebereinkunft, sowie die Vorlage betreffend den Entwurf der Polizeiverordnung über die Herstellung, Aufbe­wahrung und Verwendung von Acetylen, sowie die Lagerung von Carbid. Hebei den Antrag Bayerns betreffend den Vollzug des Iesuitengefetzes wurde Beschluß gefaßt. Zur Annahme gelangten ferner: Der Entwurf des Gesetzes über das Verfahren gegen Jugendliche, die Vorlage betreffend den Entwurf des Gesetzes zur Aenderung der §§ 74, 75, 76, Absatz 1 des Handels­gesetzbuches.

Der Seniorenkonvent des Reichstages trat vor Beginn des Plenums zusammen, um über die Geschäftslage zu beraten. Man einigte sich, nach Beendigung der Debatten über die in Angriff ge­nommenen Interpellationen, die am Freitag erwartet werden, iit die Beratung kleinerer Vorlagen einzutreten. Auf die nächst« Tagesordnung sollen gesetzt werden: Der Entwurf eines Gesetze« über den Zusammenstoß von Schiffen und über Bergung und Hilfe­leistung in Seenot, der Entwurf eines Gesetzes über Kindersaug-