Marburg
.Ho /hS und der Exveditton (SD, *' langt zugesandte Ma
1912.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Saus" und «MndwirtschMiche Beilage".
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpeditton (Marlt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unter« ______ Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
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Erstes Blatt.
Die Lage auf dem Balkan.
Der Adriakonflikt. ' '
Rom, 11. Nov. „Eazetta del Popolo" und „La Nazione" Versichern nach Informationen aus bestunterrichteter Seite, daß die Dreibundmächte über die albanestsche Frage völlig einig sind. Der Dreibund, schreibt „Eazetta del Popolo", akzeptiert bis zu den letzten Konsequenzen das Prinzip des Balkanbundes, „der Balkan den Valkanvölkern". Gerade die Anwendung dieses Prinzips verlangt, daß die Albanesen unabhängig werden und das türkische Joch nicht mit dem slawischen vertauschen. Serbien wird keinen Ausgang nach dem Adriatischen Meer bekommen, weil das die Aufteilung Albaniens mit sich brächte. Der Dreibund vertraut auf die Mäßigung Serbiens, welchem er nicht das Recht auf einen Hafen am Aegischen Meer abspricht. Er vertraut darauf, daß die Tripleentente, insbesondere Rußland die Balkanvölker zu überreden suchen werde. „Tribuna" veröffentlicht eine Information, wonach die Mächte darüber einig sind, daß das Balkanproblem nach dem Prinzip der Nationalitäten gelöst werden soll, und daß dieses Prinzip auch auf Albanien anwendbar sei. Die Mächte würden zweifellos auch Serbien in diesem Sinne raten. Dieser Rat habe um so mehr Gewicht, als er uneigennützig sei.
Wien, 12. Nov. Die „Neue Freie Presie" meldet aus Belgrad: Der italienische Geschäftsträger suchte gestern den Ministerpräsidenten Pasitsch auf, nachdem der österreichisch-ungarische Gesandte ihn verlosten hatte. Er erklärte im Namen seiner Regierung : Die italienische Regierung hat immer die nationale Entwicklung Serbiens mit dem größten Wohlwollen begleitet. Die italienische Regierung verstand auch, daß Serbien das Verlangen hat, seinen Stammesgenossen in Mazedonien zu helfen. Aber gerade der Grund, der die Serben veranlaßt hat, in den Krieg zu gehen, müßte Serbien dte Verpflichtung auferlegen, Albanien gegenüber eine andere Haltung anzunehmen, als dies gegenwärtig geschieht. Auf Grund des nationalen Prinzips hat Serbien den Krieg begonnen und darf dieses Prinzip den Albanesen gegnüber nicht verletzen. Vom nationalen Standpunkt aus wäre es zu verurteilen, wenn Serbien die albanesische Nation unterdrücken wollte. Italien fühlt sich in der Angelegenheit betreffs Albaniens und der Frage der albanestschen Häfen mit Oesterreich-Ungarn solidarisch. Italien gibt Serbien den Rat, seine Ansprüche zu mäßigen. Italien würde dazu beitragen, daß die wirtschaftlichen Bedürfnisse Serbiens möglichst befriedigt werden. Ministerpräsident Pasitsch antwortete, er verkenne nicht die wohwollende Gesinnung Albaniens. Die serbische Regierung werde den Rat der italienischen Regierung in Erwägung ziehen.
Rumänische Mission.
Wien, 12. Nov. Die „Zeit" meldet aus Budapest: Der frühere rumänische Ministerpräsident Earp ist — wie verlautet in einer Sondermission — hier eingetroffen. Er ist der Ueberbringer eines Handschreibens des Königs Earol an den Kaiser. Die Mission Earps scheint darin zu bestehen, die Ansprüche Rumäniens mit der durch die Erfolge der Bulgaren geschaffenen neuen Situation in Einklang zu bringen.
Die Lage in Konstantinopel.
Konstantinopel, 12. Nov. Einige neue Fälle von Cholera sind unter den mohammedanischen Flüchtlingen aufgetreten. Die Regierung trifft energische Maßregeln, um der Ausdehnung der Epidemie vorzubeugen. — Der englische Kreuzer .Hampshire" ist angekommen. — Um die Tätigkeit des jungtörkischen Klubs zu verhindern, veröffentlicht die Regierung einen Zusahartikel zu dem Erlaß über den Belagerungszustand, in dem bestimmt wird, daß niemand außer dem Sanitätspersonal in die in Hospitäler umgewandelten politischen Klubs eintreten darf.
Der Kampf um Skutari.
London, 12. Nov. Das Reuterbureau meldet aus Rjeka vom 11. November: Das Bombardement Skutaris wurde gestern abend wieder ausgenommen, die Türken zogen sich auf die höchsten Stellungen zurück. Wegen des Mangels an Lebensmitteln und des herrschenden Schneetreibens versuchten sie am Abend, ihre Stellungen zu verlasten und sich in die Stadt zurückzuziehen, wurden aber durch die Montenegriner zurückgeworfen. — Der König ist gestern nach Antivari abgereist.
Wien, 12. Nov. Die „Südslawische Korrespondenz" meldet aus Cattaro: Einwandfreie Berichte stellen fest, daß die militärische Lage vor Skutari für die Montenegriner entschieden ungünstig ist. Die Kolonnen auf dem linken Bojanaufer wurden nach dreitägigem Kampfe von Essad Pascha bis nach Belas zurückgeworfen. Vor dem Eintreffen der Garden unter Jankowitfch ist keine Besterung der Lage der Montenegriner zu erwarten, welche durch Ueberschwemmungen der Bojana und große Schneefälle Verpflegungsschwierigkeiten haben. Die Meldungen über die Besetzung von San Eiovani di Medua und Alessio durch die Montenegriner haben sich als falsch erwiesen.
Griechisch« Erfolge.
Athen, 12. Nov. General Sapundjakis telegraphierte aus JKtta: Die griechische Armee hat gestern die Festungswerke Pende- pigadia besetzt. Der Feind wurde verfolgt, zog sich hinter Pende- pigadia zurück und stellte dort Batterien auf, die den ganzen Tag »hne Erfolg feuerten.
Das Kaiserreich des Balkans?
Rom, 12. Nov. Das „Eiornale d'Jtalia" berichtet, daß der Balkanbund in ein Kaiserreich umgewandelt werden soll. Nach dem Kriege würden sich die Herrscher der vier Balkanstaaten in Sofia vereinigen, um das neue Kaiserreich zu bilden, das dem Deutschen Reiche nachgeblidet werden soll. Jeder Staat wird sein Heer behalten, ein einziger Eeneralstab werde jedoch gebildet. Nach außen hin wird nur ein Ministerium des Auswärtigen vorhanden sein.
Zum österreichisch-serbischen Gegensatz, veröffentlichen wir heute eine Kartenskizze, die das Streitobjekt veranschaulicht. Das mit Punkten versehene Gebiet wird bekanntlich von Serbien gefordert, um an die adriatische Küste heranzukommen. Aus diesem Grunde haben die Serben die drei Häfen San Giovanni di Medua, Allefsio und Durazzo besetzt und erklären, dies Gebiet sei als Serbiens Korridor zur See zu betrachten und würde auch gegen Oesterreichs Einspruch besetzt bleiben. Die
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russische Presse unterstützt hierbei die Serben. — Österreich- Ungarns Regierung läßt hierauf im „Fremdenblatt" erklären, daß die Donaumonarchie gar nichts gegen einen serbischen Handelshafen habe, nur müste er nicht an der Adria liegen! Oesterreich- Ungarn hege die wohlwollendsten Intentionen für die Balkanstaaten, aber das Entgegenkommen finde dort seine natürliche Grenze, wo das österreichische Jntereste beginne .... Wie dieser ernste Gegensatz zu beseitigen ist — ohne Gefährdung des europäischen Friedens, — das ist ein Gegenstand, der zurzeit im Mittelpunkt der Okplomatischen Verhandlungen steht.
Politische Umschau.
Zur Präsidentenwahl im Reichstage.
Die „Kons. Korr." schreibt: Infolge der Mandatsniederlegung des Abg. Dr. Kaempf muß bekanntlich der Reichstag auch eine Neuwahl des Präsidenten vornehmen. Diese soll, wie wir hören, am zweiten Sitzungstage, dem 27. November, erfolgen. In linksliberalen Blättern wird auffälligerweise, obwohl die Fraktionen noch gar nicht zu dieser Sache haben Stellung nehmen können, schon jetzt Stimmung zu machen versucht für eine einfache Wiederwahl des Abg. Dr. Kaempf, sogar durch Zuruf. Demgegenüber muß doch einmal darauf hingewiesen werden, daß der Abg. Dr. Kaempf seine Wahl zum Präsidenten dem reinsten Zufall verdankt. Er ist am 8. März mit einer einzigen Stimme Mehrheit, nämlich mit 192 gegen 191 Stimmen, die auf den Abg. Dr. Spahn entfielen, zum Präsidenten gewählt worden. An diesem Tage waren aber gerade 2 Zentrumsmandate (Münster i. SB. und Merzig-Saarlouis) erledigt. Da diesmal beim Wiederzusammentritt des Reichstags voraussichtlich alle Mandate besetzt seindürften, so dürfte es wesentlich auf die Besetzung des Hauses ankommen, falls nicht unter den Konservativen, dem Zentrum und den Nationalliberalen eine Einigung über die Besetzung des Präsidiums erfolgt. Von einer einfachen, eventuell sogar widerspruchslosen Wiederwahl des Abg. Dr. Kaempf kann keineRede sein. Die Fortschrittliche Volkspartei hat als fünftstärkste Fraktion keinen Anspruch auf den Präsidentenposten und wird ihn vernünftigerweise auch nicht erbeben. Das würde eine Wahl durch Zuruf bedeuten.
Deutsches Reich.
— Die erste Sitzung des Reichstages nach der Vertagung ist auf den 26. November angesetzt worden.
— Friedensschluß zwischen Telefunken und Mareoni. Die englische Marconi- und die deutsche Telefunken-Eesellschaft haben vereinbart, die zwischen ihnen in mehreren Ländern schwebenden Patentklagen zurückzuziehen. Die Marconi Company verzichtet daraus, die Gültigkeit der bereits von den deutschen Gerichten anerkannten Telefunkenpatente — unter anderen der Braunschen Patente — zu bestreiten.
— Di« Affäre Kostewitsch. Köln, 12. Nov. Der russische Hauptmann Kostewitsch, dessen Sache am Donnerstag zur Verhandlung kommt, ist heute mit seiner Frau hier eingetroffen. t
— Stapellauf „Ersatz Geyer". Kiel, 12. Nov. Hier hat heute der Stapellauf des kleinen Kreuzers „Ersatz Geyer" stattgefunden. Zu der Feier hatten sich Prinz und Prinzessin Heinrich von Preu« ßen eingefunden. Bürgermeister Maßmann von Rostock hielt die Taufrede und taufte das Schiff auf den Namen „Rostock".
Koloniales.
Hinrichtung der Kopperleute. Das Kaiserliche Bezirksamt Eibeon (Deutsch-Südwestafrika) erläßt folgende Bekanntmachung: Der stellvertretende Gouverneur hat das am 28. September gefällte Urteil des Eingeborenengerichts Eibeon betr. die Simon« Kcpper-Leute wie folgt bestätigt, bezw. gemildert: 1. Todesstrafe für die Hottentotten Dirk. Lietz und David. 2. Zehn Jahre Ketten« haft für die fünf Hottentotten Simon Winston, Hendrik Brenner, Simon kie§, Paul und Pingenin, sowie den Kaffernbastard Ta« mitam. 3. Zwei Jahre Kettenhaft für die Bakalahari Zawadaub und Monsek, sowie für den Betschuanen Muhub. Die fünf Hottentotten unter 2 find außerdem zur Deportation nach Kamerun verurteilt. Die Hinrichtung von Dirk, Lietz und David ist gestern abend 9 Uhr vollstreckt worden.
Ausland.
** Depeschenwechsel zwischen den Souveränen von Italien und Oesterreich. Der König von Italien hat von dem Kaiser von Oesterreich die nachfolgende Depesche aus Budapest erhalten: „Beseelt von aufrichtigster Freundschaft veranlaße ich mich an Eure Majestät meine wärmsten Glückwünsche zu Ihrem Geburtstag zu richten. Ich benutze mit Vergnügen diese Gelegenheit, um Eurer Majestät gleichzeitig recht aufrichtig Glück zu wünschen zu dem glücklichen Erfolg, welchen die kürzlich beendete Aktion in Libyen, die Italien gehabt hat, sowie zu den hohen militärischen Tugenden, welche die Armee und die Flotte Eurer Majestät in diesem Feldzuge bewiesen haben." König Viktor Emanuel antwortete darauf: „Ich bin Eurer Majestät dankbar für die Wünsche, die Sie mir in so liebenswürdiger Form auszusprechen die Güte hatten. Von ganzem Herzen entbiete ich Eurer Majestät meinen wärmsten Dank, indem ich Sie bitte mir die lebhafte Genugtuung zu glauben, mit welcher ich die liebenswürdigen Glückwünsche entgegengenommen habe, die Sie an mich wegen des Ergebnisies der Aktion in Libyen wie auch wegen der Führung meines Heeres und meiner Marine zu richten geruhten.
** General Picquart als Spion entlarvt. Paris, 12. Nov. Eine ganz merkwürdige Geschichte wird aus Brüsiel gemeldet: Der einstige französische Kriegsminister und jetzige Kommandant de» Armeekorps von Amiens, General Picquart, ist in Namur gestern plötzlich erkrankt. Er war in den letzten Tagen in Zivil mit drei anderen Herren, die ebenfalls Zivilkleidung trugen, nach Namur gekommen und streifte mit seinen Begleitern die Umgebung der Festung ab, wobei, wie Augenzeugen feststellen, fleißig Eintragungen in die Generalstabskarten gemacht wurden, welche die Herren bei sich hatten. Schließlich wurden die Behörden auf sie aufmerksam, man hielt sie an und zwang sie zur Ausweisleistung, wobei sich nun herausstellte, daß man verkleidete französische Offizier« vor sich hatte, von denen der eine sich sogar als General Picquart entpuppen mußte. Nun kommt gleichzeitig mit dieser Spionageaffäre die Nachricht, daß General Picquart in Namur plötzlich erkrankte.
** Belgien. Brüsiel, 12. Nov. Die belgische Kammer und der belgische Senat haben heute ihre Parlamentsarbeiten wieder ruf» genommen. Die Kammer wählte zum Präsidenten den ehemaligen Ministerpräsidenten Schollaert und der Senat wiederum Baron de Fevereau. Vor Eröffnung des Parlaments veranstalteten einige tausend Sozialisten eine Kundgebung zu Gunsten des allgemeinen und gleichen Wahlrechts.
** Madrid. (Gestern durch Ertrablatt bekannt gegeben.) Ministerpräsident Canalejas wurde auf dem Platze Puerta del Sol, gegenüber dem Mi niste« rium des Innern, erschossen, als er sich inda» Ministerium des Innern begeben wollte. Der Mörder PardinasSerrato istAnarchist. Et et» schoßfichmitdemselbenRevolver. In Madrid herrscht große Aufregung. Die Beweggründe des Verbrechens sind bisher unaufgeklärt. Der König, der das Ministerium in tieffter Bewegung verließ, wurde von der Menge acclamiert.
** Zwei neue Großkampfschiff« für England? London, 11. Nov. Die „Evening News" meldet, die Admiralität erwäge den Ankauf von zwei Eroßkampfschiffen, die jetzt für die Türkei in Elswick und Barrow-in-Furneß gebaut werden. Das Blatt fügt hinzu, die Sldmiralität fei sich klar, daß der Ankauf der zwei Eroß- kampfschiffe, die Januar 1914 schon in Dienst gestellt werden können, durch eine fremde Nation das Gleichgewicht der Seemacht in Eurpa ernstlich stören könne.
** Der Kampf um di« Homerulebill. Im englischen Unterhause gab vor vollbesetztem Hause und unter allseitiger Erregung Premierminister Asquith die Erklärung ab, er werde morgen einen Vorschlag einbringen, daß die gestrige Entscheidung de» Hauses über das Amendement Banburys für ungültig t- kl ä r t werde. (Lachen auf Seiten der Opposition, Beifall bei n Ministeriellen.) Die Debatte über diesen Vorschlag wird ea»en allgemeinen Charakter tragen und die Abstimmung darüber auf ein Vertrauensvotum hinauslaufen. Die finanziellen Vorschläge der Homerulebill werden Gegenstand neuer Erwägung sein, wenn Asquiths Vorschlag angenommen wird. Es besteht kein Zweifel,