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mtl oem KreisLLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend".Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M267

DieOberhessische Bettung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch di- Post bezogen 2.26 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 -A frei inS Haus. (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Znh.: Dr. C. Hitzeroth). Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

ife Die Lage auf dem Balkan.

^7:;;*'"'--------- Die Diplomaten au der Arbeit. 7 i

Wie wir bereits gestern berichteten, ist der Präsident der bul- Harischen Sobranje, Danero; nach Budapest gereist und hat dort mit dem Grafen Berchtold und dem deutschen Botschafter konferiert. Dazu meldet dieWiener Sonn- und Montagszeitung": Der Prä­sident der bulgarischen Sobranje, Danew, hatte gestern mit dem Grafen Berchtold eine einstündige Beratung. Er überreichte eine wichtige Botschaft, welche sich auf die Stellungnahme Bulgariens und Serbiens zu Oesterreich-Ungarn bezieht. Danew bleibt vor­läufig in Budapest. Sein Aufenthalt dürfte möglicherweise den Ausgangspunkt wichtiger Verhandlungen mit dem Balkanbund Hilden. Vor seiner Reise nach Budapest wurde Danew von dem König der Bulgaren und dem König von Serbien empfangen." Zn Lezug auf die Mission Danews schreibt derPester Lloyd", daß in ck>er Unterredung mit dem Grafen Berchtold alle auf der Tagesord- uung stehenden wichtigen Fragen erörtert worden seien. Die Mis­sion zeige, daß Bulgarien aufrichtig bestrebt sei, alle b est eh e n d e n S t r ei t f r ag en im Einverneh- men mit Oesterreich-Ungarn und mit Berücksichtigung __ der Interessen der österreichisch-ungarischen Monarchie auszu­ck r a g e n. Unmittelbar nach Beendigung des Krieges mit der Türkei werde der Besitzstand der kriegführenden Mächte einer ent­sprechenden Korrektur unterzogen werden müsien; deshalb sei es belanglos, was augenblicklich jeder kriegführende Teil von feiner Macht halte. Was den bulgarischen Einmarsch in Konstan- ck i n o p e l betreffe, so würde dieser nur vermieden werden können, wenn ein Waffenstillstatid zustande komme und dieser zum Frieden führen werde. Selbstverständlich müßten sich die Türken verpflich­ten, während des Wafenstillstandes die Tfchataldschalinie nicht zu befestigen und aus Asien keine Verstärkungen heranzuziehen. Bul­garien scheine ein autonomes Albanien zu wünschen und fordere nur, daß in das autonome Albanien nicht solche Eebiets- ckeile einverleiöt würden, die überwiegend Bulgaren bewohnen.

Sofia, 11. Nov. Das BlattMir" betont, Oesterreich- Angarn habe bisher vollständig seine korrekte Haltung den ent­scheidenden Ereignissen auf dem Balkan gegenüber, bewahrt, eine Haltung, die jeden Verdacht territorialer Absichten der Monarchie beseitige. Die verbündeten Balkanvölker, die den Interessen aller Mächte, sofern sie nicht territoriale Ansprüche bedeuten, Rechnung zu tragen bereit sind, werden das eine wollen, daß die Mächte an­erkennen, daß eine Aenderung vollzogen ist und daß die Mächte aufhören, die Valkanstaaten als Schützlinge zu betrachten. Jedes Abkommen mit den Mächten auf der Basis vollständiger Gleichheit Der Rechte beider Parteien ist willkommen.

Paris, 11. Nov. Mehreren Blättern wird aus Sofia ge­meldet, daß die Gesandten Frankreichs, Deutsch­lands, Rußlands, Englands und Italiens der bulgarischen Regierung ein gemeinsames Ver­mittlungsanerbieten überreicht hätten. Oester­reich-Ungarn habe es abgelehnt, sich diesem S ch r i t t a n z u s ch lie ß e n. Es sei übrigens durchaus unwahr­scheinlich, daß Bulgarien diese Vermittlung annehme.

Belgrad, 11. Nov. Der österreichische Gesandte stattete gestern nachmittag dem Ministerpräsidenten Pasitsch einen länge­ren Besuch ab. Der MinisterpMident begibt sich heute nach Uesküb.

Die Serben an der Küste der Adria.

Belgrad, 11. Nov. Privatmeldungen aus Uesküb zufolge find dis Vortruppen der dritten serbischen Armee bis an die Küste der Adria vorgedrungen. Eine serbische Abteilung traf an der Mündung des Matlflufies südlich von Alessio mit montenegrini­schen Truppen zusammen und rückt die Meeresküste entlang gegen Duraffo vor. Eine zweite serbische Kolonne marschiert durch das Drintal durch unwegsames Gelände geradenwegs auf Durazzo, ohne auf- bewaffneten Widerstand zu stoßen. Infolge des meter­hohen Schnees rückt sie jedoch nur sehr langsam vorwärts. Zn läng­stens zwei Tagen wird das Eintreffen der serbischen Truppen in Durazzo erwartet.

Auf die eigenen Truppen geschossen.

Rjeka, 11. Nov. Von einem verhängnisvollen Irrtum der Türken berichten die Kundschafter folgendes: Als vor einigen Tagen türkische Abteilungen, die bei Giovanni di Medua zur Sicherung des Grenzüberganges Patrouillen zu postieren suchten, im eigenen Rücken Truppen bemerkten, eröffneten sie sofort Feuer, auch mit Maschinengewehren. Beim Näherkommen bemerkten sie, daß sie infolge des herrschenden Nebels auf eine türkische Abteilung geschaffen hatten, von der sie eine Anzahl Soldaten töteten und verwundeten. v

Ei« türkischer Erfolg?

Konstantinopel, 11. Nov., 8 Uhr morgens. Wie der Kommandant der türkischen Flotte meldet, vernichtete die Flotte durch ihr Geschützfeuer die bulgarische Batterie an der Küste von Rodosto. Nach Zeitungsmeldungen besetzten die Bulgaren vor- jgestern Rodosto. Der KreuzerMeffudije" erhielt daraufhin den Befehl, Rodosto zu bombardieren und durch eine Landung von 8000 Mann, die durch zwei Transportschiffe herangeschafft waren, ja erleichtern. Die Landung erfolgte gestern, worauf die Val- Waren die Stadt räumten, die die Türken wieder besetzten.

Marburg

Mittwoch, 13. November

47. Jahrg.

1912.

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Das Borrücken der Griechen.

Athen, 11. Nov. Die täglichen Angriffe der Türken gegen die bei Janina stehende griechische Armee, die seit dem 5. Nov. andauern, endeten in der vergangenen Nacht mit dem RLzug des Feindes aus den Stellungen bei Pentepigadhia. Die Griechen rückten vor und besetzten diese Stellungen. Bei dem Angriff er­litt der Feind ernstliche Verluste.

Ein bulgarisches Urteil über die türkischen Niederlagen.

Sofia, 11. Nov. Zn bulgarischen Offizierskreisen erklärt mait, daß die Gerüchte, die türkischen Niederlagen seien auf die Unterlegenheit des Artilleriematerials zurückzuführen, jeder tat­sächlichen Grundlage entbehrten. Die Ausbildung des türkischen Soldaten sei dagegen völlig ungenügend. Auch die bulgarische Armee verwende im Feldzuge viele Kruppkanonen und größten­teils Kruppsche Munition, deren Wirkung ausgezeichnet sei. Die erbeuteten Kruppkanonen, die die Türken nicht einmal unbrauch-

Die Balkanfrag« in der Setzlinge» Heide.

Die bevorstehende Aufteilung der Türkei und die dabei zutage tretendenJntereffenfragen" verschiedener Großmächte beschäftigen gegenwärtig sehr stark die europäische Diplomatie. Denn die kleinste Verschärfung des Tones auf dieser oder jener Seite kann zur ernsten Gefahr für den europäischen Frieden werden. Bei der Interessiertheit Oesterreich-Ungarns an der Neugestaltung auf dem Balkan ist genügend Konfliktsstoff zwischen der Donaumonarchie und den Serben beispielsweise vorhanden, der bei der serbischen Ueberhebung und einer gewissen Nervosität in Wien sehr leicht

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brenzlich werden kann. Natürlich fehlt es auch nicht an Zeichen, daß es den Gegnern des Dreibundes und besonders Deutschlands, außerordentlich in den Kram paßte, Oesterreich-Ungarn und seine Verbündeten gerade jetzt in kriegerische Händel verwickelt zu sehen! Da aber Deutschland durchaus keine Lust hat, sich wegen der künf­tigen Einteilung der Valkanhalbinsel zu engagieren, so ist der deutsche Standpunkt in Wien und Rom dargelegt worden. . . . Zu den Verhandlungen der Diplomatie liefert unser heutiges Bild einen hübschen Beitrag: Kaiser Wilhelm und sein Kanzler (Reichs­kanzler v. Bethmann-Hollweg) auf einer Streife in der Letzlinger Heide in ernstem Zwiegespräch.

bar zu machen verstanden hätten, bildeten eine sehr wertvolle Ver­stärkung der bulgarischen Artillerie und sollen unverzüglich ver­wendet werden.

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Malta, 11. Nov. Der deutsche KreuzerBreslau", der heute hier angekommen ist, nahm Kohlen ein und fuhr dann nach Osten weiter. Für den in kurzem erwarteten deutschen Panzer­kreuzerEoeben" werden die Leichter bereit gemacht, der, nachdem er Kohlen eingenommen hat, ebenfalls sofort nach der Levante weitergehen soll. Für jedes der beiden Schiffe waren 3000 Ton­nen Kohlen verlangt worden, es konnten jedoch nur je 1000 Ton­nen geliefert werden.

Triest, 11. Nov. Der DampferWurmbrand" des öster­reichischen Lloyds ist am 9. November nach Durazzo abgegangen, am dort gegebenenfalls österreichisch-ungarische Staatsangehörige an Bord zu nehmen.

Konstantinopel, 11. Nov. Der österreichisch-ungarische KreuzerAdmiral Spaun" und der französische KreuzerVictor Hugo" sind hier eingetroffen.

Konstantinopel, 11. Nov. Wie dieAgence Havas" meldet, hat die türkische Regierung auf die französischen Vorstel­

lungen beschlossen, den mit Getreide für neutrale Länder be» ladenen griechischen Schiffen eine weitere Frist von einer Woche zum Auslaufen aus dem Schwarzen Meer zu geben.

Odessa, 11. Nov. Hier ist das Gerücht verbrei­tet, Ealata stehe in Flammen. Das Blutbad ia Konstantinopel habe begonnen. . ;<-». *

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Politische Umschau. j

*-" Da» französische System da» am Balta« gesiegt hat.

Der Pariser Mitarbeiter derLeigz. N. Nachr." schreibt: Es muß unbedingt hervorgehoben werden, wie außerordentlich nützlich den Bul­garen, den Serben und den Hellenen gegenwärtig dasfranzösische Prin­zip" gewesen ist und noch ist. Ich meine natürlich nicht die durch fran­zösische Jnstruktionsoffiziere dort unten popularisierte französische Taktik und Strategie, von deren Wunderwirkung hier so viel Wesens gemacht wird, auch nicht die herrlichen Schneider-Creusot-Eeschütze, die nicht im geringsten besser find al» di« türkischen Kruppkanonen (nur besser be­dient!), sondern vielmehr den zu einem politischen Prinzip erhobenen, in langen Friedensjahren systematisch geübten Chauvinismus. Man darf sich billig fragen, ob die Verbündeten, vor allem Bulgarien, der mächtigste und auchschneidigste" unter ihnen, dies« fast beispiellosen Er­folge erreicht und vor allem mit dieser niederschmetternden Rapidität erreicht hätten, wenn nicht seit langen Jahren das ganze Volk metho­disch auf den Krieg vorbereitet, zum Hasse gegen die Türkei und alle» Türkisch« angestachelt und bis zum Fanatismus für den Krieg begeistert worden wäre. Daß die Regierenden und Einflußreichen dem Volke vor­redeten, es ginge nur um der Befreiung dergeknechteten" Brüder in Mazedonien willen, anstatt, wie es in den Zielen und Plänen der Könige lag, zur Erlangung der Meeresküste itnb zur Zerschmetterung der Türkei, zwecks Erlangung einer Art Eroßmachtstellung auf dem Balkan, verschlägt durchaus nichts, ganz im Gegenteil. Haben wir nicht viel­mehr gerade hier eine wunderbare Parallele mit der französischen, nun schon seit vierzig Jahren ununterbrochen geübten Deutkckenhetze zwecks Befreiung der nicht mindergeknechteten" Elsaß-Lothringer"? Und auch Frankreich liegt im Grunde weit weniger an dem Besitze der elsaß- lothringischenTetes carrees" als vielmehr an der Wiederherstellung der französischen Suprematie in Europa, an der Gewinnung der Rheingrenz« bis nach Köln und Aachen und an der Ruinierung der als sehr lästig empfundenen deutschen Handelskonlurrenz. Die Endziele werden hier wie dort klüglicherweise verschwiegen, aber man behält sie stets im Auge und schiebt sentimentale Gründe vor, um das für diese sich leichter be­geisternde Volk zu ködern, es zu entflammen und sich so ein gar nicht hoch genug zu veranschlagendes Jmponderabile für dengroßen Tag" zu sichern. Dieses Prinzip denn es ist ein Prinzip, nicht etwa bloß eine Eefühlswallung feiert gegenwärtig auf dem Balkan Triumphe. Di« Franzosen sehen die Triumphe, wissen, wem sie größtenteils zu danken find, und ziehen sehr richtigerweise ihre Schlußfolgerungen daraus: das System, ihr System, hat sich durchaus bewährt!

Deutsches Reich,

Stapellauf. Kiel, 11. Nov. Auf der festlich geschmückten Eerminiawerft erfolgte heute kurz nach 12 Uhr in Anwesenheit des Prinzen Heinrich und der Frau Prinzessin Heinrich sowie des Prinzen Waldemar von Preußen, der hier anwesenden Admirali­tät de» Offizierkorps, zahlreicher geladener Damen"ünd Herren der Stapellauf des kleinen Kreuzers Ersatz Seeadler.

Pflichtgemäße Wachsamkeit. Berlin, 11. Nov. Dem Deut­schen Telegraphen sind in letzter Zeit aus verschiedenen Gegenden des Reiches, sowohl aus dem Westen, wie aus dem Osten Informa­tionen, zum Teil privater Natur zugegangen, die unverkennbar darauf Hinweisen, daß die Militärverwaltung in pflichtmäßiger Wachsamkeit alle Möglichkei­ten im Auge behält und alle Vorkehrungen ge­troffen hat, um keinesfalls von irgendwelchen Wendungender europäischen Politik überrascht zu werden. Einen Grund zu Befürchtungen braucht man in diesem Verhalten nicht zu erblicken, vielmehr bietet es eine direkte Gewähr dafür, daß Hand in Hand mit der sonstigen Gesamttendenz der deutschen Regierungspolitik alles geschieht, um den Frieden nicht stören zu lassen.

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Stadtverordneten-Sitzung.

Marburg, 11. Nov.

Auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung standen zunächst 14 Punkte. Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme zirkulierten die Kassen­übersichten. Ferner wurde ein Dankschreiben des in den Ruhestand ge­tretenen Steuerinspektors Müller für das ihm 26 Jahre hindurch be­wiesene Vertrauen iui Verlesuna gebracht.

Es folgte ein Antrag verschiedener Stadtverordneter auf Einsetzung einer gemischten Kommission zur Erörterung der Frage, welibe Maßnah­men zur Linderung der Fleischnot zu ergreifen sind. Unterzeichnet war der Antrag von den Stadtv. Poersch, Eckhardt, Kranz. Weintraut und Frehfe. Stadtv. Poersch wies dazu in halbstündiger Rede auf die be­kannte Tatsache hin, daß in den letzten Jahren, besonders in der letzten Zeit steigende Fleischpreise Platz gegriffen und gewissermaßen viel« Schichten der Bevölkerung wegen der großen Fleischteuerung den Fleisch- genoß fast ganz entbehren müßten. Der Redner erinnerte auch an die Maßnahmen anderer Städte, billiges Fleisch zu beschaffen, hin und trat der Ansicht entgegen, daß dieses hier keine Abnehmer finden würde. Di« Marburger Bevölkerung fei nicht so verwöhnt, wie man es in der Bür­gervereinsversammlung hingestellt habe, wer aus anderen Städten hier­her komme, wundere sich, welche geringe Ansprüche hier in Marburg an» Leben gestellt würden. Es sei zu wünschen, daß dem Bezug von fremdem Fleisch und auch von Seefischen wieder näher getreten würde. Der Stadtverordneten-Vorsteher, Justizrat Dörfsler meinte, der Vorredner habe über viele außerhalb des Rahmens der Sach« liegende Gegenstände gesprochen, es handle sich doch lediglich nur darum, eine Kommission zu wählen. Der Oberbürgermeister erklärte hierzu, daß der Mag'stritt schon anfangs September die angeschnittene Frage erwogen habe. Es