Einzelbild herunterladen
 
  

zweites Blatt

)£ Zeitung

Dienstag, 5. November

Frau Meinhardt beschränkte ihren Verkehr durchaus nicht auf die Standesgenossen ihres Gatten: sie liebte es im Gegenteil, nameittlick die jüngere Welt der anderen Stände heranzmiehen, und freute sich, wenn ihre Gesellschaften ein recht buntes Bild boten. Das machte sich namentlich die jüngere Herrenwelt zunutze: die jungen Beamten und Offiziere wußten, daß sie stets willkommen waren, und sie kamen gern, denn man amüsierte sich bei Frau Meinhardt vortrefflich, da nicht nur die Soupers ausgezeichnet waren, sondern man auch gewiß sein konnte, stets einen Kreis von eleganten, schönen und reichen jungen Damen dort zu treffen.

Spötter nannten diese Gesellschaften wohl dieHeiratsmärkte, aber sie besuchten sie doch, und schon mancher Spötter batte unter den schönen Schützlingen der Frau Kommerzienrat seiye Lebensgefährtin gefunden.

Die Hausftau wußte es auch stets so einzurichten, daß die zusammen- pasienden Paare Tischnachbarn waren, und das gute Souper und die feurigen Weine, namentlich der perlende Ghampagner, taten dann schon das übrige, um eine Stimmung hervorzubringen, die eine Annäherung erleichterte. Der Tanz, zu dem eine ungarische Kapelle ihre schmeichelnde Musik ertönen ließ, vollendete dann, was das Souper begonnen hatte.

Auch heute war die Stimmung außerordentlich gehoben, und als nach dem Souper die Musik zur Polonaise ertönte, da fühlten sich selbst die älteren Herren angeregt, mit ihren Tischdamen in die Reihen der Tanzenden zu treten.

Nur bei Axel wollte die ernste Stimmung nicht weichen, die sich seiner bemächtigt hatte. Einsilbig schtttt er neben Judith dahin, so daß auch diele, die in froher Erregung zur Gesellschaft gekommen war, schließ­lich verstummte.

Was war es, das ihn fo schweigsam und ernst machte? Diese Frage beschäftigte Judith, die jedoch zu stolz war, um ihn nach dem Grund seiner Verstimmung zu fragen. Seit jenem ersten Ball hatten sie sich öfters getroffen: mehrere Male war Axel Gast in ihrem elterlichen Hause gewesen, und Frau Sttahlenheim lieh es sich sehr angelegen fein, ihn merken zu lasten, wie willkommen er war. Herr Siegmund Strahlen­heim war allerdings referierter gegen Axel; al« gewiegter Geschäfts­mann wußte et, daß die Absichten de» adeligen Gutsbesitzer» nicht allein auf bie Hand eeb das Her, seiner Tochter hinzielten, sondern daß dabei

UrmoIWtf'C Taaesnack richten,

Aus dem Fenster gesprungen. Berlin, 3. Nov. Der wegen Unter­schlagung von fionoo J< verfolgte Prokurist Dickmann von der Düsiel- dorfer Eummi-Industrie-Gefellsck'aft wurde beute nacht von zwei Schutz­leuten erkannt. Er sprang, um seiner Verbaltu-ig zn entgegen, zur zweiten Etage eine» Hauses auf die Straße hinab, wo er lebensgefährlich verlebt liegen blieb.

Ausgebrochen. Wien. 2. Nov. Im Etablisiewent Renescher ent- kam ein Bär aus dem Käfig im Keller. d"ang in die-b- em "-d ver­letzte die Abwaichkrau und den Schankburschen ick wer. S»b'eßlich i-blng ein Dienstmann mit einer K»ule dem Raren auf den Kani, woraus das

Bismarck und die PolenpoMik.

rVDas neue Deutschland" bringt in einem ArtikelZur Ost­markenpolitik" von L. Raschdau unverösfentlichte Dokumente des Fürsten Bismarck in der Polenfrage. Die Anregung hierzu hat der Verfasser aus der Empfehlung geschöpft, die Prof. Hans Del- hrück einer in Krakau erschienenen, von polnischer Seite veran­laßten Denkschrift über die Entstehung der Bismarckschen Polen- politik mit auf den Weg gegeben hat. Dort erinnert Professor Delbrück an die letztengroßen preußischen Kriege und Siege, an denen auch die polnischen Untertanen des Königs ihren ruhmvollen Anteil hatten und durch die gemeinsamen Großtaten sich enger als bisher mit ihren deutschen Staatsgenossen verbunden fühlten", vnd äußert dabei die Ansicht:Eine geschickte, dieser Stimmung entgegenkommende Politik von oben hätte in dieser Zeit das pol­nische Nationalbewußtsein völlig entwurzeln können." Diese Dar­stellung bezeichnet der Verfasser als in keiner Weise den historischen L Verhältnissen entsprechend, und er glaubt sie wegen der damit be­absichtigten Wirkung nicht unwidersprochen lasten zu dürfen. <5u . dem Zwecke läßt er den Fürsten Bismarck in Erlösten aus jener .Zeit reden, die noch von dem Fürsten selbst als zur Veröffent­lichung geeignet bezeichnet, bisher aber einem größeren Kreise nicht bekannt gewesen sind.

Nach den Briefen und Ertasten hat Bismarck in den Jahren kurz nach dem Kriege die polnische Agitation sehr scharf beobachtet. In einem Erlaß vom 31. Dezember 1871 fordert er vom Minister des Aeußern Graf Eulenburg: Auf Grund der mir mit Euer Exzellenz gemeinsamen Verantwortlichkeit für jede ab­wendbare Beeinträchtigung der staatlichen Sicherheit stelle ich da­her an Eure Exzellenz das Ersuchen, den Polizeibehörden der Pro­vinz Posen die unverzügliche Ausweisung aller politisch tätigen Personen aus der Stadt und Provinz Posen zu befehlen, welche nicht ihre verfastungsmäßige Berechtigung zu ihrem dortigen Auf­enthalte und namentlich ihre Eigenschaft als deutsche Untertanen ganz zweifellos nachzuweisen imstande sind.

Bismarck wendet sein Interesse vor allem der Agitation des polnischen Klerus und des Adels zu. DasVerstummen der deut­schen Predigt" sei zu hintertreiben. Durch geeignete Aktionen sei der Bauernstand von dem Einfluß des Adels frei zu machen durch Gründung von Kreditanstalten usw. Vor allem verlangt er, die Landbevölkerung darüber aufzuklären, daß es sich bei dem Vor­gehen der Regierung weder um Gefährdung der katholischen Kirche und Religion, noch um Ausrottung des polnischen Volkes, sondern lediglich darum handle, eine Regierung, welcher die polnische Landbevölkerung ihre bürgerliche und politische Freiheit verdanke, gegen die Bestrebungen des Adels und des für fremde Zwecke ar­beitenden Klerus zu verteidigen.

Weiler sagt Exz. Raschdau: Bet der Mitteilung vorstehender amtlicher Schriftstücke muß des berühmten Privatschreibens gedacht werden, das Fürst Bismarck am 7. Februar 1872 zu dem gleichen Gegenstand an den Minister Grafen Eulenburg gerichtet hat.Ich habe das Gefühl schreibt der Fürst, daß auf dem Gebiete unserer polnischen Provinzen der Boden unter uns, wenn er auch heute noch auffällig wankt, doch so unterhöhlt ist, daß er einbrechen­kann ... Ich kann mich mit theoretischen Erörterungen auf dem Gebiete nicht beruhigen . . . Wenn ich einen Kollegen hätte, der seinerseits diese Frage mit derselben an keinem Tage nachlastendell Energie betriebe, welche von der polnischen Seite zur Unter­grabung der Sicherheit Preußens seit 2 4 Jahren (d. h. seit 1848) entwickelt wird, so würde ich gar nicht in die Versuchung kommen, den Details des Geschäftes meine Aufmerksamkeit zu- widmen. Aber ich habe das Gefühl, daß in Ihrem Ministerium die Frage bisher keiner prinzipiellen, aktiven, aggressiven Behand­lung unterliegt, sondern die Tätigkeit des Staates sich auf die ab­wehrende Erledigung der einzelnen von hier oder aus dem Lande eingehenden Anregungen beschränkt." Und der Fürst schließt diese ungewöhnlich scharfe Abkanzlung eines ministeriellen Kollegen mit den ergreifenden Worten:Ich habe daran gesetzt, was ich konnte, aber meine Kraft ist verbraucht. Sie haben die Ihrige geschont: wenn Sie jetzt nicht Ihre ersparten Ueberschusse einsetzen, so liqui­diere ich. Ihr von Bismarck."

So lagen die Verhältniste nach dem Urteil des zuständigsten Beobachters Anfang 1872. Was danach von der heute mit offen­sichtlicher Tendenz aufgestellten Behauptung zu halten ist, die feindselige polnische Bewegung im Osten sei in jener Zeit im Er­löschen gewesen, und es hätte nur des preußischen Entgegenkom­mens bedurft, um das polnische Nationalbewußtsein völlig^zu ent­wurzeln, überlassen wir dem Urteil jedes unbefangenen Lesers.

Deutsches Reich.

Der Besuch Giulianos in Berlin. Der italienische Minister des Aeußern di San Giuliano ist Sonnabend nachmittag um 5.20 Uhr mit dem Expreßzug Rom-Berlin nach Berlin abgereist. Am Bahnhof waren der deutsche Botschafter v. Jagow und Unterstaats­sekretär im Ministerium des Aeußern Fürst di Scalea zur Ver­abschiedung'erschienen. DerCarrier d'Jtalia" schreibt zum Be­such des Ministers, daß der Besuch, obgleich er nur als Höflichkeits­akt angekiindigt war, hinsichtlich der internationalen Lage, beson­ders des Friedens, eine nicht zu unterschätzende Bedeutung haben könne, umsomehr, da die Kabinette von Berlin und Rom seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten auf dem Balkan eine einträchtige diplomatische Aktion verfolgt haben, um den Konflikt möglichst zu lokalisieren.

Deutscher Bund zur Bekämpfung der Frauen-Emanzipation. Berlin, 3. Nov. Der vor einiger Zeit gegründete Bund zur Be­kämpfung der Frauen-Emanzipation, der bereits in verschiedenen Städten des Reiches Ortsgruppen besitzt, trat heute mittag hier im Hohenzollernsaale des Marinehauses zum ersten Mal mit einer großen Volksversammlung an die Oesfentlichkeit, um die Zwecke und Ziele des Bundes nach außen hin zu propagieren. Unter den Anwesenden befanden sich auch verschiedene Vertreterinnen der radikalen Frauenbewegung. Im Hinblick auf diese erinnerte der Vorsitzende Graf E. Reventlow (Berlin) in seiner Begrüßungsrede u. a. daran, daß ihm das Hausrecht zustshe. Als Redner bezw. Rednerinnen traten auf: Frau Anna Schellenberg (Mannheim), Profesior Dr. Langemann (Kiel), Frau Hermine Schneider (Gie­ßen), Freifrau v. Meerheimb (Rostock) und Professor Dr. Sigis­mund (Weimar). Es wurden in den Vorträgen die verschiedenen Beziehungen zwischen Frauenbewegung und Staat, Bildungsfrage, Familie, Kultur, erörtert und ferner die Forderung erweiterter Rechte für die soziale und charitative Frauenarbeit und das Frauenstimmrecht im Auslande erörtert. Sämtliche Vortragende lehnten in scharfer Weise die moderne Frauenbewegung ab, die, wie verschiedentlich betont wurde, nur ins Lager der Sozialdemo­kratie führe und eine Wehrlosmachung der deutschen Nation be­deute. Die Frauenbewegung müße wie jede Kulturbewegung sich auf nationalem Boden bewegen. Im allgemeinen gelte die For­derung: Dem Manne der Staat, der Frau die Familie. An die Vorträge schloß sich eine Diskussion, in der auch gegnerische Stim­men zu Worte kamen.

Unglücksfall Bel einer Sprengübung. Kiel, 2. Nov. In der Kieler Bucht ereignete sich heute vormittag bei einer Spreng­übung des großen KreuzersPork" ein Unfall. Die Hebungen wurden von einem Boote des Kreuzers aus veranstaltet, als plötz­lich eine Sprengpatrone vorzeitig explodierte. Hierbei wurde Kapitänllutnant Jacobsen und der Torpedobootsmatrose Wilhelm Fuchs aus Lyck getötet: schwer verletzt wurde der Leutnant zur See Werner Wilscheck (Bruch beider Beine), leicht verletzt Torpedo- bootsmatrofe Wilhelm Puls aus Altona-Bahrenfeld. Zu dem Unglück wird weiter gemeldet: Es ereignete sich am Vormittag zwischen Laboe und Buelk während einer Minen-Suchübung, an der sich einige Boote beteiligten. Als.ein Boot des Panzerkreuzers Pork" sich einer Mine näherte, explodierte diese vorzeitig und zer­schmetterte das Boot vollständig. Eine sofort zur Hilfeleistung herbeigeeilte Pinasse des PanzerkreuzersGäben" nahm die Toten und Verletzten auf und rettete auch die übrige Besatzung, die ohne Verletzung davonkam. Die Verletzten wurden ins Marinelazarett gebracht.

Ser ein für das Deutschtum im Auslande undBerliner Tageblatt". Berlin, 1. Nov. Wie wir mitteilten, hat dasVerl. Tagebl." mit einem Brief des ersten Vorsitzenden des Schulvereins für das Deutschtum im Auslande für seine Auslandsausgabe Pro­paganda gemacht und diese Propaganda auch fortgesetzt, nachdem die Hauptversammlung des Verbandes das Schreiben ihres ersten Vorsitzenden desavouiert hatte. Der Hauptvorstand des Vereins hat daraufhin, wie dieDeutsche Taqesztg." berichtet, dasBerl. Tagebl." durch feinen Schriftführer dringend ersuchen lasten, von einer weiteren Veröffentlichung dieses Schreibens zu Reklame­zwecken Abstand zu nehmen. Eine offizielle Erklärung hat, wie es heißt, der Verlag desBerl. Tageblatts" in dem gewünschten Sinne nickt abgegeben, er soll aber bei seinen guten Begehungen zu dem ersten Vorsitzenden des Vereins dem Staatsminister a. D. n. Henting, diefem privatim die Mitteilung gemacht haben, daß von der weiteren Veröffentlichung seines Briefes zuWerbe­zwecken" Abstand nehmen werde.

Keine Einfuhr russischen Fleifckcs in Karlsruhe. Karls­ruhe, 2. Nov. Auf Ersuchen des Stadtrats an das Ministerium des

auck fein Reicklmn eine gfße Rolle hielte. A^er schließlich sckm"-ckelte es ihm doch, daß ein Freiherr von Ellern sick um feine Tochter bewarb.

Und Judith? Jbr Herz flonfte stets lebhaft, wenn Arel ange­meldet wurde. Sie wat klug und ebrlich genug gegen stch selbst, als daß sie sich nicht gestanden hätte, Axel habe einen tiefen Eindruck auf sie gemackt.

Er war fo ganz anders als die hingen Herren der Kreist, in denen sie verkehrte. Seme männliche Erscheinung berauberte ihre Sinne, fein offenes, freies, oftmals keckes Westn. fein betulicher Ernst und dann wieder feine fast kindliche Fröhlichkeit ließen in ihrer Seele und in ihrem Hetzen ganz neue Saiten erklingen. Sie fühlte sich in feiner Gegenwart fo wohl, so ficket, so frei und glücklich, daß sie fast ganz ihr herbes, stolzes Wesen vergaß.

Sie liebte ihn, das fühlte sie mit innerem Erbeben und doch mit seligem Entzücken. Sie wat zu klug und weltersahren, um nicht auch die ungünstigen Seiten feines Charakters zu erkennen. Aber ste liebte ihn, wie er wat, mit all feinen Fehlern, denn sie erkannte, daß unter dielet etwas leichten Hülle des Weltmannes ein tiefer, gesundet Kern ruhte, der nut gepflegt zu werden brauchte, um zu einet trefflichen. Frucht zu reifen.

Mit frohen Hoffnungen wat sie gekommen, mit pochendem Herzen sah sie dem entscheidenden Wort entgegen, und nun hatte Axel nicht» weiter für sie als die gewöhnlichen gesellschaftlichen Redensarten.

Verletzt zog sie sich in sich selbst zurück.

Der Tan, wat zu Ende, und mit einer leichten Verbeugung ver­abschiedete sich Judith von-Axel.

Are! batte nicht den Mut, ihr zu folgen. Et fühlte sich so klein, so erbärmlich Bietern Mädchen gegenüber, bas fo stolz unv rein w« und sich doch et merkte es wohl ihm mit ganzer Seele zunetgte. Et tarn sich wie ein Verbrechet vor. Gerade weil er Judith mit auf­richtiger Leidenschaft liebte, dünkte es ihn verächtlich und betrügerisch, ihre Liebe zu benutzen, um stch von feiner drohenden finanziellen Lage zu befreien.

Eine weiche, fleischige Hand legte sich auf feinen Arm. Frau Mein­hardt stand neben ihm, lächelnd zu ihm aufblickend.

Sie amüsieren sich nicht, Herr von Ellern?" fragte sie.

^Gewiß, gnädige Fran! vetstchette er,Es ist entzückendI"

(AortjeHnng folgt.)

Innern, die einzelnen Städten des Ostens erteilte Befugnis zui Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Rußland auch für Karls ruhe zu erwirken, da solches Fleisch zu außerordentlich niedrigem Preise zu haben wäre, teilt das Ministerium den ablehnenden Ve« scheid des Ministeriums des Innern mit, wonach der preußisch« Minister für Landwirtschaft dem Wunsche der Stadt das Bedenken entgegensetzt, daß die Einfuhr von frischem Schweinefleisch au« Rußland den östlichen Städten einen Ausgleich dafür bieten soll, daß für sie die Einfuhr von Schlachtrindern aus Holland nicht in Frage komme und daß eine Ueberlastung des russischen Marktes durch Kaufverträge eintreten würde, wenn auch westliche Stäbti die Einfuhrerlaubnis erhielten.

-------*-------*

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Drginalartitel ist gemäß tz 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen QuellenangabeOberhesi Big. gestattete

Marburg, 4. Nov.

* Kurhesfischer Verein für Luftfahrt. Wir erinnern hierdurch nochmals an die bereits durch Inserat angekündigte Vereinssitzung, morgen, Dienstag, den 5. November, im physikalischen Institut. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten werden fol­gende Lichtbildervorträge stattsinden: Bericht des Vertreters auf dem Luftfahrertag zu Stuttgart über diesen und die Eordon- Vennet-Wettfahrt. Bericht über Fahrt mit dem BallonMar- bürg" von Oberlehrer Stracke-Wiesbaden, Dr. Callies, D. Stuch- tey, Dr. Küpper. Durch Mitglieder eingeführte Gäste sind will­kommen.

* Männergesangverein Liedertafel. Die Reihe der dies­winterlichen Mannergesangvereins-Konzerte eröffnete gestern abend die Liedertafel. Wie immer, so hatte sich aus diesmal ein recht zahlreiches gefangliebendes Publikum aus unserer Stadt und Umgebung eingefunden, so daß die Lokalitäten der Stadtsäle sich völlig beseht zeigten. Die Sänger führten sich diesmal in viel­versprechender Weise mit dem MännerckorMeeresstimmen" ein, eine Komposition, welche an sie sowohl wie an den Dirigenten große Anforderungen stellte, aber voll und ganz gelang und auch einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Als Solistin hatte der Verein diesmal eine Künstlerin aus Mannheim, Frau Else Flohr, gewonnen, die auch, wie schon die von ihr zum Vortrag gebrackte Arie des Pagen aus denHugenotten" bewies, durchaus dem ihr vorangegangenen Ruf, den wir in einer längeren Vorbesprechung schilderten, sich würdig zeigte. Sie erfreute hier sowohl wie auch mit ihren folgenden Liedern die Zuhörerschaft durch ihre herrliche Sopranstimme und durch ihren warmen, natürlicken Vortrag. Besonders gut gelangen ihr die neckischen WeisenErethel" und Der Vogel im Walde". Sie mußte sich hier auf stürmisches Her­vorrufen zu einem weiteren Liedcken entschließen. Die Männer- cköreMein Mütterlein" undMuttersegen", welche die weitere Vortragsfolge brachte, verfehlten ebenso ihre Wirkung nicht, wie die ergreifende Komposition HuttersDie Ablösung". Treffend sprachen ferner an die Volkslieder des Cbors, z. B.Der Linden­baum",Die Wand'erschaft" undEinkebr": auch dio S^er-tt^cken Katb'rinchen frisch" undMein Schätzelein" gefielen nicht minder. Die Sänger zeigten, daß sie unter der tücktigen Leitung ihres lang­jährigen Dirigenten Herrn Lehrer Rohde sicheres Einsetzen, feste Intonation und deutliche Textaussprache beherrschen. Alle Lieder, die der Ehor zum Vortrag brachte, kamen durch ihren harmonischen Zusammenklang und die feine Ausciarbmiung vortrefflich zur Geltung. Jedenfalls waren die Zubörer wie der lebhafte Beifall zeigte, äußerst befriediat. Nickt vergesien fall fein, daß Herr Pianist Eeierhaas aus Mannheim die mitwirkende Künstlerin in sicherer und feinsinniger Weife am Klavier unterstützte.

* Turnerisches. In Bad Nauheim fand gestern unter der Lei­tung des Eauturnwarts Will eine Uebunasstunde für die Leiter der Frauen- und Mädchenabteilungen des Gaues freien statt. Auch Vertreter der Marburger Turnvereine nahmen daran teil.

(Nachdruck verboten.)

Audishs Elfe.

Roman von Otto Elster.

(Fortiehung.l

Laß dich bas nicht beunruhigen, Liebchen. Du weißt ,baß ich "meinem Freund Axel von Ellern verfprochen habe, ihn in die Gesellschaft "d,Ja, um eine reiche Frau für ihn zu finden. Ich finde es gar nicht schön" von dir. Eduard, daß du Herrn von Ellern dabei behilflich bist, i Das arme Mädchen, bas ihn heiratet, und bas er nur dos Geldes willen nimmt, tut mir leib.

Heidrich lachte. _ ... ,

Sie wird die Heirat mit Axel nicht zu bereuen haben. Er ist etn > Ehrenmann und ein tüchtiger Mensch, allerdings etwas leichtsinnig, aber !«in Gentleman durch und durch. Mein Vater hat ihn mir auf die 'Seele gebunden, und eine reiche Heirat kann ihn vorn finanziellen Zu­sammenbruch retten, den er allein nicht verschuldet hat. Sein Vater hat schon den Grund zu den unerquicklichen Verhältnisien gelegt. Axel Muß geholfen werden, er braucht deshalb ja nicht ohne Neigung zu i heiraten, und ich glaube, ich habe eine Frau für ihn gefunden. !Darf man wissen?

,Noch nicht meine Kleine! Das sind Eeschästsgeheimnisse!" ent­gegnete Heidrich lachend.

In diesem Augenblick begann der Knabe in dem Kinderwagen un» >ruhig zu werden. Lotte sprang auf und eilte zu ihm, nahm ihn auf und !beruhigte ihn mit liebkosenden Worten.

jIst er nicht entzückend?" fragte sie in strahlender Mutterfreude. !Es ist ein kleines munteres Kerlchen! entgegnete Eduard lächelnd Mnb legte schmeichelnd den Arm um die Schultern der glücklichen jungen Mutter. e

Die Salons der Frau Kommerzienrat Meinhardt füllten sich mtt leinet eleganten Este lisch ast' deren Hauptvertreter der Finanzwelt Bet- lins angehörten. Aber man sah auch einige berühmte Künstler und Modeschriftsteller, man sah den schwarzen Frack einiger höherer Be- Wwten «nd die Uniformen jüngerer Offiziere,