mtt Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Jts. 259
Die „Qderhesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <X lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <X frei in» HauS. (Für unverlangt zugefandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlagder Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hiherolh), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonntag, 3. November
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47. Jahrg.
1912.
Erstes Blatt.
Tas neue Sparkassengesetz.
Das vielbesprochene und vielumstrittene Sparkassengesetz hat seine zweite Lesung im Abgeordnetenhause passiert und wird voraussichtlich in der Form, die ihm in dieser zweiten Lesung gegeben worden ist, Gül- ttgkeit erlangen, wenn nicht der unwahrscheinliche Fall eintritt, daß noch die dritte Lesung einen Strich durch die Rechnung macht und die ganze Vorlage zurückweist oder derartige Aenderungen an ihr vornehmen will, die sie für die Regierung unannehmbar machen. Mit großer Freudigkeit haben selbst die Freunde des Gesetzes seiner Annahme nicht zugestimmt, bo eine zuversichtliche Stimmung für den gewissen, guten Erfolg des neuen Sparkassengesetzes nirgendwo vorhanden ist. Das Gesetz will einerseits eine größere Liquidation der Sparkasien sicherstellen und ein zu großes Engagement in Hypothekenbeleihungen verhindern und andererseits eine Kursverbesserung der deutschen resp. preußischen Staatspapiere bewirken. Beides soll durch zwangsweise Anlage eines bestimmten Teils bet Spareinlage« in auf den Inhaber lautenden Schuldverschreibungen erreicht werden, von denen mindestens drei Fünftel deutsche oder preußische Staatspapiere sein müsien. Diese grundlegenden Bestimmungen des Gesetzes waren in der Kommission in einer Weise abgeschwächt worben. daß die Regierung erklärte, das Gesetz in dieser von der Kommission verwässerten Form, überhaupt nicht annehmen zu können. Ein Kompromißantrag, der von den großen Parteien der Konservativen, der Freikonservativen, des Zentrums und der Volksparteiler zustande gebracht wurde, gab schließlich den Boden ab, auf dem sich Regierung und Parlament zur Annahme des Gesetzentwurfs zusammensanden. Der Kompro- mißantrag erleichtert die Vorschriften für den Anlagezwang in Staatspapieren und gibt den Sparkasien für die Verwendung ihrer Ueberschüsie größere Bewegungsfreiheit. Aber darum handelt es sich ja gar nicht in bei Hauptsache! Die Mehrheit, welche den Kompromißantrag annahm und damit dem Gesetz Geltung verschaffte, zählte in ihren Reihen eine große Anzahl von Abgeordneten, die von dem guten Erfolg der festgelegten Gesetzesbestimmungen selbst nicht felsenfest überzeugt waren und deshalb «mch-snit banger Sorge den Unkenruf der Gegner des Gesetzes ver- nommsM hatten, die dem neuen Sparkasiengesetz nicht nur einen völligen Mißerfolg bezüglich der Kurssteigerung der Staatspapiere, sondern sogar schädigende Wirkungen auf die Interessen der Sparer vorausgesagt haben. Um die Zwangsanlage in StaaWpapieren für die Sparkasien möglichst gefahrlos zu machen und ganz besonders, um die Sparkasien durch die gesetzlichen Vorschriften vor Kursverlusten zu schützen, wurde der Regierung nach Annahme des Gesetzentwurfs eine Resolution mit auf den Weg gegeben, welche die Schaffung eines Gesetzes fordert, durch den die Sparkassen gegen das Kursrisiko, das ihnen der Zwangsbestand an Jn- haberpapieren aufbürdet, tunlichst sichergestellt werden. Es klingt allerdings sehr bedenklich, wenn man hört, daß die Sparkasien im Jahre 1910 einen Kursverlust von 158 Millionen Mark erlitten haben sollen! Wenn das schon vor Ankrafttreten des neuen Sparkasiengesetzes geschehen konnte, welche enormen Kursverluste können dann erst die zwangsweise erhöhten Eparkasienbestände in Inhaberpapieren treffen? Da ist das Rufen nach einer Kursversicherung durch die Regierung nur vollständig gerechtfertigt. Die darauf abzielende Resolution wurde denn auch mit eirfer an Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit angenommen. Die Zweifel, die auch von der Mehrheit geteilt werden, die dem Gesetzentwurf zur Annahme verhalf, ob die erhöhte Abnahme der Staatspapiere durch die Sparkasien überhaupt zu einer Kursbesierung dieser Werte beitragen wird, sind nur zu berechtigt. Die Männer der Praxis,' die da behaupten, daß sich das kleine Kapital der Rentner, das aber in seiner Gesamtheit ungeheure Summen ausmacht, nur deshalb von der Anlage in deutschen und preußischen Staotspapieren zurückzieht, weil-der Zins zu niedrig ist, und bei den heutigen, teueren Zeiten den kleinen Rentnern für ihre Lebenshal- tungnicht mehr genügt, haben gewiß nicht Unrecht. Trotz allen Sträubens wird sich die Regierung über kurz oder lang doch dazu entschließen müsien, höhere Zinsen für ihre Anleihen zu zahlen. Dann wird das mobile, Keine Kapital der Rentner auch wieder gern ihre Werte kaufen und die Kurse werden die alte, normale Höhe erreichen.
Deutsches Reich-
— Neue Grundsätze für Steuerfreiheit der Hinterbliebenen- tezüge. Heber die Heranziehung der Bezüge der Hinterbliebenen von Beamten zur Einkommensteuer sind vor einiger Zeit vom Finanzminister unter Außerkraftsetzung der früheren Erlaße neue Grundsätze geschaffen worden, deren hauptsächlichste drei Punkte folgendermaßen lauten: Die den Hinterbliebenen zustehenden Gnadenbezüge sind einkommensteuerfrei, und zwar auch dann, wenn die Dauer ihrer Gewährung den Zeitraum eines Vierteljahres übersteigt. Die Veranlagung hat von dem ersten Tage des auf den Tod des Beamten folgenden Monats ab zu erfolgen. Denn der Rechtsanspruch auf das Witwen- und Waifengeld entsteht kraft Gesetzes mit dem Zeitpunkte des Todes des Beamten, wenn auch die Fälligkeit der ersten Monatsrate dieser Bezüge bis zum Ablauf der Enadenzeit betagt ist. Da zurzeit der Veranlagung ein Jahresergebnis noch nicht vorliegt, sind in Anwendung des ß 9 Nr. 2 des Ginkommensteuergesetzes die bis zum Schluß des Steuerjahres tatsächlich zur Auszahlung gelangenden Bezüge nach dem Verhältnis des für die Veranlagung in Betracht kommenden Zeitraumes zum Steuerjahr auf ein Jahr umzurechnen und mit diesem Betrage als ihren mutmaßlichen Jahresertrage in Ansatz zu bringen. Diese neuen Bestimmungen find vom Finanzminister bereits den Vorsitzenden der Einkommensteuerberufungskommission zugegangen.
— „Lieber mehr Kanonen, als mehr Professoren!*' Wie die „Seit. Reuesten Nachrichten" mitteilen, hat sich bei bekannte Volkswirtschasts- ‘ fehlet Professor Wagner in einer Vorlesung über die Besetzung von na* Uonalöko nomischen Lehrstühlen und über bie Wichtigkeit ihrer Vermehrung geäußert. Dabei führte er aus, daß diese Vermehrung aus pekuniären Gründen nicht möglich sei und fuhr wöttlich fort: „Aber, obwohl ich* s Rationalökonom bin, muß ich doch sagen: Liebet, wenn notwendig, mehr f Kanonen, als Professoren!" Die Zuhörer spendeten dem Profesiot barauf« LN» da» nein den Beifaß. ___ ____
— Ein Konflikt am Frankfurter Oberlandesgericht. Ein seit längerer Zeit bestehender Konflikt zwischen dem Frankfurter Ober- landesgerichtsprästdenten Dr. Spahn und der Frankfurter Rechtsanwaltschaft hat, wie wir den „Leipz. N. N." entnehmen, in den letzten Tagen recht scharfe Formen angenommen. Dr. Spahn hatte im Sommer angeordnet, daß Rechtsanwälte, die bei Landgerichten zugelafien sind, nicht mehr, wie bisher üblich war, mit Vertretungsvollmacht auch am Oberlandesgericht auftreten dürfen, desgleichen sollten alle Anwälte, die beim Oberlandesgericht zu- gelafien find, bei den unteren Instanzen nicht mehr zugelafien werden. Die Frankfurter Rechtsanwaltschaft hat gegen diese Verfügung Protest erhoben, obwohl ähnliche Bestimmungen schon seit längerer Zeit in anderen Oberlandesgerichtsbezirken bestehen. Der Streit ist neuerdings soweit gediehen, daß in einer Sitzung des Oberlandesgerichts sämtliche Richter von den Anwälten abgelehnt worden sind mit der Begründung, daß der Oberlandesgerichtspräsident Dr. Spahn als befangen gelten müfie, weil er die Vorsitzenden der einzelnen Kammern und Landgerichte hat ausfordern lassen, Substitutsanwälte in Zukunft zurückzuweisen. Die Angelegenheit wird demnächst das Reichsgericht beschäftigen.
— Zum Reichs-Petroleummonopole. Berlin, 1. Nov. Der Präsident des Deutschen Handelstages hat an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, in der er ihn ersucht, die angekündigte Beschlußsasiung über das Reichs-Petroleummonopol zu vertagen, damit dem Deutschen Handelstage und den Handelskammern Gelegenheit gegeben werde, dazu Stellung zu nehmen. Außerdem wird der Wunsch ausgesprochen, daß entweder der Gesetzentwurf möglichst bald veröffentlicht oder das bisher bekannt- gegebene Material durch eine weitere amtliche Veröffentlichung wesentlich ergänzt werde.
Zu den Klagen der Polen über die Enteignung schreiben die „Leipz. N. N.": Es ist etwas Eigenes um diese Klagen, die den Reichten unter den Polen gelten, die mit gutem (Selbe für ihren Besitz entschädigt werden, die nichts verlieren, sondern an Vermögen vielleicht noch gewinnen, die man zurüaorängt nur deshalb, weil sie selbstbewußt und planmäßig das Deutschtum durch polnische Arbeiter zurückzudrängen, den deutschen Mittelstand durch rücksichtslosen Boykott zu vernichten suchen. Von Härte kann nirgends die RÄ>e sein; noch ist niemandem das Obdach genommen worden, noch hat man keinen gezwungen, zum Bettelstäbe zu greifen und von TÄe zu Türe zu pilgern. Noch ist die Regierung, wo sie zur Enteigimng schritt, auf der Linie der Defensive geblieben, der Abwehr polnischen Angriffs. Und deshalb wird über den Kreis seiner Polen hinaus Wozciech Korfanty mit seinen Klageliedern ebensowenig Eindruck machen, wie Graf Praschma über die Kreise hinaus, in denen man in jedem Polen nur den katholischen Bruder erkennt, wie Herr Borchardt, wenn er als Verteidiger des polnischen Großgrundbesitzes seine Rosinante in die Schranken führt.
— Annah me und Schadenersatz bei Wertbriefen. Vor kurzem ist eine sehr wichtige höchstgerichtliche Entscheidung ergangen, die für die Allgemeinheit von großem Interesse ist. Es wurde entschieden, daß Ansprüche aus einem Wertbriefe nicht über den Augenblick des Empfanges des Briefes hinaus geltend gemacht werden können. Der Adressat hat, wenn er den Brief in Empfang nimmt, selbst dafür Sorge zu tragen, daß er dem Absender desien etwaigen Ansprüche auf Schadenersatz sichert. Er hat infolgedesien festzustellen, ob der Brief unverletzt ist und ob das Gewicht des Briefes mit dem vermerkten, bei der Aufgabe festgestellten Gewicht übereinstimmt. Versäumt er diese Ermittlung, so kann ein späterer Anspruch nicht mehr erhoben werden, und der Empfänger selbst ist statt der Post dem Absender gegenüber ersatzpflichftg. Der Verrrag auf Beförderung eines Wertbriefes zwischen Absender und Post läuft nur bis zur Annahme des Briefes durch den Adresiaten. Sobald dieser die Sendung bedingungslos annimmt, entstehen zwischen ihm und der Post und zwischen ihm und dem Absender rechtliche Beziehungen. Für diese Beziehungen zwischen Absender und Empfänger sind in den postalischen Vorschriften keine Bestimmungen getroffen, es kommen also hier die Vorschriften des B. E. B. in Anwendung. Rach diesen hat ver Adresiat sich nach der Verkehrssitte zu richten, also wie eben ausgeführt, zu verfahren. Denn in der Annahmeerklärung ist die Bestätigung vorgesehen, daß der Brief das vermerkte Gewicht hat. Sobald das Gewicht von dem Vermerk abweicht, hat der Emvfänger zu erklären, daß er den Brief deshalb nur bedingt annehme. Versäumt ei dies, so ist er dem Absender gegenüber zum Ersatz eines Schadens verpflichtet, der diesem aus dem etwaigen Abhandenkommen des Inhalts des Briefes erwächst und hinsichtlich besten der Absender seinen Anspruch gegen die Post in- sclge der Annahme durch den Adrestaten verloren hat.
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Marburg und Amgegend-
Rachdruck aller Orginolartikel ist gemäß § 18 des Urheberrecht- nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhest. Zkg." gestattet)
Marburg, 2. Nov.
■ * Von der Post. Bei Postpaketadrefien ist es für den inneren deutschen Verkehr zugelafien, daß auf die Rückseite des Abschnitts Zettel mit schriftlichen Mitteilungen geklebt werden.
* Schwurgericht. Zu der am nächsten Montag beginnenden Schwurgerichtsperiode liegen folgende Fälle vor: 1. Jakob Prinz, Dienstknecht in Marbach, Meineid; 2. Müllergeselle Konrad Hor- mel aus Zwesten, Vergehen gegen § 176 II; 3. Landwirt Peter Nau aus Schröck, fahrlässiger Falscheid; 4. Handlungsgehilfe Isidor Meierhof aus Frielendorf, schwere Urkundenfälschung; 5. A. Peter aus Marburg, schwere Urkundenfälschung; 6. Margarete Lenz aus Niedereisenhausen, Kindesmord; 7. Witwe Elise Kahler und Müller Johannes I aus Roda, Kindesmord und Anstiftung dazu; 8. Landwitt Heinrich Friebertshäuser aus Almutshaufen, Meineid; 9. Selterswafierverkäufer Adolf Schüttler aus Höringhausen. Körperverletzung mit Todeserfolg; 10. Valentin Börner aus Lützelwig, Meineid; 11. Erdarbeiter Fauste Mariottk, wohnhaft in Kirchhain, versuchte Notzucht,
* Parolemufik findet bei günstiger Witterung am morgigen Sonntag von 12—1 Uhr auf dem Marktplatz statt. Programm: 1. „Herzog von Braunschweig", Armeemarsch Nr. 9; 2. Fantasie a. d. Op. „Tannhäuser", von R. Wagner; 8. Cavattne, von I. Raff; 4. „Rheinsagen" (Walzer), von W. Rehl; 5. Rosenlieder, a) „Wilde Rose", b) „Seerose", von PH. zu Eulenburg; 6. Frühlingsjubel (Marsch), von Wiggert.
* Sport. Wie man uns mitteilt, haben die Pariser Fußballspieler abgeschrieben. Das für heute angesagte Fußballwettspiel findet also nicht statt. Die Pariser Fußballspieler wurden, wie wir weiter hören, in Bonn besiegt und haben dann auf weitere Spiele hier verzichtet.
* Gefundene Gegenstände. Als gefunden wurden int Oktober gemeldet: 1 filb. Damenuhr, 1 Armband, 1 Uhrkette, 1 Haarpfeil, 1 Damengürtel, 1 Füllfederhalter, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 l. Handschuh, 1 schw. Hut, 1 Umhängetuch, 1 Schirm, 1 Brötchenbeutel, 1 Peitsche, 1 Pferdedecke und 1 Sturmlaterne; ferner in den Wagen der Marburger Straßenbahn: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 4 Schirme, 1 Stock und 2 Paar Handschuhe. Die genannten Gegenstände können von den Eigentümern im Polizeisekretariat (Kiliangebäude, Zimmer 9) innerhalb 6 Wochen abgeholt werden.
• St. Hubertus. Die Jagd ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Unter Halli und Hallo begeht bei heilige Hubertus, der Schutzpatton der Jäger feinen Ehrentag, und die fürstlichen Höfe feiern das Fest mit großen Jagden. Im siebenten Jahrhundert soll St. Hubertus gelebt haben und ein Sohn des Herzogs von Guienne gewesen fein.
• Strafkammer. Gestern beschäftigte sich das Gericht ferner mit einer Schlägerei zwischen Michelbacher und Ealdernschen Burschen, die sich am 21. April in Kalbern abspielte. An dem fraglichen Tage passierten gegen Abend einige Radfahrer aus Michelbach die Dorfstraße in Caldern. Sie wurden dort von jungen Leuten belästigt und bei dieser Gelegenheit zog einer der Radfahrer sein Mester und stieß es einem Burschen aus Caldern in den Leib. Rur einem Zufall war es zu verdanken, daß der Verletzte innerhalb 9 Tagen wieder aus der Klinik, wohin er sich begeben, ent» lasten werden konnte. Die Angelegenheit beschäftigte bereits das Schöffengericht, bei welchem der Radfahrer, der das Mester benutzte, zu 7 Mon. Gefängnis verurteilt wurde. In der gestrigen Berufungsinstanz fetzte das Gericht die Strafe auf 5 Monate herab. Es wurde dem Angeklagten geglaubt, daß er sich bedroht fühlen konnte, er sei jedoch bei der Abwehr über das zulässige Maß hinausgegangen. Das Gericht nahm Veranlassung, die Burschen zu warnen, nicht so ohne weiteres Streitigkeiten zu beginnen. — In der Rachmittagssitzung wurde dann noch ein junger Mann aus der Gegend von Eschwege, der in Biedenkopf und Laasphe Zechprellereien und sonstige Betrügereien begangen hatte, zu 3 Mon. und 10 Tagen Gefängnis verurteilt.
Berjammlnugen, Konzerte, Theater, Vergnügnngsnachrlchten usw.
# Turngemeinde. Wie schon im Inseratenteil erwähnt, begeht morgen abend die Frauen- und Mädchenabteilung der Turngemeinde im Schloßgarten ihr Stiftungsfest. Zur Aufführung gelangt ein Theaterstück, besonderes Intereste dürste jedoch der turnerische Teil bieten.
t Sarnau, 1. Aov. Die hiesige vakante Lehrerstelle wurde Herrn Schweikart aus Marburg übertragen.
- T- Goßfelden, 1. Nov. Hier wurde ein junger Mann aus ganz nichtigen Gründen von einem anderen jungen Mann durch einen Mesterstich verletzt.
d=P Ernsthausen lKr. Frankenberg), 2. Nov. Aller Voraussicht nach werden wir das diesjährige Weihnachtsfest in unserer neuen Kirche be- gehen können., Das schmucke Aeußere ist schon seit Monaten fertig. Im Innern sind die Arbeiten bereits soweft'vorgeschritten, daß die Ausstattungsstücke, wie Aliar, Orgel und Bänke in den nächsten Wochen aufgestellt werden. Die Ausmalung ist bis auf das Chorgewölbe fertig. Di« Hauptdecke hat in ihrer glücklichen Teilung Raum für große Ornamentier rung und für ein Deckengemälde im Mittelfeld geschaffen. Letzteres stellt die Abendmahlsfzens dar. Gebälk und Stützen bei Emporen, sowie die Empoienbiüstungen sind gleich den Decken in bunten, abet dezenten Farben harmonisch abgestimmt. Die hübsch gemutterten Fensterverglasungen lasten warmes Licht ins Innere hinein. Die Sakristei verspricht ein rechl behaglicher Raum zu werden. Man darf heute schon zuversichtlich hoffen daß das Ganze den Charakter einer schönen Dorfkirche erhält und da« will sie auch nur sein, und wird sich als vollwertiges Glied in der statt lichen Reihe der alten und neuen Kirch2N unseres Hestenlanves behaupte» können.
Aus dem Schwalmgrund, 1. Roo. Wie mitgeteilt wird, beabsichtigt die Firma Ostheim-Marburg in aller Kürze Probefahrten mittelst Post, autos auf der Strecke Alsfeld—Loshausen über Schwabenrod—Heidelbach—Schrecksbach—Rollshausen—Salmshausen—Zella zu veranstalten.
Hessen-Nassau und Nachdaroebiete.
Cassel, 1. Nov. Heute morgen fuhr ein von Cassel kommender Eüter- zug in roller Fahrt auf einen im Bahnhof Bebra haltenden Eüterzug. Eine große Anzahl Wagen entgleiste. Der Materialschaden ist bedeutend. — In Lutterberge zerstörte ein Großfeuer 3 Gehöfte. 5 Familien find obdachlos: die Abgebrannten haben nur teilweise versichert. Zur Hilfeleistung waren Pioniere eingetroffen. — Die landwirtschaftliche An- und Verkaufsgesellschaft Hessenland beschloß in ihrer gestrigen Generalversammlung das Eesellfchaftskapital, das bisher 500 000 M betrug, durch weitere 500 000 M. ju erhöhen. — Die Verwaltung des hiesigen Krankenhauses vom Roten Kreuz hat gestern sechs Schwestern, mit Saniräts- material ausgerüstet, nach dem bulgarisch-türkischen Kriegsschauplatz abgeschickt.
Gießen, 31. Okt. Die Stadtverordneten haben heute in nicht öffentlicher Sitzung die Erhöhung der Beamten- und Lehrergehälter, die der Oberbürgermeister vorgeschlagen und die Finanzkommission befürwortet hatte, abgelehnt. Die Erhöhung hätte 83 000 M erfordert und nach der int Intereste der Gleichstellung mit den. seminaristisch gebildeten Lehrern cm den staatlichen Anstalten weitet beantragten Erhöhung der Lehrer» gehälter 100 000 M. Die Versammlung begründete ihre Haltung damit, daß die Eehaltsaufbesterung der Beamten und Lehrer, für die vorerst nut 40 000 <M. verfügbar seien, eine Steuererhöhung erfordere, Die j