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mit t>em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

L und den Beilagen: ..Nach Feierabend«.Fürs Saus« und .MndwirtschaWche Beilage«.

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DieOberhessische Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der (sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 <Ä (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei ins HauS. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. T. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 1. November

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47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Zur Enteignungsfrage.

Die polnische Interpellation, auf Grund deren das preußische Abge­ordnetenhaus sich gestern wieder einmal mit der Enteignungsfrage zu beschäftigen hatte, berührte insofern etwas eigentümlich, als sie sich zu­nächst danach erkundigt, ob der preußischen Staatsregierung das Vorgehen der Enteignungskommission'bekannt« sei. Wenn man sich vergegen­wärtigt, wie unendlich schwer und zwar mit vollem Recht die Regierung es genommen hat, die Enteignungsbestimmungen des Ost- marken-Gesetzes von 1908 zur Anwendung zu bringen, so erhält die Frage, ob der Regierung von dem Entschluß der Enteignungskommisiion etwas bekannt sei, einen käst komischen Anstrich. Natürlich trägt sie auch nur einen formellen Charakter. Der Schwerpunkt der Iuterpellatron liegt in der zweiten Frage, ob die preußische Regierung die Enteignung für vereinbar hält mit den Bestimmungen des Artikels 9 der Verfassung^ urkunde für den preußischen Staat, der das Eigentum als unverletzlich bezeichnet, und des Artikels 3 der Verfasiung des Deutschen Reichs, der die Gleichberechtigung aller Reichsangehörigen zur Erwerbung von Grundstücken usw. statuiert. Man kann allerdings auch diese Hauptfrage insofern deplaziert finden, als sie selbstverständlich seinerzeit ber der Be­ratung des Ostmarkengesetzes nach allen Richtungen hin untersucht, be­leuchtet und besprochen worden ist, und zwar mit dem Ergebnis, dag verfasiungsmäßige Bedenken solcher Art nicht begründen. Sonst wäre das Gesetz ja gar nicht angenommen worden. Die Preußische Verfasiung sieht ja auch in dem angezogenen Artikel gewisie Ausnahmenaus Grün­den des öffentlichen Wohles« ausdrücklich vor. Auf der anderen Serie wäre es aber denkbar,, daß die erste praktische Anwendung der Enteig­nungsbestimmungen, d. h. ihre Verträglichkeit mit der Verfasiung auf gerichtlichem Wege anzugreisen.

Ob die Absichten der Polen darauf hinausgehen, blerbt «zuwarten. Als aussichtsvoll könnte ein derartiger Versuch unseres Erachtens nicht gelten. Politisch aber ist tatsächlich schon in den Jahren 1907 und 1908 und dann bei verschiedenen Anlässen, bei denen seitdem parlamentarisch auf die Frage zurückgegriffen wurde, fo ziemlich alles gesagt worden, was in der Sache zu sagen ist. Die starken Bedenken, die man speziell in konservativen Kreisen gegen die Enteign'ingsbestimmungen hegen mußte und die tatsächlich eine Anzahl konservativer Männer zu einer konsequent ablehnenden Haltung bestimmt haben, hat der Abgeordnete Dr. v. Heydebrand nochmals dargelegt in der Sitzung des Abgeordneten­hauses vom 16. Januür 1908, in der er ankündigte, daß er und seine Freunde bis auf wenige für die Kommissionsbeschlnsie stimmen würden, weil sie zur Erkenntnis gelangt seien, daß der Zwang der Verhältnisse in der Ostmark stärker sei als jene im engsten Zusammenhang mit den kon­servativen Erundanschauungen stehenden Bedenken, daß das Existenzbe- dürfnis des Staates über der Heiligkeit des Privateigentums stehe und daß die Polen sich bewußt sein müßten, einem Staate gegenüber zu stehen, der keine durch Eroberung und innere Kultur erworbenen Gebiete jemals wieder preisgebe. Die Enteignung sei aber eine schwere Waffe, die nur mit Vorsicht gebraucht werden dürste.

Ein anderer Standpunkt ist in der Tat auch heute nicht möglich. Daß die erwähnten Bedenken sortbestehen und zwar auch soweit sie nicht ge­rade grundsätzlicher Natur sind, darüber kann man sich nicht im Unklaren befinden. Umso freudiger ist es zu begrüßen, daß die preußische Regie­rung von dem Gesetz, das nun einmal feine Bedenken bat, nur dort Ge­brauch gemacht hat,'wo es sich nicht um altererbten Besitz, sondern sozu­sagen um Handelsware handelt. Die ruhige, sichere Erklärung des Land­wirtschaftsministers r- dem Hinweis gerade auf diesen Punkt macht einen guten Eindruck. Auf die natürlicherweise erregten Ausführungen des Polenvertreters lehnten es andererseits die konservativen Parteien und die Nationalliberalen ab, die ganze Frage der Enteignung noch einmal aufzurollen. Sic taten das Einzige, was gegenüber einem von demselben Hause beschlosienen Gesetz möglich war. Völlige Klarheit scheint nur in den Reihen des Freisinns noch nicht darüber zu walten, wie er sich verhalten soll. Er glänzte durch Abwesenheit,

Ist das Ansiedlungswerk tatsächlich auf dem Punkte angekommen, wo es ohne die Enteignung nicht weiter kommt, so muß der Staat in seinem Lebensinteresie die Macht und den Mut haben, beschlosiene Gesetze durchzuführen.

Der Krieg auf dem Balkan.

Türkische Niederlagen und französische Hoffnungen.

Es mutzte ja so kommen. In den Balkanschlachten sind nicht die Türken besiegt worden, sondern die deutsche militärische Schule, nicht Bulgaren und Türken haben sich gegenübergestanden, sondern die Geschütze der Firma Krupp und die der französischen Firma* ^Schneider-Ereuzot. Diesen fetten Bisten konnte sich die französische' !Presse vom Schlage des »Matin« nicht versagen. Die Schlutzfolge- I rungen liegen doch auch so nahe. Wenn das deutsche System in der i Türkei eine solche Niederlage erlebt, wohlan ihr Franzosen! Wa­rum habt ihr noch das bißchen Angst vor dem deutschen Heere, die euch ja im Grunde allein davon abhält, über Deutschland herzu^ fallen?! Man kann verstehen, datz Franzosen, die ihre ganze Wirksamkeit dem Gedanken des Revanchekrieges gegen uns wid­men, so denken. Ist doch das Versagen der Türket überraschend. Auch die fieberhafte Tätigkeit zurErhaltung des Friedens", hatte |m Grunde doch nur den einen Zweck, im Falle eines Sieges der Türkei, die französischen Kapitalien auf dem Balkan zu retten. Aber haben wir wirklich Grund anzunehmen, daß wir im Sinne her fanzöfischen Wünsche dort unten bei der Türkei beteiligt find! Man wird das verneinen müssen. Die besten Kanonen stützen nichts, wenn sie einfach im Stich gelosten werden oder wenn fie in den Händen eines Volkes sind, das nicht die Energie hat, gum Entscheidungskampf sein bestes restlos einzusetzen, und diesen Eindruck hat man von der Verteidigung der Türken bis jetzt durch« BM gehabt. Der moralische Wert der türkischen Truppen ist jeden« jfall» ein höchst zweifelhafter. Das^ann man aber auch von einem

Heere nicht anders erwarten, in dem die politischen Leidenschaften so wühlen, wie sie es durch die Herrschaft der Jungtürken dort unten tun. Einen Vergleich aufzustellen zwischen unserem Heere und den Türken dürfte doch selbst für einen chauvinistischen Fran­zosen eine Unmöglichkeit sein. Mit Recht weisen dieL. N. N." darauf hin, daß auch die bisherigen Sieger, die Vulgaren, als deutsche Schüler erscheinen.Bulgarien ist es gewesen so schreibt das Blatt, das die deutche Felddienstordnung, das die neuen deutschen Schießvorschriften, das Exerzierreglement usw. sofort für seine eigene Armee nutzbar gemacht hat. Bulgarische Offiziere haben erst kürzlich einen Schietzkursus bei Krupp in Meppen durch­gemacht, wie ja auch Bulgarien gerade deshalb seine letzte Anleihe in Deutschland untergebracht hat, weil es sich der drückenden fran­zösischen Bedingung entziehen wollte, gewistermaßen als Knochen­beilage eine bestimmte Anzahl Batterien Schneider-Creuzotscher Geschütze bei der Anleihe mit in den Kauf nehmen zu müsten. Bulgarien hatte sich zuletzt Krupp zugewandt, weil es mit den französischen Geschützen unzufrieden war. Schließlich ist der Kron­prinz von Bulgarien und sind bulgarische Offiziere Gäste unseres Kaisers erst bei dem Kaifermanöver in Sachsen gewesen."

tige Stellung? Jetzt sind wir genau auf dem Boden konzentriert, der im voraus für die Konzentrierung des Heeres Thraciens vouf Feldmarschall v. d. Goltz und unseren eigenen Strategen festgelegk war. Die Verzögerung des bulgarischen Vorgehens hat uns plötzi lich zum Optimismus getrieben und zum zeitweisen Aufgeben bet klugen Pläne der anerkannten Meister der Strategie."

Die Kämpfe auf dem östlichen Kriegsschauplatz. j

Heber den Verlauf und die Bedeutung der Schlacht von Kirk- Kiliste liegen nunmehr nachfolgende private Einzelheiten vor: Am Tage vor der Schlacht bei Kirkkiliste standen in Adrianopel etwa 30 000 Mann als Besatzungsarmee dieser Festung. Unabhängig hiervon standen in der Linie Kirkkiliste-Babaeski drei Korps ist der Reihenfolge: drites, erstes und zweites, wobei das zweite nuj

12 000 Mann, die beiden anderen etwa 20 000 Mann stark waren.

Die Front ging also schon damals parallel dem Bosporus.^ »orts von Babaeski bei Tschorlu und Tscherketzkoi standen vier

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Hilmi aus, der zum General ernannt ist. Hilmi diente in Deutsch­land: er übersetzte das Exerzierreglement und galt immer als einer ^der befähigsten Offiziere. Von den geflüchteten Redifs sind vor­gestern mehrere Offiziere und Mann sch aften stand- ^rechtlich erschossen worden. Auf bulgarischer Seite ist der Erfolg von Mittwoch in keiner Weise ausgenutzt worden. An­scheinend wußten die Bulgaren weder, wie die Dinge lagen, noch hatten sie die Kraft, weiter zu kämpfen. Die Untätigkeit in den

weitere Armeekorps, die zum Teil noch im Aufmarsch begriffen waren. Zwischen Kirkkiliste und Adrianopel waren nur schwach« Vorposten. Nach dem Kriegsplan sollte die Armee von Kirkkiliss« ohne ernstere Kämpfe auf der Linie Wisa-Luele-Burgas zurück- gehen, nachdem die Bulgaren zur Entwicklung gezwungen und durch einen Angriff auf die Verschanzungen bei Kirkkiliste ge­schwächt worden waren. Dort wurden am 20. und 21. in ununter­brochener Arbeit ausgedehnte Feldbefestigungen aufgeworfen. Zwei Flugapparate sollten aufklären, konnten jedoch wegen des andauernden Regens nicht aufsteigpn. Die Apparate verdarben infolge des Mangels an Schuppen in dem andauernden Regen. Dienstag den 22. war in Kirkkiliste noch alles ruhig, nur nördlich und nordwestlich war Kanonendonner vernehmbar. In der Nacht vom 22. zum 23. griff anscheinend Asis Pascha den Feind selbstän­dig an. Dabei hatte er sich zu stark exponiert. Als er zurückgehen mußte und die ersten bulgarischen Granaten in Kirkkiliste einschlu- gen, begann unter den Bewohnern der Stadt, die bereits in Hellen Haufen auf Ochsenwagen und Mauleseln aus der Stadt flüchteten.

' Ä vor Babaeski lag. Ersterer fuhr auf abschüssiger Strecke, da er ohne Bremse war, auf den anderen auf und zertrümmerte besten WWM4 letzte Wagen. Dte Panik dauerte bis Luele-Burgas,.

Während bei Babaeski zeitweilig vollkommene Verwirrung herrschte, vollzog sich offenbar der Rückzug der regulären Truppen |raf' unter Mahmud Muktar, wie vorher festgclegt, in Ordnung nach ÄBfi Wisa. Die Linientruppen sollen sich vorzüglich geschlagen haben.

An diesem pnd dem folgenden Tage zeichnete sich besonders Oberst '

Die Einschließung von Adrianopel.

Nach den überraschenden Siegen der Bulgaren scheint es nun plötzlich, als wenn die bulgarischen Operationen vor Adrianopel zum Stillstand gekommen sind. Bekanntlich behaupteten die Tür­ken von Anfang an, daß Adrianopel in den letzten Jahren so stark befestigt worden wäre, daß die Stadt für uneinnehmbar gelten könne. Der Beschluß der Vulgaren, die Stadt nunmehr nach voll­zogener Einschließung auszuhungern, statt im Sturm zu nehmen wie anfangs beabsichtigt scheint der Behauptung der Türken Recht zu geben oder find die Verluste des Bulgarenheeres bei Mlrk-Kiliste (Fünfzigkirchen) größer als zugegeben wird?

W» Vor welche schwierige Aufgabe aber die Bulgaren gestellt find -Ntnb welche Wichtigkeit die Türken bsj Stadt Ad..nspel als

eine große Panik, in die auch einige zurück- »Gehende Redif-Regimenter gerieten. So wälzte*

sich am Mittwoch nachmittag, wie Augenzeugen berichten, ein kilo« Zug von Flüchtlingen aus Kirkkiliste. Ein mit Zivil- 'Flüchtlingen besetzter Bahnzug wurde von Redifs gestürmt und zur ' E Abfahrt gezwungen, obgleich noch ein anderer Zug auf der Strecke

Festung zulegten, das veröffentlicht unsere heutige Reliefkarte der Befestigungen Adrianopels. S Stadt Adrianopel selbst liegt be­kanntlich in einer Talmulde ,. rechten Ufer der Maritza, aber rings herum bilden steil aufstrebende Bergkegel natürliche Forts, außerdem breitet sich im Süden der Stadt ein großes Sumpfland aus. Unser Sir, eigt nun, wie die Türken die umgebenden Berg­kegel zu Forts umgewandelt haben. Diese tragen folgende Namen, die vielleicht im Lause der Belagerung noch öfter genannt werden dürften. 1. Fort Baskilik: 2. Kara Eruz: 3. Semer Skoui; 4. Aimalu: 5. Chatalje: 6. Ehair Tepe; 7. Hadirlik: 8. Arda; 9. Ka- rach: 10. Merkes: 11. Kayalik: 12. Tafh Tabia; 13. Aivas Daba: 14. Devekoui; 15. Kestanlik: 16. Kuruchezme: 17. Safhi Foki: 18. Tafhlik: 19. Jevizlik: 20. Pilioz; 21. Kalk; 22. Taopyolu; 23. Kavkas.

Den Vorwürfen gegenüber, die offen und geheim dem Feld­marschall v. d. Eoltz wegen des Mißerfolges Dtzr Türkei gemacht werden, wird jetzt daraus hingewiesen, daß die Türken gerade v. d. Eoltzs Kriegspläne nicht befolgt haben. Der Kriegskorre­spondent desDaily Telegraph« z. B. schreibt seinem Blatte: Wenn die Bulgaren zehn Tage eher vorgerückt wären, so würde man keinen Bersuch gemacht haben, sie an der Grenze aufzuhalten, sondern das ottomanische Heer würde sich unter Vermeidung jedes ernsten Gefechts auf seine natürliche und vorher.festgelegte Kon­zentrationslinie, nämlich Baba-EskiLuele-Vurgas zurückgezogen und Adrianopel vorläufig der eigenen Verteidigungskraft über­lasten haben. Da aber die Bulgaren nicht vorrückten, als man es erwartete, kam man zu der vorschnellen Folgerung, daß sie die Vorwärtsbewegung aufgegeben hätten und hinter dem Balkan in der Verteidigung bleiben würden. Anstatt fich daher von der Klugheit leiten zu lasten und die Konzentrierung ihrer ganzen Armee abzuwarten, beschloß man mit gänzlich unzulänglichen Kräften, nämlich mit drei schwachen Armeekorps, außer dem in Adrianopel bleibenden, zum Angriff überzugehen." Ein höherer türkischer Offizier in Konstantinopel führte weiter aus:Wir sind natürlich über unseren Rückzug von Kirkiliste und die Nachrichten von der Front enttäuscht. Aber war denn Kirkiliste unsere rich«

folgenden Tagen deutet darauf hin, daß sie sehr gelitten haben. Ob sie Kirkkiliste wieder verlieren, ist allerdings sehr z-vei''lhaft, da die Türken jetzt die Entscheidungsstellung Midi«- Tschorlu eingenommen und bei Wisa und Luele Burgas angeblich gekämpft wird. Die Türken mußten ihre Flug­apparate beim Rückzug aus Kirkkiliste verbrennen. Das Haupt­quartier liegt jetzt rückwärts Tschorlu unweit Tscherkeßkoej. Die Bulgaren find in vier großen Kolonnen marschiert, eine westlich von Adrianopel, eine bei Adrianopel, die beiden anderen westlich und östlich von Kirkkiliste. Die Entscheidungsschlacht soll unmittelbar bevor st ehe n. Vielleicht mit Rücksicht darauf, und vielleicht auch, weil anscheinend von jungtürkischer Seite Unruhen geplant sind, ist gestern abend der Belage­rungszustand in Konstantinopel verschärft wor­den. Alle Zeitungen sind der strengsten Zensur unterworfen. Ganze Stadtteile wurden bereits gestern nach 10 Uhr gesperrt. Heute abend ist es auch in Pera nach 10 Uhr verboten, auf die Straße zu gehen. Da sich in Salonik ernste Ereignisse abge - spielthaben müssen, will man hier anscheinend vorbeugen. Seit drei Tagen fehlen fast alle Nachrichten aus Salonik. Im Stadtviertel Fatich in Stambul find vorgestern Nacht bedenkliche Schlägereien vorgekommen.

Konstantinopel, 30. Okt. General von Hofrichter, Kom­mandant der Kavallerie unter Mahmud Mukhtar ist hier aus Kirkkiliste eingetroffen, um eine vollständige Neuausrüstung anzu- schaffen. Er erzählt, er habe alles beim Gefecht verloren. Da» Gefecht selb st war furchtbar. Aus anderer Quelle ver­lautet, daß bei der Flucht einige Soldaten die Frauen und Kinder, welche bereits im Zuge saßen, aus diesem entfernten und selbst einstiegen. Die Frauen und Kinder mußten dann auf das Dach des Wagens. Als der Zug durch einen Tunnel fuhr, wurden alle vom Dach gefegt und getötet, während der Zug ruhig weiter fuhr. MehrereSoldatenund2Offizierewurdenfür diese Schandtat standrechtlich erschossen.

Konstantinopel, 30. Okt. Eine amtliche Depesche be» Kriegsministers meldet unter dem 29. d. M.: Seit heute mittag ist die Armee in eine Schlacht verwickelt. Die Armee zeigt Wider»