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deren Raum 15
M 252
1912
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unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M. I
Grttes Blatt
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Konzert gab. Das Reichsgericht hatte entschieden, daß Weingartner noch fünf Jahre nach seinem Rücktritt von der Leitung der Wiener Hofoper weder in Berlin noch im Umkreise von dreißig Kilometer der Reichshauptstadt öffentlich als Dirigent auftreten dürfe, und so fand die Mufikanfführnng in Fürstenwalde statt. Es ist doch bedauerlich, dah ein so hervorragender und anerkannter Orchesterleiter sich zu derartigen Beranstaltunaen hergibt, die mit dem Ernst der Kunst doch in Hellem Widerspruch stehen. — Was die Woche sonst an Neuheiten brachte, ist nicht von großem Belang. In der vieraktigen Poste mit Gesang und Tanz, die sich „Filmzauber" nennt, scheint das Berliner Theater ein Zugstück gefunden zu haben, das die Lachlust bescheidener Zuschauer zu befriedigen weih, und im burlesken Bauernschwank „Der Prinz Natzi", das die Schlierseer im alten Krollschen Theater neu herausgebracht haben, entfaltet der Leiter der Truppe, Taver Terofal, der zugleich sein bester Schauspieler ist, alle Künste seines urwüchsigen und unverwüstlichen Humors. Das Residenztheater in der Blumenstrahe, in dem so lange Richard Alexander herrschte, scheint sich endlich besonnen zu haben, daß es doch eigentlich eine deutsche und keine französische Bühne ist. Denn der Schwank „Gemütsmenschen", der zum ersten Mal aufgesührt wurde, stammt wenigstens aus deutscher Feder. Biel ist damit allerdings nicht gewonnen, denn das Erzeugnis könnte auch ganz gut gallischen Ursprungs sein, die heikle Poste unterscheidet sich wenig oder g« nicht von den gepfefferten französischen Spässen, die man seit Jahtea 11 der Blumenstrahe zu sehen gewohnt war.
Zeder^Rabatt^gUt' als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver
kamen auch die Mitwirkenden: das „Volk" in der geschichtlichen Tracht aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts und eine Schwadron Dragoner und Zietenhusaren. Der Kaiser hatte sogar die Staatskaroste zur Verfügung gestellt, in der damals die schöne Königin sah, und die Auf- sichtsbeamten sorgten dafür, dah die Veranstaltung ungestört und plan- mähig vom statten ging. — Einen bedeutsamen Tag hatte unsere Kriegsflotte in der letzten Woche zu verzeichnen: der erste deutsche Marinelustkreuzer, der vor kurzem die Fahrt von 31 Stunden so glänzend bestand, wurde in Johannisthal endgültig abgenommen. Neben dem Staatssekretär des Reichsmarineamts Exzellenz von Tirnitz und dem Kommandanten der Marineluftschifferabteilung Korvettenkapitän Metzing, war auch der greise Graf Zeppelin mit seinem bewährten Oberingenieur Dürr auf dem Flugplatz erschienen. Vorläufig bleibt der Kreuzer in Johannisthal, von wo aus verschiedene Fahrten unternommen werden sollen. Dieses gröhte Zeppelinschiff, das bisher gebaut wurde, hat eine Länge von 160 Meter, und die Hülle umschließt nicht weniger als acht Gaszellen. Besonders eigenartig ist der Kreuzer durch eine Plattform als Beobochtungsstand für Offiziere, die auf dem Rücken des starren Luftlchiffkörpers angebracht ist und auf die man durch einen Steigschacht gelangt. — Das Kunst- und Theaterleben der Reichshauptstadt wies eigentlich nur ein bemerkenswertes Ereignis auf, und dieses Ereignis vollzog sich vor den Toren Berlins in Fürstenwalde, wo der bekannte Dirigent Felix Weingartner, besten unliebsamer Streit mit der Generalintendanz der Königlichen Schauspiele lange Zeit die Gerichte und — gam überilüstiaer Weise — auch die Oessentlichkeit beschäftigte, etn
Marburg
Sonnabend, 26 Oktober
Fleiscbnotkrawalle.
Die Weigerung der Fleischer, russisches Fleisch gegen angemessene Vergütung zu verkaufen, hat in weitesten Kreisen Unwillen erregt. Man ist empört, dah sie den versprochenen Vertrieb des unter erheblichen Kosten erworbenen Fleisches nicht übernehmen und glaubt, dah lediglich der Eeldpunkt dabei maßgebend gewesen fei. Das wäre allerdings mehr als verwunderlich. Sollte ihnen
langt zugesandte Manuskripte uvernimmk me meoaiiwn mnene. Mrantwortung.s Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch
(Inh • Dr. C. Hitzeroih), Markt 21. — Telephon 55.________
fenster, das in Trümmer ging. Das war das Signal de» allgemeinen Angriffs, Männer und Frauen holte« Backsteine und Steintrummer von einer gegenüber« liegenden Baustelle und zertrümmerten alle vier Schaufenster. Fleisch- und Wurst waren wurden herausgerissen und gestohlen. Nur die großen Stücke konnten im letzten Moment gerettet werden. Dem Geschäftsführer wurde mit einem Stein das Nasenbein zertrümmert und eine schwere Wunde am Auge beigebracht, so dah er blutüberströmt zusammenbrach und von Gesellen fortgetragen werden muhte. Inzwischen war die Zahl der Demonstranten auf 2000 angewachsen. Sämtliche verfügbaren Polizeibeamten aus den benachbarten Revieren wurden herangezogen, so dah schließlich die Menge zerstreut werden konnte. Die meisten Fleischer in der Nähe haben ihre Läden geschloffen und die Türen durch Rolläden und Schuhbretter gesichert. -
Berlin, 24. Okt. Heute nachmittag wurde von bisher unbekannt gebliebenen Tätern in der Pankstrahe 13 eine Fensterscheibe des Schlächtermeisters Albert Menzel - zertrümmert und Wurst sowie Fleischwaren entwendet. Die Ruhe in der Straße wurde wiederhergestellt. Es sind keine Verletzungen vorgekommen.
doch ein Profit von 8 Pfg. pro Pfund zustehen, außerdem hatten | sie fast keine Unkosten, da die Stadtverwaltung diesmal keine Miete für die Stände in den Markthallen und keinen Wasserzins einforderte. Sehr richtig weisen die „L. R. R." darauf hin, daß die Schlächter vor Eingehen des Vertrags sich hätten sichern sollen, wenn der Verdienst wirklich zu knapp war. Jetzt hat das Verhalten der Schlächtermeister, so fährt das genannte Blatt fort, den Eindruck eines plötzlichen, gegen den Magistrat wie das Publikum gerichteten Streiks gemacht, zugleich aber auch den Eindruck einer bemerkenswerten Unklugheit hervorgerusen. Denn jetzt muh doch das Publikum die Ueberzeugung gewinnen, daß, wenn die Schlächter sich nicht mit dem genannten Gewinn begnügen, sonst ihr Profit beträchtlich höher ist, dah also bei ihnen, nicht bei dem Landwirt, der wesentlichste Faktor der Fleischteuerung liegt, zumal da die Spesen so außerordentlich eingeschränkt wurden. Ein Verdienst von 40 Jl beim Verkauf eines Rindes von fünf Zentnern ist immerhin recht stattlich, zumal, wen jedes Risiko fehlt."
Warnend erhebt auch die „Nationalzeitung" ihre Stimme. Sie schreibt: „Es ist das ein gefährliches Spiel, das die obstruierenden Fleischer da spielen. Bisher vermochten sie nur mit Mühe die unerhört hohen Fleischpreise mit Mißernten und ähnlichen Tatsachen zu motivieren, aber die Ausflüchte, hinter denen sie sich verschanzten, waren durchsichtig und zerbrechlich wie Glas. Sie haben bisher nichts getan, um den begründeten Mißmut der Bevölkerung auf das äutzerste zu reizen. Es scheint, als ob sich die Fleischer mächtiger fühlen, als sie in der Tat sind. Eine Katastrophe, die sie durch ihr aufstachelndes Gebaren unschwer heraufzubeschwcren vermögen, würde sie eines beffern belehren. Vielleicht läht sich eine Tatsache anführen, die das Verhalten der Fleischer bis zu einem gewißen Grade entschuldbar erscheinen läßt: die Tatsache, dah der Magistrat sich entschieden weigerte, den Kaufenden irgendwelchen Kredit zu gewähren. Doch die Geschlossenheit ihrer Aktion läht den Verdacht keimen, dah die Anführnug dieses Umstandes als Entschuldigungsgrund nur ein Glied in der endlosen Kette von leeren Ausflüchten ist, mit denen die Fleischer nun schon so lange die Geduld des kaufenden-Publikums, auf die Probe gestellt haben."
Die „Deutsche Tagesztg." läht sich folgendermaßen über die Frage aus: „Für die Beurteilung der Fleischteuerungsfrage sind die Vorgänge von wesentlicher Bedeutung. Die großstädtische Bevölkerung hat nunmehr erkannt, daß ihre Versorgung mit ausländischem Fleische sehr bedenklich ist. Sie wird sich hoffentlich zu der Erkenntnis durchringen, daß nur die Förderung der heimischen Viehzucht eine wirkliche Fleischnot und eine erhebliche Fleischteuerung hintanzuhalten vermag. Die Stadtbehörden werden einsehen, daß es weit besser gewesen wäre, sich mit der heimischen Landwirtschaft wegen des Bezuges von Schlachtvieh in Verbindung zu setzen. Und die Negierung wird sich der Einsicht kaum verschließen, dah ihre Maßnahmen wenig erfolgreich und andererseits sehr bedenklich sind. Ob die Schlächter durch die gestrigen Erfahrungen endlich zu der Erkenntnis gelangen, daß sie sich mit ihrem Geschrei über angeblichen Fleischmangel im Inland; und mit ihren Rufen nach Grenzöfsnung in das eigene Fleisch geschnitten haben, bleibt abzuwarten. Jedenfalls tragen die viel angefeindeten und geschmähten Agrarier an den gestrigen Vorgängen keine Schuld."
Daß der „Vorwärts" und seine Nachbarn bei der Besprechung der Fleischnotkrawalle natürlich immer weiter die beliebte Phrase von den „millionenreichen Eroßg-->>ndbesitzern und dem anmaßenden Begehren der Agrarier" nach allen Regeln der Verb^nnnsknnfi variieren, und das „Berliner Tageblatt" gleich anfs Ganze gebt und gegen „die Großagrarier, Spiritnsproduzenten und Kalizwischenhändler" loszieht, ist wohl nicht überraschend.
Neue Aus'^'-'tunaen.
Berlin, 24. Okt. Die „B. Z." schreibt: Zu wüsten Ausschreitungen kam es heute vormittag gegen 11 Uhr in der Schererstraße vor der Fleischhandlung vor Morgenstern. Halbwüchsige Burschen kamen johlend und pfeifend die Straße heraus und riefen: „Gebt Fleisch her!" Bald hatte sich ihnen eine große Schar Personen angeschloffen, die im Nu auf mehrere hundert anwuchs. Vor dem Geschäftslokal von Morgenstern machte die Menge Halt. Plötzlich flog ein Stein aus dem Publikum heraus gegen das Schau-
Dcr Balkankrieg.
Die Nachrichten vom Kriegsschauplatz sind zur Zeit etwas spärlicher eingelaufen und zwar nur von den Truppen bei Kirkkiliffe und bei Ku- manow. Wie eine bulgarische Meldung besagt, haben
di« Bulgaren Kirtitisse genommen.
Daß diese Tatsache in Sofia große Begeisterung hervorrief ist nicht verwunderlich. Beim Eintreffen der Nachricht zog eine zahlreiche Menschenmenge, die Fahnen der verbündeten Nationen tragend, durch bte Stadt und veranstaltete vor der griechischen, serbischen, russischen und englischen Gesandtschaft, vor dem königlichen Palais und vor dem Militar- kasino Kundgebungen. Es wurde die Nationalhymne^gesungen und überall wurden Freudeiirufe gehört. Als die Manifestanten auf der Straße dem griechischen Gesandten Panas begegnete, hoben sie ihn auf die Schultern. Die Glocken aller Kirchen läuten, di eStadt ist beflaggt. Morgen finden im ganzen Königreich Seelenmessen für die gefallenen Bulgaren statt. Gleichzeitig werden Dankgottesdienste für die Erfolge der bulgarischen Waffen gehalten werden.
Von türkischer Seite wird die Siegesnachricht der Bulgaren noch nicht bestätigt. Ein vom Kriegsministerium veröffentlichter Bericht teilt mit, die Kämpfe bei Adrianopel dauern fort und sind noch heftiger geworden. Es wird gegenwärtig in einer Linie nordwestlich von Kirkkiliffe bis östlich vom Tunschasluffe gekämpft. Auch in bet Umgegenb von Kirdcholi werben große Gefechte geliefert. Die türkischen Streitkräfte haben in der Richtung auf Dschumaibala über Parewo und Egri-Pa- lanka die Offensive ergriffen. Die Kämpfe mit den Serben bei Prisch- tina dauern an. Die Montenegriner haben den Vormarsch im Osten des Skuiari-Sees eingestellt und suchen Skutari vom Westen aus zu erreichen. Die türkischen Streitkräfte in Skutari sind verstärkt. Die Stadt ist zunächst nicht gefährdet.
Sehr günstig scheint sich bi« Kriegslage in bet Gegend von Ueskiib für die Türken zu entwickeln. Den letzten Nachrichten zufolge haben sie dort einen großen Sieg übet die Serben errungen. Es lag darüber zunächst folgende lakonische, von uns beMs gestern durch Extrablatt wer-- breitete Meldung vor: "*
Konstantinopel, 24. Olt. -Amtliche Meldung.) 9.45 Uhr vormittags. Die bei Kumanowo zusammengezogene türkische Westarmee griff die Serben, die vier Divisionen ftark waren, an. Die Serben wurden unter ungeheueren Verlusten vollständig geschlagen.
Diese Nachricht wird durch folgende Sielffitabet Meldung bestätigt »nd ergänzt:
Belgrad, 24. Okt. Die erste blutige Schlacht auf dem westlichen Balkanschauplatze wurde gestern und heute geschlagen und beendet. Sie endete mit einer katastrophalen Niederlage der Serben. Das Gefecht erstreckte sich auf einen Raum von etwa 40 Klm. zwischen Kumanowo und Zibesce. Die Serben, die in Kumanowo gestern einge- bnmgen waren, sind aus der Stadt geworfen und von den Truppen Zekki Paschas 40 Klm. weit zurückgedrängt worden. Die Serben sollen 6Ö00 Tote haben, sie zogen sich panikartig zurück. Das Gefecht begann mit einem Straßenkampf in Kumanowo und dauerte mehrere Stunden. Die Türken leisteten den anfangs vordringenden Serben hartnäckigen Widerstand und der Kampf blieb solange unentschieden, bis die Türken aus Ueskiib Sukkurs erhielten. Von diesem Moment an waren die Serben nicht mehr imstande, den Türken standzuhalten. Vom Hauptquartier in Ris sind mehrere Lazarettzüge nach Rystowstz abgegangen.
Diesen bestimmt lautenden Meldungen darf man wohl Glauben schenken, obgleich zur gleichen Zeit eine amtliche serbische Notiz vorliegt, die genau das Gegenteil behauptet und von einem großen Siege der Serben redet. Wir geben sie des Interesses halber wieder.
Belgrad, 24. Okt. Amtlich wird aus Vranja gemeldet: Die serbische Armee griff die türkische Stellung nördlich von Kumanowo an, die »on drei Divisionen verteidigt wurde. Nach hartnäckigem Kampf zogen sich die Türken fluchtartig in der Richtung auf Ueskiib zurück. Die serbische Armee steht gegenwärtig zwischen Kumanowo und Uesküb. Kumanowo ist in den Händen der Serben. Heute nachmittag zwei Uhr wurde Sjenitza von den Serben eingenommen. Die Nachricht von der Einnahme Kirkkiliffes durch die Vulgaren rief in Belgrad große Freude hervor.
Die „Overhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme ber Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertefiahrlich durch die Post bezogen 2.25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus (Für unver- ffandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
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Deutsches Reich-
— Vom Kaiser. Weimar, 24. Okt. Der Kaiser mit Erfolge ist um lO1^ Uhr hier eingetroffen. Zum Empfang auf dem Bahnsteig hatten sich der Großherzog mit Gefolge, der zum Ehrendienst kommandierte Oberschloßhauptmann Graf Finck v. Finckenstein und der preußische Gesandte Gras Wedel eingefunden. Der Kaiser, der Hofjagduniform trug, begrüßte den Eroßherzog auf das herzlichste. Die Fürstlichkeiten begaben sich dann, vom Publikum lebhaft begrüßt, im Automobil durch die reichgeschmückte Stadt nach Ettersberg zur Fasanenjagd. Das Wetter ist schön. Nach Ettersberg hatten sich vom großherzoglichcn Schloß direkt begeben: die Großherzogin, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein mit Gemahlin und Prinz Albert von Sachsen-Weimar. Der Kaiser kehrte um 430 Uhr mit dem Großherzog, bet Erostherzogin und der Jagdgesellschaft nach Weimar zurück und nahm im Schloß Wohnung.
— Interpellation. Berlin, 24. Okt. Im Preußischen Abgeordnetenhause brachte die freikonservative Fraktion folgende Interpellation ein: Welche Maßnahmen gedenkt die Staatrcgicrung zur Entlastung der zahlreichen kommunalen, insbesondere mit Volksschullastcn überbürdeten Eiadt- und Landgemeinden, namentlich der mittleren und kleineren Städte zu ergreifen.
— Aus der bayrischen Kammer. München, 24. Okt. In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten kam es bei der Beratung der Anträge betr. die Verbefferung der Lohnveichältnisse der Staatsarbeiter zu lebhasten Debatten und gegen Schluß zu einer stürmischen Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten Dr. Orterer und den Rednern der Minderheilsparteien. Der so-, zialdemokratische Abgeordnete Roßhaupter war im Verlaufe der Erörterungen auf die seinerzeitige Rede des Verkehrsministers von Seidlein gegen den süddeutschen Eisenbahnernerband und die Sozialdemokratie zurückgekommen, in der der Minister bekanntlich erklärt hat, daß die Regierung den Eisenbahnarbeitcrn ein Koalitionsrecht im Sinne der Reichsgewerbeordnung und damit auch ein Streikrecht nicht zuerkennen könne. Abg. Roßhaupter betonte in seinen Ausführungen nachdrücklichst, daß die Sozialdemokratie das volle Koalitionsrecht und in Verbindung damit das Streikrccht für diese Arbeiter ausdrücklich reklamiere. Darauf nahm der Ver- kehrsminister v. Seidlein Veranlaffung, nochmals entschieden den Standpunkt der bayrischen Negierung zu wiederholen, daß sie auf keinen Fall den Eisenbabnarbeitern das Koalitionsrecht und Streikrecht zubilligen könne. Die Ausführungen des Ministers, denen das Zentrum zustimmte, wurden wiederholt von lärmenden Zwischenrufen der Sozialdemokraten unterbrochen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Auer, der an der Estrade des Präsidententisches stand, rief dabei dem Minister, als dieser bemerkte, daß der süddeutsche Eisenbahnerverband mit der Sozialdemokratie zusammenarbeite, wie dies aus den P:rhandlungen sich ergeben habe, zu: Das ist unerhört! Präsident Dr. v. Orierer erteilte da-
Berlmer Brief.
Nach längerem Aufenthalt in Rominten und Sabinen, in Hamburg, wo bie neuer standene Michaeliskirche eingeweiht würbe, und cn Wilhelmshaven, wo bas Denkmal bes Admirals von Coligny feierlich enthüllt würbe, ist bet Kaiser wieder in Berlin unb $5otsbam eingetragen, um am Geburtstag seiner Gemahlin zugegen zu sein. Das Hofionzert, das aus Anlaß- bet Geburtstagsfeier bet Kaiserin m Potsbam statt- fanb, erfuhr burch bie Mitwirkung eines berühmten auslanbifchen Gasten desonberen Glanz. Der König bet Tenöre unb preußische Kammetfangq» Enrico Caruso war nach Schluß seiner beutsch-österreichiichen Kunbretfe von Hamburg berübergefommen, um sich vor ben 3Jtajeftaten unb der gelabenen Gesellschaft hören zu laffen. — Ein Zahrhunbert zurück in bte deutsche Geschichte führt ein vaterländisches Schauspiel, bas mit Genehmigung bes Kaisers vorbereitet wirb unb bas bie Berliner halb in einem Lichtspieltheater sehen werben. All bie vielen, bte in »pree-Athen bte Rächt zum Tage machen, unb bie wenigen, bie „mit den Hühnern ausstehen", waten sehr erstaunt, als sie eines Morgens tn aller Frühe eine Anzahl von Feuerwehrleuten unb Arbeitern an der Ausschmückung des Triumphbogens und Errichtung von Tribünen am Brandenburger Tor beschäftigt sahen. Erst als einige Schutzleute erscheinen, fanb bas Rätsel feine Lösung: es gaR eine Aufnahme zu dem Film ,^D,e Königin Luise , unb was jetzt auf ber Platte festgehalten werben sollte, war bet Einzug i .bet unvergeßlichen Herrscherin in Berlin nach ihrer Vermahluna. Bald 1