Crites Blatt
47. Jahrg.
1912.
Marburg
Freitag. 18. Oktober
Zur Laxe auf dem Balkan.
Sofia, 16. Okt. Der türkische Geschäftsträger verlangte gestern abend seine Püffe. Die Mitglieder der türkischen Gesandtschaft reisen wahrscheinlich über Traribrod ab. Der Ministerrat wird über die Abberufung des bulgarischen Gesandten aus Konstantinopel die Bestimmung treffen.
K o n st a n t i n o p e l, 16. Okt. Die offiziöse „Ieni Eazetta schreibt, der Abbruch der diplomatischen Beziehungen bedeute keine Kriegserklärung. Die Türkei würde nur einer gleichstehenden Macht den Krieg erklären. Sie ziehe es deshalb vor, daß die Kriegserklärung von Bulgarien, Serbien und Griechenland au9= gehe. — Nach einer offiziösen Mitteilung hob die Pforte den früheren Beschluß des Ministerrats auf, daß kein griechisches Schiff freigegeben werden foll, und verfügte daß den Schiffen, die fremde Ladung haben, die Durchfahrt gestattet wird.
S a l o n i k, 16. Okt. Bedeutende türkische Verstärkungen sind nach Skutari unterwegs. Den türkischen Truppen gelang es, starke gegen Skutari vordringende montenegrinische Streitkräfte bei Tuzi zu schlagen und ihnen sehr schwere Verluste zuzufügen. Ein Versuch des Feindes, Skutari von der Seite des Bojanaflusies anzugreifen, wurde vereitelt. _ , . ,
Konstantinopel, 16. Okt. Der „Tanm" meldet, daß die gestern zu beendende Konzentration der bulgarischen Streitkräfte infolge Mangels an Transportmitteln erst in einigen Tagen abgeschlossen wird. Bulgarien zog seine Truppen 25 Kilometer von der Grenze ins Innere zurück und räumte mehrere Erenzblock- häuser unter Zurücklasiung von Vorposten.
Konstantinopel, 16. Okt. Meldungen aus türkischer Quelle zufolge sollen vier türkische Bataillone in der Gegend von Kraia 8000 Montenegriner zersprengt haben. Wie verlautet, erlitten die Montenegriner bedeutende Verluste; man spricht von 600 Toten.
Konstantinopel, 16. Okt. Vlättermekdungen zufolge bieten zahlreiche Ausländer der Türkei ihren Dienst als Freiwillige an. Die Pforte wird demnächst darüber entscheiden. Kiamil Pascha, der an den letzten Tagen häufig Unterredungen mit dem englichsen Botschafter Lowther gehabt hat, hatte auch gestern mit ihm eine lang« Unteredung, der man große Wichtigkeit bei- mitzt.
Das Reichspetroleum-Monopol.
4 Zu der Veröffentlichung in der „Norddeutlchen ^^emeinen Zei° taiw" über den Plan eines Petroleummonopols ist zurzeit natürlich nur Äustg und unter allem Vorbehalt Stellung zu nehmem Grundsätzlich kann man dem Monopolgedanken nicht abgeneigt sein. Auchistesnur als in höchstem Matze erwünscht zu bezeichnen, wenni es mirfhdj। «gjgj Mte unseren Petroleumverbrauch von dem Monopol der Stanvarv btt Company unabhängig zu machen. Es wird hier zuerst dar f kommen ob tatsächlich eine genügende Konkurrenz gegen die Amerika «schaffen werden kann; ist das nicht vollkommen sicher gesteNt so konnte ' Lirfit aus dem Regen in die Traufe kommen. Wir nehmen an, datz die Regierung dem Reichstage in dieser Beziehung vollkommene
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der Balkankrieg Hervorrufen könnte, standhalten werden. „
Rach der Veröffentlichung der „Norddeutschen Allgemeinen Bettung soll durch das Monopol in erster Linie ein billiger Preis für den »et. Taucher erzielt, nicht aber eine neue Einnahmequelle für das Reich durch Belastung des Verbrauchers geschaffen werden. Auch wir memeN' daß dem Monopol nur zuzustimmen sein wird, wenn dadurch tatsachllch V - teile für den Verbraucher dieses wichtigen allgemeinen Verbrauchsgeg standes geschaffen werden können. ,
1 Die Frage der Preisfestsetzung für den Verbraucher bietet aber große grundsätzliche und praktische Schwierigkeiten, deren Losung die Regierungsveröffentlichung auch nicht einmal andeutet. Gs sche,rck. datz gar nicht beabsichtigt ist, auch die Kleinhandelspreise »u regeln. Gerade diese stnd es aber, an denen allein der Verbraucher Interesse hat, und wenn das Reich einmal einen allgemeinen Derbrauchsgegenstand monopolisiert so wird es an einer entscheidenden Einflußnahme auf den Kleinhandelspreis gar nicht vorbeigehen können. So halten wir es für -felbverständlich, daß das Petroleum l°bald es Gegenstand eines Reichsmonopols ist, dem Verbraucher auf dem Dorf und in der der kleinen Stadt mögen diese auch weit vom Verkehr obliegen, zu den gleichen Be- dingungen zur Verfügung gestellt wird, wie dem Bewohner der Großstadt «nd derjenigen Sandelsorte, an denen sich die großen Niederlagen befinden. Wir verstehen daher nicht recht, die Regierung glaubt sich damit begnügen zu können, datz lediglich für die Entnahme des Leuchtöles „von den Tankanlagen" — also in den großen Hauptorten des Verkehrs - einheitliche Preise festgesetzt werden Es ist vielmehr ganz selbstverständlich, datz Maßnahmen notig sind, die sicher stellen, datz d-, --ch d.n o.t» d°. Prt-°I-»m « d.»
gleichen Bedingungen und Preisen erhalt wie der Kleinhändler inder Großstadt. Des weiteren wird man auch darauf bedacht sern muffen, den Kleinhandel selbst dagegen zu schützen, daß nicht die Vertr ebsgesell- schast oder mit ihr in Znteresiengemrinschaft stehende großkapitalistische Unternehmungen unter Ausnutzung der ihnen vom Reich gegebenen Machtstellung den Kleinhandel durch Privatmonopole ausschalten und den wichtigen Stand der Detaittisten ruinieren.
Das Petroleummonopol würde bekanntlich das erste Reichsmonopol fein. Deshalb ist die Art, wie fein Betrieb ausgestaltet wird von ganz besonders großer grundsätzlicher Bedeutung. In diesem Zusammen, hange erscheint es um so bedeutungsvoller, daß das Reich den Betrieb nicht selbst übernehmen, sondern einer großkapitalistischen Vertriebs- gesellschaft übertragen soll. Es wird für den Reichtag eine sehr ernste Aufgabe sein, zu prüfen, ob er dieser Absicht grundsätzlich zustimmen kann Selbst wenn das geschehen sollte, so wird weiter die schärfste Aufmerksamkeit notwendig sein, um zu verhindern, daß hier nicht wiederum dem Großkapital, oder noch richtiger gesagt, der kleinen Gruppe von Berliner Großbanken, die sich immer mehr zu Alleinherrschern un- seres gesamten Wirtschaftslebens herausbilden, monopolartige Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit rugewiesen werden. Von vornherein mutz zunächst verlangt werden, daß die Beteiligung an der Gründung der Vertriebsgesellschaft nicht auf einzeln« Großbanken beschränkt, sondern den weitesten Kreisen des Kapitals offen gehalten wird. Dann wird die Bemessung des Gewinnanteils einer sehr ernsten Prüfung bedürfen. Wenn es in der Veröffentlichung heisst. die Vertriebsgesellschaft von einer bestimmten Höhe des Preises an den landesüblichen Zinsfuß soll beziehen dürfen, so wird sich dagegen kaum etwas einwenden lasten. Allerdings beträgt der landesübliche Zinsfuß vier vom Hundert, und da dieser Satz für die Vertriebsgesellschaft infolge ihrer Monopolstellung so
Ter AnzeigeilpretS beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 4, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver- Kindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge- schlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
gut wie von Reichswegen garantiert ist, so gibt er den Aktien der V - triebsgesellschaft neben der weiteren Gewinnchance eine Srcheichert ah lich derjenigen der Reichspapiere, wendet also den Gründern schon emen ganz erheblichen Vorteil zu. Endlich aber scheint uns die Organisation der Vertriebsgesellschaft von der allergrößten Bedeutung zu fein. Hierbei heißt es besonders aufpasten, daß die nötigen Sicherheiten für eine Verwaltung der Vertriebsgesellschaft geschaffen werden, bet der die Interesten des Reiches und der Allgemeinheit nicht zu kurz kommen. Die Andeutungen der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" über das Auf- sichtsrecht des Reiches genügen in dieser Beziehung kaum. Ein Retchs- kommiffar, der nur Aufsichtsrechte hat, aber außerhalb ver Verwaltung steht, scheint keine glückliche Schöpfung zu sein. Er hat Verantwortung, aber keinen Einfluß. Es wird verlangt werden müsten, datz das Reich die Leitung der Verwaltung selbst in die Hand nimmt.
Im ganzen genommen, liegt hier ein hochinterestanter und bedeutsamer Schritt vor. Das Ziel — Schutz des Verbrauchers gegen ausländische Monopolgewalt bei Beteiligung des Reiches an dem Gewinn, der sich ohne wesentliche Mehrbelastung des Verbrauchers erzielen laßt — ist zu billigen. Das Urteil darüber, ob der Vorschlag der Regierung annehmbar erscheinen wird, mutz man sich vorbehalten, bis sich bester übersehen läßt, wie das Projekt im einzelnen aesialtet werden soll.
(Nachdruck verboten.)
„für Grrch".
Skizze von Ernst Georgy.
(Schluß.)
Frau Wedel sah blaß und still auf ihre Hände nieder. Ihre Freun- Mn nahm mitleidig für sie den Kampf aus. „Gehen Sie nicht viel zu weit, Fridchen?" fragte Frau Ziele. „Sie können Ihrem fleißigen, sparsamen Vater die Achtung nicht versagen. Und das stille Martyrium, das Mütterchen, so klaglos, so heldenhaft trägt, sollte gerade Ihre höchste Hochachtung erwecken!"
Frida warf den Kopf zurück: „Bei der Gefahr, die Ihre zu verlieren, will ich wahr bleiben; Tante Ziele. Mutter weiß, wie ich sie liebe; aber manchmal . . . manchmal habe ich schon bei mir gedacht, ich würde sie noch höher geachtet haben, wenn sie Vater beizeiten mit mehr Strenge «ngefatzt und erzogen hatte! Un» Kindern wäre jedenfalls vieles erspart geblieben." , . ,
„Das ist blutige Theorie. Ein Mann läßt sich nicht so leicht erziehen.
„Doch, Tante Ziele, wenn et aus Liebe geheiratet hat und feine Erwählte, wie unsere Mutter, von tadelloser Herkunft und wohlhabend ist, dann hat sie wohl einen festen Boden unter den Füßen und kann handeln." Frida schloß jäh und blickte die Mutter an, die sich erhoben hatte und hastig die Hutbänder zur Schleife knotete. x
„Du willst schon fort?"
„Ich kann dieses Philosophieren nicht länger mit anhoren, erwiderte sie „und überdies ist es höchste Zeit. Vater wird bald nach Hause lammen."
„So laß ihn ruhig warten."
„MU einem Fünsundsechziget mache ich keine Erziehungsversuche Mehrs — wirst du Sonntag bei un» essen?"
1914 den Gemeinden, die aus dem Ausland frisches, auch gefrorenes Fleisch einführen und zu angemestenem Preise an die Verbraucher abgeben, der Eingangszoll teilweise zurückerstattet werden foll. am 10. Oktober die Zustimmung des Bundesrats erteilt morde«. Aus der Begründung des Entwurfs ist folgendes bervorzuheben: Die Genehmigung, ausnahmsweise Fleisch ung Vieh aus bestimmten Ländern etnführen zu dürfen, soll nur für große Städte erteilt werden. Es sei nicht zu bezweifeln, daß die Maßnahme nicht allein in den beteiligten Städten selbst, sondern auch in einem mehr oder weniger wetten Umkreis zu einer Preissenkung führen werde. Anderseits sei nicht zu verkennen, daß die Mitwirkung für die Ge- meinden mit Schwierigkeiten verbunden ist. Daher bestehe da» Bedürfnis, den beteiligten Gemeinden jene Aufgabe tunlichst zu erleichtern und ebenso auch einem größeren Kreise noch anderer Gemeinden die Mitarbeit zu ermöglichen. Da die Gemeinden so im Interesse der Gesamtbevölkerung des Reichs tätig stnd, erscheine es gerechtfertigt, daß das Reich seinerseits dazu,beitrage, den Gemeinden den Bezug ausländischen Fleisches zu verbilligen. Dies könne, ohne daß dadurch der Zolltarif als solcher berührt tverde, durch teilweise Erstattung des für das eingeführte Fleisch entrichteten Zolles geschehen. Gleichzeitig mit der Zustimmung zu dem Gesetzentwurf erklärte der Bundesrat einstweilen sein Einverständnis mit den Erundzügen für die Bedingungen, unter denen d« Vergünstigung erteilt wird. Von diesen Erundzügen durften folgende von besonderem Interesse fein: Das Fleisch muß von Gemeinden für eigene Rechnung aus dem Auslande bezogen, ohne jeden Gewinn für die Eemeindekasse entweder an die Verbraucher selbst oder unter der Bedingung unmittelbaren Verkaufs an Verbraucher zu bestimmten Höchstpreisen abgegeben werden Die Gemeindebehörde setzt die von den Verbrauchern zu zahlenden Preise und die den Weiterverkäufern vorzuschreibenden Höchstpreise ftst, macht die Preise in den Verkaufsstellen öffentlich bekannt. Di- Absicht von der Zollerleichterung Gebrauch zu machen, hat die Gemeinde der zuständigen Zollbehörde unter Vorlegung einer Er- klärung über Festsetzung des Verkaufspreises mrtzuteilen. Die Zollbeträge können den Gemeinden für drei Monate ohne Bestellung einer Sicherheit gestundet werden.
Deutsches Reich-
_ Som Kaiser. Hamburg, 15. Okt. Der Kaiser wird am Sonnabend gegen V29 Uhr in Hamburg zur Einweihung de, großen St. Michaeliskirche eintreffen. Rach der Ankunft auf dem Dammtorbahnhos begibt sich der Kaiser zum Frühstuck nach der preußischen Gesandtschaft. Darauf beginnen die Einweihungsfeierlichkeiten in der St. Michaeliskirche. Rach den Feierlichkeiten wird sich der Kaiser nach dem Vorlesungsgebaude begeben und dor den Vortrag des Profesiors Dr. Meinhoff über „Die Bedeutung der experimentellen Phonetik für die Erforschung der afrikanischer Sprachen" anhören. An den Vortrag schließt sich ein ^esuch bei Vorlesungsgebäudes an.
— Abänderung der Eewerbenovelle. Berlin, 15 Oft. ffiw der „Deutsche Telegraph" authentisch "fahrt, sind seit langem Verhandlungen über eine radikale Abänderung der §§ A 147 u,w. der Eewerbenovelle gepflogen worden. S,e sind zur Zeit so weit fortgeschritten, daß man demnächst Genaueres darüber in der Oeffentlichkeit vernehmen dürfte. Die Erörterungen, d'e gegenwärtig im Reichsamt des Innern schweren, haben zum Ziele, den Alkobolvertrieb im Kleingewerbe im ganzen Reiche einer grua - legenden Reform zu unterziehen, weil man den Alkoholverbrauch in Deutschland überhaupt einschränken will. Es ist übrigens interessant, daß die erste Anregung, die im letzten Gründe di« Einführung des sogenannten Eotenburger Systems in Deutschlan) bezweckt, schon lange zuriickliegt und vom prcußnchen Minister: de. Innern ausging. Zur Zeit steht noch völlig dahin, ob es schot bald zur Vorlegung eines Ee^etzentwurfes^ommen^Mrr^^^
Er machte eine abwehrende Bewegung, „Latz wich! — Warum dies« nn ” GnäMe ihr, wie alles kam. Vielleicht versucht un ere Toch. Schonung, v ja, 9I u ^cr £anb kosend über
ben alktten Sattel der Gattin und entfernte sich schnell. Diese senkte erschauernd den Kops und zwei Tränen schlichen langsam sickernd Über bie Drauße?töbtt?/Herbststurm. Prasselnd schlug der Regen gegen die Scheiben In dem warmen, sauberen Wohnzimmer sitzen Mutter und Tochter mit ihren Handarbeiten am Tisch und sticken eifrig. ,,Ba er verlorenes Vermögen zu retten, monatelange Reisen machen muy. begann sie mit schwerem Atem. „Es ist nach cjne giau
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war es leider nicht. Darum hat Vater Oberhand gewonnen, darum ist er gallig und verbittert worden. Und darum habe ich feine kleinen Eigenheiten hingenommen. „
„Um unsertwillen, um uns den Vater und das Heim zu erhalten, sagte" die Tochter bang. Ihr Herz begann zu klopfen.
Frau Wedel sprach müde, unbetont weiter: „Auch wohl das! Ich hatte Vater aus Gehorsam, aber ohne Liebe geheiratet. Es war kurz nach Pauls Geburt, als ich in unfern Hausarzt den Mann fand, für den mich eine Leidenschaft erfaßte. Ich bat Vater, als er nach langem Fernsein endlich heimkehrte, um meine Freiheit. Zuerst hat er getobt, gezürnt wohl viele Wochen lang; aber dann hat er gesagt: »Du magst gehen, aber meine Kinder bleiben bei mir! — So bin auch ich geblieben.
„Und der andere ... der Arzt?" ..
„Er ist in die englischen Kolonien ausgewandert. Er war «w Idealist, ein Mensch, der nur einmal fein Gefühl fortgeben tonnte. Er
mtt Dem KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Saus" und »Landwirtschaftliche Beilage".
Politische Umschau.
» Die Teuervngsaktion der Regierung.
53 c r l i n, 16. Okt. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, ist dem Gesetzentwurf, wonach vom 1. Oktober 1812 bis zum 31. März
Auch Frida und Frau Ziele waren aufgestanden. „Wie wird Vater sein?" _ ,
„Das weiß ich nicht; aber ich hoffe, daß er sich freuen mtrb. Ich fühle, daß du ihm fehlst. Komme nur . . . auch um meinetwillen. Er soll nicht glauben, daß ich gegen ihn wühle!"
„Ich wollte, ich hätte meiner Mutter die unselige verblendete Liebe für meinen Vater aus dem Herzen reißen können, und sie wäre mit uns in einen stillen, kleinen Ort gezogen und hätte uns allein erzogen. Welch öde Jugend hätte sie uns erspart!" sagte die Zochter zu der Patin nach dem "Weggang der Mutter. „Eine Scheidung ist oft moralischer als ein Ausharren!"
„Glauben Sie, daß Ihr Schwager, der aus hohen Beamtenkreifen stammt und so bureaukratisch denkt, Ihre Aenne geheiratet hätte oder, daß Ihr Bruder Kadett geworden und als Offizier so glatt avancieren würde, wenn Ihre Eltern geschieden wären? Aber, Frida, auch für Sie ist das Elternhaus ein Halt; wenn Sie auch den Kopf schütteln. Glauben Sie mir. Nehmen Sic an, Vater hätte wieder geheiratet oder lebte allein, und Sie alle pendelten zwischen seiner und Ihrer Mutter Wohnung hin und her? Schrecklich wäre das!" sagte die alte Dame.
„Nicht schrecklicher als mein vernörgeltes Dasein, Zante Ziele. Nicht die großen, seltenen Stürme zermürben uns, sondern der Alltag. Sie können mich nicht überzeugen." Und fin ging in ihr Zimmer an die Korrektur ihrer Hefte.---
Frida Wedel fand ihren Vater alt und verfallen aussehend, als et mit knappstem Gruße am Zisch erschien. Schweigend verzehrte er seine Mahlzeit und ließ die beiden Damen plaudern. Erst als et feine Zigarre ansteckte und sich langsam erhob, öffnete er den Mund zum Sprechen. .Mutter sitzt den ganzen Zag allein. Ich dächte, du ziehst wieder zu uns. Warum läßt du sie büßen, wenn du mit mir grollst?" sagte er langsam. „Sie hat alles für euch geduldet. Für euch! Verstanden!"
„Aber, lieber Wilhelm," fiel fie ihm ins Wort.
Die Oberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- „’h 1 Der Bezugspreis beträgt tnerteliahrllch durch
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