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Jo 244

1912

Erstes Blatt

Belgrad gleichzeitig eine mit der bulgarischen übereinstimmenden Note überreicht. Der türkische Gesandte in Athen soll die Annahme der Note verweigert haben.

Griechenland und Kreta.

Athen, 15. Okt. Der genaue Inhalt der Erklärungen, die Veniselos in der griechischen Kammer über die kretische Verfastung abgegeben hat, ist folgender: Der Ministerpräsident erklärte, er würde sich mit einer radikalen Lösung der kretischen Frage nicht in isolierter Stellung befinden. Indessen, um nicht neue Schwie­rigkeiten zu schaffen und den Bemühungen um Erhaltung des all­gemeinen Friedens nicht entgegenzuarbeiten, vorausgesetzt, daß sich die Verhältnisse nicht bis zum Kriege entwickeln sollten, würde er sich mit einer neuen, vorübergehenden Lösung begnügen. Das internationale Statut würde, wie es von den Mächten geschaffen

Die Maßnahmen der Balkanstaate».

Saloniki, 15. Okt. Dem Drängen der Albanesen nach­gebend, welche um Ausrüstung mit modernen Waffen nachgesucht haben, damit sie an den Kämpfen gegen die Montenegriner und Serben intensiver als bisher sich beteiligen können, erteilte die Regierung die nötigen Anweisungen. Wie aus Uesküb gemeldet wird, werden weitere Albanesenscharen sofort nach dem Eintreffen von Munition an die meisten bedrohten Punkte der montenegrini­schen Grenze abgehen.

W i e n, 15. Okt. DieNeue Freie Presse" meldet aus Bel­grad: Heute wird das Regierungs-Communiquö folgenden In­halts verlautbart werden: Türkische Truppen haben die Grenze überschritten und sich auf serbischem Gebiet verschanzt. Sie wur­den im Laufe des Nachmittags zurückgeschlagen, wobei unsere Ver­luste sich auf zwei Tote und vier Verwundete beliefen. Die Regie­rung betrachtet diesen Ueberfall wohl nicht als einen Casus belli, aber als eine Provokation und einen Beweis der feindseligen Ge­sinnung der Türkei. Die Regierung ist gleichwohl entschlossen, in korrekter Reserviertheit die Antwort auf die gestrige Note abzu­warten.

Konstantinopel, 15. Okt. Die griechische und die ser­bische Regierung haben den Vertretern der Türkei in Athen und

ist, respektiert werden. Griechenland würde die Verwaltung bet Insel übernehmen und die kretischen Abgeordneten sollten zu« griechischen Parlament zugelassen werden. Aus dieser Formel, bt< die Kreter nicht befriedigt, muß man den Wunsch ersehen, de» Mächten gegenüber Entgegenkommen zu zeigen.

Weitere Aktionen der Mächte.

Paris, 15. Okt. DemTemps" wird aus Petersburg ge­meldet, der österreichisch-ungarische Botschafter habe gestern eine lange Unterredung mit Sasonow gehabt. Der Tempskorrespondent will von einer dem russischen Minister des Aeußern sehr nahestehen­den Persönlichkeit wissen, daß dieser von der Haltung Oesterreich- Ungarns befriedigt sei. Oesterreich-Ungarn habe keinerlei aggre­sive Absichten und sei bereit, mit den Großmächten an der Aufrecht­erhaltung des Status quo zu arbeiten.

P a r i s, 15. Okt. Ministerpräsident Poincars ist auch weiter­hin diplomatisch sehr tätig. Er bleibt mit den Vertretern der Großmächte im täglichen Verkehr. Heute empfing er die Botschaf­ter Oesterreich-Ungarns, Italiens und der Türkei, zweimal de» russischen Botschafter.

Paris, 15. Okt. Gegenüber den int Ausland verbreiteten Gerüchten, daß Poincar6 den Gedanken an eine international« Konferenz zur Lokalisierung un däußerst raschen Beendigung bei Valkanzwistes angeregt habe, erklärt betTemps" auf Grund zu« verlässiger Mitteilungen, daß Poincars einen derartigen Plan, der übrigens gegenwärtig verfrüht wäre, nicht formuliert habe. Der Mcinungsaustaufch zwischen den Mächten dauere fort und alle Vorschläge, die geeignet scheinen, den Balkanzwist zu loka­lisieren, seien der Reihe nach ins Auge gefaßt worden, doch habe sich die französische Regierung darauf beschränkt, den Kontakt zwischen den Großmächten, an dessen Herstellung sie von Anfang an ge­arbeitet habe, aufrechtzuerhalten.

K ö l n, 15. Okt. DieKölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Wie wir hören, bestätigt es sich, daß von Frankreich die Anregung zur Einberus ungein er Konferenz nach Konstantinopel ausgegangen ist. Wirglaubennicht, daß in dem gegenwär­tigen Zeitpunkte, wo der Krieg auf dem Balkan begonnen hat und die Ereignisie sich überstürzen, die Ausführung der Anregung mög­lich ist. Immerhin scheint es uns dankenswert, daß Frankreich von neuem einen Schritt unternimmt, der dazu beiträgt, bil Mächte nicht nur für den Augenblick, sondern auch für künftig« Möglichkeiten in ständiger Fühlung erhalten.

Die Feindseligkeiten.

Belgrad, 14. Okt. Die Agence Havas meldet: Der Erenz- kampf dauerte den ganzen Tag. Die dreitausend Mann starken türkischen Truppen eröffneten das Feuer gegen Ristovatz und be­setzten serbisches Gebiet längs der Grenze in einer Ausdehnung von fast vier Kilometer bis Eorgortogoch. Die serbischen Grenz­wachen suchten den Vormarsch der türkischen Streitkräfte durch Ee- wehrfeuer aufzuhalten. Die Verluste der Serben betragen 24 Tote und 4 Verwundete. Offizielle Kreise drücken ihr Erstaunen über den plötzlichen Angriff aus, den sie als provokatorisch hinstcllen. Die Regierung erklärt, sie werde sich auf die Dcsensive beschränken und die Offensive nur dann ergreifen, wenn der Einfall größeren Umfang annehme.

Sofia, 14. Okt. Gestern abend griffen etwa 500 türkische Soldaten westlich von Tscbujurkoej im Bezirk Tamrasch den dort befindlichen bulgarischen Posten an. Die wenigen bulgarischen Erenzwachsoldaten zogen sich infolge der ihnen erteilten Weisung, nm jeden Zwischenfall zu vermeiden, ohne Verluste zurück.

Konstantinopel, 15. Okt. Gestern abend 9 Uhr hier eingegangene amtliche Meldungen von türkischen Kämpfen an der montenegrinischen Grenze besagen: Die Türken erhielten Verstär­kungen. In der Gegend von Eusigne ergriffen sie die Offensive und schlugen die Montenegriner zurück. Die Montenegriner hat­ten große Verluste. Das Gefecht bei Berane dauert fort. Ein türkisches Detachement bei Tust leistete hartnäckigen Widerstand gegen zwei montenegrinische Divisionen, die durch Malisioren ver­stärkt wurden. Zwei türkische Majore fielen. Die Schlacht bek Krania endete mit einer Niederlage der Montenegriner. Ein tür­kischer Offizier ist gefallen. Wie halbamtlich verlautet, überschrit­ten die Serben bei Plevlje Novibazar die Grenze. Die im Lande befindlichen Serben verstärkten die serbischen Truppen. Die Ge­fechte endeten mit einem Erfolg der Türken.

Wien, 15. Okt. Das Wiener Korrespondenz-Bureau meldet aus Saloniki vom 14. Oktober: Eine Nachricht ans Bojanowac be­sagt, daß heute von der serbischen Grenze her neuer Kanonendon­ner vernommen wurde, woraus man schloß, daß die Serben die Offensive ergriffen haben. Später stellte es sich heraus, daß eine starke serbische Bande in der Ortschaft Kratowo und in der Um­gebung Bomben geworfen hatten, deren Detonation für Kanonen­donner gehalten worden war. Die Türkei schob an keinem Punkte der serbischen Grenze die Truppen direkt an die Grenze vor, sonder» hat dort die gewöhnlichen Grenzwachen belasten. Somit ist eine Absicht der Türken, die Serben zu provozieren, ausgeschlosten.

Berlin, 15. Okt. Die Nachrichten türkischer Blätter, »ach welchen seitens der Bulgaren Grausamkeiten gegen Mohammeda­ner begangen worden sein, werden von der Berliner bulgarischen Gesandtschaft kategorisch dementiert. Diese Nachrichten beruhe» auf Verleumdung. Zn Bulgarien herrscht auch jetzt nach der Mo­bilisation, genau wie vorher, die größte Ruhe und Ordnung; alle Bürger ohne Unterschied der Religion und der Nationalität ge­nießen die volle Freiheit.

Ceti »je, 15. Okt. Die erste offizielle Verlustliste gibt bie*. Tote» unb Verwundeten auf beide» Seite» auf 1440 an. 650 typ-

Das Attentat aus Roosevelt.

Wie bereits gestern kurz gemeldet, ist es bei den amerikani­schen Wahlkämpfen jetzt sogar zu einem Nevolverschntz gekommen. Als Roosevelt am 14. abends in Milwaukee eintraf, um eine Wahlrede zu halten, feuerte ein Mann auf der Straße gegen den Expräsidenten einen Revolverschuß ab, der Roosevelt an der linken Brustseite verletzte. Der Täter gab an, er heiße John Schrank und sei in Bayern geboren. Er ist anscheinend irrsinnig, in seinen Taschen wurden sinnlose Notizen gesunden, die u. a. Proteste gegen die dritte Präsidentschastskandidatur Roosevelts enthalten. Der Geist McKinleys leite ibn. Es fanden sich auch die deutsch geschriebenen Worte: Ein feste Burg ist unser Gott. Roosevelt stand im Auto, um zu einer Versammlung zu fahren, als Schrank den Revolver abseuerte. Sofort ertönte aus der Menge der RufLyncht ihn!" Auf Roosevelts Zurufe trat die

Marburg

Donnerstag, 17. Oktober

Dos Cpiel kann beginnen.

Wie wir an anderer Stelle berichten, hat die Türkei jetzt vurch den Friedensschluß mit Italien freie Hand bekommen. Es ist daher nicht überraschend, daß sie nun ihrerseits die zögernde Haltung aufgibt und endlich dem provozierenden Vorgehen der Balkanstaaten energisch entgegentritt. Sie hat auf den Kollcktio- fchritt der Mächte diesen eine Rote überreichen lasten, in der sie die verlangten Reformen in der europäischen Türkei zusagt, die sie jedochaußerhalb jeder fremden Einmischung anzuwenden be­absichtigt". Wenn das bisher noch nicht mit dem gewünschten Erfolge geschehen sei, so liege das an dem Zustand der Unruhe und Unsicherheit, der durch Attentate aus dem Herde der Agitation, deren wirklicher Zweck keinerlei Zweifel unterliege, verursacht sei. Zum Schluß beschwert sich die Türkei, daß manche Bestimmung des Berliner Vertrags eine Ausführung erhalten habe,die weder dem Buchstaben, noch dem Geist, der sie diktiert hätte, billig ent­sprach,. so daß die ottomanischen Jnteresten in mehreren Fällen schwer verletzt worden sind". Im übrigen wäre es im höchsten Grade ungerecht, aus früheren Nachlässigkeiten, sowie den mehr oder weniger systematischen und dem anderen Regime anhaftenden Winkelzügen zu schließen, daß das konstitutionelle ottomanische Reich von heute nicht logischerweise entschlosten und imstande wäre, mit den Irrtümern der Vergangenheit endgültig zu brechen und einen gewißen Zweifel an dieser Einsicht zum Anlaß zu nehmen, um andere Maßnahmen zu suchen, als jene, die allein mit dem wohlverstandenen Jntereste des Landes und der Bevöl­kerung selbst vereinbar sind.

Nachdem die Pforte dergestalt den Schritt der Mächte beant­wortet hat, ist sie dazu Lbergegangen, aus dem Verhalten der Balkanstaaten die Konsequenzen zu ziehen. Sie beschloß wie heute morgen bereits durch Sonderausgabe mitgeteilt, ihre Gesandten in Sofia, Belgrad und Athen abzu- berufen und nur einen Sekretär zur Bewachung der Archive zurückzulasten. Diese Maßnahme für Sofia und Belgrad wird damit gerechtfertigt, daß Bulgarien und Serbien die bekannte Note übermittelten, für Athen, daß Griechenland die kretischen Abgeordneten in der Kammer zuließ. Der türkische Minister des Aeußern verließ auf einen Augenblick den Ministerrat, um den Gesandten zu telegraphieren, daß sie die Hauptstädte verlosten. Zn später Abendstunde hat dann auch der türkische Gesandte in Bel­grad, ohne die Zustellung seiner Päste abzuwarten, Belgrad ver­gasten. Die Balkangesandten in Konstantinopel reisen erst mor­gen ab. Damit wird der letzte Schritt getan sein. Die Uebsr- reichung der offiziellen Kriegserklärung ist dann nur noch eine Formsache. Daran ändern auch die neuen Versuche Poincarös, ein neues gemeinsames Vorgehen der Märyte in die Wege zu leiten, Nichts. Wie wir weiter unten berichten, verspricht man sich in maßgebenden Kreisen davon auch nicht viel. Und das mit Recht. Verlangt kann nur werden, daß alle Mächte in diesem Kriege strikteste Neutralität bewahren. Deutschland wird es sicherlich tun, wenn auch was wohl unbestritten ist die Sympathien seiner Bevölkerung auf Seiten der Türkei sein werden.

Ter Friede geschlossen.

Endlich ist das lang erwartete eingetreten. Der Friede zwischen Italien iu* der Türkei ist geschloßen und das Osmanenreich hat nun die ihm nötige Bewegungsfreiheit, um den angreifenden Balkanstaaten mit aller Macht entgegentreten zu können. Ein gestern Nacht einge­laufenes, von uns heute Morgen durch Sonderausgabe veröffentlichtes Telegramm lautet:

Rom. 16. Okt. DieAgenzia Stesani" meldet: Sestern abend g Uhr sind die Friedenspräliminarien zwischen Italien unb der Türkei in Ouchy unterzeichnet. . . m

Einige Stunden vorher noch erklärte dieTribuna in Rom, sie «olle über die ungenauen Veröffentlichungen ihrer Darstellung über den Lauf der Ereigniße während der Vorbesprechungen in Ouchy Aufschluß geben und schreibt: Nachdem sich die Verhandlungen sechs Wochen hin­gezogen hatten, hat die italienische Regierung ihren Vertrauensleuten die Anweisung gegeben, den türkischen Vertrauensleuten mitzuteilen, daß sie glaube, jeder Streitpunkt sei behandelt worden und ein weiteres Verhandeln sei überflüssig. Sie glaube deshalb, daß es im Jntereste des Friedens selbst nötig sei, eine Frist zu stellen, innerhalb welcher die Verhandlungen abgebrochen oder abgeschlossen werden müßten. Sie schlug daher eine Frist von acht Tagen vor, die angenommen wurde. Reschid Pascha wurde darauf sofort nach Ouchy geschickt. Man arbeitete eifrig und das Memorandum, das als Basis für den Friedensvertrag dienen sollte, wurde redigiert, worauf Reschid Pascha abreiste, um es seiner Regierung zur endgiltigen Genehmigung zu unterbreiten. Da die Bewegung auf dem Balkan die Uebermittelung der Depeschen und die Reise Reschid Pascha «srzögerte, willigte man in eine Verlängerung der Frist um zwei Tage. Alles dies ging in diplomatischer normaler und korrekter Weise vor sich. Aber auf einmal legte die türkische Regie­rung andere Vorschläge vor, die das ganze Abkommen über den Haufen warfen. In diesem Augenblick stellte die italienische Regierung ihr erstes und einziges Ultimatum auf Annahme oder Ablehnung der Frie­densbedingungen. Sie traf gleichzeitig alle Maßnahmen, daß die Flotte sofort in Tätigkeit treten konnte. Angesichts der unsinnigen Forder­ungen der Türkei, die darauf abzielten, die Ausführung eines Teils der vereinbarten Bedingungen hinauszuschieben, hätte man die Verhand­lungen sofort abbrechen können. Die italienische Regierung hat aber die korrekte und wirksamere Form eines Ultimatums vorgezogen, auch in der Absicht, sich in diplomatischer Hinsicht den Mächten und der inter­nationalen öffentlichen Meinung gegenüber in eine stärkere Stellung zu bringen.

Menge zurück und der Täter wurde verhaftet. Roosevelt fuhr wei­ter. Unterwegs erst wurde das Kugelloch im Ueberrock entdeckt. Als Roosevelt hinfaßte, war die Hand mit Blut befleckt. In der Versammlung sprach Roosevelt, stürmisch begrüßt, über eine Stunde. Der Vorsitzende der Versammlung machte bekannt, Roose­velt habe eine Kugel im Leibe. Roosevelt sagte:Ich kümmere mich keinen Deut darum, ob ich angeschoßen bin. Es ist schon mehr nötig, um denElchbullen" zu töten. Ich habe jetzt eine Kugel in mir und kann keine lange Rede halten." Bei diesen Worten knöpfte er die Weste auf und zeigte sein blutbeflecktes Hemd.Ich habe zu viel wichtige Dinge im Kopf, um mich um den eigenen Tod zu kümmern. Keiner führte ein glücklicheres Leben als ich. Der Täter war ein Feigling. Er schoß auf mich aus der Dunkelheit, als ich die Menge begrüßte. Es ist sehr natürlich, daß schwache ver­derbte Gemüter zu Gewalttätigkeiten aufgereizt werden durch die schmutzige Verlogenheit und Beschimpfung, wie sie seit drei Mo­naten gegen mich angewendet wird nicht nur von den Blättern, die die Jnteresten des sozialistischen Kandidaten Debs vertreten, son­dern auch von denen, die die Jnteresten Wilsons und Tafts ver­treten."

mit uem Kreisblatt für die Kreise Marburg unb Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Mrs Haus« und .MndwtrtschaWche Beilage«.

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