vom
M
•■-#■'
-■>■*’ =V
<:?/ t:
SM M
* söShiäl
f.. ■
HW^ '.Li-'t UHLMLöi
Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
mit oem
Ter Anzeigenpreis beträgt füt die 7gespaltene Zeile ober
e -m/w £x j j die Post bezogen 2.26 <4 lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellcn
Jyo 241 und der Expedition (Markt 21) 2.00 * frei in» Haus. (Für unver.
langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
1912.
Rr.
Nr.
Nr.
Nr.
Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch
Mächte von der öffentlich angekündigten Absicht der türkischen Regierung Kenntnis nehmen, Reformen im Sinne des Artikels 23 des Berliner Vertrages und des Gesetzes von 1880 einzuführen, Reformen, welche die Verwaltung in der europäischen Türkei zuläßt und Maßregeln, die geeignet sind, eine Verwirklichung im Interesse der Bevölkerung zu sichern, wobei es sich versteht, daß die Reformen die territoriale Integrität des ottomanischen Kaiserreiches nicht antasten. Die Mächte werden die Reformen unverzüglich mit der Pforte beraten.
Sofia, 11. Okt. lieber den Inhalt der Antwortnote der Balkanstaaten auf die österreichisch-russische Demarche ist bisher volle Einmütigkeit nicht erzielt worden. Man glaubt, die Antwort erfolge erst morgen. In unterrichteten Kreisen verlautet, die Antwort soll u. a. die Forderung einer administrativen Autonomie für alle europäischen Vilajets sowie einer gemeinsamen Kontrolle der Großmächte enthalten. Die Forderungen dürften gleichzeitig durch eine Rote der Türkei mitgeteilt werden, worauf nach einigen Tagen das Ultimatum abgehen dürfte.
Konstantinopel, 11. Okt. Wie die Blätter melden, hat der gestrige Ministerrat von den wichtigsten Depeschen der türkischen Botschafter in Wien, Paris, Petersburg und London Kenntnis genommen. Er übermittelten den Botschaftern die uö-
1: Venizelos, der griechische Ministerpräsident,
2: Nikolaus.Pasitsch, serisicher Ministerpräsident,
3: General Nikiforoff, bulgarischer Kriegsminister.
4: Ahmed Mukhtar Pascha, der türkische Eroßwesir.
tigen Instruktionen. Der Minister des Aeußern erklärte dem Redakteur eines armenischen Blattes, im Bedarfsfälle würden alle Männer bis zu 45 Jahren und auch darüber eingezogeil werden. Gestern sind hier zahlreiche Mohammedaner aus Bulgarien ein- getroffen.
Wien, 11. Okt. Nach der „Neuen Freien Presse" erzählte gestern in einer Pause im gemeinsamen Finanzministerium Finanzminister Vilinski einer Gruppe von Politikern und hohen Militärs, er habe die authentische Mitteilung erhalten, daß die Moetenegriner eine empfindliche Niederlage durch die Türken erlitten hätten. Hohe Offiziere bestätigen, daß die bestimmte Meldung über eine schwere Niederlage der Montenegriner vorliege. Die Schlappe sei darauf zurückzuführeii. daß die Montenegriner mit großer Hast die Munition verschossen und infolgedessen den Kampf nicht weiterführen konnten.
Podgoritza, 10. Okt. (Amtliche montenegrinische Meldung.) Die Montenegriner nahmen gestern abend die türkische Befestigung Schipcanik zwischen Detschitsch und der Stadt Tuzi im Sturm. Sie beherrschen jetzt vollständig diese Stadt. Die beiden Gegner gaben große Beweise von Heldenmut. Sei den Montenegrinern herrscht freudige Stimmung wegen der beiden glänzenden Siege von Detschitsch und Schipcanik. Die Maliksore» kämpften auf ihrer Seite mit viel Aufopferung. Spät abends empfing der
König im Hauptquartier den türkischen Kommandanten von Detschitsch, der mit seinen Soldaten nach Podgoritza gebracht wurde.
Kon antinopel, 11. Okt. Nach Mitteilungen des Kriegsministeriums wiesen die türkischen Truppen die Angriffe der Bulgaren auf das Blockhaus Soghondjak Vanik im Bezirk Despad zurück. Die Bulgaren verstärkten ihre Stellungen bei Mevdondtepe und Padiyourda im Bezirk Tunrach. Dir Türken ergriffen entsprechende Maßnahmen. In der Nacht zum 8. d. M. griffen die Griechen die türkische Stellung bei Louparintza int Bezirk Diskata an. Nachrichten über den Ausgang des Gefechtes fehlen.
Paris, 11. Okt. Graf Berchtold hat die französische Regierung nicht darüber im unklaren gelassen, daß die habsburgische Monarchie für den Fall, daß Serbien oder Montenegro den Sandschak Novibazar ebenfalls in den Kriegsschauplatz hineinziehen wollten, nicht zögern werde, dieses Gebiet neuerdings zu besetzen, selbstverständlich nur so lange die Kriegsgefahr andauert. Daraufhin haben sich sowohl der Ministervräsident Poine-rä als auch der russische Minister Sasonow mit einer solchen Maßnahme der habsburgischen Monarchie einverstanden erklärt.
N e w y o r k, 11. Okt. Die Firma I. P. Morgan & Co. lehnt sowohl eine Bestätigung als eine Ableugnung des Gerüchts, daß die Türkei durch sie eine Anleihe von 30 Millionen oder darüber abzuichließen versucht habe, ab. Man nimmt an, daß die Unterhandlungen wahrscheinlich durch den Londoner Vertreter der Firma geführt wurden.
Berlin, 11. Okt. Die ,.B. Z." meldet aus Sofia: Der König und die Prinzen haben sich am 10. Oktober in das La-er von Philippopel begeben.
Zur Lage auf dem Balkan.
• Die kaleidoskopartig wechselnden Bilder, die sich aus den Nachrichten vom Balkan ergeben, weisen einen gemeinsamen Zug auf: Die steigende Gewißheit, daß die Entscheidung der Frage, ob es zu einem wirklichen Balkankrieg kommen wird oder nicht, Levorsteht. Man ist sich noch im Unklaren darüber, ob man die montenegrinische Kriegserklärung als eine „Extratour" König Nikitas ansehen soll, oder ob sie einen Schachzug des eigentlichen Dirigenten des Balkanvierbundes, des Königs Ferdinand von Bulgarien, darstellt. Das Zögern der drei anderen Mitglieder des Vierbundes, dem Vorgehen des Herrn der „Schwarzen Berge" zu folgen, währt eigentlich schon zu lange, um diese zweite Annahme erklärlich erscheinen zu lassen, so daß die Ansicht viel für sich hat, König Nikita habe seinem Ehrgeiz die Zügel schießen lassen und geglaubt, eine „historische Mission" erfüllen zu muffen, indem er alle Diplomatenkünste durch einen Kanonenschuß durchkreuzte. Für diese Annahme spricht übrigens auch die ziemlich theattralische Aufmachung, mit der dieser Akt inszeniert wurde, eine Aufmachung, die stark an den Kanonenschuß erinnert, mit dem dereinst der unglückliche Prinz Lulu den Krieg Frankreichs gegen Deutschland eröffnete. Anzwischen sind Montenegriner und Türken schon scharf aneinander geraten; an zwei oder gar drei Stellen an der türkisch-montenegrinischen Grenze haben Gefechte stattgefunden, mit der m merkwürdigen Ergebnis, daß sich beide beteiligten Seiten den Sieg zuschreiben. Aber auch an der bul- garich-türkischen und griechisch-türkischen Grenze ist es zu Zusammenstößen der Gegner gekommen. Wenn die Diplomaten auch geneigt scheinen, diese Zusammenstöße den seit langem dort unten üblichen Grenzplänkeleien anzureihen, so läßt sich doch nicht ver; kennen, daß derartige „Plänkeleien" unter den jetzigen Verhältnissen einen bedenklicheren Charakter tragen als sonst. Sie erhöhen die kriegerische Stimmung und erschweren der Stimme der Vernunft das Werk, die aufgeregten Gemüter zur Besonnenheit, zurückzuführen. Die Großmächte mühen sich aber immer noch ab, dieser Stimme der Vernunft Geltung zu verschaffen. Sie lassen nicht nur durch ihre Vertreter den Balkanstaaten fortgesetzt gut zureden, sondern haben auch in Konstantinopel den angekündigten gemeinsamen Schritt zur Herbeiführung von Reformen in den europäischen Wilajets unternommen, freilich in Anbetracht des bereits von der Pforte bekundeten Entgegenkommens in ziemlich zarter Form und nicht ohne Zusicherung der territorialen Integrität der Türkei. Ob diese Bemühungen der Mächte noch den Erfolg haben werden, Bulgarien, Serbien und Griechenland endgültig von der Nachahmung des montenegrinischen Abenteuers abzuhalten, wird sich sehr bald zeigen. Viel wird von der Stellungnahme der Pforte abhängen, aber nicht alles, denn die Stimmung in den Balkanstaaten ist auf das höchste gespannt. Alles drängt der Entscheidung zu, die in kürzester Frist fallen muß. Daß die Tragweite dieser Entscheidung weit über die Grenzen der Balkan- Halbinsel hinausreichen wird, bedarf kaum noch der Betonung.
* * *
Paris, 11. Okt. Zur Balkankrisis schreibt der „Matin"? Wenn der Krieg ausbricht, so trägt England den größten Teil der Verantwortung dafür. In Sofia, Athen und Belgrad erklärt man, daß der Krieg zu vermeiden wäre, wenn die Mächte selbst in Makedonien eine der westlichen Zivilisation entsprechende Lage schafften. Aber damit die Mächte tatkräftig vorgehen und ihren Willen bei der Pforte durchsetzen können, ist ein völliges Einvernehmen unter ihnen notwendig. Wir wissen, daß England diesem Einvernehmen Hindernisse in den Weg legt unter dem Vorgeben, daß es 80 Millionen mohammedanischer Untertanen in Indien besitze und deshalb die Türkei schonend behandeln müsse. — Demselben Blatt wird aus Sofia gemeldet: Der Beschluß der verbündeten Valkanstaaten, die Mobilisierung anzuordnen, sei dadurch veranlaßt worden, daß der türkische Minister des Aeußern, Foradunghian, dem bulgarischen Gesandten auf die Frage, warum die Türkei 50 000 Mann mobilisiere, die Antwort erteilt habe: „Wir werden nicht 50 000 Mann, sondern 100 000 Mann mobilisieren, und ich hoffe, daß das auf Herrn Eeschow beruhigend wirken wird."
W i e n, 11. Okt. Nach in Krakau eingetroffenen Meldungen aus Warschau beginnt heute die Mobilisierung im ganzen Gebiet der Donkosaken. Die Behörden sollen angewieesn fein, die Mobilisierung auf das rascheste durchzuführen, da die Heeresleitung beabsichtige, in einet Woche alle Kosakenregimenter nach Russisch- Polen zu dirigieren.
W i e n, 10. Oft. Aus Petersburg ist die Nachricht eingetrof- fen, Kaiser Nikolaus soll dem englischen Botschafter in Petersburg gesagt haben, daß im Falle des Krieges Rußland den Valkanstaaten nicht entgegentreten werde, wenn sie eine Eebietsvergröße- tung auf Kosten der Türkei forberif sollten.
Rom, 11. Oft. Wie von der „Agenzia Stefani" amtlich gemeldet wird, hat das erste Geschwader, welches unter dem Befehl des Admirals Male sich in den italienischen Gewässern befindet, Befehl erhalten, sich zur Abfahrt in das ägäische Meer bereit zu halten.
Konstantinopel, 11. Okt. Die der Pforte von den Mächten zugegangene Note besagt: Die Botschafter sind von ihren Regierungen beauftragt, der Pforte mitzuteilen, daß die fünf
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage'
3. Deniscker SsHnenbaerirfi^ten
S. & H. Frankfurt, 11. Okt.
In den fortgesetzten Beratungen des 3. Deutschen Iugendgerichts- taqcs erstattete Prof. Dr. Graf Eleispach (Prag) ein Referat über „Straf- und Erziehungsmittel im einzelnen, ihre Anwendung und Organisation". Er stellte eine Reihe von Leitsätzen auf, in welchen er u. a. für das Strafgesetz 3 Altersstufen, Unzulänglichkeit des Strafverfahrens gegen Kinder verlangt und die Bedingungen der Straffreiheit für geistig Minderwertige und für Jugendliche usw. festgelegt wissen will. — Erläuternd bemerkte der Referent hierzu, daß um die Jahrhundertwende fast alle Kulturstaateu der Kriminalität und Verwahrlosung der Jugend in anderer SVeise als bisher entgegengetreten feien, entweder durch allgemeine Strafbestimmungen oder durch besondere Gesetze. Die meisten Reformen haben die Vereinigten Staaten vorgenommen, auch England hat sein Jugendgericht wesentlich vervollkommnet. Deutschland habe auf dem Gebiet der Jugendfürsorge Hervorragendes geleistet, die Reform des Strafrechts habe es aber noch nachzuholen. Die Notwendigkeit hierfür werde von keiner Seite bezweifelt, aber auch nicht die Dringlichkeit der Aufgabe. Die undiskutable Prügelstrafe werde am besten durch Totschweigen erledigt. — Auch der zweite und dritte Referent zu dem gleichen Thema stellten Leitsätze auf, die sich in den Erundzügen mit jenen des ersten Referenten decken. Amtsgerichtsrat Allmenröder (Frankfurt > verlangte u. a. ein Reichsfürsorgegesetz und Jugendgericht in der be>endern Form der Personalunion von Iugendstrafrichter und Vor- mundfchaftsrichter. — Pastor Backhausen (Hannover) befaßte sich in erster Linie mit der Frage der Heraufsetzung der Strafmündigkeit und schlug als Erziehungsmittel u. a. vor den Verweis, die Erziehungsaufsicht durch Zugendbeamte, Trennung von der bisherigen Umgebung und Unterbringung in einer Familie und schließlich Unterbringung in einer staatlich beaufsichtigten Erziehungsanstalt: die Stoatsanwaltschaftt soll« oft aus Antrag des Jugendamtes (dem Vormundschafts- und Jugendrichter io einer Person) eingreifen. — Der Vorsitzende Dr. Kähne, Amtsgerichts- rat in Berlin, dankte den Referenten und bedauerte, daß der ärztlich« Stand bei den Beratungen nicht vertreten gewesen sei, was seinen Grund lediglich in ökonomischen Rücksichten gehabt habe. — In der Diskussion hob Frau Generalkonsul Nisen (Berlin) den außerordentlichen Wert der Kinderhort« hervor, die sehr viel zur Verminderung der Kriminalität, bet Jugendlichen beitragen könnten: der Grund der fortschreitenden Krt-
Marbnrg
Sonillaq, 13 Oktober
Reichsveibandslao MW SWie.
S. & H. Berlin, 11. Okt.
Die heutiae zweite Sitzung des Reichsverbandes deutscher Städte eröffnete der Vorsitzende Bürgermeister Saakmann (Pleß) mit der Mitteilung daß folgender Drmglickkeft-gn'r-"3 ->-erwnoen fei: ..Der Reichsverband deutscher Städte mell? seinen Voland beaustroaen. unverzüglich non neuern Schritte ?tt unternehmen, die oeeianet erscheinen, die ans Ansatz der Ne'^oaltuna^reiorm ('«'»■••regte Nebertroa"na der Staatsaufsicht über die kreisangehörigen Stöbt» a"f die Landröte zu verhindern und den Munich der kreisangehöriaen Stöbt« oller Provinzen auf Kleich- stelluna mit den selbständigen Strafen der V-ovinz Hannover ru verwirklichen". — Chefarzt Dr. Vieleck sReel"-> 'nre.ch hierauf über „Das Krankenhaus der kleinen Städte“. - Erster Niirqermei^er Dr. Vigeliu- (Gollnow i. Vom.) behandelte die ..Beladung der Kommunen mii Reichs- und 6tatsgef<6öften“. Die stetig wnebmonde Belastung der Ge> meinben macke es notwendig, daß den Gemeinden für b!» Erledigung aller Geschäfte, die sie für das Reick beim, den Staat zu leisten haben, eine angemessen» Vergütung gewährt wirb. Den Gemeinden ist Porto- ftciheit 31t gewähren, soweit es sich nm Reichs- oder S'ao*-e-scköfte handelt. Die Mitgliederversammlung beauftragte den Vorstand. in diesem Sinne vorstellig zu werden. Meiler stand auf der Tagesordnung der Versammlung das Thema ..Eeneralvormundschaft und Bernisvorwund- sckaft". Der Referent Stadtrat Twiste! (Zoppatl stellt- sich tn seinen Leitsätzen auf den Standvnnft, daß die allgemeine Einftihrnng der Be- rufsvormundsckaft ein geeignetes Mittel sei zur Stefämnhing der mannigfachen Gefahren, welche die Erziehung der unehelichen und der auf össeni- licke Kosten zu unterhaltenden Minderjährigen zu gehindert und guten Men-cken bedrohen. — Die Versammlung war im wesentlichen mit den Ausführungen ber Referenten einverstanden. Rack Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Tagung geschloffen.
deren Raum 15 4, bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für in
Reklamen die Zeile 60 4. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. x)**y*ö' Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenoorschrift und Beleglieferung ausge- jchloffen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt 0 M.