mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Ter Anzetgenprei» beträgt für die 7gespaltene geile oder
1912
Erstes Blatt
ermöglichen.
. Die Mächte.
sich nach Skutari. Nach der Angabe verwundeter Bauern sind zahlreiche Frauen und Kinder von den Montenegrinern erschlagen worden. Der Lloyddampfer „Skutari" wurde auf der Fahrt von Bojana nach Cattaro eine Stunde lang von den Montenegrinern mit Eewehrfeuer beschaffen. Auch Granaten schlugen 50 Meter von dem Dampfer ein. Skutari ist von den Türken befestigt worden.
L o n d o n, 10. Okt. Heber das gestrige Gefecht bei Podgoritza meldet das Reutersche Büro folgende Einzelheiten. Um 8 Uhr morgens feuerte von der montenegrinischen Stellung der jüngste Sohn des Königs, Artilleriekapitän Prinz Peter, das erste Geschütz auf die türkische Stellung ab. Die Musik spielte im Hauptquartier die montenegrinische Hymne. Nachdem die Türken aus ihrer Stellung auf dem Berge Plamiyitza vertrieben waren, rückten die Montenegriner unter dem Schutze ihres Geschützfeuers langsam gegen den stark befestigten türkischen Berg Detschitsch vor, welcher die Straße nach Skutari beherrscht. Um 2 Uhr nachmittags landeten die Türken Truppen am Ufer des Skutarisees unweit der montenegrinischen Grenze. Es entwickelte sich ein Kampf, welcher auf der ganzen Front bis abends andauerte. Der König war vormittags mit dem Prinzen Mirko und seinem Stab auf einen bei Podgoritza gelegenen Berg geritten und später ins Hauptquartier zuriickgekehrt, wohin mittags auch Kronprinz Danilo, welcher der Oberbefehlshaber ist, und Prinz Peter zurückkehrten, um mit dem Vater zu beraten
Konstantinopel, 10. Okt. Der deutsche Botschafter bot der Pforte einen Teil des Botschaftspalais in Pera zur Unterbringung der Verwundeten an. Die Pforte nahm das Anerbieten dankend an. . . x ,
Paris, 10. Okt. Nach einer Blättermeldung aus ^Toulon erhielten die Panzerkreuzer „ß&m Eambetta", „Victor Hugo" und „Jules Ferry" Befehl, sich zu ihrer etwaigen Abfahrt nach den griechischen und türkischen Eewäffern zum Schutze der französischen Orientintereffen bereit zu halten.
P a r i s, 10. Okt. Der hiesige italienische Botschafter Tittoni erklärte einem Berichterstatter, die von verschiedenen Blättern ausgesprochene Vermutung, daß Italien die Valkanstaaten zum Krieg gegen die Türkei oder Montenegro zur Kriegserklärung an- gestiftet habe, beruhe vollständig auf Erfindung. Die italienische Regierung habe, als sie der Türkei den Krieg erklärte, gleichzeitig den Balkanstaaten mitgeteilt, daß sie dem Grundsatz des Statusquo auf der Balkaninsel treu bleibe. Bei jeder Gelegenheit habe sie sich den Großmächten bei ihren Ratschlägen zur Mäßigung und den Schritten zur Aufrechterhaltung des Friedens angeschloffen. Gewiß sei es vorauszusehen gewesen, daß die Haltung der Türkei, nachdem sie die vollendete Tatsache in Libven nicht anerkennen wollte, allmählich im Verein mit der Frage der makedonischen Reformen eine drohende Lage schaffen werde und Italien habe nicht verfehlt, darauf hinzuweisen. Aber da man mit Unrecht angenommen habe, daß Italien diese Bemerkung in seinem und nicht im allgemeinen Jntereffe Europas gemacht habe, so habe er dieselbe nicht erneuert. Es habe den Krieg fortgesetzt und werde ihn, falls es sein müffe, noch weiter fortsetzen.
Petersburg, 10. Okt. Der Minister des Aeußern, Sasonow, ist hier eingetroffen.
Der Kriegsschauplatz im Balkankriege.
Unsere heutige Karte zeigt die gegenwärtige Situation in diesem Völkerringen. Die Montenegriner haben westlich bei Berana mit den Türkei gekämpft, um den Weg für eine Verbindung mit dem serbischen Heere freizubekommen und König Nikolaus ist mit einer starken Macht südlich von Cetinje bei Podgoritza den Türken entgegengetreten und hat die erste Schlacht geschlagen, um weiter südlich nach Skutari vorzudringen, wo eine starke türkische Truppe den Paß verlegt. Die schwarzen Felder bezeichnen die türkischen Heerlager, das weiße Feld die montenegrinische Hauptmacht.
Reichst bandstaq henffcher Städte.
S. & H. Berlin, den 10. Okt. 1912.
Unter zahlreicher Beteiligung begann beute vormittag hier im Kaisersaale des „Rheingold" die dritte Mitgliederversammlung des Reichsverbandes deutscher Städte, dem fast alle mittleren und kleineren Kommunen Deutschlands angehören. Den Vorfftz führte Bürgermeister Saalmann (Pleßs, der die Erschienenen willkommen hieß. Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit der Frage der Organisation des Kommunnlkredits durch Schaffung einer deutschen Kommunalbank. Dir beiden Referenten. Landrat Trülledt lBerent) und Bürgermeister Bleicken (Cuxhaven), befürworteten lebhaft die Schaffung eines derartigen Instituts, worauf die Versammlung eine Resolution in diesem Sinne annahm, nachdem von Seiten des ersten Referenten mitgeteilt war, daß nach den bereits gepflogenen Berbandlungen die Großbanken dem Unternehmen freundlich gegenüberständen. — Den folgenden Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat von Bürgermeister D. Belian (Eilenburg) über das Jntereffe der mittleren und kleinen Städte an Wandertheatern. Er bezeichnete die zweckmäßige Lösung der Theater« frage in den kleineren und mittleren Städten als eine der wichtigsten Volkserziehungs- und Bolksbildungssraaen der Gegenwart und empfahl den Mitgliedern des Reichsverbandes den Abschluß eines Abkommens mit dem Märkischen Wandertheater oder dem Rhein-Mainischen Theater. Es wurde beschloffen, das Referat den maßgebenden Behörden zur Kenntnisnahme und weiteren Beichlvßfaffung zu überweisen. Bürgermeister Weber (Gollnow) sprach über „Svarkaffenrecht und Giroverkehr". Er forderte die Verwirklichung der Einführung des Giroverkehrs auf dem Gebiete des Sparkaffenrechts als e'ne wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Versammlung stimmte dem Referenten ohne Debatte zu. Bürgermeister Dr. Herbst (Osterode t. Ostpr.) behandelte die Batockischen Vorschläge zur Bekämpfung der steuerlichen lleberlastung der Gemeinden. Diese Vorschläge gingen im wesentlichen dahin, durch Zuschläge zur Einkommensteuer einen Fond von etwa 40 bis 50 Millionen jährlich zu schaffen, event. unter Freilaffung der niedrigll-n Stufen, um damit di« weiteren und engeren Kommunalverbände von den Kommunalfteuer- lnften zu entlasten. Dadurch würde eine gerechte Verteilung der Ee- samtsteuersumme in dem Sinne erfolgen, daß das Moment des Wohnortes weniger und das der Leistungsfähigkeit mehr als jetzt bei der Be- meffung der Steuerleistung des Einzelnen entscheiden soll. Bei Verwendung des Fonds soll die volle Aufrechterhaltung der Selbstverwaltung gefordert werden. Der Referent meinte, der Plan v. Batockis wolle deutsche Menschen nach dem deutschen Osten ziehen bezw. ste dort erhalten; das wäre den» gesamten Vaterland nützlich. Die Vorschläge trügen den Charakter einer Riffkoprämie zum Wohle des Ganzen und seien im höchsten Grade gerecht. — In der Diskussion begründete Herrenbausmitglied v. Batocki (Vledau) selbst seine Vorschläge. Das Prinzip der Einkommensteuer, das ja leider nicht zu ändern sei, bedeute schließlich eine Prämie auf die Faulheit und Liederlichkeit. Bei seinen Vorschlägen sei er von der Erwägung ausgegangen, daß es ungerecht sei, wenn jemand, der in kleinen und schlechten Orten wohne, auch noch steuerlich schwer belastet werde. Parteipolitische Eegnerschast gegen die Vorschläge erwarte er nicht, höchstens solche von den großen Städten, namentlich von Groß-Berlin. — In der Debatte wurden Bedenken gegen die Vorschläge laut, da man sich damit dem Staatskommunismus nähere. Die Bor-, schlage wurden aber schließlich gegen wenige Stimmen gebilligt. — Bür-; germeister Bleicken (Cuxhaven) sprach noch über das städtische Hnpothe- keuwesen und Beigeordneter Dr. Dahmann (Braunsberg) über die; Reich-wersicherungsordnung. Letzterer Redner empfahl, die Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug der Altersrente auf das 65. Lebensjahr schon jetzt vornehmen zu wollen. Morgen werden die Beratungen fortgesetzt.
Die Balkanstaaten.
Athen, 10. Okt. Der König kam gesiern abend hier an. Eine begeiferte Volksmenge begleitete ihn zum Palast. In einer Rede sprach der König sein volles Vertrauen zu Volk und Regierung aus. Der Ministerpräsident erklärte, er hoffe noch immer auftdie Erhaltung des Friedens. Als die Menge mit Rufen „Es lebe der Krieg!" ihn unterbrach, wiederholte der Ministerpräsident den Satz und fügte hinzu, daß, wenn Griechenland in seinen Hoffnungen getäuscht werde, das Volk dem Heer und der Flotte vertrauen könnte.
K o n st a n t i n o p e l, 10. Okt. Es verlautet, der Fürst von Samos habe in der Erkenntnis der Unhaltbarkeit seiner Lage die Pforte um die Ermächtigung ersucht, die Insel verlassen zu dürfen. Die Pforte habe ihre Einwilligung dazu gegeben.
Paris, 10. Okt. Der „Figaro" erzählt, der hiesige Gesandte eines der Balkanstaaten habe sich, da er in den letzten 14 Tagen für 10 000 Franks Depeschen abgeschickt habe und die Eesandt- schaftskaffe vollständig leer sei, genötigt gesehen, bei seinen Landsleuten kleine Darlehen auszunehmen, um die Fortsetzung seiner telegraphischen Berichterstattung wenigstens für einige Tage zu
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und »Landwirtschaftliche Beilage"
Der beginnende Balkankrieg.
Dis Mächte tun noch immer so, als ob sie durch papierene Vor- öhaltungern irgend etwas zur Erhaltung des Friedens beitragen ^könnten.Sie haben nun bei allen beteiligten Staaten ihre Note, -zu deren Zusammenstellung sie eine recht geraume Zeit brauchten, überreicht. Bei Montenegro kam sie um gerade zwei Stunden zu i'fpät; die anderen Balkanstaaten haben noch nicht darauf geant- stwortet, doch darf man wohl annehmen, daß auch sie sich verzweifelt [ wenig durch den Schritt der Großmächte von ihrem Vorhaben ob» “falten lassen werden. Wahrscheinlich sollen sie das auch nicht; pbenn durch die langen Beratungen und das sonderbare Zögern ^Englands ist die ganze Aktion so weit hinausgeschoben und ver- i'spätet eingeleitet worden, daß es wirklich den Anschein hat, als ob !-es gewissen Kreisen gar nicht so unlieb wäre, wenn dahinten in ! der Türkei die Völker aufeinanderschlagen. Zu optimistischen Ee- pbanten ist jedenfalls keine Veranlassung. Jeder Tag kann die ' Entscheidung bringen, ob nun der jahrelang gedämpfte Balkanbrand in Hellen Flammen emporlodert.
Marburg
Sonnabend, 12. Oktober
Die „Oberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitnngSstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <Jt frei ins HauS. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Maßnahmen der Türkei.
Konstantinopel, 10. Okt. Der Kriegsminister und Kiamil Pascha wurden gestern vom Sultan empfangen und erstatteten Bericht über die Lage. Gestern nachmittag wurde eine .'Beratung höherer Offiziere im Kriegsministerium abgehalten. Sicherem Vernehmen nach besteht bei der Pforte die Absicht, die ^.zurückgehaltenen griechischen Schiffe mit Ausnahme derjenigen, deren sie bedarf, freizugeben. — Der armenische Patriarch hat an den Großwesir die Bitte gerichtet, auf die Einstellung der Christen im Alter von 30—45 Jahren zu verzichten, weil diese Maßregel den Handel empfindlich stören würde, oder ihnen wenigstens Zeit zu geben, ihre Angelegenheiten zu ordnen.
K o n st a n t i n o p e l, 10. Okt. Die Polizei verhaftete mehrere Bulgaren, Serben, Griechen und Montenegriner, die bei Nacht bewaffnet auf der Straße angetroffen worden waren. Zwei serbische Spione sind festgenommen worden.
Konstantinopel, 10. Okt. Bestimmt verlautet, der 'Finanzminister stellte an einem Tage dem Kriegsminister vier Millionen Pfund als Kriegskosten zur Verfügung, die die verfügbaren Ergänzungskredite für das Heer bilden. Da die Regierung außerdem über die Einnahmen aus dem Zehnten verfügt, denkt sie nicht daran, eine Kriegsanleihe abzuschließen. Der Finanzminister beschloß, nur die Kriegssteuer vorweg einzuziehen, wovon er hofft, idaß ste ungefähr 800 000 Pfund einbringe. Wie man sagt, wären !bic Mächte geneigt, der Türkei zur Durchführung von Reformen reine finanzielle Erleichterung zu schaffen.
Konstantinopel, 10. Okt. Das 2. Artillerieregiment ist heute nach dem Kriegsschauplätze abgerückt. Das Kriegsmini- sterium bereitet die Einberufung des Landsturmes vor; es teilt mit, daß der Kampf bei Berana andauert. Albanesische Freiwillige, Reserve, Landsturm und Truppen sind vor dem noch umzingelten Berana eingetroffen. Das Kriegsministerium meldet ferner, daß kleine Vandenkämpfe an der bulgarischen, serbischen und griechischen Grenze stattgefunden haben. Ein Jrade ordnet die Einstellung aller Universitätshörer in das Militär und ihre Entsendung nach dem Kriegsschauplätze an.
Konstantinopel, 10. Okt. Das Kriegsministerium hat alle verfügbaren Kohlenvorräte requiriert, so daß die Schiffahrt für ausländische Fahrzeuge beträchtlich erschwert ist.
Konstantinopel, 10. Okt. Die Regierung beschloß, die Sperrminen in den Dardanellen gänzlich zu entfernen, um das Ausfahren der türkischen Flotte nach dem Archipel zu ermöglichen — Der eigentlich Truppentransport von hier begann erst gestern. Außer dem zweiten Artillerieregiment wurde das aus Smyrna hier eingetroffene Kavallerieregiment abgefertigt. — Ein Berichterstatter des „Tanin" und einige Anhänger des Komitees wurden als die Anstifter des gemeldeten Widerstandes der Studenten gegen die Truppen verhaftet.
London, 10. Okt. Nach einer Meldung der „Daily News" aus Konstantinopel stehen bis jetzt 250 000 Mann türkischer Truppen an der bulgarischen Grenze. Die Stärke der asiatischen Streitkräfte beläuft sich auf 250—300 000 Mann, so daß in wenigen Tagen 400 000 bis 450 000 Mann türkischer Truppen auf dem östlichen Kriegsschauplätze versammelt sein werden.
Die Kämpfe
Konstantinopel, 10. Ott. An allen Grenzen finden kleinere Scharmützel ohne größere Bedeutung statt. Die bulgarischen Truppen und die Freiwilligen, die, wie bereits gemeldet, jKarakol und Karlowa überfallen haben, werden über die Grenze zurückgetrieben. Das Blockhaus wurde von den Türken zurück- jerobert.
London, 10. Sept. Wie dem Reuterfchen Büro aus Konstantinopel gemeldet wird, entwickelt sich bei dem Posten von Tim- tuch-Klißma an der Türttsch-bulgarifchen Grenze ein lebhaftes Feuergefecht.
Saloniki, 10. Okt. Einzelheiten über die Kämpfe bei teerono fehlen. Es wird versichert, die Montenegriner feien zu- sückgetrieben worden. Auch in den Kämpfen um die Linie bei Diufsinje sollen die Montenegriner zurückgedrängt worden sein. I Wten, 10. Okt. Nach einer Meldung aus Cattaro stehen die Dörfer nördlich von Bojan« in Flammen. Die Flüchtigen retten
3. Deutscher Jugendlrerichtstag.
S. & H. Frankfurt a. M., 10. Ott.
In der Akademie für Sozial- und Handelswiffenschastrn trat hier unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung des In- und Auslandes der 3. Deutsche Zugendgerichtstag zusammen. Den Vorsitz führte der Eiste. Staatsanwalt v. Rheden (Frankfurt). Oberlandesgerichtspräsident Dr. Spahn eröffnete die Tagung mit einer kurzen Ansprache, worauf nach den üblichen Begrüßungen Professor Friedrich Förster (Zürich) über b;y» -tbema „Strafe und Erziehung — Sühne und Besserung" referierte. Er stellte sich auf den Standpunkt, daß man zwar Strafmittel und Strafoe.:- zug pädagogisch verfeinern solle, die Strafe selbst aber nicht durch eine: einfachen Verweis ersetzen dürfe. Erziehung sei gleichbedeutend mit
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deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für 17 cvnr.ri
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