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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

M 237

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Vellage".

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DieOerlfffiiidje Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Soni^ und Feiertage. - Ter B e z u g s p r e k 8 betragt vierteliahrlich durch die Post bezogen 2.25 JH «ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 * * frei mS Sa«8, (gut unter, langt zugesandte Manuslrivte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Znh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 5a.

Marburg

Mittwoh, 9 Oktober

Ter Anzeigen preis beträgt für die 7gespaltene Zeit- oder deren Raum 15 bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Zeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvsrschrift und Beleglieferung ausge- schlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Rr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg.

1912.

(Nachdruck verboten.)

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Der Wiihigaiinger.

' Roman von H. Courths-Mahler.

kForttetzung.)

Mit welchem Rechte mischest du dich eigentlich in meine Angelegen- bdten9" fuhr Claus ärgerlich auf, weil er einsah. daß Fritz Recht hatte.

Mit dem Recht treuer Freundschaft für dich und Regina," erwiderte Hartenstein ruhig.Daß du mich so barsch zurückweisest, bestätigt mit nur, daß du selbst von deinem Unrecht überzeugt bist."

Wer kann für Gefühle!"

Das ist eine sehr bequeme Auslegung."

Ach, laß mich zufrieden! Du bist ja nun deine Moralpauke glücklich los geworden." . ,

Ich habe dir gesagt, was ich für meine Pflicht hielt. Ich werde nicht mehr darauf zurückkommen. Mir tut nur Reaina leid/

Du tust, als ob ich ihr wer weiß was für ein Unrecht zugesugt hätte."

Hast du auch oder bist wenigstens im Begriff, es zu tum Aber nun Schlich, Iah uns nicht mehr davon reden. Du bist gewarnt."

Maud Dürfeld trat jetzt zu den beiden Herren heran.

Sie gehen nach Ostende, Herr Ruthart?"

Za, gnädiges Fräulein."

Eie plauderte mit Claus über Reisepläue, und Fritz ging voran zu Regina die neben Dürfeld und seiner Gattin ging.

Zch will wieder hinaufgehen zu meiner Mutter, damit sie nicht iu lange sitzt," sagte er zu ihr.

Wir gehen natürlich mit. Warten 6k einen Augenblick, bis Claus herankoinmt." __ .

Rutharts und Hartenstein verabschiedeten sich dann von Durfelds And suchten Frau Dr. Hartenstein wieder auf.

Die Diplomaten an der Arbeit.

Wenn man bedenkt, wie wenig man doch in den letzten Zähren in der Lage war, von einemeuropäischen Konzert" zu reden, so kann man sich nicht darüber wundern, daß die Verständigung über den einerseits in den Hauptstädten des Balkanbundes und an­dererseits in Konstantinopel zu unternehmenden diplomatischen Schritt noch nicht zu einem vollen Resultat gediehen ist, sondern höchstens darüber, daß das positive Ergebnis verhältnismäßig schon so nahe liegt. Zurzeit stehen die Dinge so, daß über Aende- runqsoorschläge verhandelt wird, die von England ausgehen, und die sich darauf beziehen, daß die intervenierenden Mächte sich nicht in dem Maße für die technische Durchführung der Reformen in Macedonien verbürgen möchten, wie es der vorliegende Entwurf zu tun fckten. Genaueres darüber wird man erst erfahren, wenn Herr Sasonow, der russische Minister des Auswärtigen, in Berlin Bericht erstattet haben wird, denn zunächst ist die Mitteilung des Sir Edward Grey nur an den russischen und an den französischen Botschafter ergangen. Daß die endgültige Verständigung der Großmächte schon am heutigen Dienstag, also am Ankunftstage des Ministers, erfolgen könne, wie man in Paris meint, ist wohl etwas optimistisch. Aber auch wenn es noch einige Tage dauert, wird der Zeitpunkt für eine diplomatische Intervention voraus­sichtlich noch nicht verpaßt sein, denn wenn nicht alles täuscht, werden die Feindseligkeiten in den allernächsten Tagen noch nicht beginnen. ,

Von Grenzzwischenfällen allerdings dringt mancherlei in Die Oeffentlickkeit des Auslandes, aber solche Dinge, die ja auf der Balkanbalbinsel an der Tagesordnung sind, braucht man nicht allzu ernst zu nehmen, so lange die Kabinette darauf verzichten, diese kleinen Plänkeleien zum Vorwand für die Kriegserklärung zu nehmen und in dieser Beziehung scheint für die nächsten Tage nichts bevorzüstehen. Wenn es sich allerdings bestätigen sollte, daß ein türkischer Dampfer-Im Piräus, d. h. also im Hafen von Athen überfallen worden ist. und daß dabei türkische Frauen weg­geschleppt worden sind, so könnte ^as etwas ernster werden, denn auf diesem Gebiet versteht die Türkei keinen Spaß, and außerdem ist die Stimmung gegen Griechenland ganz besonders feindselig. Da es sich aber doch nur um eine Untat griechischen Gesindels han­deln könnte, die von der Athener Negierung sicherlich nicht gedeckt werden wird, so wird hoffentlich auch dieser Zwischenfall ohne ernstere Folgen vorübergehen.

Die Frage, die jetzt auf allen Lippen liegt, ob es nun wirklich noch gelingen werde, den Balkankrieg zu verhindern, oder nicht, läßt sich selbst mit einem bescheidenen Anbruch auf Sicherheit heute noch nicht beantworten. Wohl aber läßt sich sagen, daß die Stimmung in den letzten 48 Stunden wieder etwas zuversichtlicher geworden ist. Roch zu Ende der vorigen Woche konnte man sowohl in türkischen wie in bulgarischen Kreisen die Versicherung aus­sprechen hören, daß man unter allen Umständen losichlagen werde. Bulgarien, so wurde betont, ist eine ernsthafte Macht, die, was sie tut, mit vollem Bewußtsein und mit klarer Berechnung der Konse­quenzen tut; sie würde, wenn sie nicht entschlosien wäre, loszu­schlagen, nicht so weit gegangen sein, wie sie tatsächlich gegangen ist. Die Türkei aber, so betont man auf der anderen Seite, schreit ja geradezu nach dem Valkankrieg. Seit einem Jahre muß die vortreffliche türkische Armee einem Kriege zusehen, in dem ein gut Teil des ottomanischen Prestiges verloren geht, ohne daß sie auch nur die Möglichkeit hätte, einzugreifen; aber auch politisch muß der Türkei außerordentlich viel daran liegen, den Frieden mit Italien, dessen Zustandekommen gesichert erscheint, wenn er auch noch einige Tage auf sich warten lassen wird, durch einen neuen Krieg in Vergessenheit zu bringen. In den allerletzten Tagen ist nun, wie gesagt, ein gewisser Wandel zu besserer Zuversicht ein- getrelen und die Chancen der Friedenserhaltung sind gestiegen.

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Aber irgendeine Entscheidung ist nicht gefallen, auch nicht durch den Versuch der türkischen Regierung, mit freiwilligen Reformen dem Schritte der Mächte zuvorzukommen; im Gegenteil, es könnte sein, daß dadurch die Lage eine neue Komplikation erfährt. Deutschland, darüber kann ein Zweifel nicht bestehen, unterstützt jede Aktion, die den Frieden sichern kann, und was den anderen Mächten am zweckmäßigsten scheint, darf auch auf seine Zustim­mung rechnen. Sich in den Vordergrund zu drängen, hat es nach wie vor keinen Anlaß.

Ueber die augenblickliche Lage liegen zur Zeit folgende Nach­richten vor:

Die Aktion der Mächte.

L o n d o n, 7. Okt. Mit dem heutigen Tage ist das Schwer­gewicht der Verhandlungen der Großmächte bezüglich der Frie­densaktion im Orient wieder nach London gerückt. Die von den Mächten wieder zu veröffentlichende Rote wird im wesentlichen aus zwei Paragraphen bestehen. Der erste dieser Paragraphen, der die vier Balkanstaaten betrifft, ist in Poris bereits fertig ansgearbeitet worden. In ziemlich scharfen Worten drücken die Großmächte den Balkanstaaten ihre Unzufriedenheit aus. Sie ver­langen unverzüglich Einstellung der Mobilisierung und Aufrecht­erhaltung des Statusguo auf dem Balkan. Der Paragraph er­klärt, daß es den Großmächten überlassen bleiben müsse, dafür zu sorgen, daß die Türkei in Macedonien mit den Reformen Tatfack-e macht. Der zweite Paragraph befaßt sich mit der Türkei selbst. Ueber seine Formulierung bestehen noch Meinun^-erschieden- heiten, da es schwierig ist, der Forderung, die Türkei solle in Macedonien Reformen vornehmen, eine bestimmte Form zu geben. Infolgedessen ist der englische Minister Grev gestern nach L""don zurückgekehrt und hat mit Sir Arthur Nicolfon, dem frau'ösis^en Botschafter Paul Cambon und dem russischen Botschafter Graf Benckendorff eine längere Konferenz gehabt.

P a r i s. 7. Okt. DieAgencs Haras" veröffentlicht f. 'j/nbe Rote: Ministerpräsident PoincarS hatte heute vormittag mit dem russischen Minister des Aeußern Sasonow eine Unterredung, in der er die Antwort Großbritanniens mitterlte, aus der bervor- geht, daß das Einvernebmen zwischen den Möchten über die Be­dingungen hergestellt ist, daß unterdessen somobl bei den Balkon- län'dern als in Konstantinopel Schritte unternommen werden sollen. Saionow telegraphierte den Vertretern Rußlands bei den Balkanstaaten, sie möchten sich mit ihren österreichisch-ungari­schen Kollegen ins Einvernehmen setzen, um gemeinsam und so bald wie möglich den verabredeten Schritt zu unternehmen. Bei der Pforte werden die Vertreter der fünf Mächte in Konstan­tinopel den verabredeten identischen Schrttt tun.

Sir Edward Grey über die Laa«.

London, 7. Okt. (Unterhaus.) Der Minister des Aeußern, Sir Edward Grey, führte in Beantwortung einer Frage über die Lage auf dem Balkan folgendes aus: Ich befürchte, daß meine Auskunft im gegenwärtigen Augenblick nur allgemeiner Natur sein kann. Wie das Haus weiß, ist die Lage "auf dem Balkan sehr kritisch und gibt zu großen Befürchtungen Anlaß. Die Großmächte tun, was sie können, um einen Friedensbrucb zu verhindern. Die beiden Punkte, worauf sie ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich richteten, sind der Ausdruck ernster Mißbilligung eines Friedens­bruches auf dem Balkan und die Notwendigkeit, Reformen in der europäischen Türkei wirklich durchzusühren. Die Notwendigkeit ist bereits von der türkischen Regierung zugegeben worden. Die Einführung wirksamer Reformen sollte der Türkei den friedlichen Besitz ihrer europäischen Provinzen sichern. Die Schwierigkeit auf der einen Seite für die Türkei sei, sie angesichts der Mobilisierun­gen der Balkanstaaten davon zu überzeugen, daß die verspro­chenen Reformen das Wohlergehen der macedonischen Bevöl­kerung wirksam sichern werden. Gestern sind endgiltige Vorschläge für gemeinsame Schritte gemacht worden, die durch die Großmächte

Sind wir lange ausgeblieben, liebe Frau Doktor? Dann schelten Sie uns tüchtig aus."

Die alte Dame meinte lächelnd.Ich habe mich hier inzwischen sehr gut unterhalten. Es gibt so viel Schönes zu sehen, daß man keine Langeweile hat, auch wenn man ganz allein ist."

Die Stimmung zwsschen den vier Menschen wollte aber heute abend nicht recht fröhlich werden. Selbst der immer heitere Fritz sah ernst auf das bunte Treiben hinab.

Regina war sehr feinfühlig. Sie merkte, daß Claus und Fritz etwas gespannt waren. Da sie wußte, wie oft Fritz ihrem Manne Vorstellungen über sein talentloses Leben machte, glaubte sie, es habe wieder deshalb eine kleine Szene gegeben. Sie atmete auf. Bald mußte das ja nun anders werden.

Anfang Juli würde das Buch herausgegehen. Bis zu ihrer Rückkehr von Ostende war der Erfolg auch bei der Krittk entschieden. Und bann würde ein neues, schöneres Leben beginnen. Eie malte sich aus, wie sie mit Claus zusammen schaffen und arbeiten wollte, ihn immer anregend und anfeuernd, bis er selbst den Segen der Arbeit erkannte und ihre Hilfe nicht mehr brauchte. So felsenfest war sie überzeugt von der Wirkung des Buches, daß sie alle kleinen Leiden jetzt lächelnd ertrug.

* *

Regina sah morgens, wenn Claus noch schlief, stets zueerst die Post­sachen durch. Sie wollte vermeiden, daß ihr Mann um ihre Korrespon­denz mit dem Verleger erfuhr.

Eines Tages war ein Schreiben unter den Postsachen, welches steife, ungelenke Schriftzüge aufwies. Es war an Regina adressiert.

Sie betrachtete es verwundert und unschlüssig, ehe sie es öffnete. Das Schreiben war anonym und beschuldigte Claus Ruthart, ein Verhältnis mit Charlotte Marlow zu haben. Der Schreiber behauptete, man wisse überall von diesem Verhältnis, niemand wage aber die junge Frau zu unterrichten. Unterzeichnet war der Brief überhaupt nicht. Regina warf den Wisch verächtlich ins Feuer. Lin wenig verstimmte es sie.

oder in ihrem Namen unternommen werden sollen, um die Schwie­rigkeiten durch Vorstellungen bei den Balkanstaaten und in Kon­stantinopel zu überwinden. Wir haben ihnen zugestimmt. Unter den europäischen Großmächten, die auf dem unmittelbarsten Bal­kan interessiert sind und deren Grenzen durch den Krieg in jener Gegend am meisten in Mitleidenschaft gezogen würden, herrscht der eifrigste Wunsch, den Frieden aufrecht erhalten zu sehen. Dies ist meiner festen Ueberzeugung nach eine Bürgschaft, daß, wenn der Friede auf dem Balkan gebrochen wird, keine der europäischen Großmächte in den Krieg hineingezogen uzird. (Beifall.) Der Radikale Mason fragte, ob die Regierung, %>enn die gegenwär­tigen Verhandlungen fehlschlügen, ihre guten Dienste verwende« würde, daß die ganze Frage dem Haager Schiedsgericht überwiesen würde. Sir Edward Grey antwortete: Zch möchte lieber nicht daran denken, daß die Schritte, die die Mächte jetzt beraten, fehl- gehen. Sollte dies dennoch geschehen, so würden wir selbst­verständlich unser möglichstes tun, um die Einigkeit unter ben Mächten zu erhalten. Wir werden keine Initiative ergreifen, und keinen Vorschlag tun, der geeignet wäre, jene Eingkeit zu be­einträchtigen.

Türkisch« Reformen.

Konstantinopel, 7. Okt. Die Regierung hat in bett letzten Tagen, besonders infolge der Schritte gewisser Mächte, Reformproiekte für die europäische Türkei in Aussicht genommen, die auf dem Gesetz beruhen, das am 23. August 1880 von einer Kommission unter dem damaligen Minister des Aeußern Assim Pascha nach Anhörung der internationalen europäischen Kom­mission für Ostrumelien ausgearbeitet worden war. Das Gesetz, das eine Folge des Artikels 23 des Berliner Vertrages war, ist durch ein Irode sanktioniert, aber nickt angewendet worden. Die Zusammenberufung des Senats bezweckte, wie behauptet wird, bae Haus über die Zweckmäßigkeit der Maßregel zu befragen, für die das Kabinett vielleicht nicht die ganze Verantwortlichkeit zu über­nehmen wante. Der Senat konnte aber nicht tagen, weil nur acht Senatoren anwesend waren. Die Absicht der Regierung ist erst i« einem be^^Een Kreise bekannt geworden, scheint aber in ge­wissen türkischen Kreisen, besonders beim Militär und den Jung­türken. einen schlechten Eindruck hervorzurufen. Das Gesetz von 1880 ist ausschließlich in den Publikationen des britischen Par­laments (Jahrgang 1880, Nr. 16) erschienen.

Die Stimmung auf dem Balkan.

Paris, 7. Okt. DemTemps" wird von einem Sonder­berichterstatter aus Sofia gemeldet: Die ins Auge gefaßte öfter« reichisch-ungarifche Aktion in Sofia hat hier ein gewisses Un­behagen hcrvorgerufen. Man ist der Ansicht, daß das Zusammen­wirken Rußlands und Oesterreichs in den Balkanfragen, welches unangenehme Präzedenzfälle aufweist, für Bulgarien nichts Gutes bedeuten kann. Von sehr berufener Seite erklärt man, daß diese Intervention, falls man durch dieselbe ben Krieg zu verhin­dern hofft, wirkungslos fein werde und daß sie, wenn sie nach dem Kriege erfolge, dem Bestreben der Balkanvölker zuwiderlaufen werde. DerTemps" bemerkt hierzu: Wenn Bulgarien, das von einer solchen Stimmung beherrscht ist, keine Gewähr dafür hat, eine wirkliche Genugtuung zu erhalten, dann wird es dem Ver­such, die Dinge übers Knie zu brechen, nicht widerstehen. Wohl sind König Ferdinand und seine Minister keine abenteuerlustigen Geister, aber sie werden von der öffentlichen Meinung überflutet. Die Frage ist für den König eine Frage der Dynastie und des Regimes. Er hat eines Tages gesagt: Ick werde den Frieden so lange aufrecht erhalten, als ich es tun kann, ohne mich einem Messerstich auszusetzen. Dieses Wort drückt eine tiefe Wahrheit aus, welche dem kaltblütigen Beobachter verbietet, sich dem wün- schenswert-'n Optimismus hinzugeben.

K o n st a n t i n o p e l, 7. Okt. Heute ist der letzte Tag für die Einrückung der Reservisten. In Konstantinopel strömen dit

daß es Menschen gab, die sich zu so unfauberm Handwerk hergaben. SBei mochte ein Interesse daran haben, sie mißtrauisch gegen ihren Man« zu machen? Es mußte doch eine Person fein, die von Claus' frühere« Beziehungen zu Charlotte Marlow Kenntnis hatte.

Keinen Augenblick kam ihr ein Gedanke des Zweifels an ihrem Mann. Aber sie bereute dann, den Brief vernichtet zu haben. Wäre et nicht besser gc wesen, sie hätte ihn Claus gezeigt? Oder sollte sie ihm wenigstens Mitteilung davon machen? Böse Menschen konnten Miß­brauch mit seinem Namen treiben. Und der Br-efschreiber behauptet« man spräche überall davon. War das wirklich der Fall? Dann wa» es ihre Pflicht, ihn darüber aufzuklären, damit er solchen Gerüchten energisch entgegentrete. Aber wie konnte sie die Wahrheit ergründen?

Sie überlegte hin und her und kam nicht darüber ins Klar«.

Als sich am Spätnachmittag Hartenstein bei ihr melden ließ, blitzt« es in ihren Gedanken auf. Dieser treue Freund würde Rat schaffen.

Sie begrüßte ihn in der ihr eigenen, still herzlichen Art.

Ist Claus nicht daheim?"

Nein, lieber Freund, Sie müssen mit mir fürlieb nehmen. Setzen Sie sich. Sie haben doch ein Weilchen Zeit, Sie vielbeschäftigter Mann?

Fritz ließ sich ihr gegenüber in einen Sessel nieder.

Für heute habe ich Feierabend, Regina. Ich bleibe gern eht Stünd­chen, wenn Sie mich haben wollen. Vielleicht kommt Claus inzwischen heim."

Möglich. Im Augenblick ist es mir lieb, daß er nicht zuhausi ist. Zch möchte etwas mit Ihnen besprechen. Sagen Sie mir einmal ehrlich, ob Sie in der Eesell'^aft irgend etwas gehört haben, was Claus n it der Marlow in Berührung bringt.

Fritz erschrak und sah unbehaglich in Reginas Gesicht. Ihre Ruh« zeigte ihm jedoch, daß sie entweder nicht alles wisse oder nicht daran glaube. Die junge Frau hatte jedoch bereits an seinem Verhalten <' merkt, daß er ihre Frage bejahen müsse, wolle er ehrlich fein.

(Fortsetzung folgt.)