Erttes Blatt
X
und den Kampf, falls er doch ausbrechen sollte, auf den Balkan z» beschränken, jedenfalls aber den Statusquo aufrechtzuerhalten.
Paris, 4. Okt. Der „Temps? bestätigt, daß Ministerpräsident Poincars die Botschafter Frankreichs bei den Großmächte« beauftragt habe, die Dringlichkeit einer gemeinsamen und doppelten Aktion zu betonen, welche in den Hauptstädten der Balkanstaaten im Hinblick auf den Frieden und in Konstantinopel im Hinblick auf die Durchführung der makedonischen Reformen z« unternehmen wäre. Die französische Regierung laste in ihrem Vorschläge zwei Hypothesen zu: Eine gemeinsame Aktion oder eine österreichisch-russische Aktion im Namen der Großmächte.
Parts, 4. Okt. Obwohl die Antwort Oesterreichs auf den Vorschlag über die gemeinsame Aktion bei den Balkanstaaten vormittags noch unbekannt war, ist ihre Annahme als sicher anzusehen, da die am Schluß des Ministerrats mitgeteilte Nole die völlige llebereinstimmung Rußlands, Frankreichs und der übrigen Großmächte versichert.
Wien, 4. Okt. Eine zuständige Stelle bestätigt auf eine Anfrage, daß Oesterreich bereit ist, mit Rußland als der am Balkan zunächst interessierten Macht gemeinsam alles aufzubieten, um den Frieden auf dem Balkan zu erhalten.
— Konstantinopel, 4. Okt. Der Minister des Aeußern hatte heute mit dem deutschen Botschafter Frhrn. v. Wangenheim eine längere Unterredung, der große Bedeutung beiqemesten wird. Es verlautet, daß es dem deutschen Botschafter gelungen sei. bestimmte Zusicherungen der Pforte über die Reformen io donien zu erhalten.
41. Jahrg.
1912.
Die Börse und die Balkanfrage.
Es ist befremdlich, schreibt die „Reue polit. Korr.", daß die Börse auf jede kriegerische Aktion mit einer Art Deroute reagiert, mag auch zu einer solchen sonst gar keine Veranlastung vorliegen. So war dies auch jüngst wieder bei den Mobilmachungen der Balkanstaaten der Fall, obwohl die Möglichkeit, daß Deutschland in diese Wirrniste außer durch seine loyale Raterteilung hineingezogen wird, fast ausgeschlosten erscheint. Es ist im Gegenteil ziemlich wahrscheinlich, daß Deutschland aus der Eventualität eines Balkankrieges früher oder später nicht unerhebliche wirtschaftliche Vorteile erhalten wird. Diese zeigen sich bereits jetzt darin, daß Bulgarien bekanntlich für 35 Millionen Mark Kriegsmaterial in Deutschland bestellt hat, und wie zuverlässig verlautet, hat andererseits auch die Türkei für 30 Millionen Mark Kriegsmaterial bei den deutschen Wafssnfabriken Akt.-Ges. in Auftrag gegeben. Wenn die Hauste-Ueberanspannung an der Börse durch die eingetretenen Wirren etwas zum Stillstand kommt, so ist das an sich ja kein Unglück; alles aber, was darüber hinausgeht, ist übel angebrachte Kurzsichtigkeit. Nur die Ueber- fpekulanten mit schwachen Händen werden vielleicht in Zukunft etwas vorsichtiger sein und haben auch Grund dazu.
Inzwischen kommt aus Königsberg die Nachricht, vom ersten Schneefall. Vermutlich wird auch der Balkanschnee nicht lange mehr auf sich warten lasten. Das wird zur Abkühlung der dortigen heißen Köpfe nicht unwesentlich beitragen.
Petersburg, 4. Okt. Die große Panik, die gestern-an der hiesigen und an der Odestaer Börse entstand, forderte zwei Todesopfer. An der Petersburger Börse wurde der Börsenkommissionär Reber von Herzkrämpfen befallen und brach wenige Minuten darauf tot zusammen, und an der Börse zu Odesta verfiel ein Börsianer in Irrsinn. Er rannte in einen Nebenraum und erhängte sich am Fensterkreuz.
Die Lage.
K nstantin pel,4. Okt. Die Nachricht von einem Verbot der Abreise der griechischen Untertanen scheint auf einem Mißverständnis zu beruhen. Auf den Schritt der griechischen Gesandten gab der Eroßwesir den Befehl, die griechischen Untertanen abreisen zu lasten. Mehrere sind bereits abgercist. Nachdem die griechische Gesandtschaft mehrere Depeschen erhalten hat, die sie nicht zu entziffern vermochte, beginnen die Depeschen wieder in verständlicher Form einzulaufen. — Der Postdienst nach Bulgarien ist eingestellt, alle Kabel sind überlastet. Die militärische Depeschenzensur ist so scharf, daß die öffentliche Meinung in der Hauptstadt über die internationalen und provinziellen Vorgänge nur mangelhaft unterrichtet ist.
Wien, 4. Okt. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Der Minister des Aeußern Noradunghian erklärte beim Verkästen des Ministerrats, daß der Waffenstillstand mit Italien in einigen Tagen zu erhoffen sei. Dagegen seien alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung des Balkankonfltkts trotz aller Bemühungen der Mächte stark gesunken.
P a r i s, 4. Okt. In gewissen Kreisen wird der deutschen Politik (!!) Schuld an dem Ausbruch des Valkankrieqes gegeben. Der „Temps" spricht von dem Wettbewerb zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn um das Vertrauen der Balkanstaaten und zwischen Deutschland und England um das Vertrauen der Pforte. (Das hat natürlich nur noch gefehlt.)
London, 4. Okt. Nach einer Depesche aus Sofia lauten die Forderungen der vereinigten Balkanmächte in gemilderter Form auf die Ernennung nicht türkischer Gouverneure für die christlichen Wilajets. * Ferner sollen Macedonien und die anderen europäischen Provinzen einen eigenen Landtag wählen.
Feindseligkeiten.
Konstantinopel, 4. Okt. Der Minister des Aeußern erhielt die Mitteilung, daß Vulgaren in Warna gegen die dortigen Türken Ausschreitungen begehen und sie zwingen, statt des Fezes einen Hut aufzusetzen. Der Mufti wurde geschlagen, ein Händler schwer verletzt. Zn Aidos (Bulgarien) wurde ein mohammedanisches Dorf geplündert und vier Türken ermordet.
Weiter wird gemeldet, daß bei Timros ein Gefecht zwischen Bulgaren und Türken und bei Novibazar zwischen Serben und Türken stattgefunden haben soll. Zn beiden Fällen seien die Türken siegreich gewesen.
Paris, 4. Okt. Nach einer Blättermeldung hat die bulgarische Truppenabteilung die türkisch- Ortschaft Kovacz, die etwa 15 Kilmeter von der Grenze entfernt liegt, bereits besetzt.
Sofia, 4. Okt. „Aoence Bulgare" bezeichnet die im Auslande verbreiteten Meldungen von Angriffen bulgarischer Truppen auf türkische Stellungen in den Distrikten Nazlek, Dschumbala und Ropdjoz für vollkommen unbegründet.
Die Aktion der Großmächte.
Paris, 4. Okt. Der russische Minister Sasonow und Ministerpräsident Poincar^ sollen gemeinsam eine Note ausgearbeitet haben, die den Großmächten vorgelegt wird, um nach gemeinsamer Vereinbarung der Pforte unterbreitet zu werden.
Paris, 4. Okt. Zn der heutigen Ministerratssitzung teilte Poincar^ die Unterhaltung mit Sasonow über die Bedingungen, unter denen Frankreich in voller llebereinstimmung mit Rußland und den übrigen Großmächten fortfährt, den Krieg zu verhindern.
Deutsches Reich-
— 12. Deutscher Fortbildungsschultag. Krefeld, 4. Okt. linier Beteiligung von über 500 Schulmännern und in Anwesenheit von Vertretern der Regierungen, Stadtverwaltungen und Handelskammern begannen hier die Beratungen des 12. Deutschen Fortbildnna-ffckultages. Der nächste Fortbildungsschultag soll im Jahre 1914 in Würzburg stattNn- den. Die eigentlichen Beratungen eröffnete der Vorsissend« des Ju.ng- Dcutschlands-Bundes Generalfeldmarschall Exz. Freiherr v. d. Goltz (Berlin) mit einem Referat über „Körperliche Ertüchtigung der Fort- bildungsschnljugend". Er betonte, daß der Iungdeutschlandbund kein« Voranstalt für die Armee sei. Sein Hauptziel sei die körperliche E-tuch- tigung der fugend und die moralische Erziehung. Er.wandte sich dann geegn den Vorwurf, daß der Jungdeutschlandbund die Pflege des religiösen Lebens außer Acht lasse, doch sei das eine Folge der Verhandlungen mit dem Kultusministerium. Es folge aber nicht daraus, daß der Iungdeutschlandbund dem religiösen Leben feindlich sei. Die Haupt- tätigtest des Jungdeutschlandbundes erstrecke sich auf die Jugendlichen vom 14. bis zum 18. Lebensjahre. Auf diesem Gebiete werde sich der Iungdeutschlandbund als Genosse des Fortbildunasschulunterr'chts zeigen. Im Interesse der Heranziehung eines kräftigen und tüchtigen Geschlechtes verlange der Bund die Pflichtfortbildungsschule für die gesamte Jugend und eine ergiebige Hebung im Turnen und Wandern: ferner eine schulärztliche Ueberwachnng in der Fortbildungsschule, Zum Schlüsse befürwortete Feldmarschall v. d. Goltz noch die Einführung des obligatorischen Turnens für die jungen Mädchen.
— Heber eine bevorstehende Verfassungsänderung in Bayern sind verschiedene Gerückte im Umlauf. Jetzt macht ein Blatt darüber folgende Mitteilungen: „Schon vor mehreren Jahren wurde die Frage erwogen, ob man nicht dem Prinzregenten Luitpold die Königskrone anbieten solle. Nun, da das Befinden des Prinzregenten zweifellos ungünstig ist, wurde diese Frage nach einer neuen Richtung hin erwogen. Immerhin muß man mit dem Ableben des Vrinzregenten rechnen, und in dieser Erwägung denkt man mit vollster Bestimmtheit und Klarheit in den erwähnten Kreisen daran, Vorsorge zu treffen, daß dann der Prinz Ludwig,, der in solchem Falle die Prinzregentschast nach der Erbfolge anzutreten hätte, nicht erst zum Prinzregenten, sondern direkt zum Könige von Bayern proklamiert werden kann. Diese Nachricht, von der man natürlich im voraus sagen kann, daß sie zunächst pflichtgemäß offiziell dementiert werden wird, wird sich nichtsdestoweniger in naher Zeit bewahr heiten."
— Todesstrafe in Deutschland. Berlin, 4. Okt. Die Zahl bei Verurteilungen zum Tode zeigt nach der neuesten „Kriminalstatistik" im Jahre 1910 eine Zunahme, nachdem vorher lange Zeit ein wesentlicher Rückgang erfolgt war. Im Durchschnitt der Jahre 1882—86 wurden 76 Personen zum Tode verurteilt, 1887 bis 1891 52, 1892—96 55, 1897—1901 42, 1902—06 37, 1908 31, 1909 32, 1910 43. Es hat also im Jahre 1910 gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 11 Verurteilungen oder 34 Pro zent stattgefunden.
Zwischen zwei Kriegen.
Die ungeberdige Haltung der vier Valkanstaaten hat eine gute Wirkung geübt; sie hat die türkische Staatskunst, die etwas langsam in ihren Entschlüssen ist, veranlaßt, ihren Frieden mit Italien zu machen. Die Behauptung, daß der Präliminarfriede bereits abgeschlossen sei, ist allerdings von Rom aus soeben noch dementiert worden; die Konstantinopeler Meldung, daß der türkische Delegierte Auftrag habe, den letzten Vorschlägen Italiens zuzustimmen, läßt aber keinen Zweifel mehr daran bestehen, daß der italienisch-türkische Krieg nach wenig mehr als einjähriger Dauer sein Ende gefunden hat und zwar mit dem Ergebnis, daß die Türkei sich aus Nordafrika zurückzieht und es den Italienern überläßt, sich mit der Bevölkerung der beiden Provinzen direkt zu verständigen, was ja die italienische Verwaltung schon seit geraumer Zeit mit viel Umsicht und offenbar auch nicht ohne Erfolg vorbereitet und eingeleitet hat. Daß die offizielle Türkei jetzt tut, was sie so lange verweigert hat, ist sehr leicht zu verstehen. So lange die leidenschaftlichen Blicke der ganzen mohamedanischen Welt auf die afrikanischen Provinzen und den Kampf um ihre Zukunft gerichtet waren, riskierte der Kalif eine gefährliche panislamitische Entrüstungs- und Protestbewegung, wenn er darein willigte, daß die Halbmondflagge daselbst entgültig niedergeholt wurde. Jetzt kann er seine Haltung ohne jede Mühe rechtfertigen. Die nähere Gefahr und die Notwendigkeit, den europäischen Besitzstand der Türkei gegen einen gemeinsamen Uebersall der so gründlich gehaßten und mißachteten Balkanvölker zu verteidigen, ist eine vollauf genügende Rechtfertigung.
Der nahe Friedensschluß ändert nun natürlich auch die Lage auf der Balkanhalbinsel selbst mit einem Schlage in einem für die Kriegsgelüste der Balkanvölker sehr ungünstigen Sinne. Es gewinnt den Anschein, als ob den Balkanstaaten das Konzept für ihr Vorgehen gegen die Türkei etwas in Verwirrung geraten fei. Darauf deutet auch der Umstand hin, daß jetzt statt von einem Ultimatum von einem Memorandum die Rede ist, das von den Balkanstaaten gleichzeitig der Pforte und den Großmächten überreicht werden soll. In der Berliner Diplomatie gibt man sich der Erwartung hin, daß der Friedensschluß zwischen Italien und der Türkei einen starken Eindruck auf die Balkanstaaten machen und im Verein mit der Geldfrage sowie mit der wachsenden Stockung in Handel und Verkehr, die schon durch die Mobilmachung hervorgerufen wird, auf die kriegslustige Stimmung dort ernüchternd einwirken wird. Man muß bedenken, daß die Türkei ihre Hände frei bekommt, die latente Bedrohung ihrer Küsten hört auf, sie wird wieder kreditfähig und kann all ihre Kräfte zur Abwehr oder eventuell sogar zum Angriff zusammenfassen. Gewisse innere Schwierigkeiten sind ja sicherlich immer noch vorhanden, aber es hat ganz den Anschein, als ob sie in der wachsenden Krieg-begeiste- rung verschwinden wollten, und jedenfalls wird man es sich in Sofia, in Belgrad usw. sorglich überlegen, ob man es wirklich zum äußersten kommen lassen will.
Inzwischen wird die gemeinsame Aktion der Großmächte, die auf die Erhaltung des Friedens gerichtet ist, sich entwickeln können. Der augenblickliche Stand der diplomatischen Verhandlungen darüber scheint der zu sein, daß die Großmächte beabsichtigen, Oesterreich-Ungarn und Rußland gleichsam als Mandatare Europas mit der Durchführung dieser Aktion zu betrauen. Es heißt, daß nur Oesterreich-Ungarns Zustimmung zu diesem Vorschläge noch ausstehe, es ist aber nicht einzusehen, warum man sich in Wien weigern sollte, diesen Auftrag anzunehmen und zusammen mit Rußland auszuführen. Ein gemeinsames Vorgehen mit Rußland müßte ja dem Grafen Berchtold unter manchen Gesichtspunkten ebenso erwünscht fein, wie es für die europäische Eesamt- lage bedeutsam und erfreulich wäre, wenn, wie es den Anschein hat, das Deutsche Reich und Frankreich durch eine gemeinsame europäische Gefahr veranlaßt würden, zu ihrer Abwendung Hand in Hand zu gehen. Die „Nordd. Allg. Ztg." hatte in ihrer Kund- .gebung zunächst noch den Schwerpunkt darauf gelegt, daß ein i etwaiger Balkankrieg sicherlich auf seinen Herd beschränkt bleiben würde und Europa hat schon daraufhin befreit aufgeatmet. Jetzt hat es schon einige Wahrscheinlichkeit für sich, daß auch der Balkankrieg selbst vermieden werden kann. Wenn aber nicht, so wird der einmütige Wille der Großmächte einen isolierenden Wall um den Kriegsschauplatz ziehen. Die Situation, in die Italien dabei gerät, ist eigentümlich, aber sehr vorteilhaft. Soeebn noch Kriegsgegner der Türkei in Afrika kann es sich als politischer Freund der Türkei in Europa erweisen und dadurch die tatsächliche Gewinnung seiner neuen afrikanischen Provinzen wesentlich fördern.
Die Haltung Rumäniens.
Die Meldung von einer Mobilisierung der rumänischen Armee wird bereits dementiert. In Berliner politischen Kreisen gilt eine Mobilmachung Rumäniens bis zum Zeitpunkt einer offiziellen Kriegserklärung zwischen der Türkei und den Balkanstaaten überhaupt für ausgeschlossen. Auch dann dürste sie zunächst nur zur Sicherung der Neutralität Rumäniens erfolgen. Eine Beteiligung Rumäniens an etwaigen Maßnahmen, die Oesterreich-Ungarn und Rußland als Mandatare der Großmächte zur Erzwingung des Friedens auf der Balkanhalbinsel treffen würden, würde schwerlich in Frage kommen. Ein aktives Auftreten Rumäniens ist nur im Falle eines Sieges der Valkanstaaten über die Türkei zur Wahrung feines Interesses am Statusquo auf der Balkanhalbinsel zu ermrten.
Marburg
Sonntag, 6 Oktober
Der Anzeigenpreis beträgt für die Tgeipaltene Zeil- oder deren Raum 15 <8, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 j, für Reklamen die Zeile 60 L. Bet Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Belegliefirung ausgeschlossen. — Zahlungen tm Postscheckverkehr — ohne Portökosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
nm oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Bellagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
----*----
Koloniales.
Südwestafrika. Berlin, 4. Okt. Zu den letztgemeldeten Vorgängen in Südwestafrika find von amtlicher Seite folgende ergänzende Nachrichten eingegangen: Ende September wurde der Reiter Müller auf der Suche nach entlaufenen Pferden in den Dünen östlich von Hunerob erschossen. Gewehr und Patronen waren ihm abgenommen, das Pferd Müllers jedoch nicht mitgenommen, sondern an einen Baum gebunden worden. In der Nähe lag ein frisch geschossener Strauß. Der Vorfall ist bis jetzt nicht aufgeklärt. Nach den Spuren kommen indessen Köper- leute nicht in Betracht. Nach den Aussagen von Anfang September gefangenen Hottentotten find wahrscheinlich noch mehr Eingeborene zur Jagd über unsere Grenze gezogen. Beim Abstreisen des in Betracht kommenden Geländes wurden in den letzten Tagen an einzelnen Stelle« der Grenze ältere und neuere Hottentottenspuren festgestellt, doch liegt nach Ansicht des Gouvernements irgend ein Grund zur Beunruhigung nicht vor
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen Jto ^09 und der Expedition (Markt 21) 2.00 M frei ins Haus. (Für unver- * =‘ langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei
Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckeret I. A. Koch (Inh.: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.