mu oem KreisbLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend". „Fürs Haus" und .„Landwirtschaftliche Beilage".
JK234
Die „Oberhrssische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 2.25 «X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei inS HauS. (Für unver- langt zugesnndie Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Sonnabend, 5. Oktober
Der Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barradatt. Bet Konkurs kein Rabatt. Ver- bindlichkeit für Platz», Datenvorschrift und Beleglieferung ausgeschlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portokosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
17. Jahrg.
1912.
erstes Blatt.
Die Lage ans dem Balkan
Ist unverändert ernst. Die vielgerühmte Friedensliebe aller europäischen Großmächte scheint recht problematischer Natur zu sein; denn wie käme es sonst, daß sie von Montag bis Freitag Zeit brauchen, um da unten bei den kleinen Ruhestörern einen ener-' gischen Schritt zu unternehmen und in den Wein der Kriegsbegeisterung eine genügende Quantität Wasser zu gießen. Wenn einmal erst die Serben, Griechen, Montenegriner und Vulgaren sich gegenseitig in einen Rausch des Mutes hineinproklamiert haben, dürfte es den zünftigen Diplomaten recht schwer fallen, ein schnell wirkendes Ernüchterungsmittel anzuwenden, lleberall finden schon große Kundgebungen für den Krieg statt. In Eetinje zogen die Masten vor die russische, serbische, bulgarische und griechische Gesandtschaft sowie vor das Palais des Königs, wo sie diesem sowie dem Kronprinzen zujubelten, und Nikita ließ es sich dabei nicht nehmen, einige Worte an sein Volk zu richten, indem er ausführte, die Mobilisierung bedeute zwar noch keinen Krieg, aber in dieser ernsten Zeit müste jeder Montenegriner seine Pflicht tun und bereit sein, dorthin zu gehen, wohin ihn die Behörden schickten. Auch aus den übrigen Staaten werden begeisterte Kundgebungen für den Krieg gemeldet und sogar in der Türkei wird überall, in der Hauptstadt wie in der Provinz die Mobilisierung freudig begrüßt. Bedenkt man aber, daß bei einer Kriegsgefahr die Volksstimmung immer von ausschlaggebender Wirkung sein wird, so kann man sich den Ernst der Lage nicht verhehlen und wird wenig Hoffnung auf eine friedliche Schlichtung der Streitigkeiten und einen kampflosen Ausgleich der Gegensätze haben. -- --------
Entgegen anders lautenden Meldungen ist bis jetzt der Türket von den vier Balkanstaaten noch kein Ultimatum überreicht worden, auch ist der Vorstellung, die der griechische Gesandte auf der Pforte wegen Zurückhaltung griechischer Schiffe, sowie dem Verlangen Serbiens, das beschlagnahmte Kriegsmaterial freizugeben, kein weiterer Schritt gefolgt. Die vier Staaten scheinen sich noch nicht ganz einig zu sein, wie sie am besten das Kesteltreiben auf die Türkei beginnen sollen.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß der Ausbruch eines Balkankrieges direkt zunächst die Interesten Oesterreich-Ungarns am meisten treffen würde und daß dies von Anfang an gezwungen ist, der Entwicklung der Dinge die schärfste Aufmerksamkeit zu widmen. Es ist daher nicht überraschend, daß seine leitenden Kreise rücksichtslos den Ernst der Lage öffentlich anerkennen und sich auch durch die bekannte russische „Probemobilmachung" nicht beirren lasten. Es ist jedenfalls gerüstet und gewillt, diese Rüstung auch in die Wagschale zu werfen. Das geht neben den Auslassungen des Grafen Berchtold auch aus einer Rede des Vertrauten Franz Ferdinands, des Fürsten Schwarzenberg, bervor, der u. a. ausführte: „Wenn sich ohne unser Zutun und Verschulden eine krisenhafte Lösung auf dem Balkan und Gelüste nach einer Aende- rung des territorialen Status quo ergeben, dürfte es uns kaum möglich fein, den Friedenspfad zu wandeln. Wir wünschen keine Gebietserweiterung. Wenn er jedoch von anderer Seite gestört wird, muffen auch wir uns unserer Kraft, unserer Interesten und des Grundsatzes bewußt werden, daß ein Staatsgebilde abstirbt, sobald es interestelos wird." Das ist klar und deutlich und dürfte weder in Rußland noch bei den Balkanstaaten mißverstanden werden.
Von den übrigen Großmächten steht Rußland den ernsten Verwicklungen nicht allzu fern, und auch England wird seine Hand im Spiele haben. Nicht mit Unrecht wird nämlich vermutet, daß die Vorgänge auf dem Balkan im engen Zusammenhänge mit den Besprechungen in Balmoral stehen, ja daß sie durch die dortige Konferenz eingeleitet wurden. Offen tritt eben Rußland ebenfalls für die Erhaltung des Friedens ein, im Geheimen aber fördert es die Bestrebungen des Balkanstaatenbundes, der ja nur fein Werk und Werkzeug ist. Nikita, der Beherrscher der Schwarzen Berge, spricht sich recht offenherzig darüber aus, wenn er sagt: „Montenegro wird unbedingt in Uebereinstimmung mit Rußland handeln und keinen Schritt unternehmen, der in Petersburg mißfällig ausgenommen werden würde. Wir haben uns den Ratschlägen Rußlands immer gefügt und werden es auch weiter so halten. Montenegro wird nur dann losschlagen, wenn Rußland gerüstet ist und seine Zustimmung gibt." Diese zweifelhafte Stellungnahme Rußlands ist es aber, die vor allem geeignet ist, aus dem Krakehl der nicht allzu bedeutenden Balkanvölker einen Weltbrand entflammen zu lasten. Zwar hat die „Nordd. Allg. Ztg." die bestimmte Hoffnung ausgesprochen, daß es dazu nicht kommen würde. Aber wenn man die politischen Vorgänge der letzten Zeit, die Geschäftigkeit der russischen Politik, das Anschwellen der chauvinistischen Stimmung in Frankreich u. a. im Auge behält, so kann man nichts anderes erkennen, als daß die Gefahr einer baldigen allgemeinen kriegerischen Auseinandersetzung der Großmächte unter einander in bedrohliche Nähe gerückt ist. Man kann es deshalb verstehen, daß deutsche Politiker den Zeitpunkt für geeignet halten, die Regierung zu mahnen, unsere Rüstung schleunigst vollkommen fertig zu machen. Besonders wird gerügt, daß die Aufstellung der neuen Maschincngewehrkompagnien, die für diesen Herbst geplant war, auf ein Jahr verschoben wurde. Ein militärisch gut unterrichteter Journalist schreibt etwas pessimistisch in der „Post": „Es ist spät, aber noch nicht zu spät. Der Krieg kann vermieden werden, aber nicht mehr durch die Diplomatie, |
sondern nur durch einen sofortigen umfastenden Ausbau der deutschen Armee. Dazu ist einmal nötig die sofortige Durchführung der FrühjahrsbeschlLste des Reichstags über die Heeresvorlage. Nicht 1915, sondern spätestens, allerspätestens am 1. April 1913 mutz alles das fertig fein, wozu der Reichstag der Regierung bis 1915 Zeit gelassen hat. Die sofort in vorerwähntem Sinne vorgenommene Verstärkung der Armee brächte dem Auslande die Eewitzheit und würde die Kriegsgelüste in Paris, London und Petersburg ganz empfindlich abkühlen. Wer es weitz, welcher Unmut in der Armee über die Nichtaufstellung der Maschinengewehrkompagnien herrscht, wer es weitz, welcher Unmut sich über die Nichtaufstellung sämtlicher fehlenden dritten Bataillone breit macht, wer es weiß, wie dringend die Feldartillerie eine bestere Organisation verlangt, der wird die hier vorgeführten Forderungen als unumgänglich notwendig anerkennen und ihre sofortige Erledigung verlangen. Noch haben wir Zeit. Die Stunde der Entscheidung ist nahe, aber noch nicht da!"
* * *
„ Ueber die gegenwärtige Lage liegen noch folgende Meldungen vor:
Konstantinopel, 3. Okt. Die nach Konstantinopel eingezogenen Reservisten ziehen mit Musik durch die Straßen; sie werden überall mit großer Begeisterung begrüßt. Die streikenden Kutscher haben sich für die Mobilisierungsarbeiten angeboten. Laut Nachrichten aus türkischer Quelle herrscht auch in der Provinz eine große Begeisterung für die Mobilisierung. Ein außerordentlicher Ministerrat beriet über die Lage, insbesondere über die Frage der Zurückhaltung der griechischen Schisse. Bei dem gemeldeten Schritte zugunsten der Schisse hatte der griechische Gesandte Eryparis sehr energisch die schleunige Zurücknahme des betreffenden Beschlustes der Pforte verlangt, da die Maßregel willkürlich und, solange freundschaftliche Beziehungen herrschten, unangebracht sei. da jede. Verzögerung Millionen Verluste verursache. Der Minister des Aeußern Noradunghian antwortete, die Regierung werde die Schiffe für Transporte requirieren und versprach schließlich, die Angelegenheit dem Ministerrat zu unterbreiten. — Seit gestern abend hörte der Eisenbahnverkehr mit Europa und Saloniki auf. Die Züge verkehren nur bis Adrianopel. Die Konventional- und Exvreßzüge kommen morgen zum letztenmal in Konstantinopel an. Der Verkehr mit Europa wird fernerhin ausschließlich über Eonstanza möglich sein. — Auf die Kunde von der Mobilisierung Serbiens verlangten die Albanesen in Kostowa telegraphisch 50 000 Gewehre. Die Regierung erwägt, ob sie die Bitte unter gewissen Bedingungen erfüllen könne. — Zwei griechische Dampfer wurden im Bosporus von den türkischen Forts beschossen. Der griechische Gesandte hat bei der Pforte protestiert und hat beim britischen Gesandten Beschwerde eingelegt. — An der bulgarischen Grenze ist es nach den Angaben von Reisenden schon zu Plänkeleien gekommen. (?)
Saloniki, 3. Okt. Angehörige des mazedonischen Komitees brachten an der Außenmauer der sogenannten Alten Moschee in Serres eine Höllenmaschine zur Explosion gebracht. Drei Mohammedaner wurden getötet, vier leicht verletzt.
Paris, 3. Okt. Der Ministerpräsident Poincarre hatte heute vormittag, ehe er sich mit dem Minister des Aeußern Sasonow nach Rambouillet zu dem Präsidenten Fallieres begab, eine längere Unterredung mit dem deutschen Botschafter.
Wien, 3. Okt. Der König von Griechenland empfing heute vormittag im Hotel die Botschafter Italiens, Rußlands und Frankreichs in gemeinsamer Audienz.
Petersburg, 3. Okt. Der Petersburger Telegraphen-Agentur zufolge hörte die russische Regierung nicht auf, den Balkanstaaten Besonnenheit anzuraten. Sie ist in dieser Beziehung wie auch in ihren Beziehungen zu der türkischen Regierung vollkommen solidarisch mit den übrigen Mächten vorgegangen. Die Bemühungen der Mächte, den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhüten, werden fortgesetzt.
Paris, 3. Okt. Nach heute morgen am Quai d'Orsay eingelaufenen Telegrammen ist die Balkanlage unverändert. Die Besprechungen zwischen den Mächten zeigen den' gemeinsamen Wunsch, den Frieden aufrecht zu erhalten. Die gestrige Unterhaltung zwischen Poinearö und Sasonow beweist, daß Paris und Petersburg die Lage von denselben Gesichtspunkten betrachten.
London, 3. Okt. Wie dem Reuterschen Bureau aus Malta gemeldet wird, haben die augenblicklich in Gibraltar liegenden Kreuzer „Parmouth" und „Weymouth" mit Rücksicht auf den bedrohlichen Charakter der Lage im nahen Osten den Befehl erhalten, nach Malta abzugehen, bis die Mittelmeerflotte dorthin zurückgekehrt ist.
Politische Umschau.
Zur Fleischtrnerung.
Berlin, 3. Okt. Die „Norddeutsch? Allgemeine Zeitung" schreibt über die Entwicklung der Fleischversorgung des Deutschen Reiches im Verhältnis zum Anwachsen der Fleischkonsumenten vom Jahre 1816 bis 1912: Setzt man die Verhältniszahl der 1816 vorhandenen Fleischmengen (Rinder, Kälber, Schafe, Schweine) gleich 100, so ergibt sich im Jahre 1873 die Zahl 393, 1907 die Zahl 843. Hieraus geht hervor, daß die Menge des im Inland hervorgebrachten Schlachtfleisches erheblich schneller gewachsen ist, als die Bevölkerungsziffer, nämlich 1 zu 8,4 beim Fleisch, bei der Bevölkerung nur 1 zu 2,6 da diese 1816 rund 25, 1912 rund 65 Millionen betrug Vergleicht man die einzelnen Arten von Schlachtvieh, so ergibt sich, daß sich das Rindfleisch um das Sechsfache vermehrt hat, das Schweinefleisch sogar um das Einundzwanzig- fache gestiegen ist. Schaffleisch ist in dauerndem Rückgänge begriffen, Kalbfleisch nur in geringem Maße an der Steigerung beteiligt. Weitere stattstische Untersuchungen ergaben, daß bei den vornehmlich in Betracht kommenden Schlachttieren rund eine Verdoppelung des durchschnittlichen Schlachtgewichts stattgefunden hat, was auf eine Verbesserung der Rasten zürückzuführen ist. Der Fottschritt der deutschen Fleischerzeugung ist weiter durch die Beschleunigung des Umsatzes der einzelnen Viehgattungen erklärlich. Diese sind bei Rindvieh um das Einzweidrittelfache, bei den Schweinen um das Anderthalbfache zu veranschlagen. Auf Grund der Verhältniszahlen läßt sich erwarten, daß die deutsche Landwirtschaft auch in Zukunft den Vorsprung im Verhältnis zum Anwachsen der Beoölkerungsziffer behalten wird. Weiter ergibt sich an»
den statistischen Ermittelungen, welche wichtige Rolle besonders der Schweinezucht in der Ernährung der deutschen Bevölkerung innewohnt. Die Maßnahmen der preußischen Regierung müßten daher vornehmlich die Konstanterhaltung und möglichste Förderung der Schweinezucht ft» Auge behalten, Maßnahmen, die ganz besonders den kleinen und mittleren Viehzüchtern zugute kommen.
Berlin, 3. Ott. Der Vorstand des preußischen Städtetages hat auf Samstag dieser Woche das Ministerium des Innern zu einer Konferenz wegen der Fleischteuerung eingeladen. Der Städtetag wird bei seiner Tagung in Düffeldors vom 7. bis 9. Oktober Stellung zu dieser Frage nehmen.
Frankfurt, 3. Okt. Die Stadtverordnetenversammlung besprach heute die Fleischteuerung und ersuchte den Magistrat, alle Möglichkeiten der billigen Fleischbeschaffung, die durch den Regierungserlaß gegeben sind, auszunützen, sowie die Selbstschlachtung holländischen Viehs so vorzubereiten, daß sie auch im Falle einer Weigerung der Fleischerinnung vorgenommen werden kann. Der Beschluß wurde einstimmig gefaßt
Deutsches Reich.
— Das Befinden des bayrischen Prinzregenten. München, 3. Okt. Die „Münchener Post" brachte in ihrer heutigen Nummer eine Meldung, in der das Befinden des Prinzregenten als andauernd ungüstig bezeichnet und behauptet wird, die Vorträge der Minister beschränkten sich auf kurze persönliche Vorstellungen. Die Regierung liege völlig in den Händen des Chefs der Eeheim- kanzlei. Dieser Zustand genüge dem Ministerpräsidenten durchaus. Demgegenüber schreibt die Korrespondenz Hoffmann: Die in der Münchener Post gebrachte Notiz über das Befinden des Prinzregenten entspricht nicht den Tatsachen. Die Vorträge der nach Berchtesgaden befohlenen Minister beschränken sich keineswegs, wie dort behauptet wird, auf eine kurze persönliche Vorstellung, sondern finden, wie bisher, in durchaus sachentsprechender Weise statt. Demgemäß stellt sich die Behauptung, die Regierung liege völlig in den Händen des Chefs der Geheimkanzlei, als gänzlich unbegründet dar.
— Für die Ostmarkenzulage. Posen, 3. Okt. Nach einem Referat des konservativen Reichstagsabgeordneten v. Volko nahm der Verbandstag der Vereine deutscher Katholiken des Ostens eine Entschließung an, in der die Erwartung ausgesprochen wird, datz die Ostmarkenzulage den Reichsbeamten auch nach dem Jahre 1913 gewährt werden wird, um schwere Schädigungen zu verhüten.
— Spionageprozeh. Leipzig, 3. Okt. Vor dem Reichsgericht findet am 16. Oktober der Spionageprozetz gegen den früheren Brieftaubenwärter Karl Lucius Banchelin, den früheren Forti- fikationsfchreiber Johann Berger und den Stadtschreiber Eugen Chibeaut, sämtlich in Metz, statt, die des vollendeten Landesverrats angeklagt sind. Für die Verhandlung sind drei Tage vor- gesehen, da 67 Zeugen geladen sind.
---------ch--
Koloniales.
Keetmanshoop, 2. Okt. Die Kopper-Leute tauchen nunmehr i.n Keetmanshooper Bezirk auf. Am Montag wurde eine :t<va 30 Mann starke Bande nördlich von Heigasib gesehen. Nach Aussage fliehender Buschmänner sind die Leute durchweg mit Schußwaffen versehen. Die Schutztruppe trifft umfassende Motz:;-h men zur völligen Säuberung der Ostgrenze.
Ausland.
* * Bon den französischen Manöoern. Paris, 3. Olt. De» Blättern zufolge beschäftigt sich General Zoffte in seinem vorläufigen Bericht an den Kriegsminister über die unter seiner Leitung stattgehabten großen Manöver, insbesondere mit der „Gefangennahme" des Generals Marion durch die Reiterei des Generals Dubois. General Zoffte erklärt, man müsse den General Marion auf die Gefahr aufmerksam machen, die für einen Ärmeekomman- deur daraus erwachsen kann, wenn er sich auf der äußersten Schlachtlinie aufstellt, anstatt die Operationen vom Zentrum seiner Truppen aus zu leiten. An General Dubali müsse man di« Bemerkung richten, daß er seine Artillerie nicht genügend unterstützt habe, eine Unterlassung, die umso bedauerlicher sei, oh Oberst Maister, Eeneralstabsches des Generals Marion, ihn hierauf aufmerksam gemacht habe. Schließlich erklärt es General Zoffte für bedauerlich, daß der Tagesbefehl, in welchem General Dubois feine Truppen beglückwünscht habe, der Oesfentlichkeit übergeben worden fei.
* * Spanien. Madrid, 3. Okt. Die Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1907 bis 1912 wurden zu den Fahnen eintzerufen. — Die angeftellten katalanischen Eisenbahner lehnten den Vorschlag ab, Mindestforderungen aufzustellen. Der Ministerpräsident erklärte die von Eisenbahnern der Linie Caceres-Portugal geforderten Lohnerhöhungen von neun Millionen Pesetas würden die Gesellschaft ruinieren. Im Streikgebiet entgleisten zwei Eisenbahnzüge. Personen wurden nicht verletzt.
* * Marokko. Tanger, 3. Okt. Das Küstenwachtschiff „Mar- rachi" ist heute früh, von Agadir kommend, hier eingeftoffen. Al» es an Agadir vorbeifuhr, wurde es von feindlichem Eeschützfeuer empfangen. Es erwiderte mehrere Stunden mit dem Küstenwacht schiff ,,Fazi" zusammen das Feuer. Agadir scheint wieder oo« Aufständischen, die mit Waffen gut versehen sind, besetzt zu sei»« Die französischen Truppen, die Agadir besetzen sollen, treffen m» 4. Oktober hier ein. — Paris, 3. Okt. Wie aus Casablanca dow 2. Oktober gemeldet wird, ist Generalleutnant Lyautey gestern tm Triumph in Marrakesch eingezogen. Die^gr eßen Äatt» huldigte» ihm und die Bevölkerung jubelte ihm zu. Die Artillerie Salutschüsse ab. - ■ . » - !