Einzelbild herunterladen
 

:s- W

mtt oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

M 233

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

S-ieCberljeffifiDt Rettung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 Jl (ohne Bestellgelds, bei unseren Leitungsstellen und der Erpedition sMarkt 21) 2.00 <M frei ins Haus. (Für uuver« langt zugesandte Manuslripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch sInh.: Dr. E. Hitzeroih), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 4 Oktober

Ter Anzeigenpreis beträgt für di« 7gespaltene 8eil" ober deren Raum 18 bet amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 4, für Reklamen die Zeile 60 4 Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglteferung ausge- jchlossen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portokosten unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.

MS

47. Jahrg.

1912.

_______Erstes Blatt.

Zwischen Krieg und Frieden.

Die Gefahr des Ausbruchs eines Balkankrieges und damit die Möglichkeit verhängnisvoller internationaler Verwicklungen, ist noch immer latent. Bemerkenswert ist, daß die offiziösen Kreise Deutschlands im Gegensatz zu ihrer sonstigen Gewohnheit, doch etwas pessimistisch in die Zukunft blicken. So beurteilt Herr von Kiderlen-Wächter die Lage, die ihm am Freitag noch entwirrbar schien, jetzt sehr ernst, da alles darauf ankommt, ob die Pforte sich den Forderungen der Valkanstaaten fügen wird oder nicht. Die Friedensaktion der Mächte wird von Deutschland unter­stützt werden, da jede noch so schwache Möglichkeit benutzt wird, einen Ausgleich zu finden, der beide Teile für den Augenblick be­friedigen kann. Einer Berliner Depesche derKölnischen Zeitung" zufolge richten die Großmächte ihr Augenmerk dahin, an allen fünf Stellen: Konstantinopel, Sofia, Athen, Belgrad und Cetinje die Rückgängigmachung der Mobilisierung zu erreichen. Vermutlich kommt es bald zu Vorschlägen zu einem in diesem Sinne zu unter­nehmenden Schritt. Selbverständlich bleibt Deutschland, wenn es auch keine besondere Initiative zu ergreifen hat, bereit, jeden zur Beschwörung der Kriegsgefahr geeigneten Schritt zu unterstützen. Die Sachlage selbst läßt im gegenwärtigen Augenblick immer noch die Deutung zu, daß die Valkanstaaten abwarten wollen, welche Wirkung die Mobilmachung auf die Großmächte hat.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" aber schreibt: Angeb­liche oder wirkliche türkische Mobilmachungsmaßregeln haben den Balkanstaaten Grund oder Vorwand zur Mobilisierung ihrer Streitkräfte gegeben. Ob es sich nur um einen Eegenzug gegen die türkischen Vorkehrungen oder um ernstliche Kriegsabsichten handelt, läßt sich zur Zeit mit Bestimmtheit nicht erkennen. Unter allen Umständen haben die von den Balkanregierungen ergriffenen Maßregeln die Möglichkeit eines kriegerischen Zusammenstoßes mit der Türkei nähergerückt. Die Bemühungen der Mächte, den Frieden zu erhalten, dauern fort. Wie sehr es auch zu bedauern wäre, wenn diese Bemühungen erfolglos blieben, so ist doch auch in diesem Falle für die deutschen Interessen ein Anlaß zu unmittel­barer Beunruhigung nicht gegeben. Dies ist um so weniger der Fall, als mit Bestimmtheit zu hoffen ist, daß der etwaige Konflikt auf seinen Herd besckxränkt bleiben wird. Die letzten Ereignisse haben, wie gesagt, die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts erhöht. Mit der Möglichkeit eines solchen mußten die europäischen Ka­binette aber schon seit geraumer Zeit rechnen. Sie haben daher auch alle Zeit gehabt, sich untereinander über ihre Stellung zu einer solchen Eventualität auszusprechen. Bei dem festen Willen aller Mächte, die Ausdehnung des Konfliktes hintanzuhalten, kann eine endgültige Verständigung nicht ausbleiben. Wenn auch die nahe Möglichkeit eines Zusammenstoßes auf dem Balkan nicht von der Hand zu weifen ist, so darf doch zuversichtlich erwartet wer­den, daß eine weitergehende Konflagration, in die die europäischen Großmächte hineingezogen werden könnten, vermieden bleibt.

Wie ernst übrigens die Lage ist geht auch daraus hervor, daß, wie verlautet, infolge der ernsten Entwicklung der Balkanfrage die Einberufung des Vundesratsausfchusses für auswärtige An­gelegenheiten für die ersten Oktobertage zu erwarten ist. Den Vorsitz wird Frhr. v. Hertling führen, da Bayern verfassungs­gemäß in diesem Ausschuß präsidiert. Bekanntlich ist der Aus­schuß das letzte Mal nach der Marokkokrise zusammengetreten.

In den beteiligten Balkanstaaten ist inzwischen die Kriegs- begeifterung und die Zuversicht aufs höchste gestiegen. So sollen, wie bereits kurz gemeldet, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Montenegro in der Ueberzeugung, daß sie die Türkei ohne jede Beihilfe besiegen könnten, die Mächte gebeten haben, sie den Krieg allein führen zu lassen. Gleichzeitig sollen die gesamten Balkan- staaten den Regierungen der Großmächte sowie Rumänien die Er­klärung abgegeben haben, daß sie keinerlei Gebietserweiterungen im Auge hätten. Sie hofften, daß diese Erklärung genügen werde, um jede fremde Intervention hintanzuhalten.

Das Exekutivkomitee der makedonischen und Adrianopler Ge­sellschaften veranstaltete am Dienstag nachmittag in den Straßen von Sofia eine Kundgebung, an der Tausende, insbesondere Ein­wanderer aus Makedonien und dem Wilajet Adrianopel teil­nahmen. Vor dem königlichen Schloß, dem Militärklub und der serbischen und griechischen Gesandtschaft wurden von der Menge Ovationen dargebracht. Die Begeisterung ist ungeheuer. 15 000 in Amerika als Auswanderer lebende Freiwillige sind bereits unterwegs.

Sie Vorbereitungen.

Konstantinopel, 2. Okt. Ein offiziöses CommuniguS begründet die Mobilisierung mit der Mobilisierung und Konzen­trierung der Balkanstaaten. Alle Parteien beschlossen, zu er­klären, daß sie einhellig die Regierung unterstützen werden. Die Regierung requirierte alle Transportmittel und Schiffe.

Konstantinopel, 2. Okt. Die Pforte verweigert den griechischen Schiffen die Ausstellung von Durchfahrtspässen durch die Dardanellen und erklärt, sie könnte die Schiffe chartern. Mehr eis 50 griechische Schiffe befinden sich im Schwarzen Meer, 22 vor Konstantinopel. Der griechische Gesandte Eryparis erhob bei der Pforte gegen die Zurückhaltung der griechischen Schiffe Ein­spruch. Die griechische Regierung hat vier Torpedoboote an- ' Belauft, die in Liverpool für *ie andere Macht gebaut und fast oOenbet sind.

I Konstantinopel, 2. Okt. Von überallher werden die Einberufungen der Rediss des zweiten Aufgebots und der Reser­visten gemeldet. Die Divisionskommandeure haben Befehl er­halten, die Rediefdivisionen vollzählig zu machen. Jedes Ba­taillon soll auf die Dauer eines Monats auf 800 Mann gebracht werden. Die mobilisierten Divisionen von El Basan werden dem­nächst nach Skutari abgehen. Die Kommission für Reformen im Gebiete der Malissoren ist unter Marschall Kiazim Pascha nach Skutari abgereist.

L o n d o n , 2. Okt. Nach einem Telegramm aus Sofia haben Griechenland, Serbien, Montenegro und Bulgarien König Ferdi­nand zum obersten Kriegsherrn der vereinigten Armeen der Ver­bündeten ernannt. Man glaubt, daß mindestens 10 000 russische Freiwillige sofort beim Ausbruch der Feindseligkeiten sich den Bulgaren anschließen werden.

Preßstimmen zur Lage.

DieTägliche Rundschau" schreibt:Als selbstverständlich setzen wir voraus, daß die deutsche Regierung im Verein mit Oesterreich-Ungarn kein Mittel scheut, um den aufflammenden Balkanbrand, der leicht zu dem gefürchtetenWeltbrand" führen kann, rechtzeitig zu ersticken oder wenigstens zu lokalisieren. Ein Meisterstreich würde es nach unserer Meinung sein, wenn es ge­länge, die Türkei mit Italien jetzt rasch auszusöhnen und die ver­einten Kräfte der fünf Reiche: Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Italien, Rumänien und die Türkei dem mit den slawischen Balkanstaaten sympathisierenden Dreiverband gegenüberzustellen. Ein solcher Fünfbund wäre militärisch und politisch unangreifbar und böte in sich völliges Genüge in wirtschaftlicher und kultureller Beziehung. Hoffentlich wird dieser große Augenblick nicht ver- pcßt, sondern erfolgreich benutzt."

DieBerliner Börfenzeitung" führt aus:Es sieht so aus, als fei ein Anstoß gegeebn worden, um die Entwicklung in Fluß zu bringen, und die Annahme, daß dieser Anstoß von Balmoral ansgegangen ist, liegt ziemlich nahe. Es soll ein allgemeiner An­sturm auf die türkische Lässigkeit in Szene gesetzt werden, um die Entscheidung zu beschleunigen, um die Lage zu klären, deren Druck stets peinlicher empfunden wird. Aber es fragt sich, ob dieser Ver­such einer Lösung der Balkanfrage das erwünschte Ergebnis hcr- beisühreil wird. Wenn sich die Türkei nicht einschüchtern läßt, wenn sie den Fehdehandschuh aufnimmt nach dem alten Wort: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende? Dann wäre der ganzeBluff" wirkungslos und die dafür ge­machten finanziellen Anstrengungen ergebnislos, denn gegen Oesterreichs Willen läßt sich eine einseitige Entscheidung am Bal­kan nicht herbeiführen. Wir glauben nach alledem nicht an den Ausbruch eines Krieges in absehbarer Zeit. Schon der Zeitpunkt, unmittelbar vor Beginn des Winters, der größeren Operationen am Balkan ganz ungewöhnlich große Schwierigkeiten bereiten würde, scheint uns sehr schlecht gewählt. Freilich ist es immer gefährlich, mit dem Feuer zu spielen."

Der PariserRadical" schreibt über die Vorgänge auf dem Balkan:Man muß den Mut haben, der Lage ins Gesicht zu sehen. Solange die Triple-,Entente und der Dreibund sich nicht verstän­digt haben, insbesondere, was die Interessen Rußlands und Ocsierreich-Ungarns anbelangt, wird nichts gegen den Krieg ge­schehen können. Es ist Sache Frankreichs und Englands auf der einen Sehe und Deutschlands auf der anderen Seite, Anstrengun- orn in diesem Sinne zu unternehmen. Sie scheinen in gleicher Weise den Frieden auf dem Balkan zu jnhi; i;cu, und sie haben keinen Augenblick zu verlieren."

----------

Zur Meisi teuerung

Oldenburg, 2. Okt. Die großherzogliche Regierung schließt sich den Maßnahmen Preußens gegen die Fleischteuerung an, soweit sie für das Großherzogtum Anwendung finden können.

Heidelberg, 2. Okt. "Der Heidelberger Stadtrat hat bei der badischen Regierung betreffs der Einfuhr frischen ausländi­schen Fleisches die gleichen Vergünstigungen erbeten, welche den Städten Mannheim, Karlsruhe und Freiburg gewährt worden sind. Ferner hat die Heidelberger Stadtverwaltung den von ihr zu kontrollierenden Verkauf frischer Seefische auf den vier städti­schen Wochenmärkten während des Winterhalbjahres, das Pfund um 5 Pfennig unter dem jeweiligen Ladenpreis mit einer hiesigen Seefifchhandlung vereinbart.

Berlin, 2. Okt. DieNorddeutsche Allgem. Ztg." schreibt: Auf die Äußerung des Obermeisters der Berliner Fleischerinnung, daß in dem Beschluß der Preußischen Staatsregierung ausdrücklich auch der Verkauf durch die Fleischer vorgesehen sei, verlangt werde nur, daß die Preise unter behördlicher Mitwirkung festgesetzt wer­den. Die Kommunalbehörden würden nur dann gezwungen sein, den Vertrieb in eigene Regie zu nehmen, wenn die Fleischer sich weigern sollten, den Fleischvertrieb zu übernehmen. Die Fleischer hätten es in der Hand, zu beweisen, daß auch ihnen die hohen Fleischpreise höchst unerwünscht sind. Gegenüber den Meldungen mehrerer Zeitungen bemerkt dieNordd. Allgem. Ztg." ferner, daß nach Auskunft von amtlichen Stellen die Niederlande jetzt frei sind von der Maul- und Klauenseuche. Was den vielfach geäußer­ten Einwand betreffe, daß eine nennenswerte Menge holländi­schen Viehs für die Ausfuhr nicht zur Verfügung stehe, so werde übersehen, daß seit einiger Zeit aus Holland Schlachtvieh in nicht unerheblicher Zahl durch Deutschland nach der Schweiz durchge­führt werde. Aus der Schweiz wieder werde gerade in letzter Zeit Rindfleisch nach Deutschland ausgeführt. Wenn dies möglich fei, so mLsse um i» eher dir Einfuhr Schlachtvieh nach Deutschland

| z. B. in die großen Städte des rheinischen Industriegebietes zu am nehmbaren Preisen erfolgen können.

Das argentinische Gefrierfleisch wird immer noch in alle« Tonarten angepriesen. Demgegenüber ist es interessant, wie hl derVoss. Ztg.", allerdings unterKunst und Wissenschaft", da­rüber geurteilt wird. Das genannte linksliberale Blatt schreibt: Welchen Einfluß hat das Gefrieren auf die Substanz des Flei­sches? Darüber sind vor zwei Jahren auf dem Schlachthof t« Köln wissenschaftliche Versuche angestellt worden, die sehr bemer­kenswerte Resultate ergaben. Hiernach ist mit dem Gefrieren stets ein beträchtlicher Wasserverlust verbunden, der sich sofort nach­teilig bemerkbar macht, sobald das Fleisch wieder aufgetaut ist. Es schlägt sich nämlich die Feuchtigkeit der Luft nach dem Auftauen darauf nieder, durchdringt die durch das Gefrieren auseinander­gerissenen Gewebe und führt so eine Neigung zu schneller Zersetzung herbei, da dieses Wasser stets mit pathogenen Keimen überladen ist. Der Wasserverlust beim Gefrieren betragt beim Rindfleisch 8, beim Schweinefleisch 7, bem Hammelfleisch 4y2, beim Geflügel 1 bis 2 v. H. Das Rindfleisch nimmt bei längerer Aufbewahrung in der Kälte eine schwärzliche, das Schweinefleisch eine graue Farbe an. Die Folge davon ist, daß das Fleisch nach seinem Auf- tauen möglichst rasch verzehrt werden muß, da sonst die Keime durch rasche Entfaltung es ungenießbar machen oder gesundheit­liche Störungen erfolgen. . . Öb diese Art der Ernährung schließ, lich ein nicht unwichtiger Punkt dem deutschen Gaumen überhaupt zusagt, muß erst abgewartet werden."

-----*-----

Politische Umschau.

Arbeiterschaft und Schutzzoll.

Besonderes Interesse kann gerade jetzt beanspruchen, was der frühere Sozialdemokrat Ealwer in derKonjunktur" über Arbeiterschaft und Schutzzoll schreibt:

Billige Lebensmittelpreise auf alle Fälle ist eine sehr schöne Parole für die Konsumenten, aber die Folge einer Politik, die nur auf die Verbilligung der Lebensmittelpreise hinarbeiten wollte, wäre nicht nur der Ruin der deutschen Landwirtschaft, sondern auch eine Verelen­dung der Arbeitermassen. Der wirtschaftliche Aufstieg der deutschen Arbeiterschaft ist mit der deutschen Schutzzollpolitik aufs engste verknüpft. Hätte Deutschland in seiner kaufkräftigen Landwirtschaft nicht einew guten Abnehmer ans dem Markt seiner industriellen Erzeugnisse, dann träte die Position Deutschlands auf dem Weltmarkt nicht entfernt so kräftig, als sie heute ist. Wenn der deutschen Landwirtschaft infolge staatlicher Unterstützung in Form von Schutzzöllen große Summen zu­fließen, so möge man doch nicht vergessen, daß diese Summen größtenteils wieder zur Erhöhung und Befruchtung der Arbeitsgelegenheit im Ge­werbe hingegeben werden. Daß aber die deutsche Landwirtschaft im Wettbewerb gegen die überseeischen Agrarstaaten geschützt werden mußte, lag nicht nur im einseitigen Interesse der Landwirtschaft, sondern im Eesamtinteresse des deutschen Volkes. Oder sollten wir die Landwirt­schaft. d. h. den Bauernstand zugrunde gehen lassen? Dann hätte die gewerbliche Arbeiterbevölkerung sehen können, ob sie die Kraft zu den Organisationen gefunden hätte, die sie sich heute auf politischem, gewerk­schaftlichem und genossenschaftlichem Gebiete geschaffen hat. Vom Aus­landsmärkte allein kann die Arbeitsgelegenheit nicht kommen, die unserer wachsenden Bevölkerung nötig ist. Wir Hütten Menichen über Menschen exportieren müssen, und trotzdem hätte der Arbeitsmarkt unter dem Druck dauernden Ueberangebots gestanden. Wenn es der Sozialdemo­kratie einmal gelingen sollte, die Probe auf die Richtigkeit ihrer libe­ralen handelspolitischen Anschauungen zu machen, so mürb-* die deutsch« Arbeiterschaft sehr schnell gewahr werden, daß diese Politik zu einer Vernichtung aller ihrer wirtschaftlichen und organisatorischen Erfolg« führt. Die natürliche Ueberlegenheit der überseeischen Agrarstaaten erfordert für die deutsche Landwirtschaft einen staatlichen Scdutz solang«, bis die natürliche Ueberlegenheit wegfällt. Versagt man diesen Schutz, so müßte die deutsche Landwirtschaft in eine Notlage geraten und zu­rückgehen. Die Zeche einer solchen Entwicklung hätte zuletzt aber auch dir Jndustriearbeiterschaft mitzubezahlen."

Strittig« Rechtsfragen im Versicherungsgesetz.

In der Presse wird vielfach dem Wunsche Ausdruck gegeben, bi« Reichsversicherungsanstalt möchte die Bekanntgabe der Ausführungs­bestimmungen zum Versicherungsgesetz für Angestellte beschleunigen, um der über manche Fragen schwebenden Unsicherheit ein Ende zu machen. Wie dazu mitgeteilt wird, ist die baldige Bekanntgabe der Bestimm­ungen aus schwerwiegenden Gründen nicht möglich. Die Stellung der Reichsversicherungsanstalt gegenüber den in der Angestelltenversicherung rcchtsprechenden Instanzen macht vorläufig eine gewisse Zurückhaltung in ungewissen und strittigen Fragen notwendig. Erst in längerer Praxis werden sich feste Normen bilden, und die bis dahin herrschende Unsicher­heit ist als ein leider unvermeidliches Uebel anzusehen. Im übrigen ist es infolge des engen Zusammenhanges, den das Versicherungsgesetz für Angestellte mit der Reichsversicherungsordnung und den bisherigen Ver­sicherungsgesetzen hat, möglich geworden, die Ergebnisse der früheren Rechtssprechung des Reichsverficherungsamtes auf das Versicherungs- gesetz für Angestellte in weitgehendem Maße anzuwenden. In vielen Fragen kann die frühere Rechtsprechung auf die neuen Verhältnisse ein­fach übertragen werden. Dieser Sachlage trägt die vom Direktorium der Reick-sversicherungsanftalt unter dem 20. Juni veröffentlichte An­leitung über die für die Versicherung nach dem neuen Gesetz in Betracht kommenden Personen Rechnung, indem sie die vom Reichsversicherungo- amt über die verschiedenen grundlegenden Fragen festgefteNten Etund- sätze zumteil wörtlich, zumteil gekürzt und, soweit es nötig war, dem neuen Gesetze angepaßt wiedergibt. Es sind so u. a. die vom Reichs- versicherungsamt getroffenen Entscheidungen über die allgemeinen Vor­aussetzungen über die Ausdehnung und den räumlichen Bereich bet Bet« sicherungspflicht usw. ohne weiteres für das Versicherungsgesetz für An­gestellte übernommen worden. Soweit diese Uebertragung infolge der Unterschiede zwischen der früheren und der neuen Gesetzgebung nicht mög­lich war, und soweit Zweifel obwalten, hat die Anleitung von der An­führung bet gewonnenen Erkenntnisse abgesehen. Hier wirb erst bin Zuhmft bi« Unsicherheit beseitigen. -