mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
M 231
Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.25 JL söhne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Ervcdition (Markt 21) 2.00 Jt frei inS HauS. (Für unver- langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh: Dr. T. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Mittwoch, 2 Oktober
Ter Anzeigenpreis beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 L, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 «J, für Reklamen die Zeile 60 j. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Verbindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglleferung ausge- schlossen. — Zahlungen im Postscheckverkehr — ohne Portökosten — unter Nr. 5015 des Postscheckamtes Frankfurt a. M.
17. Jahrg
1912,
Erstes Blatt.
Serbien gewidmet. Sasonow wird am Mittwoch nach Paris abreisen, wo er voraussichtlich bis Sonnabend verbleibt und dann auf der Weiterreise sich einen Tag in Berlin aufhalten.
Wetterleuchten.
Am vergangenen Sonntag war es gerade ein Jahr, daß der türkisch-italienische Krieg zum Ausbruch kam und noch immer sind, trotz mannigfacher gegenteiliger Meldungen, die Friedensunterhändler der beiden kriegführenden Parteien zu keinem rechten Resultat gekommen. Unterdesien scheint aber auf dem Balkan der lang zuriickgehaltene Brand ausbrechen zu wollen, und es wird der größten Anstrengungen der internationalen Diplomatie bedürfen, ihn zu unterdrücken oder wenigstens zu lokalisieren. Wie wir bereits gestern durch Sonderausgabe bekannt machten, meldet die bulgarische Telegraphen-Agentur aus Sofia:
Infolge der in den letzten drei Tagen eingetroffenen alarmierenden Nachrichten betreffend die Konzentrierung beträchtlicher türkischer Streitkräfte in der Umgebung von Adrianopel und an der bulgarischen Grenze sah sich die'bulgarische Regierung, um jeder Eventualität zu begegnen, genötigt, heute die Mobilisierung zu proklomieren.
Gleichzeitig mit dieser Meldung lag von dem Wiener Korrespondenz-Büro folgende Nachricht vor:
Belgrad, 30. Sept. König Peter hat die allgemeine Mobilisierung der serbischen Armee angeordnet. Die Skuptschina wurde auf den 4. Oktober einberufen.
Amtlich wird die allgemeine Mobilisierung des serbischen Heeres mit der teilweisen Mobilisierung der türkischen Truppen Int Bilajet Kossowo und an der serbischen Grenze begründet, wodurch dos Territorium Serbiens bedroht erscheine. Die feindseligen Absichten der Türkei gegen Serbien gingen auch aus der alle Rücksichten und die Korrektheit verletzenden Verfügung der türkischen Regierung hervor, wodurch serbisches Kriegsmaterial, zu dessen Durchfuhr die türkische Regierung die Erlaubnis bereits erteilte, im Auftrage der türkischen Regierung in feindseliger Absicht ohne jede Veranlassung von serbischer Seite angehalten wurde.
lieber die Lage in dem gefürchteten Wetterwinkel liegen weiter folgende Meldungen vor:
Saloniki, 30. Sept. Die Malissoren erklärten den Behörden, sie hätten nach Prüsung der den Nordalbanesen von der Regierung gemachten Zugeständnisse gefunden, daß sie den Er- rrmrtungen nicht entsprechen. Alle Stämme einschließlich der Miriditen und der Arnauten Ipeks und Djakovas seien überein gekommen, weitergchende Zu^eständnisie von der Negierung zu fordern. Die Malissoren halten das Ufer des Mati-Flufses besetzt und wollen nur einer bestimmten Anzahl von Offizieren erlauben, sich na chSkutari zu begeben, um die Unterhandlungen zu führen. Diese Offiziere müßten vorher die Waffen oblegen.
K o n st a n t i n o p e l, 30. Sept. Zwischen den Rebellen und den türkischen Truppen auf Samos ist ein sechstägiger Waffenstillstand abgeschlosien worden. Authentischen Nachrichten zufolge haben der Croßwesir und der Minister des Aeußern dem griechischen Gesandten erklärt, der Zwischenfall auf Samos sei gewiß bedauerlich. Die Pforte, die keine direkte Verbindung mit der Insel habe, werde das Ergebnis der Untersuchung abwarten, und, sollte die griechische Lesart den Tatsachen entsprechen, das Erforderliche veranlagen. Der griechische Gesandte erklärte, Griechenland müße auf einer Genugtuung bestehen.
K o n st a n t i N o p e l, 30. Sept. Briefliche Berichte aus Samos besagen,, die Landung von stärkeren englischen und französischen Detachements sei deshalb nötig geworden, weil die Türken die Läden in der Stadt plünderten und dadurch eine große Erbitterung unter der Bevölkerung hervorriefen.
Wie weiterhin aus Saloniki gemeldet wird, hat die dortige Polizei infolge von unkontrollierbaren Gerüchten über weitere bevorstehende Attentate auf die öffentlichen Gebäude Salonikis einen strengeren Bcwachungsdienst eingerichtet. Trotzdem wurde um 9 Uhr abends auf der sehr belebten Sabri Paschastraße unweit des Frcihcitsplatzcs ein Bombenanschlag verübt, wobei der Dolmetscher des deutschen Konsulates, Carasio, durch Splitter leicht verwundet wurde. Die Behörden vermuten, daß das Attentat auf dem Freiheitsplatze selbst, wo abends Hunderte von Personen vor den Gasthäusern sitzen, geplant war. In der Nacht wurden zwei weitere Bombenanschläge verübt. Eine Bombe platzte an der Ecke des Neubaues der Konfektionsfirma Tiring gegenüber dem Stadtbüro der Easgesellschaft. Sie richtete nur geringen Schaden an. Eine zweite Bombe platzte zwischen zwei türkischen Amtsgebäuden im Mertel Kappan. Sie beschädigte das Haus eines Eemeindefchreibers. An der Rückseite der Demetriuskirche entdeckten Pasianten eine in einem Korbe verborgene Höllenmaschine, die rechtzeitig entfernt wurde. Die Bevölkerung ist sehr erregt. .
London, 30. Sept. Wie das Reuter-Büro meldet, beschäftigt die Lage auf dem Balkan die diplomatischen Kreise in London in erster Linie. Der allgemeine Eindruck ist, daß, obwohl die Situation als ernst erachtet wird, noch Hoffnung auf Erhaltung des Friedens vorhanden ist, insbesondere auch mit Rücksicht auf die vorgerückte Jahreszeit und darauf, daß die Mächte sich bemühen werden, den Balkanstaaten Mäßigung anzuempfehlen. Obwohl Sasonow erst spät am Abend gestern in London angekommen ist, war er den heutigen Tag über unausgesetzt beschäftigt. Ein beträchtlicher Teil des Tages war Konferenzen mit den Botschaf- tern Italiens und der Türkei sowie mit dem Geschäftsträger von
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Die Presse und die Maßnahmen der Negierunfl.
Nichts kennzeichnet so sehr die heutige Methode parteipolitischer Verhetzung, als die Aufnahme, die die Maßnahmen der Regierung inbezug auf die Fleischteuerung finden. Wenn die Regierung sich heute die Kommentare der sozialdemokratischen, der freisinnigen, ja sogar einiger nationalliberaler Zeitungen ansieht, so muß sie der Ueberzeugung werden, daß sie Absolution von diesen Herren nur erreichen kann, wenn sie auch den kleinen Rest von Zollschutz und Seuchenschutz für unsere Landwirtschaft noch tilgt. Die Blätter, die die Unterstützung des an sich schon mit kolosialen Prozenten arbeitenden Viehgroßhandels auf ihre Fahnen geschrieben haben, verlangen die Aufhebung von sanitätspolizeilichen Vorschriften, damit die „großzügige Einfuhr" von argentinischem Gefrierfleisch auch Zweck hat, d. h. sich für den Großhändler lohnt. Der kleine Bauer, der kleine Fleischer in Deutschland, der muß freilich sich sanitätspolizeilicheii Vorschriften unterworfen. Der wohnt allerdings auch nicht im — Ausland. Das führende Organ der „Eenosien" hat fein Verdikt über die am Sonnabend bekannt gegebenen Tcuerungsmaßnahmen der preußischen Staatsregie- rung, der sich die übrigen Bundesregierungen anschließen werden,, in die zwei Worte zusammengefaßt: „Völlig ungenügend!" Dieses Urteil ist dkinn am Sontag in den Massenversammlungen, die die Sozialdemokratie für Groß-Berlin anberaumt hatte, in kräftigster Tonart verkündet worden, und es wird jetzt als Parole durch die Lande schallen. Aehnlich natürlich die sogenannten bürgerlich- demokratischen Blätter.
Verhältnismäßig milde äußern sich die freisinnigen Zeitungen, die „Voff. Ztg." schreibt: „Was die Regierung empfiehlt, ist gut gemeint, aber unzureichend. Eine wirkliche Besierung wird nur herbkigefiihrt werden können durch eine Aenderung unserer Wirtschaftspolitik. Denn diese läuft geradezu hinaus auf eine Politik der Verteuerung: einer dauernden, nicht allein einer vorübergehenden." Nur die „Frankfurter Zig.", die sich in ihrer Hoffnung auf den schwunghaften Handel mit argentinnischem Gefrierfleisch betrogen fühlt, wird gröblich ausfallend. Nachdem sie alles und jedes kritisiert hat, schreibt sie: „Wir begnügen uns auch nicht länger mit dem mehr oder minder aufgeklärten Absolutismus des Herrn Reichskanzlers, der im Jahre 1911 alles verweigert und lm Jahre 1912 uns freundwillig einige Brocken hinwirft, — wir verlangen, daß in Deutschland konstitutionell regiert werde, so, wie die überwältigende Mehrheit des Volkes regiert werden will."
Nicht vorübergehen darf man auch an dem Urteil der „Nationalzeitung", das für die ganze Anschauungsweise dieses Blattes charakteristisch ist. Es schreibt: „Die Regierung ist zurückgeschreckt vor einer wirklich durchgreifenden Bekämpfung der herrschenden Volksnot, und so wortreich auch die Begründung ist, die sie ihren mühselig gekleisterten Mitteln und Mittelchen mit auf den Weg gibt, so muß sie sich darauf gefaßt machen, daß die Unzufriedenheit Über diese neuen Halbheiten sich mit großem Ungestüm melden wird, und sie wird die Folgen dieses Verhaltens tragen müsien." Dieser Stimme gegenüber, die an die Ausführungen der Demokratie gemahnt, erkennt die „Nationallib. Äon." an, daß jetzt wirklich etwas geschehen ist.
Die „Deutsche Tageszeitung" hat die schärfsten und schwersten Bedenken und hält es für geboten zu mahnen und zu warnen. Sie führt aus: „Die deutsche Landwirtschaft wird es gerade jetzt nicht verstehen, daß man den unbedingt notwendigen Seuchenschuh herabmindert, daß man die Gefahr der Einschleppung von Seuchen vermehrt. Wenn das Vertrauen der Landwirtschaft schwindet, so soll man sich nicht wundern. Was aber die gesetzgeberischen Maßnahmen anlangt, so müssen wir sie mit allem Nachdruck bekämpfen. Mögen sie dem oberflächlich Urteilenden vorläufig vielleicht geringfügig erscheinen, sie sind doch tatsächlich eine Abkehr von der Bismarck-Vülowschen Wirtschaftspolitik."
Die „Tägl. Rundschau" schreibt: „Die Regierung kann verlangen, daß ihre Maßregeln wenigstens auf ihren Wert zur Abhilfe geprüft werden, und daß man sie sich auswirken läßt. Wenn die Kommunen und großen Jnteresienverbände sich nun nach dem Beispiele Kölns und anderer großer Städte rühren und die gebotene Hilfe der Regierung ausnutzen, muß ein Sinken der Fleischnot wenigstens für die nächste Zeit eintreten. An die Dauer der Hilfe vermögen wir vorerst nicht zu glauben: aber wir geben zu, daß an Maßregeln, die die Landwirtschaft und besonders die kleine Landwirtschaft auf das schwerste erschüttern können, nut bann herangetreten werden darf, wenn es die äußerste Not gebietet."
Die „Leipziger Neusteen Nachrichten" schreiben sehr richtig über die jetzige Hetze: „Der „Vorwärts" hat ein einfaches Rezept: Die Forderung des Volkes — zum Volke gehört für ihn nur der Industriearbeiter, nicht etwa auch der Landwirt! — bleibt für ihn heute und morgen und immerdar die dauernde Oeffnung der Grenzen für Getreide und Fleisch. Ob die Landwirtschaft dabei zum Henker geht, ob wir zu Sklaven der Trust Magnaten herabsinken, das kümmert ihn nicht; daß die Produzenten von Schweinefleisch, die sich dann den Leibgurt enger schnallen müßten, zu mehr als siebzig Prozent aus kleinen Leuten bestehen, rührt nicht an sein für diese kleinen Leute angeblich so warm schlagendes Herz. Es muß alles oemingeniert werden, damit der sozialistische Weizen blüht." Ferner billigen sie insbesondere die Aufrechterhaltung der sanitätspolizeiliche« Vorschriften gegenüber dem argentinnischen
Fleisch: „Weil doch schließlich dem Auslande nicht der heimische« Landwirtschaft gegenüber noch eine Art von Prämie für gesundheitsschädliches Fleisch gezahlt werden kann. A^r darüber lärmt, dem mag man getrost den „Sumpf" von Upton Sinclair in die Hand drücken, dieses klassische Dokument aus den Riesenschlachthäusern von Chicago. Allerdings wäre zu erwägen, ob die Kontrolle durch deutsche Beamte nicht auch drüben vor der Versendung z. B. in Argentinien ausgeübt werden könnte."
Deutsches Reich-
— Mandatsniederlegung des ReichstagsprLfidenten? Berlin, 30. Sept. Nach der „Saalezeitung" will der Reichstagspräsident Dr. Kaempf demnächst sein Mandat als Abgeordneier des ersten Berliner Reichstags- Wahlkreises niederlegen, jedoch wieder kandidieren,
— Segen den „geheimen" Warenhandel. Karlsruhe, 28. Sept. Der Minister des Innern hat an feine Beamten einen Erlaß gerichtet, in dem darauf aufmerksam gemacht wird, daß der sogenannte geheime Warenhandel nach § 12 des Beamtengesetzes ohne Erlaubnis und ohne die nach § 14 der Reichsgewerbeordnung erforderliche Anzeige nicht gestattet sei.
— Die vergrabenen Hasen. Weimar, 29. Sept. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurteilte den Journalisten Harald Kögler von hier wegen Beleidigung des Eroßherzoglichen Hofjagdamtes in der bekannten Hasen-Angelegenheit zu einem Monat Gefängnis.
— Der christlich-soziale Parteitag ist durch eine große Versammlung in der Tonhalle in Düsseldorf eröffnet worden. Anwesend waren die Abgeordneten Behrens, Vurckhardt und Lic. Mumm, ferner Pfarrer Weber- Gladbach und Pfarrer Philipps-Berlin.
Marburg und Umgegend.
Nachdruck aller Orgtnalartiket ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberhejs. Ztg." gestattet.)
Marburg, 1. Okt.
* Vom Kgl. Staatsarchiv. Der langjährige Direktor bee hiesigen Kgl. Staatsarchivs, Geheimer Archivrat Dr. Gustav Könnecke ist mit dem heutigen Tage in den Ruhestand getreten. An feine Stelle ist der Archivbirektor, Geheimer Archivrat Dr. Reimer von Koblenz getreten.
* Schalterdienst. Vom 1. Oktober ab werden während des Winterhalbjahres die Postschalter für den Verkehr mit dem Publikum erst um 8 Uhr morgens geöffnet.
* Von der Eisenbahn. Eisenbahnunterasfistent Keil wurde von Neustadt nach Marburg versetzt.
* Von den Schulen. Der Unterricht beginnt von heute ab erst morgens um 8 Uhr. Die Herbstferien, die in anderen Städten schon ihren Anfang genommen haben, beginnen hier erst nächste Woche. Denjenigen Eltern, die ihre Kinder in Feld und Garten gern verwenden möchten, wären frühere Herbstferien angenehmer.
* Elisabethkirche. Während früher die sämtlichen Eintrittsgelder dem Küster zugute kamen, ist dieser seit dem am 1. Oktober 1911 eingetrenen Wechsel auf ein Fixum angewiesen worben. In bem nunmehr abgelaufenen ersten Jahre betrug bie Zahl ber Besucher 14 180 und bie Gesamt-Einnahme 2864.40 J(, unb zwar würben von 10176 Personen Eintrittskarten zu 25 Pfg. gelöst, von 2404 Vereinsmitgliebern aber je 10 Pfg. unb von 1600 Schülern je 5 Pfg. bezahlt. Ungünstig für bie Einnahme war bat Regenwetter von Mitte August bis Mitte September b. I. Nimmt man bie Zahl bet Fremben, bie nach ben Eottesbiensten ohne Bezahlung eintreten, mit 1820 an, so ist bie Kirche von 16 000 auswärtigen Personen besucht worben.
* Falche Reichsmünzen. Die preußische Landesmünzstätte hat zur Sprache gebracht, baß bie Postkasten ost bie als falsch erkannten Reichsmünzen zerschlagen ober einschneiben. Hierburch können Merkmale, bie zur Ermittelung von Stücken gleicher Herkunft und somit auch bes Täters außcrorbentlich wichtig sind, vernichtet werben. Die Oberpostkasten unb Postanstalten sind deshalb zur genauesten Beachtung ber Vorschriften über bie Behanblung nachgemachter, verfälschter ober nicht mehr umlaufsfähiger Reichsmünzen mit bem Bemerken aufgefordert, daß nur erheblich beschädigte, umlaufsunfähige echte Reichsmünzen, nicht aber Falschstücke ober gering beschäbigte Münzen zerschlagen ober eingeschnitten werden dürfen. Bei der Beurteilung der Umlauffähigkeit schadhafter Reichsmünzen ist jede Härte zu vermeiden.
* Frachtnachlaß. Mit Gültigkeit vom 1. Oktober 1912 wird im Verkehr mit den Deutschen Bahnen, welche der Vereinbarung beigetreten sind, für die Ausnützung des Ladegewichts ber gestellten Wagen von 15 t unb mehr Labegewicht ein Frachtnachlaß fü, ben Wagen gewährt. Die Vegünstigung erstreckt sich indessen nur auf Güter der regelrechten Tarifklassen, sowie auf Eurer solcher Ausnahmetarife, deren Anwendung an die Ausnutzung des Ladegewichts ber verwenbeten Wagen nicht gebunden ist. Auf Entfernungen von etwa 53 Klm. an beträgt sie für einen Wagen von 15 bis 19,0 t 3 J( unb für einen solchen von 20 t unb mehr Ladegewicht 4 JL Auf kürzere (Entfernungen stellt sich ber Frachtnachlaß entsprechenb niebriger.
* Dir «tu* Steuerveranlagung steht bevor. Noch in der erste« Oktoberhälfte werden die Arbeiten zur Steuerveranlagung für 1913 irr Preußen aufgenommen werden. Sie werden sich diesmal nur auf di« Einkommensteuer ersirecken. Die Veranlagung zur Vermögenssteuer wird bekanntlich nur alle drei Jahre einmal vorgenommen. Sie erfolgt« zuletzt für das Jahr 1911, wird allo erst 1914 wiederholt werden. Di« ersten Veranlagungsarbeiten für die Einkommensteuer beziehen sich aus Personenstandsausnahmen und andere Vorbereitungen. Für die Abgab« der Steuerdeklarationen wird wieder, wie gewöhnlich, die Frist vo» 4. bis 21. Januar gesetzt werden.
* Die Ziehungsliste ber Gießener Pserdelottere in unserer Geschäftsstelle eingesehen werde«.