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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

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und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

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DieOberhessische Bettung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Poft bezogen 2.25 dH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeittingsstellen und der Erpedition <Markt 21) 2.00 * frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei I. A. Koch (Inh.: Dr. C, Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Dienstag, 1. Oktober

Ter Anzeigenpreis beträgt für die 7gefpaltene Zeile ober deren Raum 15 4, bei amtlichen und auswärtigen Anzeigen 20 -3, für Reklamen die Zeile 60 4- Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Bei Konkurs kein Rabatt. Ver­bindlichkeit für Platz-, Datenvorschrift und Beleglieferung ausge» schloßen. Zahlungen im Postscheckverkehr ohne Portökosten unter Nr. 5015 bes Postscheckamtes Frankfurt a. M.

47. Jahrg, 1912.

Erstes Blatt.

Die Teuernngsaltion der preußisLen Regierunli,

Die in Aussicht gestellte Aktion der preußischen Regierung ist am Samstag erfolgt, wie bereits durch Extrablatt kurz gemeldet. Im wesentlichen handelt es sich um eine Erleichterung der Einfuhr von frischem Fleisch und einer Erweiterung der Einfuhr von Schlachtvieh. Die anderen bundesstaatlichen Negierungen werden sich ihrem Vorgehen anschließen, wie das bereits aus Baden ge­meldet wird. Es wird sich nun zeigen, welchen Erfolg die Maß­nahmen mit bezug auf die Fleischpreise haben. Daß die Regierung für den Augenblick wenig Dank ernten wird, hat sie sich wohl selbst gesagt, den einen gibt sie zu viel, den andern zu wenig. Einem großen Teil der letzteren kommt es ja nur darauf an, aus dem An­schwellen der Preise Stoff zu einer Agitation für den Freihandel herzuleiten. Sie ignorieren vornehm die vor kurzem erwiesenen auffallenden Tatsachen von dem Wiederspruch des vermehrten Viehauftriebes und der trotzdem wachsenden Preise. Sie wollen, wie dieFrkf. Ztg.", nichts von den sanitütspolizeilichen Vorschrif­ten wisien, die die Regierung nicht fallen lassen kann und will bei der Einfuhr von frischem Fleisch, weil sonst der Großhandel mit argentinischem Fleisch z. V. sich überhaupt nicht großzügig gestalten könne u. s. f. Man merkt den Pferdefuß! Und sie gehen nun erst recht mit aller Kraft gegen dieagrarische" Regierung vor, die das ist des Pudels Kern dem Verlangen nach einerAenderung der Gesetzgebung" d. i. in der Zollpolitik nicht nachgab. Man geht hier wieder aus durchsichtigen Gründen mit der Behauptung krebsen, daß unsere Zollpolitik, und einzig und allein d i e s e, die hohen Preise für Fleisch veranlaße. Man weiß längst, daß dies durchaus falsch ist. Eine Aenderung unserer Zollpolitik aber ist für unser Volk in jeder Weise nach innen und außen (in Kriegsgefahr z. V.) von so einschneidender Bedeutung, daß eine Regierung sie sich reiflich überlegen muß. Von ihr würde nicht nur unsere Landwirtschaft aufs schwerste getroffen. Aus agitatorischen Gründenganze Maßregeln", d. i. Freihandel fordern mag deshalb sehr einfach sein, das Problem liegt aber tiefer. Die Vertreter der Landwirtschaft sehen freilich in den Maßnahmen der Regierung ein bedenkliches Experiment. Und man kann es nach dem Geschrei der landwirtschaftfeindlichen Presie derD. Tgsztg." nicht verübeln, wenn sie schreibt:Wir gehen scharfen Kämpfen entgegen, daran ist nicht zu zweifeln. Das Vertrauen der Landwirtschaft zu der Regierung wird einer schwe­ren Erschütterungsprobe unterworfen. Rach dem, was wir in den letzten Tagen gehört hatten, mußten wir Bedenkliches erwarten; so Schlimmes haben wir nicht erwartet." Sie macht dann fröklich der Regierung den Vorwurf, sie fei vor dem unnützen Gerede über ihre Abhängigkeit von denAgrariern" zurückgewichen und dabei In Abhängigkeit von den Gegnern geraten. Jedenfalls wird man wünschen müßen, daß erstens die Maßnahmen zu keiner dauernden Schädigung unserer Landwirtschaft führen und zweitens der Zweck der Preisverbilligung auch wirklich erreicht wird.

Der sehr umfangreiche Bericht derNrdd. Allg. Ztg." sagt u. a.:

Die preußische Staatsregierung hat beschloßen, gegen die herrschende Fleischteuerung vorübergehend folgende Erleichterungen der Vieh- und Fleischeinfuhr ans dem Auslande eintreten zu laßen:

1. Für große Städte, die als Märkte für die Vieh- und Fleischpreise ganzer Landesteile maßgebend sind, soll die Einfuhr von frischem Rind-

Berlmer Theaterbnef.

Berlin. Ende September 1912.

Die Berliner Theatersaison hat mit einem Male aufs kräftigste ein­gesetzt. Anfangs schien nach dem Krach desNeuen Schauspielhauses" am Nollendorfplatz. nach derUmwandlung" derKursürstenoper" und der Zänkerei, die die Direktion des frisch gegründetenDeutschen Schau­spielhauses" am Schiffbaucrdamm mit einem unliebsamen Kritiker an- siistete. die Sachlage ziemlich peinlich. Insofern man auch nichts von eigentlicher Arbeit hörte, die schließlich immer nxch die Brücke zum Er­folge gewesen ist.

Aber jetzt rumort es an allen Enden. Nach dem Auftakt im Sep­tember spielt das Orchester der zwei Dutzend Berliner Theater fortißimo. DasKönigliche Schauspielhaus" hat mit der Neueinstudierung von Albert LindnersBluthochzeit" alte, bewährte Pietät gepflogen. Es wird kräftig zu Kleist herüberschreiten und das große Erinnerungsjahr 1913 durch dieHermannsschlacht" einläuten. Zwischendurch wird der Pierot zu Oskar Blumenthals neuem SchwankEin Waffengang" den Vorhang lüften. DasKönigliche Opernhaus" ist bereits heute zum Caruso-Gastspiel ausverkaust. Es hat verschiedene Neuenaagements voll­zogen. auf die man große Hoffnungen fetzt: den Tenor Iadlowker, Frl. Alfermann, die an Frieda Hempels Stelle treten soll, u. a. Es hat mit feinen nach den amerikanischen Dollarhonoraren flüchtenden ersten Kräf­ten seine Sorgen, und der Kaiser hatte recht, wenn er diese Fahnenflucht kürzlich beklagte. Denn dasKönigliche Opernhaus" zu Berlin ist es zumeist, das nicht bloß den Ruf der Künstler, die nachher in Amerika sich vom Dollarsegen locken lassen, besiegelte, sondern das diese durch seine Erziehung und seine Aufgaben erst zur Entwicklung der künstlerischen Kräfte brachte, die dann von amerikanischen Imp-Marios für die Pankees eingefangen werden Auf diese Weise sind Künstler wie Kraus, Emmy Destinn, Frieda Hempel u. a. demKöniglichen Opernhaufe" monate­lang entzogen und ihm entfremdei worden.

Es klirrt zu Anfang dieser Spielzeit von den ersten Waffengängen vagelneuer Theater und solcher unter neuer Direktion. Feurig in jugend­lichem Schaffensdrang trat als erstes dasDeutsche Schauspielhaus" im Heim der einstigenKomischen Oper" mit einer überinszenierten Auf­führung desEgmont" auf den Plan. Die Nollen waren falsch verteilt, Goethes Drama genialer Lebensfreude war total mißverstanden. Die , ®efte der Kritik paßte dem Direktor Lantz nicht, und et rief einen der I

fleisch aus dem europäischen Rußland und von frischem Rind- und Schweinefleisch aus Serbien, Rumänien und Bulgarien im Wege be­sonderer Genehmigung zugelaßen werden, wenn das Fleisch zu einem unter behördlicher Mitwirkung festgesetzten möglichst niedrigeren Preise an die Verbraucher verkauft wird. Die Beförderung des Fleisches bis zum Bestimmungsorte muß in plombierten Wagen erfolgen.

2. Unter den gleichen Bedingungen soll die Einfuhr von frischem Schweinefleisch aus Rußland im Wege besonderer Genehmigung in ein­zelnen größeren Städten des Ostens gestattet werden.

3. Unter den gleichen Bedingungen soll ferner die Einfuhr von Schlachtrindern aus den Niederlanden gestattet werden.

4. Das Verbot der Einfuhr von frischem Rindfleisch aus Belgien wird aufgehoben werden.

5. Endlich ist für den Fall des Bedörfnißes eine vorübergehende Erhöhung des für das oberfchlesischs Industriegebiet bestimmten Kon­tingents russischer Schlachtschweine in Aussicht genommen.

Ferner sind auf dem Gebiete der Eifenbahntarife preußischerseits bedeutende Erleichterungen in Aussicht genommen:

1. Der mit Ende d. Js. ablaufende Ausnahmetarif für frisches Fleisch, der gegenüber den normalen Tarifsätzen wesentliche Verbillig­ungen enthält, wird auf ein weiteres Jahr 20 % Nachlaß zugunsten von Gemeinden und Organisationen und zugunsten gewerblicher Unter­nehmer, die die Sendungen zu oder unter den Selbstkosten an eigene Angestellte oder zwecks Verkaufs an eigene Angestellte zu unter behörd­licher Mitwirkung festgesetzten Preisen an Fleischer abgeben, gewährt.

2. Unter ben gleichen Bedingungen wird ein Nachlaß, und zwar von 30 %, von den Frachtsätzen für lebendes Vieh gewährt. Soweit gefrore­nes Fleisch zur Einfuhr zugelaßen ist, gelten die Ermäßigungen des Eisenbahntarifs auch für gefrorenes Fleisch.

3. Die Vergünstigungen, die zugunsten von Gemeinden und gemein­nützigen Organisationen beim Bezug von Seefischen bestehen (Fracht­nachlaß von 20 %), bleiben auch für das Jahr 1913 in Kraft.

4. Die Tarife für Futtergerste und Mais werden unter der Beding­ung, daß die Frachtermäßigung dem Viehhalter zugute kommt, bis Ende September 1913 auf den Spezialtarif III zurückgeführt, was eine Fracht­ermäßigung um fast die Hälfte bedeutet.

Endlich ist'um die Mitwirkung der Gemeinden an der Fleischver­sorgung zu fördern, dem Bundesrat der Entwurf eines Gesetzes vorgelegt worden, der den Bundesrat ermächtigt, für die Zeit bis zum 31. März 1914 mit Wirkung vom 1. Oktober 1912 ab an Gemeinden, den nach Nr. 108 des Zolltarifs erhobenen Eingangszoll bis auf einen Betrag zu erstatten, der sich ergibt, wenn anstatt bet Zollsätze von 35 oder 27 -M. der Zollsatz von 18 Jt für ben Doppelzentner zugrunde gelegt wird.

Diesen Mitteilungen wird von den offiziösen Organ folgende Be­gründung und Ergänzung hinzugefügt:

Die Tatsache, daß die Fleischpreise eine bedenkliche Höhe erreicht und der Austrieb an Vieh auf unseren großen Märkten namentlich in allerletzter Zeit einen bedenklichen Rückgang aufzuweifen hat, kann nicht bestritten werden. Auf der anderen Seite kann kein Zweifel darüber be­stehen, daß die wichtigsten Ursachen dieser Erscheinung in dem Auftreten der Maul- und Klauenseuche und bet schlechten Futterernte bes ver­gangenen Jahres zu suchen, also vorübergehenber Natur und nicht ge­eignet find, ben Glauben an die Möglichkeit einet ausschließlichen Ver­sorgung des deutschen Marktes mit deutschem Vieh zu erschüttern. Es müßten also Maßnahmen vermieden werben, welche dieses Ziel ernst­lich gefährden könnten, das zu erreichen nicht nut im Interesse unserer Landwirtschaft, sondern auch im Jntereße unserer wirtschaftlichen Kriegs­bereitschaft unser unausgesetztes Streben sein muß. Die zeitweilige Ab­schwächung veterinärpolizeilicher Verbote müßte daher mit Vorsicht in Angriff genommen und das Augenmerk darauf gerichtet werden, die Grenzen in erster Linie nicht für lebendes Vieh, sondern für frisches Fleisch zu öffnen. Eine weitere Einschränkung war nötig, weil im Jn­tereße des seuchenpolizeilichen Schutzes unserer Viehbestände an eine Beseitigung der Einfuhrverbote nicht gedacht werden kann.

Durch eine auch nur zeitweilige Suspension des § 12 des Fleifch- beschaugefetzes auch die Einfuhr von gefrorenen Rinvern aus über-

Schelseher energisch zur Ordnung. Inzwischen ist der jugendliche Direktor ruhiger geworden und hat durch eine in echter Innigkeit und Warm- blütigkeit sich ergehende Aufführung von StrindbergsOstern" die Scharte wieder ausgewetzt. Die Gestalt der 16jährigen Eleonore Heyst erblühte in der Darstellung von Paula Somary zu dem Inbegriff des Hoffnungsvollen und in feinet Glaubensstärke Erdentrückten, mit dem Strindberg das Drama wirrer Menschlichkeiten krönen wollte. Auch das Deutsche Theater" will Strindberg dieser Tage spielen. Es will den Totentanz" geben. A7» Regisseur zeichnet Max Reinhardt. Er hat bisher immer eine glückliche Hand gehabt und wird den Skandal, bet jüngst bei der Aufführung von Karl Sternheims TragöbieDon Juan" imDeutschen Theater" einsetzte, nicht auf fein Konto setzen wollen.

Von den neuen Theatern unter neuer Direktion hat sich dasKo- mödienhaus" am Schiffbauerdamm, im Hause des früherenNeuen Operettentheaters", ganz gut, eingeführt. Es steht unter der Direktion von Rudolph Lothar, ist nicht zimperlich in der Wahl der Mittel, aber weiß darin immerhin einiges Maß zu halten Zur Eröffnungsvorstellung waren zwei Persönlichkeiten von bestem Rufe als Gevatter geladen: Ludwig Fulda und Max Dreyer. Fulda kam mit einem kleinen ein­aktigen ScherzstückFeuerversicherung", und Max Dreyer, bet in diesen Tagen schon FünfzigWhrige, mit einem Spiel aus alten TagenDer lächelnde Knabe". Bei Fulda zwangen Witz und Pointe, bei Dreyer Frische und meckelnbörgisch derber Humor zur Stimmung. Ins Kornische im guten Sinne hat sich dieKurfürstenoper", die unter bet Direktion Palfi jetzt einer Auferstehung entgegensieht, begeben. KienzlsKuh­reigen", umwoben mit allen musikalischen Feinheiten, eine komische Oper von zartem Reiz, warb zur Eröffnung gegeben; Wolf-Ferraris liebens­würdiger EinakterSusannes Geheimnis" und Suppes prickelnde Schöne Ealathee" folgten. Diese Auswahl wird jeden befriedigen. Die musikalische Kunst, frei, liebenswürdig, von Herzen froh, steigt hier sieg­reich aus der spekulativen Banalität der modernen Operette hervor, die damit natürlich nicht ausgerottet ist. Denn imNeuen Theater" haben wir in Charles Alfredys dreiaktiger OperetteGoldener Leichtsinn" eben einen neuen Anflug davon gesehen. Und dasTheater am Nollen­dorfplatz", so heißt jetzt dns »ersloßeneNeue Schauspielhaus", bereitet eine neue Operette Leo FallsOrpheus in der Unterwelt" vor. So stei­gen die Geister von heute in die Nacht der Unterwelt, und wir wollen uns freuen, wenn sich dem wiederkehrenden Leo Fall $um wenigsten bet Schatten Offenbachs an die Sohlen heftete.

feeifchen Ländern zu ermöglichen, erschien dagegen nicht angängig. Di« Einfuhr der Rinder in Hälften und mit anhaftenden Herzen, Nieren und Lungen bietet die einzige Möglichkeit, eine der heimischen Fleisch­beschau annähernd gleichwertige Untersuchung durchzuführen und das Bestehen gewißer Krankheiten sestzustellen, die das Fleisch des befallenen Tieres gesundheitsschädlich machen. Es würde weder mit Rücksicht auf unsere Volksgesundheit noch mit Rücksicht auf unsere heimische Land­wirtschaft zulässig fein, ausländisches Fleisch in den Verkehr zu laße«, deßen Eenußtauglichkeit nicht mit derselben Zuverlässigkeit festgestellt wird, wie bei dem einheimischen Fleisch. Von weiteren Maßnahme« ist nur noch die Ermäßigung der Eisenbahntarife für Futtergerste und Mais in einem Umfange in Aussicht genommen, der den Bezug diese» Futtermittel erleichtern, aber für die Landwirtschaft nicht nachteilig wirken kann. Zu einer weitergehenden, auch nut vorübergehenden ®t« fchiitterung unseres seuchenpolizeilichen Schutzes oder zu einer nur vor­übergehenden Durchlöcherung unseres Zolltarifs, wie sie vielfach gefordert wird, hat man sich aber nicht verstehen können aus den bei ähnlichen Gelegenheit oft erörterten Gründen. Es ist aber auch anzunehmen, daß die in Aussicht genommenen Maßregeln in ihrer Gesamtheit die erwünsch­ten Wirkungen haben werden. Allerdings bedürfen die Regierungen bet ihrer Mehrzahl der bereitwilligen und sachkundigen Unterstützung bet kommunalen Selbstverwaltungen. Sie geben sich aber auch ber Hoffnung hin, daß ihnen diese nicht versagt sein wird.

Im übrigen aber ist sich die preußische Regierung darüber klar, daß He dauernde Sicherstellung unserer Fleischversorgung nut durch die Er­haltung und Verstärkung unserer noch einer weiten Ausdehnung fähigen heimischen Viehzucht erreicht werden kann. Diese mit allem Nachdruck zu fördern durch vermehrte Ausstellung von männlichen Zuchttieren, verstärtten Futtermitte'bau, Anlegung von Viehweiden, namentlich aber durch die kraftvolle Förderung der Landesmeliorationen, der innerei Kolonisation und der Urbarmachung ber ausgebehnten Moor- und Oeb landsflächen wird die vornehmste Aufgabe der nächsten Jahre fein.

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Deutsches Reich-

Zum Fall Traub. Eine Anzahl Berliner liberaler Geist« licher hat an den Oberkirchenrat eine Eingabe gerichtet, in der es u. a. heißt:Wir sehen in dem vom Evangelischen Oberkirchenrat über den Pfarrer Lic. Traub ausgesprochenen Urteile trotz der umfangreichen Begründung ein uns unbegreifliches Mißverhält­nis zwischen der ehrenrührigen Strafe und ben dem Pfarrer Traub vocgeworfenen Verfehlungen. Wir erklären, daß wir unse­rem so schwer bestraften Kollegen auch fernerhin unsere uneinge­schränkte Liebe und --vg entaegenbringen." Der preu­

ßische Oberkirchenrat erklärt ferner, daß er nicht daran denke, i« eine Diskussion mit Prof. Baumgarten einzutreten über besser Angriff gegen die Urteilsbegründung.

Eisenbahner und Streikrecht. München, 28. Sept. In bei heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wandte sich bei Ber» tung des Eisenbahnetats der Verkehrsminister Seidlein auf bat entschiedene und in der schärssten Form gegen den Redner der Sa zialdemokraten, Abg. Segitz, der das Streikrecht für die Werk stättenarbeiter reklamiert hatte. Der Minister betonte, die bay rische Regierung werde diese Forderung der Sozialdemokratie uni der mit ihr verbündeten Gewerkschaften auf das entschiedenste be­kämpfen und sie könne in keiner Weise zugeben, daß ihren Be­amten und insbesondere den Arbeitern das Recht des Streiks in den Staatsbetrieben zustehe, um besiere Erwerbsbedingungen z« erreichen.

Ausland.

** Born Balkan. Konstantinopel, 28. Sept. Zwanzig Waggol serbischen Kriegsmaterials wurden in Ueskueb beschlagnahmt, währenl

Roch nicht eröffnet von ben neuen Bühnen ist basDeutsche Opern­haus" in ber Bismarckstraße zu Charlottenburg. Es soll ein große, Volks-Opernhaus werben, will sich mit BeethovensFidelio" weihen und gründet feine Spekulation hauptsächlich auf die Wagnerschen Musik­brame nach deren Freiwerden. Es wird 2300 Plätze faßen und wird mit allen Hilfsmitteln der modernen Theatertechnik ausgerüstet fein. Hoffent­lich hat es neben dem Verdienste auch bas Glück und braucht nicht auf Schlager" zu warten. Denn ber Schlager, bas ist bas Schlagwort vieler Berliner Theaterbureaus. DasTheater in ber Königgriitzerfttaße" spielt die Rothschildkomödie derFünf Frankfurter" schon zum 275. Male. ImBerliner Theater" haben dieGroßen Rosinen" eine noch hoher« Nummer. ImLustspielhaus", imThaliatheater", imFriedrich-Wil- helmstäbtischen Schauspielhaus" herrscht durchweg zum soundsoviel hun­dertsten Male die Posse von gestern. ImResidenztheater" ist der Ma­tador Richard Alexander von der Bühne abgetreten, und zum ersten Male ist ein Schwank ohne ihn gegeben worden:Der Herr von Nr. 19. Man wollte sich erst nicht dran gewöhnen. Doch da hier die Schule Richard Alexander so fest begründet ist. daß aus allen Bewegungen der Schüler und aus ber ganzen Atmosphäre bes Mileus die Allüren des Lehrmeisters blitzen, so wird einem das Fehlen des Meisters schonend beigebracht. Es mußte seinerzeit ohne Helmerbing gehen, es wird auch ohne Alexander gehen.

Schlager. Dieses Wort ist am besten angebracht auf die Revue, mit der alljährlich basMetropoltheater" die Saison eröffnet.Chauffeur ins Metropol!!!" heißt diesmal diegroße Jahresreoue mit Gesang und Tanz in 10 Bildern", die die Berliner Ereignisse des letzten Jahres, mit Sentimentalität durchsüßt, durcheinanberwirbelt. Szenen aus der politischen Kinderstube Europas, aus dem Warenhaus Groß-Berlin, von ber Motzecke am Nollendorfplatz, vom Freibad Wannfee, vom Karneval imMetropoltheater" werden von Thielfcher, Eiampietro, Helene Ballot, Madge Lessing auf ben Kops gestellt, unb was Humor und Witz nicht zu leisten vermögen, besorgen Burleske und Ausstattung, die hier nicht nur amerikanisch-protzig Hunberttauiende verschlingt, sondern auch von Eleganz und Geschmack ist. Wochenlang ist das Theater bis auf be« letzten Platz auscerlauit.

Chauffeur ins Metropol!" heißt es seit dem vorletzte« Sonnabenb. Damit, meinen Berliner und Fremde, sei die Saison cnbgSXtfg eröffnet

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