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MU oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".

M 22»

DieQberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 * lohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) -2.00 <X frei ins HauS. (Für unver. langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der Univ.-Bnchdruckerei I. A. Koch (Inh: Dr. E. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Sonntag, 29. September

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47. Jahrg.

1912.

Erstes Blatt.

Das Pulver trocken halten!

Die Kriegsgerüchte wollen nicht verstummen. Trotz aller offi- ziBsen Beschwichtigungsversuche dauert die Gärung in den Balkan­staaten an. Drohend rasseln die Bulgaren, Serben. Montenegri­ner, Griechen, Kreter, Samioten und wie sie sonst heißen mögen mit den Waffen und feuern sich gegenseitig zu Heller Kriegsbegei­sterung an. Da mehren sich denn die Sorgen der europäischen Diplomaten, denen die schwere Aufgabe obliegt, die unruhigen Völker, Völkchen und Stämme im Zaume zu halten, damit sie nicht über die arg bedrängten und provozierten Türken herfallen und dadurch internationale Verwicklungen herbeiführen, deren Folgen garnicht zu übersehen sind. Es ist daher zu verstehen, daß, wie es heißt, Herr v. Kiderlen-Wächter sich jetzt keinen Augenblick von feinem Posten entfernen darf, auch nicht um, wie beabsichtigt, dem verstorbenen Kollegen Frhrn. v. Marschall das letzte Geleite zu geben. Zu den akuten Schwierigkeiten kommt aber noch das schleichende Uebel der internationalen Gegensätze. Die Verände­rung der Flottenstation in Nordsee- und Mittclmeer, die Nach­richten über das Marineabkommen zwischen Rußland und Frank­reich und die Ministerzusammenkünfte innerhalb der Triple­entente lasten auch den Ruhigsten nervös werden. Die alten Weissagungen von dem Jahre 1913, das ein Kriegs- und Notjahr werden soll, kursieren deshalb mit besonderer Betonung wieder in der Welt. Ob sie eintreffen wird, wer weiß es? Daß die Wahr­scheinlichkeit dazu von Tag zu Tag wächst, läßt sich nicht bestreiten. Das zeigen auch die letzten Vorkommniste in Frankreich.

Da es sich nicht etwa um eine gewiste Nervosität oder Ueber- «mpfindlichkeit auf deutscher Seite handelt, wenn unsere Lands­leute in Paris von einem akuten Ausbruch der Deutschfeindlichkeit erzählen, das bestätigen unbeteiligte, z. V. amerikanische Beob­achter, die während der letzten Wochen in Paris geweilt haben und dort Gelegenheit hatten, mit hochgestellten Persönlichkeiten und speziell auch mit den maßgebenden und verantwortlichen Politikern sich zu unterhalten. Sie alle haben den Eindruck, daß man in Frankreich mit einer nahe bevorstehenden kriegerischen Ausein­andersetzung zwischen den Großmächten rechnet, und wenn man sich so ausdrückt, dann meint man natürlich, daß Frankreich, gestützt auf englische und russische Hilfe, nun endlich die lange verschobene Auseinandersetzung und Abrechnung mit dem deutschen Reiche werde vollziehen können. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnen die Bajonettangriffe auf die deutsche Grenze und die Großfürstin, die mit parzenhaftem Blick und allerhand pathetisch-sentimentalen Gesten die Grenze abfährt, vielfach etwas mehr Bedeutung, als man sonst diesem hysterischen Komödiantentum beizumesten geneigt ist. Es versteht sich ja von selbst, daß dieses Komödiantentum, das dem französischen Offizierkorps bis zu feinen höchsten Spitzen hin­auf anhaftet, lediglich ein Moment der Schwäche ist. Aber gerade diese seelische Disposition schließt gewiste Gefahren in sich. Das Beifallklatschen der lothringischen Landbevölkerung, das so ganz zu dieser Zirkusvorstellung paßt, wird den General d'Amade nicht vor dem Schicksal bewahren, als Verrall.r gebrandmarkt und mo­ralisch aufgehängt zu werden, wenn er es erst wirklich mit Leuten zu tun bekommen hat, denen die heilige Sache des Vaterlandes zu gut für derartige Entweihungen ist. Es ist außerdem auch nicht sehr wahrscheinlich, daß man in den Staatskanzleien von London und Petersburg viel Verständnis und Sympathie für dieses Jn- dianerspiel hat. Aber immerhin wird man gut tun, die anscheinend immer noch fortschreitende Durchdringung der Phantasie des fran­zösischen Volkes mit den Bildern des endlich anbrechenden Tages der Rache als einen nicht ganz belanglosen Faktor in Rechnung zu ziehen.

Für uns gibt es demgegenüber nichts anderes, als die voll­kommene Bereitschaft des ruhigen Kraftbewußtseins. Natürlich verhehlt man sich hierzulande nicht, daß feit 1870 jenseits der Vo­gesen in militärischer Beziehung außerordentliche Fortschritte ge­macht worden sind. Man weiß aber auch, was bei uns in uner­müdlicher, aufs äußerste angespannten Arbeit geschehen ist und steht allem, was kommen mag, in völliger Ruhe entgegen. Freilich haben die Franzosen auch die wichtige Entdeckung gemacht, daß unsere Finanzen gänzlich zerrüttet sind, wie sich das schon in der Marokkokrisis des vorigen Jahres gezeigt habe. Da ist es ganz be­sonders interestant und zeitgemäß, was auf dem jüngsten deutschen Bankiertag einer der Direktoren der Deutschen Bank, der Wirk!. Legationsrat Dr. Helfferich über die Verluste gesagt hat, die fran­zösische Rente, englische Konsols und 3prozentige Deutsche Reichs­anleihe im vergangenen Jahre erlitten haben. Eine Vergleichung dieser Zahlen ergibt, daß die deutschen Werte in diesem kritischen Jahre gar nicht so schlecht abgeschnttten haben, daß ihrem Rückgang #m 3%, v. H. bei der französischen Rente ein solcher von 5/]0 v. H. bei den englischen Konsols sogar um 6y2 v. H. gegenüberstehen. Auch zurzeit ist der deutsche Geldmarkt kräftig und gesund, und die Diskonterhöhung, die in England schon vor einigen Wochen einge­treten ist, wird bei uns vielleicht nicht einmal zum Ouartalsersten nötig werden.

Ist somit auch auf diesem Gebiete kein Anlaß zur Schwarz­seherei, so bleibt im übrigen immer noch die zweifellose Tatsache bestehen, daß Frankreich es für sich allein nicht wagen darf, an die Entscheidung der Waffen zu appellieren, daß bei Rußland sicherlich keine wirkliche Kriegslust vorhanden ist und daß auch in England die Mächte, die einer Störung des Weltfriedens sich entgegenstem- Wen, immer noch außerordentlich stark find. Allerdings ist nicht zu

verkennen, daß die psychologische Wurzel der französischen Erregung in der Haltung Englands ruht und daß die Sache des Friedens durch den jähen Tod des Frhrn. v. Marschall einen schweren Verlust erlitten hat. Aber gerade die Art, wie die öffentliche Meinung Englands diesen Tod ausgenommen hat, beweist eine viel stärkere Neigung zur Aufrechterhaltung des Friedens, als man sie sonst vmauszusetzen geneigt ist.

Deutsches Äetch-

Zum Regierungsjubiläum des Kaisers. Berlin, 27. Sept. Die zum Regierungsjubiläum des Kaisers int Juni 1913 geplanten Veranstaltungen größten Stiles auf künstlerischem und sportlichem Gebiet sind gesichert. An erster Stelle werden sich die königlichen Theater beteiligen, auch ist eine Beteiligung des Deutschen Theaters und des Lesstngtheaters zu erwarten. Dazu kommen große Festkonzerte und gesellschaftliche Veranstaltungen.

Dringliche Fragen . . .! Das Unterbleiben der Reise des Staatssekretärs des Auswärtigen v. Kiderlen-Wächter nach Neuershausen zur Beisetzung des verstorbenen Botschafters Frei- Herrn v. Marschall ist in der Presie als ein bedenkliches Symptom für die gegenwärtige Lage der internationalen Politik gedeutet worden. Wenn man damit auch vielleicht zu weit geht, so darf man, wie eine Berl. Korr. erfährt, das Verbleiben des Herrn v. Kiderlen in Berlin und feine Vertretung in Neuershausen durch Dr. Körner doch darauf zurückführen, daß jeden Augenblick dring­liche Fragen, die unsere auswärtige Politik nahe berühren, rasche Erledigung heischen können.

Gegen die Teuerung. Stuttgart, 27. Sept. Der württem- bergische Städtetag beschloß eine Eingabe an die Regierung um Zulassung von lebendem argentinischem Vieh zu richten.

Die Zuwachssteuer bei Landankäufen durch den Fiskus. Heber die Zuwachssteuer bei Landankäufen durch den Fiskus herrscht im allge­meinen große' Unkenntnis. Es ist darum vor einiger Zeit über diese Frage an die königlichen Regierungen ein Erlaß ergangen, demzufolge in die Verträge, in denen der Domänen- oder Forstfiskus als Käufer auftritt, die Bestimmung aufzunehmen ist, daß eine etwaige Wertzu­wachssteuer der Verkäufer allein tragen muß. Nach § 30 des Gesetzes vom 14. Februar 1911 ist der Fiskus von der durch § 29 Absatz 1 dem Verkäufer auferlegten Zuwachssteuerpflicht befreit. Dagegen haftet der Fiskus, wenn er Käufer ist und der Erwerb nicht im Wege der Zwangs­versteigerung stattfindet, nach § 29 Absatz 2 für die Zuwachssteuer, wenn diese von dem Veräußerer nicht beigetrieben werden kann, bis zum Be­trage von 2 v. H. des Veräußerungspreifes. Es empfiehlt sich daher, den Rückgriff gegen den Verkäufer durch Zurückhaltung von 2 v. H. des Kaufpreises zu sichern. Zu diesem Zwecke ist in jedem einzelnen Falle vertraglich festzulegen, daß der Fiskus diese 2 v. H. des Kaufpreises fo lange einbehält, bis der Verkäufer den Nachweis erbracht hat, daß die Zuwachssteuer entweder von ihm entrichtet worden, oder daß eine solche überhaupt nicht zu entrichten ist. Weiter ist zu vereinbaren, daß, wenn der Fiskus nach § 29 Absatz 2 des Gesetzes für die Steuer haftbar ge­macht wird, er sich wegen dieser Inanspruchnahme aus dem einbehaltenen Teile des Kaufgeldes schadlos halten kann.

Marburg und Umgegend.

Nachdruck aller Orginalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrecht- our mit der deutlichen QuellenangabeOverhesi Ztg" gestattet >

Marburg, 28. Sept.

* St Michaelstag. Dem Erzengel Michael, dem streitbarsten und vornehmsten Himmelsboten, ist der heutige Tag geweiht. Die christliche Kirche sieht in ihm den Schutzengel gegen die finstere Gewalt der Hölle. Um die Leiche Mosis soll er mit dem Satan gerungen haben. Ihm zu Ehren setzte der Papst Gelasius I. im Jahre 493 dasEngelsfest" ein, das alljährlich am 29. September feierlich begangen wurde. In der bildenden Kunst wird Michael ähnlich wie St. Georg dargestellt, als geharnischter Ritter aus weißem Roste, zu besten Füßen ein besiegter Drache sich windet. In Bayern und Großbritannien gibt es einen Michaelsorden. Von Fechtergesellschaften wurde Michael zum Schutz­patron erkoren. Für den Landmann beginnt jetzt ein neuer Abschnitt im Leben des Jahres. Die kürzer werdenden Tage erfordern ein früheres Einstellen der Arbeit. Man reicht dem Gesinde von nun auch keine Vesper mehr. Das häusliche Leben wird jetzt geselliger. Man findet sich zu Licktobenden zusammen, an denen Flachs gesponnen, gelacht und gescherzt wird. Früher zahlte man am Michaelstag die Zinsen und Ab­gaben. Bauernregeln für diesen Tag gibt es in Hülle und Fülle. So heißt es:Regnet es an Michaeli ohne Gewitter, fo folgt meist ein milder Winter; ist es aber trocken, so darf man auf ein gutes und trocke­nes Frühjahr hoffen." Will man die Art der nächsten Ernte erfahren, so bricht man am Michaelistage die Eicheln auf; findet man eine Spinne darin, so folgt ein schlechtes Jahr. Fliegen bedeuten ein mittleres Jahr, Maden aber ein gutes Erntejahr.

* Zur Frankfurter Universitätsfrage schreibt dieFranks. Ztg.": In der Sitzung der vereinigten Rechts- und Finanzaus- fchüste wurde der Nachweis erbracht, daß die durch Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 22. April d. Js. für die Uni- verfitätsgründung erforderlichen Stifiungsmittel beschafft sind. Der Ausschuß stellte das einstimmig fest und erteilte dem Magistrat die Ermächtigung, den Universitätsvertrag zu vollziehen. Kom­merzienrat Ladenburg als Vorsitzender des Finanzausfchusies be­nützte diesen Anlaß, welcher der Stadtverordnetenversammlung zum letzten Mal Gelegenheit gab, mit dem scheidenden Oberbürger- meftier Adickes amtlich zu verkehren, dem Dank für desien Ver­dienste, insbesondere um die Universitätsgründung, bewegten Aus­druck zu geben.

* Di« Geflügelzucht in Kurhesien. Aus der letzten Sitzung der Eeflügelzuchtkommifsion der kurheffifchen Landwirtschaftskammer ist folgendes von Jntercsie: Im letzten Herbst sind nur 8 neue | Zuchtstationen gegründet worden, welche im Juni toi Anschluß an

die Prämiierung der bäuerlichen Eeflügelhöfe kontrolliert worden sind. Es liegen 25 Anträge auf Uebernahme einer Zuchtstation vor. Von diesen sollen berücksichtigt werden 18 Antragsteller. Neu« Stationen werden errichtet: Für rebhuhnfarbige Italiener bei den Herren: W. Tatge, Bückethaler Landwehr bei Nenndorf, Wil­helm Bock 21 in Waltringhausen bei Nenndorf, beide Kreis Graf­schaft Schaumburg, Dootermann-Hattenbach, Kreis Hersfeld, Lehrer Beck-Sterzhaufen, Kreis Marburg, Landwirt L. Jeppe in Grebenstein, Kreis Hofgeismar, Stadtkämmerer Deubert- Wächtersbach, Spar- und Darlehnskasienverein Weißenborn, Kreis Eschwege, Landwirt Clauß-Ravolzhausen, Kreis Hanau, Land­wirt H. Moog-Münchhausen, Kreis Marburg. Für schwarze Minorka bei Landwirt Heinrich Schäfer-Langen­stein, Kreis Kirchhain, Rechnungsrat Schlund-Schmalkalden, Dr. E. Schumann-Hünfeld. Für weiße W-andottes: bei Fra« Major Stenglein in Hailer, Kreis Gelnhausen. Für weiße Wyandottes oder Faverolles: bei Pfarrer Heck-Marköbel in Hanau, Lehrer Beil-Cölbe, Kreis Marburg. Für pommersche Gänse: bei Bürgermeister Vieth-Langenbieber, Kreis Fulda. Für Peking- enten: bei Landwirt Kothe-Hersfeld. Die Prämiierung von Ee- flügelhöfen hat im Jahre 1912 in den Kreisen Cassel, Frankenberg Fritzlar, Hofgeismar, Homberg, Kirchhain, Marburg, Melsungen, Grafschaft Schaumburg, Wolfhagen und Ziegenhain stattgefunden. Es sind 23 Meldungen eingegangen. Das Ergebnis der Prä­miierung ist folgendes: 1. Schaper-Rothenmühle (133 Punkte) Diplom, 2. Peil-Mölln (132 P.) 75 3. Rieh-Beberbeck (125 P.)

65 M, 4. Scheffer-Felsberg (120 P.) 55 5. P f e i f f e r - M a r«

bürg (116 P.) 50 6. Riechers-Ohndorf (115 P.) 50 M, 7. Hat­

tendorf-Riepen (111 P.) 45 J(, 8. Dehler-Melsungen (111 P.) 45 M, 9. Stübing-Ziegenhain (110 P.) Diplom, 10. Oberheide- Poggenhagen HO P.) 45 11. Schröder-Rumbeck (106 P.) 40 JVL,

12. Schneider-Mörshausen (105 P.) 40 M, 13. Kuhaupt-Ehringen (100 P.) 30 M, 14. Happe-Frankenberg (100 P.) 30 Jl, 15. Bar- thels-Cathrinhagen (100 P.) 30 Jl, 16. Ww. Pfingsten-Riepen (87 P ), 17. Bremer-Helsinghausen (87 P.), 18. Pfingsten-Alges- dorf (84 P ), 19. Hede-Ziegenhain (81 P.), 20. Eade-Eroßseelhcim (SO P), 21. Wick-Ebsdorf (80 P.), 22. Daniel Bohl- Kirchhain (61 P), 23. Manz-Neukirchen (60 P.). Schaper- Rothenmühle und Stübing-Ziegenhain erhielten Diplome, weil sie vor 2 Jahren Geldprämien erhalten hatten.

* Wer ist der Tote? Auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt brach am Mittwoch abend ein mit dem Zug angekommener bester gekleideter junger Mann im Alter von 2426 Jahren plötzlich zusammen. Er wurde nach der Bahnhofswache verbracht, wo ein Arzt nur noch den Tod feststellen konnte, der infolge Herzschlags eingetreten war. Der Tote hatte keinerlei Personalausweis bei sich; fein Name war bisher noch nicht festzustellen. Die Leiche kam nach dem Südfriedhof. Im Besitz des Verstorbenen befand sich ein Posteinlieferungsschein aus Linz am Rhein vom 24. August über einen Einschreibebrief an Pastor Ferdinand von Herschelmann in Krim-Suja und eine Postscheckguittung für eine Stuttgarter Verlagsbuchhandlung, datiert aus Geisenheim vom 11. Sep­tember. Die Wäsche des Toten ist G. H. gezeichnet.

* Ein eigenartiger Fund. Auf einem Gemüseacker in der Nähe des Schützenpfuhls fand man gestern eine Brotbüchse, 25 Eier, eine Anzahl Würste, Butter und dergl. Es handelt sich um die Sachen, die am Montag vor 4 Wochen aus einet Speisekammer eines be­nachbarten Hauses gestohlen wurden. Es fehlten nur einige Eier und eine große Wurst. Der oder die Diebe find jedenfalls damals nicht ganz sicher vor Entdeckung gewesen und haben dort den Raub niedergelegt, um sich nicht weiter darum zu kümmern. Ein damals hinzugezogener Spürhund hattx wegen des Regenwetters das Diebslager auch nicht ausfindig gemacht. Daß die Würste, di« Butter ufw. völlig ungenießbar geworden waren, läßt sich leicht denken. Nur die Seiet dürften noch benutzbar fein.

* Wo sind di« Bürsten? Am 14. September wurde einem Mann im hiesigen Bahnhofsgebäude ein Sack mit besonders langen, für maschinellen Großbetrieb bestimmten Bürsten ent­wendet. Es ist festgestellt, daß der Dieb mit dem Sack in der Richtung nach Frankenberg davongefahren ist. Weiter ist aber auch bis jetzt nichts zu ermitteln gewesen. Für zweckdienliche Mitteilungen betreffs des Verbleibs der Bürsten ist die hiesig« Polizei dankbar.

* Das Gesetz über die Versicherung der Augestelltea soll mit dem 1. Januar 1913 in Kraft treten. Deshalb werden die Vorbereitungen für die Einführung dieses Gesetzes beschleunigt. Im Kreisblatt sind bereits die Termine für die Vertrauensmännerwahlen mitgeteitt wor­den. Rach dem Gesetz sind die Vertrauensmänner von den versicherten Angestellten und ihren Arbeitgebern zu wählen. Die Vertrauensmänner wieder wählen Beifitzer für den Verwaltungsrat, die Rentenausschüsie, die Schiedsgerichte und das Oberschiedsgericht und können von der Reichsversicherungsanstalt oder den Rentenausschüsien bei Erledigung ihrer Geschäfte zur Mitwirkung in Anspruch genommen werden. Sie sind also die Vertreter der Beteiligten bei der Ausführung und Hand­habung des Gesetzes. Bei den Vertrauensmännerwahlen gilt als Aus­weis für die versicherten Angestellten die Berficherungskarte, für die Arbeitgeber eine von der Gemeindebehörde ausgestellte Bescheinigung über die Zahl der von ihnen regelmäßig beschäftigten versicherten An­gestellten. Die Versickerungskarten werden von den Ausgabestellen aus­gestellt. Voraussetzung für die Ausstellung ist, daß der versicherte An­gestellte zuvor die Vordrucke einer Aufnahme- und Versicherungskarte, die bei den Ausgabestellen unentgeltlich erhältlich sind, ausgefüllt und der Ausgabestelle eingereicht hat. Viele der mit der Durchführung der Vertrauensmännerwahlen betrauten Behörden fordern gegenwärtig schon alle versicherten Angestellten auf, sich innerhalb eines gewißen Zeit­raumes von den Ausgabestellen, in deren Bezirk sie beschäftigt sind, oder von ihren Arbeitgebern, sofern sie im Besitze der Vordrucke einer Auf­nahme- und einer Versicherungskarte sind, diese verabreichen zu lass«» Iunb unter Einreichung der ausgefüllten Vordrucke bei den Ausgabestellen ihres Beschästlgungsortes di« Ausstellung der Bersicherungskarten zu