mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage-.
M 227
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Marburg
Freitag, 27. September
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47. Jahkk;
1912.
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Borchardt und Leinert.
Zwei Tage lang hat sich jetzt die Strafkammer des Landgerichts I Berlin mit der Skandalaffäre zu befassen gehabt, die die sozialdemokratischen Abgeordneten Borchardt und Leinert am ü. Mai im preußischen.Abgeordnetenhause durch ihre Weigerung, den Anordnungen des Präsidenten Folge zu leisten, provoziert hatten, und noch ist es nicht zu einem Urteil gekommen. Die „Nervenkrankheit" des Herrn Leinert hat es zuwege gebracht, daß die Austragung der Angelegenheit fast 5 Monate hinausgezögert wurde, und diese Zeit haben die drei Anwälte der bekanntlich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und wegen Hausfriedensbruches Angeklagten dazu benutzt, einen Wulst von verfassungsrechtlichen und sonstigen juristischen Spitzfindigkeiten zusammenzutragen, den die Anklagebehörde und das Gericht nun erst wieder beseitigen müssen. Das Ziel dieses Verfahrens ist, die Angeklagten im Lichte von Verfechtern der Rechte der Abgeordneten und des Volkes erscheinen zu lassen und statt ihrer die „reaktionäre Mehrheit des Landtages" und — wie der „Vorwärts" sagt — den „berüchtigten § 64“ der Geschäftsordnung des preußischen Abgeordnetenhauses, den Ausschluffparagraphen, auf die Anklagebank zu bringen. Unter einem Haufen von rechtsgeschichtlichen Ausführungen und sophistischen Deutungen möchte man den gesunden Menschenverstand ersticken, der jedem Parlament, das überhaupt lebensfähig fein soll, die Möglichkeit einräumen muß, diejenigen, die seine Arbeiten absichtlich stören und deren Erledigung zu hindern suchen, zu entfernen. Die „Genossen" Borchardt und Leinert und ihre Verteidiger berufen sich auf das Recht der Wähler, im Parlament jederzeit durch den von ihnen bestimmten Abgeordneten vertreten zu sein. Steht diesem Recht, wenn es von einem einzelnen Abgeordneten nicht benutzt wird, nicht das Recht aller übrigen Wähler auf eine ordnungsmäßige Erledigung der dem Abgeordneten übertragenen Geschäfte gegenüber? Der Ausschluß von Abgeordneten soll die Verfassung verletzen. Ist es denn keine Verletzung der Verfassung, wenn die in ihr vorgesehene Tagung des Parlaments unmöglich gemacht wird? Im Reichstage ist von sozialdemokratischer Seite anerkannt worden, daß selbst eine Fraktion von 110 Abgeordneten keinen ausschlaggebenden Einfluß aus die Führung der Geschäfte hat. Im preußischen Abgeordnetenhause aber soll ein halbes Dutzend von Abgeordneten es in der Hand haben, durch Lärm und Radau die Abwicklung der Geschäfte unmöglich zu machen? Lange genug hat man sich dort das wüste Gebaren der handvoll Sozialdemokraten gefallen lassen. Der jetzt unternommene Versuch, für diese „Radaubrüder" und ihr Verhalten auch noch einen gesetzlichen Schutz durch einen Richterspruch zu konstruieren, ist der Gipfel der Anmaßung. Mir haben zu unseren Richtern das Vertrauen, daß sie, nachdem ste den Zweck des Vorgehens der „Eenoffen" erkannt haben, Maßnahmen treffen, die diesen weitere Versuche,»das Parlament zum Tummelplatz ihrer Laune» zu machen, gründlich verleiden. Wir mochten den sozialdemokratischen Konventikel sehen, der nicht das Recht für stch in Anspruch nähme, notorischen Störenfrieden den Stuhl vor die Tür zu setzen. Und dieses Recht soll dem Parlament verwehrt werden? Die Herren Borchardt und Leinert werden vergeblich nach dem Ruhm von Märtyrern der Volksrechte streben; ste haben stch osfenfichtlicher Gesetzesverletzungen schuldig gemacht und haben dafür zu büßen.
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Ein Expose des Grafen BerMold.
Im Hinblick auf die diplomatische Aktion, die 1?r 'österreichischungarische Minister des Auswärtigen Graf Verchtold zur Lösung der
■ •1-/ ’ (Nachdruck verboten.)
- « Der Wirhiggiinger.
; Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung)
„Oh, dar ist noch nicht alles. Wiffen Sie, tDarjyn jw kommt, trotzdem ste erst wegen Nuhebedürfnis absagte?"
„Run?" - ,
„Um Sie kennen zu lernen."
„Mich?"
Regina fragt es unglättbig lächelnd.
„Ja, Sie," rief Maud, vor Eifer glühend.
„Das ist wohl ein Irrtum. Ich wüßte nicht, wie ich zu diesem Jntereffe käme."
„Und doch ist es so. Ich will Ihnen das ausführlich erzählen. Oder Uein, das kannst du bester, Mabel, du hast ein besteres Gedächtnis als ich." Regina lächelte über den drolligen Eifer der jungen Damen, die nun tost ein Duett lachten, ehe Mabel fortfuhr zu erzählen.
„Also wir sprechen über Berlin. Fräulein Marlow erkundigte stch «ach verschiedenen Personen, die ste von früher her kennt. Dann wollte ste wisten, wer heute abend geladen ist, und natürlich erwähnten wir zuerst Ihren Namen mit. Tante sagte wörtlich: „Die schöne und liebenswürdige Frau Ruthart wird mit ihrem Gatten auch erscheinen." Darauf rief die Künstlerin interestiert: „Wie, Claus Ruthart hat stch verheiratet? Das muß ja ein Ausbund von Schönheit und Vollkommenheit fein, die ihn gefesselt hat" Tante fragte: „Ah, Sie kennen Herrn Ruthart?" „Natürlich", erwidette die Sängerin, „als ich ihn kennen lernte, war er eine Art Berühmtheit, er hatte gerade eine Indienreise hinter sich. Das ist freilich schon lange her, ich war damals noch eine junge Anfängerin. Jedenfalls we^ß ich, daß Herr Ruthark sehr hohe Ansprüche an das Ewig-Weibliche stellte, er gatt als Ehefeind. Deshalb bin ich sehr neugierig, diejenige kennen zu lernen, die er stch zur Gattin erwählt. Das könnte mich wahrlich reizen, trotz meiner Reisemüdig- «it Ihrer liebenswürdigen Einladung Folge zu leisten." Wir brauchten toiit nicht mehr viel zuzureden, um ihre feste Zusage zu erhalten. Kurz
Wirren in der Türkei, zur Schlichtung der Differenzen zwischen dem Osmanenreiche und den verschiedenen Balkanstaaten und letzten Endes zur Aufrechterhaltung des europäischen Friedens unternommen hat, durfte man auf seine Darlegungen der internationalen Lage, die nach üblicher Weise in den zurzeit in Wien tagenden Delegationen der beiden Teile der Donaumonarchie zu erwarten waren, besonders gespannt sein. Am Dienstag hat nun Graf Verchtold in der ungarischen Delegation gesprochen, und das Hauptthcma seiner Ausführungen bildete, wie zu erwarten war, die Balkansrage. So führte er u. a. aus: „Wir vermochten uns der Gefahren nicht zu verschließen, welche aus dem Widerstreite zwischen der ottomanischen Regierung und den in ihren althergebrachten Freiheiten stch verkürzt fühlenden Albanesen für den inneren und äußeren Frieden der europäischen Türkei entstehen könnten. Als dann ein Regierungswechsel in Konstantinopel erfolgte, besten erste Manifestation darin bestand, den Albanesen Entgegenkommen zu bezeigen. gleichzeitig aber an mehreren Punkten, namentlich infolge des türkisch montenegrinischen Grenzkonslikts, der bulgarischen Erregung über das durch ein Bombenattentat veranlaßte Gemetzel von Kotschana und der Zusammenstöße zwischen Griechen und Albanesenin Epirus Zustände eintraten, welche das Verföhnungswerk zu erschweren, wenn nicht unmöglich zu machen drohten, haben wir uns mit der Anregung zu einem Gedankenaustausch über die Lage am Balkan an die Mächte gewendet... Zu unserer lebhaften Befriedigung haben sämtliche Kabinette unserer Anregung verständnisvoll zugestimmt, wodurch der Kontakt unter den Mächten hergestellt und eine wertvolle Bürgschaft für die möglichste Verhütung einer gewaltsamen Lösung der Krise geschaffen worden ist. Namentlich ist das russische Kabinett gleich uns ernstlich bestrebt, die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern.
Es hieße aber, sich einer bedenklichen Täuschung hingeben, wenn man die Gefahren der gegenwärtigen Balkanlage deshalb als beseitigt ansehen würde.....
In meinem Expose vom 30. April hatte ich mir erlaubt bervorzu- heben, daß das freundschaftliche Verhältnis zum ottomanischen Reiche zu den Ueberliefernngen der Außenpolitik des Wiener Kabinetts gehört. Unser Interesse ist nicht an diese oder jene Partei gebunden, sondern auf die Erhaltung der territorialen Integrität des Reiches und deffen innere Konsolidierung gerichtet. Die legitimen Ansprüche der verschiedenen, das vielsprachige Rnmelien bewohnenden Völker mit den Exigentien des ottomanischen Stootswesc-ns zu versöhnen, darin erblicken wir die Aufgabe der türkischen Staatsmänner, und redliche Bemühungen, eine Lösung dieses Problems herbeizuführen, werden stets unsere moralische Unterstützung finden.
In der Verfolgung dieser Politik fühlen wir uns bestärkt durch die Ueberzeugung. daß dieselbe der Auffaffung unserer Verbündeten entspricht. Seit ich zuletzt die Ehre hatte, von dieser Stelle aus zu sprechen, habe ich Gelegenheit gehabt, mit den maßgebenden Staatsmänneren des Deutschen Reiches in Berlin zu konferieren und konnte hierbei die neuerliche Bestätigung für die Uebereinstimmung der letzten Ziele der beiden Kabinette finden. Ebenso hat der anläßlich des Besuches Herrn v. Beth- mann Hollwegs in 'Buchlan mit demselben gepflogene Meinungsaustausch die volle Kongruenz der Anschauungen, namentlich auch in bezug auf die im nahen Oriente zur Richtlinie beider Verbündeten dienenden konservativen Prinzipien ergeben.
Im nächsten Monate wird mir Gelegenheit geboten fein, mich Seiner Majestät, dem Könige Viktor Emanuel, vorzustellen und mit dem Marchese di San Giuliano Meinungsaustausch zu pflegen. Es entspricht dieser Antrittsbesuch bei dem erlauchten Verbündeten unseres Allergnädig- ften Henn einem von meinen Vorgängern beobachteten Herkommen, dem ich mich um so freudiger anschließe, als die Beziehungen der Kabinette von Wien und Rom durch eine persönliche Aussprache zwischen de nfieitetn der auswärtigen Politik der beiden Mächte an Klarheit und Vertrauen nur noch gewinnen können.
Wie Sie aus den vorstehenden Darlegungen erkennen werden, ist die gegenwärtige Lage trotz der Uebereinstimmung der Kabinette der Großmächte in deren Bestreben, den Frieden zu erhalten, keineswegs beruhigender Natur. Ein kontinuierliches Wetterleuchten am Balkan gibt von einer erhöhten elektrischen Spannung der politischen Atmosphäre
und gut, Charlotte Marlow kommt, um Sie kennen zu lernen. Was sagen Sie nun?"
Erwartungsvoll sahen die beiden in Reginas lächelndes Gesicht.
„Dieses Jntereffe einer so gefeierten Künstlerin ist allerdings sehr schmeichelhaft, wenn auch unverständlich für mich." sagte ste.
Frau Kommerzienrat Dürfeld trat jetzt zu den Steten heran.
„Nun, Maud und Mabel, habt ihr eure große Neuigkeit untergebracht?" fragte sie scherzend.
„Ja, Tantchen, und Frau Ruthart ist nun sicher ebenso neugierig, die Marlow kennen zu lernen, als umgekehrt."
„Ist es so, liebes Kind?"
„Ich gestehe, daß ich mit Jntereffe dieser Bekanntschaft «ntgegenfehe, wenn mit auch nicht einleuchten will, daß eine so berühmte und gefeierte Frau eine Festlichkeit nur besucht, um sich von der Schönheit oder Liebenswürdigkeit einer anderen zu überzeugen."
„Charlotte Marlow ist selbst sehr schön, obwohl sie nach meinet Berechnung fast dreißig Jahre alt fein muß. Vielleicht will si« konstatieren, ob sie schöner sind, als sie selbst."
„So töricht sollte eine so berühmte Frau sein?"
„Berübmt oder nicht, töricht sind wir Frauen alle ein wenig, jede auf ihre Weise. Jedenfalls haben Sie uns dazu verhalfen, die Künstlerin hier begrüßen zu können, und da ihr erstes Auftreten als Garmen nächsten Montag das größte Ereignis der Theatecfaiion sein wird, freut es uns doppelt, unfern Gästen diese lleberraschung bieten zu können. Aber da kommt Ihr Gatte und steuert auf uns zu. Ich lasse Sie in guter Gesellschaft zurück, denn mich rufen Hausfrauenpslichlen von Ihrer Seite."
Frau Kommerzienrat Dürfeld ging davon und Glaus trat heran, um Maud und Mabel ein paar Artigkeiten zu sagen.
„Es ist gut, daß Sie kommen, Herr Ruthart," rief Maud lebhaft. „Denken Sie, Ihre Gattin will nicht glauben, daß Gharlotte Marlow heute abend nur hierher kommen will, um sie kennen zu lernen."
Glaus horchte auf. Ein etwas unbehagliches Gefühl nahm ihn gefangen. „Gharlotte Marlow wird erwartet? Ich wußte g*ir nicht, daß sie schon zurück ist von Amerika."
„Sie wird am Akontag die „Garmen“ fingen. Haben Sie sich noch keine Plätze gesichert? Dann dürfte es hohe Zeit fein."
Zeugnis, ohne das Dunkel ungelöster Probleme aufhellen zu können. Die Diplomatie hält Wacht, um drohende Konflikte zu verhüten und die, Gefahren eines Valkanbrandes im Keime zu ersticken. Wir sind durch unsere geographische Position dem heißen Boden nahegrückt, und große Jntereffen der Monarchie stehen auf dem Spiele. Nur wenn wir auch zu Lande und zur See gerüstet sind, können wir der Zukunft ruhigen Mutes entgegensehen."
Der Ernst der Darlegungen des Grafen Berchtold ist doch bemerkens^ wert. Er wird auch durch die Annahme nicht gemildert, daß ste el» Warnungen nach den verschiedensten Richtungen hin, nach Konstantinopel wie nach Sofia, nach Belgrad wie nach — Balmoral hin, zu wirken be», stimmt waren, und daß sie sich zum Teil vurch den an den Schluß der Rede gerückten Hinweis auf die notwendige Verstärkung der Wehrkraft Oesterreich-Ungarns erklären zu taffen; alle Veschwichtigungsgründ« können Inhalt und Wortlaut der Rede des verantwortlichen Leiters der; österreichisch-ungarischen Politik nicht aus der Welt schaffen.
Zum Tode des Frhrn. v. Marschall.
L 0 n d 0 n, 25. Sept. Der „Daily Telegraph" schreibt zu dem Tode des Frhrn. v. Marschall: Wenn wir auf den letzten Juni zurückblicken, wo der Botschafter hier ankam und die Pflichten seines Amtes übernahm, werden wir uns der Vereitelung herzlich geäußerter Hoffnung und der bitteren Ironie des Schicksals bewußt. Indem wir aus ganzem Herzen das Ableben Marschalls bedauern, können wir nur hoffen, daß fein Nachfolger ein ebenso starker männlicher Gharakter sei. Wie alle starken Männer Europas arbeitete Marschall für den Weltfrieden. Europa wurde durch seinen Verlust ärmer. — Der „Standard" schreibt: Ob Freund oder Feind, Marschall war ein Mann, den wir achteten und liebten. Wir trauern mit Deutschland um den Verlust eines Staatsmannes. der ihm glänzende Dienste leistete und den Deutschen wie uns ein schönes Beispiel von Mui, Patriotismus und Entfchloffenheit gab. -» „Daily News" schreibt: Freiherr v. Marschalls Tod wird in England betrauert werden von allen die überzeugt sind, daß die beste Hoffnung für die Zukunft abhängt von den freundlichen Beziehungen zwischen England und Deutschland. Die Ernennung war ein deutlicher Schritt seitens Deutschlands zur Herbeiführung der Annäherung. Niemand der Freiherrn v. Marschall begegnete, konnte an der freundlichen Gesinnung für dieses Land und an der Aufrichtigkeit bezüglich der Sache des Friedens zweifeln. Sein Verlust ist der Verlust an den besten Jntereffen, die die Welt besitzt und wie wir glauben, besonders für England. Der Nachfolger, wenn er in demselben Geiste kommen wird, wie Freiherr v. Marschall, wird einet sympathischen Aufnahme sicher fein. — Di« „Times" erinnert an die von dem deutschen Kaiser durch die Ernennung des Frhr. v. Marschall zum Botschafter in London gezollte Aufmerksamkeit und führt aus, daß die Aufgabe, freundschaftlichere Beziehungen zwischen den beiden Ländern anzubahnen, keinen befiete« Händen anvertraut werden konnte. Das Blatt hebt Frhr. v. Marschalls Takt, seine weltmännische Art und reiche Bildung und den Mangel an utopistischen Ideen hervor, die in England so verbreitet feien. In jener, von Herzen kommenden Sympathie, die aus England dem deutschen Kaiser und dem Deutschen Reiche, die in Marschall einen ihrer größten Staatsbeamten verloren hätte, entgegenströme, wie auch in jenem herzlichen Willkommen, das v. Marschall vor wenigen Monaten In weitgehendem Maße zu teil wurde, werden die deutschen Vettern den bei allen an verantwortlicher Stelle stehenden Gnglänbem vorhandenen aufrichtigen Wunsch nach einer Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern auf einer ehrenvollen und dadurch dauernden Grundlage und des treuen Festhaltens an der bestehenden Freundschaft und Achtung vor den legitimen Jntereffen der beiden großen Weltreiche wieder erkennen.
Paris, 25. Sept. Auch die heutigen Blätter würdigen in ausführlichen Artikeln die Bedeutung des verstorbenen Botschafters Ftei- herrn v. Marschall. So schreibt der „Figaro": Herr v. Marschall gehörte zu jenen Mitgliedern der deutschen Diplomatie, die die Jntereffen ihres Landes am weitesten vorwärts gebracht haben. Er hat der deutschen Orientpolitik ein machtvolles und unauslöschliches Gepräge verliehen.
Glaus hatte sich gefaßt.
„Hast du Lust, hinzugehen, Regina?"
„Gewiß. Als Garmen soll die Künstlerin unübertrefflich sein." — „Dann werde ich gleich morgen früh Karten besorgen lassen." Regina sah ihn fragend an.
„Hast du eine Ahnung, weshalb die Marlow meine Bekanntschaft machen will?"
Er. zuckte die Achseln.
„Künstlerinnenlaunen."
„Du kennst sie von früher, nicht wahr?" ,
Er fah sich wie interessiert im Saal um. „Ja, ich kenne sie."
„Sie erinnert sich deiner auch noch. Die jungen Damen erzählte« er mir."
„Ach, wie schmeichelhaft. Ist das wahr, gnädiges Fräulein?"
„Gewiß," erwiderte Maud lachend, „sie hat gesagt, Sie roätrit et« Ehefeind gewesen." _• \
Glaus drehte an feinem Bart.
„Bis ich die Rechte fand," sagte er scherzend.
„Vielleicht gilt bas Interesse bet Dame mehr bir als mir," fagte Regina arglos.
„Wir wollen es barauf anfommen lassen unb uns den Kops nicht darüber zerbrechen."
Sehr angenehm war cs ihm, als jetzt einige Herren herantraten, um die Damen zu begrüßen. Obwohl auch jetzt noch Charlotte Marlow den Gesprächsstoff lieferte, wurde doch alles Persönliche vermieden. Claus glaubte annehmen zu müssen, daß die Künstlerin, für die et kurze Zeit geglüht hatte, eine gewisses Interesse an feiner Verheiraiunf nehme, obwohl sie selbst das Verhältnis zu ihm gelöst hatte. Da et schot anfing, ihrer überdrüssig zu werden, war ihm dieser Bruch sehr gelegen gekommen, und er hatte nicht weiter darüber nachgedacht, durch welchen Umstand et veranlaßt worden war.
Daß es ihm nicht gerade große Freude bereitete, sie hier treffen zu sollen, überhaupt wieder mit ihr zufammenzukommen, läßt sich denken. Es ist immer etwas genierlich füt einen Ehemann, feine Frau mit einet ehemaligen Geliebten zusammen zu sehen. Da es aber nicht zu vermeiden Wat, mußte man mit Fassung bas Unabänderliche tragen.----
(gornetzung folgt.)