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1912
Erstes Blatt
durch bemannteDrachen und Ballons frühzeitig bemerkt wurde, in den Kampf ein. Die italienischen Reserven warfen die Angriffe der feindlichen Kolonne, die so heftig erfolgten, daß sogar die Artilleristen das Seitengewehr ziehen mutzten, zurück und gingen zu einem Gegenangriff über. Der Kampf hörte mit einbrechender Nacht vollständig auf. Die Verluste der Italiener werden auf 200 Tote und Verwundete geschätzt. Die Verluste des Feindes sind noch nicht genau festgestellt.
Austausch von Gefangenen.
Der türkische Ministerrat hat endgiltig beschlosien, alle Zivilgefangenen, ausgenommen die Gendarmen, mit Italien auszutauschen. Dazu bemerkt die „Tribuna", datz die Verhandlungen durch' Vermittlung der deutschen Botschaft geführt werden. Für Italien handelt es sich um die Befreiung der Mission Sforza in San Filippo, für die Türken um die Befreiung der Znselbeamten mit streng zivilem Charakter.
. Die Friedensausfichten.
Eine türkische offiziöse Note besagt, datz, obwohl die Friedensverhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen, diese jedoch noch nicht soweit gediehen seien, datz man vor der Unterzeichnung des Friedensvertrages stehe. Die hierüber in der Presie veröffentlichten Einzelheiten entsprechen durchaus nicht der Wahrheit. Weiter wird an zuständiger Stelle die Meldung, Italien habe verlangt, datz die Pforte die Unabhängigkeit ganz Libyens proklamieren und so auf die Souveränität verzichten soll, dementiert.
Marburg
Dienstag, 24. September
Der LozialdemokraMer Parteitag
f ist am Sonnabend zu Ende gegangen, ohne daß er eine irgendwie ■ bemerkenswerte politische Bedeutung erlangt hätte. Im Gegenteil, es ist autzerordentlich viel leeres Stroh gedroschen worden, und sogar diejenigen sind enttäuscht worden, die Sensationen erwarteten. Es gibt ja immer noch Leute, die glauben, es müßte einmal in der sozialdemokratischen Partei zu einem Krach der Richtungen kommen, und unsere sogenannten Mauserungspolitiker geben noch immer die Hoffnung nicht auf, aus den Revisionisten dereinst sogenannte Bürgerlich-Radikale werden zu sehen, Daß dabei der Wunsch der Vater des Gedankens ist, läßt sich ja mit Händen greifen. Eine derartige sozialdemokratische Partei soll unserem Vür- gerstand, der Gott sei Dank noch immer weiß, was von der Sozialdemokratie zu erwarten ist, bündnisfähiger erscheinen.
Unsere Linke hat das Jnteresie, mit dieser angeblichen Entwicklung über den wahren Charakter der sozialdemokratisck)en Partei hinwegzutäuschen und läßt sich darin durch die Tatsachen auch nicht stören. Gerade der diesjährige Parteitag hat ja mit seinen Erörterungen der „Dämpfungsparole" gezeigt, wie eng das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Freisinn geworden ist. Gleiche Brüder, gleiche Kappen. So wagte denn auch der Parteitag nicht, obgleich von einer großen Anzahl die Dämpfungsparole als ungeheuerlich empfunden wurde, dem Parteivorstand für zukünftige Fälle die Hände zu binden.
Auch diesmal hat es die Sozialdemokratie nicht verschmäht, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Einige Male mutz sie immer ihren revolutionären Charakter betonen. Wer aber glaubt, daß er bei ihr in der Partei der Toleranz und Freiheit sei, für den ist die DerhandluiW des letzten Tages von besonderer Bedeutung, der den vollständigen Ausschluß des Schriftstellers Hildebrand brachte, weil er in einigen Dingen anders dachte, als es die Partei für ihre agitatorische Zwecke nötig halt. Weder seine eigene geistige Persönlichkeit noch die Hilfe der Revisionisten hat ihm etwas genützt. Der Wille der Partei ging über sie hinweg. Es wird darüber berichtet:
Chemnitz, 21. Sept. Die Schlußsitzung des Parteitages wurde fast vollständig mit der Erörterung des Falles Hildebrandt ausgefüllt. Dieser huldigte früher national-sozialen Anschauungen und war Redakteur der „Hilfe". Im Jahre 1903 trat er mit Dr. Maurenbrecher zur Sozialdemokratie über. In einer von ihm herausgegebenen Broschüre „Die Erschütterung der Industrieherrschaft" hat er „ketzerische" Ansichten vertreten. Er soll mit dem Schutzzoll sympathisieren und gesagt haben, in Deutschland würde 'noch verhältnismäßig am besten regiert. Hildebrand wurde durch das Schiedsgericht des Kreises Solingen aus der Partei ausgeschlossen und appellierte an den Parteitag. Die Beschwerdekommission hat sich lange Zeit mit der Beschwerde beschäftigt und schließlich mit 5 gegen 4 Stimmen beschlosien, seine Berufung abzulehnen. Das Referat der Veschwerdekommission erstattete Süß- 'heim (Nürnberg). Müller (München) spricht im Namen der Minorität der Veschwerdekommission. Die Mehrzahl der Mitglieder der Beschwerdekommission hat das Buch Hildebrands überhaupt nicht gelesen. Hildebrand ist nicht von dem Standpunkte des Klasienkampfes abgewichen, er proklamiert lediglich seinen „gedämpften" Klasienkampf. Hierauf erhält Hildebrand selbst das Wort: Ich stehe durchaus auf dem Boden des Klasienkampfes. Es handelt sich hier nicht um mich, sondern um die Meinungs- und Forschungsfreiheit der Partei. Unter immer größerer Erregung der beiden Flügel des Parteitages nimmt Klara Zetkin (Stuttgart) das Wort: Wir haben nicht zu entscheiden über wisienschaft- liche Nichtigkeiten oder Unrichtigkeiten in den Anschauungen Hildebrands, wir haben nur zu entscheiden, ob er zu uns gehört oder nicht. Die Partei ist kein Tanzsaal, in dem liebenswürdige und interessante Schwarmgeister sich betätigen können. — Der revisionistische Antrag auf Vertagung der Sache Hildebrand wird abgelehnt. Heine sagt: Eine große Vier-Millionen-Partei muß auch Eigenbrödler vertragen können. Eine große Partei mutz auch groß handeln. Der Schaden, der heute von Dittmann und Klara Zetkin angerichtet wurde, ist in zehn Jahren nicht gut zu machen. Ebert (Berlin) bringt einen Schlutzantrag ein, der mit großer Mehrheit angenommen wird. Nachdem der Referent Süßheim und Hildebrandt noch einmal zu Wort gekommen, folgen eine Reihe persönlicher Bemerkungen, worauf die Abstimmung vorgenommen wird. Die Radikalen begrüßen das Resultat mit langanhaltendem Beifall und Händeklatschen. Das Ergebnis der Abstimmung ist, daß die überwiegende Mehrheit sich für die Ausschließung Hildebrands ausspricht. Nach der Abstimmung fanden teilweise sehr erregte Szenen zwischen Radikalen und Revisionisten statt. Darauf schloß der Vorsitzende die Versammlung.
Deutsches Reich-
— Bom Kaiser. Wilhelmshaven, 21. Sept. Am Schluß der Herbstmanöver der Flotte richtete der Kaiser folgenden Funken- spruch an die Flotte: „Ich spreche der Hochseeflotte und den ihr für die Herbstübungen zugeteilten Verbänden sowie den Streitkräften der Küstenverteidigung meine volle Anerkennung für die mir gezeigten Leistungen und meinen wärmsten Dank für die mühevolle und treue Arbeit zur Hebung unserer Kriegsfertigkeit aus." — Rominten, 21. Sept. Die Ankunft der Majestäten und der Prinzessin Viktoria Luise in Groß-Rominten fand heute nachmittag 4.10 Uhr statt. Zum Empfang war Landrat Gehren erschienen. Vom Bahnhos fuhren die Herrschaften im Automobil auf das Jagdschloß Rominten, wo sie gegen 4y? Uhr eintrafen.
— Der Kultusminister gegen Uebertreibungen bei der Pfadfinderei. Einer Nachrichtenstelle zufolge ist kürzlich ein Erlaß des preußischen Kultusministers an die Schulleiter ergangen, in dem dieser darauf hinweist, daß bei der Pfadfinderei und ähnlichen Spielarten des militärischen Sports mit Vorsicht vorzugehen und jede Uebertreibung zn vermeiden sei. da mehrere Fälle festgestellt wurden, in denen Schüler durch Ueberanstrcngung gesundheitlich geschädigt word'en sind.
— Kein Brief des Staatssekretärs Zorn von Bulach an Wetterls. Straßburg, 21. Sept. Die amtliche „Straßburger Korerespondenz" schreibt In einer in die Presie übergegangenen Zuschrift an die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" aus Straßburg vom 17. September wird behauptet, die klerikalen Blätter hätten zugegeben, daß Staatssekretär Freiherr Zorn von Bulach dem Abgeordneten Wetterle, als dieser die ihm wegen Beleidigung zuerkannte Gefängnisstrafe abbüßte, einen freundschaftlichen Bries geschrieben habe. Ein solcher Brief ist vom Staatssekretär nie geschrieben worden. — Es ist vielleicht nicht unbescheiden, so schreibt die „Post" dazu, zu fragen, wie es sich denn mit dem Briefe verhält, den er an einen anderen Französling, an den bekannten Nationalistenführer Kübler schrieb, und in dem er ihm die Mitteilung machte, daß der wegen seiner, aufrecht deutschen Gesinnung mißliebig gewordene Lehrer Hild- wein aus Betreiben Küblers tatsächlich gemaßregelt worden sei? Vielleicht hat Freiherr Zorn von Bulach die Liebenswürdigkeit, auch über diesen seltsamen Briefwechsel die Leffentlichkeit aufzuklären. Und wie verhält es sich ferner mit der amtlichen Anstellung des wegen Beleidigung der deutschen Armee bestraften Hetzjonrnalisten Bohn? Dergestalt ließen sich noch mancherlei Fragen an den Herrn Staatssekretär richten. Aber wenn er zu jeder Antwort drei volle Monate Zeit gebrauchen würde (und man muß das nach den bisherigen Erfahrungen als Norm wohl annchmen), so würden wir höchstwahrscheinlich das Ende seiner Antworten nicht mehr erleben. Mag cs deshalb mit den beiden vorstehenden zunächst sein Bewenden haben. ■
Der Krieg um Tripolis.
Reue Kämpfe.
Nach einem Telegramm des Generals Ragni frnben am 20. September bei der Oase Zansur und der westlich von ihr gelegenen Höhe Sidib-el-Hai erbitterte Kämpfe statt. Um 5y2 Uhr morgens begann die Artillerie das Feuer. Nach einer halben Stunde brangen die Truppen in die Oase ein und besetzten sie nach hartem Kampfe. Um 8y2, Uhr wurde die Höhe Sidib-el-Hai erobert. Gegen Mittag griffen starke türkische Truppenmasien, deren Herannahen
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Die Gedenkfeier bei der BrnckermWe.
* Amöneburg, 22. Sept, j
Ein prächtiger Spätsommertag begünstigte die heute an der Brückermühle abgehaltene Erinnerungsfeier an den heldenmütigen Kampf, der genau vor 150 Jahren hier stattfand. Um es vorweg zu nehmen: Es war eine erhebende nationale Feier, die so recht zeigte, wie tief in unserem Hesienvolke die Liebe zur Heimat, die Achtung vor seiner Ee- schichte und die Freude am Vaterlande wurzelt. So kam es, daß di- schlichte Feier aus der ganzen Gegend jung und alt zusammenführt- und einen so eindrucksvollen Verlaus nahm.
Die Stadt Amöneburg, von welcher die Anregung zu der Gedächtnisfeier ausgegangen war und die weder Mühe noch Kosten gescheut hatte, um diese würdig zu gestalten, trug Flaggen- und Fahnenschmuck, . ebenso die Brückermühle und die umliegenden Gehöfte, die alte Ohmbrücke usw. und auf dem Flachfelde vor dem Brückerwalde zeigten Fähnchen an, wo der Kampf damals am heftigsten wütete. Als Festplatz diente ein am Bergesabhang oberhalb der Brückermühle liegender großer Acker, in desien Mitte man eine mit den hessischen und preußischen Wappen geschmückte Rednertribüne errichtet hatte. Von hier au» schweift der Blick weit über das Ohmtal und die es begrenzenden Wäl-' der, während im Hintergründe die hoch auf Basaltielsen gebaute Stadl Amöneburg mit ihren alten Mauern herab grüßte. Ein Herrlichei Rundblick.
In den Nachmittagsstunden ergoß sich ein gewaltiger Menschenstrom nach diesem historischen Platze. Besonders der Zug von Marburg, der nach 1 Uhr mit Verspätung hier in Kirchhain eingetroffen war, batte eine Menge Besucher gebracht. Am Bahnhof in Kirchhain hatten sich di- Vereine. die geschlossen teilnehmen wollten, z. B. die ehemaligen Jäger und Schützen, die 14er Husaren usw. versammelt. Viele benutzten di- Ohmtalbahn, viele zogen es jedoch vor, zu Fuß den Amöneburger Bahnhof, in dessen unmittelbarer Nähe die denkwürdige Stätte liegt, zu erreichen. Auf allen Wegen und Siegen, die zur Brückermühle führten, wimmelte es deshalb von Mensck">n. Unter den Teilnehmern bemerkt- man viele ordensgeschmückte alte Kriegsveteranen, sogar ein alter Greis, der den badischen Feldzug noch mitgemacht hatte, befand sich unter ihnen. Auch viele Schulen aus der Umgegend waren mit ihren Lehrern zugegen. Junge Damen aus Amöneburg benutzten die pasiende Gelegenheit, hier eine Sammlung für die Nationalflugfpende zu veranstalten, indem fi« die bekannten Medaillen verkauften.
Den Beginn des Festaktes kündeten Böllerschüsie, die von Amöneburgs her weithin das Ohmtal durchhallten, an. Mittlerweile fanden sich auf der Rednertribüne dir Herren Landrat v. Gilsa, Kreisdeputierter und Vorsitzender des Kroiskriegerverbandes Kirchhain Rittergutsbesitzer' v. Goldammer und General (ziienfraut aus Casiel ein. Landrat v. Gilsa gedachte in seinen Begrüßungsworten des vor kurzer Zeit gefeierten Sedanfestes. Heute handelte es sich um eine nicht minder patriotisch« Sache, nämlich um die Erinnerungsfeier an den vor 150 Jahren hier ge» führten heldenmütigen Kampf des Verbündeten Friedrich» des Großen»!
Auslaß.
** Belästigung einer österreichischen Fürstin. Paris, 21. Sept. In Nancy wurde die österreichische Fürstin Colloredo Mansfeld von Passanten arg belästigt. Sie fuhr in einem Automobil, das mit einem österreichischen Fähnchen und einem solchen in ihren Hausfarben geschmückt war. Letzteres wurde von den Pastanten für ein deutsches angesehen. Zwei Arbeiter verlangten nun von dem Chauffeur, daß er die deutsche Fahne von dem Automobil entferne, was zu tun der Chauffeur fich natürlich weigerte. Immer mehr Neugierige sammelten sich an; es entstand ein großer Menschen- aufla'.tf, immer stürmischer wurde die Entfernung der deutschen Fahne verlangt. Da ergriff nach einer Darstellung ein Arbeiter, nach einer anderen sogar ein Polizist, die besagte Fahne, riß sie herunter, trat sie unter dem Beifallsgejohle der Menge in den Staub und schleuderte sie in die Oeffnung eines Kanals. In diesem kritischen Augenblicke tauchte die Fürstin unter der Hoteleinfahrt auf; sie sah die angesammelten Leute und erfuhr von dem Chauffeur und dem bestürzten Hotelwirte, was los sei. Sie erhob sofort entschiedenen Einspruch gegen die ihrem Automobil widerfahrene Unbill und fuhr nach der Polizeipräfektur, um dort ihre Beschwerde vorzubringen.
** Der Jahrestag der Befreiung Roms. Rom, 21. Sept. Der Jahrestag der Befreiung Roms wurde gestern in der Hauptstadt und in ganz Italien unter außerordentlichen patriotischen Kund- | gedungen gefeiert. ZrchlrÄchs Befände begaben sich im Zuge hl
mtt Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und .Landwirtschaftliche Beilage".
I Rom nach der Porta Pia, wo Bürgermeister Nathan die Depesche des Königs verlas und eine Rede hielt. In Genua fand die feier» liche Uebergabe einer Medaille an die aus Genua stammenden Matrosen statt, die an der Fahrt in die Dardanellen teilgenomme» haben. Aehnliche Feier fanden in anderen Städten zu Ehren der aus Libyen zurückgekehrten Soldaten statt. In Palermo erklärte der republikanische Deputierte Eolajanni in einer Rede, daß et, während er früher gegen den Krieg in Libyen gewesen sei, jetzt die sich aus ihme rgebenden politischen, moralischen und wirtschaftlichen Vorteile anerkenne. Der Krieg habe der Einigkeit Italiens die Taufe und Bestätigung erteilt. Am Abend fanden in Rom und anderen Städten Illuminationen und Konzerte statt.
“ Ein spanisch-französischer Zwischenfall. Paris, 21. Sept. Als der Eeneralresident Lyautey in Saffi in Marokko ankam, ereignete sich ein Zwischenfall. 12 Reiter, die ihm einen Besuch ab- statten wollten, wurden von einem eingeborenen Scheich, der als Anhänger der Spanier bekannt ist, gefangen genommen. Die französischen Behörden unternahmen bei dem spanischen Konsul in Saffi Schritte, um die Freilastung der Gefangenen zu erwirken. Zuerst erklärte der spanische Konsul, von dem Vorfall nichts z» wisten, dann, als er des Gegenteils überführt wortzltzn war, leistete er anderweit böswilligen Widerstand, indem er den Vertreter des französischen Konsuls dreimal anlog. Da weitere dringende Aufforderungen ohne Antwort blieben, benachrichtigte der General- resident den Khalifen, der den Kommandanten eines Tabors beauftragte, mit Truppen einzuschreiten und die Gefangenen zu befreien.
** Die französische Pulverkalamität. Paris, 21. Sept. Einer Zeitungsnachricht zufolge hat die französische Regierung behufs Verbesterung ihrer Vorräte an Schießpulver bei zwei schwedischen Fabriken 30 000 und bei einer italienischen Fabrik 15 000 Kilogramm Pulver bestellt. Mit diesen ausländischen Pulversorten sollen in kurzem Versuche vorgenommen werden.
** Die hungernde Suffragette. London, 21. Sept. Miß Ligh, eine Suffragette, die vor einigen Wochen zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, weil sie versucht hatte, das Royal-Theatcr in Dublin in Brand zu stecken, ist gestern aus dem Gefängnis entlasten worden, nachdem sie nur 44 Tage ihrer Strafe verbüßt hatte. Sie hatte den Hungerstreik angewandt und war deshalb gewaltsam gefüttert worden. Sie war zuletzt so schwach geworden, daß sie in ein Hospital gebracht werden mußte.
** Vom Balkan. Saloniki, 21. Sept. Arnauten von Augusta, einer bei Cilan gelegenen Ortschaft, griffen ein Regierungslokal in Augusta und den Gendarmeriewachtposten an und bemächtigten sich der Waffen. Militär wurde zur Verfolgung ausgeschickt. Weiter wird gemeldet: Montenegriner beschosten nachts wieder das türkische Blockhaus Malkowatz. Nach einem anderen Telegramm hat die Bevölkerung Dithras sich erhoben und hält den Kaimakan, der ein Mitglied des Komitees ist, gefangen. Sie fordert seine Absetzung. _____ i
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