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mit oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend",Fürs Haus" undLandwirtschaftliche Beilage".

M 220

DieOberheflischr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2.26 '«* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21) 2.00 <* frei ins Haus. (Für unver­langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Druck und Verlag der llniv.-Buchdruckerei Z. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Donnerstag, 19. September

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47. Jahrs, j

1912.

Lärmszenen im ungarischen Abgeordnetenhaus.

Das ungarische Abgeordnetenhaus trat am Dienstag früh 10 Uhr wieder zusammen. Die Opposition setzte auch jetzt mit voller Obstruktion ein, indem sie jedesmal, sobald der Präsident Tisza zu reden begann, einen Höllenlärm verursachte. Es wurde ge­pfiffen, geblasen, geschrieen und mit Pult- deckelngeschlagen. Tisza und Lukacs wurden Schimpfworts zugerufen. Einmal drohte es schon in der Mitte des Sales zu Tät­lichkeiten zu kommen. Schließlich verlas Graf Tisza unter unge­heurem Tumult etwas, wovon man nichts verstand. Im wei­teren Verlauf der Sitzung intonierten Abgeordnete der Volks­partei die ungarische Nationalhymne, sodann das Kosiuth-Lied. Dann begann wieder das Pfeifen, Lärmen und Toben. Einige Abgeordnete der Linken sangen ein Schmählied auf die Deutschen. Um %12 Uhr unterbrach Präsident Graf Tisza die Sitzung und verließ den Saal. Um 12 Uhr 5 Min. wurde die Sitzung wieder eröffnet und der Lärm setzte von neuem ein. Am Stenographentisch versuchten einige Abgeordnete, die Aufnahme etwaiger Mitteilungen des Präsidenten zu verhindern. Es ent­stand ein kleines Handgemenge, das dadurch beigelegt wurde, daß Eraf Karolyi vom Grafen Appönyi vom Tisch der Stenographen zurückgezogen wurde. Auf der Präsidententribüne kam es zu einem Wortwechsel zwischen Erbsey und dem Grafen Vatthyanyi. Beide ballten die Fäuste gegen einander. Erbsey eilte schließlich von der Tribüne hinunter, wurde aber von seinen Freunden festgehalten. Präsident Eraf Tisza wurde um 2 Uhr wiederum mit einem Höllenspektakel empfangen. Einige Abgeordnete hatten Hu­sarentrompeten mitgebracht. Als der Tumult immer größer wurde und der Präsident nicht zu Wort kommen konnte, übergab er um 2 Uhr 15 Min. den Vorsitz dem Vizepräsidenten Efoethy. Der Abgeordnete Rath rief dem Vizepräsidenten zu: Sie sind ein poli­tischer Schwindler! Er wurde zur Ordnung gerufen. Zwischen dem Abgeordneten Gaza Kubinyi und dem Abgeordneten der Volks­partei Georg Szmrecsanyi, der Kubinyi zuricf: Bezahlter Schurke! kam es zu einer Ehrenaffäre. Die Opposition hatte befürchtet, daß man sie durch eine Dauersitzung erschöpfen werde, und deshalb Ihre Taktik geändert. Es war immer nur ein Teil der Opposition im Saale, um den Lärm fortzusetzen, während ein anderer Teil sich in den Wandelgängen erholte. Inzwischen wurden neue Lärm- tnstrumente herbeigeschafft. Einzelne Abgeordnete hantierten gleichzeitig mit drei Instrumenten. Der Abgeord­nete Frater blies auf einer Militärtrompete unter lebhaftem Bei­fall der Opposition verschiedene m i l t t ä r i s ch e S i g n a l e die den übrigen Lärm übertönten. Am 2% Uhr unterbrach Vizepräsi­dent Veoethy neuerdings die Sitzung. Um 3y2 Uhr wurde die Sitz­ung von Tisza wieder eröffnet. In demselben Augenblick begann den Höllenlärm von neuem. Um 334 Uhr wurde die Sitzung wie­derum unterbrochen. 10 Minuten nach 4 Uhr erschienen ungefähr 100 Polizeibeamte unter Führung des Polizeioberinspek­tors Pawlik in den Wandelgängen. Die oppositionellen Abgeord­neten, die hier versammelt waren, begaben sich in den Saal und nahmen ihre Plätze ein. <?on der Opposition war die Losung aus­gegeben worden, sich der Hinausführung durch die Polizei mit Ge­walt zu widersetzen Alle opposttion--,,- Abgeordneten begaben sich in die Mitte des Saales, wo sie dicyr gedrängt stehen blieben mit Ausnahme des Grafen Julius Andraffy und die übrigen par­teilosen Siebenundsechziger. Diese blieben auf ihren Plätzen 10 Minuten nach i/25 Uhr betrat Pawlik mit einer Anzahl Be­amten den Saal; gleichzeitig drangen auch durch drei andere Ein- gange weitere Beamte in den Saal ein und nahmen in den

4 (Nachdruck verboten.)

Der Müßiggänger.

Roman von H. Courths-Mahler.

Non k (Fortsetzung.)

nx m stunde an entspann sich ein vertrauensvoll freundschaft- thLstv,/C-s 3rofä,en den drei jungen Leuten. Sie machten zusammen ri2 ®e *n dre nähere und weitere Umgebung ihres Dörfchens. Re erittegen bte Gipfel der bewaldeten Berge, und Claus wurde so frisch «ul diesen Wanderungen und dem unbefangenen Verkehr renonk1 UOT,eTL^C^rn' der i" nichts seinen verschiedenen früheren auf- boroeltbJA1^ nek Damenwelt glich, daß er dem Freunde dankbar war der rhm zu dieser sonnigen Idylle verhalfen.

l-bäk^ Rutharts Verhältnissen hatte Regina keine Ahnung. Sie be- °bCr Kr mit ihm. mehr, als für ihr seelisches Eleich- befnnn mar" Obwohl sie Fritz gegenüber viel zutraulicher und un- inter?n I und Claus mit einer leisen, kühlen Abwehr behandelte, Leerte er sie viel mehr als Hartenstein. Nicht nut. weil er der feinj, Lrer,DOn beiben war. Zwar sah sie sehr wohl, daß Claus mit ton« OT eI.!ßanten Figur und dem kühn gezeichneten Rasiekopf,

üorfnn» Vorzüge anbelangte, den Freund sehr in den Schatten stellte.

Hartenstein war viel kleiner, von untersetzter Gestalt und sein Gesicht nirfif / ?tir" unb dem breiten, energischen Kinn war lange

°ls das Rutharts. Aber das war es nicht, was Regina

0 mlich zu rhm zog so sehr ste sich dagegen wehrte. Etwas in Rutharts ugen nahm sie gefangen. Sie sahen manchmal so schwermütig aus

2/*.^ mit so sehnendem Ausdruck auf ihren Zügen. War er glücklich? Ern leises, heimliches Mitleid regte sich für ihn, und wo

Ein Weib Mitleid empfindet, da ist die Liebe nicht weit.

Auch heute, als sie mit ihrem Buche im Walde faß, dachte sie an *QU5 Ruthart, und als er dann plötzlich vor ihr stand, sah sie mit heirn- E«hem Schreck zu ihm auf.

»Ich denke, Sie wollen Briefe schreiben?"

Nein ich nicht. Nur mein Freund. Störe ich Sie, oder darf mich hier im Moos niederlassen und ein wenig mit Ihnen plaudern?"

»Sie stören mich nicht."

Gängen Aufstellung. Die oppositionellen Abgeordneten blieben dicht gedrängt in der Mitte des Saales stehen und riefen: Hinaus mit euch; wir gehen nicht, ihr müßt von der Waffe Gebrauch machen! Man sah, wie Pawlik mit dem Grafen Albert Apponyi, der gleichfalls in der Gruppe der Oppositionellen stand, vergebens verhandelte. Jetzt begaben sich auch Graf Andrasiy und die übrigen parteilosen Siebenundsechziger zu den Oppositionellen. Diese bra­chen in stürmische Eljenrufe aus. Pawlik verließ jetzt den Saal und begab sich ins Präsidialbureau, wo sich Eraf Tisza feit der Unterbrechung der Sitzung aufhielt. Nach einigen Minuten kehrte er in den Saal zurück.

Lozialdemokratlster Parteitag.

S. & H. Chemnitz, 17. September 1912.

Zu Beginn der heutigen Sitzung des Sozialdemokratischen Partei­tages wurde beschlossen, an die holländischen Parteigenossen, die heute zugunsten einer Wahlrechtsreform vor dem Parlamentsgebäude einen Demonstrationsumzug veranstalten, eine Sympathiekundgebung zu sen­den, außerdem am Donnerstag die Sitzung ausfallen zu lasten, um einen Ausflug zu unternehmen. Zum ThemaSchnappsboykott" wurde eine Resolution vorgelcgt, welche eine noch straffere Durchführung des Boy­kotts verlangt. Sodann wurde die Aussprache über den Geschäfts- und Kastenbericht fortgesetzt. Giebel (Berlin) begründete eine Reihe von Anträgen betreffend eine ergiebigere Agitation unter den Privat­angestellten. Weiter wurde die Stellung zu den christlichen Eewerr- schaften besprochen. Bezüglich der Eöppinger Angelegenheit wurde die eingebrachte Resolution vorgelegt, welche die Haltung des Vor­standes billigt und die gegen denselben erhobenen Vorwürfe zurück- weist. Diese Resolution wurde nach einer längeren Eeschäfisordnungs- debatte zurückgezogen, desgleichen die von Dr. Liebknecht namens des radikaleren Flügels vorgelegtc. Es folgte darauf eine allgemeine Be­sprechung über die Ausgestaltung der sozialdemokratischen Parteipreffe. Frau Zieh (Hamburg) verlangte die Schaffung einer sozialdemokratischen Modezeitung als Gegengewicht gegen die bürgerlichen Modezeitungen, während Schulz (Bremen) eine weitere Förderung der sozialdemokra­tischen Jugendpflege forderte. Eine Reihe weiterer Besprechungspunkte betraf die Ausgestaltung des Bibtrothekwesens, sowie die Pflege der Jugend zwischen 18 und 21 Jahren. Einen breiten Raum in der Er­örterung nahmen die Anträge betreffend den Schnappsboykott ein. Davidsohn (Berlin) verlangte ein Verbot an die Parteipreste, Anzei­gen oder Anpreisungen alkoholischer Getränke aufzunehmen, sowie an die Verwaltungen der Volks- und Eewerkschaftshäuser etc. alko­holische Getränke auszuschänken. Der Antrag wurde aber gegen eine kleine Minorität abgelehnt. Es folgten dann eine Reihe von per­sönlichen Bemerkungen, die sich wieder auf den Eöppinger Fall be­zogen und in denen in der Affäre Radeck die erforderlichen Maßnahmen in Aussicht gestellt wurden. Ein Antrag, dieGleichheit" und deren Kinderbeilage auszugestalten, sowie eine eigene Agitationsschrift für taubstumme Eenosten herauszugeben, wurde abgelehnt. Annahme fand ein Antrag Ebert, jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen von 18 bis 21 Jahren in eine Organisation zusammenzuschließen, sowie ein Antrag gegen die Verfolgung der Jugendvereine durch staatliche Behörden aller Art wiederholt nachdrücklich Einspruch zu erheben. Dem Vorstand wurde einstimmig Decharge erteilt und sodann zur Besprechung der Resolution über die Lebensmittelteuerung übergegangen. Dieselbe wurde in einigen Punkten redaktionell geändert und präziser gefaßt. Scheide­mann begründete sie und führte dazu aus: Letzten Endes tst der Kapita­lismus die Ursache der Teuerung in allen Ländern, und man wird ihm ein Ende machen durch Uebergang zum Sozialismus. Scheidemann ergeht sich sodann in Angriffen gegen den Reichskanzler, der das Er­suchen vom 6. d. Mts. wegen sofortiger Einberufung des Reichstages nichr beantwortet habe (Hört! Hört!) und sagt: In letzter Linie kommt es auf die Antwort des Reichskanzlers nicht an, sondern auf die Antwort des Volkes. Die Sozialdemokratie ist bereit, mitzuarbeiten, aber man soll die Erregung des Volkes nicht unterschätzen. Wenn diese Er­regung einmal andere Formen annimmt, die wir

Ist es keine interessante Lektüre, in der ich Sie unterbreche?" Sie lächelte und reichte ihm das Buch. Er schlug es aus.

Jean Jacques Rousteau:Emil". Lieben Sie das Buch?"

Es ist sehr lehrreich, für Pädagogen."

Er gab es zurück und lagerte sich zu ihren Füßen auf den weichen Moosboden.

l'cüsten Sie sich sogar in den Ferien mit solchen Sachen plagen?" Das ist keine Plage."

Sind Sic gern Lehrerin?"

Sie sah sinnend vor sich hin. Dann sagte sie:

Aufrichtig gesagt nein. Wenn ich unterrichten könnte, wie ich wollte, und jedes Kind nach seiner Eigenart bilden könnte, dann wäre es schön, aber das Schablonenhafte in meinem Beruf ist mir qualvoll."

Das kann ich Ihnen nachfühlen. Aber nun kommt gleich noch eine unbescheidene Anfrage: Wie lange gedenken Sie noch hier zu bleiben?"

Mit heute noch siebzehn Tage."

Dann reisen Sie ja noch früher ab als wir," rief er erschrocken.

Meine Ferien sind dann zu Ende."

Nun schwiegen sie wieder still. Schwül und heiß lag die Sommer­lust auf dem Walde. Die Käser summten und die Schmetterlinge flogen umher. Sonst war es still und heimlich um die beiden Menschen, zwischen denen sich uniichtbare Fäden hin und her spannen. Und ehe er es noch schnell gedacht, sprach er ihr von seiner Liebe. Wie schnell ste aufgeblüht sei! Wie sehr ste ihn beherrsche! Wie sicher er sei, daß sie die eine, einzige für ihn sei!

Und Regina lauschte so gern den weichen, zärtlichen Lauten. Ach, wie lange war es doch her, daß ihr jemand etwas Liebes gesagt hatte! Ihr Vater starb, als ste noch ein Schulmädchen war. Die Mutter, kränklich und grillig, kargte mit Zärtlichkeiten. Nun war auch ste längst tot. Geschwister und sonstige Verwandte hatte sie nicht. Ganz allein stand sie aus der Welt. Wie'hätte Claus' Bekenntnis sie nicht beglücken sollen!

Nun drängte er auch gleich zu einer baldigen Heirat. Gar nicht .erst zurück sollte sie in das Institut, in dem sie unterrichtete!

Sie wehrte erschrocken ab. Sie müste doch zunächst für eine Aus­stattung sorgen! Da lachte er von Grund seines Herzen» und segnete

nicht wünschen, so trifft die Verantwortung biee jenigen, die jetzt den traurigen Mut haben, die Mot des Volkes zu mißachten. Die Resolution wurde ohne Erörterung einstimmig angenommen. Es folgte sodann der Bericht der Mandatsprüfungskommission. Es lagen drei Proteste vor, von welchen aber nur einer gegen einen Delegierten aus Augsburg für ge­rechtfertigt angesehen wurde. Hierauf wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt.

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Politische Umschau.

Das Flottenmanöver.

Helgoland, 16. Sept. Ein prächtiger Sonnenschein flutete übet der See, als heute vormittag bei dem Weser-Feuerschiff eine stattliche Anzahl flaggengeschmückter Dampfer sich vereinigte, um mit Erlaubnis des Kaisers der Parade unter dem Kommando des Admirals v. Holtze«, dorff der vereinigten Herbstübungsflotte zu folgen. So bemerkte mar. u. a. den TouristendampferMeteor", der eine Anzahl Mitglieder der Flottenvereine für Berlin und die Mark Brandenburg an Bord hatte, dann dieSylvana" mit Flottenfreunden aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg, die DampferKaiser",Prinzeß Bittoria",Bore wärts" und Rllstingen". Um 11 Uhr vormittags nahte, von Wilhelms« Haven kommend, das kaiserliche Geschwader, bestehend aus dem Flagg« schiffDeutschland", auf dem sich der Kaiser befand und derHohen« zollern" mit den Begleitschiffen: DepeschenbootSleipner", Kreuzer Breslau" und AvisoHela", während sich von Norden mit dem Kur» auf das Weser-Feuerschiff zu die gesamte Hochseeflotte in Kiellinie in Bewegung setzte. Zu gleicher Zeit nahte von der Unterelbe her da» LuftschiffHansa", das in sehr ruhiger Fahrt bald das Paradefeld et» reichte. Kurz vor Mittag traf das kaiserliche Geschwader mit der Ma« növerflotte zusammen. Diese begrüßte ihren obersten Kriegsherrn mit einem Salut von 33 Schüssen. Voraus fuhren sechs Torpedobootsflotillen in Marfchformation. Danach folgte das erste Geschwader, sodann das zweite Geschwader, hierauf der erste Verband der Aufklärungsschiffe. Es folgte das dritte Geschwader. Den Schluß bildete der zweite Verband der Aufklärungsschiffe. Die beiden Minensuchdivisionen und die Unter« seeboote waren nach Helgoland detachiert. Insgesamt nahmen an der Parade 118 Schiffe mit einem Deplazement von 550 000 Tonnen, einer Besatzung von rund 32 000 Mann und 200 schweren Geschützen teil. Beim Passieren des Kaisers auf derDeutschland" brachten die in Parade stehenden Mannschaften der Flotte ein dreifaches Hurra aus. Nachdem sämtliche Schiffe defiliert waren, vereinigten sie sich zu Formationen zur Ausführung einer Reihe von taktischen Einzeldarstellungen. Das Luft­schiffHansa" kreuzte längere Zeit über den einzelnen Schiffsverbänden überall mit großem Jubel begrüßt. Roch in der Mittagsstunde trat et die Rückfahrt nach der Elbe an.

Die Friedensverhandlungen.

P a r is, 16. Sept. Der Sonderberichterstatter desTemps" meldet1 aus Genf, die türkischen Unterhändler hätten, nachdem die Italiener drei, Vorschläge abgelehnt, einen vierten Vorschlag vorgelegt, welcher folgende Punkte enthalte: Die Türkei acceptiert die vollendete Tatsache, voraus­gesetzt, daß Italien von ihr nicht die formelle Anerkennung der Annexion Libyens verlangt. Man würde für diese türkischen Provinzen dieselbe zweideutige Situation schaffen, wie für Tunis und Aegypten, betreffs welcher Gebiete die Türkei niemals formell anerkannt habe, daß sie in andere Hände übergegangen feien. Die Türkei würde sich verpflichten,, die türkischen Truppen aus Tripolis zurückzuziehen, aber verlangen, daß man ihr einen Hafen an einem Punkte Libyens, entweder an der tunesi­schen oder der ägyptischen Grenze laste, welcher als Verbindungsmittel mit dem Hinterlande dienen solle, besten arabische Bevölkerung nicht voll­ständig vom ottomanischen Reiche getrennt werden könnten, da sonst die Preisgabe der Araber Entrüstung und Revolten Hervorrufen und die Türkei sowie die über die Muselmannen herrschenden europäischen Mächte mit schweren Gefahren bedrohen würde. Die Abgrenzung der italienischen Zone und des Hinterlandes würde später erfolgen, da dies keine wesentlichen Punkte des Friedensschlustes bildeten. Der Sultan würde ein religiöses Band mit den Muselmannen von Tripolis bewah­ren, ähnlich wie bei dem Abkommen über Bosnien und die Herzegowina »*» zum ersten Male seinen Reichtum. Dann mußte er ihr endlich aus­einandersetzen, daß er nicht nur der einfache, junge Kaufmann sei, fit den sie ihn gehalten.

Sie erschrack fast, ohne sich doch recht eine Vorstellung von seinen Verhältnisten machen zu können. Dann lag sie lachend und weinend zugleich an seinem Herzen, ließ sich willenlos küsten und hatte nur den einen Gedanken, daß dieser Mann sie liebe und sie fortan vor den Fäht- lichkeiten des Lebens, inmitten deren sie bisher fo ganz allein gestanden, getreulich beschützen werde.

Wenige Wochen später war die kleine Lehrerin Regina Volkmar wirklich Claus Rutharts Frau geworden. Wie ein glücklicher, farben­glühender Traum zogen die Tage an dem jungen Paar vorüber. Claus; hatte feine Frau auf der Hochzeitsreise nach der französischen Schweiz geführt und freute sich an ihren staunenden Augen, an ihrem lebhaften Erfasten alles Schönen. Er war wie berauscht vor Seligkeit, und Regina war so namenlos glücklich, daß ihr fast bange wurde. So schön, so wundersam konnte das Leben nicht bleiben, ihr Herz tonnte die Wonne kaum fasten.

Claus vergötterte fein Weib. Als sie auf feinen glühenden Wunsch ihr herrliches Haar zum ersten Male entfestelt hatte, vergrub er auf. jauchzend sein heißes Gesicht in der kühlen, goldbraunen Flut und dann bedeckte er ihr erglühendes Gesicht mit Küsten.

Wie schön du bist, wie herrlich anzuschauen mit diesem goldenen Mantel um deine Schultern. Sinn und Verstand kann man verlieren bei deinem Anblick. Und das alles ist mein, gehört mit ganz allein, Liebste, es ist zum Tollwerden, wie entzückend du bist."

Sie erschauette unter seiner Leidenschaftlichkeit, aber sie konnte fein zärtliches Ungestüm nicht in gleicher Weise erwidern.

Da klagte et übet ihre kühle, ruhige Art, wenn ste still in seinen Armen lag. Sie umschlang seinen Hals und barg ihr Gesicht an seiner Brust.

Liebster, ich gäbe mein Leben hin, könnt' ich alles, was ich fühle, so aussttömen lasten wie du. Glaub mir, in meinem Hetzen ist er ebenso heiß und sonnig, als in dem deinen, ich kann es nut nicht ik Worte fasten."

(gorti< :-rr -<'11