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1912
hinzu.
(Fortsetzung folgt.)
Schutzinteressen in den Schutz der gewerblichen Freiheit, während er die Förderungsinteressen in Handelspolitik und Kapitalspolitik teilte. Aus dein letzteren Gebiete hat der Staat bisher vollständig versagt. Die Steuerpolitik muh darauf eingerichtet werden, möglichst nur den Aufwand zu treffen, das Klasienrentenwesen muh beschränkt werden und ein Bestreiten von laufenden Staatsausgaben aus dem Kapital muh aufhören. Dr. Schönemann (Dresden) sprach über den „Schutz der Arbeitswilligen". Die Forderung nach einem Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen richtet sich lediglich gegen die Grundlage unserer Rechts- und Sittenordnung verstoßende Form in der viele Kreise der Arbeiter ihre Forderungen durchsetzen wollen. — Fleifchermeister Wohlgemut (Braunschweig) sprach über „Fleischteuerung". Er betonte, daß diese Rot nicht erst jüngst entstanden sei und erläuterte die Lage der Landwirtschaft. Eine vorgelegte Resolution nimmt das Fleischergewerbe gegen den Vorwurf der Fleischverteuerung in Schatz und beauftragt den Vorstand dahinzuwirken, daß Notstandsaktionen zur Milderung der Teuerung der Fleischpreise nur unter Mitwirkung des ansässigen Gewerbes durchgeführt werden; ferner verlangt die Resolution ein Zusammenwirken des Fleischergewerbes und der Landwirtschaft und der Negierung zur Feststellung der Ursachen der plötzlichen Preissteigerung. — Generalsekretär Veythien (Hannover) vom Verband der Rabattsparvereine Deutschlands sprach über den Detailhandel und bezeichnete das Eingreifen der Gesetzgebung für Warenhäuser und ähnliche Betriebe, für Filialen und auswärtige Betriebe, den heimlichen Warenhandel. für Hausierer und Detailreisende sowie für Wanderlager. — Den Schluß der Tagung bildete ein Vortrag von Bürgermeister Dr. Eberle (Nossen) über das Thema „Geld zum angemessenen Zins." Er forderte eine Förderung des Kreditgenosienschafts- wefens und die Errichtung von staatlichen Kasien nach dem Muster der preußischen Zcntralgenossenschaftskasie. - Nach Vornahme der Wahlen fanden verschiedene gesellschaftliche Veranstaltungen statt. — Im Anschluß an diese Tagung fand eine Sitzung des niedersächsischen Schutzvereins für Handel und Gewerbe statt.
Marburg
Mittwoch, 18 September
(Nachdruck verboten.)
Der Mnßigaiirrgrr.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Fritz hatte inzwischen schon das Haus erreicht und rief mit lauter Stimme nach der Wirtin. Sie kam geschäftig herbei. Lachend über das ganze Gesicht, führte sie die Freunde in den Oberstock des Häuschens und zeigte die schlichten, aber peinlich sauber gehaltenen Zimmer, die sogar gut gelüftet waren — eine Seltenheit aus dem Dorfe! Hartenstein inspizierte gewissenhaft, und wandte sich fragend nach dem Freund um. Der stand am Fenster enb sah auf die Wiese hinab.
„Nun, Claus wollen wir hier vor Anker gehen?"
„Ja, wir wollen bleiben."
„Schön. Frau Wirtin wundermild, nun sorgen Sie uns für ein kräftiges Mittagesien, wir haben Hunger und Dürft."
Die vor Freude über die neuen Logiergäste ganz fassungslose Frau schoß eilig davon, und Fritz machte sich gleich daran, seinen Rucksack aus» v" , zupacken. -
„Nun, mein Sohn, was starrst du so uiwerwanvt zum Fenster hinaus?"
„Hast du dir das Mädchen angesehen?"
„Welches Mädchen?"
„Da unten auf der Wiese."
r " Fritz trat verwundert neben ihn, verwundert über rcn Ton, in dem Glaus das sagte.
„Mensch, du willst dich doch um Himmelswillen nicht aus lauter Langeweile in ein Bauernmädel verlieben."
„Unsinn, das ist kein Bauernmädel."
„Du denkst, weil sie leidlich deutsch zu sprechen scheint. Tut unsere brave Wirtin auch. Claus, Mensch, mache mir keine Dummheiten, inszeniere nicht etwa eine poetische Liebelei mit der Wirtin Töchterlein, bchon der Gedanke verursacht mir Uebelkeit."
„Man wird doch ein hübsches Gesicht ansehen dürfen."
„Gesicht? Ich habe nur die Augen gesehen, die waren freilich "icht übel."
„Schön waten sie, sehr schön."
„Auch gut, du verstehst ja dich auf so etwas bester, als ich. Aber nun sei so gut und schüttle den Reisestaub von den Füßen. Die Hände darfst du dir auch waschen, weiteren Komfort mußt du dir natürlich verkneifen."
„Doch nicht, trotz deiner Bewachung habe ich eine Flasche Kölnisches Master eingeschmuggelt," sagte Claus lachend und holte das Fläschchen triumphierend hervor.
„Das sei dir gnädig verziehen. Komm, gieß mir mal von dem köstlichen Naß ein paar Tropfen in die Hand.
Claus tat, wie ihm geheißen. Fritz zerrieb die Tropfen zwischen seinen Handflächen und sog dann den erfrischenden Dust ein.
„Famos, so ein bißchen Kultur ist doch recht angenehm."
Scherzend und lachend beendeten die beiden Herren ihr Werk; bann gingen sie hinunter. Die Wirtin hatte unter ber Linbe einen zweiten Tisch für sie gcbeckt. Daran liehen sie sich nieber unb bestellten etwas zu trinken.
Gleich darauf wurde ihnen auch ihre Mahlzeit serviert. Das Esten war schmackhaft zubereitet und mundete ihnen ausgezeichnet. Regina Volkmar hatte inzwischen ihre Arbeit vollendet und kam nun langsam herüber. Claus sah interestiert auf die schmalen Füße des jungen Mädchens, die unter dem Rocksaum hervorkamen. Auch Fritz war überrascht, wie anmutig und graziös sie daherschritt. Die Kopfhaltung war stolz und frei, das sah man trotz der Hülle.
Claus strengte sich an, ihr Gesicht zu sehen, es gelang ihm aber nicht. Er unterhielt sich mit Fritz in französischer Sprache über die Näherkommende. Sie mußte dicht an ihnen vorbei und hörte ein Teil des Gesprochenen. Ein feines Rot stieg ihr ins Gesicht bei den Worten, die sie nicht verstehen sollte. Als sie am Tisch vorüberging, rief Claus ärgerlich:
„Wenn sie doch nur diese greuliche Kopfhülle abnehmen wollte, ich bin überzeugt, das Mädchen ist eine Schönheit."
Das Rot in Reginas Gesicht vertiefte sich. Sie beeilte ihre Schritte
und verschwand im Hause.
Die beiden Herren schmausten nun ungestört weiter. Claus jedoch sah immer wieder nach dem Haus hinüber.
Die Wirtin kam zurück und deckte den Tisch neben dem der Herren. Fritz wollte eben fragen, ob noch mehr Sommergäste anwesend seien, als ein leiser Ausruf seines Freundes ihn aufmerksam machte. Er sah.
Sozialdemokratü^er Parteitag.
S. & H. Chemnitz, 15. September 1912.
Die Verhandlungen des Parteitages begannen am heutigen Vormittag um 11 Uhr mit vier großen Volksversammlungen, darunter einer unter freiem Himmel im Garten des hiesigen Volkshauses, in denen sich die Delegierten mit den Chemnitzer „Eenosten" zu einer gemeinsamen Aussprache und Kundgebung für den „Völkerfrieden" zusammenfanden. — Die Eröisnungsseier, abends, wurde eingeleitet mit Vorträgen der sozialdemokratischen Gesangvereine von Chemnitz. Dann begrüßte Redakteur Max Müller (Chemnitz) die „Sendboten des deutschen Proletariats". Dann nahm der Vorsitzende des Parteivorstandes Reichstagsabgeordneter Rechtsanwalt Haase (Berlin, früher in Königsberg) das Wort. — Zu Vorsitzenden mit gleichen. Rechten wurden gewählt: die Abgeordneten Haase (Berlin) und Noske (Chemnitz)I — Es wird dann eine Reihe von Begrüßungstelegrammen verlesen und hierauf die Tagesordnung festgesetzt. Auf die Tagesordnung wurden noch gefetzt die Lebensmittelteuerung und das Bergarbeiterschutzgesetz. — In dem Vorort Schönau trat der sozialdemokratische Parteitag zusammen. Der Vorsitzende des Parteivorstandes Rechtsanwalt Haase erklärte den Parteitag für eröffnet. August Bebel wurde stürmisch begrüßt. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde beschlosten, mit dem bisherigen 22jäh- rigen Brauche zu brechen und von 9 bis 5 mit einstündiger Tischzeit zu verhandeln. Hieraus erstattete der Parteisekretär Ebbert den bereits vorliegenden Geschäftsbericht aus dem das meiste schon bekannt ist. — Inzwischen war die Resolution des Parteivorstandes zur Teuerungsfrage eingegangen, in der die herrschende Schutzzollpolitik Deutschlands für die Verschärfung der Teuerung verantwortlich gemacht wird. Er fordert Oesfnung der Grenzen für Vieh un->.Fleisch unter Beobachtung der unerläßlichen gesundheitlichen Ueberwachungsmaßregeln und entsprechenve Abänderung des Gesetzes betr. Schlachtvieh- und Fleischbeschau, um die Einfuhr von frischem und zubereitetem Fleisch, insbesondere Gefrierfleisch dauernd zu ermöglichen. Der Parteitag hält zur Durchführung dieses Reformprogramms die sofortige Einberufung des Reichstages
mit. oem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend", „Fürs Haus" und „Landwirtschaftliche Beilage".
Zweiter reichsdeutscher Mittelstandstag.
S. & H. Braunschweig, 15. September 1912.
Unter Beteiligung von über Tausend Vertretern des Deutsche Mittelstandes, mittelständischer Organisationen, Handwerkerinnungen, kleingewerblichen Schutzverbänden und der größten mittelständischen Organisation des Reiches, dem allein 66 000 Mitglieder umfastenden Verband der Rabattsparvereine Deutschlands, trat heute hierselbst der Reichsdeutsche Mittelstandsverband zu seiner zweiten ordentlichen Hauptversammlung zusammen. Die Reichsregierung war in verschiedenen Ressorts vertreten. Ferner bemerkte man Vertreter der Fraktionen des Reichstages und der Landtage der deutschkonservativen, der freikonser- vatioen und der nationalliberalen Partei, sowie bei Wirtschaftlichen Vereinigung und des Zentrums: nur die sozialdemokratische und Freisinnige Volkspartei blieben unvertreten. — Der Vorsitzende des Verbandes Bürgermeister Dr. Eberle (Rosten) eröffnete die Tagung mit einer Begrüßung der Erschienenen und hielt dann eine programmatische Ansprache. Er betonte in derselben, daß im Mittelstand die Kraft unseres Volkes und unseres Reiches beruhe. Der Mittelstand müsse Verständnis finden bei allen Selbständigen, den Beamten, Angestellten und Arbeitern, nicht zuletzt aber bei den Regierungen. Man dürfe hoffen, vaß das deutsche Volk, das in schweren Zeiten immer seinen Fürsten als den sichersten Führern gefolgt sei, auch jetzt in seinem Mittelstände nicht vergebens auf Hilfe warten wird. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland. — Nachdem die Grüße des Staatssekretärs des Neichsamts des Innern überbracht und Geheimer Oberpostrat Hofmann der Tagung die Snmpathien des Reichspostamtes zum Ausdruck gebracht hatte, wurden an den Kaiser, den. König von Sachsen und den Herzogregenten von Braunschweig Huldigungstele- gtamme abgesandt. — Hierauf sprach Handwerkskammersekretär Dr. Schellen (Münster) über die „Unterschiede der Erwerbs- und Wirtschafts- genostenschasten". Er wies darauf hin, daß die Frage der Eenostenschaften für den gesamten selbständigen Mittelstand von einschneidender Bedeutung sei. Gegen die Konfumvereinsanhänger, die einmütig organisiert seien, müsse entschieden Stellung genommen und die Konsumvereinsbewegung vom wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gesichtspunkt ous beurteilt werden. — Die Leitsätze wurden einstimmig ohne Debatte angenommen. — Rechtsanwalt Kohlmann (Dresden) behandelte das Thema „Hausbesitz und gewerblicher Mittelstand". — Generalsekretär Der'ien (Düsseldorf) sprach zu der Frage ber „Stadtkonkurrenz". Diesen Beg.iff wollte er dahin aufgefaßt wißen, daß eine große Anzahl von Gemeinden alle Arbeiten für eigene Betriebe selbst ausführen läßt. Es feien vielfach eigene Schlächtereien, Maler- und Anstreicherwerkstätten entstanden. Er streifte dann verschiedene Arten der Konkurrenz seitens der Städte, so z. B. in der Milchversorgung, im Fleisch-, Wein-, Fisch- und Eemüsehandel, sowie im Installationsgewerbe und betonte, daß das Ansehen kommunaler Behörden durch unschöne Geschäftspraktiken sicher nicht gehoben werde. Der Referent schlug eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene Resolution vor. — Bürgermeister Dr. Eberle (Rossen) referierte über „Die Errichtung von Submissionsämtern zur Durchführung des angemessenen Preises (Reichs-, Stadt- und Provinzialjubmissions- ämtern)". Er bezeichnete als die nächste unb wichtigste Ausgabe die Bildung von Lieferungsverbänden, sowie Sicherstellung der ehrlichen Arbeit durch angemestenen Verdienst. In der von ihm vorgelegten Resolution schlug der Referent vor, nach dem Muster von Sachsen Submissionsämter und außerdem ein Reichssubmissionsamt einzurichten, sowie den Vorstand mit den erforderlichen Schritten zu beauftragen.
Zu Beginn der zweiten Sitzung des Reichsdeutschen Mittelstanvs- tages gab der Vorsitzende Bürgermeister Dr. Eberle (Rosien) die Antworten des Königs von Sachsen und dr? Herzogregenten von Braunschweig auf die abgesandten Huldin" ' legramme bekannt, worauf Generalsekretär Dr. Tille (Saarbrücken! sprach. Redner besprach bann die gemeinsamen Interessen der selbständigen Gewerbetreibenden, die er in drei Gruppen trennte: Lebens-, Schutz- unb Förbeiungsinteresien. Die Lebensinteresien faßte er in bie drei Stichworte „Vaterland, berufs- ftändige Gesellschaftsordnung und Wirtschaftsfrieden" zusammen, die
Die „Oberhesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn unb Feiertage. — Der Bezugspreis betragt vierieliahrlich durch bie Post bezogen 2.25 'M (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Erpedition (Markt 21) 2.00 M frei ins H°us (Für unver langt zugesandte Manuskripte übernimmt die Redaktion k-'nerler Verantwortung.) Druck unb Verlag ber Univ.-Vuchdruckerer I. A. Koch (Inh.: Dr. C. Hitzeroth), Markt 21. — Telephon 55.
für unerläßlich unb fordert die arbeitenden Klasien auf, den Kampf gegen das herrschende Ausbeutungssystem mit aller Macht durchzufüyren. — Hierauf erhält Schepperle (Göppingen) eine halbe Stunde Redezeit, um die Gründung des Parteiblattes zu rechtfertigen, das bekanntlich zusammengebrochen ist und der Parteikasie einen Schaden von 82 000 M gebracht hat. Schöpperle meint, die Göppinger mußten Fliegen fressen und das Blatt gründen, weil sie eben in Rot waren. Der mitengegriffene Westmeier verteidigt sich: Die Gegenseite hat eine besondere geheime Organisation geschaffen und zu gewisien Sitzungen ergehen nur an die „hasenreichen" Genossen Einladungen. Roch in den letzten Tagen hat man mit anonymen Flugblättern gegen mich gearbeitet, in denen sogar mein Familienleben in der niedrigsten Weise heruntergerissen wurde. Man hat in der württembergischen Landesversammlung mich zu hängen versucht, es ist nicht gelungen unb wirb auch hier nicht gelingen. Ein Schlußantrag machte ber Debatte ein Ende, worauf bie Verhanblungen auf morgen vertagt wurden.
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Politische Umschau.
Wichtige Aenberungen der Strafbestimmungen über den „Zweikampf".
Die Strafrechtskommisiion, die die Strasrechtsform bearbeitet, hat neue sehr bedeutsame Beschlüsse über den Zweikampf gefaßt, die sowohl unsere militärischen wie unsere gesellschaftlichen Kreise interessieren. In erster Reihe ist zu berichten, daß die sogenanten „Studentenmensuren", d h. die Zweikämpfe mit Schlägern unter Vorkehrungen, die bestimmt und geeignet sind, die Kämpfenden gegen Gefährdung des Lebens zu schützen, straffrei bleiben sollen. Dieser Pasius des neuen Entwurfs ist demnach von besonderer Bedeutung für das studentische Leben. Die bisherige Ausfasiung, daß das Fehlen von Sekundanten oder der Tod eines Teilnehmers am Zweikampf als erschwerender Umstand anzusehen sei, wurde aufgegeben unb ber dahin lautende Passus gestrichien. Die Strafe besteht in Einschließung von 3 Monaten bis zu 5 Jahren. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß die Haststrafe überall fortgefallen und, soweit nicht Gefängnisstrafe eintritt, durch Gefängnis- Haft ersetzt worden ist. Die Strafrechtskommisiion hat im allgemeinen die Bestimmungen über Zweikampf beibehalten, wie sie bereits im bekannten Vorentwurf der Strafrechtsform zum Ausdruck gekommen sind. So wurde ber Begirff bes Zweikampfes mit tödlichen Waffen als Sonderdelikt beibehalten. Andere Paragraphen haben wiederum Aenderungen erfahren. Der Absatz, der denjenigen Täter, der den Zweikampf freventlich verschuldet hat, mit Gefängnisstrafe von gleicher Höh« bedroht, wurde, nach einer geringfügigen textlichen Aenderung, beide» halten. Der Paragraph, der von der Tötung im Zweikampf handelt, gleichfalls, nur fallen die ermähnten erschwerenden Umstände fort. Die auf Tötung im Zweikampf stehende Strafe ist Einschließung von 2 bis 10 Jahren Dauer, bei freventlicher Verschuldung tritt Gefängnisstrafe von gleicher Dauer ein. Der Abschnitt, ber llebertretungen ber Regeln des Zweikampfes behanbelt. blieb unveränbert. Auf Herausforberung zum Zweikampf unb auf Annahme ber Forderung steht Einschließung bis zu einem Jahre. Im zweiten Absatz bes bie Herausforberung betreffenden Paragraphen wurde der Grundgedanke beibehalten, ober bie Fassung geänbert unb bie Strafe verschärft. Der Absatz beginnt jetzt mit den Morten: „Hat der Herausfordernde oder der Annehmend« die Herausforderung freventlich verschuldet" und setzt als Strafe Gefängnis von gleicher Dauer fest, während der Vorentwurf nur Haftstrafe von geschärfter Dauer vorgesehen hatte. Im dritten Absatz wurde statt „die Parteien" „eine Partei" gesetzt. Die Straflosigkeit wird nach den neuen Beschlüsien noch über die im Vorentwurf schon genannten Personen hinaus auch auf die Mitglieder des Ehrengerichts ausgedehnt. Der Abschnitt von der Anreizung zum Zweikampf ist, bis auf eine kleine redaktionelle Aenderung, unverändert geblieben. Hier ist jedoch als Strafe, abgesehen von der Aenderung der Haft in Einschließung, neben der Einschließung wahlweise Gefängnis zugelasien und das Höchstmaß der Strafen um ein Bedeutendes, nämlich bis auf 5 Jahre, erhöht worden. Unter diesen Paragraphen fällt auch die Anreizung zum Zweikampf mit Schlägern, dagegen ist die Herausforderung zur Schlägermensur straflos geblieben.
daß Claus mit großen, leuchtenden Augen nach der Tür starrte, und als er sich verwundert umwandte, rückte auch er überrascht in seinem Stuhl zurück.
Es war ein reizvolles Bild, was sich ihnen bot. Regina Volkmar hatte die entstellende Kopfhülle abgelegt und kam nun mit der ruhigen Grazie, die ihr eigen war, langsam herüber. Funkelnde Sonnenlichter fielen durch die Zweige der Linde auf das wunderschöne, üppige Haar, welches das fein gerundete Oval ihres Gesicht umgab und in schweren, glänzenden Flechten aufgesteckt war. Claus meinte, nie so schönes Haar gesehen zu haben, vor allem nicht diesen entzückenden Haaransatz übet der Stirn und an den Schläfen. Die herrlichen Augen kamen erst jetzt zur Geltung, da sie aus dem feinen, zartgeröteten Gesicht herausleuchteten. Dieselben warmen, goldigen Lichter, welche die Sonne auf dem kastanienbraunen Haar beranr,räuberte, schienen auch aus den Augen zu blitzen. Regina bot ein Bild feiner, bezaubernder Anmut und Lieblichkeit, trotz der etwas herben Abwehr, die sich im Ausdruck ihres Gesichts kundgab. Sie ließ fick, ohne nach den Herren hiniiberzuschauen, an dem Tisch nieder und antwortete freundlich auf das muntere Geplauder der Wirtin, die sich, nachdem sie Regina ihre Mahlzeit gebracht hatte, ins Haus zurückzog.
Nun hielt es Claus an der Zeit, sich bet Regina zu entschuldigen. „Wir hielten Sie für die Tochter der Wirtin," sagte er, den Hut in der Hand sich ihr nähernd, nachdem Regina ihre Mahlzeit beendet hatte. „Wir sind beschämt über unsere Ungeschicklichkeit," fügte Fritz Hartenstein, ebenfalls herüberkommend, hinzu.
Sie sah ruhig, aber noch tiefer errötend zu den beiden Herren aus.
„Bitte sehr, meine Herren. Die Beschäftigung, bei der Sie mich antrafen und „das greuliche Kopftuch" konnte leicht den Irrtum verschulden." „Das greuliche Kopftuch" kam mit einer allerliebsten kleinen Malice heraus.
Darauf „gestatteten" die Herren sich vorzustellen: „Claus Ruthark, Kaufmann", — „Fritz Hartenstein, Architekt", — sie sahen beide dabei so einfach und harmlos aus, daß auch Regina den Mut fand, sich gleich harmlos als „Regina Volkmar, Sprachlehrerin an einem Töchterinstitut zur Zeit Sommergast in diesem idyllischen Dörfchen" vorzusteven._ „Da; Heuwenden habe ich heute das erste Mal probiert," fügte sie lächeln?
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